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> <channel><title>Comments on: Sturmwarnung in Reimen</title> <atom:link href="http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/</link> <description>I live by the river!</description> <lastBuildDate>Fri, 10 Feb 2012 06:39:42 +0000</lastBuildDate> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=3.3</generator> <item><title>By: Frédéric Valin</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/comment-page-1/#comment-717642</link> <dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator> <pubDate>Wed, 27 May 2009 11:15:51 +0000</pubDate> <guid
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isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=18620#comment-717591</guid> <description>Mein Schifflein lief im wilden Meer,
Geschlahen von Sturmwinden;
Das Segel war zurissen sehr,
Kein Ruder konnt ich finden;
Kein Schiffmann da vorhanden war,
Auf allen Seiten war Gefahr,
Kein Sternlein ließ sich blicken.
Wie bet&#039;t, wie gab ich gute Wort,
Bis endlich durch gewünschten Port
Mich Armor tät erquicken.
Drum ich dem Göttlein blind zu Dank
Mein Herz vouvier mein Lebelang.(vouvier: gelobe, weihe)        Johann Hermann Schein, 1624</description> <content:encoded><![CDATA[<p>Mein Schifflein lief im wilden Meer,<br
/> Geschlahen von Sturmwinden;<br
/> Das Segel war zurissen sehr,<br
/> Kein Ruder konnt ich finden;<br
/> Kein Schiffmann da vorhanden war,<br
/> Auf allen Seiten war Gefahr,<br
/> Kein Sternlein ließ sich blicken.<br
/> Wie bet&#8217;t, wie gab ich gute Wort,<br
/> Bis endlich durch gewünschten Port<br
/> Mich Armor tät erquicken.<br
/> Drum ich dem Göttlein blind zu Dank<br
/> Mein Herz vouvier mein Lebelang.</p><p>(vouvier: gelobe, weihe)        Johann Hermann Schein, 1624</p> ]]></content:encoded> </item> <item><title>By: Jakob</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/comment-page-1/#comment-717583</link> <dc:creator>Jakob</dc:creator> <pubDate>Tue, 26 May 2009 19:20:58 +0000</pubDate> <guid
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isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=18620#comment-717567</guid> <description>Mist das Gedicht, dass hier vorher stand, war gar kein Sturmgedicht. Hatte gedacht Weltuntergang wäre das Thema. Sorry.</description> <content:encoded><![CDATA[<p>Mist das Gedicht, dass hier vorher stand, war gar kein Sturmgedicht. Hatte gedacht Weltuntergang wäre das Thema. Sorry.</p> ]]></content:encoded> </item> <item><title>By: Jan(TM)</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/comment-page-1/#comment-717564</link> <dc:creator>Jan(TM)</dc:creator> <pubDate>Tue, 26 May 2009 16:23:29 +0000</pubDate> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=18620#comment-717564</guid> <description>Da fehlt noch was aus Frankreich:Charles BaudelaireDER ALBATROSOft kommt es, dass das Schiffsvolk zum Vergnügen
Die Albatrosse, die großen Vögel, fängt
Die sorglos folgen wenn auf seinen Zügen
Das Schiff sich durch die schlimmen Klippen zwängt.Kaum sind sie unten auf des Deckes Gängen
Als sie die Herrn im Azur ungeschickt
Die großen weißen Flügel traurig hängen
Und an der Seife schleifen wie geknickt.Er sonst so flink ist nun der matte steife.
Der Lüfte König duldet Spott und Schmach:
Der eine neckt ihn mit der Tabakspfeife
Ein andrer ahmt den Flug des Armen nach.Der Dichter ist wie jener Fürst der Wolke
Er haust im Sturm, er lacht dem Bogenstrang.
