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Pop mark von Johnny Haeusler | 22

Eine Murmelbahn aus Papier

In den nächsten paar Tagen bin ich unterwegs, werde also noch weniger schreiben. Das ist für alle Leserinnen und Leser natürlich eine heikle, fast existenzbedrohende Situation: den ganzen Tag vor dem weißen Bildschirm, im Internet wieder nix los, alle 1.639 Spreeblick-Artikel schon dreimal gelesen und kommentiert, was soll man da machen?

Fear not, fellow Konsensgegner! Lest einfach den folgenden Artikel, druckt euch die Bilder und die Anleitung aus, besorgt euch viele große Bögen Papier, ein paar große Bögen Pappe und etwas Klebstoff, klaut den Nachbarskindern eine Tüte Murmeln und bastelt übers Wochenende …

Eine Murmelbahn aus Papier!

Untertitel: Spiel, Spaß und auch Fun and Games für die ganze Bagage!

Um zu einer Papiermurmelbahn zu kommen, bei deren Anblick Frauen vor euch auf die Knie fallen und sich Männer neidvoll abwenden werden, braucht man neben den oben genannten Utensilien und etwas Geduld noch eine gute, große Schere. Noch besser ist ein anständiger Cutter (Vorsicht! Das Laminat!) und ein möglichst großes Schneide-Lineal. Also nicht das aus Holz.

Die Papier- und Pappe-Bögen sollte man so groß wie möglich wählen, wenn man Superlativen in der Geschichte des Papiermurmelbahnbaus anstrebt, und wer tut das nicht? DIN A3 reicht kaum, geht aber, dauert halt etwas länger mit der Streckenplanung.

Für eben jene Strecke wird das Papier benötigt. Man schneidet zunächst viele Längsstreifen aus, deren Breite vom Durchmesser der verwendeten Murmeln abhängig ist, da ein Drittel der Papierbreite die spätere Bahn ausmacht (die anderen beiden Drittel bilden die Seitenteile). Soll heißen: hat die Murmel einen Durchmesser von acht Millimetern, sollten die Längsstreifen ca. dreimal einen Zentimeter breit sein (man kann den Computer dafür ausgeschaltet lassen, einmal kurz mit dem Auge prüfen reicht völlig). Die Kugel muss durch die Bahn passen, die man nach dem Zurechtschneiden der Papierstreifen durch zweimaliges, gleichmäßig verteiltes Längsfalten eben dieser Streifen vor sich sieht. Siehe Bilder, siehe PDF-Anleitung.

Mit diesen zu einem eckigen „U“ gefalteten Papierstreifen lässt sich viel anstellen, wenn man es ernst meint mit der Papiermurmelbahn-Konstruktion. Kurven baut man, indem regelmäßig verteilte Einschnitte in ein Seitenteil und die Hauptstrecke die Verformung des Papierstreifens zulassen, überlappende Elemente werden nach Zufriedenheitsprüfung mit der Kurvung zusammengeklebt. Loopings sind ähnlich umzusetzen, allein müssen an dieser Stelle die Einschnitte an beiden Seitenteilen, nicht jedoch an der Hauptstrecke erfolgen. Siehe Bilder, siehe PDF-Anleitung.

Mit etwas Experimentierfreude kommt man durch dieses simple, aber effektive Verfahren der Papierstreifen-Manipulation auf erstaunliche Ideen wie Murmel-Falltüren, Sprungschanzen, Wippen und andere Schwerkraft-Studien. Siehe Bilder, siehe PDF-Anleitung.

Damit die Murmeln jedoch murmeln können, und zwar am besten der gerade mühevoll erstellten Strecke entlang, braucht die Bahn Stützen. Hier kommt (wer gut aufgepasst hat, hat es bereits vermutet) die Pappe ins Spiel. Naturgemäß kräftiger als Papier soll sie uns ihre Dienste für das Stütz- und Ständerwerk zur Verfügung stellen. Ein wiederholtes Mal werden dafür möglichst lange Streifen ausgeschnitten. Diese werden jedoch nur einmal längs gefaltet. Ein kleiner Längsschnitt an einem Ende des Streifens sorgt dann für zwei herumflabbernde Enden, mit deren Hilfe man die neugewonnenen Streckenstützen, -pfeiler und -ständer auf eine Grundplatte (auch hier: Pappe rules, ok!) aufkleben kann. Siehe Bilder, siehe PDF-Anleitung.

