Einfach nur mal angenommen

Einfach nur mal angenommen, man würde sich Gedanken um ein Unterhaltungslabel der digitalen Gegenwart machen.

Mal angenommen, man würde dabei absichtlich den Begriff „Plattenfirma“ vermeiden, da es keine Platten mehr gibt und Unterhaltung nicht ausschließlich musikalischer Natur sein muss.

Mal angenommen, man würde sich um Künstler und Autoren kümmern wollen und obwohl oder gerade weil man wüsste, dass Kopierschutz rausgeschmissenes Geld, BitTorrent ein wunderbarer Vertriebsweg für große Dateien, das Netz die beste Mund-zu-Mundpropaganda (danke…), Abmahnungen kleiner Websites Blödsinn und Creative Commons eine große Chance sind, würde man sich darum kümmern wollen, dass diese Künstler und Autoren Geld mit ihrer Kreativität verdienen.

Was würde man tun?

Wie müsste das „Label“ aussehen, dass kommerziell und realistisch arbeitet und die digitalen Realitäten und Möglichkeiten nicht nur erkennt, sondern herzlich umarmt?

Wir haben hier schon viel gemeckert über die Musikbranche, über die GEMA, die GVL, über diejenigen eben, die für die Betreuung der Kreativen und ihrer Einnahmen zuständig sind. Aber einfach mal angenommen, man wäre das Meckern leid und würde es viel lieber selber, besser oder wenigstens anders machen. Ohne Ballast, ohne Angst, ohne Größenwahn, aber mit klaren Zielen, die über ein Hobby hinaus gehen.

Wie müsste ein modernes Label aussehen, sich anfühlen, sich finanzieren, agieren?

Wir haben bei diesem Planspiel, das wir seit einigen Wochen spielen, viele Ideen, sind aber davon überzeugt, dass von euch noch viel mehr Input kommt. Wer also Lust auf virtuelles Hirnstürmen hat: You’re welcome!

(File under: Schamloses Ausnutzen der Leser auf dem Weg zu Resultaten und zu den Spreeblick-Sessions.)


135 Kommentare

  1. 01

    Manuel:

    Oha… da müsste ich wohl erst einen Moment in mich gehen.

    Ich meld mich später nochmal ;-)

  2. 02

    mp_464:

    vorweg: das ist jetzt nur ein kleiner eckpunkt, der mit einem gesamtkonzept nichts zu tun hat.

    aber ich finde sog. ‘labelnights’ immer sehr spannend, in mehr oder weniger regelmaessigen abstaenden. zum einen kann sich die online-community dann auch mal in der realen welt sehen/kennenlernen. zum anderen kann es als promo ausserhalb des neztes dienen.

    wie gesagt, ist nur ein kleiner eckpunkt und ausserdem hattet ihr das bei spreeblick eigentlich schon mal mit der ‘futura bold’ (ich hoffe das ist jetzt richtig geschrieben.)

  3. 03

    sunny3d:

    Verschieben wir das auf später? Nein. :)

    Wie müsste es aussehen oder sich anfühlen?

    Lässig, schon irgendwie ein Netzwerk, wobei jeder einzelne individuell seinen Platz definiert weiss und es deshalb unterschiedliche Künstler und Autoren gibt, die nicht alle in der gleichen Suppe schwimmen. Und es vereint sie vermutlich nicht nur das Innernet - das ist höchstens die Arbeitsfläche.

    Ansonsten - schön, schick, viel Fremdes, neugierig machend, interessant provozierend…

    Mal schauen…

  4. 04

    msc:

    @Manuel

    Das ist sowieso eine gute Idee.
    Gerade im Hinblick auf den Artikel von Julie würde ich es begrüßen, wenn die Kommentare erst nach ca. 3 Tagen eröffnet würden. Das gäbe den Lesern genug Zeit, das Gelesene zu verarbeiten - und so manche Schlammschlacht wäre uns erspart ;-)

    Aber zum Thema: Es stimmt schon - meckern fällt immer leicht. Aber so ein richtiges Konzept kann ich auch nicht aus dem Ärmel schütteln.
    Hm, mal nachdenken.

  5. 05

    mspro:

    Ein solches Label sollte begreifen, dass der Nutzer keine Musik mehr besitzen will, sondern nur noch darauf Zugriff haben will, wann und wie es ihm beliebt. Denn er will keine Daten, egal in welcher Form, herumschieben, sondern sie einfach nur hören.
    Der Nutzer will trotzdem seine Lieblingsongs hören, aber auch zu seinem Geschmack passendes Neues erfahren.
    Der Nutzer will sich nicht mit kleinteiligen Song/CD/DVD Preisen rumschlagen, sondern ein Abo haben, das alle seine Wünsche abdeckt.
    Der Nutzer braucht kein Label, sondern einen von ihm zusammengesammelten Verbund von Labeln, bzw. deren Unterkategorien, aggregiert und zum Festpreis abboniert.
    Eigentlich will er sich um Labelgrenzen einen Dreck scheren. Er will Songs, kein Label.
    Ich denke also viel wichtiger ist erstmal so ein offenes Metaframework, das diese infrastrukturellen Vorraussetzungen schafft und über Labelgrenzen hinweg operiert. Dann können wir über Labels sprechen. Aber dann eigentlich auch nicht mehr. Es sollten die Künstler selber sein, die Ihre Daten darin feilbieten.
    Wer braucht da noch ein Label? Ok, Marketing und so. Aber gut, das wären dann mehr so Dienstleister, hired and fiered by the artists.

  6. 06

    mspro:

    Nachtrag: Lese mich grade wieder und denke: Das wär ja ne Mischung aus Pandora, Myspace und iTunes.

  7. 07

    msc:

    Äh, ich sehe mich schon als “Nutzer”.
    Aber ich möchte Musik schon “besitzen” - Beim Begriff Abo rollen sich mir die Fußnägel hoch.

  8. 08

    holgi:

    Abo finde ich auch nicht gut. Aber Geld muss ja irgendwie fließen, wenn es über Hobby hinausgehen soll. Ein Prepaid-Modell vielleicht?

  9. 09

    msc:

    Als kleines Beispiel für einen Vertriebsweg, den ich gerne nutze:

    http://thresholdhouse.greedbag.com/

    Dort kann man die Alben von COIL in digitaler Form kaufen.
    Wahlweise in mp3, AAC oder stellenweise auch in FLAC.
    Ohne DRM :-)

    Ist zwar mehr die klassische Schiene (Kreditkarte), aber ich nutze es gerne.
    Zumal die Sachen von COIL auf traditionellen Tonträgern sehr schwer zu bekommen sind.

  10. 10

    mspro:

    Vielleicht bin ich auch nur extrem faul, aber ich hab weder Lust noch Zeit, mich mit Datenhaltung und Kostenkontrolle auseinander zu setzen. Deswegen Abo und deswegen auch kein lokales speichern.

  11. 11

    ElCot:

    @mspro: Also Napster - nur irgendwie ohne Napster drumherum, was?

  12. 12

    Kät:

    @mspro

    wer braucht da noch ein label? na, um der guten ordnung willen.
    ein label ist ja nicht nur ein virtueller zusammenschluss mit einem namen drauf, sondern ein verbund von richtigen menschen, die eine idee transportieren.
    man gründet, sagen wir, das label “sonnenschein”, legt fest, wer draufkommt, also ins konzept passt und das sind am anfang wohl kreative freunde und freundesfreunde, die zwar gute ideen haben, die aber nicht an den mann/die frau bringen können, weil sich ja wohl keiner in die fußgängerzone stellt und sagt: guck mal, ich hab hier einen geilen comic. willste den nicht kaufen?
    kurzum: ein label kann helfen, auftritte zu kriegen, sich adäquat potenziellen käufern zu präsentieren und dann auch wirklich zu verkaufen.
    ich finde sowieso, dass mp3 u.ä. natürlich in die konzeption eingehen MÜSSEN, dass aber analoge formate wie bücher, filme auf dvd’s, schallplatten, photos usw. usf. über den ganzen digihype nicht in vergessenheit geraten sollten.
    und bevor sich ein cooler neuer autor, filmemacher, dj oder eine band in einen verlag oder ein major label reingeschleimt hat, vergeht soviel zeit, dass man das ganze auch gleich selbst in die hand nehmen kann.

    @johnny

    immer wieder aktuelle themen, die du aus dir rausschraubst und bei denen es spaß macht, in die diskussion miteinzusteigen.

  13. 13

    martin:

    Kuck Dir Proton Radio (Progressive House) an: hat als Internet Radio angefangen (donation) und hat jetzt ein eigenes Label gegründet, das jetzt über beatport.com die Songs verkauft.
    Außerdem im Programm: Compilations, Podcast (ganze Mixe, mit Link der jeweiligen Stücke [Coveransicht] zum Download auf beatport.com), mp3-Mixe von einem begnadeten DJ (Jay Epoch) im Forum zum runterladen.
    Die sind saumäßig gut: bieten eine Menge und nutzen alles, was möglich ist.
    Gute Frage: wer verdient da eigentlich was?

