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Positionen von Johnny Haeusler | 21

Vielleicht leben wir einfach im falschen Land


Foto © bear69designs

Die zwei leeren Sitze in der fünften Reihe links, die waren eigentlich für uns reserviert, gestern beim ECHO 2007. Gerne hätten wir vor Ort den Glamour und Glanz eingeatmet, die Stars und Sternchen begutachtet, die optische Qualität des Silikons bewertet, doch es ging aus privaten Gründen nicht, wir mussten die freundlichen Einladungen leider zurückgeben.

Dabei lieben wir Glamour und das große Theater. Wir können für zwei, drei Stunden genießen, dass sich alles um den Moment dreht, nicht um den einzelnen Künstler, können die Inszenierung einer Branche genießen, bei der es eben nur um sie selbst geht. Camp und Kitsch, gut oder schlecht gespielte Emotionen und bombastische Selbstdarstellungen - das kann einen Riesenspaß machen, das sollte die Kritik am einzelnen Teilnehmer außen vor lassen, das müsste beeindrucken.

Kann, sollte, müsste.

Mit Chips vor dem Fernseher ist man natürlich nicht mittendrin und schon gar nicht live dabei, dafür bekommt man das versammelte Elend direkt nach Hause geliefert, das sich einem bietet, wenn in Deutschland versucht wird, ohne Ball zu feiern.

Schwer genug, sich den Abend nicht von einer Dumpfbacke wie Oliver Geissen versauen zu lassen, der mit Popkultur soviel zu tun hat wie Familie Wowereit mit Kontrazeption. Der Mann schafft es, selbst Halbsätze quälend lang erscheinen zu lassen, pöbelt vor laufenden Kameras den Lafee-Bassisten derart respektlos von der Bühne (“Du stehst hier auf meinem Moderationsplatz, Freundchen!“), dass man sich wünscht, eben jener hätte ihm einfach sein Instrument über den Schädel gezogen und beendet den mit Ausnahme des Auftritts von Tokio Hotel beinahe Applaus-freien Abend mit den Worten „Nun drück mich mal hier nicht so runter!“, als ihm Mitmoderatorin Yvonne Catterfeld ihren Arm um die Schultern legt. Kein Zweifel: Oliver Geissen ist der würdige Nachfolger von Thomas Gottschalk, denn er ist mindestens genauso taktlos und stilbefreit.

Damit reiht er sich jedoch wunderbar ein mit der Bildregie, die bei Bonos Sätzen zum Thema Afrikahilfe ganz schnell auf alle auffindbaren Sternchen mit etwas dunklerer Hautfarbe schwenken lässt und einem Publikum, das die frisch manikürten Hände höchstens für Ralph Siegel aus dem Schoß erhebt (der sich in seiner Dankesrede für die Unterstützung bei allen drei Ex- und Noch-Gattinen bedankt, was man irgendwie okay finden muss) und sich, noch während die letzte Band auftritt, in den Gängen drängelt um rechtzeitig am Buffet zu sei.

Respekt und Stil sind Fremdworte in der Poplandschaft Deutschlands und wenn man als Musik-Konsument in den letzten Jahren den Eindruck bekommen haben sollte, dass die Bands und Künstler ganz, ganz hinten stehen, dann hat einen der gestrige Fernsehabend nicht gerade vom Gegenteil überzeugt.

Johnny Haeusler 26.03.2007 um 10:06

Positionen

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21 Kommentare

  1. 01

    micha:

    Nachdem, was ich vom echo mit gekriegt und gehört habe, gab’s nicht viel zu verpassen. Tja, und der Geissen, da geb ich dir vollkommen recht.

    26.03.2007 um 10:21 | Antworten
    Alle Kommentare von micha
  2. 02

    shhhh:

    “POWER BLOWERS”. Ein Schild sagt mehr als 1000 Worte.

    Gruß nach Berlin,

    m.

    26.03.2007 um 10:44 | Antworten
    Alle Kommentare von shhhh
  3. 03

    Maltefan:

    Dass Deutschland keinen Style hat, ist ja auch Jan Delay beim Bundesvision Song Contest schon aufgefallen …

    26.03.2007 um 10:45 | Antworten
    Alle Kommentare von Maltefan
  4. 04

    Erik:

    Jan Delay ist da wirklich ein Lichtblick. Kein Wunder, dass er für HH startete ;)

    26.03.2007 um 12:45 | Antworten
    Alle Kommentare von Erik
  5. 05

    Hans v.:

    …wo da das licht sein soll, möchte ich auch mal wissen. ein nudler und nöler vor dem herrn, und arrogant bis zum geistigen seitenscheitel. bah!

