Ich hatte schon in den Gedichtbänden gekramt und Spainz bleibt Spainz rausgeholt und auch den Klassiker: Aber eins, das bleibt bestehen, Spanieeeen, das ist schi-zo-phreeen.
Aber der Frührentner Raul und der Friseurlehrling Ferdinand Stierchen haben mir den Spott versaut.
Jetzt gibt es noch eine Fiesta gegen die Erdölnation Nummer 1 und dann ein ehrenwertes Ausscheiden gegen Frankreich.
Und dann werde ich singen:
Aber eins, das bleibt besteeehen…
Archiv
Spanien gegen Tunesien 3:1
Offener Brief an Musikschaffende
Ein offener Brief an Musiker, Text-Autoren, Komponisten, Musik-Verlage und Labels, im Folgenden unter dem etwas holprigen Begriff „Musikschaffende“ zusammengefasst.
Na dann mal los!
Die Ausschreibung für die kommenden Folgen des Podcasts der Kanzlerin ist online (PDF).
(Dank an Robby für den Hinweis und Link!)
Saudi-Arabien – Ukraine 0:4
Schon den ganzen Tag lang von einem sanft-wolkigen Gefühl betäubt. Aktiv lethargisch durch das nebenbei verfolgte Schweizspiel geschlummert. Die drei Tassen Kaffee so wenig aufregend wie der höhepunktlose Sieg der Ukrainer. Die können weder glänzen noch überzeugen, was sie gegen die saudischen Ölprinzen allerdings auch in keiner Sekunde müssen.
Von Zeit zu Zeit, während ich mich durch Wikipedia-Einträge zu alten englischen Fußballern stöbere, fallen ein paar Tore. Für die Ukraine. (Nach dem Abpfiff wird man hören, es seien derer vier gewesen.) Von Zeit zu Zeit stört ein behutsames Foul die Idylle, ein bedächtiger Einwurf, ein einsamer Pfiff.
Von Zeit zu Zeit pfeift auch das Publikum. Was soll das? Unangenehmes Geräusch. Nieselregen in Hamburg. Kleines Gewitter hier vor der Haustür. Langeweile nicht der nervigen, sondern der eher behaglichen Art. Sanft umher trabende Ukrainer, leise über das Gras trottende Saudis und friedlich gefallene Tore ohne Anflüge martialischen Brauchtums wie „Offensive“ oder „Angriff“. Hätte eigentlich ein wunderschöner gemütlicher Sonntagnachmittag werden können, vielleicht mit Tee (Assam Mokalbari), Maria Callas und Ella Fitzgerald.
Ist aber leider Montag.
Wie die Deutschen
Die Schweiz hat sich die perfekte Ausgangsposition erarbeitet, um sich wie die Deutschen 2002 durch das Turnier zu lügen. Jetzt reicht ein Unentschieden gegen Südkorea – danach könnte es gegen die Ukraine gehen oder gegen Tunesien.
Wenn die Schweizer weiter Schiedsrichter bekommen, auf die ein prallgefülltes Bankkonto wartet, kann eigentlich nichts schief gehen. Nein, im Ernst, der nichtgegebene Elfmeter sollte nicht überbewertet werden. Wer weiß schon, ob die Togoer den Strafstoß auch nur in die Nähe des Tors gebracht hätten? Und außerdem ist Rechnerei auf Niveau des ersten Schuljahres im Fußball unzulässig, gut möglich, dass der Ausgleich die Schweizer aus ihrer schwer verständlichen Lethargie geweckt hätte.
Diese Lethargie hat zwischendurch auch auf mich abgefärbt, ich bin sanft entschlummert.
The Igel has landed
Wo sind sie nur hin, die großartigen Zeiten. Damals, ganz, ganz früher, als ich nicht nur die Menschen anschaute sondern auch den Boden immer fest im Blick hatte, und sah was da so kreucht und fleucht. Damals, als ich noch leicht zum Helden werden konnte: auf den Boden geschaut, ertrinkenden Marienkäfer gesehen, gerettet und – tada! – mit stolz geschwellter Brust konnte ich rumlaufen und es allen erzählen. Warum ist heutzutage alles so furchtbar kompliziert und niemals heldenhaft?
Lesetipp
Auch gut: Wörterberg.
Brasilien – Australien 2:0
Der Brigitte-Diät-Sturm hat endlich getroffen. Der dicke unbewegliche Ronaldo passt zum dicken semibeweglichen Adriano: Tor. Der verbal dicke RTL-Reporter hat eine andere brasilianische Mannschaft (eine „stellenweise zaubernde“) gesehen als ich. Und als dann noch der dickendicke Rainer Calmund den Torschützen des 2:0 mit dem kaum zu glaubenden Künstlernamen Fred befragt, schalte ich ab, um mir die unterhaltsame letzte halbe Stunde des Spiels nicht durch pelzigen Nachgeschmack zu vermiesen.
Brasilien bleibt weiter behäbig gegen dritt- und viertklassige Gegner. Nicht, weil sich diese in jeden Schuss oder wahlweise Spieler würfen, das Spiel zerstörten oder „gegen uns mauern“ würden (O-Ton Right Said Fred), oh nein, sondern bloß, weil sie im Gegenteil frühzeitig Druck ausüben. Ronaldinho war bei den australischen Defensivstrategen besser aufgehoben als ein Wickelkind bei seiner Mutter, und ähnlich hat er auch gespielt. Ronaldo und Adriano, die zwei drolligen Dicken im Sturm, konnten der meist gut abgestimmten Abwehr nur beim 1:0 gefährlich werden. Ganz im Gegensatz zu Robinho, der unbedingt in die Startelf gehört. Ronaldo aber könnte zum (Non) Running Gag dieser WM werden.
Auch die kanariengelbe Abwehr hatte gegen die Australier kleinere und größere Probleme, rettete aber mit Routine, Abgeklärtheit und australischem Unvermögen die Null. Außerdem sollte in Brasiliens Mittelfeld nicht immer nur Kaká Leistung zeigen, sondern alle, um beispielsweise Rückpässe von der Mittellinie zum eigenen Torwart zu vermeiden. Verrückte Idee, ich weiß.
Leider fehlte den Aussies die internationale Klasse, um die Schwächen der Seleçao auszunutzen und einen oder gar drei Punkte einzusacken. Man muss schon hin und wieder ins Tor treffen, wenn man mehrmals quasi-alleine vorm Keeper auftaucht. Ein Klose, ein Crespo und ein Luca Toni machen so Hundertprozentige rein. Brasilien allerdings stocherte auch nicht viel zielsicherer vor Australiens Tor herum. Dass die Kicker vom Uluru-Kontinent gegen Ende hinten aufmachten, konnte nur Fred mit seinem 2:0 ausnutzen.
(“hinten aufmachten“, meine Güte – langsam wird man selber wahnsinnig.)






