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Positionen von Johnny Haeusler | 4

The right a-Peel

Ich muss euch was gestehen:

Ich war am vergangenen Freitag zum ersten Mal im Magnet. So ist das, wenn man Papa ist. Da ist der ruhige Abend mit ‘ner guten DVD wichtiger als der heißeste Club. Naja, und sein wir mal ehrlich: die gute DVD ist auch schon einige Wochen her, in Wahrheit arbeite ich mir gerade den Hintern ab und außerdem haben die Jungs den DVD Player klein bekommen (PowerBook im Bett tut’s aber natürlich auch sehr gut).

Umso überraschter war ich aber von dem Laden, sehr nette Stimmung und für Berliner Verhältnisse ungewöhnlich nettes und flottes Tresenpersonal, prima Musik (auffallend hohe Anzahl an DJanes) und ein sympathisches Publikum, welches natürlich zumindest in den beiden „Hauptabteilungen“ des Ladens im Schnitt 15 Jahre jünger war als ich. So konnte ich wenigstens ein paar Cent nebenbei machen, wenn ich vor den Toiletten stand und die herauskommenden Nachtgestalten dachten, ich wäre für die Reinigung selbiger zuständig.

Trevor Wilson als Master Of Ceremony, Martin Petersdorf, Germo Robra und Electric Galenza als alte und liebe Radiofreunde, dazu noch Tom von Klee und viele andere bekannte Gesichter sorgten für einen angenehmen Abend in Peel Tradition, inklusive der von Trevor auf DVD mitgebrachten BBC Doku „Lost on the Autobahn“ oder so ähnlich, in der John Peel uns mit seinem Auto durch Deutschland fährt. Sehr schön, schade um den grausamen Ton.

Hätte Trevor mich etwas besser vorbereitet (“Soll ich Platten mitbringen?“ - „Nö.“) , hätte ich auch eigene Platten mitgehabt, so schlug ich mich als einer von vielen DJs etwa eine Stunde lang mit Martins Platten durch, immerhin u.a.mit Perlen wie Smash It Up (Damned), Sheena Is A Punkrocker (Ramones), You Got My Number (Undertones), Down In The Tubestation At Midnight (The Jam), Bankrobber (The Clash), Denis (Blondie), California Uber Alles (Dead Kennedys), Dirty Old Town (The Pogues) und so weiter, um mal einen Eindruck zu geben.

Wäre ich nicht immer noch gesundheitlich eher mies drauf gewesen, hätte mir das sicher noch mehr Spaß gemacht. War aber auch so erst um 4h zu Hause (Väter betonen sowas gerne…. eine Aussage wie „War bis 4h unterwegs“ hat in Elternkreisen einen ähnlichen Stellenwert wie „Habe gestern fünf verschiedene Drogen gleichzeitig genommen und mit sechs Menschen mir unbekannten Geschlechts Sex gehabt“ unter 18jährigen und impliziert darüber hinaus eine gut funktionierende Partnerschaft oder einen extrem fitten Babysitter, ist somit also beneidenswert).

WARNUNG FÜR MINDERJÄHRIGE: Der letzte Satz des vorhergehenden Abschnitts hat reinen Belustigungscharakter. Er soll weder Drogen verherrlichen (schon gar nicht die gleichzeitige Einnahme von fünf verschiedenen Substanzen, das geht immer schief) noch den Geschlechtsverkehr mit mehreren fremden Menschen noch dazu ohne präventive Maßnahmen zur Vermeidung der Übertragung von Krankheiten und ungewollten Schwangerschaften als erstrebenswert darstellen.

Aber ‘ne spannende Erfahrung wär’s schon.

Zurück im Magnet hatte ich auf alle Fälle den Eindruck, dass die zahlreich Anwesenden ihren Spaß hatten und dass ein Verständnis für den Grund des Abends in der Luft lag. Man konnte viele Gespräche über John Peel aufschnappen und somit fühlte sich der Abend zweifelsohne wie ein besonderer an.

Und trotz des traurigen Anlasses musste ich den ganzen Abend lächeln. Darüber, wieviel Spaß die Nacht in Berlin machen kann, wieviel nette Gesichter diese sonst so angepisste Stadt hat und dass es in Berlin immer noch die tollsten, weil einzigartigsten Frauen dieses Landes gibt (ich war allerdings noch nie in Wuppertal, insofern dieses letzte Statement also unter Vorbehalt).

