Exotismus

Der deutsche Anbieter von sozialen Lesezeichen Mister Wong hat kürzlich sein Logo modifiziert. Die Kombination von bildlicher Darstellung eines Asiaten und Text, ist einer reinen Wortbildmarke gewichen. Laut Spiegel Online hat sich das Unternehmen dazu entschlossen, nachdem amerikanische Nutzer am urprünglichen Logo Anstoss genommen und dem Unternehmen Rassismus vorgeworfen hatten. Die deutsche Blogophäre reagiert mit Unverständnis.

Unicef Deutschland veröffentlicht parallel zum G8-Gipfel neue Motive für ihre Langzeitkampagne Schulen für Afrika. Die von Jung von Matt entworfenen Anzeigen zeigen schwarz angemalte deutsche Kinder. Einige Anzeigen werden geschaltet, die Motive sind grossformatig auf den Webseiten von Unicef downloadbar - bis in einigen amerikanischen Weblogs darüber diskutiert wird. Unicef stoppt die Verwendung der Motive. Die deutsche Blogosphäre reagiert fast gar nicht.

Man kann die Änderung des Mister Wong Logos für albern halten.

Oder für überfällig. Ich halte den Schritt, die stereotypische Darstellung des ewig lächelnden chinesischen Dieners aus dem Logo zu entfernen, für richtig. Denn wenn schon das Projekt einen Namen trägt, der dem Exotismus und damit einer sehr ethnozentristischen Perspektive der Macher geschuldet ist, darf man sich nicht wundern, wenn Name und Logo jenseits des eigenen kulturellen Horizonts auf Ablehnung stossen.

Der Unicef-Fall ist ähnlich gelagert. Gutmeinende Kreative einer deutschen Top-Agentur entwerfen pro bono eine Anzeigenserie für die Unicef. Das ist gut für das Image der Agentur und schont die Budgets des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. Allerdings werden Motive gewählt, die im besten Falle missverständlich sind. Weiße Kinder mit schwarzer Farbe im Gesicht. Geblackfaced. Das funktioniert nur, wie Martin Riemer richtig bemerkt, „wenn Deutsche nur weiß sein können

Diese Motive können tatsächlich als Rückgriff auf das Blackfacing verstanden werden. Während im rassistischen Varieté des späten 19. Jahrhunderts weiße Darsteller das Klischee des dummen, naiven, immer grinsenden „Negers „(sic!) bedienten, stellen hier weiße Kinder mit schwarzer Farbe im Gesicht vermeindlich Solidarität mit ihren Altersgenossen in Afrika her. Das Problem dabei ist, dass hier ungewollt durchaus exotistische oder rassistische Assoziationen beim Betrachter geweckt werden.

Nach einigem Protest ist die Anzeigenserie von den Webseiten von Unicef Deutschland verschwunden. Auf Nachfrage bestätigt Rudi Tarneden, Pressesprecher von Uncief Deutschland, gegenüber Spreeblick:

Die Anzeigen wurden in der Zeit vom 23.5 bis 14.6. einmalig von der FAZ, der ZEIT, dem Stern und dem Spiegel kostenlos veröffentlicht. Eine Verwendung über den G8-Gipfel hinaus war und ist nicht geplant.

Es gab keinerlei negative Reaktionen in der deutschen Öffentlichkeit. Nachdem wir durch Briefe feststellten, dass die Anzeige im Ausland zu Irritationen geführt hat, haben wir sie von unserer Seite genommen.

Der Braune Mob e.V. hat die entfernte Seite dokumentiert.

Mister Wong, Jung von Matt und Unicef - eingeknickt vor der politischen Korrektheit? Nein, zu Recht auf die Nase gefallen. Denn ein Mindestmaß an interkultureller Kompetenz und Respekt vor den Anderen sollte man haben, wenn man weltweit kommunizieren will.

Das ganze hat übrigens nichts, aber auch gar nichts mit der Erschließung neuer Erwerbsquellen einer bekannten Hamburger Ex-Kiezgrösse zu tun.

Kommentare, erster Teil

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Johnny Haeusler
Date:  Today 18:11
sehr, sehr cool, Andreas. das ende ist auch ok, finde ich. ein paar
tippfehler sind noch drin, kann ich heute abend nochmal rüberlesen
und dann packen wir’s morgen früh rein?

On 31.07.2007, at 18:04, Andreas Schepers wrote:

hi,

http://www.spreeblick.com/wp-admin/….

ich will nachher noch einmal darueber lesen. das ende gefaellt mir
noch nicht.
ueber kommentare und anregungen freue ich mich.

danke,
andreas

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Max Winde
Date:  Today 18:21
Am 31.07.2007 um 18:11 schrieb Johnny Haeusler:

sehr, sehr cool, Andreas. das ende ist auch ok, finde ich. ein paar
tippfehler sind noch drin, kann ich heute abend nochmal rüberlesen
und dann packen wir’s morgen früh rein?

Sorry, ich peils nicht.

Über das Mr. Wong Logo kann man ja gerne Diskutieren, aber bei dem
Unicef Ding gibt es keine irgendwie gearteten Rassismus, UnPC, oder
sonstwas. Die Dinger sind nicht mal missverständlich.

Und wo werde da exotistische oder rassistische Assoziationen geweckt?

Das sind Kinder mit brauner Farbe im Gesicht. Eine gut gemachtes
Motiv, gut auf die Copy abgestimmt.

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Frederic Valin
Date:  Today 18:25
Das ist ja wirklich ungeheuerlich. Neuer Anstrich, anderer Mensch. Vllt. die
rassistische Komponente des Exotismus noch ein bißchen rausstreichen? Muss aber nicht.

Und Herr Schwensen kriegt von der Kohle, so weit ich weiß, nix in die eigene
Tasche. Alles Anwaltskosten.

—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: xxxxxxxx@spreeblick.com
Gesendet: 31.07.07 18:05:02
An: xxxxxxxx@spreeblick.com
Betreff: FERTIG: exotismus

hi,

http://www.spreeblick.com/wp-admin/….

ich will nachher noch einmal darueber lesen. das ende gefaellt mir noch

nicht.

ueber kommentare und anregungen freue ich mich.

danke,
andreas

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Frederic Valin
Date:  Today 18:29
@ Max:
Das Merkmal, das die Kinder als hilfsbedürftig charakterisiert, ist ihre
Gesichtsfarbe (und der Text daneben). Das ist schon derb rassistisch.

—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: xxxxxxxx@spreeblick.com
Gesendet: 31.07.07 18:21:17
An: xxxxxxxx@spreeblick.com
Betreff: Re: FERTIG: exotismus

Am 31.07.2007 um 18:11 schrieb Johnny Haeusler:

> sehr, sehr cool, Andreas. das ende ist auch ok, finde ich. ein paar
> tippfehler sind noch drin, kann ich heute abend nochmal rüberlesen

> und dann packen wir’s morgen früh rein?

Sorry, ich peils nicht.

Über das Mr. Wong Logo kann man ja gerne Diskutieren, aber bei dem
Unicef Ding gibt es keine irgendwie gearteten Rassismus, UnPC, oder
sonstwas. Die Dinger sind nicht mal missverständlich.

Und wo werde da exotistische oder rassistische Assoziationen geweckt?

Das sind Kinder mit brauner Farbe im Gesicht. Eine gut gemachtes
Motiv, gut auf die Copy abgestimmt.

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Max Winde
Date:  Today 18:35
Am 31.07.2007 um 18:29 schrieb Frederic Valin:

@ Max:
Das Merkmal, das die Kinder als hilfsbedürftig charakterisiert, ist
ihre Gesichtsfarbe (und der Text daneben). Das ist schon derb
rassistisch.

Wieso?

Ich würde es als realistisch bezeichnen.

Kinder aus Afrika sind nun mal in den allermeisten Fällen schwarz.

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Malte Welding
Date:  Today 18:39
ich bin bei max.
unicef exotismus zu unterstellen, halte ich für albern.
der gedanke ist: wären die kinder schwarz, hätten sie ein schulproblem. dieser gedanke ist nicht sauber zu ende gedacht (wie martin riemer ganz richtig sagt). aber auch nicht böse. und zwischen blöd und rassistisch passt immer noch eine kiezgröße. die übrigens nicht von den abmahnungen profitiert.

aber machen kann man den artikel.

Am 31.07.07 schrieb Max Winde <max@spreeblick.com>:

Am 31.07.2007 um 18:29 schrieb Frederic Valin:

> @ Max:
> Das Merkmal, das die Kinder als hilfsbedürftig charakterisiert, ist
> ihre Gesichtsfarbe (und der Text daneben). Das ist schon derb
> rassistisch.

Wieso?

Ich würde es als realistisch bezeichnen.

Kinder aus Afrika sind nun mal in den allermeisten Fällen schwarz.

