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Pop mark von Johnny Haeusler | 43

Wie man Krebse fängt - und was Krebse dagegen tun

Wahrscheinlich wird der folgende Erlebnisbericht waschechte Krebsologen allerhöchstens zu einem genüsslichen Gähnen animieren. Wir von Spreeblick, Deutschlands einzigem Krebs-Watchblog, wussten jedoch vor unserem Dänemark-Aufenthalt noch nicht, was wir jetzt wissen:

Krebse sind echt sehr in Ordnung.

Die Sichtung von Kleintieren im Urlaub löst bei Erwachsenen oft Nervosität (Mücken oder Ameisen im Schlafzimmer), Ekel (Kakerlaken oder Nacktschnecken in unmittelbarer Körpernähe) oder Mitleid (Kröten am Autoreifen) aus, in Kindern jedoch setzt sie Forschergeist, Experimentierfreude und biologisches Interesse frei.

So entstehen bei den „Lieben Kleinen“â„¢ während der Beobachtung von Insekten und Amphibien nahezu wissenschaftliche Dialoge, bei denen die Älteren von ihrer Lebenserfahrung profitieren (“Guck’ mal, die beiden Kröten spielen Sexen!“ - „Quatsch, die sind dazu doch noch viel zu klein.“ - „Na und? Die müssen ja schonmal üben.“), und bei unterhaltsamen Feldversuchen wie dem täglichen Kröten-Grand-Prix auf dem Gartentisch wird das physikalische Lernen rund um die Schwerkraft auf spaßige Weise Teil des Spiels (“Menno, meine ist schon wieder runtergefallen!“).

Natürlich stehen Eltern helfend zur Seite, erklären geduldig, warum die Schnecken nicht mit ins Bett dürfen (“Raus damit!“) und stehen beratend bei der Auswahl eines temporären Aufenthaltsortes der neu gesammelten Spielkameraden bereit. Und so erhielten die beachtlichen Massen an Krebsen, die sich täglich ansammelten, ein mit Steinen, Wasser und Meeresleckereien gefülltes Plastik-Terrarium, welches ihr Überleben sicherte.

Krebse fängt man so: Ein Stein wird zusammen mit mit einem Stück Wurst an einer längeren Schnur befestigt. Der Stein wird bevorzugt in der Nähe eines Stegs ins Meer geworfen, doch jede „normale“ Küstenstelle funktionierte in unserem Fall ebenso gut. Man wartet ein wenig und zieht den Köder dann langsam bis zu einer zugänglichen Stelle Richtung Strand, wo man die dem vermeintlichen Fast Food folgenden Krebse mit einem Kescher einsammeln kann.

Die Freilassung der Tiere war zwar Bestandteil des Spiels, meist jedoch abendliche Aufgabe der Eltern, denn bei den Kindern war oft einfach etwas dazwischengekommen (Anruf des besten Freundes, Wetter- oder Stimmungsumschwung, ADS).

Und so saßen wir eines Abend vor unserem unweit des Strandes gelegenen Häuschen, als wir ein Kratzen aus dem Terrarium vernahmen, das zu diesem Zeitpunkt noch bevölkert war. Der Größte der Insassen plante die Flucht und stellte sich furchtlos dem Blitz der Handy-Kamera.

Nur… warum bewegte er sich nicht weiter? Mühelos hätte er unserer Meinung nach den finalen Klimmzug schaffen können, doch er machte keinerlei Anstalten, weiter zu hangeln. Denn er wartete. Auf die kleineren Krebse. Diesen nämlich griff er buchstäblich unter die zahlreich vorhandenen Arme und bot ihnen seinen Körper als Brücke in die Freiheit an.

Dass die Kleinen, die noch im Krabbelalter waren, die Chance mehr oder weniger geschickt nutzten, versteht sich von selbst. Einige fanden den Weg über den Rücken des Chefs,

während dieses Exemplar beim anderseitigen Versuch noch die Zeit für ein Lächeln in die Kamera fand.

Es muss erwähnt werden, dass die gemeinsame Flucht viel Anstrengung zu kosten schien und wir daher irgendwann helfend eingriffen. Als sich alle Krebse an Land befanden, setzte nach einigen Sekunden der Orientierungssuche der Seitwärts-Marsch Richtung Meer ein.

Krebse als soziale Fallstudie der Kinderregel „Die Großen helfen den Kleinen“.
Wer hätte das gedacht?