Und irgendwann habe ich mir dann John Peel zusammen mit Joe Strummer, Johnny Cash, Joey und Johnny Ramone (fällt jemanden etwas auf? Danke, es geht mir sehr gut, und ich hoffe, ich muss mir auch keine Sorgen um Joe Ely machen) und anderen verstorbenen Helden vorgestellt und dachte lächelnd mit meinem Bier in der Hand: Death Is Not The End!

P.S.: Am nächsten Tag musste ich mir dann von meinem Ältesten anhören, ich würde stinken. Punk’s not dad, sozusagen.

Johnny Haeusler 31.10.2004 um 23:07

Positionen

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4 Kommentare

  1. 01

    Alexander:

    Ich war schon in Wuppertal - und Deine Diagnose stimmt, ich kann Dich beruhigen. Sorry, liebe Wuppertaler, aber selten habe ich in so viele trübe Gesichter geschaut. Habt Ihr nix zu lachen?

    P.S.: Als ich mich neulich um 22:00 fertig zum Ausgehen machte, überkam mich eine derartige Müdigkeit, die mich mit aller Macht auf das Sofa zu zwingen drohte. Grausam - habe nur mit Mühe widerstanden. Und am nächsten Morgen das gleiche Theater. Mein Ältester nölt mich an. “Geh weg, Du hast Mundgeruch!”. Schön, dass es Anderen auch zu geht :-)

    01.11.2004 um 11:13 | Antworten
    Alle Kommentare von Alexander
  2. 02

    johnny:

    Tja, die lieben Kleinen haben in dem (Geruchs-) Punkt wohl leider recht. Schluss also mit Trinken, Rauchen und in Kneipen gehen für uns.

    Und in 10 Jahren müssen wir uns dann anhören, wie langweilig wir schon immer waren. :)

    01.11.2004 um 11:29 | Antworten
    Alle Kommentare von johnny
  3. 03

    jot-oh!:

    > [...]
    > inklusive der von Trevor auf DVD mitgebrachten BBC Doku “Lost on the > Autobahn” oder so ähnlich, in der John Peel uns mit seinem Auto durch > Deutschland fährt. Sehr schön, schade um den grausamen Ton.

    Besser als gar kein Ton… Als ich endlich in der Magnet-Lounge ankam, kam ebendieser Film ja nur noch in Dauerrotation ohne Ton. Schien interessant zu sein - hab ihn ca. 5 Mal gesehen. Aber der O-ton würde mich natürlich auch sehr interessieren. Wie kommt man da ran?
    Dafür war der Ersatz-ton in Form von Musik natürlich mindestens genauso gut….

    > so schlug ich mich als einer von vielen DJs etwa eine Stunde lang mit
    > Martins Platten durch, immerhin u.a.mit Perlen wie Smash It Up
    > (Damned), Sheena Is A Punkrocker (Ramones), You Got My Number
    > (Undertones), Down In The Tubestation At Midnight (The Jam),
    > Bankrobber (The Clash), Denis (Blondie), California Uber Alles (Dead
    > Kennedys), Dirty Old Town (The Pogues) und so weiter….

    Schade, dass du hier fast alles was du spieltest, gleich dokumentiertest.
    Du hättest ja auch aus dem Ganzen eine Quizkomponente machen können, um zu sehen a) wieviele Menschen durch die Mitteilung zur Lounge in den Magnet kamen b) wie gut überhaupt aufgepasst wurde ;) [Ich hätte ca. 3,5 Titel noch zusammenbekommen]

    War auf jeden Fall sehr schön, dafür, dass du keine Platten mithattest! Aber ein bißchen länger hätte es wirklich sein können…..
    :)

    08.11.2004 um 14:08 | Antworten
    Alle Kommentare von jot-oh!
  4. 04

    johnny:

    Ist ja fast Zeit für nette Abende mit 70er und 80er Jahre Vinylplatten. Wäre ‘ne Clubidee. Erfahrungsgemäß verliert sowas aber mit Regelmäßigkeit und ist immer viel schöner als beinahe einmaliger Event. Wenn es sowas geben sollte in Zukunft, erfährt man es hier zuerst. :)

    08.11.2004 um 14:15 | Antworten
    Alle Kommentare von johnny

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