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Frederic Valin
Date:  Today 18:57
wegen der Verbindung hilfsbedürftig - schwarz. Du beschreibst den Körper neu,
machst ihn also zum Zeichen von Hilfsbedürftigkeit. Und damit machst Du aus
einem äußerlichen Merkmal ein anderes (in dem Fall ökonomisches) Merkmal.
Das bedient (auch wenn’s nicht bös gemeint ist, was ich auch nicht glaube) ein
Klischee, und zwar eins, das sich an der Rasse aufhängt. Die lachenden, armen,
schwarzen Kinder in Afrika.

Besonders krass finde ich, dass dieser Übertrag bei der Werbekampagne
zumindest halb bewußt war: Schließlich wurden die Körper (wenn auch
spielerisch) ja „bezeichnet“.

—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: xxxxxxxx@spreeblick.com
Gesendet: 31.07.07 18:35:33
An: xxxxxxxx@spreeblick.com
Betreff: Re: FERTIG: exotismus

Am 31.07.2007 um 18:29 schrieb Frederic Valin:

> @ Max:
> Das Merkmal, das die Kinder als hilfsbedürftig charakterisiert, ist

> ihre Gesichtsfarbe (und der Text daneben). Das ist schon derb
> rassistisch.

Wieso?

Ich würde es als realistisch bezeichnen.

Kinder aus Afrika sind nun mal in den allermeisten Fällen schwarz.

Max

Amtsgericht Charlottenburg
HRA 36780 B

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Max Winde
Date:  Today 19:18
Am 31.07.2007 um 18:57 schrieb Frederic Valin:

wegen der Verbindung hilfsbedürftig - schwarz. Du beschreibst den
Körper neu, machst ihn also zum Zeichen von Hilfsbedürftigkeit. Und
damit machst Du aus einem äußerlichen Merkmal ein anderes (in dem
Fall ökonomisches) Merkmal. Das bedient (auch wenn’s nicht bös
gemeint ist, was ich auch nicht glaube) ein Klischee, und zwar
eins, das sich an der Rasse aufhängt. Die lachenden, armen,
schwarzen Kinder in Afrika.

Okay, nenn mir irgendein Bildmotiv mit einem afrikanischen Kind
drauf, dass dieses Merkmal nicht erfüllt. Oder mit einem Kind. Oder
einem Menschen.

Mir fällt keins ein.

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Max Winde
Date:  Today 19:20
Am 31.07.2007 um 18:39 schrieb Malte Welding:

der gedanke ist: wären die kinder schwarz, hätten sie ein
schulproblem.

Glaub ich nicht.

Der Gedanke ist: würden die Kinder in Afrika leben, hätten sie ein
Schulproblem. Das steht in dem Text neben dem Kind. Darum gehts bei
dem Plakat. Darum haben die da auch noch mal Afrika drunter gemalt.

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Andreas Schepers
Date:  Today 19:20
Oh, ich freue mich schon auf die Diskussion :)

Malte, wieder da?

(:a

Am 31.07.07 schrieb Max Winde <max@spreeblick.com>:

Am 31.07.2007 um 18:57 schrieb Frederic Valin:

> wegen der Verbindung hilfsbedürftig - schwarz. Du beschreibst den
> Körper neu, machst ihn also zum Zeichen von Hilfsbedürftigkeit. Und
> damit machst Du aus einem äußerlichen Merkmal ein anderes (in dem
> Fall ökonomisches) Merkmal. Das bedient (auch wenn’s nicht bös
> gemeint ist, was ich auch nicht glaube) ein Klischee, und zwar
> eins, das sich an der Rasse aufhängt. Die lachenden, armen,

> schwarzen Kinder in Afrika.

Okay, nenn mir irgendein Bildmotiv mit einem afrikanischen Kind
drauf, dass dieses Merkmal nicht erfüllt. Oder mit einem Kind. Oder
einem Menschen.

Mir fällt keins ein.

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Max Winde
Date:  Today 19:40
Am 31.07.2007 um 19:20 schrieb Andreas Schepers:

Oh, ich freue mich schon auf die Diskussion :)

Ich lese mich gerade durch die diversen internationalen Blogs, die
darüber berichten.

Die behaupten alle die Kinder hätten Dreck im Gesicht. Glauben die
Etwa, Deutsche würden keine Fingerfarben kennen?

Rassisten.

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Frederic Valin
Date:  Today 19:55
Naja, man könnte das schon anders machen. Es gab mal ne recht gute Kampagne von
ich weiß nicht mehr wem, vorher/nachher-Bilder. Das war nach dem Tsunami, glaub
ich: So saß aus kurz nach der Verwüstung, und so saß aus zwei Jahren danach.

Klar spielt die Werbung mit Klischees, immer. Wenn man aber aus weißen
pausbäckigen kleinen Strolchen hilfsbedürftige Kinder macht, indem man sie
einfach neu anstreicht, und das dann auch noch so inszeniert, das halte ich
für mehr als fragwürdig. Aber ich fang an, mich zu wiederholen.

Ne andere Konnotation kriegt das alles für mich, wenn ich mir vorstelle, dass
die Bilder in der nördlichen Banlieue in Paris hängen würden. Oder von mir
aus auch hier in Neukölln. Die Verbindung Schwarz - aus Afrika - will/kriegt
Geld is in dem Kontext irgendwie mitdrin, finde ich. Mag sein, dass ich da
überempfindlich bin, aber mich stört die Tatsache, dass schwarze Kinder
medial entweder aus Problemvierteln oder aus Afrika kommen. Dass das zum
entscheidenden Unterscheidungsmerkmal wird. Die Hautfarbe. In der Bildsprache
jetzt.

Jetzt hab ich mich schon wieder wiederholt.

Am 31.07.2007 um 18:57 schrieb Frederic Valin:

> wegen der Verbindung hilfsbedürftig - schwarz. Du beschreibst den
> Körper neu, machst ihn also zum Zeichen von Hilfsbedürftigkeit. Und
> damit machst Du aus einem äußerlichen Merkmal ein anderes (in dem
> Fall ökonomisches) Merkmal. Das bedient (auch wenn’s nicht bös
> gemeint ist, was ich auch nicht glaube) ein Klischee, und zwar
> eins, das sich an der Rasse aufhängt. Die lachenden, armen,

> schwarzen Kinder in Afrika.

Okay, nenn mir irgendein Bildmotiv mit einem afrikanischen Kind
drauf, dass dieses Merkmal nicht erfüllt. Oder mit einem Kind. Oder
einem Menschen.

Mir fällt keins ein.

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Max Winde
Date:  Today 20:35
Am 31.07.2007 um 19:55 schrieb Frederic Valin:

Naja, man könnte das schon anders machen. Es gab mal ne recht gute
Kampagne von ich weiß nicht mehr wem, vorher/nachher-Bilder. Das
war nach dem Tsunami, glaub ich: So saß aus kurz nach der
Verwüstung, und so saß aus zwei Jahren danach.

Okay, also am besten ein Bild komplett ohne Menschen. Also ein Bild,
auf dem eine verwüstete Schule drauf ist, oder gar keine Schule. In
Afrika. Aber nicht zu afrikanisch, weil sonst…

Klar spielt die Werbung mit Klischees, immer. Wenn man aber aus
weißen pausbäckigen kleinen Strolchen hilfsbedürftige Kinder macht,
indem man sie einfach neu anstreicht, und das dann auch noch so
inszeniert, das halte ich für mehr als fragwürdig. Aber ich fang
an, mich zu wiederholen.

Ne andere Konnotation kriegt das alles für mich, wenn ich mir
vorstelle, dass die Bilder in der nördlichen Banlieue in Paris
hängen würden. Oder von mir aus auch hier in Neukölln. Die
Verbindung Schwarz - aus Afrika - will/kriegt Geld is in dem
Kontext irgendwie mitdrin, finde ich. Mag sein, dass ich da
überempfindlich bin, aber mich stört die Tatsache, dass schwarze
Kinder entweder aus Problemvierteln oder aus Afrika kommen. Dass
das zum entscheidenden Unterscheidungsmerkmal wird. Die Hautfarbe.
In der Bildsprache jetzt.

Sorry, ja ich kanns nicht anders sagen als: ja, ihr reagiert da
überempfindlich.

Und was passiert, wenn dieses Plakat in Neukölln hängt, das hat
Andreas in seinem Artikel ja geschrieben: absolut nichts. Die
Plakataktion ist eine ganze Weile vorbei und es hat sich absolut
niemand über die Plakate aufgeregt.

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Andreas Schepers
Date:  Today 20:46
ja genau. in deutschland hat sich keiner darueber aufgeregt.

mein punkt ist dieser verdammte ethnozentrismus. das ging mir bei wong
schon immer auf den wecker. und blackfacing geht nicht. frag mal einen
schwarzen deutschen.

ich will die unicef geschichte auch gar nicht mehr hochkochen. es geht
mir nur darum, dass man nachdenken sollte, will man international
auftreten. und ja: die unicef kampagne ist insofern international,
weil sowas heute einfach nicht mehr nur national bleibt.

aber ist doch toll. wir diskutieren wieder :)

.as

Am 31.07.07 schrieb Max Winde <max@spreeblick.com>:

Am 31.07.2007 um 19:55 schrieb Frederic Valin:

> Naja, man könnte das schon anders machen. Es gab mal ne recht gute
> Kampagne von ich weiß nicht mehr wem, vorher/nachher-Bilder. Das
> war nach dem Tsunami, glaub ich: So saß aus kurz nach der
> Verwüstung, und so saß aus zwei Jahren danach.

