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Die Rückkehr des Wortes

Begleitend zu den Protesten der Studenten in Frankreich erhoben sich Stimmen gegen die Interpretation des Geschehens als Neuauflage der 68er Proteste. Sie sagten, die große Unterschied zu damals sei das Fehlen einer Utopie, die Abwesenheit eines Traums. Wie Unrecht sie haben.

Indymedia: “ž In den 60er Jahren wollten die Studenten die französische Gesellschaft umkrempeln. «Brecht die alten Strukturen auf!» hiess einer der Slogans. Ihre Kinder wollen keine Revolution, sie wollen vielmehr den Status quo erhalten. Sie wollen den gleichen Zugang zu Renten, zu Arbeitsplätzen, zu Wohlstand und den Leistungen des Sozialstaates wie ihre Eltern. Sie treibt die Angst auf die Strasse, dass der lieb gewonnene Lebensstil bedroht ist. … Während sie lautstark durch die Hauptstadt stampfen, mit Trommeln und Pfeifen ausgerüstet, fehlen ihnen Idealismus, Hoffnung, Utopie und konkrete Ideen. Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von fast 25 Prozent ist die Sorge allgegenwärtig, wie man einen Job findet, sich eine Wohnung leisten kann, genug Geld für die Gründung einer Familie verdienen soll.”

Den Studenten in Frankreich, und nicht nur ihnen fehlen also Ideen, es mangelt an Hoffnung und Glauben an eine bessere Welt. Unsere Generation träumt nicht mehr. So sagt man. Weil die verschiedenen Aspekte unserer Utopie noch nicht zusammengeführt wurden, heißt es, wir hätten keine. Nichts könnte falscher sein. Unsere Utopie wurzelt natürlich in den Gedanken und Konzepten der Hippies, nämlich in direkter Demokratie, der partizipierenden Öffentlichkeit und der grenzenlosen und Grenzen einreißenden Freiheit. Wir holen diese Ideen ins Hier und Jetzt und landen damit direkt in den Blogs. Zunächst.

Neil Postman erklärte in seinem Buch “žWir amüsieren uns zu Tode” das Ende des öffentlichen Diskurses durch das Medium Fernsehen und er hatte Recht. Das Fernsehen fordert eine bestimmte Form der Information, die den Rezipienten zur Passivität verdammt. Mit der immer weiter zunehmenden Verbreitungs des Webs verringert sich gleichzeitig der Einfluß des Fernsehens. Recht so! Wir müssen uns von der Couch verabschieden (wie ich und so viele es schon getan haben). Ich proklamiere die Rückkehr des öffentlichen Diskurses durch das Internet und speziell durch die Blogs. Immer mehr Menschen erheben Einspruch zu Dingen, von denen sie vor 3 Jahren noch nicht einmal erfahren hätten. Die jüngsten Beispiele sind die Possen um Moni und Transparency Deutschland und Euroweb. Hier erhebt sich eine Zivilgesellschaft, die eine Stimme hat und die sich solidarisiert und die in der Lage ist, einen immensen medialen Druck aufzubauen.

Doch wir kennen die Argumente. Die wichtigen Dinge würden im banalen Meer der Frühstücksflocken-Postings und der Hamster- und Meerschweinchenshow – Katzencontent sucks – untergehen. Stimmt das? Sind Euroweb und Transparency Deutschland im Banalitätsgetaumel untergegangen? Oder haben Euroweb aktuell 399 Technorati Links und Transparency Deutschland 211 Technorati Links zu verzeichnen? Und was bedeuten schon Technorati-Links? Sie bedeuten, dass die beiden sich eine ganze Weile mit kritischer Berichterstattung in den Ergebnissen der größten Suchmaschine der Welt herumschlagen muss.

Doch unsere Utopie macht bei einem öffentlichen Meta-Medienecho called Blogs nicht halt. Wir beziehungsweise ich finde auch die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens hervorragend, denn sie spuckt allen ins Gesicht, die nur “žLeistung gegen Leistung” erbringen wollen und die dann nicht hören wollen, dass Leistung in einer Gesellschaft, in der Arbeit im produzierenden Gewerbe immer und immer weniger wird, nicht mehr als die zentrale Forderung gelten darf. Der Arbeitsplatzabbau wird weitergehen und das ist gut so, denn durch ihn wird gebundenes Potential frei und mit einem gesicherten Einkommen auf seiner Seite könnte sich so eine Gesellschaft entwickeln die nicht gebunden ist an Angst vor dem Arbeitsplatzverlust sondern die blühen könnte durch einfach mal ausprobierte Ideen, durch eine neue Lust am Forschen der Geisteswissenschaftler, die nicht mehr als schwer vermittelbare Akademiker daherkämen, sondern als abgesichterte Träumer. Wir hätten vielleicht tatsächlich ein Land der Ideen.

Unsere Utopie erstreckt sich auf das Urheberrecht, von dem zumindest ich denke, dass es aus der Steinzeit kommt und nicht den Urhebern zu Ihrem Recht sondern der Verwertungsindustrie zu Ihrem Reibach verhilft. Doch deren Zeit ist abgelaufen. Wir haben die schon längst weggeklickt. Unsere Utopie erstreckt sich auf freie Bildung, auf vernetztes Wirtschaften, auf die Freiheit der Rede und die Freiheit unserer Meinung, auf die Achtung von Natur als dem Schoß aus dem wir stammen, auf Zivilcourage und Kultur. Unsere Utopie steht überall geschrieben. Also versucht nicht, uns zu erzählen, wir hätten keine.

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133 Kommentare

  1. 01

    Ich stimme Dir im Großen und Ganzen zu, aber ich denke nicht, dass wir (leider) noch weit entfernt von dieser Utopie sind und es noch ein steiniger Weg werden wird.
    Warum?
    1. Ich bin Zyniker geworden, oder zumindest sehr zynisch veranlagt.
    2. Mit dieser Eigenschaft sehe ich auch die Faulheit der Menschen, die sich politisch nicht mehr engagieren wollen. Die Parteien- und Politikverdrossenheit lässt grüßen. Erst wenn es an die eigenen Bedürfnisse geht, werden sich solche Menschen aufraffen und versuchen Ihre Meinung kundzutun. Ob es bis dahin nicht zu spät ist, lasse ich als Zyniker mal so im Raum stehen.
    3. Neue Ideen werden leider heutzutage immer noch sehr schnell abgewürgt bzw. in ihrem Werdeprozess so behindert, dass sie nicht mehr neue Ideen sind, wenn sie rauskommen, obwohl andauernd propagiert wird, dass dieses Land neue Ideen braucht.
    4. Weshalb ich wohl doch nur zynisch veranlagt bin: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und deswegen glaube oder besser gesagt hoffe ich, dass es eines Tages noch diese von uns gewünschte Utopie geben wird und wir ein Land der Ideen sein werden.

    Hong-An

  2. 02

    *argh* Es ist inzwischen einfach zu spät für mich.
    Der erste Satz muss natürlich so lauten:
    “Ich stimme Dir im Großen und Ganzen zu, aber ich denke, dass wir (leider) von dieser Utopie noch weit entfernt sind und es noch ein steiniger Weg werden wird.”

  3. 03
    martin

    ist dieser post nicht genau das (u.a.) was du in punkt drei ansprichst?

  4. 04
    dennis

    danke, rene!ich komme gerade von einer dozenten-sitzung einer akademie im süden deutschlands. dort wurde über nichts anders debattiert, als autoritäre oder antiautoritäre lehrsituationen. wir sind an einem punkt, in dem selbst die lehre der kreativen berufe stagniert es geht dort nicht etwa um content sondern um das banale “erwehren” von studierenden. ich selbst bemerke in meinen kursen, dass die berufe, die eben “früher” headlines der gezielten anarchie waren, design nicht als gesaltung zu sehen, sondern als suche nach einem neuen weg. die jungen menschen sind satt, satt an strukturen, vorgegebenen kreativ-trainings und dem palawern scheinbar erstebenswerter ziele. sie haben einfach keinen bock mehr, sich der gesellschaft in dem raster ihrer eltern zu beweisen. und wie man sieht, fliegen bei unserem nachbarn schon die steine durch verkalkte oberlicht – hier hoffentlich auch bald. guten abend.

  5. 05

    nunja. den einleitungsabsatz finde ich ehrlich gesagt etwas polemisch. nur weil sich ein kleiner teil einer gesellschaft durch die gleichschaltung der themen und gemeinsames solidarisieren (was ja auch wieder ganz groß im kommen ist) für mediale aufmerksamkeit sorgt, von einer neuen utopie zu sprechen, finde ich doch etwas weit hergeholt. mediales aufsehen bedeutet weiterhin die abhängigkeit von den massenmedien, aber so geht es hier doch ausschließlich um nischeninhalte, die die breite bevölkerungsschicht nicht erreichen wird. die haben noch immer eher ihre arbeitslosigkeit vor augen, als irgendeine firma, die eine bloggerin abmahnt. man sollte bei aller bewegung und neu entstehenden und spannenden dynamik nicht den bezug zur realtität vergessen. es sind immernoch 5 millionen arbeitslose. viel spannender ist es da doch, dass diese zahl immer mehr zur normalität wird.
    das kreativität und freigesetztes potential ganz entscheident werden glaube ich auch. was das allerdings mit dem bloggen und der utopie zu tun hat weiß ich nicht. jeder muss herr seines eigenen lebens werden, und kann sich nicht mehr auf sein lebenslanges anstellungsverhältnis ausruhen. eine ganze neue verantwortung also. aber es gibt generationen und menschen, die diesen zugang für sich nicht erkennen. die in den alten strukturen weiter existieren.
    worauf wollte ich jetzt eigentlich hinaus? nunja, ich kann auch ohne utopie ganz gut bloggen, und mit dem, was einem da ständig angehängt wird.