Bonus-Track 1: Das Liebesleben der Nacktschnecken.
Bonus-Track 2: Kröten als zwingend notwendige Gäste beim allabendlichen Catweazle-Schauen. Was man nicht sieht ist, dass die Kröten nichts sehen. Denn sie sitzen allesamt mit dem Rücken zum Monitor. Dieses trotz Kühlwalda demonstrativ zur Schau gestellte Desinteresse an menschlicher Kultur sorgte dafür, dass es der einzige TV-Abend für die Banausen blieb.

Johnny Haeusler 03.09.2007 um 13:18

FeaturePop

Du kannst kommentieren, oder einen Trackback von deinem Blog aus setzen.


43 Kommentare

  1. 01

    Sebastian:

    Krebscontent! Und was für welcher. Das fand ich jetzt wirklich faszinierend, und schön finde ich es auch, wie Du den kleinen Kulturgut (Catweazle!) nahebringst. Als nächstes dann Futzi :-)

    03.09.2007 um 13:30 | Antworten
    Alle Kommentare von Sebastian
  2. 02

    stralau:

    Also, wirklich erstaunlich.

    03.09.2007 um 13:38 | Antworten
    Alle Kommentare von stralau
  3. 03

    Johnny:

    Um mögliche Verwirrungen zu klären, denn die Frage kam gerade per Mail: Der große Krebs hatte mehrere Anläufe unternommen, daher hängt er auf den Bildern auch in unterschiedliche Richtungen. Irgendwann dauerte das alles so lange, dass wir befürchteten, er würde sich geradezu opfern, doch auch die Kleinen schien es zu viel Kraft zu kosten. Ein faszinierendes Schauspiel jedenfalls, ob sie es alle allein geschafft hätten, kann man nur raten.

    Falls jemand Links zum Sozialverhalten von Krebsen hat, würde mich sehr interessieren, ob das ein bekanntes Vorgehen ist.

    03.09.2007 um 13:44 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  4. 04

    Elepferd:

    Wann gibt’s den wieder einen Podcast von euch zu hören?

    03.09.2007 um 14:08 | Antworten
    Alle Kommentare von Elepferd
  5. 05

    Johnny:

    Morgen, glaube ich.

    Wenn…

    Na du weißt schon.

    03.09.2007 um 14:11 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  6. 06

    Matthias:

    Sind das alles eure Kinder?

    03.09.2007 um 14:21 | Antworten
    Alle Kommentare von Matthias
  7. 07

    Sebastian:

    Es würde mich zwar extrem wundern, aber wenn Du das jetzt als neu entdeckt hättest, vielleicht gibt es ja einen Preis der deutschen Krebsforschung oder so.

    03.09.2007 um 14:22 | Antworten
    Alle Kommentare von Sebastian
  8. 08

    Johnny:

    Matthias, nee, zwei eigene reichen vollends. :)

    Sebastian, würde mich auch sehr wundern, aber ich finde nichts dazu…

    03.09.2007 um 14:33 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  9. 09

    mic:

    Zitat “Spreeblick, Deutschlands einzigem Krebs-Watchblog,” - haar, da muss ich euch widerlegen!

    Siehe hier … http://tinyurl.com/2vtgez frisch von gestern. Allerdings ist mir da nur eine gemeine Wollhandkrabbe vor die Linse gekommen. Wobei erstaunlich genug mindestens 50 m vom nächstmöglichen Lebensraum entfernt.

    Leider kann man die Viecher nicht essen ;-) an die Tierschützer: weil lohnt nicht ist ja nichts dran ;-)

    Gruß aus dem Norden ;-)

    03.09.2007 um 14:35 | Antworten
    Alle Kommentare von mic
  10. 10

    Henning:

    Ich weiß gar nicht, wie ich als Kind in Norwegen Krebse gefangen habe, aber ich weiß noch gut, dass mir beigebracht wurde, wie man sie in die Hand nimmt, ohne dass sie zwicken: Man kommt mit der Hand von hinten und greift mit Daumen und Zeigefinger quasi an das Scheren-Ende, das am Körper liegt.

    Ansonsten war dieses Sozialverhalten völlig neu für mich. Hätte ich nicht erwartet. Steckt doch meist mehr in den Tieren als man denkt.

    03.09.2007 um 15:01 | Antworten
    Alle Kommentare von Henning
  11. 11

    Paulus:

    Erinnert mich an irgend so ein Buch. War gallertartige Masse in den Krebsen?
    Das Buch hat sonst bestimmt niemand gelesen.

