Die Färbung der Haut von Barack Obama, der auf Fotos deutlich blasser aussieht als Silvio Berlusconi, ist momentan Anlass für zahlreiche Mutproben. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Das Berliner Stadtmagazin Zitty demonstriert souverän das Fehlen redaktioneller Betreuung durch die Titelschlagzeile „Ich bin schwarz - und das ist auch gut so“ und die taz langt mit „Onkel Obamas Hütte“ daneben.
Zur Rechtfertigung fantasiert taz-Auslandsredakteur Bernd Pickert dann:
Welchen größeren Kontrast könnte es geben als den vom unterdrückten, willfährigen Sklaven zum Kandidaten für das höchste Amt der USA?
Pickert, der es besser wissen müsste, macht aus dem Sohn eines aus Kenia stammenden Studenten einen unterdrückten, willfährigen Sklaven. Das ist zwar gut gemeint, aber deshalb nicht richtiger.
Nicht erst seit Obama gibt es in den USA beispielsweise die Debatte, wer von Affirmative Action profitieren dürfe. Jeder mit afrikanischen Wurzeln oder nicht nur jene, die tatsächlich Abkömmlinge von Sklaven sind?
Die Süddeutsche liegt schon richtiger, wenn sie als Obamas Hauptmerkmal die Milieulosigkeit bezeichnet.
Doch auch wenn die Fixierung auf Obamas Hautfarbe (die Artikel, in denen die Frage aufgeworfen wird, ob er nun zu schwarz oder nicht schwarz genug sei, sind Legion) übertrieben wirkt, sollte man als käsebleicher Liberaler in einer Gegenreaktion nicht so tun, als würde die Pigmentierung der Haut nicht die geringste Rolle spielen.
Es ist nämlich auch nicht nebensächlich, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin werden konnte oder Wowereit als bekennender Schwuler Oberberliner.
Ob nun Haut, Geschlecht oder sexuelle Orientierung ein Symbol des gesellschaftlichen Wandels sind oder einfach nur besondere Merkmale dreier individueller Erfolgsgeschichten - es werden so oder so neue Vorbilder geschaffen. Man muss sich nicht mehr allein an 50 Cent, Verona Feldbusch und Udo Walz orientieren. Dass Obama, Merkel und Wowereit wiederum die größtmögliche Annäherung an das Rollenmuster weißer heterosexueller Mann mit stabiler Partnerschaft und soliden Werten darstellen, steht auf einem anderen Blatt.
Bevor ich jetzt auch noch behaupte, ich hätte einen Traum, lieber ein weiterer Aspekt:
Allerorten herrscht bei denen, die beschreiben möchten, dass Obama eher unfriesisch aussieht, Sprachverwirrung.
Das bemerkenswert gestartete Magazin Dummy wollte mit dem geplanten Titel „Neger“ eine Diskussion anstoßen (und Hefte verkaufen - warum übrigens nicht mit dem Titel „Bimbo“) und verkörpert damit eine gerade bei Linken verbreitete Haltung: Wir wissen ja, wo wir stehen, gleichzeitig sind wir schon sehr cool und über Spracheinzäunung, wie sie die politische Korrektheit gebietet, erhaben.
Neger geht einfach gar nicht mehr, auch wenn meine Mutter Neger gesagt hat und in dem Trivial Pursuit, das ich habe (von 1982) gefragt wird: Welcher Neger gewann als Erster eine olympische Goldmedaille im Hundertmeterlauf?
Die Bezeichnung Schwarzer wird in amerikanischen Serien immer mal wieder diskutiert und es scheint ok zu sein, von einem Schwarzen zu reden, wenn man sich kennt.
Afroamerikaner war die letzten Jahre lang der - wenn auch umständliche - Ausdruck, den man in der Öffentlichkeit verwenden sollte, aber vor Kurzem habe ich entdeckt, dass jemand, der in einem amerikanischen Blog von Afroamerikanern sprach, heftigst angefeindet wurde - People of Colour habe man nun zu sagen, wurde er belehrt.
Ich merke gerade, dass diese Aufzählung wirkt, als würde ich die Thematik ironisieren - das ist nicht der Fall. Es geht bei diesem Thema um eine verbale Rücksichtnahme, die aus unfassbar abstoßenden Verbrechen resultiert, die bis in die jüngste Vergangenheit anhielten. Afrikaner wurden versklavt, gelyncht und werden bis heute diskriminiert, Frauen wurden und werden kollektiv als Menschen zweiter Klasse behandelt, Homosexuelle werden heute noch in den meisten Ländern der Welt verfolgt. Als weißer, heterosexueller Mann hat man es sehr gut.
Da kann man sich schon einmal etwas um sprachliche Sensibilität bemühen, auch wenn es nicht ganz leicht ist.
Zum Schluss noch ein Rat an Zitty, Dummy und taz:
Wenn demnächst die große Zerknirschung einsetzt - die politisch korrekte Umschreibung von Barack Obamas Ethnie ist jedenfalls nicht: Er ist farblich herausgefordert.
Und - fast vergessen: Wer geht denn nun hin von euch?
01
Ich überleg noch.Eigentlich kann man sich so ein Spektakel ja nicht entgehen lassen.
Ich geh hin, kost ja nix.
Alle Kommentare von Felix
02
Ich geh’ Obama gucken!
http://youtube.com/watch?v=kr0EnteG9BA
Alle Kommentare von Paolo Pinkel
03
“Dass Obama, Merkel und Wowereit wiederum die größtmögliche Annäherung an das Rollenmuster weißer heterosexueller Mann mit stabiler Partnerschaft und soliden Werten darstellen, steht auf einem anderen Blatt.”
wie bitte?