Doch hindern drunten zwischen frechem Volke
Die riesenhaften Flügel ihn am Gang.</description> <content:encoded><![CDATA[<p>Da fehlt noch was aus Frankreich:</p><p>Charles Baudelaire</p><p>DER ALBATROS</p><p>Oft kommt es, dass das Schiffsvolk zum Vergnügen<br
/> Die Albatrosse, die großen Vögel, fängt<br
/> Die sorglos folgen wenn auf seinen Zügen<br
/> Das Schiff sich durch die schlimmen Klippen zwängt.</p><p>Kaum sind sie unten auf des Deckes Gängen<br
/> Als sie die Herrn im Azur ungeschickt<br
/> Die großen weißen Flügel traurig hängen<br
/> Und an der Seife schleifen wie geknickt.</p><p>Er sonst so flink ist nun der matte steife.<br
/> Der Lüfte König duldet Spott und Schmach:<br
/> Der eine neckt ihn mit der Tabakspfeife<br
/> Ein andrer ahmt den Flug des Armen nach.</p><p>Der Dichter ist wie jener Fürst der Wolke<br
/> Er haust im Sturm, er lacht dem Bogenstrang.<br
/> Doch hindern drunten zwischen frechem Volke<br
/> Die riesenhaften Flügel ihn am Gang.</p> ]]></content:encoded> </item> <item><title>By: Frédéric Valin</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/comment-page-1/#comment-717563</link> <dc:creator>Frédéric Valin</dc:creator> <pubDate>Tue, 26 May 2009 16:22:54 +0000</pubDate> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=18620#comment-717563</guid> <description>Boah. Ich danke. Sonntag gibts Pfannkuchen.</description> <content:encoded><![CDATA[<p>Boah. Ich danke. Sonntag gibts Pfannkuchen.</p> ]]></content:encoded> </item> <item><title>By: ihdl</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/comment-page-1/#comment-717562</link> <dc:creator>ihdl</dc:creator> <pubDate>Tue, 26 May 2009 16:21:44 +0000</pubDate> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=18620#comment-717562</guid> <description>über das von hoddis gedicht habe ich meine abiturprüfung geschrieben :)</description> <content:encoded><![CDATA[<p>über das von hoddis gedicht habe ich meine abiturprüfung geschrieben :)</p> ]]></content:encoded> </item> <item><title>By: Jan(TM)</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/comment-page-1/#comment-717561</link> <dc:creator>Jan(TM)</dc:creator> <pubDate>Tue, 26 May 2009 16:18:39 +0000</pubDate> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=18620#comment-717561</guid> <description>Rainer Maria Rilke:AUS EINER STURMNACHTDie Nacht, vom wachsenden Sturme bewegt,
wie wird sie auf einmal weit -,
als bliebe sie sonst zusammengelegt
in die kleinlichen Falten der Zeit.
Wo die Sterne ihr wehren, dort endet sie nicht
und beginnt nicht mitten im Wald
und nicht an meinem Angesicht
und nicht mit deiner Gestalt.
Die Lampen stammeln und wissen nicht:
lügen wir Licht?
Ist die Nacht die einzige Wirklichkeit
seit Jahrtausenden...In solchen Nächten kannst du in den Gassen
Zukünftigen begegnen, schmalen blassen
Gesichtern, die dich nicht erkennen
und dich schweigend vorüberlassen.
Aber wenn sie zu reden begännen,
wärst du ein Langevergangener
wie du da stehst, langeverwest.
Doch sie bleiben im Schweigen wie Tote,
obwohl sie die Kommenden sind.
Zukunft beginnt noch nicht.
Sie halten nur ihr Gesicht in die Zeit
und können, wie unter Wasser, nicht schauen;
und ertragen sie&#039;s doch eine Weile,
sehn sie wie unter den Wellen: die Eile
von Fischen und das Tauchen von Tauen.In solchen Nächten gehn die Gefängnisse auf.
Und durch die bösen Träume der Wächter
gehn mit leisem Gelächter die Verächter ihrer Gewalt.
Wald! Sie kommen zu dir, um in dir zu schlafen,
mit ihren langen Strafen behangen.
Wald!In solchen Nächten ist auf einmal Feuer
in einer Oper. Wie ein Ungeheuer
beginnt der Riesenraum mit seinen Rängen
Tausende, die sich in ihm drängen,
zu kauen.
Männer und Frauen stauen sich in den Gängen,
und wie sich alle aneinander hängen,
bricht das Gemäuer, und es reißt sie mit.
