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Politik von Malte Welding | 20

Kann sich eine Demokratie zu Tode langweilen?

Steinmeier gegen Merkel also.
Ich werde schon müde, wenn ich diese Namen aufschreibe.
Nun singe ich ja gern das Lob der uncharismatischen Führung, ich finde Sachthemen interessanter als Führerkult und man wird den Deutschen in sich, der, wenn Schröder „Basta“ sagt, die Demokratie am Ende sieht, ja auch nicht los.
Aber Steinmeier gegen Merkel! (Ein Ausrufezeichen ist da grundfalsch, eigentlich müsste an das Ende eines solchen Seufzers ein Semikolon.)

Das ist, als müsse man als Nationaltrainer sein Team aus Spielern der SG Wattenscheid 09 zusammensuchen.
Als müsse man sich entscheiden, ob man die nächsten vier Jahre ausschließlich Haferschleim oder entdinkelte Dinkelgrütze essen will.
Grönemeyer oder Westernhagen.
Cindy oder Bert.
Florian Silbereisen oder Carmen Nebel.
Stumpf- oder Unsinn.

Wie wird man eigentlich Kanzlerkandidat? Google weiß es nicht und dem Grundgesetz ist es egal.
Die eine wurde es beim Frühstück*, der andere bei Kaffee, Orangensaft und Konferenzkeksen. Da tobt die Demokratie, da geraten Herzen in Wallung.

Und dabei täte ein wenig Politisierung der Bevölkerung nicht schlecht.

Arbeitslose werden zu lohnlosen Arbeitern, Atomkraftwerke feiern ein nicht mehr für denkbar gehaltenes Comeback, Gesetze kommen aus Brüssel über uns wie mitternächtliche Erscheinungen und werden in Berlin umgesetzt, ohne dass ein deutscher Wähler gefragt worden wäre.
Mein Gott, selbst über die Rolle der Religion ließe sich ja noch ein wenig streiten.

Stattdessen wird es die nächsten Monate, die sich anfühlen werden wie Hundejahre, darum gehen, wer von den beiden politischen Fliegengewichten den Status Quo verwalten darf.

Da ist man doch gerne Wähler.

*Da ist mir die Geschichte durcheinander geraten. Beim Frühstück wurde natürlich Stoiber Kanzlerkandidat. Danke, C. Sydow!

Malte Welding 08.09.2008 um 13:57

InlandPolitik

Du kannst kommentieren, oder einen Trackback von deinem Blog aus setzen.


20 Kommentare

  1. 01

    Jonas:

    Kann sich ein ehemals relevanter Blog zur Bedeutungslosigkeit lamentieren?

    08.09.2008 um 14:11 | Antworten
  2. 02

    Hr.Lohmann:

    Aber klar wurde der deutsche Wähler gefragt, was er denn gerne für Gesetze aus Brüssel hätte. Bei den Europawahlen. Aber wenn da keiner hingeht…

    Des Weiteren finde ich dieses Status-Quo-verwalten-Geschwafel selbst sehr ermüdend. Es mangelt an Visionen. Und nein, wer Visionen hat, sollte keineswegs zum Arzt.

    08.09.2008 um 14:12 | Antworten
  3. 03

    c.sydow:

    Bei dem Wolfratshausener Frühstück wurde nicht Merkel zur Kanzlerkandidatin sondern Ede Stoiber zum Kandidaten, damals 2002.

    08.09.2008 um 14:49 | Antworten
  4. 04

    Hendrik:

    Das war doch schon häufig so, das man nur die Wahl des weniger schlechten hat.

    08.09.2008 um 14:50 | Antworten
  5. 05

    westernworld:

    die alternativlosigkeit innerhalb des systems spiegelt den verlust des primats der politik innerhalb des gesamtgesellschaftlichen zusammenhangs wieder, wie naiv muß man sein um davon überrascht zu werden?

    08.09.2008 um 14:57 | Antworten
  6. 06

    Georg_:

    Hammer Beitrag, Malte!

    MALTE FOR PRESIDENT!

    08.09.2008 um 14:58 | Antworten
  7. 07

    Malte Welding:

    @westernworld (5):

    aber andererseits: wie abgegessen darf man sein, sich darüber nicht mehr zu ärgern?

    08.09.2008 um 15:03 | Antworten
  8. 08

    Malte Welding:

    @c.sydow (3):

    danke, ist ergänzt!

    08.09.2008 um 15:03 | Antworten
  9. 09

    erlehmann:

    Aber klar wurde der deutsche Wähler gefragt, was er denn gerne für Gesetze aus Brüssel hätte. Bei den Europawahlen.

    Aha.