    26.03.2007 um 13:11 | Antworten
    Alle Kommentare von Hans v.
  6. 06

    Marcel:

    von mir aus können die gezeigten bands und künstler noch viel weiter hinten stehen. kein großer verlust. da hat sich an dem abend einfach mal der ganze rotz versammelt, von dem man sonst nix hören geschweige denn sehen will. da ist der geissen ja fast schon noch ausdruck von niveau…

    26.03.2007 um 13:13 | Antworten
    Alle Kommentare von Marcel
  7. 07

    Maltefan:

    @Hans v.
    Mag ja alles sein, aber Style hatter jedenfalls. Und der Song, der beim BVST gewonnen hat, war eine irgendwie stillose, gesichtslose, austauschbare Rocknummer, die man schon tausendmal so ähnlich, aber besser, gehört hatte. Insofern konnte ich sein Statement vollumfänglich unterschreiben. Wenn Deutschland außer Style auch noch Geschmack hätte, hätte sowieso Mia gewinnen müssen :-)=).

    26.03.2007 um 13:26 | Antworten
    Alle Kommentare von Maltefan
  8. 08

    Boogie - slidetone.blog:

    Zumindest die Bildregie war preisverdächtig.

    26.03.2007 um 13:26 | Antworten
    Alle Kommentare von Boogie - slidetone.blog
  9. 09

    marcel weiss:

    “Damit reiht er sich jedoch wunderbar ein mit der Bildregie, die bei Bonos Sätzen zum Thema Afrikahilfe ganz schnell auf alle auffindbaren Sternchen mit etwas dunklerer Hautfarbe schwenken lässt und einem Publikum,”

    Tatsächlich? Wie unterirdisch ist bitteschön das denn? Gut, das solche Veranstaltungen einfach an mir vorbeirollen (es sei denn sie werden in Blogs rezensiert).

    26.03.2007 um 13:28 | Antworten
    Alle Kommentare von marcel weiss
  10. 10

    Lotree:

    Oliver Geissen ist wirklich ein Lümmel. Unausstehlich. Wie auch Gottschalk, der immer nur von sich redet. Unerträglich. Und richtig wichtig für die Bildregie waren die DSDS-Superstars. Unfassbar. Mir ist noch der Satz vom verhärmten Friedensengel Nicole im Gedächtnis: “Ein Hocker und eine Gitarre, mehr hatte ich damals nicht.” Armes Mädchen. Die Zutaten für diese Veranstaltung waren allesamt ranzig und der Glanz war nur Tand. Ungenießbar das Ganze. Und Katie Melua hat aus Lucy in the Sky ein Nine Million Bicycles gemacht. Sonntage gibts….

    26.03.2007 um 13:56 | Antworten
    Alle Kommentare von Lotree
  11. 11

    frank franz:

    jan delay nervt und bono ein dummlaller, der in einer miesen band singt.

    26.03.2007 um 15:00 | Antworten
    Alle Kommentare von frank franz
  12. 12

    DrNI:

    Komisch, LaFee ging immer an mir vorbei bisher. Selbst Bassist kann ich jedoch den Bassisten gut verstehen: Man beleidigt sein Instrument nicht durch so eine Aktion. Es ist natürlich die Frage, was man von Popkultur erwartet. Mir geht da doch leicht die Wertung »nichts besonderes«, was wohl auch eine treffliche Bemerkung über eine Massenbewegung sein dürfte.

    26.03.2007 um 15:46 | Antworten
    Alle Kommentare von DrNI
  13. 13

    nilz:

    just for the protokoll: der f4 auftritt war schon ziemlich cool. der rest unerträglich, unterschrieben. aber ging man auf solche veranstaltungen nicht eh immer nur wegen der after-show-party?

    26.03.2007 um 20:34 | Antworten
    Alle Kommentare von nilz
  14. 14

    bastian:

    Schöner Text. Wenn du schreibst, begreife ich immer wieder, warum ich Spreeblick mag.