Und niemand weiß mehr wer ganz unten litt;
während ihm einer schon das Herz zertritt,
sind seine Ohren noch ganz voll von Klängen,
die dazu hingehn...In solchen Nächten, wie vor vielen Tagen,
fangen die Herzen in den Sarkophagen
vergangner Fürsten wieder an zu gehn;
und so gewaltig drängt ihr Wiederschlagen
gegen die Kapseln, welche widerstehn,
dass sie die goldnen Schalen weitertragen
durch Dunkel und Damaste, die zerfallen.
Schwarz schwankt der Dom mit allen seinen Hallen.
Die Glocken, die sich in die Türme krallen,
hängen wie Vögel, bebend stehn die Türen,
und an den Trägern zittert jedes Glied:
als trügen seinen gründenden Granit
blinde Schildkröten, die sich rühren.In solchen Nächten wissen die Unheilbaren:
wir waren...
Und sie denken unter den Kranken
einen einfachen guten Gedanken
weiter, dort, wo er abbrach.
Doch von den Söhnen, die sie gelassen,
geht der Jüngste vielleicht in den einsamsten Gassen;
denn gerade diese Nächte sind ihm als ob
er zum ersten Mal dächte:
lange lag es über ihm bleiern,
aber jetzt wird sich alles entschleiern -,
und: dass er das feiern wird, fühlt er...In solchen Nächten sind alle die Städte gleich,
alle beflaggt.
Und an den Fahnen vom Sturm gepackt
und wie an Haaren hinausgerissen
in irgend ein Land mit ungewissen
Umrissen und Flüssen.
In allen Gärten ist dann ein Teich,
an jedem Teiche dasselbe Haus,
in jedem Hause dasselbe Licht;
und alle Menschen sehn ähnlich aus
und halten die Hände vorm Gesicht.In solchen Nächten werden die Sterbenden klar,
greifen sich leise ins wachsende Haar,
dessen Halme aus ihres Schädels Schwäche
in diesen langen Tagen treiben,
als wollten sie über der Oberfläche
des Todes bleiben.
Ihre Gebärde geht durch das Haus
als wenn überall Spiegel hingen;
und sie geben - mit diesem Graben
in ihren Haaren - Kräfte aus,
die sie in Jahren gesammelt haben,
welche vergingen.In solchen Nachten wächst mein Schwesterlein,
das vor mir war und vor mir starb, ganz klein.
Viel solche Nächte waren schon seither:
Sie muss schon schön sein. Bald wird irgendwer
sie frein.(1901)</description> <content:encoded><![CDATA[<p>Rainer Maria Rilke:</p><p>AUS EINER STURMNACHT</p><p>Die Nacht, vom wachsenden Sturme bewegt,<br
/> wie wird sie auf einmal weit -,<br
/> als bliebe sie sonst zusammengelegt<br
/> in die kleinlichen Falten der Zeit.<br
/> Wo die Sterne ihr wehren, dort endet sie nicht<br
/> und beginnt nicht mitten im Wald<br
/> und nicht an meinem Angesicht<br
/> und nicht mit deiner Gestalt.<br
/> Die Lampen stammeln und wissen nicht:<br
/> lügen wir Licht?<br
/> Ist die Nacht die einzige Wirklichkeit<br
/> seit Jahrtausenden&#8230;</p><p>In solchen Nächten kannst du in den Gassen<br
/> Zukünftigen begegnen, schmalen blassen<br
/> Gesichtern, die dich nicht erkennen<br
/> und dich schweigend vorüberlassen.<br
/> Aber wenn sie zu reden begännen,<br
/> wärst du ein Langevergangener<br
/> wie du da stehst, langeverwest.<br
/> Doch sie bleiben im Schweigen wie Tote,<br
/> obwohl sie die Kommenden sind.<br
/> Zukunft beginnt noch nicht.<br
/> Sie halten nur ihr Gesicht in die Zeit<br
/> und können, wie unter Wasser, nicht schauen;<br
/> und ertragen sie&#8217;s doch eine Weile,<br
/> sehn sie wie unter den Wellen: die Eile<br
/> von Fischen und das Tauchen von Tauen.</p><p>In solchen Nächten gehn die Gefängnisse auf.<br
/> Und durch die bösen Träume der Wächter<br