  6. 06
    Felix

    “Der Arbeitsplatzabbau wird weitergehen und das ist gut so, denn durch ihn wird gebundenes Potential frei…”

    Ich weiss nicht, ob ich angesichts dieser Aussage lachen oder weinen soll. Bei einer Arbeitslosenquote von +10% und der kompletten sozialen Absicherung, die vor den Hartz-Gesetzen bestand, müsste Deutschland ja ein unglaublich großer Spielplatz neuer kreativer Ideen sein, auf dem sich neue Zivilgesellschaften vermehren wie die Karnickel. Ich seh sie aber leider nicht!

    Ich teile die Hoffnung, daß das Internet eine neue Partizipation der Gesellschaft an täglichen Ereignissen mit sich bringen wird. Und ich freue mich darüber, daß Geschichten wie TI und Euroweb so viel Aufmerksamkeit erregen. Alles andere ist aber – sollte mal gesagt werden – Blödsinn. Und gehört meiner Meinung nach auch nicht auf Spreeblick.

  7. 07

    hi felix, hi ovit, danke für die kritischen kommentare.

    ich hätte tatsächlich noch etwas weiter gehen müssen, dazu sagen müssen, dass wir uns gerade erst am anfang von etwas befinden.

    ovit: ich spreche im grunde nur davon, dass diese utopie zusammengefasst werden muss. aber dennoch ist sie spürbar, sie liegt in der luft. mir geht es darum, dass immer mehr menschen ein sprachrohr gegeben ist, das wahrgenommen wird, just dann, wenn es um wichtige themen geht. unser geheimnis ist die vernetzung.

    felix: von dir hätte ich doch gerne gewusst, was blödsinn ist. die beispiele euroweb und transparency deutschland? der traum von einer ganzheitlichen utopie?

  8. 08
    Oehi

    “Der Arbeitsplatzabbau wird weitergehen und das ist gut so, denn durch ihn wird gebundenes Potential frei”¦”

    Welche Arroganz in diesen Worten:
    Die Erbsen Deines Mittagessens wurden mit dem krummen Rücken von fleissigen Ukrainern geerntet, das von Dir getragene Hemd von zarten indischen Mädchenhänden in einer 16-Stundenschicht zusammengenäht, der Rechner an dem Du schreibst durch Ausbeutung von afrikanischen Rohstoffen und Zerstörung chinesischer Umwelt zusammengeschraubt. Unsere weltweiten Handelspartner können all dies eben erheblich billiger als wir leidenden Zentraleuropäer. Und daher geht der Arbeitsplatzabbau immer weiter. Und das ist gut so?

  9. 09

    ich glaube, dass sich in zeiten von stetig voranschreitender differenzierung keine “utopie” für eine von dir gewollte gesamte generation herstellen lässt. das funktioniert vielleicht in bloginternen diskursen, weil es vielleicht auch gerade jetzt ein medium ist, dass sich zu einem sprachrohr entwickelt, und in der lage ist, sich eine eigene meinung zu bilden. aber die prinzipien hier sind doch auch die gleichen wie die der massenmedien. meinungen die nicht mit dem strom schwimmen, verschwinden in der masse und werden kaum erhört, die großen blogs sind meinungsbildend usw.
    da scheint mir wirklich nur der wunsch vater des gedanken zu sein. für realisitisch und umsetzbar halte ich das nicht.

  10. 10

    Oehi: GENAU diese form von diskurs meine ich.

    meine aussage zum arbeitsplatzabbau hätte ich um die worte “žaufgrund fortschreitender automation” erweitern sollen. grundsätzlich hast du recht: all das ist nicht zu verantworten.
    und global ausgedehnt ist der traum von einem bedingungslosen grundeinkommen auch sicherlich das, was ich am horizont auftauchen sehe: eine utopie.

  11. 11

    ovit: da scheint mir wirklich nur der wunsch vater des gedanken zu sein. für realisitisch und umsetzbar halte ich das nicht.

    Sagt man das nicht von allen Utopien?

  12. 12

    du beschwörst sie doch aber schon herauf, das neue zeitalter. und alleine der glaube an so eine utopie ist für mich nur schwer umsetzbar.

  13. 13

    schwer umsetzbar heißt nicht unmöglich. und klar schwöre ich es herbei, das neue zeitalter, warum auch nicht? ich beobachte nur, was hier und dort gerade passiert. und wie gesagt: wir stehen erst am anfang. warum soll ich das alles nicht mal in die zukunft projezieren können? was hindert mich daran?

  14. 14
    Alpha-Hasi

    Mir gefällt der Text – mir gefällt ein Gedanke, eine Utopie, in der das allgemeine Leben wieder um etwas anderes kreist, als den Profit, den man mit einer popeligen Idee, einer Tat oder einem Menschen machen kann.

    Mein Zynismus lässt dem Denken aber nicht mehr viel Luft. Zu oft sehe ich immer wieder den selben Kreislauf. Ob nun “die Grünen”, die sich, nach zwanzig Jahren “endlich erwachsen”, schlimmer verhalten, als die, gegen die sie einst angetreten sind. Ob es Bürgerrechtler im Osten sind, die bei Gefahr für Leib und Leben auf die Straße gingen und damit eine “Wende” einleiteten, doch am Ende von einer weitaus größeren Masse überrant wurden, die – dann völlig ohne Gefahr – groß und großspurig demonstrierte, dass jetzt gefälligst die D-Mark zu “kommen” hat.

    Persönlich hatte ich viel mit der “Schwulenbewegeung” zu tun, die lange Ideale und Utopien gefordert und immer wieder unbequem vorgelebt hat, bis sie durch Verbände und organisierte Parteipolitik geschluckt und ins Gegenteil mutiert wurde. Wer weiß bei den auf Umsatz getrimmten CSD-Veranstaltungen weltweit noch, dass diese Demonstration auf Lesben, Schwule und vor allem Transen und Stricher zurückgeht, die sich gegen Polizeiwillkür gewehrt haben, welche möglich war, weil diese Leute schlicht kein Geld für Anwälte, Bestechungen oder einflussreiche Freunde hatten? Ich bekomme mit, wie sechzigjährige Schwule, die damals auf die Straße gingen und damit Knast und Berufsverbot riskiert (oder bekommen) haben, heute aus Schwulenkneipen rausgeschmissen werden, weil sie “zu alt” sind. Rausgeschmissen aus Kneipen, die es ohne sie heute nie und nimmer geben würde!

    Anders denken und unbequem sein bedeutet unangenehm auffallen. Das ist anstrengend, man macht sich manchmal lächerlich, man ist entweder Zielscheibe oder man wird frustriert, weil die meisten einen ignorieren. Und wenn man es wirklich schafft, Aufmerksamkeit zu erreichen, wenn so langsam mehr und mehr Leute teilhaben (Widerstand ist meist nur dann groß, wenn der einzelne selbst nicht auffällig werden muss), dann bildet sich irgend eine Gruppe, die das Ruder übernimmt. Die Menge wird in Bahnen gelenkt und die große (gar nicht mehr so agile und “freie”) Gruppe dient wenigen, früher zur Macht (erstrittene Posten in der Bewegung, der Politik oder Verwaltung) heute zum Kommerz.

    Wie gesagt: mehrfach selbst erlebt.

    Und am Ende bleiben auf der einen Seite die weinerlichen politisch ultra-korrekten und auf der anderen Seite die, denen alles egal ist, solangs nur bezahlt wird (“realistisch” nennen sich die). Wie soll man da *nicht* zynisch werden?

  15. 15
    Alpha-Hasi

    ok – ich bin etwas off-topic gerutscht…

  16. 16
    Oehi

    Weswegen demonstrieren die Studenten in Frankreich? Weil sie merken,daß sie die lebenslange Festanstellung bei Elf Aquitaine nicht bekommen. Und machen sich dann solidarisch mit denen aus den Banlieus. Und letztendlich werden sie genau wie bei uns vor 30 Jahren den Marsch durch die Institutionen starten. Rene, ich gebe Dir aber recht: Wir brauchen eine Idee, einen Diskurs über eine kommende, zu gestaltende Zeit. Es waren immer wieder die humanistisch orientierten Alternativen, welche die verkrusteten Regimes aufgebrochen haben. Der Unterschied jetzt aber ist die globale Herausforderung. Und genau hier kann das Netz die entscheidende Rolle spielen.