  14. 14

    Kät:

    @ myself

    analoge formen wie filme auf dvd’s?
    schon reichlich lange vor dem bildschirm gesessen heute, was?

    was ich natürlich meine ist, dass sich nicht nur alles um tauschbörsen und runtergelade aus und im netz drehen sollte, sondern dass man auch mal “richtige” sachen zum anfassen mit cover und so zu hause haben will und nicht nur zugemüllte festplatten.

  15. 15

    Tom:

    Kuck Dir mal Proton Radio an: die haben als Internet Radio angefangen und jetzt ein Label gegründet, das nur online über beatport.com vertreibt.

  16. 16

    panzi:

    “Der Nutzer will sich nicht mit kleinteiligen Song/CD/DVD Preisen rumschlagen, sondern ein Abo haben, das alle seine Wünsche abdeckt.”
    Naja, ich für meinen Teil möchte kein Abo. Ich möcht ab und zu mal ein Lied und dann und wann mal ein Album kaufen. Abos schrecken mich eher ab.
    Damit so ein Label bekannt wird sollte es am besten so einschlagen wie iTunes, YouTube oder MySpace. Also ein Portal wäre keine schlechte Idee. Vieleicht ein deviantart.com für Musik? Also jeder kann seine Musikstücke hochladen wie er will unter der Lizenz die er will. Wenn er will gibts nur Ausschnitte oder low-quality Versionen zum kostenlosen Runterladen. Die Vollversion bzw. eine in hoher Qualität kompremirte bzw. nicht verlustbehaftet kompremierte (FLAC) Version gibts dann gegen bezahlung.
    deviantart.com wird wie es sceint von einigen Künstlern als Plattform genutzt. Vorallem um bekannt zu werden, aber auch um Prints zu verkaufen. Sowas für Musik wär sicher nicht schlecht. Aber eine bessere Suchfunktion sollte das dann haben.
    Was ist bei onlinekäufen von Musik bis jetzt immer nicht dabei? Ein Booklet. Das sollte am besten kostenlos als HTML aber acuh als PDF abrufbar sein. Und Lyrics sollten bei jeden Lied dabei sein. Am besten gleich im MP3- oder Vorbis-Tag.
    Eine Kooperation mit BitTorrent, Wikipedia (Einträge über die Künstler) und Googel oder ähnlichen Größen würde sicher eine super Publicity bieten und auch aus technischen Gründen gut sein.
    Auf alle fälle wäre ein Wiki zu dem Thema mal gut. Also ein Wiki in dem man gemeinsam die Geschäftsidee ausarbeitet. Vieleicht stellt Tim das chaosradio-wiki, bzw. eine Usersite im chaosradio-wiki, zur Verfügung? Er gehört da ganz bestimmt nicht zu den Exkludisten. ;) Vieleicht macht er auch mal ne Chosradiosendung zu dem Thema? Könnte man dann auch als Publicity nutzen.

  17. 17

    ben_:

    Meine Sicht mag da gerade etwas eingefärbt sein … aber wenn die Frage lautet, “Wie kann von dem ganzen Spass jemand leben, wie kann sich das finanzieren?”, dann habe ich in den letzten 6 Wochen eins gelernt: es zählt zuerstmal die Reichweite.
    Nur, dass wir uns da nicht missverstehen: ich bin da wirklich kein Freund von und wäre glücklicher in einer anderen Welt, aber das Geld im Netz liegt zu allererst hinter den PIs, wie Google gerade eindrucksvoll bewiesen hat, indem sie auf Murdocks Kaufpreis von MySpace (der schon jenseits von Gut und Böse war) nochmal ein Drittel drauf gelegt haben - nicht etwa um den Laden zu kaufen, sondern nur um ihn zu durchsuchen!
    Gut MySpace ist kein Label und Masse statt Klasse kann nicht das Prinzip von Spreeblick sein, aber wie gesagt: mein Einsicht der letzten zwei Monate ist, dass auch hochwertige Inhalte nach den gleichen Regeln spielen müssen, wenn’s um’s Geld geht.

  18. 18

    panzi:

    @Tom
    Also beatport.com kann mit mir garkein Geschäft machen. Die benötigen Flash 8, aber für Linux gibts nur Flash 7. Sowieso ist das ja eine Frechheit und ein Blödsinn, für so eine Seite Flash vorauszusetzen. Acessability gibts da sicher kein und Google kann’s sicher auch net richtig indizieren. Alle großen erfolgreichen Seiten verwenden kein flash als Muss. Naja, YouTube schon, aber nur als eingebettete Viedeo-Viewer. Und auch da brauch ich kein Flash, hab nen Weg gefunden die Videos runterzuladen und abzuspielen (mit ffplay von ffmpeg. manchmal packts auch vlc).
    Also eine anforderung an die Homepage des Labels: Flash nur als kleine entbärliche Audio-/Video-Player einbetten und immer eine Filedownload-Option anbieten.

  19. 19

    ben_:

    ups, mein kommentar das ist jetzt ein bischen pessimistisch geraten, das war gar nicht so gemeint, denn was ich auch gelernt habe ist, dass es immer mehr Leute im Netz gibt, die hochwertige Inhalte haben wollen, und denen es auch egal ist, ob die als Abo oder Besitz oder SMS-Service daher kommen. Hauptsache das Vertrauen zwischen Besucher und Anbieter stimmt.

  20. 20

    kalle:

    supporter driven wie auf http://supporter.neubauten.org/ finde ich schon mal gar nicht so schlecht. Mit dicken Tam Tam drumherum, Studiocam, Exklusivmaterial etc. Konsequent auch der Verkauf einer 80gig Platte mit allen Aufnahmen der letzten Tour irgendwo da im Shop. Da würde Plattenfirma dann auch wieder passen. Das ganz passt aber sicherlich nicht immer und überall. cdbaby ist auch ganz nett.

    Es wird und muss auch nicht den einen Weg geben. Abo für den einen, Singletracks für den anderen, CDs, Mobil, limitiertes Vinyl-On-Demand, Konzerte, Auftragsmusik, Merch. Letztlich ein Multichannelvertrieb aller möglichen erbringbaren Leistungen - Musik, Show und Marke unter Berücksichtigung des eigenen künstlerischen Anspruchs, der Nachfrage und den mannigfaltigen technischen Möglichkeiten.

  21. 21

    Philipp himself:

    So klasse die Idee auch ist. Ich denke damit die Unternehmung auf mittel- bis langfristig rentabel ist, sind immer mehr Kompromisse notwendig, die letztendlich darauf hinauslaufen, dass man letzt endlich doch ein normales Plattenlabel wird.

  22. 22

    René (der aus Kiel):

    Ähm Johnny…du weißt dass Magnatune existiert und funktioniert.

  23. 23

    Toco:

    die von mp_464 vorgeschlagene labelnacht würde ich auch als wesentlichen bestandteil des verlags, der marke, des labels sehen. ein abend mit vielen facetten und vor allem, mit der persönlichen note (im sinne einer person vor ort, in schlagdistanz). ein point of sale vor den eigenen füßen. [soweit das konkrete]

    der verlag sollte signalisieren, dass ver-wertet wird und nicht ver-schenkt. ich weiß aus eigener bescheidener (sehr bescheidener) erfahrung, dass es nichts schlimmeres gibt, aber vielleicht lohnt es sich gerade hierfür auch einen unsympathischen arsch ins boot zu holen wenn man selbst nicht wert-schätzt, warum soll es dann die zielgruppe übernehmen? die will doch nur konsumieren?! (bitte keinen pranger für diese aussage und ja, die zielgruppe besteht aus selbständigen wie selbstbewussten individuen)

    ansätze, spinnereien (weitere):
    der verlag sollte ohne balast, aber mit bedacht agieren. hier kommt das “premium” ins spiel. gerade ohne überwachende instanzen, die sich ob ihrer starrheit selbst überleben (gema, gvl) wäre bewusster kontrollverlust in teilen sicher ein gutes mittel. es muss nicht alles in geld umgewandelt werden. keine perlen vor die säue, dafür trüffel auf die teller derer die hunger haben. (phrasenschwein, anyone?)
    vielleicht kann auch ein gesundes selbstbewusstsein nicht schaden. eine leistung hat ihren wert, den man ab und an auch ver-werten muss. (ich wiederhole mich)

    vielleicht bleibt am schluss nur die frage, ob man mit pioniergeist glänzen oder mit ernüchterung profitieren möchte.

  24. 24

    Euter:

    bin jetzt noch nich solang dabei… aber ist das mit der “mund-zu-mund-propaganda” son absichtliches running-gag-insider-ding das sich tatsächlich hierauf bezieht, oder kennt und schätzt man SpOn hier bloß einfach nicht? :P

    (memo an mich: häkchen machen hinter a-blogger-dissen-damit-dieser-meinen-blog-besucht-und-berühmt-macht)

    lg flo

  25. 25

    Platzwart:

    Vor allem braucht das einen Podcast :-). Bei 3p fand ich immer cool, dass die etablierten, die Nachwuchskünstler mit aufgebaut haben.