/> gehn mit leisem Gelächter die Verächter ihrer Gewalt.<br
/> Wald! Sie kommen zu dir, um in dir zu schlafen,<br
/> mit ihren langen Strafen behangen.<br
/> Wald!</p><p>In solchen Nächten ist auf einmal Feuer<br
/> in einer Oper. Wie ein Ungeheuer<br
/> beginnt der Riesenraum mit seinen Rängen<br
/> Tausende, die sich in ihm drängen,<br
/> zu kauen.<br
/> Männer und Frauen stauen sich in den Gängen,<br
/> und wie sich alle aneinander hängen,<br
/> bricht das Gemäuer, und es reißt sie mit.<br
/> Und niemand weiß mehr wer ganz unten litt;<br
/> während ihm einer schon das Herz zertritt,<br
/> sind seine Ohren noch ganz voll von Klängen,<br
/> die dazu hingehn&#8230;</p><p>In solchen Nächten, wie vor vielen Tagen,<br
/> fangen die Herzen in den Sarkophagen<br
/> vergangner Fürsten wieder an zu gehn;<br
/> und so gewaltig drängt ihr Wiederschlagen<br
/> gegen die Kapseln, welche widerstehn,<br
/> dass sie die goldnen Schalen weitertragen<br
/> durch Dunkel und Damaste, die zerfallen.<br
/> Schwarz schwankt der Dom mit allen seinen Hallen.<br
/> Die Glocken, die sich in die Türme krallen,<br
/> hängen wie Vögel, bebend stehn die Türen,<br
/> und an den Trägern zittert jedes Glied:<br
/> als trügen seinen gründenden Granit<br
/> blinde Schildkröten, die sich rühren.</p><p>In solchen Nächten wissen die Unheilbaren:<br
/> wir waren&#8230;<br
/> Und sie denken unter den Kranken<br
/> einen einfachen guten Gedanken<br
/> weiter, dort, wo er abbrach.<br
/> Doch von den Söhnen, die sie gelassen,<br
/> geht der Jüngste vielleicht in den einsamsten Gassen;<br
/> denn gerade diese Nächte sind ihm als ob<br
/> er zum ersten Mal dächte:<br
/> lange lag es über ihm bleiern,<br
/> aber jetzt wird sich alles entschleiern -,<br
/> und: dass er das feiern wird, fühlt er&#8230;</p><p>In solchen Nächten sind alle die Städte gleich,<br
/> alle beflaggt.<br
/> Und an den Fahnen vom Sturm gepackt<br
/> und wie an Haaren hinausgerissen<br
/> in irgend ein Land mit ungewissen<br
/> Umrissen und Flüssen.<br
/> In allen Gärten ist dann ein Teich,<br
/> an jedem Teiche dasselbe Haus,<br
/> in jedem Hause dasselbe Licht;<br
/> und alle Menschen sehn ähnlich aus<br
/> und halten die Hände vorm Gesicht.</p><p>In solchen Nächten werden die Sterbenden klar,<br
/> greifen sich leise ins wachsende Haar,<br
/> dessen Halme aus ihres Schädels Schwäche<br
/> in diesen langen Tagen treiben,<br
/> als wollten sie über der Oberfläche<br
/> des Todes bleiben.<br
/> Ihre Gebärde geht durch das Haus<br
/> als wenn überall Spiegel hingen;<br
/> und sie geben &#8211; mit diesem Graben<br
/> in ihren Haaren &#8211; Kräfte aus,<br
/> die sie in Jahren gesammelt haben,<br
/> welche vergingen.</p><p>In solchen Nachten wächst mein Schwesterlein,<br
/> das vor mir war und vor mir starb, ganz klein.<br
/> Viel solche Nächte waren schon seither:<br
/> Sie muss schon schön sein. Bald wird irgendwer<br
/> sie frein.</p><p>(1901)</p> ]]></content:encoded> </item> <item><title>By: Henker</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/comment-page-1/#comment-717559</link> <dc:creator>Henker</dc:creator> <pubDate>Tue, 26 May 2009 16:08:20 +0000</pubDate> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=18620#comment-717559</guid> <description>Abklingendes AprilgewitterAus grauem Himmel
sticht die Sonne.Jagende Wolken, blendendes Blau!
