Ich bin kein groĂer Schwimmbad-GĂ€nger. Zu viele schlechte Erinnerungen an Schwimmkurse, an witzige MitschĂŒler die sich mit vollem Gewicht von hinten auf meine Schultern stemmen, weil es so lustig ist, wenn jemand unerwartet Wasser schluckt. An chlorgerötete Augen und das Wissen darum, dass man nicht so tolle Muskeln hatte, wie die anderen.
Ich war als junger Pimpf eher ein Beckenrandsitzer. Man machte einen nicht ganz so ausgrenzenden Eindruck, konnte die MĂ€dchen beobachten und wenn man sich vorher kurz unter die Dusche gestellt hatte dachten diese, dass man sich gerade entweder von den dreiĂig Bahnen ausruht oder soeben vom 10-Meter-Sprungbrett zurĂŒckgekehrt ist.
„Hi“, sagte sie, die sich am Beckenrand neben mich gesetzt hatte.
„Hallo“. Wow. Ich werde von einer fremden Frau angesprochen. Wie cool. Jetzt nichts falsches tun. Um auf Nummer sicher zu gehen, tue ich also gar nichts.
„I’m from the USA“, erklĂ€rte sie ihr Englisch. Ich werde von einer fremden, fremdsprachigen Frau angesprochen. Ich rocke. Und habe noch keine Ahnung, warum. Die ErklĂ€rung lĂ€sst jedoch nicht lange auf sich warten.
„I really like your music“. Alles klar. Ich rocke im wahrsten Sinne des Wortes. Das Jahr ist 1990, meine Band hat gerade das erste Album auf einem groĂen Label veröffentlicht, die Platte ist auch in den USA erschienen und jetzt sitze ich hier in einem Berliner Schwimmbad und rede mit den ersten amerikanischen Fans. Rock’n Roll, here I come. Das Verlangen, sofort aufzustehen und es den Jungs zu erzĂ€hlen, muss noch etwas unterdrĂŒckt werden. SchlieĂlich befinde ich mich im GesprĂ€ch mit einer immer bezaubernder werdenden jungen Dame.
„Oh, thank you, that’s nice. Did you hear the new record?“, taste ich mich vor. Ja, she did: „Absolutely, and I love it. It’s wonderful! I love that single, what’s the name…“. „Scotty!“, replye ich.
„Yeah, I believe that’s the one“, lĂ€chelt sie und beginnt, mit den Beinen zu schaukeln, wie das junge MĂ€dchen eben tun, wenn sie neben ihrem Lieblingsrockstar am Schwimmbeckenrand plaudern. Ich schaukel auch und stemme mich im Sitzen ein ganz klein wenig mit den Armen hoch, nur soviel, dass meine Oberarm-Muskulatur etwas mehr Schatten wirft.
Wir diskutieren die Platte. „Romantic“ und auch ein wenig „dark“ findet sie das Album, was es beides nicht ist, aber das ist mir ziemlich schnuppe. Denn was weiĂ erstens ich, wie Amis Musik empfinden und wer wĂ€re in meiner Situation zweitens so blöd gewesen, ihr zu widersprechen? Eben. Sie ist on holidays und wird bald wieder nach Home zurĂŒckkehren.
„I have seen you live, twice already“. Es ist nicht ihr LĂ€cheln, das mich jetzt irritiert. Sondern diese Aussage.
„Really?“, ist meine RĂŒckquestion, „Where?“.
Sie nennt zwei StĂ€dte in den USA. In denen wir nie gespielt haben. Ich werde nervös. Etwas stimmt hier nicht. Die Anspannung meiner Arme geht auf meinen gesamten Körper ĂŒber.
„Ah. I see. But I think… uhm… also… we never played there. Yet, I mean. Of course we would love to play there, but unfortunately, we never have.“
„You didn’t?“
„No.“
„Oh. Are you not Nick?“

Happy Birthday, Nick!
01
man koennte schlimmer verwechselt werden :-)
Alle Kommentare von jochen
02
ach du bist gar nicht nick cave? dann bin ich ja hier falsch. sry.
Alle Kommentare von ovit
03
jochen: Allerdings!
Alle Kommentare von Johnny
04
HÀttest Du den Irrtum nicht NACH dem Hotelzimmer aufklÀren können?
Ich mein’ ja nur ;-)
Alle Kommentare von msc
05
Nick Cave am Beckenrand eines Freibads hÀtte einen eigentlich stutzig genug machen sollen.
