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Pop von Nico Roicke | 8

Videostars fresh and clean

Es soll ja indigene Völker in unzugänglichen Regionen dieses Planeten geben (die Uckermark zähl’ ich jetzt mal nicht dazu), deren religiöse Rituale ein verzerrtes Echo auf die westliche Konsum/Medien/Popkultur sind. Der pazifische Cargo-Kult hat Flugzeuge aus Stroh nachgebaut, in der Hoffnung, dass die US Army erneut Kisten voller Wegwerfwaren vom Himmel fallen lässt. In der Karibik soll es vorkommen, dass man auf Leute trifft, die, im Glauben ihre Seele würde geraubt, ganz ungemütlich werden, wenn man sie fotografiert.

In der westlichen Bildschirmgesellschaft ist das Konzept der Seele allerdings mehr als störend und so wird nicht nur fotografiert und gefilmt als ob es kein Morgen mehr gäbe, es wird auf nach Kräften an den Bildern herum manipuliert. Und auch wenn man den ganzen Tag mit Pixeln zu tun hat, ist man über die Ausmaße der Retusche immer wieder überrascht, vor allem wenn Insider über ihr Handwerk berichten.

Apropos Handwerk, compositing oder finishing heißt der Prozess der professionellen Bildmanipulation für Bewegtbild und meint auch nichts anderes als Stempeln, Maskieren und Weichzeichnen. Bill Pollock, der für room einige Musikvideos bearbeitet hat, zeigt auf der Agenturwebseite sein ganzes Können im Videofinishing. Britney und Co ganz fresh und clean. Im Grunde wissen’s alle, das Vorher und Nachher dann im direkten Vergleich zu sehen, ist allerdings jedes Mal aufs Neue erstaunlich.

[YOUTUBE DIREKTPICKEL]
[QUICKTIME VIDEO]

Eine rituelle Reaktion auf diese neue Kulturtechnik konnte schon bei vereinzelten Populationen in Beverly Hills, Chelsea und München Obermenzing ausgemacht werden.

Nico Roicke 15.05.2008 um 01:22

NetzPopUnfug

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8 Kommentare

  1. 01

    corax:

    Hm.

    15.05.2008 um 02:06 | Antworten
  2. 02

    Gratian:

    Whaa… da beommt man ja echt nen Schreck! Man könnte sich fragen ob Finishing nicht eher der Kamera die Seele raubt…
    Btw.: Cargo Religionen sind hochinteressant; ein Stamm im Pazifik wartet seit den vierziger Jahren auf die Rückkehr ihres Cargomessias John Frum. Um seine Rückkehr zu gewährleisten rodete der Stamm auf seiner Insel eine Landebahn und baute einen Kontrolturm aus Bambus in dem Fluglotsen mit hölzernen Kopfhöreratrappen sassen. Um das Bild abzurunden standen Flugzeug Attrapen auf der Landebahn. Wenn man die Menschen dort fragt, ob sie jetzt nicht lang genug auf John Frum gewartet hat bekommt man zur Antwort: Wenn ihr 2000 Jahre auf euren Jesus warten könnt, können wir doch wohl 60 Jahre auf John Frum warten… Jede ausreichend hoch entwickelte Technik muss wie Zauberei erscheinen. Mehr bei: Richard Dawkins - Der Gotteswahn, Kap. Cargo-Kulte

    15.05.2008 um 08:03 | Antworten
  3. 03

    Erik:

    Zur Bildretusche ist auch die Web-Site von Glenn Feron ganz anschaulich. Alles so schon bunt danach.

    15.05.2008 um 11:21 | Antworten
  4. 04

    Johnny Haeusler:

    Ich finde vor allem, dass die Leute in “echt” sehr viel spannender und interessanter aussehen als mit Weichzeichner und Hautglätter.

    15.05.2008 um 12:22 | Antworten
  5. 05

    rio:

    das ist ja unheimlich…ah!
    http://glennferon.com/portfolio1/portfolio30.html

    15.05.2008 um 13:22 | Antworten
  6. 06

    Anja:

    Es ist ein Problem, dass wir trotz des Wissens um die Retuschen und Collagen dennoch glauben, die Wirklichkeit zu sehen. Und ich denke, dass vor allem Frauen sehr viel Zeit dafür aufwenden, Teil dieser “schöneren” Wirklichkeit zu sein (Diäten, Makeup, Outfit). Wer viel in den Medien unterwegs ist, sieht vielleicht am Tag mehr “falsche” als “echte” Gesichter, und das verzerrt die Warhnehmung von Realität.
    Ich fände es eine faszinierende Vorstellung, mal eine Woche nur Printtitel mit echten Gesichtern auf den Markt zu bringen. So ähnlich wie der “Nopantsday”, sozusagen ein “Nomaskday”.

    15.05.2008 um 14:39 | Antworten
  7. 07

    mü:

    ja, immer wieder erstaunlich.
    schlimm find ich auch wie sehr man sich doch schon an diesen falten-und-charakterlosen barbie-und-ken-look gewöhnt hat…
    *schüttel*

    fein find ich dagegen http://photoshopdisasters.blogspot.com/
    da sieht man (manchmal) was beim gestressten photoshoppen so alles daneben gehen kann :)

    besonders krass find ich anatomische unmöglichkeiten, die beim ersten hinschauen vielleicht etwas komisch wirken, die man aber noch nicht so ganz benennen kann - und wenn man das original dagegen sieht ist auf einmal alles klar, und man fragt sich nur warum man das nicht gleich gesehen hat, offensichtlich wie es ist…

    17.05.2008 um 00:32 | Antworten
  8. 08

    Endur:

    seitdem ich (vor jahren) das video von dove evolution ( http://de.youtube.com/watch?v=iYhCn0jf46U ) gesehen habe glaub ich garnix mehr.

    17.05.2008 um 14:17 | Antworten

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