Ins grüne Gras greift der Wind, die Silberweiden sträuben sich.Plötzlich  -  still.Auf einem jungen Erlenbaum
wiegen sich blinkende Tropfen!
Arno HolzWolkenAm nächtigen Himmel
Ein Drängen und Dehnen,
Wolkengewimmel
In hastigem Sehnen,In lautloser Hast
- Von welchem Zug
Gebietend erfasst? -
Gleitet ihr Flug,Es schwankt gigantisch
Im Mondesglanz
Auf meiner Seele
Ihr Schattentanz,Wogende Bilder,
Kaum noch begonnen,
Wachsen sie wilder,
Sind sie zerronnen,Ein loses Schweifen ...
Ein Halb-Verstehn ...
Ein Flüchtig-Ergreifen ...
Ein Weiterwehn ...Ein lautloses Gleiten,
Ledig der Schwere,
Durch aller Weiten
Blauende Leere.
Hugo von HofmannsthalDamon und Theodor
Der schwarze Himmel drohte der Welt den fürchterlichsten Beschluss des schönsten Sommertages. Noch ruhten Damon und Theodor unter einer kühlenden Laube; zwei Freunde, die der Welt ein rares Beispiel würden gewesen sein, wenn sie die Welt zum Zeugen ihrer Freundschaft gebraucht hätten. Einer fand in des andern Umarmungen, was der Himmel nur die Tugendhaften finden lässt. Ihre Seelen vermischten sich durch die zärtlichsten Gespräche, in welchen sich Scherz und Ernst unzertrennlich verknüpften. Der Donner rollte stürmisch in der Luft und beugte die Knie heuchlerischer Knechte. Was aber hat die Tugend zu fürchten, wenn Gott den Lasterhaften drohet? Damon und Theodor blieben geruhig - - - Doch schnell stand in dem Damon ein fürchterlicher Gedanke auf: wie, wenn ein solcher Schlag mir meinen Freund von der Seite risse? - - So schnell als dieser Gedanke sein Herz mit Schrecken übergoss und die Heiterkeit aus seinen Blicken vertilgte, so schnell sah er ihn - - unerforschliches Schicksal! - - wahr gemacht. Theodor fiel tot zu seinen Füßen, und der Blitz kehrte triumphierend zurück. Rechte des Donnergottes, schrie Damon, wenn du auf mich gezielt hast, so hast du mich nur allzuwohl getroffen. Er zog sein Schwert aus und verschied auf seinem Freunde.
Zärtliche Seelen, werdet ihr dieser Geschichte eine heilige Träne zollen? Weinet, und empfindet in eurer lebhaften Vorstellung die Süßigkeit mit einem Freunde zu sterben.
Gotthold Ephraim LessingDie Eiche
Der rasende Nordwind hatte seine Stärke in einer stürmischen Nacht an einer erhabenen Eiche bewiesen. Nun lag sie gestreckt, und eine Menge niedriger Sträucher lagen unter ihr zerschmettert. Ein Fuchs, der seine Grube nicht weit davon hatte, sah sie des Morgens darauf. &quot;Was für ein Baum!&quot; rief er. &quot;Hätte ich doch nimmermehr gedacht, dass er so groß gewesen wäre!&quot;
Gotthold Ephraim LessingDie Sonne und der Wind
Einst stritten sich die Sonne und der Wind, wer von ihnen beiden der Stärkere sei, und man ward einig, derjenige solle dafür gelten, der einen Wanderer, den sie eben vor sich sahen, am ersten nötigen würde, seinen Mantel abzulegen.
Sogleich begann der Wind zu stürmen; Regen und Hagelschauer unterstützten ihn. Der arme Wanderer jammerte und zagte; aber immer fester wickelte er sich in seinen Mantel ein und setzte seinen Weg fort, so gut er konnte.