Alle Kommentare von ovit
04
“Dass Obama, Merkel und Wowereit wiederum die größtmögliche Annäherung an das Rollenmuster weißer heterosexueller Mann mit stabiler Partnerschaft und soliden Werten darstellen, steht auf einem anderen Blatt.”
mal wieder auf den Punkt gebracht. Alles Spießer!
Ich guck hier:
http://www.arte.tv/de/content/tv/02__Communities/C1-history_20and_20society/03-Dossier/2008__01__24__US/07__streaming/obama_20streaming/2134494.html
Alle Kommentare von whitey
05
Wie wär’s denn mit »andersbefarbt«?
Der Braune Mob will übrigens, dass man »schwarz« sagt. Die können das auch erklären, vielleicht hilft’s dir ja weiter. ;)
Alle Kommentare von m.fehn
06
Obama Shirts @ http://robinson-jacuzzi.com/
Alle Kommentare von Robinson
07
Ich fand´s amüsant, wie den selbsternannten Tugendwächtern der PK (taz) dieser Fauxpas unterlaufen konnte….
Was Claudipiep oder Hans-Christian wohl in sozialistischer Empörung dazu zu sagen hatten ?? :))
Alle Kommentare von Viva Hammonia
08
Ich halte es so, wie es mir ein nigerianischer Mitbewohner im Studentenwohnheim gesagt hat: ich nutze das Wort Neger. Besagter Nigerianer bezeichnete sich selbst als solchen und meinte dazu nur: “Nigger ist ein Schimpfwort, Neger ist einfach nur die Bezeichnung eines Menschen mit dunkler Hautfarbe”
Alle Kommentare von flippah
09
Neger kommt von lat. “negrus” zu deutsch “schwarz”
Aber der Begriff ist dennoch negativ behaftet.
Das sehe ja sogar ich ein, obwohl ich ein absoluter Gegner der political correctness bin.
Ich sage Schwarzer.
Die PK führt zu eigenartigen Konstruktionen.
Neben den blöden “Farbigen” tritt bisweilen der “Maximalpigmentierte” als der ultimative politisch korrekte Begriff für einen Schwarzen.
Wobei ich nicht ausschließe, dass der Begriff satirische Ursprünge hat…
Beim Negerkuss bleibe ich dennoch !!
Schließlich sagt man ja auch nicht Roma-und-Sinti-Schnitzel oder ? ;)
Alle Kommentare von Viva Hammonia
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@Viva Hammonia (9):
Das lateinische Wort zu “schwarz” heißt “niger” - was übrigens exakt so ausgesprochen wird wie das englische, natürlich ebenso davon abgeleitete “Nigger”.
Alle Kommentare von Speravir
11
Ich finde Afroamerikaner diskriminierend, denn man meint ja nicht nur die Leute mit der Frisur.
Alle Kommentare von Manniac
12
@Manniac (11):
hihi
Alle Kommentare von Malte Welding
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Wie das Wort Neger im aktuellen deutschen Sprachgebrauch bewertet wird, kann jeder im Duden nachlesen.
Das Wort Schwarzer ist im Falle Obamas, wie auch in meinem Fall, nicht unbedingt beleidigend aber einfach falsch und auch rassistsich motiviert: “Nur ein Tropfen nicht weissen Blutes macht den Menschen zu einem Schwarzen”. Die sogenannte “Ein Tropfen Regel”. Alles ausser die weisse Rasse ist unrein.
Obama ist ein Mulatte mit brauner Hautfarbe. Wie ich. Und so möchte ich auch gern bezeichnet werden.
Aber sicher zählt er sich zur “Black Community” gehörig.
Alle Kommentare von Thomas C
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@Thomas C (13):
gerade mit dem wort mulatte setzt sich larry david in einer curb-your-enthusiasm-folge gehörig in die nesseln.
bi-racial hieße es, wird er dort belehrt:)
Alle Kommentare von Malte Welding
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Vielleicht sollten wir Pantone- oder besser Hex-Werte für die Hautfarbe angeben. Das würde dann auch uns vermeintlich »Weiße « einbeziehen, und alle wären glücklich, zufrieden und wohlbenannt.
Mal gucken, ich wäre… im Augenblick… C8A592-Deutscher.
Alle Kommentare von m.fehn
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@m.fehn (15): Genauso wird es in von Mulatten dominierten Regionen auch gemacht. In diesen Ländern gibt x-verschiedene Bezeichnungen für x-verschiedene Brauntöne. In Mitteleuropa müssten dann halt noch ein paar rosa- und weiß-Töne hinzukommen.
@Malte: “Zahlreiche Mulatten selbst wählen diesen Begriff sehr bewusst, da er der einzige Ausdruck sei, der ihre afrikanisch-europäische Mischidentität beschreibe.” (wikipedia)
Alle Kommentare von Thomas C
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neulich wieder mal aufgefallen, dass pflaster ja so gut wie nur für weisse hergestellt werden (ich glaube, es gibt dunklere, aber nicht besonders häufig), als eins so leuchtend rosa auf einer schwarzen stirn prangte. ich glaub, solche dinge, und die ignoranz/den alltagsrassismus, der da durchkommt, finde ich viel schlimmer, als diesen ewigen sprach-kram um das n-wort. ich versteh ja, dass das schwierig ist, aber die diskussion ist doch immer dieselbe, und es melden sich auch stets erstaunlich wenig schwarze, halbschwarze oder whatever zu wort, wahrscheinlich weil sie die diskutiererei selber so satt haben…ich glaub, als schwarze würde ich lieber 10mal neger irgendwo lesen als einmal mit langsamen stummelsätzen angequatscht werden, weil wieder irgendwer denkt, ich könne kein deutsch.
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