  26. 26

    Julian:

    Wenn man Tauschnetzerke als Verbündete auf seiner Seite haben will und nicht als Feinde, zwingt dies doch dazu, die Inhalte (in diesem Fall die Songs) an sich als kostenlos zu betrachten.
    Ein bezahltes Abo, oder eben einzeln zu kaufende Songs würden schließlich dort wieder kostenlos erhältlich sein, und man steht wieder vor dem Ausgangsproblem.
    Geld muss also irgendwie anderes hereinkommen.
    Konzerte, CDs, DVDs - Dinge, die mehr Wert haben als der pure Inhalt des Songs.
    Ich möchte es nicht missen, eine gekaufte CD in meinen Player zu legen und gleichzeitig das wertige Booklet durchzublättern.
    Das Label würde also seine Funktion als Medien-in-den-Laden-Briger behalten. Die Zeit und das Geld, das nicht mehr in das Verklagen von Tauschbörsen und deren Nutzer investiert wird könnte in die attraktivere Gestaltung der handfesten Waren (CDs, DVDs) fließen.
    Höchst wahrscheinlich würde dies jedoch nicht den Umsatzeinbruch ausgleichen. Vielleicht müssten Konzerte teurer werden. Aber das will ja auch niemand.
    Also vielleicht doch eine Verschlankung des Labels. Keine greifbaren Waren, nur digitale. Das würde die laufenden Kosten auf ein Minimum beschränken. Die Daseinsberechtigung behält es trotzdem, da Bands/Künstler mit seiner Hilfe aus dem Schatten heraustreten könnten und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt würden. Aber woher kommt in diesem Szenario das Geld für die Brötchen? Wie bekommen etwa YouTube oder MySpace die Kosten für die Server herein? Deren Inhalte sind schließlich ebenfalls kostenlos.
    Wohl mehr Fragen als Antworten, aber das Thema ist es wirklich wert, darüber nachzudenken.

  27. 27

    timtester:

    Obwohl ich vom diesem Business keine praktische Ahnung habe, finde ich:

    - die Künstler müssen nicht vermarktet sondern erlebbar gemacht werden
    (das mit Toni Mahoni ist ja ein Anfang)
    - bei der Darstellung der Künstler im Web kann man viel Geld sparen,
    bei meinen “Lieblingsbands” sind die Fanpages meist besser als der
    Labelkram, auch kleinere Acts haben bestimmt eine Fangemeinde oder
    können das schon selbst ganz gut
    - die Regeln müssen klar sein “He wir machen coole Sachen, müssen aber
    davon leben.” durchsetzen kann man das nicht, hoffen aber schon
    (die Ärzte lassen doch auch Bootlegs kostenlos im Inet zu)
    - als Nutzer möchte ich gute Kritiken, mit denen ich auch als
    Erwachsener was anfangen kann, Radio und Fernsehen verbieten sich
    da leider heutzutage
    - wie finde ich aus der Menge “Verliebt” von Toni und wie kann
    ich das kaufen? Nach den gängigen Genre Menüs hätte ich das nie
    gefunden
    - der Label muss die Plattform bieten und stellt aus meiner Ansicht
    die Dienstleistungen für den Nutzer und Künstler dar
    Hier wird es extrem schwierig, i-tunes setzt die Latt performance
    mäßig sehr hoch. Auch für die Leute die den Content einstellen
    muß ja was Brauchbares her. Das bedeutet Investitionen in nicht
    unerheblichen Maßstab! Trotz kleinem Anfang (wenige Künstler) darf
    hier nicht gespart werden!

    Tim

  28. 28

    Mike:

    Tja, die eigene Zukunft ist bereits Vergangenheit…

    Am besten laßt ihr euch von einem (vorzugsweise Stuttgarter, in Berlin gibt es so wenige) Autokonzern sponsoren und schon gehts los: http://www.mercedes-benz.de/mixedtape

    Der Nachteil: man muß ein entspanntes Verhältnis zu Autos haben. Siehe auch: Opel-Blogger. ;-)

    Mike

  29. 29

    michael:

    was ist mit dem podsafe music network?

  30. 30

    Matthias:

    Heureka!
    Eine digitale wollmilchlegende Eiersau (oder so ähnlich). Das Du da nicht früher drauf gekommen bist. Schon mal an elektronische Tupperparties gedacht?

    matthias:)

  31. 31

    austerlitsch:

    erste überlegung. es gibt doch am prenzlauer berg einen weinladen mit einer kleinen schenke dabei in der man das geld, das man für den wein auszugeben bereit ist, einfach in einen großen topf tut. das soll wohl ganz gut funktionieren. es gibt im sauerland ein hotel (nein, nicht der sauerlandstern) das am wochenende nach dem selben prinzip verfährt. man bezahlt, was man geben will. auch das soll funktionieren.
    Und wie ist das mit dem net-lectronic-label thinner.cc? Die musik gibt es umsonst. aber kann man dort nicht donations geben, also geld spenden wenn man das möchte? ich habe keine ahnung was dabei rumkommt.
    zweite überlegung:
    es gibt einen lesenwerten Artikel bei brandeins, Ausgabe 02/2004.
    http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=1299&wh=Musik&MenuID=130&MagID=45&sid=su811731772026613256
    da geht es unter anderem um das potato-system, erfunden von zwei forschern die an
    der mp3-entwicklung beteiligt waren. das system funktioniert so:
    “Bei Potato, dem System der beiden Forscher, bleibt dieser Mehrwert erhalten: Die Tracks sind ungeschützt und beliebig zu vervielfältigen. Dennoch gibt es einen Anreiz, sie nicht kostenlos aus dem Netz zu ziehen und weiterzugeben, sondern für sie zu bezahlen – denn Potato beteiligt nicht nur die Musiker an den Erlösen, sondern auch die Kunden.
    Das funktioniert so: Wenn ein Musiker einen Song bei Potato anmeldet, erstellt der Potato-Server einen Link zu diesem Track. Diesen Link kann der Musiker zum Beispiel auf seinerWebsite veröffentlichen. Wer draufklickt, wird auf das Potato-System umgeleitet und kann dort den Track kaufen. Damit erhält der Käufer aber nicht nur das Musikstück, sondern auch das Vertriebsrecht dafür. Potato erstellt automatisch einen neuen Link, der nicht an den Verkäufer gebunden ist, sondern an den Käufer. Dafür muss er sich nur selbst bei Potato anmelden, damit dieVerkaufsprovision abgerechnet werden kann. Wenn er dann den für ihn erzeugten Link in sein eigenes Web-Angebot stellt und jemand den Song über diesen Link kauft, wird er mit 20 Prozent am Kaufpreis beteiligt. Wenn der Käufer, der ihm das Stück abgekauft hat, den Song weiterverkauft, bekommt er zehn Prozent, in einer dritten Stufe noch fünf Prozent. Erst in der vierten Stufe fällt der erste Verkäufer aus der Kette heraus und erhält keinen Anteil mehr. Nur die Urheber bekommen immer 30 Prozent vom Umsatz. Potato ist Marketingwerkzeug und Vertriebssystem in einem, sagt Jürgen Nützel. Zu Beginn habe der Künstler nur einige wenige Fans, aber darunter seien stets einige Enthusiasten, die sagten: Cool, ich platziere das auf meiner Website. „So kann die Begeisterung der Fans genützt werden. Die erzählen nicht nur von der Musik, die verkaufen sie weiter.”
    grundsätzlich finde ich die idee nicht schlecht. da nicht zuletzt durch die weblogs immer mehr private webseiten entstehen wo man einen hinweis auf bevorzugte platten, bücher, spiele etc. liefern kann könnte ich mir so einen vertriebsweg durchaus vorstellen.
    und wie soll so ein label aussehen? mmmh…

  32. 32

    Donald:

    Es sollte ein virtueller Hut vorhanden sein, in den ich auch kleine Beträge für die Künstler reinwerfen kann. Und zwar so einfach wie möglich. Mit Paypal vielleicht oder mit einem Guthaben, dass ich im Laufe der Zeit wegspenden kann.

    Wenn die Dateien kein DRM haben (bitte!), dann kann ich sie ja auch auf anderen Wegen von Freunden bekommen. Wenn ich dann merke, dass ich sie so gut finde, dass ich sie auch kaufen würde, kann ich dann einfach freiwillig ein paar Euro in deren Hut werfen. Und wenn ich später merke, dass ich sie noch besser finde, spende ich vielleicht nochmal was. Die Sachen, die nur OK sind, bekommen dann etwas weniger, aber immerhin mehr als nichts. Sowas wünsche ich mir.

    Bitte mach es möglich, Johnny!
    Donald

  33. 33

    Holger:

    Ein Club. Vinyl. Ein Fanzine. Eine Website. Microgeld. Kein Sponsor. Kopieren.

  34. 34

    y:

    Ein Finanzierungsmodell:

    Die Inhhalte können nur vollständig von regestrierten Usern betachtet werden - Mitgliedern. (Name + Passwort reichen für den anfang).

    Die Mitgliedschaft kann man solange Testen wie man will ist quasi Kostenlos.
    Trotzedem wird einem klar gemacht dass man immer nur ein Tester ist und eigentlich etwas nutz für das ander bezahlen.