Jetzt kam die Reihe an die Sonne. Mit milder und sanfter Glut ließ sie ihre Strahlen herabfallen. Himmel und Erde wurden heiter; die Lüfte erwärmten sich. Der Wanderer vermochte den Mantel nicht länger auf seinen Schultern zu erdulden. Er warf ihn ab und erquickte sich im Schatten eines Baumes, während sich die Sonne ihres Sieges freute.
Johann Gottfried Herder</description> <content:encoded><![CDATA[<p>Abklingendes Aprilgewitter</p><p>Aus grauem Himmel<br
/> sticht die Sonne.</p><p>Jagende Wolken, blendendes Blau!<br
/> Ins grüne Gras greift der Wind, die Silberweiden sträuben sich.</p><p>Plötzlich  &#8211;  still.</p><p>Auf einem jungen Erlenbaum<br
/> wiegen sich blinkende Tropfen!<br
/> Arno Holz</p><p>Wolken</p><p>Am nächtigen Himmel<br
/> Ein Drängen und Dehnen,<br
/> Wolkengewimmel<br
/> In hastigem Sehnen,</p><p>In lautloser Hast<br
/> - Von welchem Zug<br
/> Gebietend erfasst? -<br
/> Gleitet ihr Flug,</p><p>Es schwankt gigantisch<br
/> Im Mondesglanz<br
/> Auf meiner Seele<br
/> Ihr Schattentanz,</p><p>Wogende Bilder,<br
/> Kaum noch begonnen,<br
/> Wachsen sie wilder,<br
/> Sind sie zerronnen,</p><p>Ein loses Schweifen &#8230;<br
/> Ein Halb-Verstehn &#8230;<br
/> Ein Flüchtig-Ergreifen &#8230;<br
/> Ein Weiterwehn &#8230;</p><p>Ein lautloses Gleiten,<br
/> Ledig der Schwere,<br
/> Durch aller Weiten<br
/> Blauende Leere.<br
/> Hugo von Hofmannsthal</p><p>Damon und Theodor<br
/> Der schwarze Himmel drohte der Welt den fürchterlichsten Beschluss des schönsten Sommertages. Noch ruhten Damon und Theodor unter einer kühlenden Laube; zwei Freunde, die der Welt ein rares Beispiel würden gewesen sein, wenn sie die Welt zum Zeugen ihrer Freundschaft gebraucht hätten. Einer fand in des andern Umarmungen, was der Himmel nur die Tugendhaften finden lässt. Ihre Seelen vermischten sich durch die zärtlichsten Gespräche, in welchen sich Scherz und Ernst unzertrennlich verknüpften. Der Donner rollte stürmisch in der Luft und beugte die Knie heuchlerischer Knechte. Was aber hat die Tugend zu fürchten, wenn Gott den Lasterhaften drohet? Damon und Theodor blieben geruhig &#8211; - &#8211; Doch schnell stand in dem Damon ein fürchterlicher Gedanke auf: wie, wenn ein solcher Schlag mir meinen Freund von der Seite risse? &#8211; - So schnell als dieser Gedanke sein Herz mit Schrecken übergoss und die Heiterkeit aus seinen Blicken vertilgte, so schnell sah er ihn &#8211; - unerforschliches Schicksal! &#8211; - wahr gemacht. Theodor fiel tot zu seinen Füßen, und der Blitz kehrte triumphierend zurück. Rechte des Donnergottes, schrie Damon, wenn du auf mich gezielt hast, so hast du mich nur allzuwohl getroffen. Er zog sein Schwert aus und verschied auf seinem Freunde.<br
/> Zärtliche Seelen, werdet ihr dieser Geschichte eine heilige Träne zollen? Weinet, und empfindet in eurer lebhaften Vorstellung die Süßigkeit mit einem Freunde zu sterben.<br
/> Gotthold Ephraim Lessing</p><p>Die Eiche<br
/> Der rasende Nordwind hatte seine Stärke in einer stürmischen Nacht an einer erhabenen Eiche bewiesen. Nun lag sie gestreckt, und eine Menge niedriger Sträucher lagen unter ihr zerschmettert. Ein Fuchs, der seine Grube nicht weit davon hatte, sah sie des Morgens darauf. &#8220;Was für ein Baum!&#8221; rief er. &#8220;Hätte ich doch nimmermehr gedacht, dass er so groß gewesen wäre!&#8221;<br