  17. 17

    Rene, falls du dich gefragt hast “warum keine Revolution auch hier ?”:
    die Unkenrufe, von wegen Zynismus (*ich* bin zynisch, der Rest hofft einfach nur, dass etwas ohne ihr Zutun geschieht..) sollten dir Antwort geben.

    Genau deswegen. In Deutschland steckt kein Funken Leben mehr, kein Fetzen Herzblut, alles ist tot und zerredet worden, die Köpfe sind leer und wehe du wetterst dagegen; siehst du ja an dem überwältigend positiven Feedback hier: niemand ist bereit, sein eigenes Schicksal in seine verdammten Hände zu nehmen.
    Selbst wenn man hier wählen geht, ist es meistens nur eine Entscheidung zwischen Rot und Schwarz, eine Fressenwahl (doppeldeutig), unfassbar arm, weil andauernde Stabilität dadurch garantiert wird, dass viele oft im gleichen Maße unglücklich sind.

    “First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win.” – Gandhi

    Was das Fernsehen angeht: wenn man das Bild auf eine Leinwand projiziert, werden Zuschauer über das Gesehene reflektieren (scheisse, was rede ich heute für geschwollenes Zeug..), anstatt sich “verstrahlen” zu lassen.
    Nur als Randnotiz.

    An Alpha-Hasi: wenn du (oder irgendjemand) sich Mühe gibt, klug und menschlich vorgeht, dann fickt dich die Gesellschaft so, wie sie schon alle zuvir gefickt hat: sie töten dich mit ihrer Aufmerksamkeit, langsam, und du wirst dich dabei gut fühlen bis zu dem Tag, an dem du deine Ideen vergisst und nur noch geliebt werden willst.
    *Das* ist Mainstream.. ein schwuler Untergrund ?
    Bei der Riesenlupe, die man auf Homosexuelle richtet ?

    Gandhi hat sich geirrt.
    Er vergaß die Fähigkeit von aufgeklärten Gesellschaften alles zu schlucken.
    Und Deutschland ist so eine.

    Fett und zufrieden mit sich selbst, nicht bereit, etwas zu ändern “lass das mal jemand anderes machen”.
    Ich werde keine Steine nach dir werfen, Rene, denn selbst dafür habe ich nicht die Energie.

    *Das* ist Zynismus.

  18. 18

    Tatsche ist: manche haben keine Arbeit, keinen Wohlstand, werden keine Rente haben und können manche Leistungen nicht mehr beanspruchen.

    Zynismus ist: … aber seid gefälligst Deutschland! Aber zeigt mal bitte ein bisschen mehr Phantasie im Umgang mit wenig Rente, ausbeutenden Arbeitsverhältnissen und schlitzohrigen Geschäftspraktiken. Zynisch ist es, wenn mich jemand ausbeuten will und behauptet, dass ich mich nur dehalb aufrege, weil ich keine Utopien hätte.

  19. 19
    Felix

    @Rene: Mit dem Rest, der Blödsinn ist, meine ich folgenden Gedanken: Gib allen ein Grundeinkommen, und alles wird gut, denn nun hat jeder Zeit sich kreativ um andere Dinge zu kümmern – wie zum Beispiel den Aufbau einer neuen Gesellschaft. So ticken Menschen nicht. Gib ihnen Geld und nichts zu tun – und sie tun nichts. So einfach ist das, wie die Geschichte Deutschlands ziemlich deutlich zeigt (ich sage nur “Arbeiterparadies DDR”).

    Das Internet hat das Leben von einigen – manche von ihnen diskutieren hier – schon weiter verändert als nur in dem Umstand, dass man seine Flugtickets jetzt online buchen kann. Manche nutzen es um zu diskutieren, aufmerksam zu machen, neue Öffentlichkeiten zu schaffen. Und das ist prima. Hey, und nichts gegen Utopien – sie sind meist unbequem und angreifbar. Ansonsten würde ich hier jetzt nicht posten. Mit ein bischen Realismus sollten sie aber daherkommen. Wenn das Netz in Zukunft bewirkt, dass Politik, Medien und Unternehmen uns – die Wähler und Kunden – ernster nehmen, ist das schon ein großer Erfolg.

    @Oehi: Ironischerweise verbünden sich die Studenten nicht mit den arbeits- und chancenlosen aus den Banlieues, sondern sie wenden sich gegen sie – denn dieses Gesetz wird vor allen Dingen jenen nutzen, denen in Frankreich heute keine Chance gegeben wird. Ich sag nur 25% Jugendarbeitslosigkeit…

  20. 20

    Eine Revolution in einer Parallelgesellschaft?

    In meinem Bekanntenkreis muss ich immer wieder erklären, was ein blog ist. flickr, technorati, podcasts und das restliche web 2.0 kann ich im eigenen blog nicht einfach verlinken, weil kaum einer ‘meiner’ Leser etwas damit anzufangen weiß.

    Und dann lese ich hier und anderswo wie der virtuelle Alltag ein wesentlicher Bestandteil des eigenen Lebens geworden ist. Blogs werden zur (Medien-) Revolution erklärt.
    Offensichtlich findet der größte Teil dieser Bewegung in einer Art Parallelgesellschaft statt: Eigene Sprache, eigene Riuale, eigene Themen, etc – und man bewegt sich zum großen Teil nur in dieser Parallelgesellschaft. ‘Klowände des Internet’ ist ein Code, den ‘hier’ 90% verstehen, ‘dort’ aber kaum einer. Die Diskussion um DBD oder der Hype um ‘Sonnenlicht’ ging vielleicht in ein-zwei Artikel des Feuilleton, einmal ‘Brisant’ und ‘TV Total’. Durch, fertig. Da bleibt nichts hängen.

    Und eben das ist der Unterschied zu dem, was in Frankreich passiert: Dort *kann* man nicht nichts mitbekommen. Jeder weiß Bescheid, (fast) jeder hat eine Meinung.
    Die ‘Blogosphäre’ (und was thematisch nahe dran ist, die heise.de-Ecke und so…) bildet hierzulande vielleicht einen 10%-Kreis, der in sich ziemlich homogen und abgeschlossen ist. Die Revolution findet quasi im privaten Kreis unter Auschluß der Öffentlichkeit statt.

    Ich finde es auf beiden Seiten immer wieder überraschend, wie wenig man – auf der einen Seite – von *den* Themen mitbekommt und wie sehr man – auf der anderen Seite – davon überzeugt ist, dass man gerade dabei ist, die Welt zu verändern.

  21. 21

    Badet nur in Eurem Zynismus. Das ist nur die eigenen Kacke, die Euch wärmt. Vermeintlich wärmt natürlich. Die Zukunft wird aber nicht aus Zynismus gemacht. Ihr habt nur die Chance Teil von etwas Neuem zu sein, wenn ihr Euch bemüht Euren Geist offen zu halten. Wie das aussehen wird kann heute ehrlicherweise keiner sagen, aber die Dinge sind in Bewegung. Immer. Durch das Netz und die Blogs werden nur Werkzeuge geliefert, die im Zusammenhang mit etwas Neuem vielleicht eine Rolle spielen können.

  22. 22

    Das ist so toll das alles hier zu lesen. Das ist genau der Grund, warum ich blogge und warum ich ditte geschrieben habe.

  23. 23
    Dunsbury

    @kornecke: 10% sind erst der Anfang. Es wird nicht dabei bleiben, je mehr sich zeigt, daß derzeit zu Rechtlosigkeit Verdammte (Hartz IV-Empfänger, betrogene Kleinunternehmer etc.) in der Blogosphäre eine Lobby finden bzw. selbst die Stimme erheben können.

    @Felix: Was dein Argument gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen anbelangt – der Hinweis auf die DDR zieht bei mir nicht. In der DDR ging die soziale Absicherung mit einer verdammt engen, ideologischen Zwangsjacke einher, die allen übergeholfen wurde bzw. werden sollte. Eine solche Zwangsjacke dürfte es diesmal nicht geben, weil das Grundeinkommen den minmalen Lebensunterhalt sichern würde und soziale Anerkennung sehr viel weniger an den wirtschaftlichen Status gebunden wäre.

    Die Menschen tun vorzugsweise das, wofür sie belohnt werden, z.B. Anerkennung bekommen. Bekommen sie für soziales Engagement keine Anerkennung, werden sie sich auch nicht darum bemühen. Bekommen sie fürs Faulsein keine Anerkennung, werden sie tätig. DAS hat in der DDR jedenfalls gut funktioniert, soweit ich mich erinnere. Denn man bekam es von frühester Kindheit an vorgelebt – zumindest im öffentlichen Leben. Arbeit, Mühe, Fleiß zählten letztlich mehr als Geld oder Westbeziehungen. Umso härter trifft es jetzt all diejenigen, die zur Arbeitslosigkeit und damit zu Ansehensverlust verdammt sind – auch in ihren eigenen Augen.