    Ein Zähler könnte einen anzeigen wieviel man schon Konsumiert hat und daraus berechnen was man Zahlen müsste um Fair zu sein. (und so ein schlechtes Gewissen erzeugen ).

    User die regelmässig Zahlen könnten mit ein Sternchen belohnt werden das Anzeigt wie fair sie sind (in Talkbacks/Foren).

    Leute die sich selber an der Plattform beteiligen, bekommen für ihre Beiträge Kredits und müssten weniger bezahlen.

    Und dann holt ihr Euch noch das Patent für das System :-)

  35. 35

    kornecke:

    Mmmh, das ist hier die 1-Million-Dollar-Frage, oder? ;)

    Ernsthaft: Wenn man es schafft, all diese (widersprüchlichen?) Anforderungen unter einen funktionierenden Hut zu bringen, hat man womöglich das Modell für die zukünftige Vertriebsform von Entertainment gefunden.

    Wenn es denn so eine Lösung gibt - was möglich, aber ganz und gar nicht sicher ist - dann findet man sie nur durch Probieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass so ein Versuch auf Anhieb erfolgreich ist, ist gering, aber so what? - das Risiko gehört zum Spiel.

    Ganz persönlich lege ich keinen Wert auf Booklets, Cover, Wikis und das ganze Drumherum. Ich will den Content. Einfach, übersichtlich, unbeschränkt, kaufen. Ich glaube, dass intuitive, einfache Bedienbarkeit einen großen Teil des Erfolgs ausmacht. Eben deswegen ist iTunes so erfolgreich: Eine all-in-one-Lösung. Das mag auf Kosten der Kompatibilität gehen, aber es überzeugt.

    (Und wenn der Laden tatsächlich läuft, kommt Google und kauft ihn. :p )

  36. 36

    marius:

    Mir wären sowohl Web Zweinulligkeit als auch einige andere langweilige Dinge herzlich egal. Das wichtigste an einem Label sind die Künstler und die Musik!
    Das sind die beiden einzigen Kriterien, die ich zu Grunde lege.

    Gefällt mir eine Band, kaufe ich deren CD. Unkomprimiert und original. Downloads interessieren mich persönlich nicht die Bohne.

  37. 37

    Ms_Ing:

    @Y:
    Ich danke nicht, dass es eine gute Idee ist zu versuchen seinen Kunden einschlechtes Gewissen zu machen.
    Aber ich halte die Idee von einer Art Credit-System für gut. Man kann “Punkte” (Points, Credits, Mäuse, Schnorchel, …) erwerben, aber nicht nur durch Geld, sondern auch durch Trackbacks, “Treue” oder durch Beiträge. Beispielsweise in Foren oder durch Rezensionen.
    Vielleicht auch etwas ähnliches wie die Amazon-Links auf dieser Seite. Je mehr Leute von einem Link auf das Label gelangen desto mehr “Punkte” kriegt der Besitzer des Links.
    Ich denke auch, dass es nicht mehr darum geht Musik zu besitzen. Für mich wäre ein Live-Mitschnitt, beispielsweise bei YouTube interessanter als ein Booklet, aber ich will auch in der Lage sein Musik auf ein portables Musikabspielgerät meiner Wahl zu überspielen.

    Ich weiß, dass mir jetzt keine Möglichkeit der Geldeinnahme eingefallen ist, aber:

    AIN’T NO MOUNTAIN HIGH ENOUGH

    Viel Glück Johnny

  38. 38

    SimSullen:

    Okay die Kommentarspam- Versuchung geh´ ich mal ein.
    Unsere Umsetzung dieser, oder zumindest ähnlicher, Ideen sieht seit ca. 2 Jahren ungefähr so aus: http://www.12rec.net . Netlabel halt, alter Hut, plus schöne DIY CD-Rs, noch älterer Hut. Macht aber trotzdem Spaß und stößt durchaus auf Interesse. Nur mit Geldverdienen hat das natürlich nicht annähernd was zu tun. Nee, auch mit den CD-Rs verdienen wir nix… Selbstkostenpreis excl. Arbeitszeit. Aber ist große Kunst nicht schon immer mit Selbstausbeutung Hand in Hand gegangen? ;)
    Donations? Freiwilligkeit? Keine Ahnung wie das bei Thinner so läuft, aber aus unserer Erfahrung keine Chance. Wir hatten mal diese PayPal Buttons, haben die aber nach ein paar Monaten runtergenommen weil da rein garnichts kam. Dann lieber komplett drauf scheißen.
    Die Elektronika/ Tanzmusik Kollegen setzen da sehr auf den Promoeffekt der Umsonstreleases und sehen dann zu daß die Kohle bei DJ & Livesets reinkommt was bei den etablierteren Netlabels wohl durchaus aufgeht aber auf Bands eher nicht übertragbar ist.
    Naja, aber ich bin da wohl auch nicht der richtige Mann für. Alles was sich auf Business reimt fand ich schon immer irgendwie gruselig. Musik für´s Herz und Nachtportierjob für die Miete… das ist mein Geschäftsmodell! ;)
    Bin jedenfalls sehr gespannt was da in der Richtung so kommt bei euch. Viel Glück für Wasauchimmer!

  39. 39

    Johnny:

    Wow.

    Ich bin beeindruckt.

    Die meisten Vorschläge/Vergleiche sind Vertriebswege. iTMS, magnatune, Pandora, Potato (das leider bisher extrem unsexy daherkommt, aber das kann man ja ändern): Das alles sind moderne Formen des “Plattenladens”, auch wenn sich magnatue z.B. als Label bezeichnet (ich glaube übrigens nicht, dass es auch nur einen einzigen Künstler gibt, der sich halbwegs über magnatune finanziert, das mag aber an meiner natürlichen Abneigung gegenüber Unternehmen liegen, die als peinlichen Claim “wir sind nicht böse” benutzen). Dieser Vertrieb kümmert sich einzig um den Verkauf oder die Verbreitung von Musik oder Daten - die Künstler jedoch zu betreuen, in ihrer Entwicklung zu begleiten, ihnen (auch finanziell) zur Seite zu stehen, sie zu “positionieren”, Marketing zu machen und sie vor allem erstmal zu finden - das ist (bisher) Aufgabe des Labels oder des Verlags. Eine Aufgabe, die sehr oft unterschätzt wird, denn weder iTMS noch andere Plattformen ohne DRM interessieren sich für den Künstler, er ist austauschbar und sie investieren keinen müden Gedanken, geschweige denn Euro in seine Entwicklung oder zahlen die Aufnahmen, Demos, Mieten oder die Plakate für seine Tour.

    Das muss nun aber alles nicht heißen, dass ein Label “von heute” genauso sein muss wie das von gestern. Nur wollten und könnten wir kein Portal gründen, zumal es davon ja jede Menge spannender und nutzbarer gibt.

    Wir gehen das kleiner an: Würden wir z.B. aktuell über einen digitalen Vertrieb von Tonis CD nachdenken, würden wir aus dem Bauch raus erstmal an Potato denken, da fair und sinnvoll. iTMS oder Musicload müsste man sich aber auch überlegen, schließlich hat der Nutzer am Ende die Auswahl und letztendlich darf man nicht vergessen, dass nicht jeder ein Obernerd und Auskenner ist: Wer Musik sucht, die er im Radio gehört hat, geht vielleicht zunächst zu den “Großen” - und was er dort nicht findet, gibt es eben in seinem Universum nicht. Das alte Spiel.

    Mit anderen Worten: Unsere Überlegungen setzen viel früher an. Sie beginnen mit der Frage, ob sich ein Künstler, seine Musiker, seine Tour und seine Helfer überhaupt noch über “Verkäufe” der Musik finanzieren lassen oder ob es andere Wege geben müsste.

    Es gibt viele Beispiele, die noch nach dem alten System funktionieren, die Beatsteaks haben z.B. richtig viele Platten verkauft (um mal ein Beispiel ein “integren” Band, die sich hochgearbeitet hat, zu nehmen). Aber wie lange werden sie das noch tun?

    Nur mal als Ansatz und Futter fürs Hirn: Plattenfirmen sichern sich mittlerweile (nicht ganz zu Unrecht) Anteile an den Einnahmen aus Live-Konzerten ihrer Acts (das war bis vor wenigen Jahren undenkbar). Der Hintergrund ist klar: Das Label finanziert die Aufnahmen, stellt die CD her, stellt den Kram bei iTMS rein und macht Werbung - damit die Aufnahmen dann per P-2-P runtergeladen werden und der Künstler hauptsächlich an den Konzerten und am Merchandising verdient, wovon das Label keinen Cent sah. Alles jetzt mal flach und auf die Schnelle getippt…

    Wir fragen uns also eher, ob ein “modernes” Label nicht eher ein erweitertes Management ist, dass eben ein Label geradezu überflüssig macht. Dieses Management kümmert sich, während der Künstler Künstler ist, um seine Web-Präsenz, seine MySpace-Freunde, seine YouTube-Kommentare, den (analogen durch Dritte und digitalen Selbst-) Vertrieb - eben um alles. Dafür erhält dieses Management Anteile an allen “Auswertungen”, nicht nur am Verkauf von Tonträgern oder bezahlten Downloads (sondern?). Der Ausschluss von Mittelsmännern sorgt für ohnehin höhere Einnahmen auch auf Künstlerseite - so in die Richtung. Und dabei ist das Problem der Vergütung der Autoren, also der Urheber, die nicht immer mit dem Musiker identisch sind, noch nicht einmal angedacht…

    Was für uns feststeht: Der Künstler als Selbst-Promoter, der nicht nur Songs schreibt und aufnimmt, sondern auch noch seine Seiten und Vertriebe betreut, mag in Einzelfällen und bis zu einem bestimten Level funktionieren - auf Dauer aber ist er Utopie. Pop ist viel mehr als nur der Klang eines Songs oder das Foto eines Sängers.