    Zu den Schnecken: Verstehe das Verbot nicht. Ich nehme immer Schnecken mit ins Bett. Am liebsten nackte.

    03.09.2007 um 15:05 | Antworten
    Alle Kommentare von Paulus
  12. 12

    Harm:

    Dem aktuellen Blog-Trend zu Flauschzotteligkeit & Bauschismus wird hier ein Grzimek-esker Einblick in die wahren Wunder der Natur entgegengestemmt. Ich finde sommerlichen Tiercontent super, aber bezweifle dass Du damit mit Hasen-, Kätzchen- und Schafs-Content konkurrieren kannst. Gab’s denn da keine Strandhundewelpen?

    03.09.2007 um 15:13 | Antworten
    Alle Kommentare von Harm
  13. 13

    Johnny:

    Pah, das ist ‘ne Serie! Das wird Deutschlands größtes Kuschelblog hier!

    03.09.2007 um 15:22 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  14. 14

    Armin:

    Ha, ich haette da das unschlagbare Alpaca-Katzen-Duo zu bieten. Gegen so viel Flauschizotteligkittencuteheit habt Ihr doch keine Chance.

    Your turn…

    03.09.2007 um 15:32 | Antworten
    Alle Kommentare von Armin
  15. 15

    colouredsheep:

    Das ist ja wirklich spannend! Danke für diese aufschlussreiche Natur-Doku. (Ganz ernstgemeint.)

    @Paulus: Bei gallertartiger Masse muss ich an Frank Schätzings “Der Schwarm” denken… Wer weiß, vielleicht planen auch diese Krebse die Weltbeherrschung.

    03.09.2007 um 15:33 | Antworten
    Alle Kommentare von colouredsheep
  16. 16

    Martin:

    Vielleicht hatte der große Krebs aber auch nur einen Krampf im Bein und wurde von den kleinen Krebsen schamlos ausgenutzt?!

    03.09.2007 um 15:34 | Antworten
    Alle Kommentare von Martin
  17. 17

    Johnny:

    Martin, sieh doch nicht immer alles so negativ. ;)

    Armin, ich kontere mit freiem Katzen- und Hundecontent für alle!

    03.09.2007 um 15:46 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  18. 18

    jochen:

    auszug von so einer astro-site (zweiter Absatz!):

    Eigenschaften des Krebses:

    Zum Krebsgeborenen paßt die Beschreibung “harte Schale, weicher Kern”. Obwohl er sehr gefühlvoll ist, öffnet er nicht jedem sein Herz und seine Seele.

    Krebse sind sehr hilfsbereit und haben oft einen Rat für andere. Für sich selber sieht es aber anders aus.

    hilft das evtl. weiter?

    03.09.2007 um 15:58 | Antworten
    Alle Kommentare von jochen
  19. 19

    Armin:

    Johnny, ich schlage zurueck mit dem Kittenator.

    Beat that…

    03.09.2007 um 16:04 | Antworten
    Alle Kommentare von Armin
  20. 20

    Martin:

    @Johnny(17): Du hast Recht, ich muss mal an die Ostsee :-)

    Zum Thema Katzen-Content immer wieder gern verlinkt: What Jeff Killed

    03.09.2007 um 16:14 | Antworten
    Alle Kommentare von Martin
  21. 21

    Uwe:

    Auf dieses interessante Sozialverhalten wurde ich auch im letzten Jahr von meinem 10-jährigen Mentor hingewiesen. Grössere Krebse stellen sich sogar schützend vor unbekannte, kleinere Tiere mit erhobenen Scheren in die Plastikwanne.
    Alltäglich geschnorrte Fischköpfe beim Fischer eignen sich ebenso hervorragend für den Krebsfang… Ein fachmänischer Palsteg durch Auge und Maul mit einem Angelschnurrest des gleichen Fischers und die Jagd beginnt. Und dann das allabendliche “Nein, der Fischkopf bleibt hier und wird nicht mitgenommen”

    03.09.2007 um 16:21 | Antworten
    Alle Kommentare von Uwe
  22. 22

    Johnny:

    Uwe, endlich, der Hint eines Beweises, danke!

    jochen: Na sicher, jetzt ist alles klar! Und die Fische?

    Armin…. hm…. okay. Qualität statt Masse: Nimm dies!

    03.09.2007 um 16:31 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  23. 23

    jochen:

    das haelt sich die waage.

