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Politik mark von Malte Welding | 15

Je t´aime - Wer mit wem?

Alle demokratischen Parteien müssen miteinander koalieren können, sagt man. Man meint es nicht ganz so, vielmehr will man sagen: Alle Parteien, die im Parlament sitzen und nicht NPD oder Die Linke sind, müssen miteinander koalieren können. Aus Sicht des Politikers geht der Satz so: Alle Parteien, die mir die Macht sichern, sind koalitionsfähig.
In Hamburg konnte das bedeuten, dass eine obskure Rechtspartei auf einmal gerade Recht kam, um dem netten Ole von Beust die Macht zu sichern. Da der Führer dieser Partei gerade nicht greifbar ist, gibt jetzt die GAL den devoten Part in der Beziehung. Ein Kulturschock? Sind jetzt alle völlig Metzger?

Die Grünen sind die Partei der Besserverdienenden, die CDU die Partei derer, denen es auch schon einmal besser ging. Oder - wie es Spreeblick-Leser einzeiler formulierte:

altes und neues bürgertum gehen zusammen.

Auf Bundesebene waren die Fischer-Grünen der SPD ein deutlich kuscheligerer Koalitionspartner als die FDP der CDU.
Sie nickten ab, was auf den Tisch kam und wenn nicht schnell genug genickt wurde, hielt Fischer eine Brandrede und knautschte sein Gesicht, bis alle sagten: Na dann lass ihn halt in den Krieg ziehen, am Ende wird er wieder dick und wir verlieren die Wahl.

Schwierig werden Koalitionen ja sowieso erst durch den Fraktionszwang. Man kann sich wunderbare Schnittmengen denken zwischen der Linkspartei, der FDP und den Grünen, wenn man Gregor Gysi, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Claudia Roth vor Augen hat und ebenso viele Gemeinsamkeiten zwischen Linkspartei und CDU, wenn man sich Oskar „Fremdarbeiter“ Lafontaine und Roland Koch dabei vorstellt, wie ihre Frauen ihnen Kuchen backen und sie sich gemeinsam vor Ausländern fürchten.

Und erst die Milieus! Bonner Juridicums-Liberale lassen mit Seeheimer-Kreis-Sozial- und Jung-Christdemokraten einen Feierabend-Joint kreisen (work hard, party hard!), Förster aller politischen Glaubensrichtungen schützen Wälder und schenken ihren Kindern Holzspielzeug, Neuköllner Punks lassen zusammen mit Nazis aus Dortmund den politischen Aschermittwoch ausfallen, machen durch bis morgen früh, singen Bumsfallera und gruseln sich vor der Globalisierung.

Nein, das ist natürlich Blödsinn. Denn selbstverständlich gehen politische Milieus tiefer, es geht um Lebensentwürfe, Kleiderfragen, Glaube, Bücher, die man gelesen hat, historische Vorbilder, die man bewundert, es geht um Alles. Oder Nichts.

Und so bleibt bei aller Wertschätzung der politischen Vernunft und des Pragmatismus das schale Gefühl zurück: Wenn die mit denen können - machen sie es dann nicht mit allen? Haben wir am Ende Politnutten unser Herz geschenkt?

Malte Welding 19.04.2008 um 18:19

InlandPolitik

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15 Kommentare

  1. 01

    michael:

    Zweiparteiensystem, bitte! Das löst gleich ’nen Haufen Probleme, und Koalitionen gibt’s dann nicht mehr. Außerdem ist wer abgewählt ist auch wirklich abgewählt und das mit den Fraktionszwang muss man dann nicht mehr so eng sehen.

    Aber bitte doch nicht mit CDU und SPD.

    19.04.2008 um 18:57 | Antworten
    Alle Kommentare von michael
  2. 02

    Malte Welding:

    also mehrheitswahlrecht?

    19.04.2008 um 19:10 | Antworten
    Alle Kommentare von Malte Welding
  3. 03

    Alexz:

    Einparteiensystem und Zwang zu (nichtgeheimer) Wahl. Was ist da anders? Es wird vor der Wahl nicht so viel gelogen.

    19.04.2008 um 19:29 | Antworten
    Alle Kommentare von Alexz
  4. 04

    Malte Welding:

    @Alexz (3):

    dass in diktaturen nicht so viel gelogen wird, wäre mir neu.

    19.04.2008 um 19:32 | Antworten
    Alle Kommentare von Malte Welding
  5. 05

    Alexz:

    So meine ich das nicht. Es geht um Wahlversprechen. Man muss ja dann nichts versprechen.

    19.04.2008 um 19:38 | Antworten
    Alle Kommentare von Alexz
  6. 06

    Lukas:

    Die Zusammenfassung der rot-grünen Koalition ist Dir sensationell gut gelungen.

    Ich hätte aber im Übrigen auch nichts dagegen, wenn die kleinen Parteien so groß würden, dass sie zu zweit koalieren könnten. Grün-Gelb wäre eine schöne Idee.

    19.04.2008 um 20:21 | Antworten
    Alle Kommentare von Lukas
  7. 07

    corax:

    @Lukas (6): Na den Grün-gelbsten ex-roten wollen doch die schwarzen noch nicht mal geschenkt. ;-)

    Ich habs aufgegeben, das mit links, mitte, rechts und den Farben (bis auf kackbraun). Also ich blick da jedenfalls nicht mehr durch.
    Mir fällt aber auch keine Lösung ein und an Götter oder sowas glaub ich leider auch nicht.