    Und trotz allem: Sehr viel tolle Ideen und Anregungen, danke dafür! Das macht Spaß. Ganz besonders spannend finde ich den Gedanken des Nicht-”besitzen”-Wollens von Musik, sondern den dauerhaften und örtlich ungebundenen Zugriff darauf.

    Wenn wir tatsächlich irgendwas auf die Beine stellen können, gibt’s Frei-Accounts oder was auch immer.

    Hach, nach einem Tag voller sehr merkwürdiger Kommentare in anderen Artikeln stellt sich gerade wieder so ein “Ich mag Spreeblick doch schon sehr”-Gefühl bei mir ein…. Danke dafür! :)

    Achja, noch mehr: DRM wird es mit mir zumindest nicht ausschließlich geben, es sei denn, die einzelnen Vertriebswege, sollten wir uns dafür (auch) entscheiden müssen, bestehen darauf. Dann muss es eine freie Alternative geben, denn dieser Blödsinn mit Songs, die ich bei iTMS kaufe, aber nicht auf mein Handy mit MP3-Player-Funktion bekomme, ist genau das: Blödsinn. Ich bin sicher, dass die nächsten Jahre sowieso eine Verabschiedung von DRM hin zu Watermarks (siehe wieder: Potato) bringen werden.

    Gleichzeitig jedoch glaube ich auch nicht an das freiwillige Spendensystem. Zählt mal, wieviele Leute hier sehr begeistert von Spreeblick-Spenden waren und ratet, wieviele davon tatsächlich gespendet haben. Genau. :) Und ich meine das nicht böse, sondern verstehe das sogar komplett! Ich hab peinlicherweise noch nie ‘nem Blogger etwas aus seiner Wunschliste bestellt, bezahle aber jeden zweiten Morgen Geld für die Tageszeitung, die voller Werbung ist. Und so geht das sicher nicht nur mir.

    Ich suche die Lösung und weiß, dass sie irgendwo darauf wartet, gefunden zu werden. Vielleicht ist sie radikal, vielleicht bedeutet sie komplett freie Musik, keine Ahnung, aber irgendwo ist sie und sie wird funktionieren. Doch sie muss für alle funktionieren: Einfach, schnell, leicht. Das ist das ganze Geheimnis von iTunes, sowas muss es auch für ein Label geben.

    Ich bin müde. Schlaft gut!

  40. 40

    Johnny:

    Und noch was:

    Mercedes Benz zahlt nach meinem Wissensstand so gut wie gar nichts an die Künstler des Mixtapes. Sie müssen GEMA-frei sein (damit MB keine Abgaben zahlen muss), bekommen vielleicht eine kleinere einmalige Summe und danach ist Schluss. Egal, wieviele CDs hergestellt wurden und wieviele Downloads es gab. Fair? Zukunft? Ich bezweifle das.

  41. 41

    ajo:

    Der Tag wird kommen, an dem man mit Musik gar kein Geld mehr wird verdienen können. Das ist auch so 20. Jahrhundert… Trotzdem wird es immer Musik geben, vielleicht dann sogar bessere.

    @austerlitsch: auch das Akropolis in der ‘Lindenstraße’ hat schon vor Jahren die Bezahlung auf freiwilliger Basis eingeführt. Mittlerweile haben die das wieder abgeschafft, glaube ich, weiß einer warum und wann? Oder haben diese miesen Autoren die Story einfach nur nich mehr weiter gestrickt? Wäre nicht das erste mal…

  42. 42

    Johnny:

    ajo, deinen ersten Absatz habe ich so oder ähnlich selbst schon gesagt. Dennoch: Wovon werden Autoren und Musiker, von denen Präsenz und Output auch dann erwartet werden wird, dann leben?

  43. 43

    René (der aus Kiel):

    Ah, Johnny hat eine Abneigung gegen Unternehmen, die den peinlichen Claim “Wir sind nicht böse” haben. Deshalb auch die ganzen Google-Ads auf seinen Seiten. Ja nee, is klar.

    Natürlich finanziert sich noch kein Künstler ausschließlich über Magnatune, dazu ist das Ding einfach zu unbekannt. Das liegt übrigens daran, dass die “A-Blogger” der Nation stets von Majorlabel-Gedudel reden und sich per Amazon-Link lieber ein paar Cent dazuverdienen, anstatt eben solche Labels zu unterstützen. Das Problem liegt nicht am Geschäftsmodell von Magnatune, sondern am Einfluss der Major Labels.

  44. 44

    Johnny:

    @René: Nee, das Problem ist, dass ich bei magnatune nichts finde, was mich interessiert. Hätten sie Künstler, die über einen Liebhaber-Status hinauskommen würden, wären sie auch bekannter. Kann ja noch passieren.

    Im Übrigen ist das (uralte und natürlich schon immer extrem fragwürdige) Firmen-Motto (!) “don’t be evil” von Google ein erheblicher Unterschied zu der Behauptung “We’re not evil” im Logo von magnatune. Aber ich fand auch das Google-Credo immer Panne. magnatune ist eine prima Idee, überhaupt keine Frage. Wird aber erst funktionieren, wenn sie das alberne “wir sind moralisch besser”-Image, das keinen Musikhörer (außer dich) interessiert, ablegen und z.B. Affiliate-Links einführen. Es gibt (von wegen “die bösen Majors”) massig Indie-Labels die sehr erfolgreich sind, der Erfolg steht und fällt jedoch mit den Künstlern, er kam noch nie über Angebotsmasse oder über moralische Ansprüche des Vertriebs.

    Niemand (außer du) kauft Musik nach Labels, Verlagen, Management oder moralischer Ausrichtung, Leute kaufen Musik, die ihnen gefällt. Dass sie diese dafür erstmal kennenlernen müssen, ist klar. Und dabei geht es auch um Marketing-Geld, da ändert das Netz nichts dran.

    Nochmal: magnatune ist große Klasse, vor allem wegen ihrer Transparenz und ich kann viele Gedanken hinter dem Versuch nur allzu gut nachvollziehen. Aber ich glaube nicht mehr daran.

  45. 45

    Malte:

    Wenn also letztlich kein Geld aus Plattenverkäufen bei dem Label bleibt (jetzt bekommt das Label wohl so zwischen 10 und 15% des Ladenpreises, kann aber sein, das ich mich irre)bleiben ja nur noch:
    Anteile an den Konzerteinnahmen, Anteile an den Merchandising-Einnahmen, Werbung für andere Produkte auf den Labelseiten und Beteiligung, falls der Künstler Werbung machen sollte oder Abfindungen, wenn ein Major den Künstler übernehmen will.
    Das Label wäre dann also A&R-Abteilung, Konzerveranstalter und Agent in einem. Im Sport sind die Spielerberater mächtige Akteure, in Hollywood auch, ich weiß nicht, wie es bisher in der Musikbranche ist. Das Potato-System klingt auch interessant.
    Bliebe die Frage, wie ein Label sich als Marke etabliert. Motown oder Low Spirit stehen jeweils für einen eigenen Stil, bei dem (im Fall von Low Spirit) der Konzert- bzw Ravebesucher weiß, was ihn erwartet, wenn er auf ein von dem Label veranstaltetes Event geht. Das wäre bei schwer klassifizierbaren Künstlern wie Toni Mahoni deutlich komplizierter.
    Wer Toni Mahoni hört, der mag auch? Da fällt mir auf Anhieb kein zwangsläufiger gemeinsamer Nenner der Mahoni-Hörer ein.

  46. 46

    holgi:

    mspro(10), vorausgesetzt, die speichernde, verwaltende Instanz ist vertrauenswürdig und die Abo-laufzeit nicht so absurd lang, komme ich mit. Faul bin ich nämlich auch und der Gedanke, quasi-überall unkomplizierten Zugriff auf meine Medien zu haben, hat viel Charme.

  47. 47

    René (der aus Kiel):

    Ich glaube kaum dass ich der einzige Mensch bin, der nachdenkt bevor er etwas kauft. Aber diese Diskussion hatten wir ja beim Cola-Artikel schon. Mir ist der Slogan völlig wurscht, entscheidend ist dass dort Menschen arbeiten die den Kunden nicht als Feind begreifen. Genau das tun die Major Labels: sie sehen in Kunden in erster Linie Personen, die ihre Produkte “raub”kopieren könnten. Und das Traurige ist, dass sie sich das sogar leisten können, weil sie eben ein Monopol haben.