    Ein weiteres, gern angebrachtes Argument ist der schnell gescheiterte Versuch, in der ehemaligen Sowjetunion erste Kommunismus-Elemente einzuführen: Brot wurde versuchsweise kostenlos und in unbeschränkter Menge ausgegeben, und die Bauern verfütterten es an die Schweine. Das heißt für mich nur: Ein bedingungsloses Grundeinkommen müßte mit enorm verbesserten Bildungsmöglichkeiten für ALLE einhergehen. Wie wahrscheinlich ist es heute, daß alle drei (allein diese Zahl ist utopisch) Kinder eines Landarbeiters studieren und hinterher akademischen Berufen ergreifen? 10%? 5%? Wer bietet weniger?

    Soziale Anerkennung findet zuallerst im Alltag statt, in der Familie, in der Nachbarschaft. Wer für wenig oder gar kein Geld viel für andere tut, einfach aus Begeisterung, der gilt doch heute eher als verrückt als als vorbildhaft. Die Prämissen für eine soziale Anerkennung werden von unten verändert, nicht von oben. Und die Blogosphäre ist Teil des Unten.

    Im übrigen empfehle ich axonas.today.net, der schreibt schöne Artikel über solche Themen.

  24. 24

    Für die Umsetzung von Utopien braucht man die Unterstützung einer Mehrheit in der Bevölkerung. Auch ich bin für ein bedingungsloses Grundeinkommen, weil die Arbeitnehmer nicht mehr (so) erpressbar sind. Aber wie soll man diese Vorteile einem durchschnittlich intelligenten Deutschen erklären? Der denkt sich doch nur, dann muß ich noch mehr als bisher zahlen, und die anderen arbeiten dann nichts mehr. Die leben von meiner Kohle. Daß er selbst von diesem Grundeinkommen profitieren würde, könnte man ihm nur schwer vermitteln. Und noch ein weiterer Grund, wahrscheinlich der wichtigste, warum das angesprochene Grundeinkommen niemals eingeführt wird: es würde nur funktionieren, wenn Besserverdiener stärker an der Finanzierung beteiligt würden. Aber diese oberen 10 Prozent haben durch ihre Lobbyisten die Möglichkeit, die Verbesserung für die anderen 90 Prozent zu verhindern. So ist die Politik.

  25. 25
  26. 26
    tix.64

    Felix: was willst du uns mit “Arbeitsparadies DDR” sagen? Dass die Menschen in der DDR wenig gearbeitet haben für viel Geld? DAS ist Blödsinn!

    Die Utopie des einheitlichen Grundeinkommens ist im Grunde der geldlosen Gesellschaft gleich. Ob das umsetzbar oder realistisch ist? Wer weiß. Müsste man mal ausprobieren, ob da dann niemand mehr produktiv ist, oder?

  27. 27

    Ich hätte es so nie schreiben können, aber das ist genau das was mir auf der Seele liegt!

    Danke, Mann!

  28. 28

    Sehr interessante Gedanken.

    Ich wäre bei zwei Punkten vorsichtig:

    1. Die wirtschaftliche Utopie mit Grundeinkommen und der Umkehrung des Arbeitsplatzabbaus zum Positiven greift viel zu kurz. Die Wirtschaft mit all ihren Regelkreisen und Gesetzen ist eine so komplexe Angelegenheit, dass es mehr als ein paar Proteste und eine Pseudo-Revolution im Netz braucht um da was zu verändern.

    2. Viel besser finde ich den (medien-)politischen Aspekt. Hier bleibt es abzuwarten, ob wir Blogger unsere Art der Meinungsäußerung und unsere “Zivilcourage in Ansätzen” auch auf die Straße bzw. in die reale Welt tragen können. Zu sicher ist man am heimischen Computer, zu einfach ist die Interaktion mit dem Textfeld.

  29. 29

    @Sebastian: Punkt zwei war genau das, was ich als nächstes gefragt hätte. René, Du weisst, das ich Deinen Überlegungen sehr nahe stehe, ausserdem hast Du den Bogen sehr schön gespannt, finde ich.

    Aber noch führen wir hier wirklich eine Art Paralleldiskussion. Geht man raus in Kneipen (oder auch nur ins SpOn-Forum ;), in die Talkshows der klassischen Medien, geht die Argumentation immer noch in arg andere Richtungen. Die meisten Versuche, solche utopischen Gedanken in die Runde zu werfen, werden sehr schnell mit der Sozialismus/Kommunismus-Keule erschlagen.

    Daher auch meine Frage (nicht Verzweiflung!): wie können wir diesen Diskurs auch in die breite Masse bekommen?

  30. 30

    diaet: laber einfach in einem Café (oder wo auch immer) in brauchbarer Lautstärke darüber und mach ein wöchentliches Update daraus. Jede Woche, ähnliche Uhrzeit, verschiedene Gesprächspartner.. works for me.

    Das ist gedanklich so ansteckend wie die Frage:
    “Hast du schon mal gedacht ‘Singlebar’ als du an einem Spielplatz vorbeigekommen bist?”

  31. 31

    Hübscher Ansatz, wtf – probier ich mal aus :)

  32. 32
    Felix

    Sebastian, gut gesprochen. Die breite Masse wird an der Diskussion nur dann teilnehmen, wenn die Ergebnisse für sie interessant werden. Das setzt aktive geistige Beteiligung an laufenden politischen und wirtschaftlichen Prozessen voraus – und genau hier hapert es dann wieder. Denn diese Sensibilisierung erfolgt über die Medien – und an deren traditionellen Strukturen sägen wir hier fleissig. Da hilft nur eins: Dranbleiben, weiter diskutieren, neue Lösungen finden.

    @dunsbury & tix.64: Der Hinweis mit der ideologischen Zwangsjacke zieht, das Beispiel DDR hinkt etwas. (Eine tiefere Diskussion wäre hier wohl auch OT.) Ich wollte jedoch definitiv nicht sagen, daß dort für viel Geld wenig gearbeitet wurde. Allerdings bleibe ich dabei, daß die grundsätzliche Idee einer staatlichen Grundversorgung für jeden psychologisch und wirtschaftlich in meinen Augen ein Irrweg sind.

  33. 33

    Falsch Kai. Ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt es sowohl für den Millionär wie für den Arbeitslosen. Eine gemeinsam erbrachte Leistung der Gesellschaft für alle Bürger.

  34. 34

    Wow. Danke. Werd mir den Post ausdrucken und aufhängen. Sowas macht Mut, weiterzumachen.

    Sid

  35. 35

    Kai: Du gehst aber davon aus, dass das System nur für diejenigen greift, die arbeitsunfähig sind. Heutiges Problem ist aber doch durchaus, dass es weniger (klassische) Arbeitsplätze als arbeitsfähige Personen gibt.

    Dass noch einmal eine Vollbeschäftigung erreicht wird, ist auch laut Experten aller Lager mindestens unwahrscheinlich. Dennoch wird landläufig die “Leistung” eines Menschen immer noch nur über seine offizielle “Arbeitsleistung” definiert. Und quasi über sein Einkommen.

    Davon müssen wir schonmal runter, wenn eh nicht mehr für jeden ein klassischer Arbeitsplatz da ist.

    Du gehst ausserdem davon aus, dass auch die Gegenleistung immer noch genauso klassisch definiert werden kann. Schon heute arbeiten aber viele, die keine Arbeit (mehr) bekommen, in sozialen oder kulturellen Bereichen ehrenamtlich.

    Unter anderem dieses Dilemma könnte durch ein Grundeinkommen gelöst werden. Über das “wer” und “was” machen sich durchaus genug Leute Gedanken, ich empfehle einfach mal einen Blick in die Wikipedia oder auf’s Netzwerk Grundeinkommen.

  36. 36

    Ein wirklich erstklassiger Beitrag zu der Gesammtsituation der Blogshäre.
    Aber noch wundern sich hier zu wenige über Begriffe wie ‘Lobby der Arbeitslosen’ und noch hängen sich zuviele am ‘Bedingungslosen Grundeinkommen’ auf. Dies sind meiner Meinung alles kleine Einzelstücke eines großen Puzzels, dessen ganzes Bild wir noch nicht malen können und wollen.
    In der letzten Zeit dreht sich das Bloggerkarussel schneller und ich habe den ersten Eintrag über Blognachrichten auf tagesschau.de gelesen in dem es nicht um Bloggs selbst ging sondern um ein Thema aus der Blogshäre. Das muss und wird weitergehen. Es wird nicht bei den 10% bleiben … und wer schon lange dabei ist, den wird dieser Meilenstein freuen.
    Jeder grossen Utopie muss eine kleine Masse vorangehen, die die ersten Grundsteine für eine Plattform auf der dann etwas wachsen kann legen muss. Diese werden aufgrund der Natur von Utopien natürlich verlacht (Gandi Condition Eins) aber mit der Zeit häufen sich dann die Anwaltsschreiben (Gandi Condition Drei) bis sich das ganze Konzept durchgesetzt hat.
    Im Grunde genommen steht die Feuerstelle, das Holz ist gesammelt und wird schon fleissig aufgeschichtet. Irgendwann kommt dann auch der Funkte, der das ganze entzündet.
    Der Moment in dem nicht nur den Ärzten auffällt, das hier in Deutschland im Grunde genommen etwas ähnliches passiert wie in Frankreich.