Die richtige und umsichtige Planung, der natürliche Feind des echten Nerds, lässt sich umgehen, indem man Kleber wählt, der die Einzelteile nicht sofort unwiderruflich aneinander bindet. Pobieren geht auch hier über ihr wisst schon und nach einigen Minuten hat man nicht nur den Papierbogen raus. Siehe Bilder, siehe PDF-Anleitung.

Zweiflern sei gesagt: Das alles macht höllisch Spaß, ist auch für Kinder ab etwa sechs Jahren eine, na klar, erbauliche Erfahrung (Papa plant, die Kinder lernen Streifen schneiden) und vor allem: es funktioniert. Die Bilder, entstanden im letzten Winter, beweisen es und für die ganz Kritischen und P.M.-Redakteure unter euch gibt es ein paar kurze MPG-Videoclips von unserer Bahn. Auf die sich irgendwann der Hund gelegt hat.

Video „Gesamtansicht“ (3,2 MB)
Video „Viele Murmeln“ (1,6 MB)
Video „Looping“ (1,2 MB)

Johnny Haeusler 13.10.2005 um 19:43

Pop

Du kannst kommentieren, oder einen Trackback von deinem Blog aus setzen.


22 Kommentare

  1. 01

    Gunnar:

    Fast meditativ, wenn man die Videos in der Schleife sieht/hört, besonders “Viele Murmeln”.

    13.10.2005 um 20:09 | Antworten
    Alle Kommentare von Gunnar
  2. 02

    schaedel:

    Kleber der nicht sofort fest wird:
    Fixo Gum, das Grundutensiel eines jeden Studenten der Stadtplanung/Architektur. Stinkt wie Sau, hält aber gut und lässt sich jederzeit wieder lösen.

    13.10.2005 um 20:54 | Antworten
    Alle Kommentare von schaedel
  3. 03

    Acid:

    Tipp für die Kleinkunstschaffenden:

    eine passende Kulisse herrichten
    das Ding bauen lassen (verwandte- oder Nachbarsgören - so hat man dann auch gleich viele Namen für den Abspann) :)
    die Szene hübsch ausleuchten
    Feuerzeugbenzin bereitstellen
    Nach einigen Testfahrten das Papier gut mit dem Brandbeschleuniger einweichen

    ***Kamera ab***
    **Kamera läuft**
    “Äktschn!”
    **abfackel**

    “cut, gestorben”

    Das Ganze mit dramatischer Musik aufbretzeln. Geschrei aus Katastrophenfilmen reinmischen.

    Wenn man mit mehreren Kameras arbeitet und/oder ein paar Zeitlupenstudien reinschnippelt, kann man den kleinen Event locker auf 5min. strecken.

    Yeah! Wer richtig Phantasie hat, “interviewt” vorher die Murmeln.
    Und danach vielleicht ein paar Überlebende.
    Man könnte kleine Smilie-Gesichter draufmalen und mit Stop Motion arbeiten…

    13.10.2005 um 21:12 | Antworten
    Alle Kommentare von Acid
  4. 04

    hubbi:

    lustig

    13.10.2005 um 21:15 | Antworten
    Alle Kommentare von hubbi
  5. 05

    Stefan:

    johnny, bist du dir darüber im klaren, das du sicherlich bald geboinboingt wirst?

    btw genial :d brauch ich nur noch ausreichend papier :)

    13.10.2005 um 21:20 | Antworten
    Alle Kommentare von Stefan
  6. 06

    Onkel Tank:

    bald kommen ja wieder die langen, dunklen winterabende … ich glaube ich weiss was ich dann bastel …

    13.10.2005 um 21:24 | Antworten
    Alle Kommentare von Onkel Tank
  7. 07

    Pascal:

    Hätte nicht gedacht, dass sowas hält, wenn die Murmeln durchrauschen… Aber bei sanfter Streckenführung hat man eh nichts zu befürchten.
    Man könnte auch ein Videohandy auf einem Matchboxauto hinter einer Murmel runterfahren lassen und mit der Grafik von Marble Blast Gold, das beim iBook usw dabei ist vergleichen…

    13.10.2005 um 21:35 | Antworten
    Alle Kommentare von Pascal
  8. 08

    Sven:

    Eine wirklich tolle Idee. Was macht man bloß an den langweiligen Winterabenden dieses Jahr, wenn man keine Kinder hat …?? Ich werde wohl im Internet sein ;-)

    14.10.2005 um 00:50 | Antworten
    Alle Kommentare von Sven
  9. 09

    Gerald:

    habe just auch über was aehnliches gebloggt ;-) frueher, als ich noch kind war habe ich auch so ne aehnliche murmelbahn gebaut. ich fand aber auch meinen geldautomaten mit papierfuehrung sehr unterhaltsam, der das geld durch ein paar papierne kaskaden durchrollen liess und dann nach groesse aussortiert hat :)

    14.10.2005 um 02:11 | Antworten
    Alle Kommentare von Gerald
  10. 10

    Tony:

    Was zm Teufel ist eine Murmelbahn?