    Ich glaube auch nicht, dass du dir die Musik bei Magnatune wirklich einmal angehört hast. Ich habe plötzlich das komische Gefühl, dass du zu den Menschen gehörst, die Musik vor allem nach ihrer Bekanntheit und weniger nach der Musik an sich aussuchen. Seltsam, das hätte ich bei deiner Vorliebe für Punkpop-Geschraddel nun wirklich nicht gedacht.

    Die Auswahl der Künstler ist klein, das ist richtig. Das liegt größtenteils daran dass die Musik (im Gegensatz z.B. zum Podsafe Music Network) handverlesen ist und nicht jeder reinkommt. Die Qualität ist aber entsprechend hoch. Vor allem die Qualität der klassischen Stücke ist auf absolut professionellen Niveau, wie mir zwei Musikwissenschaftler bestätigt haben. Klar, klassische Musik verkauft sich bei der MyspaceYouTubeiPodKlingelton-Generation nicht. Möglicherweise eine Schwachstelle. Aber die Möglichkeiten, die sich über CreativeCommons-Lizenzierte Musik, freiwillige Werbung durch Podcasts und anderer Mundpropaganda ergeben, sind ja auch noch relativ neu. Ich wäre nicht überrascht, wenn die meisten Künstler noch ein Problem damit haben, dass man ihre Musik im Grunde auch so bekommt, per CC-Lizenz, ohne dafür zu zahlen. Da fehlt möglicherweise noch ein Meinungswandel.

    Zur Zeit fehlt solchen Labels einfach noch die Kohle. Und das wird auch so bleiben, wenn man sie nicht unterstützt.

  48. 48

    Julian:

    Du möchtest dich dringend mit Neil Leyton treffen, der zur Popkomm und auch evtl zur Wizardsd of Os in Berlin weilen wird. Der ist erfolgreicher Labelmacher (Fading Ways) und Musiker. Advokat freier Kultur und Creative COmmons-Veröffentlicher. Und aktivist was das alls angeht. Wennd u magst: mail an bekannte Adresse, ich vermittle dir den Kontakt.

  49. 49

    Marvin:

    Ich denke gar nicht mal, dass das “reguläre” Portal-Online-Label-(…)-Prinzip so falsch ist. Zweifelsohne ist die angebotene Musik zu teuer, bei vergleichsweise schlechter Qualität. (mp3 mit 128kbps und DRM ist nun mal nichts grandioses und daran ist nicht zuletzt auch die Kompressionsmethode von mp3 Schuld.)
    Trotzdem kann man der Massenkompatiblität wegen auf den “Moving Pictures Enterainment Group - Layer - 3″ Audio Codec, also mp3 (sorry fürs Klugscheißen) nicht verzichten.

    Sinnvoll wäre es wohl eher zweigleisig zu fahren:
    Zum einen müsste der Nutzer eine Hand voll Demosongs umsonst bekommen (zum Beispiel drei bis fünf pro Album, käme auf die Dauer an) und zum andern müsste er aber für das komplette Album einen Preis zahlen. (Dazu komme ich noch)
    Dieses Album müsste dann in allen sinnvollen Kompressionsstufen herunterladbar sein. (128 - 320kbps)
    Da alles ohne DRM liefe wäre der Nutzer im Stande die Musik einfach zu verbreiten. Ja. Na und? Das wäre die Werbung.

    Aus Sicht eines Künstlers (ich bin Gitarrist, vielleicht zählt das) stelle ich mir das so vor: Ich melde mich bei dem “Service” an und erstelle ein communityfähiges Konto. (Klar, die Website braucht ein Forum)
    User können sich über mich informieren und mich einfach kontaktieren - Höchstformmarketing auf Fanebene. Wenn ich denn Fans habe.
    Damit es dazu, zur Fanbasis, kommen kann lade ich meine Musik auf den Server der Seite hoch. Vielleicht erstmal zwei/drei Songs.
    Die Start- und wahrscheinlich auch Portalseite würde immer diverse Künstler vorstellen. Natürlich immer mehrere - es gibt ja verschiedene Stile.
    Der User, dem die Musik gefällt, nimmt über das Forum, oder auf andere (elektronische?) Weise Kontakt mit dem Künstler auf und bestellt bei ihm das Album, oder wahlweise auch nur einzelne Songs. Diese haben vom Künstler bestimmte Preise, die ein festgesetztes Maximum nicht überschreiten dürfen. Als Premium könnten schon bekanntere und erfolgreiche Künstler in Zusammenarbeit mit dem “Label” gepresste CDs anbieten, die dann über die Website erhältlich wären.
    Ein Künstler hätte also eine Plattform, über die er einfacher Bekanntheit erreichen könnte, als wenn er hofft, dass jemand die eigene Seite findet und besucht.

    Mitgliedschaften für Künstler sind gratis - für User gäbe es Alternativen: Die kostenlose Version, in der er eine bestimmte Anzahl Songs runterladen kann und die Premiumversion, durch die er ständigen Zugriff auf sämtliche Songs und ggf. auch Videos hat. (Natürlich nur die Promosongs etc.)

    So, das war erstmal ein kleiner Einblick in meine Vorstellungen, die von vielen bekannten Prinzipien gar nicht mal so stark abweichen.
    Ich habe bestimmt viel vergessen, aber das kann ich ja notfalls ergänzen.

    So, gute Nacht! :) Gruß Marvin

  50. 50

    Nero:

    Soory Jonny, aber das Unterhaltungslabel der digitalen Gegenwart lässt den Künstler alle Rechte behalten und macht auf Wunsch und Selbstvertrieb nur Marketing.

  51. 51

    bonzo:

    “Ich denke also viel wichtiger ist erstmal so ein offenes Metaframework, das diese infrastrukturellen Vorraussetzungen schafft und über Labelgrenzen hinweg operiert. Dann können wir über Labels sprechen. Aber dann eigentlich auch nicht mehr. Es sollten die Künstler selber sein, die Ihre Daten darin feilbieten.”

    1.) ja, sehe ich auch so, Netzwerke schaffen
    2.) Imageschäden für die Majors (antikapitalistische Kritik, Schrottproduktionsvorwurf etc.), da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, das alles natürlich ohne Beleidigungen; Ziel: alle Majors sollen sich eines tages von selbst zersetzen
    3.) persönlciher Freund werden mit Künstlern, die man liebt (sie können auch ruhig bei einem major einen Deal haben), sie mit vernünftigen Argumenten davon überzeugen, dass der Major doch eigentlich Scheiße macht
    4.) Mucke nur noch im Netz kaufen
    5.) Irgendein mieses Demo zu bsp. Universal schicken und jede Woche dreimal dort anrufen und fragen, was denn mit dem Demo passiert sei. Das demotiviert sie, die Genervtheit der Angestellten am Telefon überträgt sie auch bald auf den A&R
    6.) Die machenschaften der Majors mit der Rüstungsindustrie endlich aufdecken und die Stasi-Akten der gesignten Ostkünstler auftreiben und an die Presse bringen, auch das kann einen effektiven Imageschaden hervorrufen, da der Major nicht genau geprüft hat, wen er signte
    7.) Den Arzt bestechen, der die nächste Busenvergrößerungs-OP für Sarah Connor operiert, dass er dabei nicht vergisst mit dem Skalpell auszurutschen und die Stimmbänder zu durchtrennen
    8.) Sich zum Sasha umoperieren lassen und die ganze Zeit antisemitische Statements von sich geben und dann sagen, dass man die von der Plattenfirma hat, wo doch so ein antisemitischer Wind wehe
    9.) Immer Arschloch sein, wo es nur geht, außer zu den eigenen Kindern
    10.) Selbst gute Musik rausbrinen und sie über Internet-Netzwerke vertreiben

    Diese liste lässt sich quasi unendlich fortführen!

  52. 52

    mp_464:

    @ y (#33):
    “Die Inhhalte können nur vollständig von regestrierten Usern betachtet werden”

    das ist doch muell, oder?
    wenn ich jetzt auf eine mir unbekannte labelseite komme, dann moechte ich mir als unregistrierter nutzer erstmal anschauen, was gibt es hier, wie laeuft das hier.
    sollte dies nicht der fall sein, werden die meisten leute die dieses label nicht kennen abgeschreckt, d.h. sie verschwinden schnellstmoeglich wieder und das war’s.

    als neuling moechte ich mir doch erstmal ein bild vom ganzen machen und nicht sofort dazu gedraengt werden, mich wieder einmal irgendwo anzumelden.

