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I live by the river!
09.07.08
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Pop mark von Johnny Haeusler | 18

Schwimmbad-Erinnerungen

Ich bin kein großer Schwimmbad-GĂ€nger. Zu viele schlechte Erinnerungen an Schwimmkurse, an witzige MitschĂŒler die sich mit vollem Gewicht von hinten auf meine Schultern stemmen, weil es so lustig ist, wenn jemand unerwartet Wasser schluckt. An chlorgerötete Augen und das Wissen darum, dass man nicht so tolle Muskeln hatte, wie die anderen.

Ich war als junger Pimpf eher ein Beckenrandsitzer. Man machte einen nicht ganz so ausgrenzenden Eindruck, konnte die MĂ€dchen beobachten und wenn man sich vorher kurz unter die Dusche gestellt hatte dachten diese, dass man sich gerade entweder von den dreißig Bahnen ausruht oder soeben vom 10-Meter-Sprungbrett zurĂŒckgekehrt ist.

„Hi“, sagte sie, die sich am Beckenrand neben mich gesetzt hatte.

„Hallo“. Wow. Ich werde von einer fremden Frau angesprochen. Wie cool. Jetzt nichts falsches tun. Um auf Nummer sicher zu gehen, tue ich also gar nichts.

„I’m from the USA“, erklĂ€rte sie ihr Englisch. Ich werde von einer fremden, fremdsprachigen Frau angesprochen. Ich rocke. Und habe noch keine Ahnung, warum. Die ErklĂ€rung lĂ€sst jedoch nicht lange auf sich warten.

„I really like your music“. Alles klar. Ich rocke im wahrsten Sinne des Wortes. Das Jahr ist 1990, meine Band hat gerade das erste Album auf einem großen Label veröffentlicht, die Platte ist auch in den USA erschienen und jetzt sitze ich hier in einem Berliner Schwimmbad und rede mit den ersten amerikanischen Fans. Rock’n Roll, here I come. Das Verlangen, sofort aufzustehen und es den Jungs zu erzĂ€hlen, muss noch etwas unterdrĂŒckt werden. Schließlich befinde ich mich im GesprĂ€ch mit einer immer bezaubernder werdenden jungen Dame.

„Oh, thank you, that’s nice. Did you hear the new record?“, taste ich mich vor. Ja, she did: „Absolutely, and I love it. It’s wonderful! I love that single, what’s the name…“. „Scotty!“, replye ich.

„Yeah, I believe that’s the one“, lĂ€chelt sie und beginnt, mit den Beinen zu schaukeln, wie das junge MĂ€dchen eben tun, wenn sie neben ihrem Lieblingsrockstar am Schwimmbeckenrand plaudern. Ich schaukel auch und stemme mich im Sitzen ein ganz klein wenig mit den Armen hoch, nur soviel, dass meine Oberarm-Muskulatur etwas mehr Schatten wirft.

Wir diskutieren die Platte. „Romantic“ und auch ein wenig „dark“ findet sie das Album, was es beides nicht ist, aber das ist mir ziemlich schnuppe. Denn was weiß erstens ich, wie Amis Musik empfinden und wer wĂ€re in meiner Situation zweitens so blöd gewesen, ihr zu widersprechen? Eben. Sie ist on holidays und wird bald wieder nach Home zurĂŒckkehren.

„I have seen you live, twice already“. Es ist nicht ihr LĂ€cheln, das mich jetzt irritiert. Sondern diese Aussage.

„Really?“, ist meine RĂŒckquestion, „Where?“.

Sie nennt zwei StĂ€dte in den USA. In denen wir nie gespielt haben. Ich werde nervös. Etwas stimmt hier nicht. Die Anspannung meiner Arme geht auf meinen gesamten Körper ĂŒber.

„Ah. I see. But I think… uhm… also… we never played there. Yet, I mean. Of course we would love to play there, but unfortunately, we never have.“

„You didn’t?“

„No.“

„Oh. Are you not Nick?“


Happy Birthday, Nick!

Johnny Haeusler 22.09.2005 um 13:26

Pop

Du kannst kommentieren, oder einen Trackback von deinem Blog aus setzen.


18 Kommentare

  1. 01

    jochen:

    man koennte schlimmer verwechselt werden :-)

    22.09.2005 um 13:31 | Antworten
    Alle Kommentare von jochen
  2. 02

    ovit:

    ach du bist gar nicht nick cave? dann bin ich ja hier falsch. sry.

    22.09.2005 um 13:32 | Antworten
    Alle Kommentare von ovit
  3. 03

    Johnny:

    jochen: Allerdings!

    22.09.2005 um 13:32 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  4. 04

    msc:

    HÀttest Du den Irrtum nicht NACH dem Hotelzimmer aufklÀren können?

    Ich mein’ ja nur ;-)

    22.09.2005 um 13:32 | Antworten
    Alle Kommentare von msc
  5. 05

    tanja:

    Nick Cave am Beckenrand eines Freibads hÀtte einen eigentlich stutzig genug machen sollen.
    Im Zweifelsfall hĂ€tte ich mich aber ganz sicher auch danebengesetzt, denn vielleicht hat ihn ja das deutsche Wort “Bad” dorthingelockt!?

