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Pop von Malte Welding | 10

Österreich gegen Kroatien 0:1

Vorbericht
Beim Spaziergang festgestellt, dass die Vorberichterstattung mitterweile nahtlos die Nachlese ablöst. Aus jedem Fernseher vor jeder Bar ertönt Kerner. Zur Melodie von Sind so kleine Hände singe ich mit geschlossenen Augen „HAST sooo keine Ahnung“. Hilft aber auch nicht, Kerner ist immer noch da, als ich die Augen öffne.

Spiele von Gruppengegnern der deutschen Mannschaft schaue ich wie Doktor Mabuse das wochenendliche Schlammcatchen der BDM-Girlies - ich hoffe auf ein Hodenturnen wie es Holland gegen Portugal bei der WM 2006 war. Ja, das ist zutiefst unsportlich, aber ich bin schließlich auch kein Engländer. Was man schon daran merkt, dass meine Mannschaft heute Abend antritt, während die englischen Spieler in Mallorca sangriafarben werden.

Spiel
Nach drei Minuten liegt Österreich unter Normal-Null. Ein Foul im Strafraum, faul aber auch die Frühlingsrolle, die der Kroate hingelegt hat. Den Elfmeter kann man geben. Wenn man Nachbarn anzeigt, weil sie ihr Haus rosa anmalen. Das kroatische Mittelfeldküken, das ZDF-Kommentator Oswald Kolle Dingsbums Klopp unter den besten drei Regisseuren der Welt sieht - neben Messi (der kein Regisseur ist) und Diego (WTF?) - schiebt entspannt ein.
Österreich gerät jetzt in Panik, Kroatien legt sich schlafen. Bürgerkrieg ist aufregender.
Von der österreichischen Mannschaft wurde nicht viel erwartet vor dem Turnier. SO wenig dann doch nicht.
Aber es ist ja gar nicht alles schlecht bei Österreich. Ein sehr gepflegtes Passspiel haben sie, das nur dadurch beeinträchtigt wird, dass Gegner anwesend sind und dass die Mitspieler manchmal weiter als zwei Meter entfernt stehen.
Kombinationssicher, als wäre Sherlock Holmes an Alzheimer erkrankt.

Kroatien hat sich mittlerweile in den Stadionkeller zurückgezogen. Die Österreicher haben mit Ball und Geläuf genug zu tun.
So ungefähr sieht es aus, wenn der HSV, der gerade mal wieder verboten bekommen hat (von Huub Stevens, mit Duschstimme), die Mittellinie zu übertreten, gegen Schweinfurth im Pokal spielt. Die einen langweilen sich zu Tode, die anderen sind riesig aufgeregt, aber Fußball spielen beide nicht.

Der untote ZDF-Kommentator Poschmann hat offensichtlich keinen Hang zu Superlativen. Über einen Kroatiker, der sich entgegen der Weisung seines Trainers bewegt hat*, sagt er:
„Den sieht man 80 Minuten nicht und dann macht er aus zwei Situationen oft relativ viel.“

Oft relativ viel: Das ist die Losung dieser Partie Schmach.
Oft relativ viel Luft zwischen Ball und Fuß, oft relativ viel Männerbrüste an Männerrücken, oft relativ viel Martin Panik, der in einen Kroaten rennt.

Auffälligster Spieler
Der österreichische Abwehrriese Adolf Prozac verhält sich so rührend ungeschickt, dass man ihn in den Arm nehmen und ihm liebevoll die Nase brechen möchte.

Nachbetrachtung
Der Ball war der erwartet schwere Gegner für beide Teams, der Schiedsrichter der wichtigste Mann auf dem Platz.

Malte Welding 08.06.2008 um 19:54

PopSport

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10 Kommentare

  1. 01

    Thomas Kiwispotter:

    Vielen Dank! Bitte beim nächsten Mal live, da ich hier kein TV habe und immer so lange warten muss. Obwohl Twitter schon bisschen wie ein Studio voller Kommentatoren mit kurz&knappen Aussagen ist. Also wirklichkeitsfremd ;)

    08.06.2008 um 20:05 | Antworten
    Alle Kommentare von Thomas Kiwispotter
  2. 02

    Sojabohne:

    Bei diesem Spiel haben sich allle ungeschickt verhalten… Die Chancenverwertung der Österreicher war nahe 0!!!

    08.06.2008 um 20:28 | Antworten
    Alle Kommentare von Sojabohne
  3. 03

    SoWhy:

    Die Österreicher haben gespielt wie die Schweizer: Toll bis zum 16er und dann über die eigenen Füße stolpern. Schade eigentlich, ich hatte auf das 1:1 getippt, dass “in der Luft lag”.