    Diejenigen die die Passivität vieler Menschen zu den immer drängenderen Fragen unserer Zeit (und das sind mehr als hier aufgeführt) auffällt seien darauf hingewisen, das jedem Sturm eine Phase der Ruhe vorangeht.

    Hoffentlich hatte Lenin unrecht und wir trauen uns auf den Rasen.

  37. 37

    Ich denke Kai mischt dieser Diskussion endlich die nötige Portion Konkretisierung und Realitätsbezug mit bei. Ich frage mich auch woher das Geld für grenzenlos kreatives Sinnieren ohne greifbare Leistung herkommen soll. Definitionen für “Zynismus”, die eigenen “Utopien”… wunderbar. Das ließt sich wirklich toll. Es gibt viele Leute die brauchen etwas konkretere Äußerungen, konstruktive Vorschläge. Ich bin nicht so gut im philosophieren, und so geht es auch vielen anderen.

    Ich frage mich wie ein bedingungsloses Grundeinkommen einen Jugendlichen, der es für unmöglich hält sich in einer anderen Stadt um einen Ausbildungsplatz zu kümmern oder generell mal zu erkundigen, oder einen Arbeitslosen für den es auch außer Frage steht, dass es vielleicht in anderen Städten Jobs geben könnte, für die man allerdings von der Couch aufstehen müsste, dazu bewegen soll dieses Land um mehr Kreativität und Ideenreichtum zu bereichern?

    Gleiches gilt für die vielen Studenten die einfach irgendwas studieren ohne auch nur einen blassen Schimmer davon zu haben, wofür sie das eigentlich tun? Ich sehe viele, die erwarten direkt von der Schulbank, aus dem Hörsaal, nach der Kündigung an die Hand genommen zu werden, und einen festen Job zu bekommen.

  38. 38

    Weil ihr ja alle so geil auf eine Rechnung seid:

    Das derzeit veranschlagte Existenzminimum beträgt 7600 Euro = 633 Euro/Monat. Stocken wir das doch mal auf 800 Euro auf. Also 9600 Euro im Jahr. Bei 82 Mio. Bürgern sind das 787 Mrd. Euro. Hübsche Summe. Die derzeitigen Sozialausgaben betragen circa 720 Mrd. Euro, fehlen also 67 Mrd. Die lassen sich durch die wegfallende Bürokratie locker einsparen. Noch genauer und umfassender wird diese Rechnung in der Brand Eins beschrieben, und zwar hier.

    Man kann die Links, die hier in den Kommentaren gepostet werden übrigens auch anklicken. Nur so ein Tipp, bevor man meint, das ließe sich nicht vernünftig durchrechnen.

  39. 39

    @Kai: Okay, das kam o.g. in Deiner Aussage nicht durch für mich. Ausserdem kam der Diskurs ja durch eine von René beschriebene, größere Utopie zustande. Da sich das jetzt an einigen Stellen auf das Grundeinkommen fixiert, konnten hier bisher kaum realisitische Zahlen kommen.

    Ich weiss auch nicht, ob die hier sinnvoll wären, da man dafür vielleicht eine eigene Diskussion über dieses Teilthema starten sollte. Das von Dir beschriebene Fehlen von Zahlen der Berfürworter stimmt allerdings so nicht – da gibt es einige Ansätze, die mit Zusammenlegen bisheriger Sozialleistungen anfangen, über Gebrauchsteuerfinanzierung gehen, und durchaus realistische Beträge zugrundelegen. Einige dieser Ansätze findest Du ohne weiteres in den Links, die ich schon gepostet hatte (suche sie gerne noch raus, muss aber nebenbei auch noch arbeiten ;)).

    Ich finde es auch schön, da konkreter zu werden. Nur so stößt man ja mitunter auf die Probleme, über die man im Gesamtkontext “philosophieren” muss. Eins der ganz grundsätzlichen Themen ist ja zum Beispiel unsere Definition von Leistung. Da spielen so Dinge wie die Urheberrechtsverwalter mit rein (die eigentlich nichst selber “geleistet” haben?), aber auch Verhalten gegenüber Leistenden, wie Wombat sie hier beschreibt.

    Und das ist alles in allem, konkret und philosophisch, eine Debatte, die wir uns gerade in einer Öffentlichkeit zurückerobern, die Du vorher am Stammtisch in der Kneipe nicht hattest. Ich glaube, das ist der Teil der Utopie, der gerade schon Realität wird. Also lass uns gerne weiter über die anderen Teile reden.

  40. 40

    Ah, sehn’se: während ich mir einen Wolf tippe, hat Rene es schon rausgesucht :)

  41. 41

    Über das “wer” und “was” machen sich durchaus genug Leute Gedanken, ich empfehle einfach mal einen Blick in die Wikipedia oder auf”™s Netzwerk Grundeinkommen.

    Dort kann man auf der ersten Seite bereits nachlesen:

    Auf ein bestimmtes Finanzierungsmodell hat sich das Netzwerk nicht festgelegt.

    Achso.

  42. 42

    Natürlich muß man die Steuerquote erhöhen. Dies ist allerdings nicht das große Problem, da auch alle, die arbeiten, das Grundeinkommen erhalten. Mehr Steuern zahlen als an Grundeinkommen bekommen würden nur die, welche über ein hohes Einkommen verfügen.

  43. 43

    Was rein rechnerisch immer noch ein Grundeinkommen von 604 EUR monatlich für 80 Millionen Bundesbürger ermöglicht. Ad hoc. Ohne jede weitere Änderung.

    Ich finde nicht, dass das für einen Ansatz vollkommen unrealistisch klingt.

    Aber wie schon gesagt: das Grundeinkommen ist ja erstmal nur ein Gedanke in einer größeren Vorstellung. Ich finde nicht, dass diese konkreten Zahlen das ganze Gebilde massiv wackeln lassen…

    Sprich: wir könnten jetzt in Ruhe wieder zu den grundsätzlichen Überlegungen z.B. des Leistungsgedankens zurück. ;)

  44. 44

    Kai: Oder nicht können. Oder nicht dürfen. Oder eine andere erbringen, als als Leistung anerkannt wird.

    Ich finde, Du läufst hier gerade massiv in die “Arbeitslose wollen nicht arbeiten”-Richtung.

  45. 45

    Wozu soll ich ein Blog betreiben?
    Wozu soll ich ein Bild malen?
    Wozu soll ich die Straße kehren?
    Wieso soll ich meinen Arsch überhaupt aus dem Bett schwingen?
    Weil alles andere verdammt langweilig wäre, deshalb.
    Von den Leuten mal ganz abgesehen, die arbeiten gehen wollen, weil sie mehr als 604 Euro verdienen wollen.

  46. 46

    @Kai: Danke, da kommen wir ja zurück zur Diskussion. Dass die Kranken-, Pflege- etc.-Systeme nicht unangepackt blieben, bestreitet ja keiner (auch wenn wir ja einen Teil der Kosten extra schon rausgerechnet haben). Aber im Diskurs sollte es doch zunächst vielleicht lieber gar nicht um die konkreten Zahlen gehen – über die können wir uns zerfetzen, wenn wir uns auf ein System geeinigt haben ;)

    Und da bringst Du natürlich ein gravierendes Problem ein, dass wir doch angeblich jetzt schon haben: Wenn mir doch alles in den Schoß fällt, warum dann arbeiten?

    Heute: weil Du ohne Arbeit kaum gesellschaftlich geachtet wirst. Weil es an Deinem Selbstvertrauen nagt. Weil die meisten(!) Leute nicht den ganzen Tag auf der Couch hocken wollen. Sondern sich sinnvoll beschäftigen und betätigen. Ob durch eine geregelte Arbeit, durch Kunst, Gesellschaftsleben, whatever.

    Die Fälle der “faulen” gab es immer, und wird es immer geben. (Zu denen würde ich aber o.g. auch so manchen “Berufssohn” rechnen, der wohl bei vielen trotzdem ein höheres Ansehen genießt, als ein ALG-IIler.)

    Das allein kann aber nicht die Debatte ersticken, die wir führen müssen, weil es so wie bisher auch nicht gerade optimal weitergeht, oder?

  47. 47

    René: wie machst Du das immer?

  48. 48
    glaslibelle

    lieber kai, dass der grundsatz fuer arbeitslose bei 345 euro liegt, stimmt. (im osten sinds 331, wenn ich mich nicht irre). auch dass ihnen miete und versicherungen bezahlt werden, ist richtig. allerdings bedeutet das nicht, dass man dadurch mehr geld zum leben hat, eher im gegenteil. außerdem werden haeufig von den 345 euro noch abstriche gemacht, zum beispiel wenn man andere sozialleistungen wie kindergeld, waisenrente o.ae. erhaelt. auch bekommt nicht jedes familienmitglied gleich viel geld, kinder kriegen viel weniger. ich persoenlich zum beispiel habe fuer mich und mein kind monatlich 271 euro zum leben (deiner rechnung nach waeren es 1200 – darueber wuerd ich mich wirklich freuen). versuch mit dem bisschen mal ueber die runden zu kommen. das ist nicht das “schoene luxusleben”, dass sich dank bild jeder unter arbeitslosigkeit vorstellt.
    aber das nur am rande, ohne jetzt wirklich was produktives zur diskussion beitragen zu wollen.