    26.03.2007 um 21:22 | Antworten
    Alle Kommentare von bastian
  15. 15

    Tina:

    Boach…… wenn ich so die Rezensionen lese, dann bin ich echt froh, diesen Scheiss nicht geschaut zu haben.
    Guckt das eigentlich jemand außer schwer Retardierten und Blogschreibern?
    Whatever, ich bin froh, keinen Fernseher mehr zu haben.

    27.03.2007 um 01:04 | Antworten
    Alle Kommentare von Tina
  16. 16

    Ivo:

    also der Geißen, der war doch auf Koks, wenn ihr mich fragt.

    27.03.2007 um 11:26 | Antworten
    Alle Kommentare von Ivo
  17. 17

    winfried aus chemnitz:

    Vielleicht reden die Falschen unser Land kaputt.

    Auf der einen Seite pseudointellektuelle Hauptstromnachrichten und auf der anderen Seite infantile gequirlte Werbekotze.

    Das Wechselspiel dieser Kräfte die “Böser und guter Bulle” spielen ist das das sichtbare Ergebnis.

    Die Kunden - also Wir - haben nur noch Das entgegen zu setzen was wir Web oder Weltnetz nennen - der Angriff darauf ist allerdings in vollen Gange und die Leichtschreiberlinge sind die fröhlichen Fische die im Suppentopf schwimmen und die Suppe besingen.

    27.03.2007 um 14:39 | Antworten
    Alle Kommentare von winfried aus chemnitz
  18. 18

    mö:

    weiss auch nicht , warum ich mir das drei stunden gegeben hab. peinliche nabelschau einer vor laecherlichkeit und belanglosigkeit triefenden deutschen major-szene, in der vollhonks wie bushido fast als lichtblicke gewertet werden muessen. danke ralph siegel , danke universal!
    unterwelt.
    definitiv das falsche land , ja!

    28.03.2007 um 01:42 | Antworten
    Alle Kommentare von mö
  19. 19

    jakan:

    Gutmensch ist so ein Schimpfwort…
    Ich meine Bonos Auftritt war noch eins der Highlights der Veranstaltung. Klar kann man Bono/Geldof/Gere und Co. vorwerfen, in erster Linie sich selbst zu vermarkten, aber ihre Berühmtheit ist nunmal ihr ganz eigenes Kapital. Wenn sie es für Zwecke einsetzen, die ansonsten im Medienalltag oft nicht vorkommen, ist das nur zu ubegrüßen. Sollte es auch nur wenige zum Nachdenken anregen, und im Vorfeld des G8-Gipfels im Sommer eine positive Erwartungshaltung gegenüber den Politikern aufbauen, ist schon was gewonnen.

    Schau Euch den neuen Spot mit Bob Geldof und Katja Riemann an!
    “Not the same procedure as every year!!”
    http://youtube.com/watch?v=sOGuybe3lWo

    28.03.2007 um 11:30 | Antworten
    Alle Kommentare von jakan
  20. 20

    Dagger:

    Wieder ein wenig mehr froh, keinen Fernseher zu haben.

    29.03.2007 um 16:02 | Antworten
    Alle Kommentare von Dagger
  21. 21

    Gudi:

    Geldof und Bono sind nicht berühmt. Bekannt sind sie, ja - bekannt dafür ihre Fresse regelmässig in jede Kamera zu halten, in dem angeblichen Bestreben, die Welt mit (schlechter) Rock Musik zu retten. Aber wer rettet eigentlich die Welt vor diesen Audiosamaritern?

    Nachdem er schon den G8-Gipfel in Edinburgh ruiniert hat, jetzt also Heiligendamm. Na danke. Das diese Veranstaltung zur Bühne für eitele Selbstdarsteller und Besserwisser verkommen ist, sollte Grund genug sein, nie wieder einen G8-Gipfel abzuhalten.

    Wenn ich bedenke, was der ganze Käse den Steuerzahler wieder kostet, nur damit ein paar Ideolisten gegen das Grosskapital demonstrieren können.

    Aber zurück zum Echo: Hab den Mist zwar nicht gesehn, hab aber auf Spiegel Online die Liste der Preisträger nachgelesen. Billy Talent passte da nicht rein und selbst LaFee ist eigentlich zu anspruchsvoll für die dort ausgezeichnete Inkompetenz. Wenn diese beiden nicht dabei gewesen wären, man hätte meinen können, die Echo Jury hätte absichtlich die jeweils schlechteste Band eines Genres nominiert.

    31.03.2007 um 00:06 | Antworten
    Alle Kommentare von Gudi

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