Okay, also am besten ein Bild komplett ohne Menschen. Also ein Bild,
auf dem eine verwüstete Schule drauf ist, oder gar keine Schule. In
Afrika. Aber nicht zu afrikanisch, weil sonst…

> Klar spielt die Werbung mit Klischees, immer. Wenn man aber aus
> weißen pausbäckigen kleinen Strolchen hilfsbedürftige Kinder macht,

> indem man sie einfach neu anstreicht, und das dann auch noch so
> inszeniert, das halte ich für mehr als fragwürdig. Aber ich fang
> an, mich zu wiederholen.
>
> Ne andere Konnotation kriegt das alles für mich, wenn ich mir
> vorstelle, dass die Bilder in der nördlichen Banlieue in Paris
> hängen würden. Oder von mir aus auch hier in Neukölln. Die
> Verbindung Schwarz - aus Afrika - will/kriegt Geld is in dem
> Kontext irgendwie mitdrin, finde ich. Mag sein, dass ich da

> überempfindlich bin, aber mich stört die Tatsache, dass schwarze
> Kinder entweder aus Problemvierteln oder aus Afrika kommen. Dass
> das zum entscheidenden Unterscheidungsmerkmal wird. Die Hautfarbe.
> In der Bildsprache jetzt.

Sorry, ja ich kanns nicht anders sagen als: ja, ihr reagiert da
überempfindlich.

Und was passiert, wenn dieses Plakat in Neukölln hängt, das hat
Andreas in seinem Artikel ja geschrieben: absolut nichts. Die
Plakataktion ist eine ganze Weile vorbei und es hat sich absolut
niemand über die Plakate aufgeregt.

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Max Winde
Date:  Today 21:05
Am 31.07.2007 um 20:46 schrieb Andreas Schepers:

ja genau. in deutschland hat sich keiner darueber aufgeregt.

mein punkt ist dieser verdammte ethnozentrismus. das ging mir bei wong
schon immer auf den wecker.

Warum? Was ist an Mister Wong ethnozentrisch?

und blackfacing geht nicht. frag mal einen
schwarzen deutschen.

Ach komm. Jedes Jahr wenn irgendwelche Schüler in Süddeutschland die
heiligen drei Könige nachspielen und es im Dorf keinen Schwarzen gibt
malt sich einer von denen das Gesicht an.

Warum geht das nicht?

Welche Fingerfarben dürfen sich Kinder denn ins Gesicht schmieren?

ich will die unicef geschichte auch gar nicht mehr hochkochen. es geht
mir nur darum, dass man nachdenken sollte, will man international
auftreten. und ja: die unicef kampagne ist insofern international,
weil sowas heute einfach nicht mehr nur national bleibt.

Bestimmt sollte man drüber nachdenken. Insbesondere weil es
offensichtlich Menschen gibt, die einer Unicef Kampagne Rassismus
unterstellen.

aber ist doch toll. wir diskutieren wieder :)

Aber worüber?

Mich macht diese ganze Diskussion ungeheuer wütend. Dieses ständige
Über-PC artet langsam in Richtung Zensur aus. Hätte Mr. Wong exakt
das gleiche Logo mit runden Augen statt Schlitzaugen gemalt und der
Dienst hiesse „Herr Schmidt“, hätte sich keine Sau darüber aufgeregt,
auch nicht in Amerika. Das läuft darauf hinaus, dass man nur noch
weiße Westeuropäer bildlich darstellen darf.

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Andreas Schepers
Date:  Today 21:48
ja genau. in deutschland hat sich keiner darueber aufgeregt.

>
> mein punkt ist dieser verdammte ethnozentrismus. das ging mir bei wong
> schon immer auf den wecker.

Warum? Was ist an Mister Wong ethnozentrisch?

na, weil ein deutscher bookmarkdienst schon im namen die assoziation
„chinesischer diener“ weckt. das funktioniert in deutschland ganz gut,
weil wir noch immer klichees von asiatischen bediensteten in den
koepfen haben - z.b. aus filmen der 50er Jahre und davor.

wenn du aber in einem multiethnischen land wie den usa deinen dienst
anbietest, muss du darauf gefasst sein, dass sich asiatisch staemmige
menschen auf den schlips getreten fuehlen.

stell dir vor, es hiese nicht mister wong sondern onkel tom und das
icon zeigte einen dicklippigen schwarzen mit grossen kulleraugen.

oder stell dir vor, ein japanischer internetdienst fuer was auch
immer, heisst adolfhitler. hitler hat in japan vielleicht einen ganz
guten ruf, die deutsche ordentlichkeit ist angesehen, warum nicht
einen web-speicher adolf hitler nennen. schön mit runenschrift im
logo.

was denkst du als deutscher? das bin nicht ich. genau. und so fuehlen
und denken asiaten, die mit dem bescheuerten klichees des grinsenden
chinesen konfrontiert werden.

> und blackfacing geht nicht. frag mal einen
> schwarzen deutschen.

Ach komm. Jedes Jahr wenn irgendwelche Schüler in Süddeutschland die
heiligen drei Könige nachspielen und es im Dorf keinen Schwarzen gibt
malt sich einer von denen das Gesicht an.

klar. geht ja auch in ordnung. hier wird ja auch nicht „neger“
verballhornt sonder ein schwarzer koenig(!) gespielt. grosser
unterschied.

Warum geht das nicht?

Welche Fingerfarben dürfen sich Kinder denn ins Gesicht schmieren?

alle farben der welt, solange erwachsene sie nicht fuer ihre
(kommunikations-)zwecke missbrauchen.

> ich will die unicef geschichte auch gar nicht mehr hochkochen. es geht
> mir nur darum, dass man nachdenken sollte, will man international
> auftreten. und ja: die unicef kampagne ist insofern international,
> weil sowas heute einfach nicht mehr nur national bleibt.

Bestimmt sollte man drüber nachdenken. Insbesondere weil es
offensichtlich Menschen gibt, die einer Unicef Kampagne Rassismus
unterstellen.

ja. das tue ich aber nicht. ich weise nur darauf hin, dass diese
motive missverstanden werden koennen. und als ich die bilder zum
ersten mal bei riemer gesehen habe, war die assoziation da.

> aber ist doch toll. wir diskutieren wieder :)

Aber worüber?

Mich macht diese ganze Diskussion ungeheuer wütend. Dieses ständige
Über-PC artet langsam in Richtung Zensur aus. Hätte Mr. Wong exakt
das gleiche Logo mit runden Augen statt Schlitzaugen gemalt und der
Dienst hiesse „Herr Schmidt“, hätte sich keine Sau darüber aufgeregt,
auch nicht in Amerika. Das läuft darauf hinaus, dass man nur noch
weiße Westeuropäer bildlich darstellen darf.

kontext! es kommt auf den kontext an. keine ahnung, was ein dienst mit
namen schmidt und einem europaer als logo, sagen wir mal in suedafrika
ausloesen wuerde. nix gutes, denke ich.

und ich finde das ueberhaupt nicht ueber-pc.

ich halte das fuer selbstverstaendlich.

ich glaube wirklich, dass es hilft, wenn man sich seiner eigenen
klischees und stereotypen von anderen, die man so im kopf hat, bewusst
wird.

und uebrigens: wir selbst sind mindestens einmal in die falle gtappt.
und ich bin mir sicher, dass das uns morgen um die ohren fliegen wird:

http://www.spreeblick.com/2006/09/26/xing-xang-xong-entscholdigong/

aber vielleicht bin ich ueberempfindlich und ueber-pc.

irgendwas muss ich von meinem studium gehabt haben…. har, har…

.as

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Malte Welding
Date:  Today 22:05
wenn du den artikel von damals für „in die falle gegangen“ hältst, dann muss ich sagen, was ich damals schon gesagt habe’:
„Zur Wahl standen einige Bilder von die Straße kreuzenden Lebewesen -
von Fußgängern (Xing Ped) bis Xing Rabbits - oder dieses Bild des
freundlichen Herrn Xing. Da die Namensänderung auf den asiatischen
Markt abzielt (stinkt fischig!), wurde Xing unser Coverboy. Dass „… und
in China ist ein Sack Reis umgefallen“ eine Redensart ist und keine von
mir in Umlauf gebrachte Unterstellung beeinhaltet, hast du aber
hoffentlich gesagt?“
was ich mit „stinkt fischig“ gemeint habe, weiß ich aber nicht mehr.

ich bin dafür, dass wir den artikel, wenn andreas die tippis korrigiert hat, veröffentlichen.
und in den kommentaren unsere diskussion hier.

mhm?