  49. 49

    Normalerweise würde es jetzt einfach eine Seite lang Beleidigungen meinerseits hageln, aber dafür bin ich gerade zu unsportlich.

    Die Annahme, dass niemand mehr etwas machen würde, wenn er Geld “einfach so” bekäme, hätte jemandem eigentlich als *das* Paradebeispiel einer verkorksten Gesellschaft auffallen sollen; wenn man alleine schon annimmt, dass nur Geld einen zu etwas motivieren kann, dann hat man in meinen Augen menschlich ausgeschissen.
    Und Gnade Gott solchen Menschen, wenn sie dann auch noch an Kinder denken, ohne in Betracht zu ziehen, sie gewinnbringend zu verkaufen.

    Kinder machen auch nur Ärger und kosten nur Geld.

    Menschen würden auch arbeiten, wenn sie kein Geld dafür bekämen (freiwillige Arbeit gibt es auch heutzutage.. irre nicht ?), es ist so etwas wie eine allgemeine Menschlichkeit, die sich da breit macht.
    Mit Menschlichkeit meine ich Kooperation, genau diese Art von Kooperation, die bei dem Gedanken “cui bono?” komplett flöten geht.

    Wer profitiert (..schlimmes Wort… als ob es um Profit gehen sollte.. aber das hat man nun davon, wenn man sich über Jahre hinweg Trottel heranzüchtet.. ich für meinen Teil will mein Fischerboot und meinen Strand.. und ich teile) davon ?
    Einfach: ALLE.

    Aber nein, gewisse Arschlöcher meinen immer noch “money makes the world go ’round”.
    Nun, das mag auch durchaus am Alter liegen.

    Wow, doch noch beleidigend geworden.
    Ich bin stolz auf mich.

  50. 50

    Johnny:
    Wir beziehungsweise ich finde auch die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens hervorragend

    da dachte ich spontan an den BRAND EINS-artikel in der dezemberausgabe, und wie schön, dass schon zwei vor-kommentatoren (nr.25 und 42) das ganze verlinkt haben!

    hätte ich das damals nicht in BRAND EINS gelesen… also das hat meine meinung schon ziemlich gewandelt.

  51. 51

    Hanno, der Artikel ist von René. Ich finde die Idee aber nicht nur auch hervorragend, sondern bin davon überzeugt, dass kein Weg daran vorbeiführt.

  52. 52
    Pam

    Dieses Utopiengedresche besonders in Europa geht ziemlich auf die Nerven. Alle entwerfen die großen Gebilde. Umsetzen kann man sie grad zwar noch nicht, aber es ist ja Gott sei Dank nur die Ruhe die jedem Sturm vorrausgeht.

    Es ist schon richtig, dass sich viele (und auch nicht nur) Erwerblose ehrenamtlich sozial und kulturell engagieren. Aber werden es mehr, wenn durch das Grundeinkommen mehr Menschen die Chance gegeben wird sich frei entfalten zu können? Nein, es sind nicht alle Menschen faul. Aber es sind auch nicht alle Menschen gut. Den meisten ist es wahrscheinlich einfach egal.
    Und so ein System muss eben auch genau dann noch funktionieren, wenn es den Menschen egal ist.

    Lieber pragmatischer an die Sache rangehen. Wenn es dich nervt, das asiatische Kinder ausgebeutet werden um deine Kleidung zu produzieren, dann probier aus, ob es anders geht (American Apparel). Wenn ich mal die Idee meines Lebens habe und die mit Hilfe anderer umsetzten will und vor mit sitzt ein (französischer) Student, dem meine Idee völlig egal ist, der sich nur für einen lebenslangen, abgesicherten Job interessiert. Dann ist das keine tolle Revolution. Das ist zum kotzen.

  53. 53

    wtf,

    Die Annahme, dass niemand mehr etwas machen würde, wenn er Geld “einfach so” bekäme, hätte jemandem eigentlich als *das* Paradebeispiel einer verkorksten Gesellschaft auffallen sollen;

    D’accord. Fällt ebenso auf wie diejenigen, die für Geld alles tun, gleicher Trugschluss.

    Es geht doch nie um Arbeit, wer will denn sowas feiwillig? Es geht um Aufgaben.

  54. 54

    Die Großzahl der Arbeitslosen hat schon heute die Möglichkeit, sich in ihrer Freizeit mit anderen Dingen als der eigenen Couch zu beschäftigen. Tatsache ist aber, dass mit dem Wegfall der Arbeit vielen die Perspektive und die Motivation fehlt, da Arbeit hier nicht nur zum Erwerb des Einkommens dient, sondern darüber hinaus einen Lebensinhalt (eine Aufgabe, einen Sinn) definiert. Fällt dieser weg, geht auch oft ein Hängenlassen damit einher.

    Sinnstiftung, eben. Weil aber die Erwerbstätigkeit als das einzig Sinnstiftende überhaupt gilt, kommt bei einigen die Resignation. Davon müssen wir weg, wenn es eh nicht genug Erwerbstätigkeit für alle gibt. Die, die ich kenne, die resignieren, tun das vor allem, weil all Ihre Bemühungen, wieder etwas zu finden, fehlschlagen (müssen).

    Du lehnst es ab, den nur-Faulen nichts von Deinem Geld abzugeben. Okay. Kann ich sogar irgendwie verstehen. Was aber machst Du mit denen, die wollen, aber nicht gelassen werden? Was aber machst Du mit denen, die vielleicht “nur” philosophieren oder Musik machen (ist ja nicht gerade lebensnotwendig?

    Wer soll das Deiner Ansicht nach aussieben? Und wie?

  55. 55

    Ach ja: und warum?

  56. 56

    Guten!
    Eine Anmerkng zum Thema der Parallelgesellschaft: Ich als Jugendlicher habe täglich im Bus, in der Schule, im Zug, in der Disko, auf dem Konzert, auf er PArty und dort und hier mit der Zielgruppe von “Sonnenlicht die MAxi” zu tun… Was meint ihr wie oft in den vergangenen Wochen die frage gestellt und unbeantwortet blieb: WIE SIND *die* EIGENTLICH BERÜHMT GEWORDEN… die Antwort, keiner weiß etwas von “blogs” nur eine Minderheit unter Jugendlichen setzt sich damit auseinander (behaupte ich), wie also soll es dann Massenprodukt werden? dabei fällt mir ein, dass myspace großen zulauf erhält in den letzten Monaten.
    Andererseits sehe ich das große Besterben der jugendlichen Masse im Gymnasium sich sorgen um die Zukunft zu machen, klar sind wir alle zielos von der “gesellschaft” programmiert worden und natürlich reagieren wir total verschreckt auf die ganze Angst die von den Medien verbreitet wird… bird lu, renten , keine kinder und das sollen wir übernehmen. ich sehe daher “du bist scheiße” nicht allzu negativ immerhin hat jemand versucht was zu ändern, nur wie…. Bleibt die Frage wie diese Utopie umgesetzt werden kann, dazu muss einfach in meinem Klientel eine andere Motivation geschaffen werden, weg von: “ich muss da ein Praktikum, hier 1,0 und dort noch n Jahr im Ausland machen sonst kriege ich keinen Job” zu “locker, dein Mindestlohn ist dir gewiss, etc.” gehen, das sehe ich ähnlich denn unter den jetztigen Voraussetzungen der Orwelschen Angst KANN doch nichts entstehen

  57. 57

    Soziale Dienste sind grundsätzlich prima. Wird aber in temporärer umfangreicherer Form auch immer schwieriger umzusetzen, schließlich brauchen auch diese Berufe Qualifikation.

    malak, mag etwas böd klingen, aber: Als ich 14, 15 Jahre alt war, gab es plötzlich Bands, die zwar nix konnten aber dennoch viel Spaß hatten und die meinten, dass ich das auch tun sollte. Ich hatte gehofft, Hiphop und die DJ-Kultur habe einen ähnlichen Ansatz. Siehst du den, auch woanders, oder gibt es das nicht? Künstler, die sagen: “Das kannst du auch!”?

  58. 58

    Achja Kai, die Schwierigkeit die ich mit deiner Herangehensweise habe: Es wird doch am Ende doch wieder heißen “Money for nothing and chicks for free”, selbst mit einem Komitee/Gremium. Der Ursprung des Gedankens, dass es ohne Gegenleistung kein Geld gibt (den wir sicher alle erstmal nachvollziehen können), ist doch Neid. Warum aber sollte ich auf jemanden neidisch sein, der sich entschlossen hat, vom Grundeinkommen zu leben? Von mir aus kann er einen Teil meines Verdienstes haben, denn, und das ist wichtig, ich könnte jederzeit die gleiche Entscheidung wie er treffen.

