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Produkte von Johnny Haeusler | 0

Ziemlich schlimm und dann toll

Das Störendste am Älterwerden ist der Verlust des Glaubens an die eigene Unsterblichkeit. Ab einer gewissen Altersklasse wird der Kanal nicht mehr gewechselt, wenn Arte über todbringende Krankheiten berichtet, die Leiter wird mehrfach vor dem Besteigen auf Standfestigkeit überprüft und bei der Wahl eines neuen Wagens stehen nicht mehr der Preis und die Farbe im Vordergrund, sondern die Anzahl der Airbags. Und die Farbe.

Noch vor 6 Jahren habe ich Leute ausgelacht, die sich auf dem Rücksitz anschnallen. Ich tue das ehrlich gesagt heute noch, aber vermutlich mehr aus Jugendwahn denn aus Überzeugung.

In natürlich viel belangloserem Rahmen wurde mir kürzlich meine eigene Sterblichkeit (und damit Gleicheit mit allen Anderen) mehr als klar gemacht: Mein nagelneues 12″ PowerBook hatte eine Macke (der Rechner frierte (fror?) mehrfach am Tag ein) und musste zur Reparatur. Natürlich bemerkte ich das erst, als ich die 3 Tage Neuinstallation aller meiner Daten auf die neue Kiste bereits hinter mir hatte.

Für jemanden, der täglich mindestens 8 Stunden mit der Kiste verbringt, ist das Verschicken seines Rechners zur Reparatur der Untergang. Bedeutet es nämlich nichts anderes als das zeitraubende Kopieren von Daten (Backup!) auf eine zunächst aufzutreibende Festplattte (gehört natürlich in jeden Haushalt…). Wären es nur einfache Text-, Bild- und sonstwas Daten, die verschoben werden müssen, wäre das zwar nervenaufreibend, aber halb so wild. Das größere Problem sind später neu zu installierende Programme und etwaige Einstellungen, E-Mails und Bookmarks und andere in den Systemstrukturen verborgene Dateien, die sich auf einem persönlichen Rechner befinden und deren Verlust der Verlust der eigenen, wenn auch virtuellen Identität der letzten Jahre bedeuten könnte.

Man lernt dabei allerdings sehr gut seinen Rechner kennen. Ich weiß jetzt, dass Mac OS X alle E-Mails und Entourage-Einstellungen in einer einzigen Datei in meinem Home Verzeichnis speichert (/usr/johnny/Documents/Microsoft-Benutzerdaten). Toll, oder? Da ich den Rechner natürlich nicht einfach nach dem ersten Fehler zur Reparatur gegeben habe, sondern mich zunächst auf die eigene Fehlersuche inklusive mehrfacher kompletter Neuinstallation des Systems gemacht habe, weiß ich inzwischen auch die Seriennummern meiner Photoshop-, Office- und Acrobat-Installationen auswendig und kann die jeweiligen Original CDs am Geruch erkennen.

Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, kann man sich die Situation des Besitzers eines neuen Computers, der kaputt ist, jedoch noch verschlechtern. Nämlich dann, wenn der Reparaturservice nach etwa einer Woche meint, an dem Gerät sei kein Fehler zu finden. Man habe alles getestet, alles super einwandfrei. Ist es nicht, ist meine Erwiderung und ich bestehe darauf, dass das Gerät zu Apple geschickt wird.

Inzwischen bin ich bei sämtlichen Paranoiker-Foren im Internet registrierter Nutzer und weiß, dass die erste Auflage des 12″ PowerBooks sowieso voller Macken ist, dass wahrscheinlich meine Hauptplatine komplett kaputt ist und ich wahrscheinlich keine Chance habe, ein funktionierendes Gerät zurück zu erhalten.

Zwei Wochen später, mein PowerBook ist zurück von Apple beim Händler. Auch die Superprofis, die, die die Kiste schließlich gebaut haben (bzw. diesen Bau in Auftrag gegeben haben), können keinen Fehler entdecken. Da kann man nichts machen, meint der Händler. Ich fange an zu weinen. Da geschieht das unglaubliche.

Der Händler versteht meine Situation (er sagt das nicht nur, weil er es in einem Kurs gelernt hat, dass er das sagen sollte). Er versteht sie. Er glaubt mir, dass ich den Rechner nicht eingeschickt habe, weil es mir Spaß macht, große Pakete zu versenden. Er glaubt mir, dass ich mit 18 Jahren Macintosh-Erfahrung beurteilen kann, ob der Rechner in Ordnung ist oder nicht. Er empfiehlt mir nicht, doch mal einen Neustart zu machen. Sondern er bietet mir, obwohl bei meinem Gerät rein technisch kein Fehler zu finden ist, ein komplett neues Austauschgerät gegen die geringe Bearbeitungsgebühr von 100 Euro an.

Ich bin fassungslos. Mein Weinen ist jetzt ein hysterisches. Ich frage den Mann, ob er schon verheiratet ist. Ich biete ihm Sex und Alkohol als Gegenleistung. Und ich sage Danke.

Ich erwähne diesen äußerst kundenfreundlichen Online-Händler hier nur deshalb nicht mit Namen, um Nachamer zu verhindern, die aus nichtigen Gründen einen Rechner umtauschen wollen. Ich würde gern für den Laden Werbung machen, denn er hat einen Service gezeigt, der verdammt selten ist. Bei Interesse kann man den Namen des Händlers aber bei mir per Mail erfragen.

Das neue 12″ PowerBook läuft übrigens einwandfrei. Kein Einfrieren, keine Abstürze.

Johnny Haeusler 27.05.2003 um 12:49

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