Im Zweifelsfall hĂ€tte ich mich aber ganz sicher auch danebengesetzt, denn vielleicht hat ihn ja das deutsche Wort “Bad” dorthingelockt!?
Alle Kommentare von tanja
06
Ich will auch mit Nick Cave verwechselt werden.
Aber ich habe letztens mit einem Freund Konzertdaten in unserer Gegend durchgesehen, und da stand auch bei einem Konzert in Essen “Plan B”.
Er meinte direkt “Plan B aus Berlin? Die gibts noch? Lass uns da unbedingt hinfahren!”. Wollte ich nur kurz erzĂ€hlt haben ,-)
Alle Kommentare von Atomaffe
07
Atomaffe, ich glaub’, es gibt inzwischen drei Plan Bs… alles nicht wir. :)
Alle Kommentare von Johnny
08
Ăberhaupt, diese Kulturform des Beckenrandsitzens war mir bisher eher unbekannt. Macht man das so in Berlin?
Hier in unten ist das eher unbekannt. Schlimmer noch, Beckenrandsitzen war untersagt. Damals, als Bademeisteraushilfe (Hee, gutes Geld, Kaffee, Kuchen und Telefonnummern for free - auch so eine Art Rock’n'Roll) mussten wir die Beckenrandsitzer immer ins Wasser
schubsenoder auf die Wiese bitten.Der Ordnung wegen: Beckenrandsitzer vergreifen sich nĂ€mlich gern der Beckenrandkordel (Beckenrandsteher sind hingegen kein Problem …).
Alle Kommentare von Joerg-Olaf
09
und hinterher Ă€rgert man sich darĂŒber, die wahrheit gesagt zu haben. der nick wĂ€re an diesem tag doch eine 1a-fickgarantie gewesen!
Alle Kommentare von muschiclub
10
Joerg-Olaf, du warst mal Bademeister?? Das blogg’ ich.
Alle Kommentare von Johnny
11
1990 sah nick cave aber alles andere als halbwegs gesund aus.
das wuerde mir eher zu denken geben.
Alle Kommentare von bussibaer
12
Es gibt auch “Plan B from outer space” aus Dortmund… da hab ich mal Bass gespielt.
Alle Kommentare von Yves
13
Aber der Film hieĂ doch “Plan 9 from outer space“?
Alle Kommentare von Johnny
14
Was steckt eigentlich hinter dem “Plan B” was auf manchen Berliner Taxen als Werbung aufgeklebt ist? Ich habe das immer nur im vorbeifahren gesehen und bin nie dahinter gekommen, was dit is…
Und nix gegen Bademeister! Oder DLRG-Schwimmbadaufseher, aufm Dorf ist das ne Fast-Fickgarantie…
Alle Kommentare von sirstick
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Ein alter Freund von mir wurde mal in meiner Heimatstadt auf der Kirmes am Autoscooter grundlos und fĂŒr ihn ziemlich ĂŒberraschend von zwei Herren vermöbelt, von denen der eine wĂ€hrend der Klopperei plötzlich etwas sagte wie “So, Jochen, das wird dir eine Lehre sein!” und mein Bekannter sagte: “Jochen? Wer soll das sein?!”, woraufhin die beiden Herren von ihm abliessen und sich mit SĂ€tzen wie “Ăh, war wohl eine Verwechslung, tut uns leid” verabschiedeten, dagegen finde ich die Schwimmbadgeschichte doch recht angenehm. :-)
Alle Kommentare von Moppelmann
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Nick Cave im Schwimmbad - dafĂŒr wĂŒrde meine Phantasie wohl auch unter LSD-Einfluss nicht ausreichen. *g*
Alle Kommentare von r0ssi
17
GroĂe Geschichte!
Aber wie ging es dann weiter?
Komm, wenigstens einen SchluĂsatz.
Muà bei gelegenheit mal hören, was bei Cave 1990 aktuell war.
Alle Kommentare von Andi
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hey sirstick: Plan B in Berlin ist schlichtweg der Name eines (ich meine Kreuzberger) Taxi-Unternehmens. Langweilig, eh?
Ich bekomme ĂŒbrigens dauernd mitgeteilt, wie arg ich meinem Bruder Ă€hnele, was auch erheblich nervt (auch wenn er schwer okay geht, aber wir sind halt doch zwei recht unterschiedliche Charaktere, knowwhaddamean?).
Alle Kommentare von j.