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Pop von Andreas Schepers | 13

Telex

Eigentlich war ich mir in meiner mir eigenen Arroganz sehr sicher, dass ich jederzeit ein umfassendes Stegreifreferat zur Geschichte der elektronischen Pop-Musik halten könnte. Ich hätte von den Anfängen gesprochen, damals in den 70ern in Düsseldorf, wäre in den 80ern an Basildon nicht vorbeigekommen, hätte die 90er in Berlin und Detroit verortet. Nur Belgien am Ende der 70er hätte ich nicht erwähnt. Ein Fehler, wie mir jetzt bewusst wird.

Denn Telex produzierten am Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre lupenreinen Synthie-Pop. Klanglich irgendwo zwischen Kraftwerk und Giorgio Moroder, optisch eher zwischen Trio und Dupond & Dupont.

Das Lieblingsinstrument der Band war der Vocoder, die Spezialiät Coverversionen. So irrititieren Telex 1979 mit einer ultra langsamen Dekonstruktion von Rock Around The Clock:

Mit Moskow Diskow hat Telex einen grösseren Hit. Die Anleihen an Kraftwerks Trans-Europa-Express sind unverkennbar:

1980 nehmen Telex für Belgien am Grand Prix de la Chanson teil. Angeblich mit dem Ziel, letzte zu werden. Leider bekommt Portugal noch weniger Punkte, so daß Belgien nur den vorletzten Platz belegt. Was die Frage aufwirft, wie das passieren konnte, denn an Euro Vision sind einzig die dekorativ platzierten Synthesizer erwähnenswert:

Nach 1981 wird es stiller um Telex. 1989 erscheint ein noch Best-Of-Album mit den alten Songs im aufgefrischten House-Gewand. Übrigens zwei Jahre bevor Kraftwerk mit The Mix ihre alten Kamellen digital aufhübschten. Zuletzt sind Telex mit einem neuen, allerdings wohl ziemlich belanglosen Album und einem brauchbaren Remix für A Pain That I’m Used To von Depeche Mode in Erscheinung getreten.

Telex nicht zu unterschätzende Bedeutung für die elektronische Musik, wie wir sie heute kennen, zeigt sich nicht zu letzt an dem 1998 erschienen Remix-Album, auf dem Techno DJs wie Carl Craig den Belgiern ihre Referenz erweisen.

Heutzutage veröffentlicht Marc Moulin, Kopf von Telex, übrigens erfolgreich Musik auf Blue Note, die zwischen irgendwo zwischen Elektronik, Jazz und Lounge zu Hause ist.

Ein blinder Fleck weniger auf meiner Karte der Musikgeschichte.

Andreas Schepers 15.08.2008 um 15:04

MusikPop

Du kannst kommentieren, oder einen Trackback von deinem Blog aus setzen.


13 Kommentare

  1. 01

    djmq:

    Darf ich bittebitte kurz Eigenwerbung machen? Heute abend gibt es nämlich beim Soulsender eine einstündige Kraftwerk-Retrospektive von mir. Ich find das ja gut. Und passend.

    http://www.soulsender.de/?p=607

    (Und Moskow Diskow ist erschreckend nahe an “Tour de France”)

    15.08.2008 um 15:11 | Antworten
  2. 02

    Andreas Schepers:

    @djmq (1): Na klar darfst Du. Ich frage mich auch gerade, warum ich soulsender.de noch nicht kenne. Hach, man lernt nie aus…

    15.08.2008 um 15:21 | Antworten
  3. 03

    philip:

    Stehgreif? Ist das so eine Art flügellahmer Adler?

    15.08.2008 um 15:56 | Antworten
  4. 04

    Andreas Schepers:

    @philip (3): Das Lektorat ist im Urlaub. Danke! Noch mehr?

    15.08.2008 um 16:09 | Antworten
  5. 05

    corax:

    @djmq (1): Kuhle Mucke, danke.

    @philip (3): Wie krieg ich jetzt den Kaffe aus der Tastatur? ;–)

    @Andreas Schepers (2): Brachten die Belgier nicht auch in anderen Musikrichtungen immer schon sehr strange Sachen?

    15.08.2008 um 16:13 | Antworten
  6. 06

    Andreas Schepers:

    @corax (5): Immerhin brachten sie uns die Protagonisten der Electronic Body Music: Front 242…

    15.08.2008 um 16:32 | Antworten
  7. 07

    Oliver:

    #5
    Jaques Brel z.B. finde ich aber nicht strange…

    15.08.2008 um 16:43 | Antworten
  8. 08

    Meph:

    Belgien ist m.E. ein musikalisch sowie stark unterschätztes Land, auch heutzutage kommen da immer wieder ein paar schöne Sachen her. dEUS, Soulwax und mein geliebtes k’s Choice kennen ja viele, aber Sioen, Ozark Henry und Novastark machen auch schöne Musik. Allerdings nicht elektronisch, vielleicht auch mainstreamig, aber deswegen qualitativ nicht schlecht. Immer wieder ein Ohr wert, der Nachbar.

    15.08.2008 um 16:48 | Antworten
  9. 09

    corax:

    @Andreas Schepers (6):
    @Oliver (7): Ich meinte strange gar nicht negativ, sondern halt meist nicht mainstream.
    Aber ausgerechnet Jaques Brel finde ich dann doch sehr strange. ;–)

    Wenn man sich auf die Schnelle mal die Liste hier anschaut, fühle ich mich auch bestätigt. Vieles davon könnte imho nicht auch einfach aus anderen Ländern stammen.

    15.08.2008 um 17:03 | Antworten
  10. 10

    Julian:

    Ich hab noch einen wegen Referenz/Reverenz und so: hier.

    16.08.2008 um 00:37 | Antworten
  11. 11

    Ludo Kamberlein:

    Analoge Synthies klingen eben DOCH einfach wärmer …

    16.08.2008 um 01:01 | Antworten
  12. 12

    Anderl:

    In Sachen Belgien kann ich nur das Label Crammend Discs empfehlen.

    16.08.2008 um 17:21 | Antworten
  13. 13

    PiPi:

    Habe mir voll die Sonne gegeben.

    Aus dem Stehgreif heraus benenne ich ad hoc:
    http://www.myvideo.de/watch/1247181/Uh_lalala_Bloq_27

    ‘Blinzel’

    16.08.2008 um 20:36 | Antworten

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