Am 31.07.07 schrieb Andreas Schepers <glueckauf@gmail.com>:
ja genau. in deutschland hat sich keiner darueber aufgeregt.
> >
> > mein punkt ist dieser verdammte ethnozentrismus. das ging mir bei wong
> > schon immer auf den wecker.
>
> Warum? Was ist an Mister Wong ethnozentrisch?

na, weil ein deutscher bookmarkdienst schon im namen die assoziation
„chinesischer diener“ weckt. das funktioniert in deutschland ganz gut,
weil wir noch immer klichees von asiatischen bediensteten in den

koepfen haben - z.b. aus filmen der 50er Jahre und davor.

wenn du aber in einem multiethnischen land wie den usa deinen dienst
anbietest, muss du darauf gefasst sein, dass sich asiatisch staemmige
menschen auf den schlips getreten fuehlen.

stell dir vor, es hiese nicht mister wong sondern onkel tom und das
icon zeigte einen dicklippigen schwarzen mit grossen kulleraugen.

oder stell dir vor, ein japanischer internetdienst fuer was auch
immer, heisst adolfhitler. hitler hat in japan vielleicht einen ganz

guten ruf, die deutsche ordentlichkeit ist angesehen, warum nicht
einen web-speicher adolf hitler nennen. schön mit runenschrift im
logo.

was denkst du als deutscher? das bin nicht ich. genau. und so fuehlen

und denken asiaten, die mit dem bescheuerten klichees des grinsenden
chinesen konfrontiert werden.

>
> > und blackfacing geht nicht. frag mal einen
> > schwarzen deutschen.
>
> Ach komm. Jedes Jahr wenn irgendwelche Schüler in Süddeutschland die

> heiligen drei Könige nachspielen und es im Dorf keinen Schwarzen gibt
> malt sich einer von denen das Gesicht an.
>

klar. geht ja auch in ordnung. hier wird ja auch nicht „neger“
verballhornt sonder ein schwarzer koenig(!) gespielt. grosser

unterschied.

> Warum geht das nicht?
>
> Welche Fingerfarben dürfen sich Kinder denn ins Gesicht schmieren?
>

alle farben der welt, solange erwachsene sie nicht fuer ihre
(kommunikations-)zwecke missbrauchen.

> > ich will die unicef geschichte auch gar nicht mehr hochkochen. es geht
> > mir nur darum, dass man nachdenken sollte, will man international
> > auftreten. und ja: die unicef kampagne ist insofern international,

> > weil sowas heute einfach nicht mehr nur national bleibt.
>
> Bestimmt sollte man drüber nachdenken. Insbesondere weil es
> offensichtlich Menschen gibt, die einer Unicef Kampagne Rassismus
> unterstellen.
>

ja. das tue ich aber nicht. ich weise nur darauf hin, dass diese
motive missverstanden werden koennen. und als ich die bilder zum
ersten mal bei riemer gesehen habe, war die assoziation da.

> > aber ist doch toll. wir diskutieren wieder :)
>
> Aber worüber?
>
> Mich macht diese ganze Diskussion ungeheuer wütend. Dieses ständige
> Über-PC artet langsam in Richtung Zensur aus. Hätte Mr. Wong  exakt

> das gleiche Logo mit runden Augen statt Schlitzaugen gemalt und der
> Dienst hiesse „Herr Schmidt“, hätte sich keine Sau darüber aufgeregt,
> auch nicht in Amerika. Das läuft darauf hinaus, dass man nur noch

> weiße Westeuropäer bildlich darstellen darf.
>

kontext! es kommt auf den kontext an. keine ahnung, was ein dienst mit
namen schmidt und einem europaer als logo, sagen wir mal in suedafrika
ausloesen wuerde. nix gutes, denke ich.

und ich finde das ueberhaupt nicht ueber-pc.

ich halte das fuer selbstverstaendlich.

ich glaube wirklich, dass es hilft, wenn man sich seiner eigenen
klischees und stereotypen von anderen, die man so im kopf hat, bewusst

wird.

und uebrigens: wir selbst sind mindestens einmal in die falle gtappt.
und ich bin mir sicher, dass das uns morgen um die ohren fliegen wird:

http://www.spreeblick.com/2006/09/26/xing-xang-xong-entscholdigong/

aber vielleicht bin ich ueberempfindlich und ueber-pc.

irgendwas muss ich von meinem studium gehabt haben…. har, har…

.as

> Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Frederic Valin
Date:  Today 22:07
Wenn ich jetzt nicht aufpasse, dann schreib ich nen Aufsatz. :)

Also die Werbeaktion lief durchaus auch mit Menschen, mit asiatischen Menschen
damals. Die hatten aber alle individuelle Merkmale, also ihr Lebensumfeld, ihre
Tracht, Insignien ihres Berufs und so weiter. Sie waren nicht auf ihre Hautfarbe
reduziert. Man darf natürlich jeden Menschen darstellen, mir kommts aber drauf
an, welche Klischees man bedient. Und dank dieser Fingerfarben-Abstraktion
nimmt man halt aus dem Kind jedes individuelle Merkmal, alles, was es aus
macht: Es soll unterstützt werden, weil’s schwarz ist. Wärs weiß, würde die
Bildsprache hinten und vorne nicht mehr funktionieren. Deswegen spielt die
Werbung mit der Hautfarbe, und zwar fast nur mit der Hautfarbe. Und die ist
auch noch derb abstrahiert, vereinfacht.

Ich finds gut, darüber zu reden. Sehr gut sogar.

Am 31.07.2007 um 20:46 schrieb Andreas Schepers:

> ja genau. in deutschland hat sich keiner darueber aufgeregt.
>
> mein punkt ist dieser verdammte ethnozentrismus. das ging mir bei wong
> schon immer auf den wecker.

Warum? Was ist an Mister Wong ethnozentrisch?

> und blackfacing geht nicht. frag mal einen
> schwarzen deutschen.

Ach komm. Jedes Jahr wenn irgendwelche Schüler in Süddeutschland die
heiligen drei Könige nachspielen und es im Dorf keinen Schwarzen gibt
malt sich einer von denen das Gesicht an.

Warum geht das nicht?

Welche Fingerfarben dürfen sich Kinder denn ins Gesicht schmieren?

> ich will die unicef geschichte auch gar nicht mehr hochkochen. es geht

> mir nur darum, dass man nachdenken sollte, will man international
> auftreten. und ja: die unicef kampagne ist insofern international,
> weil sowas heute einfach nicht mehr nur national bleibt.

Bestimmt sollte man drüber nachdenken. Insbesondere weil es
offensichtlich Menschen gibt, die einer Unicef Kampagne Rassismus
unterstellen.

> aber ist doch toll. wir diskutieren wieder :)

Aber worüber?

Mich macht diese ganze Diskussion ungeheuer wütend. Dieses ständige
Über-PC artet langsam in Richtung Zensur aus. Hätte Mr. Wong exakt
das gleiche Logo mit runden Augen statt Schlitzaugen gemalt und der
Dienst hiesse „Herr Schmidt“, hätte sich keine Sau darüber aufgeregt,
auch nicht in Amerika. Das läuft darauf hinaus, dass man nur noch
weiße Westeuropäer bildlich darstellen darf.

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  Max Winde
Date:  Today 22:15
Am 31.07.2007 um 21:48 schrieb Andreas Schepers:

mein punkt ist dieser verdammte ethnozentrismus. das ging mir bei
wong
schon immer auf den wecker.

Warum? Was ist an Mister Wong ethnozentrisch?

na, weil ein deutscher bookmarkdienst schon im namen die assoziation
„chinesischer diener“ weckt. das funktioniert in deutschland ganz gut,
weil wir noch immer klichees von asiatischen bediensteten in den
koepfen haben - z.b. aus filmen der 50er Jahre und davor.

An Diener habe ich bei dem Typen noch nie gedacht. Ich halte den eher
für einen Nerd mit seinen Stiften im Kittel. Vielleicht auch
Verkäufer. Keine Ahnung.

wenn du aber in einem multiethnischen land wie den usa deinen dienst
anbietest, muss du darauf gefasst sein, dass sich asiatisch staemmige
menschen auf den schlips getreten fuehlen.

stell dir vor, es hiese nicht mister wong sondern onkel tom und das
icon zeigte einen dicklippigen schwarzen mit grossen kulleraugen.

Dann würde das einen tierischen Aufstand geben. Und ich frage mich
gerade, warum.

oder stell dir vor, ein japanischer internetdienst fuer was auch
immer, heisst adolfhitler. hitler hat in japan vielleicht einen ganz
guten ruf, die deutsche ordentlichkeit ist angesehen, warum nicht
einen web-speicher adolf hitler nennen. schön mit runenschrift im
logo.

was denkst du als deutscher? das bin nicht ich. genau. und so fuehlen
und denken asiaten, die mit dem bescheuerten klichees des grinsenden
chinesen konfrontiert werden.

Ja?

http://riesenmaschine.de/index.html?nr=20051026174620

http://www.spreeblick.com/2006/04/12/time-to-unpimp-ze-auto/
http://youtube.com/watch?v=L27G_HM24o0

und blackfacing geht nicht. frag mal einen
schwarzen deutschen.