  53. 53

    Patrick:

    Ich denke, dass das ganze nur dann erfolgreich sein kann, wenn man endlich wieder anfängt den Kunden als Kunden zu begreifen und ihn ehrlich zu behandeln. Das fängt damit an, dass man begreift das rechtliche Auseinandersetzung mit Kunden eher zu Umsatzrückgang als Zuwachs führen und geht damit weiter, dass der Kunde von Zeit zu Zeit einen Leckerbissen braucht um ihn zu locken. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die man klar kennzeichnen sollte und wovon man _jede_ ausschöpfen sollte:

    - Pay per use:
    Musik online anhören - Bezahlung erfolgt nach Zeit oder pauschal
    je “Session”

    - Pay per download:
    Musik zum kostenlosen Download. Ohne Zwangsrestriktionen wie DRM, denn das ist nur eine Art dem Kunden zu zeigen wie wenig man von ihm hält. Ehrlich, aber nicht loyal. Darf teurer sein als Pay per use, denn man hat ja dann etwas, was man brennen, archivieren, besitzen kann. Aber es sollte sich im Rahmen halten. Downloadpreise sind nicht fair, wenn sie je Lied mehr kosten als ein Track auf einer normalen Audio-CD

    - Pay per Music-Flatrate
    Ein Abo, mit mehr monatiger Verpflichtung. Je nachdem wie lang man einen Vertrag eingeht wird man dann auch belohnt mit günstigeren Preisen. Pauschalpreise. Zusätzliche Kosten dürfen _dann_ nicht mehr entstehen.

    Allen Angeboten gemeinsam: Auswahl zwischen verschiedenen Qualitätsstufen ermöglichen. Mehr kostet mehr, weniger kostet weniger.

    Ab und an mal kostenlose Downloads oder Sonderaktionen wie Demo CDs die man hier und da an den Mann bringt. Wenn das Geld dafür da ist natürlich.

    Und zu guter letzt: Richtige CDs habe Artwork, sind anfassbar, archivierbar, sammelbar. Toll, also. Sie dürfen mehr kosten, als wenn ich 10 Tracks runterlade und auf CD brenne. Aber 30 EUR für eine CD ist zu viel. Dafür gehen viele Konsumenten 2-5 Stunden arbeiten. Das _will_ keiner ausgeben.

    just my 2 cents

  54. 54

    mp_464:

    @ y (#33):
    “Die Inhhalte können nur vollständig von regestrierten Usern betachtet werden”

    das ist doch muell!
    wenn ich jetzt auf eine mir unbekannte labelseite komme, dann moechte ich mir als unregistrierter nutzer erstmal anschauen, was gibt es hier, wie laeuft das hier.
    sollte dies nicht der fall sein, werden die meisten leute die dieses label nicht kennen abgeschreckt, d.h. sie verschwinden schnellstmoeglich wieder und das war’s.

    als neuling moechte ich mir doch erstmal ein bild vom ganzen machen und nicht sofort dazu gedraengt werden, mich wieder einmal irgendwo anzumelden.

  55. 55

    jagila:

    Hi Johnny, Seit dem Erfolg der wikipedia versucht alle Welt (youtube, myspace, fon) irgendwie in community-basierte Sites die Geschäftsidee reinzudrücken. Frag doch mal, wie man eine unkommerzielle, frei zugängliche Musik-Community aufbauen könnte, in Analogie zur wikipedia oder zu freifunk.net (vs. fon). Das wäre eine interessante Frage ;-)

    PS Mir ist schon klar, dass auch du (wie ich) motiviert bist, etwas zu essen zu haben und auch mehr ;-) Nur die spannende Frage wäre dann halt wie man es schaffen kann, dass wir auch dann angenehm leben dürfen, ohne dass wir profitabel (verwertbar) sein müssen (das muss deine *Geschäfts*idee ja auch sein). Aber diese grundsätzliche Frage wird leider nie gestellt, sondern nur wie man innerhalb des kapitalistischen Systems seine eigene Verwertung möglichst gut organisieren kann.

    Ist nicht als Anpisse gedacht ;-)

  56. 56

    bonzo:

    @Patrick, das gibt´s doch schon so gut wie, wie wollen aber doch was Neues schaffen, also weiter
    11.) offizielle Internetdownloadareas gegen Bezahlung vermeiden
    12.) die am Herd verbliebene frau eines A&Rs bumsen und ihm das als Ereignis in einen Song packen und ihm zu schicken, wichtig ist hierbei, dass man vorher feststellen sollte, ob er seine Frau noch liebt
    13.)Fernsehen so gut wie es geht vermeiden, jedenfalls die privaten kommerziellen Sender, sie versuchen bsp. mit der Chartshow oder Top of the Flops dir dich zum Kaufen und bringen und dir vorzugaukeln, dass alles gut ist wie es bisher war.
    14.) Alte Audio-CDs archivieren bsp. auf MD und dann an einen Second-Hand-CD-Laden verkaufen - wenn das alle machen, führt das zu einer Materialüberflutung des Marktes, der CD-Preis sinkt weiter.
    15.) Keine CD kaufen, die teurer ist als 5€, das ist angemessen für die
    Produktionskosten
    16.) Wenn ein Major bsp. mal wieder Scheiße rausgebracht hat, z.B. die neue CD von Janet Biedermann, die CD direkt beim Label reklamieren und Geld zurückverlangen
    17.) Vor einem CD-Geschäft mit dem Hund Gassi gehen, damit er dort einen Haufen hinsetzt.
    18.) Wenn du einem A&R auf der Straße begegnest, sage ihm, was für einen miesen und unnützen Job er in deinen Augen hat (DDK- demotivierende Direktkonfrontattion)
    19.) gehe ab und zu auf dem Bau arbeiten und werde dir dann bewusst, das alles mit den Händen der Arbeiter erschaffen wurde und die Musikindustrie die Made im Speck ist, die sich von der Arbeit der anderen ernährt
    20.) Halte dir einen eigenen Popstar zu Hause im Kaninchenstall und fütterwe ihn nur wenn er den Ton trifft. Wenn du zufällig Madonna in deinem Käfig hast, füttere auch sie erst dann, wenn sie einen Ton trifft, auch wenn es dich viel Geduld kostet.

  57. 57

    alecks:

    gab es eigentlich musiker vor der zeit als es labels gab?
    wie haben die das damals gemacht?
    musikanten am hofe eines gut betuchten adeligen?
    hatte mozart ein label?
    das rad der zeit zurück drehen geht nicht aber darüber nachdenken schon.

    vielleicht ist die “galerie” bekannt aus der bildenden kunst eine mögliche form von support für musiker.
    neben vielen “major galerien” (geld) gibt es viele galerien oder mäzene die künstler unterstützen weil sie deren werke gut finden und an den künstler glauben.

    geld zu verdienen mit seiner kunst ist bestandteil des berufes “künstler”.
    aber das “schnelle” geld kann nicht die oberste priorität sein.
    gab es nicht sogar hier auf spreeblick einen tollen beitrag mit ted robinson der ein umdenken fordert?

  58. 58

    Toco:

    stichwort querfinanzierung, vielleicht genügt es ja schon, sich integre künstler/autoren ins boot zu holen, die damit leben können, dass ein festgelegter anteil der erwirtschafteten gewinne auf jeden fall für die unterstützung anderer angelegt werden. künstler/autoren, die nicht schon beim nächstbesten höher dotierten vertrag wechseln.
    bei der vermarktung könnte man sich das sortiment aufteilen. der “verlag” verdient an buttons und t-shirts, der künstler/autor an cd’s und verwertung.
    zu naiv? oder schon zu aktuell?
    wesentlich finde ich, die marke zu fördern. eine zeit lang konnte man blind bei lado einkaufen und wusste, man bekommt was großes geboten. derzeit gilt das selbe für ghvc. regelmäßige werksschauen in form von compilations (ich dachte die seien bald tot, machen aber eben genau in dieser form sinn) veröffentlichen, damit neue freunde von künstler/autor a mit künstler/autor b-f bekanntschaft machen können.

    stichwort betreuung: touren durch die clubs auf der einen seite zum anderen muss (!) bereitschaft gezeigt werden, dem verlag zur seite zu stehen. eben bei compilations, labelnächten und in der außendarstellung. auch wenn der künstler bis zu einem gewissen punkt für sich steht, bleibt er auf andere auch angewiesen…

  59. 59

    HCL:

    MELD!
    bin wieda da! und
    bin dabei - irng.wie.ooch.imma…
    1000 gedankens 2 schehr
    aber grad

    zu vülle zu tun :(

  60. 60

    michael:

    Also ich sehe das alles recht pragmatisch:

    Wenn ich Künstler wäre (heute), hätte ich eine eigene Webseite auf der meine Musik zum Verkauf steht, als CD und als Download. Lösungen dafür bietet jeder moderne Web-Hoster an. Die Kosten bewegen sich inklusive dem nötigen Webspace bei etwa 50 Euro im Monat.

    Ich wäre außerdem ein Kleinunternehmer (vielleicht gibt es da sogar eine Freiberufsregelung, bei der ich keine MWSt. berechnen muss). Beim CD-Versand muss ich mich natürlich noch um die Verpostung kümmern usw., die Buchführung und all das ist relativ easy bei Kleinunternehmen.

    Für die Aufnahme von Live-Acts und Videos davon würde ich jemanden beauftragen, oder es selbst machen. Kostet ne Kleinigkeit, aber man kann sich die Audio- und Videogeräte auch ausleihen. Gibt’s in jeder größeren Stadt.

    Auf meine Webseite kommt außerdem noch ein Link auf einen Merchandising-Bereich (bietet mein Hoster auch an).

    Hab ich noch was vergessen?