    14.10.2005 um 09:06 | Antworten
    Alle Kommentare von Tony
  11. 11

    KleinesF:

    So lasse ich mich auf keinen Fall abspeisen, Herr Johnny. Ich werde jeden Tag hier auftauchen und Frust bekommen, weil nichts neues da steht. Und das wird für das mit Ihrer Seite verknüpfte Wohlbefinden nicht förderlich sein. Ich will geführt werden. Basta.

    14.10.2005 um 09:32 | Antworten
    Alle Kommentare von KleinesF
  12. 12

    stralau:

    Prima! Gleich an alle befreundeten Eltern weitergeleitet.

    Auch prima: das Spreeblick-Logo im PDF.

    14.10.2005 um 11:07 | Antworten
    Alle Kommentare von stralau
  13. 13

    diaet:

    Och nöö, Johnny - ich hab doch noch nicht mal mein USS Defiant (DS9) Pappmodell fertig, und dann kommst DU auch noch mit sowas?

    Ich komm zu nix mehr, noch nicht mal zu meinem Spanisch-Kurs.

    14.10.2005 um 11:27 | Antworten
    Alle Kommentare von diaet
  14. 14

    Boris:

    Manueller Trackback (mein Blog findet die Trackback-URL nicht):
    [...] Für die, die es etwas weniger exklusiv, aber dafür interaktiver und actionreicher haben möchten wurde gestern auf Spreeblick eine Anleitung zum Bau einer eigenen Murmelbahn veröffentlicht. [...]

    14.10.2005 um 17:37 | Antworten
    Alle Kommentare von Boris
  15. 15

    nodch:

    Super, der Tag ist gerettet und ich muss bei diesem blendenden Sonnenschein nicht raus, sondern bau eine Murmelbahn. Habt dank, habt dank, am Ende hätte ich noch soziale Kontakte pflegen müssen, soweit kommt es noch. ;)

    15.10.2005 um 16:27 | Antworten
    Alle Kommentare von nodch
  16. 16

    nahlinse:

    Ich musste so eine Bahn mal bei einem Teambildungsseminar bauen. Einziger Unterschied, wir durften keinen Kleber verwenden. Material: Jede Menge Papier und 5 Büroklammern. Gewonnen hatte das Team, bei dem die Kugel am längsten brauchte, bis sie unten angekommen war. Schönes Gefrickel war das :-). Interessanterweise haben die reinen Ingenieurteams nicht gewonnen. *eg*

    15.10.2005 um 19:57 | Antworten
    Alle Kommentare von nahlinse
  17. 17

    Martin:

    Ihr seid alles opfer!!!! soll ich euch von ramona sagen. Ihr Looser.

    16.10.2005 um 01:15 | Antworten
    Alle Kommentare von Martin
  18. 18

    anton zellerhoff:

    Liber Johnny,
    wenn mann die Videos rückwärts laufen lässt, dann ist das ganz lustig. Dann springen die Murmeln zurück in ein Hand.

    Anton. 5 Jahre

    18.10.2005 um 18:49 | Antworten
    Alle Kommentare von anton zellerhoff
  19. 19

    tim:

    wie geil ist das denn?

    03.05.2006 um 07:43 | Antworten
    Alle Kommentare von tim
  20. 20

    puppe:

    welche stärker nimmst du bei den pfeilern und bei der bahn selber?
    ich habe die pfeiler mit 220g/m² und die bahn aus “normalem” druckerpapier..ca.90g/m² gemacht–ich komme aber damit nur 20cm hoch..
    welchen klerber benutzt du..der uhu stick scheint mir ein bissche schwach zu sein und eine ganzschöne sauerei..bitte um antwort

    02.11.2006 um 14:30 | Antworten
    Alle Kommentare von puppe
  21. 21

    Johnny:

    puppe, ich hab’s nicht gewogen, aber das papier war schon schwerer als normales druckerpapier (fast pappe) und die pfeiler aus sehr festem karton…

    02.11.2006 um 14:47 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  22. 22

    Black66:

    ey dein projekt ist sau geil aber schwer zu bauen ich werde es versuchen

    09.02.2008 um 20:25 | Antworten
    Alle Kommentare von Black66

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