    03.09.2007 um 16:42 | Antworten
    Alle Kommentare von jochen
  24. 24

    Johnny:

    Huiuiui. :)

    03.09.2007 um 16:49 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  25. 25

    Christoph:

    Die Viecher heißen Krabben.

    Ansonsten:
    Spreeblick zeigt jetzt Urlaubsfotos und Kindergeschichten. Toll.

    03.09.2007 um 16:58 | Antworten
    Alle Kommentare von Christoph
  26. 26

    Johnny:

    Nee, nee, Christoph, die hießen Rob, Rüdiger und Silvy, ich hab’ gefragt.

    03.09.2007 um 17:11 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  27. 27

    Armin:

    Johnny, gut, Du hast es so gewollt, Du laesst mir keine andere Wahl: prepare urself for da RASPBERRY OF DEATH!

    Ha!

    03.09.2007 um 17:18 | Antworten
    Alle Kommentare von Armin
  28. 28

    Johnny:

    Okay, Armin. Da hilft keine Gnade mehr. Jetzt wird aufgerüstet. Jetzt kontern wir mit…

    VIDEO!

    03.09.2007 um 17:30 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  29. 29

    Armin:

    Gnade? Jetzt gibt’s keine Gnade mehr, jetzt gibt’s Singing Kitten.

    So!

    03.09.2007 um 17:40 | Antworten
    Alle Kommentare von Armin
  30. 30

    MIAUUU:

    Alt, aber guter Katzenstoff: http://www.myvideo.de/watch/1657957

    03.09.2007 um 17:43 | Antworten
    Alle Kommentare von MIAUUU
  31. 31

    Uwe:

    Danke Armin. Ist das CocoRosie?

    03.09.2007 um 19:57 | Antworten
    Alle Kommentare von Uwe
  32. 32

    Björn Grau:

    So schön kann scheinbare Irrelevanz sein (oder war Kommentar 25 etwa sarkastisch gemeint?)! Schönster Beitrag im Netz seit Wochen! Urlaub muss echt was Tolles sein… Ich will auch!

    03.09.2007 um 20:34 | Antworten
    Alle Kommentare von Björn Grau
  33. 33

    Johnny:

    Armin, du hast es nur dir selbst zuzuschreiben. Es ist allein deine eigene Schuld, was ab jetzt passiert:

    I wanna take you to a gay bar.

    03.09.2007 um 20:51 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  34. 34

    Sebastian:

    Haha, da habe ich mir sogar ein T-Shirt von drucken lassen, bzw. vom Schwestervideo We like the moon.

    03.09.2007 um 21:05 | Antworten
    Alle Kommentare von Sebastian
  35. 35

    Armin:

    Oh, Johnny, Ich fuerchte da muss ich ablehnen, denn, weisst Du, I Fell in Love With a Girl…

    03.09.2007 um 21:21 | Antworten
    Alle Kommentare von Armin
  36. 36

    Johnny:

    Armin, okay. Ich gebe mich geschlagen und gucke mal, ob ich im Plattenladen was passendes für dich finde.

    03.09.2007 um 21:39 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  37. 37

    Armin:

    Johnny, ich glaube auch wir sollten Schluss fuer heute machen: I iz dun… absoluteleh dun.

    03.09.2007 um 21:52 | Antworten
    Alle Kommentare von Armin
  38. 38

    jochen:

    schon? schade.

    03.09.2007 um 22:07 | Antworten
    Alle Kommentare von jochen
  39. 39

    Johnny:

    Okay, Armin. Dann mach ich auch Schluss.

    03.09.2007 um 22:13 | Antworten
    Alle Kommentare von Johnny
  40. 40

    Christoph:

    Meine zwei Lieblingsblogs widern mich mich ja gerade so was von an :>
    Blöder Bauschismus.

    04.09.2007 um 03:52 | Antworten
    Alle Kommentare von Christoph
  41. 41

    Armin:

    Schon schlimm Christoph, dis party sux, nicht wahr?

    04.09.2007 um 08:41 | Antworten
    Alle Kommentare von Armin
  42. 42

    JKE:

    Um mal aufs Sozialverhalten der Krebse zurückzukommen: GREAT!

    07.09.2007 um 01:04 | Antworten
    Alle Kommentare von JKE
  43. 43

    sanja:

    ist ja ursüß…

    28.10.2007 um 13:36 | Antworten
    Alle Kommentare von sanja

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