    Das heißt also: Ich produziere selbst, ich verkaufe selbst, ich versende selbst, an die GEMA habe ich keinen Gedanken verschwendet (warum auch?), keiner quatscht mir rein und mein gesamter Umsatz steht ausschließlich mir zur Verfügung.

    Meine Fans bekommen ein Forum auf meiner Seite, einen Chat und wenn sie wollen einen Blog und einen Podcast. Kostet nix außer Zeit.

    Ja und dann ist er fertig, mein Mini-Label.

    Das härteste an dieser Lösung ist das Marketing, welches ich auch komplett selbst machen muss. Das heißt in Foren gehen und mitquatschen, meine Songs in den verschiedenen Networks bekannt machen usw.

    Aber man kann halt als Mini-Label-Besitzer nicht auf der faulen Haut liegen und kiffen (Oh Gott, dieses Cliche wieder).

    Es ist ein Fulltime Job.

  61. 61

    bonzo:

    Das heißt also: Ich produziere selbst, ich verkaufe selbst, ich versende selbst, an die GEMA habe ich keinen Gedanken verschwendet (warum auch?), keiner quatscht mir rein und mein gesamter Umsatz steht ausschließlich mir zur Verfügung.
    Das kannste infach vergessen, du brauchst MEHR publicity, die Leute kriegen von dir nichts mit, du säumelst dann vor dich hin und wartest bis jemand eine deiner CDs kauft, dann fängst du nach einer Zeit tatsächlich an zu kiffen, es braucht einen starken Vertrieb, aber den haben die Majors so gut wie besetzt und wenn du als Künstler zum Label gesht und dir eine Scheibe produzieren lässt, kannst du lange auf deinen Scheck warten und er wird auch sehr dürftig ausfallen, 90% der Einnahmen teilen sich Produzent und Plattenfirma, also einzige Möglichkeit besteht in meinen Augen darin, das Monopol der Mächtigen zu brechen, neu anzufangen, alle Uhren auf Null, nie wieder Chartshow usw. , aber das habe ich glaub ich hier schon tausendmal gesagt und man müsste auch die radios dazu bewegen, nicht nur tracks mit einer Label-ID zu spielen, wg. Abrechnung und so einen Quatsch, es müsste das Monopol gebrochen werden wie auch das Monopol der Apotheken in Deutschland gerade aufweicht, müsste man die Majors zershlagen oder sie zumindest zu Preissenkungen zwingen, was dazu führt, das sie Personal abbauen müssen und letztlich dann keine Majors mehr sind, wir bräuchten ein EU-Gesetz, das das Monopl der GEMA und der Majors entgültig zunichte macht, ansonsten löst sich Kultur in Luft auf, es sollten zumindest auch andere Künstler mal verdienen können und nicht immer nur dieselben, die an den Hebeln der Medienmaschinerie sitzen (Raab bsp.) - es muss ein FAIRER Wettbewerb stattfinden können, und deshalb fordere ich hiermit offiziell die EU auf, auf dem Musikmarkt das Monopol zu brechen, so wie es bei den Apotheken die Tage geschehen ist - FREIER MARKT HEISST GLEICHE CHANCEN FÜR ALLE, das ist aber in Deutschland beileibe nicht so! Ich finde es by the way erstklassig, was die EU momentan alles für coole Sachen macht, was die in einem halben Jahr schaffen, das schaffen unsere bundespolitiker nicht in einem halben Jahrzehnt im gegenteil

  62. 62

    Julian I:

    @michael
    das klingt ja alles ganz logisch, löst aber das problem aber trotzdem nicht ganz: wer hindert die kunden denn daran, deine songs in einer tauschbörse kostenlos herunterzuladen? das problem, vor dem eben auch die heutigen labels stehen.
    da du nichts mit der gema zu tun haben willst, hast du auch keine einnahmen durch eventuelle radio/tv-playtimes.

  63. 63

    andy69com:

    Die Überlegung gewissermaßen als All-inklusive-Management die Labels zu umgehen oder als All-inklusive-Managment das Management zu umgehen klingt interessant.

    Ich kenn mich im Music-Biz nicht wirklich aus, aber ist nicht eventuell existierende “Reibereien” zwischen Management und Label nicht auch eine Art “Befruchtungsmanöver”. Naja, mit Cost-Center könnt ma das wieder hinkriegen ;-)

    Man sollte natürlich auch nicht die “Macht” derartiger All-inklusive-Labels unterschätzen, wenns mal zwischen ihnen und Veranstaltern oder Musikern nicht so rund läuft.

    Und natürlich stellt sich die Frage, bis zu welcher Größe man einen Künstler derart labeln/managen kann.

    Nichts desto trotz vor allem für die Künstler eine gute Idee. Und ob der Vertrieb jetzt via Abo, Micropayment oder anders wie läuft ist wohl eher eine Frage von Markt und Finanzierungsmodell. Wie hoch ist der Werbewert einer billig/kostenlos unter die Menschen gebrachte CD oder eines Songs für sagen wir eine Tournee oder das Verkaufen der DVDs?

    Durch das zentrale Finanzieren über einen Produktemix hinweg können so derartige Cross-Selling sicher effektiver und klarer genutzt und dokumentiert werden.

    BTW & OT: Irgendwie fehlt mir ein vernünftiges weit verbreitetes Micropayment-System, das sich z.B. durch Musikempfehlungen (siehe oben) dotieren lassen könnte.

  64. 64

    SUB:

    Es ist sinnvoll, über die richtigen Vertriebs- und Bezahlmethoden nachzudenken.

    Noch sinnvoller ist es allerdings darüber nachzudenken, was man überhaupt anzubieten hat. Ich bin sehr konservativ: Ich glaube daran, dass sich ein gutes Produkt immer verkaufen kann. Sogar eine CD oder, wie bizarrerweise in manchen Musikszenen sogar häufiger, eine Schallplatte. Es kommt letztlich darauf an, welche Relevanz das Produkt, oder der Künstler hat.

    Den Ansatz, dass man darauf setzt, die Wertigkeit eines Produktes so stark zu vermitteln, dass die Leute freiwillig dafür bezahlen, halte ich als einzige Erlösquelle für unrealistisch. Das Weinerei-Beispiel weiter oben in den Kommentaren zieht nicht: Wer nichts in den gemeinsamen Topf reinwarf, konnte sich sicher sein, die Verachtung der anwesenden Gäste zu genießen. Direkter, sozialer Druck. Das Geschäft wurde übrigens mit dem klassischen Weinverkauf gemacht. Somit handelte es sich um eine etwas aufgemotzte, regelmäßige Weinprobe, für die bezahlt wurde.

    Abgesehen davon sollte eine Unternehmung durchaus den Anspruch haben, profitabel zu arbeiten und Selbstbewußtsein zu transportieren - nur so weckt man eine gewisse Begehrlichkeit. Apple ist nicht zuletzt deswegen so begehrenswert, weil die Produkte toll aussehen und vergleichsweise kostspielig sind.

    Die (je nach Maßstab) erfolgreichsten Musik-Label-Gründungen, die ich mitverfolgt habe, sind immer zwei Mustern gefolgt:

    1. Da war ein Musiker, der seine Musik veröffentlichen will und deswegen einen bestimmten rechtlichen und organisatorischen Rahmen aufbauen musste.

    2. Da waren Musikfans, die die Musik ihrer Freunde/ Bekannten herausbringen wollten und sich damit als Teil einer bestimmten Szene verstanden.

    In beiden Fällen gab es bereits das Produkt. Und genug Hinweise darauf, dass es auch andere interessieren könnte. Und, was die Sache sicherlich einfacher macht. es gab eine klar definierte Zielgruppe (z.B. Industrial-Szene), die zwar klein aber willens war, Geld auszugeben. Bis heute ist es in der sog. Industrial-Szene eher verpönt eine Plattensammlung nur im MP3-Format zu besitzen. Aber das ist sicherlich eine subkulturelle Besonderheit, die aus einem gewissen Elite-Denken resultiert.

    Die Orientierung an einem wie auch immer gearteten Mainstream, der aber irgendwie doch cooler sein soll als der Rest, ist meiner Ansicht nach hoffnungslos.

    Vielleicht sollte man also zunächst darüber nachdenken, was man wem anbieten möchte, bevor es um das wie geht. Aber da werden euch die Ideen sicherlich nicht ausgehen ;-)

    Ansonsten schließe ich mich den Vorrednern an: Kein DRM, Vertriebsbasis Internet, so viele Bezahloptionen wie möglich.

  65. 65

    michael:

    @bonzo
    ich glaube nicht an eine lösung “von oben”. die existierenden strukturen durch gesetze aufzuweichen wird nicht funktionieren. das muss von unten geschehen, indem sich diejenigen, die kunst schaffen dem zugriff der strukturen entziehen und damit das system nicht mehr finanzieren.

    das system lebt doch nur, weil sich künstler prostituieren… lassen… (…müssen?)

    @julian
    das stimmt. aber das problem existiert genauso wenn du bei der gema gelistet bist, also systemunabhängig.

    ich halte es für sehr unwahrscheinlich (statistisch gesprochen), dass ein neuer Künstler in die Radiowelt