    08.09.2008 um 15:06 | Antworten
  10. 10

    Olaf:

    Du hast ‘Pest oder Cholera’ vergessen.

    08.09.2008 um 15:10 | Antworten
  11. 11

    Stephan:

    Die Wahl ist ebend nicht der Legobaukasten der Demokratie!

    08.09.2008 um 15:31 | Antworten
  12. 12

    Johanna:

    Ich bin ganz müde jetzt.

    @Olaf Seuchen sind zu spannend.

    08.09.2008 um 15:40 | Antworten
  13. 13

    tschill:

    Den Artikel könnte man gut als Kommentar an Sascha Lobos Liebeserklärung hängen. Oder umgekehrt. Je nachdem, was man aussagen möchte.

    08.09.2008 um 15:48 | Antworten
  14. 14

    otti:

    Durch die Meinungsmache wirtschaftsmächtiger Medienunternehmen “wird man Kanzlerkandidat” und wird es in diesem Fall auch bleiben.
    Gelebte “Demokratie langweilt sich dabei nicht zu Tode”, die geht bei solchen widerwärtigen Machenschaften schlicht und einfach kaputt.

    Der Fall Kurnaz wird selbstverständlich nicht mehr erwähnt, wenn es um die Vita des Kandidaten geht.
    Zu besseren Zeiten hätte eine solche Person ihren Hut genommen.

    08.09.2008 um 15:52 | Antworten
  15. 15

    Marc:

    Kann sich ein Blogleser beim Lesen beim Quälen durch vermeintlich kritisch-politische Allgemeinplätze zu Tode langeweilen?

    08.09.2008 um 16:04 | Antworten
  16. 16

    maniacator:

    Malte, hast du schon Sascha Lobos Artikel gelesen?
    Alles wird gut! Das Internet wirds schon richten… Freiheit für alle… Keine Panik! Don’t be evil!

    ungeregelte Arbeitszeiten!
    keine Arbeitslosigkeit!
    Kultur für alle!
    alles umsonst!
    jeder dabei!
    keine Sorgen!

    Danke, Internet!

    .
    .
    .
    .

    NOT!(?)

    08.09.2008 um 16:19 | Antworten
  17. 17

    Frank:

    @Olaf (10):

    Richtig. Und Not gegen Elend. Skylla und Charybdis. Sind beide nicht das, was die BRD braucht aber der Bürger wird ja nicht gefragt. Er soll sein Kreuzchen bei einer der etablierten Parteien machen und die Klappe halten.

    gruß

    08.09.2008 um 16:19 | Antworten
  18. 18

    Helmut Kohl:

    @otti (14): Merkels damalige Tätigkeit als Kreisleitung und Sekretärin für Agitation und Propaganda bei der FDJ ist ja auch nie Thema.

    Küppersbusch in der taz über Steinmeier:
    Steinmeier hat durchgesetzt, dass er gegen Merkel verlieren darf. Das ist gut, so bleiben Kandidaten mit Perspektive unbeschädigt. Steinmeier ist ein klares Angebot an die Linkspartei, sich auch künftig ungefähr ein Drittel des SPD-Erbes anzumaßen. Die graue Eminenz aus Schröders Kanzleramt steht für Agenda, für CIA-Machenschaften und für die krass russophobe Außenpolitik Merkels. In einer gefühlten Brandt-SPD wäre er rechter Rand. Nun kann Merkel heiter-gelassen die Gangart in der Außenpolitik verschärfen, und schon zerfleischen einander Frank und Walter.

    08.09.2008 um 18:24 | Antworten
  19. 19

    Schmierwurst:

    SPD-Mitglieder hatten vor langer Zeit mal die Möglichkeit ihren Kanzlerkandidaten in einer Urwahl zu wählen und haben Rudolf Scharping ins Rennen geschickt. Auch diese Fußnote der Geschichte ist einer der vielen Belege, daß Demokratie nicht immer und unbedingt gut ist.

    08.09.2008 um 19:23 | Antworten
  20. 20

    Kreuzberger:

    Morgen wird die “O2-World” in Kreuzberg-Friedrichshain eröffnet. Kein Grund zu feiern: Gentrifizierung (http://de.wikipedia.org/wiki/Gentrifizierung), sprich höhere Mieten/Lebenserhaltungskosten im Kiez führt zu einer Verdrängung sozial-schwächeren alteingesessenen Bewohnern.

    infos: http://www.ms-versenken.org/ http://www.kreuzberg-info.de/pirati/

    Aus Protest gegen die Eröffnung findet morgen eine Protestdemonstration statt, zu der Sie, meine lieben Spreeblick-Blogger herzlich eingeladen sind.
    Treffpunkt ist 17.30h am Kottbusser Tor.

    09.09.2008 um 19:36 | Antworten

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