    22.09.2005 um 13:36 | Antworten
    Alle Kommentare von tanja
  6. 06

    Atomaffe:

    Ich will auch mit Nick Cave verwechselt werden.
    Aber ich habe letztens mit einem Freund Konzertdaten in unserer Gegend durchgesehen, und da stand auch bei einem Konzert in Essen “Plan B”.
    Er meinte direkt “Plan B aus Berlin? Die gibts noch? Lass uns da unbedingt hinfahren!”. Wollte ich nur kurz erzĂ€hlt haben ,-)

    22.09.2005 um 13:41 | Antworten
    Alle Kommentare von Atomaffe
  7. 07

    Johnny:

    Atomaffe, ich glaub’, es gibt inzwischen drei Plan Bs… alles nicht wir. :)

    22.09.2005 um 13:47 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  8. 08

    Joerg-Olaf:

    Überhaupt, diese Kulturform des Beckenrandsitzens war mir bisher eher unbekannt. Macht man das so in Berlin?

    Hier in unten ist das eher unbekannt. Schlimmer noch, Beckenrandsitzen war untersagt. Damals, als Bademeisteraushilfe (Hee, gutes Geld, Kaffee, Kuchen und Telefonnummern for free - auch so eine Art Rock’n'Roll) mussten wir die Beckenrandsitzer immer ins Wasser schubsen oder auf die Wiese bitten.

    Der Ordnung wegen: Beckenrandsitzer vergreifen sich nĂ€mlich gern der Beckenrandkordel (Beckenrandsteher sind hingegen kein Problem …).

    22.09.2005 um 13:47 | Antworten
    Alle Kommentare von Joerg-Olaf
  9. 09

    muschiclub:

    und hinterher Ă€rgert man sich darĂŒber, die wahrheit gesagt zu haben. der nick wĂ€re an diesem tag doch eine 1a-fickgarantie gewesen!

    22.09.2005 um 13:47 | Antworten
    Alle Kommentare von muschiclub
  10. 10

    Johnny:

    Joerg-Olaf, du warst mal Bademeister?? Das blogg’ ich.

    22.09.2005 um 13:57 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  11. 11

    bussibaer:

    1990 sah nick cave aber alles andere als halbwegs gesund aus.
    das wuerde mir eher zu denken geben.

    22.09.2005 um 13:57 | Antworten
    Alle Kommentare von bussibaer
  12. 12

    Yves:

    Es gibt auch “Plan B from outer space” aus Dortmund… da hab ich mal Bass gespielt.

    22.09.2005 um 13:57 | Antworten
    Alle Kommentare von Yves
  13. 13

    Johnny:

    Aber der Film hieß doch “Plan 9 from outer space“?

    22.09.2005 um 14:03 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  14. 14

    sirstick:

    Was steckt eigentlich hinter dem “Plan B” was auf manchen Berliner Taxen als Werbung aufgeklebt ist? Ich habe das immer nur im vorbeifahren gesehen und bin nie dahinter gekommen, was dit is…

    Und nix gegen Bademeister! Oder DLRG-Schwimmbadaufseher, aufm Dorf ist das ne Fast-Fickgarantie…

    22.09.2005 um 15:51 | Antworten
    Alle Kommentare von sirstick
  15. 15

    Moppelmann:

    Ein alter Freund von mir wurde mal in meiner Heimatstadt auf der Kirmes am Autoscooter grundlos und fĂŒr ihn ziemlich ĂŒberraschend von zwei Herren vermöbelt, von denen der eine wĂ€hrend der Klopperei plötzlich etwas sagte wie “So, Jochen, das wird dir eine Lehre sein!” und mein Bekannter sagte: “Jochen? Wer soll das sein?!”, woraufhin die beiden Herren von ihm abliessen und sich mit SĂ€tzen wie “Äh, war wohl eine Verwechslung, tut uns leid” verabschiedeten, dagegen finde ich die Schwimmbadgeschichte doch recht angenehm. :-)

    22.09.2005 um 16:18 | Antworten
    Alle Kommentare von Moppelmann
  16. 16

    r0ssi:

    Nick Cave im Schwimmbad - dafĂŒr wĂŒrde meine Phantasie wohl auch unter LSD-Einfluss nicht ausreichen. *g*

    22.09.2005 um 18:17 | Antworten
    Alle Kommentare von r0ssi
  17. 17

    Andi:

    Große Geschichte!
    Aber wie ging es dann weiter?
    Komm, wenigstens einen Schlußsatz.
    Muß bei gelegenheit mal hören, was bei Cave 1990 aktuell war.

    22.09.2005 um 18:25 | Antworten
    Alle Kommentare von Andi
  18. 18

    j.:

    hey sirstick: Plan B in Berlin ist schlichtweg der Name eines (ich meine Kreuzberger) Taxi-Unternehmens. Langweilig, eh?

    Ich bekomme ĂŒbrigens dauernd mitgeteilt, wie arg ich meinem Bruder Ă€hnele, was auch erheblich nervt (auch wenn er schwer okay geht, aber wir sind halt doch zwei recht unterschiedliche Charaktere, knowwhaddamean?).

    23.09.2005 um 13:49 | Antworten
    Alle Kommentare von j.

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