Ach komm. Jedes Jahr wenn irgendwelche Schüler in Süddeutschland die
heiligen drei Könige nachspielen und es im Dorf keinen Schwarzen gibt
malt sich einer von denen das Gesicht an.

klar. geht ja auch in ordnung. hier wird ja auch nicht „neger“
verballhornt sonder ein schwarzer koenig(!) gespielt. grosser
unterschied.

Große, nicht existierende Könige sind okay, arme existierende Kinder
nicht. Okay.

kontext! es kommt auf den kontext an. keine ahnung, was ein dienst mit
namen schmidt und einem europaer als logo, sagen wir mal in suedafrika
ausloesen wuerde. nix gutes, denke ich.

Meinst du ernsthaft hier würde sich jemand darüber aufregen?

und ich finde das ueberhaupt nicht ueber-pc.

ich halte das fuer selbstverstaendlich.

Ich finde, man muss das richtige Maß finden. Und ich halte das für
deutlich übertrieben.

.as

Max

Subject:  Re: FERTIG: exotismus
Sender:  René Walter
Date:  Today 22:49
hab mir das jetzt alles durchgelesen und nur kurz:
ich bin bei andreas, übertriebene PC ist dies nicht, Mister Wong war
mir auch deshalb schon immer eher unsympatisch und angemalte Kinder
zeigen auch nur eine herablassende Darstellung Afikas als Opfer. Geht
nicht.

Die Diskussion in den Kommentaren abzubilden halte ich für eine
brillante Idee, aber das muss schnell gehen. Publish und dann sofort
per cutnpaste reinhauen…

oder kannst du das per MySQL erledigen, Max? Geht doch, nehm ich an…

;-)
r

Am 31.07.07 schrieb Max Winde <max@spreeblick.com>:

Am 31.07.2007 um 22:09 schrieb Frederic Valin:

> Au ja.

Bin ich auch dafür. :)

In die Kommentare oder gekürzt in den Artikel?

Max


104 Kommentare

  1. 01

    lana:

    na, da hat spreeblick mal wieder die welt gerettet. fehlt nur noch das hartzIV-logo zum bafög-enthusiasmus.

  2. 02

    Peter H aus B:

    Die PC wird langsam Montypythonesk.

    Ich sag nur Volksfront zur Befreiung Palästinas…

  3. 03

    stralau:

    Ha — schöne Idee, das mit den Kommentaren. Gefällt mir. Kann man als Leser allerdings nicht mehr viel hinzufügen.

    Ich fand Mister Wong auch schon immer idiotisch. Aber nicht, weil ich Angst gehabt hätte, Chinesen könnten sich verletzt fühlen, sondern weil das Logo (in meinem Klischee) eine bestimmte dumpfe Art von Humor anspricht, die wiederum mein Abgrenzungsbedürfnis ggü. denen weckt, die sowas gutfinden. Was ich damit sagen will: evtl. hat Mr. Wong mit dem alten Logo seine Zielgruppe auch stark eingeschränkt.

    Ganz gut fand ich übrigens einen Text von Volker Strübing zu Pro-Bono-Plakaten.

  4. 04

    Mathias Richel:

    Ich verstehe die Bedenken, aber stereotype Abbildungen sind manchmal auch sehr zielführend. In der Werbung werden Motive mit Babys menschlicher Natur und Tierbabys immer noch am besten getestet.

    Gelerntes Sehen, so einfach wie für uns Leserichtung Links-nach-Rechts.

    Bilder von afrikanischen Kindern wecken Mitleid und nicht zuletzt die Spendenbereitschaft.

    Das das nicht immer des Werbers Anspruch ist, kann man auch an der Begrifflichkeit “Neger vor Hütte” ablesen, der in der Werbung dafür benutzt wird, im Motiv schon offensichtliches, noch durch eine Headline zu beschreiben. Das ist immer der einfachste Weg eines Kampagnenmotives.

    Ich empfinde das Unicef-Motiv tatsächlich daher eher als ein Solidaritätsbekenntnis, fernab von dieser üblichen Betroffenheitskommunikation.

    Schwenk zu Wong:

    Ich finde Karikaturen, um gleich mal das Killerwort zu benutzen, sehr oft sehr entspannend. Es entkrampft den Umgang mit Vorurteilen, wenn man gewillt ist, sie so zu lesen, bzw. es zu können.

    Kann man das nicht, dann haben diese stereotypen Abbildungen sehr wohl die Fähigkeit sehr verletzend zu sein.

    Das muss man dann widerum akzeptieren. Deshalb finde ich den Schritt von Mr. Wong richtig.

  5. 05

    nilz:

    ich bin da ganz bei max, kann das auch nicht so richtig nachvollziehen. bei der unicefkampagne vielleicht noch eher als bei mr. wong. und einen diener kann ich, beim besten willen, in der figur nun wirklich nicht sehen. sicher, die illustration ist nicht sonderlich originell, aber nunmal alles andere als beleidigend. so, ich muss mir jetzt erstmal meine lederhosn anziehen gehen. schliesslich ist hier ja das ganze jahr oktoberfest…;)

  6. 06

    einbecker:

    Da ja die Diskussion schon geführt wurde: Nur eine kurze Bestätigung von Andreas, Frederics und Renes Meinung: Mit Klischees zu spielen, die leider immer noch in den Köpfen vieler Menschen hier vorhanden sind, um Werbung zu machen — und sei es auch nur für eine gute Sache, ist töricht und dumm. Und wenn durchaus viele intelligente Menschen dies noch nicht einmal als Klischee erkennen, um so bedenklicher: Es zeigt, wie fest diese Klischees in uns drin sitzen. Ich werde nicht arm, weil ich schwarz werde. Ich werde nicht dumm grinsen, weil ich Asiate bin.

    Vorurteile schön und gut (ohne sie wäre das leben halb so spannend… und ernsthaft: auch teilweise einfach nicht machbar), aber so bald man etwas besser weiß, sollte man das auch kommunizieren. Dass das ner Firma wie Mr. Wong passiert ist das eine (allerdings schon ausreichende…), aber Unicef…

    Und was den latenten Rassismus (man möge ihn jetzt Ethnozentrismus oder Exotismus nennen) angeht: Der ist nicht nur hier im Dresdner Umland vorhanden. Auch nicht nur an den Stammtischen in Bottrop und Kleingiesingen. Und deshalb ist es so wichtig, das aufzuzeigen, wo immer es geht.

  7. 07

  8. 08

    Micha:

    Über dieses Thema kann man wirklich streiten. Der lustige Mister Wong im Logo war einfach der Stereotyp eines Chinesischen Händlers oder Verwalters, wenn ich das richtig verstanden habe. Dass man sich darüber aufregen kann, kann ich nachvollziehen … aber was ist mit den ganzen Stereotypen in Film und Fernsehen? Japanische Köche, die mit Hackbeilen werfen … oder die ganzen chinesischen Quaksalber, die immer wieder in verschiedenen Serien auftachen. Was ist mit denen?

    Dass Logo von Mister Wong zu entfernen ist für mich ein “kann, muss aber nicht”. Ich finds nicht schlimm, aber auch nur zum Teil nachvollziehbar.

    Und, tja, die Unicef Kampagne … OK. Die war wirklich etwas unüberlegt. Ich schmier mir Farbe ins Gesicht und zeige damit meine Verbundenheit und Solidarität etc. … dass das nicht international funzt war irgendwie klar. Gut gemeint, aber irgendwie … naja … sehr missverständlich.

  9. 09

    Armin:

    Interessanter Artikel und Analyse. Zu dem Unicef Poster kann und will ich mich nicht aeussern, aber die Mister Wong Geschichte finde ich schon recht interessant und mir war auch bei den Reaktionen auf vielen (nicht allen) Deutschen Blogs (bzw dort in den Kommentaren) etwas unwohl.

    Ich glaube hier lesen auch noch ein paar andere Deutsche mit die im Ausland wohnen, ich weiss nicht ob die aehnliche Erfahrungen gemacht haben. Haengt vielleicht auch ein bisschen damit zusammen wo genau man lebt.

    Ich lebe in England. Wunderschoenes Land, ich fuehle mich sehr wohl hier, die meisten Leute die ich kenne sind sehr sehr nett und freundlich. Nichtsdestotrotz wird man immer wieder mal mit den Deutschen Stereotypen konfrontiert. Dem Militarismus, den Nazis, German efficiency, die Handtuecher auf den Badeliegen, all diese Sachen. Man findet sie in Witzen, in der Werbung, teilweise in der Berichterstattung in den Medien und halt immer wieder mal in Unterhaltungen.

    Da kann man drueber stehen, man kann es ignorieren, man kann sogar drueber lachen. Aber es nervt doch irgendwie schon. Es ist irgendwann anstrengend darueber zu lachen und gute Miene zum “boesen Spiel” zu machen. Diese Stereotypen werden ja nicht bewusst gebraucht (oder wenn nur in den seltensten Faellen) um einen zu aergern, sie sind einfach “gedankenlos”. Es nagt irgendwie schon wenn man immer wieder mit Nazis verglichen oder gleichgesetzt wird.