    08.06.2008 um 20:54 | Antworten
    Alle Kommentare von SoWhy
  4. 04

    Tyler:

    Das ist mir zu miesmacherisch und die obligatorische Kommentatorenschelte abgeschmackt. Der Artikel auf Spon fand ich dann auch viel sympathischer:

    http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,558443,00.html
    —————-
    Nach diesem frühen Rückstand hatte die Partie schnell den Charme (aber auch die Mängel) eines Pokalspiels zwischen Mannschaften aus unterschiedlichen Spielklassen. Die Österreicher übernahmen den Part des Kleinen, der mit Feuereifer und roten Backen über den Platz flitzt. Sie hauten sich unermüdlich in die Zweikämpfe, gingen weite Wege und holten alles aus sich heraus. Trotzdem mussten sich die Kroaten lange Zeit kaum mühen, denn wenn den Österreichern zwei gute Aktionen hintereinander geglückt waren, sprang ihnen in der anschließenden bestimmt der Ball weg oder sie passten ihn dorthin, wo niemand mehr war.

    Dann war es vorbei und das Publikum erhob sich zu Ovationen - für die Verlierer. “Beim Verlieren zuschauen, das tun wir am liebsten”, hatte “Die Presse” am Vortag geschrieben.
    —————-

    09.06.2008 um 00:17 | Antworten
    Alle Kommentare von Tyler
  5. 05

    Ghost Dog:

    Kleine unwichtige Besserwisserei: Der “Den sieht man 80 Minuten nicht”-Spruch Poschmanns war auf Roland Linz bezogen.

    09.06.2008 um 01:21 | Antworten
    Alle Kommentare von Ghost Dog
  6. 06

    Georg:

    Ganz ehrlich, der Artikel ist echt schwach. Und klingt nicht so als hätte der Autor das Spiel irgendwie aufmerksam verfolgt. Sondern nach sinnlosem “Gegner-von-Deutschland-im-BILD-Stil-zu-Einbeinigen-erklären” und des Spreeblicks nicht würdig.

    Ja, die erste Halbzeit Österreichs war grausam, dafür die 25 Minuten der Kroaten recht passabel. Der Rest der ersten HZ war dann halt etwas weniger rotweißrote Not gegen etwas mehr kroatisches Elend.

    Ab der 60., mit den sinnvollen Wechseln (die so in der Startformation hätten sein müssen mMn) wurds dann aber deutlich besser. Vorher lief, wenn überhaupt was lief, über Harnik, der vom Mittelfeld zuwenig unterstützt wurde. Mit Korkmaz gings dann gut über beide Flanken, und “Martin Panik” lief zumeist an den Gegnern vorbei (mit Ball, man mag es kaum glauben!) und weniger in sie hinein. 1-1 wäre schlussendlich verdient gewesen, leider sind wir an fehlender Routine/Kaltschnäuzigkeit/Erfahrung im Angriff gescheitert, was eben diese fehlenden “letzten Pässe” zur Folge hatte.

    Kleine Verlaufsbesprechung:
    http://ballverliebt.eu/?p=194

    09.06.2008 um 02:19 | Antworten
    Alle Kommentare von Georg
  7. 07

    bunki:

    ach ja, der Panik, äh Harnik. Welch ein wundervoller Drittligaspieler. Wovon ich mich auf Platz 11 persönlich überzeugen durfte. Und auf so etwas wird hier gebloggt? Ne, nicht wirrklich, oder? Wer mit so etwas aufläuft, hat heute genau das Schicksal erfahren, was er verdient

    09.06.2008 um 02:49 | Antworten
    Alle Kommentare von bunki
  8. 08

    Georg:

    sauf net soviel vor den Spielen :)

    09.06.2008 um 03:26 | Antworten
    Alle Kommentare von Georg
  9. 09

    Christopher:

    Ich habe leider das Spiel auch nicht verfolgen können, aber mir hat der Artikel gefallen und wahrscheinlich hätte ich ähnliches gedacht! Ich hätte es nur nicht so wunderbar verpacken können.

    09.06.2008 um 12:47 | Antworten
    Alle Kommentare von Christopher
  10. 10

    Georg:

    …aber mir hat der Artikel gefallen und wahrscheinlich hätte ich ähnliches gedacht!

    Fanboy Fanboy!

    10.06.2008 um 04:13 | Antworten
    Alle Kommentare von Georg

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