    19.04.2008 um 20:35 | Antworten
    Alle Kommentare von corax
  8. 08

    Jochen Hoff:

    Et jeht doch jarnich um de Polletike. Et jeht ums Jeld. Um die schicken Dienstwagens vonne Minister un Staatsekretere, um inne Fernsehen auftreten und um ville Fottos in Zeitung.

    Da jibbet keinen Lebensplan. Da jibbet einen Einnahmeplan und die müssen steijen und steijen jährlich minigens wenn nicht noch mehr.

    Natürlich gann da jeder mit jeder. Et jeht doch um keine Sache nich, nur umme Kohle. Deshalb jehen ja auch anständiche Menschens nich inne Polletike. Die bezahlen ihren Schnaps selber. Basta.

    19.04.2008 um 22:51 | Antworten
    Alle Kommentare von Jochen Hoff
  9. 09

    erlehmann:

    Mir gefallen würden sowohl eine Konzentration auf tatsächliche Problemlösungen statt Fraktionszwang als auch eine Personalisierung der Politik - Personalwahlen nach Schultze-Concordet-Methode statt Listenwahlen. Und vor Allem sollte Lügen im Amt verfolgt werden.

    20.04.2008 um 14:36 | Antworten
    Alle Kommentare von erlehmann
  10. 10

    Elblette:

    Koalition hin oder her, das Traurige ist doch, dass eine ziemliche Menge Hamburger ihren Ole nicht mehr hergeben wollten, obwohl der den Wahlkampf praktisch ausgelassen hat und beim Thema Volksentscheid klar gezeigt hat, dass ihm die Meinung des Volkes sowas von Wumpe ist. Gelogen wurde allerdings nicht, der Slogan “Dein Bürgermeister” hat schließlich überhaupt keine Aussage. Aber deshalb muss man sich über unterschiedliche Lebensentwürfe keine Gedanken machen, Hamburg mag sowieso nur Leute, die Geld verdienen. Wenn man allerdings gebürtigen Hamburgern erzählt, dass ihre Stadt total unsozial ist, gucken sie immer wie erschreckte Hühner, weil sie das noch nie bemerkt haben. Die denken, dass Kita, Stadtbibliothek und Schwimmbäder überall so teuer sind und dass das Leben für Fahrradfahrer eben gefährlich ist. Ach ja, Hamburg.

    20.04.2008 um 15:05 | Antworten
    Alle Kommentare von Elblette
  11. 11

    sapere aude:

    malte, du argumentierst mit drei jahre alten zahlen. als mitglied muesstest du doch wissen, dass die gruenen durchaus nicht die partei der besserverdienenden, sondern der bessergebildeten sind! mit 65% Prozent wählern mit abitur oder fachhochschulreife - vor der fdp mit nur 52% prozent wählern aus diesem segment. die fdp ist dann auch die partei der besserverdienenden, mit 36% wählern mit über 3000 euro haushaltseinkommen … 3% mehr als bei den grünen :o)

    siehe dazu die flash-grafik der bpb:
    http://www.bpb.de/wissen/15YBO1,0,Wer_wählt_was.html

    20.04.2008 um 19:31 | Antworten
    Alle Kommentare von sapere aude
  12. 12

    frage:

    off topic: es dauert sehr, sehr lange bis die seite komplett geladen ist. wenn ich beispielsweise nur die neuen kommentare sehen will und nach unten scrolle, geht die anzeige, wenn die seite dann komplett geladen ist, aber wieder nach oben - huh? (mac/firefox)

    21.04.2008 um 11:03 | Antworten
    Alle Kommentare von frage
  13. 13

    Jean Stubenzweig:

    @sapere aude (11):

    Soll mir das vermitteln, daß mit ansteigendem Bildungsgrad sich auch das Verlangen nach Macht steigert? Dann wäre der Schluß mit der Partei der Besserverdienenden ja naheliegend.

    Wie auch immer – meine Skepsis gegenüber dieser «alternativen» Partei(en) seit ihrer Gründung war nie geschwunden. Nun wurde sie endgültig bestätigt. Und ich bin nur noch angewidert von diesen Lügnern, diesen Philistern, von diesen Söldnern kommender Kriege gegen diejenigen, die sie zu verteidigen mal vorgaben.

    Mögen sie allesamt in der Elbvertiefung verschwinden oder auf ewig im Dreck des Moorburger Kohlekraftwerks steckenbleiben, das sie auch abhaken werden. Ab in die ewige Vierkommaneun-Prozent-Hölle mit ihnen. Damit sind nicht nur die Hamburger gemeint.

    21.04.2008 um 12:47 | Antworten
    Alle Kommentare von Jean Stubenzweig
  14. 14

    Malte Welding:

    @frage (12):

    ich gebe die frage mal weiter

    21.04.2008 um 12:50 | Antworten
    Alle Kommentare von Malte Welding
  15. 15

    frage:

    ok, danke. “seite” bezog sich jetzt auch nicht nur auf diesen eintrag, sondern auf spreeblick.com.

    22.04.2008 um 08:54 | Antworten
    Alle Kommentare von frage

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