    Und deswegen kann ich die Reaktion auf das Mister Wong Logo schon recht gut verstehen. Ich kenne den Dienst nicht weiter, aber ich habe mir schon vor Monaten gedacht als ich mal auf der Site war, “Na, mit dem Logo und Namen koennte eine internationale Expansion schwierig werden”. Hat sich jetzt ja bewahrheitet.

  10. 10

    beggar:

    Es ist wohl niemandem aufgefallen, das die Anzeige Lehrer als “Bloed” bezeichnet. Wobei der Begriff “Manche” eindeutig auf eine groessere Zahl hinweist und damit generell eine Vielzahl von Lehrer als Inkompetent dargestellt werden. “Gar keine Lehrer sind noch bloeder” soll uns sagen, das nach Lehrern/ Bildungssystem nur noch die Armut ein groesseres Leid ist. Damit reitet JvM wieder den Trend allgemeiner Emotionsstroemungen unter Bild-Niveau. Nur so am Rande.

  11. 11

    Sebastian:

    Skandinavier regen sich zukünftig auf, wenn jemand dummes mit blonden Haaren erscheint. Aus Italien und Spanier hagelt es Protest wenn man jemand mit dunklen Haaren sonstwas auf einem Plakat macht.

    Man kann diesen Political Correctness Quatsch auch echt übertreiben.

  12. 12

    Mart:

    Puh, die Kommentare durchzulesen war zwar interessant - aber auch verdammt mühsam, mit den ganzen angehängten Vollzitaten der Kommentare davor. … Egal.

    Zu Mr. Wong fällt mir nix ein, wohl aber zu der Unicef-Kampagne. Werbung muss, wenn sie bei möglichst vielen Menschen Wirkung (=Spendenbereitschaft) zeigen soll, einfach funktionieren. D.h. über einfache, gelernte Symbole. Die Kampagne halte ich zwar nicht für den riesengroßen Wurf - aber sie dürfte bei den meisten Menschen die Botschaft rüberbringen. Die Alternative, keine Menschen zu zeigen, (ein weißes Kind wäre ja auch irgendwie rassistisch), würde nicht so gut funktionieren (siehe: Kindchenschema).

    Die Menschen in Afrika haben nun mal eher eine vergleichsweise dunkle Hautfarbe, es geht um Hilfe für Afrika, warum nicht schwarze Menschen zeigen? Dass hier angemalte weisse Kinder gezeigt werden kann man natürlich mit der PC-Angebervokabel “Blackfacing” brandmarken -einer rassistischen Darstellungsform, die seit mindestens 50 Jahren nicht mehr praktiziert wird und die vielen nichts sagen dürfte- man kann die angemalten Kinder aber auch anders verstehen: “Kuck mal, Hautfarbe allein macht die Menschen nicht anders, sie könnte auch einfach nur aufgemalt sein”.
    Aber wenn man auf Teufel komm raus etwas falsch verstehen will, kann man das natürlich auch bei dieser Kampagne. Die Alternative, die in den Kommentaren schon vorgeschlagen wurde, “keine Menschen, besser ein Katastrophengebiet zeigen, dass nicht zu afrikanisch aussieht”, dürfte zwar durch die fehlende Emotionalisierung nicht halb so viel Spenden generieren - aber Hauptsache, alles ist politisch korrekt.

    Passt am Rande zum Thema: letztens sah ich ein Interview mit einem Entwicklungshelfer, der sagte dass eines der Hauptprobleme der Werbung für Hilfsorganisationen sei, das nur gespendet würde, wenn man die Menschen als möglichst unselbstständig und unfähig zur Selbsthilfe darstellen würde. Bei uns entsteht dadurch das Bild von hilflos rumsitzenden und auf die Rettung aus den Industrienationen wartenden armen Afrikaner. Diese Fehlinformation ist u.a. deswegen so problematisch, weil selbst viele Entwicklungshelfer ihr auf den Leim gehen - und sich vor Ort als weisse Halbgötter fühlen und verhalten.

  13. 13

    John Dough:

    Müsste es nicht besser heißen:

    Ml. Wong ?

  14. 14

    Iris:

    Schön, dass das Thema hier mal angesprochen wird. In letzter Zeit hatte ich häufig den Eindruck, dass das Bewusstsein für rassistische Darstellungen und Formulierungen hierzulande immer noch deutlich unterentwickelt ist. Hinweise darauf findet man allerdings nicht nur im Internet, sondern auch überall in deutschen Warenhäusern.
    Seit einiger Zeit ist z.B. der sogenannte Kolonialstil bei Wohnungseinrichtungen wieder in. Und dazu werden Deko-Figuren und Bilder angeboten, die meiner Ansicht nach eigentlich lautstarken Protest seitens der Anti-Diskriminierungsverbände auslösen müssten. Aber bis jetzt hab’ ich da in den Medien noch nix in der Richtung wahrgenommen. Beispiele gefällig?
    http://tinyurl.com/32o9xx
    http://tinyurl.com/265nhh
    http://tinyurl.com/2xqr2d
    http://tinyurl.com/2gkcz2
    http://tinyurl.com/2jtt8f

  15. 15

    Andreas:

    @lana (1): das ist das mit abstand dümmste, was ich bislang hier gelesen habe.

    @stalau (3): danke fuer den link.

    @Mathias Richel (4): Du beschreibst genau das, was ich mit Exotismus meine. Du sieht ein Bild von einem afrikanischen Kind das Mitleid in Dir weckt? Warum ist das so? Da funktioniert ein bestimmtes, durch die Medien transportiertes Aftika-Bild.

    Das Logo von Mister Wong war keine Karrikatur sondern einste Stereotypisierung. Grosser Unterschied.

    @nilz (5): naja, du bist nun mal kein in den USA lebender Asiate. Ich kann mir schon vorstellen, dass Logo un Name beledigend wirken

    @einbecker (6): danke.

    @UK (7): Sowas wuerde man heute aus Gruenden der PC nicht mehr machen. Aber sonst ein Superbeispiel fuer Exotismus. Nicht Rassismus

    @micha (8): Klar hat jeder Mensch Stereotypen und Vorurteile im Kopf. Und logischerweise kommen die durch Buecher, Filme, Musik und sonstige Medien in deinen Kopf. Richtiger macht es sie nicht. Mein Punkt ist ja auch nur bei Mister Wong: Doofer Name, doofes Logo - erst recht, wenn man international expandieren will.

    @Armin (9): Ganz interessanter Punkt, den Du da ansprichst. Es kann sein, dass die Erfahrung selbst Ausländer zu sein (oder gewesen zu sein) und mit den gaengigen Klischees und Stereotypen über seine eigene Kultur konfrontiert zu werden, enorm dabei hilft, die Wahrnehmung Anderer und Fremdwahrnehmung zu justieren.

    @Sebastian (11): Hmm, nicht verstanden? Vielleicht liest Du den Artikel einfach nochmal?

    @Mat (12): Danke für die “Angebervokabel” hab ich schon seit der 12. Klasse nicht mehr gehört. Wieso wird das Blackfacing nicht mehr betrieben? JvM haben es doch gerade eben inszeniert?

    Du argumentierst als / wie ein Werber. Ist aus deren Sicht ja auch alles Richtig. Dennoch: Das Motiv wurde ausserhalb Deutschlands missverstanden. Und zwar so nachhaltig, dass UNICEF Deutschland alle Spuren davon beseitigt hat.

    Interessant ist Dein letzter Absatz. Wenn diese Erkenntnis sogar bei den (pro-bono)Auftraggebern angekommen ist, warum setzen die Agenturen dann immer noch auf diese alten Ideen?

  16. 16

    Iris:

    @Andreas: Kannste bitte mal eben meinen Kommentar freischalten? Der wurde vermutlich rausgefiltert, weil ich kleine Linkliste (Anschauungsbeispiele) beigegeben hab’.

  17. 17

    Jörg Friedrich:

    Für den einen ist es ein “Mindestmaß an interkultureller Kompetenz und Respekt vor den Anderen” für den anderen ein Übermaß an “political correctnes”.

    Dieses “Mindestmaß” festlegen zu dürfen, ist doch genau die Anmaßung der “political correcnes”-Verwalter. Abstrakte Begriffe wie “Exotismus” und “Ethnozentrismus”, die durch einen Link zu Wikipedia auch nicht klarer werden, ganz zu schweigen von solchen Ungeümen wie “geblackfaced” werden als Moralkeulen geschwungen, ohne dass der Versuch gemacht wird, nachvollziehbar zu zeigen, dass die angegriffenen Darstellungen hier und heute rassistische Wirkungen haben könnten.

    Statt dessen wird mit dem Varieté des 19. Jhd.s argumentiert. Angelehnt an Mario Barth möchte man sagen, ich kenne keinen unter meinen Freunden und Bekannten der beim Anblick dieser UNICEF-Plakate sagt: “Das erinnert mich jetzt aber schon so ein bisschen an das Varieté des 19.Jahrhunderts!” Wahrscheinlich bin ich dafür nicht intelektuell genug.