  59. 59
    Alpha-Hasi

    An die, die Flexibilität fordern und sich schon jetzt als einzige fleißige Verdiener ausgebeutet sehen:

    Flexibel sein! Diese Moral der Gegenwart – “Jeder ist seines Glückes Schmied” – greift nicht mehr in dieser Gesellschaft.

    Habe ich Geld, darf ich alles: Ich kann Jahrzehnte studieren, ich kann wohnen wo und wie ich will und mir meine berufliche Zukunft aussuchen. Habe ich kein Geld (haben meine Eltern keins), dann muss ich gefälligst in neun Semestern meinen Abschluss haben, dann soll ich wegen einem Job mein gesammtes Umfeld aufgeben, notfalls eben auch alle zwei, drei Jahre wieder (entsprechend einem aufgeweichtem Kündigungsschutz). Und wohnen darf ich ohne Arbeit/Geld über kurz oder lang natürlich auch nur noch dort, wo ich eine Wohnung bekomme. Längst haben Hausverwaltungen eingeübt, unvermietbare Butzen zum Höchstpreis an Neumieter zu binden, die von Amts wegen nicht nein sagen können.

    Diese “Gleichheit” ist eine Gleichheit für Besserverdienende und deren Nachkommen.

    Und es ändert sich nichts. Wenn Herr Ackermann z.B. 12.000.000 EUR jährlich verdient, sind das pro Stunde, rund um die Uhr 1370 Euro! Die Putzfrau, die sein Büro putzt, bekommt gerade mal 10,50 die Stunde (für tatsächliche Stunden und nur, wenn sie Glück hat). Diese Differenz empfinde ich als unmoralisch! Das kann ich nicht mehr mit Qualifikation, Studium, Berufserfahrung oder sonstwas rechtfertigen. Einen Erfolg des Unternehmens, kann ich nicht allein dem Chef zuordnen. Wenn der nicht mehr aufs Klo kann, oder sein Büro unter Staub verschwindet, wäre das Unternehmen sicher auch nicht so erfolgreich.

    Aber was wird diskutiert??? Warum die *Putzfrau* nicht länger arbeitet, warum sie nicht mehr in die Krankenkasse zahlt, warum sie nicht die bösen Raucherpause beim Stundenzettel rausrechnet, … Die Diskussion um die Großverdiener, oder Besserverdiener ist eine Scheindebatte. Gestern noch Heuschrecken, heute wieder Stützen des Landes.

    Und bevor der Einwand kommt: Es ist mir klar, dass Millionengehälter selten sind. Ich weiß nicht, ob die polemischen 12 Millionen exakt stimmen, ob sie Brutto oder Netto sind, aber selbst wenn das Gehalt nur ein zehntel so hoch ist, steht es stellvertretend für eine kleine Menge an Spitzenverdienenden, eine weitaus größere Menge von Sehr-gut-verdienenden und dem großen, großen Rest von Kaum-verdienenden, die sich im heutigen Arbeitsleben gegenüber stehen.

    Unter diesen Vorraussetzungen funktioniert das Grundgehalt sicher nicht, warum soll jemand den Schreibtisch für ein Butterbrot putzen, wenn der, der dahintersitz im gleichen Moment nur für’s Zugucken das Hundertfache verdient? Die Abhängigkeit würde wegbrechen, man würde die Notwendigkeit der niederen unqualifizierten Arbeiten zur Kenntnis nehmen müssen. Heute festzustellen, dass die Leute nicht arbeiten würden, ist banal. Wichtiger wäre festzustellen: Sie haben Recht!

  60. 60

    johnny (nr. 60)
    äh, ja das wusste ich doch, dass der artikel von rene ist… (bloß keine fehler eingestehen, is ja leistungskommentargesellschaft hier ;))
    nächstes mal schau ich genauer auf die autorenangabe.

  61. 61

    Johnny, leider nicht. Nein. So wie ich die Rock Community im Köln Düsseldorfer Umkreis sehe gibt es viele gute Bands, die leider nie etwas werden und sich nach n paar jahren wieder auflösen, hauptsache Grup Tekkan is in den Charts, auch das frustet. Schlimmer ist aber, dass richtige Bands sag ich mal ;) Also die die was drauf haben es immer sehr schwer haben eine Fan Base zu erlangen. Hingegen sind die bekanntesten Bands die, die Gitarristen mit 3 Akkorden (noch nicht mal die sauber) und schlechten Sängern haben, das ganze als Punk verpackt wird es Haufenweise von der TokioHotel Zielgruppe bis 15 konsumiert, dannach falcht das Interesse urplötzlich total ab. Doch die Musik is ja in dieser Kultur nicht allein zu betrachten, schlimm ist, dass diese Kids sich immer links Brandmarken und keine Ahnung haben wovon sie reden, nicht das das schlimm wäre, nein, das Problem ist: Sie haben KEIN INTERESSE daran tiefgründiger irgendwas zu betrachten und offen zu diskutieren.
    Ausserdem sind die meisten mit Alkohol beschäfftigt oder mit Kiffen. Ist tatsächlich so. das Ganze sieht mir eher wie eine Flucht aus: man schufftet in der Schule und sonstwo und am Wochenende wird die Sau rausgelassen.
    Sieht doch alles recht perspektivlos aus, von meiner Sicht aus. Die Bands schaffen nichts neues, meienr meinung nach war nämlich dieses Nichts können durchaus was neues oder? und um auf das “Das kannst du auch” zu kommen: DENKSTE! hier herrscht große arroganz und konkurrenz unter jugendlichen in allen bereichen. das fängt in cliquen an und setzt sich endlos fort. Einfach eine ekelhafte Stimmung man nehme nur den Konflikt zwischen haupt und gymnasium, ausländern und deutschen, hiphopern und rockern, usw… ach ja die lieben hiphoper.. Das ist etwas, was wirklich mal gegen den Strich geht. Vielleicht habt ihr, falls ihr ähnlich wie johnny hier und da mal von sich behauptet nicht allzu viel plan von hiphop. HipHop ist meienrMeinung nach das großartigste seit den 70ern. Sehr vielseitige Musik, leider aber nicht annähernd dargestellt im Mainstream. Mainstream ist tatsächlich heute HipHop, man schaue sich nur die neueste Cargo Mode an… tzzz
    Anfang der 90er war Conscious HipHop hier ganz groß, Freundeskreis und Co.. Leider gibt es mittlerweile nur noch 50cent und Sido. Im Mainstream findet man nur noch minimals produktionen die nur auf SEX aus ist, vllt noch auf Drogen und Gewalt aber die völlig destruktiv und inhaltslos ist… so ein MIST. Johnny Du bist doch aus Berlin, dann schau dir doch mal die grandiosen cryptonasen.de oder grismusik.de an oder brokemusic.de aus köln oder oder oder da gibt es echt einige die völlig verschiedene neue tolle sachen schaffen, allein sie werden nicht gehört.. es gibt überall nur BEEF.. Tja, und die HipHop Jugend ist leider sowieso zu vergessen, da geht es erst recht nur um drogen und alk und gerappt wird nur wenn besoffen is und nur darüber welch ein pimp man is… das schafft keien gesellschaft, das zersplittet sie.. all diese sachen haben kein ziel kein tieferen sinn. Die jugendlichen berauschen sich nur und die schaffenden pimpen nur entweder mit “fuck you motherfucker” oder einem 3 akk riff auf ner les pauls…
    Ok. Wofür das ganze werden sich falls überhaupt soweit gekommen einige fragen: Nun Eure Utopien sind schön und gut, aber meine Generation ist die nächste die dran ist und da seh ich leider die Probleme: Das Bildungsniveau ist gering und jeder lebt nur für sich. Es gibt kein Gesellschaftsnetz mehr nur noch subwelten mit individuen die sich nicht für eine gemeinsame sache begeistern können. Erstens macht der da mit und zweitens was bringt es mir?! Ok. Wofür das ganze werden sich falls überhaupt soweit gekommen einige fragen: Nun Eure Utopien sind schön und gut, aber meine Generation ist die nächste die dran ist und da seh ich leider die Probleme: Das Bildungsniveau ist gering und jeder lebt nur für sich. Es gibt kein Gesellschaftsnetz mehr nur noch subwelten mit individuen die sich nicht für eine gemeinsame sache begeistern können. Erstens macht der da mit und zweitens was bringt es mir?!
    Sorry für diesen Gedankenschwall, relativ unsortiert, aber vielleicht haben einige Ältere jetzt einen kleinen Einblick in meine Welt – keien Ahnung was die Lösung ist und ob das allgemein so schlecht ist, ich persönlich kann die hiesige Atmosphäre nicht ab und ich weiß ich bin nicht allein.

  62. 62

    Kai, von deinen derzeitigen Beiträge würde doch dann aber einiges wegfallen. Es würde eben anders heißen als Arbeitslosenversicherung.

  63. 63

    Zuerst mal: ich bin baff und begeistert, von dieser Diskussion die ich hier angestoßen habe. Chapeau, Euch allen! Danke!