  18. 18

    beggar:

    @Andreas
    >> warum setzen die Agenturen dann immer noch auf diese alten Ideen?
    Muhahaha.
    Das lass mal lieber nicht die guys’n'girls von JvM hoeren!

  19. 19

    mathis:

    Das mit Mr. Wong sehe ich ganz wie stralau! Ich habe mir das erste mal als ich die Seite sah nur gedacht, das dass wohl ein paar Jugendliche sind, die sich über ein rassistisches Bild lustig machen. Den Sinn des Dienstes und diesen ganzen anderen habe ich immer noch nicht verstanden…

  20. 20

    Jan(TM):

    Exotismus - geiles Todschlagwort. Gilt das auch für Amis und Japaner die in Lederhosen rumlaufen?

  21. 21

    Andreas:

    @jan (21): na klar. ich sass mal in china in einem “café europa”. europäische kaffehauskultur, bzw. das, was sich chinesen darunter vorstellen. das war exotismus pur.

  22. 22

    fabiank22:

    “stell dir vor, es hiese nicht mister wong sondern onkel tom und das
    icon zeigte einen dicklippigen schwarzen mit grossen kulleraugen.”

    Ne Karikatur von Uncle Benz? Sorry aber das ist jetzt ungefähr so wie die Leute die Tim und Struppy’s Abenteuer im Kongo verbieten wollen weil Tim darin Belgien als Herrscher Kongos ausweißt. Zu schade nur das sie das damals, gerechtfertigt oder nicht, waren.

  23. 23

    Andreas:

    @fabiank22 (23): das was du beschreibst, waere die karrikatur einer weiteren stereotypen darstellung. was meinst du, warum uncle bence so aussieht und damals auch so gesprochen hat (70er jahre tv anyone?)

    Zu Tim & Struppi. In der Debatte geht es weniger um den Privatbesitz(!) des damaligen belgischen Koenigs, als um die doch recht zweifelhafte Darstellung der dort lebenden Bevölkerung.

    Ich halte ein Verbot auch fuer ueberzogen. Aber wissen, dass dort Klichees verbreitet werden, sollte man schon.

  24. 24

    Max:

    Andreas, laut Wikipedia ist ein Café Europa in China alles, aber kein Exotismus. Und selbst wenn es so wäre, was soll schlimm daran sein? Warum soll ich mich daran stören, wenn in China Leute so Kaffe trinken wie sie glauben es würde hier getan werden?

  25. 25

    Mart:

    @Andreas (16):
    Ich argumentiere nicht nur wie ein Werber, ich bin einer (nein, nicht bei JvM).
    Was ist das Kriterium für “Blackfacing”?
    “Blackfacing” ist doch nicht so in Verruf gekommen (und das vollkommen zu Recht), weil sich jemand das Gesicht schwarz anmalte, sondern weil er den so geschaffenen “Neger” mit den immer gleichen stereotypen Verhaltensweisen ausstattete: unbedarft doof, triebgesteuert, abergläubisch etc. DAS ist für mich blackfacing - und das habe ich Gott sei dank zum letzten mal bei einer “Väter der Klamotte”-Wiederholung gesehen.

    Mal grundsätzlich: Die Aufgabe von Kampagnen für Hilfsorganisationen ist es nicht, möglichst PC zu sein, sondern Spenden zu generieren - und das funktioniert nun mal am besten und massenwirksamsten, wenn man sich einer deutlichen Symbolik bedient. So funktioniert Werbung nun mal. Wer etwas dagegen hat, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass so u.U. weniger Spenden generiert werden. …Und, das mit dem eigenen gefühlten PC-Anspruch einiger Weniger in den Industrienationen damit die Situation in den Entwicklungsländern objektiv verschlechtert wird. Hast du mal direkt bei den Menschen um die es hier geht nachgefragt, ob sie die Darstellung auch so schlimm finden?

    Der von mir angeführte Entwicklungshelfer hatte für das Dilemma keine passende Lösung parat. Wenn durch Bilder von apatisch herumsitzenden Kindern mit Wasserbäuchen und Fliegen in den Augen mehr Spenden generiert werden, als von Berichten über erfolgreiche selbstverwaltete Projekte, denen es an Geld/Sachspenden fehlt, dann werden wir weiterhin vor allem solche Bilder zu sehen bekommen.

  26. 26

    Andreas:

    @max (25): da ist gar nichts schlimmes dran. und fuer mich ist exotismus nicht zwangslaeufig negativ konotiert. im gegenteil, diese chinesische caféhaussimulation war durchaus witzig.

    @Mart (26): ich habe in der tat nachgefragt. ein senegalesischer kollege von mir bedauert vor allem die tendenzielle darstellung afrikas in den deutschen medien. die assoziationen werden gehegt und gepflegt. denkst du an afrika, denkst du an hunger, elend und armut. dabei gaebe es zeweifellos ganz andere geschichten zu erzaehlen.

  27. 27

    Neuraum:

    Sicherlich ist die political correctness ein ehrenwerter Versuch die Ethik zugunsten der Schwachen zu korrigieren. Aber wenn diese in Bildersturm ausartet, biginnt sie vielen schlecht zu schmecken. Sobald die Ethik kodifiziert wird und die Züge eines Gesetzes einnimmt, möchte man sich wehren - gegen die modernen Orakel, gegen diese selbsternannten Interpreten sich ständig ändernder Gesetze.

    Überhaupt: werden potentielle Opfer durch die strenge Auslegung der p.c. geschützt oder werden sie erst dadurch zu Opfern gemacht? Wenn jede Darstellung eines Asiaten oder Afrikaners zunächst als Feld für mögliche Fehlinterpretaionen gesehen wird und erst danach als Darstellung eines Menschen, ist es dann nicht die eigentliche Dehumanisierung, wenn auch eine wohlgemeinte?

    Alle scheinen sich hier darin einig zu sein, dass hinter beiden Vorfällen keine böse Absicht steckte. Sind es denn überhaupt “Vorfälle” oder sind sie nur Produkte der Empörungsindustrie? Wie viele Amerikaner asiatischer Abstammung waren tatsächlich beleidigt über das Logo? Wie viele dunkelhäutige Deutsche über die Unicef-Werbung? Vielleicht waren beide Sachen auch völlig in Ordnung (ich vermute es sogar stark), aber dank rechtzeitigen Präventivschlags werden wir es nie erfahren.

    Es findet sich immer jemand, der sich beleidigt fühlt: ok, so sind die Menschen im Allgemeinen, unabhängig von der Herkunft. Wenn ich als Russe hinter jedem Vorschlag eines deutschen Bekannten à la “wir müssen mal zusammen Wodka trinken…” Russophobie vermuten würde, wäre es unendlich lächerlich. Dabei trinke ich gar keinen Wodka mehr seit meiner Alkoholvergifung nach einer Feier mit diesen Polen vor einigen Jahren…

  28. 28

    Max:

    Andreas, das sind doch zwei komplett verschiedene Paar Schuhe. Das ist ein Werbeplakat, das auf ein Problem hinweisen soll. Natürlich erzählt das nicht die positiven Geschichten - es soll ja auf die negativen Hinweisen.

    Im übrigen würde ich gerade über diese Plakate sagen, dass sie eher nicht die Standardassoziation bedienen sondern sogar witzig sind.

  29. 29

    Iris:

    @Mart:

    Mal grundsätzlich: Die Aufgabe von Kampagnen für Hilfsorganisationen ist es nicht, möglichst PC zu sein, sondern Spenden zu generieren - und das funktioniert nun mal am besten und massenwirksamsten, wenn man sich einer deutlichen Symbolik bedient.

    Diese Argumentation wirkt auf mich wie eine Katze, die sich in den Schwanz beißt. Diese Symbolik funktioniert imo deshalb nach wie vor so ‘gut’, weil sie immer wieder bedient wird. Die Medien ‘erziehen’ sich durch solche ständig wiederholten Darstellungen ihre Massen.

  30. 30

    Mart:

    @Iris (30): Das Kindchenschema ist keine Erfindung der Werbung, sondern eine der Natur. Ebenso, wie ein angeborener Hilfsreflex, wenn wir Artgenossen in Not sehen. Die Werbung macht sich diese Dinge zu Nutze um uns möglichst wirkungsvoll einen Haufen Dinge, die wir nicht wirklich brauchen anzudrehen - und ausgerechnet bei der einzigen Sache, für die es sich wirklich lohnt funktionierende Werbung zu machen, sollen wir jetzt darauf verzichten?

  31. 31

    Frédéric:

    @ Iris (6): Da fällt mir ein aktuelles Beispiel ein, aber ich find das Produkt nicht mehr: Lego hat vor ungefähr zweieinhalb Jahren son Müllfahrzeug auf den Markt gebracht. Und der Fahrer war, tada, ein Türke.

  32. 32

    Max:

    Der Fahrer war ein Türke? Woran konnte man das erkennen?

  33. 33

    heidrun:

    @ iris: das glaube ich nicht. um bei den vielen bildern, die man jeden tag sieht, durchzukommen, muss man bei vielen leuten deutlich werden. welchem bettler gibst du denn eher was in der bahn? wohl dem, der mehr danach aussieht, als hätte er’s nötig, oder?

    @ topic: ich weiss gar nicht, ob ich die unicef-kampagne wirklich schlecht finden soll. so richtig super kann ich sie aber auch nicht finden. jedenfalls finde ich es ebenfalls angenehm (da waren doch noch zwei, drei leute “mit mir”, oder? was ist das überhaupt für ein blöder ausdruck “ich bin mit soundso”???), dass sie eben ohne großäugige, dünne afrikanische schulkinder in heruntergekommenen klassenzimmern auskommt.

  34. 34

    stralau:

    Mart (26), hier spricht die Zielgruppe: die Betroffenheitswerbung wirkt unterschiedlich, auf mich zum Beispiel eher abschreckend. Das nicht nur wegen des eigentlichen Inhaltes, sondern auch deswegen, weil diese Plakate so einfallslos und verwechselbar wirken (siehe bei 3 verlinkten Volker-Strübing-Text) und gleichzeitig omnipräsent sind. Aber eben auch, weil ich das Gefühl habe, für dumm gehalten zu werden.

    Ein bißchen besser finde ich zum Beispiel die momentane Brot-für-die-Welt-Kampagne („Weniger ist leer“), weil sie das Problem und die Dringlichkeit klarmacht ohne auf die Stereotypen zurückgreifen zu müssen.

  35. 35

    Iris:

    @Mart:

    Das Kindchenschema ist keine Erfindung der Werbung, sondern eine der Natur.

    Das Kindchenschema steht hier aber m.E. nicht zur Debatte.

    und ausgerechnet bei der einzigen Sache, für die es sich wirklich lohnt funktionierende Werbung zu machen, sollen wir jetzt darauf verzichten?

    Geht’s auch ohne solche manipulativen Vereinfachungen? Funktioniert Werbung für Hilfsorganisationen denn nur mit solchen Mitteln? Oder anders gefragt: Fällt Werbern wirklich nicht mehr ein als die Ansprache von Instinkten oder althergebrachten Vorurteilen?

    Davon abgesehen ist in meinen Augen menschliches Handeln nicht allein dadurch gerechtfertigt und über jeden Zweifel erhaben, dass es (im Sinne des Handelnden bzw. seinem Auftraggeber) funktioniert. Wenn es ungewollte oder unangenehme ‘Nebenwirkungen’ hat, trägt der Handelnde imo auch dafür die Verantwortung.

    @Frederic:
    Ja, genau sowas meinte ich. Barbie ist übrigens imo auch so ein Beispiel…

  36. 36

    Neuraum:

    @ Frédéric (32)

    Spüre ich da eine unterschwellige Verachtung für die einfachen Angestellten kommunaler Unternehmen oder kommt es mir nur so vor? :)

  37. 37

    Max:

    Ich habe das Müllauto!

    hier! von 2000. Kann man ganz deutlich sehen (naja), der Typ mit der Mülltonne in der Hand hat einen Schnauzbart. Und Schnauzbartträger sind ja Türken. Immer.

    Mitlerweile gibt es auch eine überarbeitete Version.

    Wenn man in dem Archiv rumklickt, findet man noch einige andere Playmobilfiguren mit Bärten, zum Beispiel den Polizisten. Ist das auch ein Problem?

  38. 38

    heidrun:

    @ iris: barbie ist imho ein sexistisches problem, kein rassistisches.

  39. 39

    Iris:

    @heidrun:

    Ja klar. Was ich sagen wollte ist, dass Barbie imo ebenfalls ein Beispiel für diskriminierendes Spielzeug ist. Mir persönlich geht es aber in der Diskussion solcher Themen nicht vorrangig ums Brandmarken oder eine Durchsetzung von Verboten, sondern um die gemeinsame Bildung eines sozialen Bewusstseins für versteckte (und vielfach über Generationen vererbte) Botschaften und Mehrdeutigkeiten. Es geht um die Entwicklung von Verständnis dafür, wie Menschenbilder entstehen und wie sie auf wen wirken. Und dafür ist es imo sehr hilfreich, wenn man Derartiges öffentlich thematisiert und analysiert. Es geht nicht um Schuldzuweisung sondern um gemeinsames Arbeiten an der Wahrnehmung von Unterschieden und Unterscheidungen.

  40. 40

    Mart:

    @Iris:

    “Geht’s auch ohne solche manipulativen Vereinfachungen? Funktioniert Werbung für Hilfsorganisationen denn nur mit solchen Mitteln? Oder anders gefragt: Fällt Werbern wirklich nicht mehr ein als die Ansprache von Instinkten oder althergebrachten Vorurteilen?”

    Ich finde die Unicef-Kampagne kommt weitgehend ohne all diese Dinge aus. Was sehe ich? Ein selbstbewusst lachendes Kind (das Kind an sich kann man einer Kampagne bei der es um Schulen geht ja nur schwer kritisieren). Aber gut, wenn man da unbedingt “Blackfacing” drin sehen will, kann man das natürlich.

    Ich habe letztens einen Folder für einen Verein gemacht, der zusammen mit Selbsthilfeprojekten in Afrika Solaröfen baut. Viel Text und ein paar, eher dokumentarische Bilder auf 6 Seiten. Der Folder funktioniert (hoffe ich), weil er sich an eine Zielgruppe (Teilnehmer an Fachtagungen, Besucher von Ethnoveranstaltungen etc.) richtet, die bereit sind sich mit dem Thema länger auseinander zu setzen. Bei einer Anzeigenserie in normalen Illustrierten hätte das nicht funktioniert. Da braucht es einfache Reize. Ich finde das genau so schade wie du. Aber von ausführlicher, fundierter Information, die auf dem Weg zum Adressaten versandet, hat auch keiner was.

  41. 41

    Dough:

    zu dem lieben herrn wong:
    ich glaube, dass jedes urteil von einem individuum über etwas (eigentlich egal was, hier herr wong logo), aus der eigenen gedanken-welt des individuums realisiert wird. weiter–>

  42. 42

    Iris:

    @Mart:

    Was sehe ich?

    Davon gehst Du aus - von Deiner Sichtweise. Und danach beurteilst Du solch eine Kampagne? Nur danach? Ich denke nicht. Als Werber fragst Du Dich doch wohl vor allem, was andere sehen, oder? Deine Auftraggeber? Deren Adressaten? Und vielleicht eben auch die, denen mit einer Spendenkampagne geholfen werden soll?

    Aber gut, wenn man da unbedingt “Blackfacing” drin sehen will, kann man das natürlich.

    Ob eine Menschendarstellung diskriminierend ist oder nicht, entscheidet imo letztlich nicht der Sender oder unbetroffene Zuschauer, sondern die, die sich in der Rolle der Dargestellten zwar gemeint, aber nicht als gleichwertige Menschen abgebildet fühlen.

  43. 43

    Mart:

    @Iris:

    Wir drehen uns im Kreis.

    Erstens geht es bei einer Anzeige für ein Projekt einer Hilfsorganisation nicht zuerst darum, eine nicht-diskriminierende, umfassende Darstellung von Irgendwem zu zeigen, sondern darum, Spenden zu generieren.

    Zweitens gehe ich natürlich von meiner Sichtweise aus, genau so wie du von deiner ausgehst. Und dabei wird es auch vorerst bleiben, da bei diesem Blog anscheinend momentan sehr wenig Schulkinder aus Tansania mitlesen. Sprich: wir sind auf unsere Vermutungen angewiesen, wie die Kampagne nun auf jene Schulkinder und ihre Eltern wirkt. Ok, deine Vermutungen unterscheiden sich von meinen, allein: es sind und bleiben beides Vermutungen.

  44. 44

    PS:

    Marketing ist “Denken im Kopf des Kunden”.
    Somit ist nicht “JvM” PI sondern wir alle.

    Alles andere Aufgerege ist mE komplett überflüssiges 80′er “lass uns drüber reden”-WG-Tisch-gelabere.

    Danke für’s lesen.

  45. 45

    Iris:

    @Mart:

    Erstens geht es bei einer Anzeige für ein Projekt einer Hilfsorganisation nicht zuerst darum, eine nicht-diskriminierende, umfassende Darstellung von Irgendwem zu zeigen, sondern darum, Spenden zu generieren.

    Menschen nicht diskriminierend darzustellen sollte imo gar nicht besonders gefordert werden müssen, sondern es sollte ein selbstverständlicher Anspruch jeder öffentlichen Menschendarstellung sein - egal worum es geht.

    da bei diesem Blog anscheinend momentan sehr wenig Schulkinder aus Tansania mitlesen

    Dargestellt wurden in der Unicef-Kampagne aber nicht Schulkinder aus Tansania, sondern schwarz angemalte Kinder. Und wie einige Schwarze Menschen vom Verein Der Braune Mob das sehen, darüber zumindest musste ich keine Vermutungen anstellen, sondern ich hab’s gelesen.