    Malak: Ich kann Dich sehr gut verstehen. Ich habe keine Ahnung wie alt Du bist, schätze einfach mal auf 20. Runde Zahl.
    Weißt Du was ich in dem Alter gemacht habe? Ich habe die Schule geschmissen und gekifft und gesnieft und gepillt und getript und rumgehurt und gesoffen. Ich taumelte am Rande des Abgrunds und bin einige male, auch Jahre später, fast hineingefallen. Ich hab auf die Gesellschaft geschissen. Aus all dem habe ich aber auch gelernt und das ist etwas, dass ich auch jedem Checker da draußen zutraue. Und wenn es nur einer von 100 ist, die die Kurve kriegen, die vielleicht in 5 Jahren das Blog starten, dass jeder liest, dann haben wir schon was gewonnen. Vielleicht bist das ja Du?

  64. 64
    Pam

    @Alpha-Hasi
    Marktwirtschaft IST ungerecht. Die Frage ist nur, ob es anders herum auch funktioniert. Wenn es beim Gehalt kaum einen Unterschied macht, ob man studiert/Ausbildung hat oder nicht, dann leg ich mich 4 Jahre vor die Glotze. Und hinterher bin ich genausoweit wie Leute, die die Jahre anders (sinnvoller) genutzt haben? Gerecht?

    Dazu ziemlich interessant
    http://www.chrismon.de/cframe-begegn.html

  65. 65
    leo

    Ich glaube schon, dass die meisten Menschen sich selbst ihre Aufgaben suchen würden, wenn sie nicht durch ein Gerldverdienen-System dazu gedrängt würden. Sicherlich würden sich viele auch sinnvolle Aufgaben suchen. Aber Anfangs gibt es bestimmt eine Übergangsphase, während der keine Sau daran denkt die Scheisse aus der Kanalisation zu pumpen – wer würde das schon selbstverständlich als seine Lebensaufgabe verstehen?

  66. 66

    malak, kein Grund zur Entschuldigung, danke für den klasse Text! Wäre jetzt spannend zu hören, ob andere Leute deines Alters die Situation völlig anders sehen. Ich glaube aber, das Gros der Leute hat sich auch zu meiner Schulzeit für nix interessiert. Vielleicht war das noch nie anders. Also musst du allein ran. Und wirst Gleichgesinnte finden. Haste ja schon.

  67. 67
    Alpha-Hasi

    @Pam

    Ich weiß, dass man den Kapitalismus nicht einfach abschalten kann, ich bin mir auch sicher, dass irgend ein anderer Mechanismus übernehmen würde, soweit will ich ja gar nicht.

    Ich sprach nicht von einer *Gleich*bezahlung, nur von einer Verhältnismäßigkeit! Die heutige Situation ist absurd und verschärft sich weiterhin. Das Grundgehalt würde unter anderm dazu führen, dass man Leistungen, die man heute erpresst, auch “angemessen” bezahlen muss. Es gibt übrigens durchaus Leute, die *gern* Putzen und lieber so ihr Geld verdienen (würden), als zu studieren und später im Büro zu sitzen.

    Desweiteren sollte ausschlaggebend für ein Studium ein Interesse daran sein. Wohlgemerkt ein Interesse am Thema, nicht am späteren Gehalt. Fachidioten sind auch für die Wirtschaft eher eine Belastung. Leidenschaft kommt weiter. Manchmal jedenfalls – naja, zumindest idealerweise. Die meisten Hochschulen wären auch gern einen Großteil ihrer Schützlinge los. Geregelt wird das jetzt wieder mal durch die Finanzen.

  68. 68

    @malak: Ist doch schön, so ungefiltert! Und ich springe mal in Renes und Johnnys Bresche: um die Zeit war das auch bei uns (bin jetzt 28) noch relativ normal – ein paar Interessierte, viele egals und Rausch; meine Fresse… Da kommt halt erstmal der Sprung ins kalte Wasser – es scheint eine Standard-Reaktion zu sein, den so abzublocken.

    Zwar kenne ich auch noch relative viele Jugendliche, und hab den Eindruck, dass das immer schwieriger wird – ich kann Dir aber nicht genau sagen, ob das nur daran liegt, dass ich in der Zwischenzeit auch schon ein bisschen mehr Erfahrungen gesammelt habe. Geh Deinen Weg – und Utopien brauchen uns alle. Die sind nicht nur für “uns” ;)

    @Kai: die Debatte, was die Gesellschaft von Ackermännern hat, können wir uns jetzt aber schenken, oder?

  69. 69
    Alpha-Hasi

    @leo

    Genau das mein ich! Man muss bei diesen Arbeiten endlich erkennen, dass sie einen Wert haben, der bezahlt werden muss. Gerade weil sie keiner machen will, müssten sie doch ebenso gut bezahlt werden, wie ein Vorstandsvorsitzender, der zweimal im Jahr eine Sitzung leitet und sonst nur auf Firmenfotos auftaucht. Aber soweit ich das beobachte, wird solche niedere Arbeit tendenziell immer weniger bezahlt.

  70. 70
    Axel

    Ich finde es immer komisch, dass sich in solchen Diskussionen immer sehr viele Leute mit diesen Utopien sympatisieren und dann doch eine dieser bürgerlichen Parteien wählen..

  71. 71

    Axel: Die “žUffbasse”-Partei aus Darmstadt erzielte bei der Kommunalwahl 6,8%.

  72. 72
    Peter

    @Axel: Wo wird das hier sichtbar, dass dem so ist? Das ist doch nur eine Unterstellung (alle bürgerlichen Parteien sind schlecht/und Ihr hier wählt ja eh nur bürgerlich, obwohl Ihr nicht so sprecht) oder eine Vermutung. Deine Aussage trägt sachlich nichts, aber auch gar nichts zu dieser Diskussion bei!

    Einige haben IMO den Finger hier in die Wunde gelegt. Michael und andere haben es auch ausgesprochen – das Netz und die Blogs, was sollen sie denn schon ändern? Wo wirken sie denn revolutionär? Wir können uns die Wut und den Frust von der Seele schreiben, wir können uns, ja, das können wir, zu gemeinsamen Aufständen und Aktionen verabreden. Das allein vermittelt vielleicht eine Andeutung von Macht, von Wirkung.

    Aber ansonsten geben uns diese Medienformen nur ein Werkzeug. Nichts weiter. Und dieses Werkzeug ist erst mal völlig wertfrei. Der große Teil der Gesellschaft nutzt keine Blogs. Und es wird – ob gewollt oder nicht gewollt – immer Menschen geben, die sich nicht selbst beteiligen wollen, die nur zuhören, zuschauen oder lesen.

  73. 73

    Jetzt trag ich auch noch einen Link zur Diskussion bei, ich glaube er wurde noch nicht genannt. Ein Interview mit dem Chef der Drogeriemarktkette DM, Götz Werner. Das ist ja an sich schon interessant, dass sich auch ein Unternehmer für das Grundeinkommen einsetzt (fällt doch so das Reserveheer der von Hartz4 gehetzten Arbeitslosen weg, die jeden Job annehmen müssen und so die Löhne drücken helfen). Ich denke das Interview kann einige Missverständnisse in dieser Diskussion in Sachen Grundeinkommen aufklären:

    http://asmarburg.de/gwerner2.php

    Ich persönlich finde vor allem den bereits von Johnny angesprochenen Aspekt “žAufgaben statt Arbeit” interessant: Warum soll es einem 55jährigen, der keine Arbeit mehr findet nicht gestattet sein, sich ehrenamtlich in einem Nachbarschafts-Verein zu engagieren oder Einwandererkindern kostenlosen Sprachunterricht zu erteilen? Das geht mit Hartz 4 nicht.

    Zum Thema Ausnutzbarkeit: Das jetzige System ist auch ausnutzbar wie wir spätestens seit “žFlorida-Rolf” wissen und dass ist auch gar nicht vermeidbar. Ich bin aber auch überzeugt, dass die meisten Menschen sich nach ein Aufgabe im Leben sehnen. Außerdem ist der Mensch viel zu materialistisch und Statusorientiert veranlagt um freiwillig darauf zu verzichten auch neben einem solchen Grundeinkommen nach weiteren Verdienstmöglichkeiten zu suchen. Aus diesem Grund funktioniert ja auch der Kapitalismus wie geschmiert und wird dies trotz aller Alternativorschläge linker Idealisten auch die nächsten 500 Jahre weiter tun… Bis dahin macht es aber Sinn wenigstens über einige Verbesserungsmöglichkeiten zu diskutieren. Auch wenn diese noch nicht ganz ausgereift sein mögen. Das wird hier getan und ist erst mal schön!

    Erinnern möchte ich aber auch an einen weiteren Aspekt aus Renes Artikel. Das Internet und besonders Blogs als “žGegenöffentlichkeit” und Meinungsmacht. Auch wenn ich die Hoffnung teile, dass deren Einfluß eines Tages erheblich gewachsen sein könnte und Blogs größeren Druck auf Konzerne und Politik ausüben können werden als sie dies heute tun; noch ist es nicht soweit. Noch werden allzu viele tiefgre