/> Gotthold Ephraim Lessing</p><p>Die Sonne und der Wind<br
/> Einst stritten sich die Sonne und der Wind, wer von ihnen beiden der Stärkere sei, und man ward einig, derjenige solle dafür gelten, der einen Wanderer, den sie eben vor sich sahen, am ersten nötigen würde, seinen Mantel abzulegen.<br
/> Sogleich begann der Wind zu stürmen; Regen und Hagelschauer unterstützten ihn. Der arme Wanderer jammerte und zagte; aber immer fester wickelte er sich in seinen Mantel ein und setzte seinen Weg fort, so gut er konnte.<br
/> Jetzt kam die Reihe an die Sonne. Mit milder und sanfter Glut ließ sie ihre Strahlen herabfallen. Himmel und Erde wurden heiter; die Lüfte erwärmten sich. Der Wanderer vermochte den Mantel nicht länger auf seinen Schultern zu erdulden. Er warf ihn ab und erquickte sich im Schatten eines Baumes, während sich die Sonne ihres Sieges freute.<br
/> Johann Gottfried Herder</p> ]]></content:encoded> </item> <item><title>By: Jan(TM)</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/comment-page-1/#comment-717558</link> <dc:creator>Jan(TM)</dc:creator> <pubDate>Tue, 26 May 2009 16:07:55 +0000</pubDate> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=18620#comment-717558</guid> <description>Erich Mühsam
SeenotDer Kapitän, der Steuermann,
vom Deck die Offiziere
schaun sorgenvoll den Himmel an.
Ein rascher Blick fällt dann und wann
auch auf die Passagiere.Das räkelt faul den Bauch an Bord,
schlemmt in der Luxusmesse,
das lacht und prahlt und flucht: Potz Mord!
und karessiert, Bankier wie Lord,
die blonde Stewardesse.Das führt Devisen mit und bar,
gab Gold in erznen Urnen
den sich&#039;ren Kojen in Verwahr-
und droht dem Dampfer Sturmgefahr,
dann mag die Mannschaft turnen.Die Mannschaft turnt. In Rauch und Dreck
schleppt sie und keucht und schuftet
und riecht bei zähem Schiffsgebäck,
wie Bratenbrüh und Rahmgeschleck
aus der Kajüte duftet.Die See geht hoch, scharf geht der Wind,
hart poltert die Maschine.
Die Hände regen sich geschwind
um Kessel, Reling und Gewind,
um Großtopp und Turbine.Da tritt ein Bootsmann vor und spricht
gepreßt durch bleiche Lippen:
&quot;Kap&#039;tän, die Schotten schließen nicht.
Wenn achtern die Verschalung bricht,
ist&#039;s aus; dann hilft kein Schippen.&quot;&quot;Ach, Unsinn.&quot; Doch der Seemann knackt
nervös mit seinen Fingern.
Er hört des Motors falschen Takt,
er fühlt, wenn Flut die Planken packt,
den ganzen Kasten schlingern.Schon lange klagt der Maschinist;
der Kessel will nicht heizen.
Das Schiff verzögert seine Frist,
und im Proviantraum nagt und frißt
die Feuchtigkeit am Weizen.Der Steuermann zeigt ohne Wort
nach dem Gewölk im Norden.
Das letzte Himmelsblau glitt fort.
Wo eben Lichter spielten, dort
ist graue Nacht geworden.Die grünen Wogen trommeln dumpf
und drohend ihre Weisen.
Im Zwischendeck, im Dampferrumpf
drängt sich&#039;s, mit Augen bang und stumpf.
Hier ist die Not auf Reisen.Mittschiffs jedoch im Aufbausaal,
da sprühn des Reichtums Wunder,
Musik jauchzt toll zum Bacchanal,
Juwelen blitzen ohne Zahl
bei Austern und Burgunder.Vor einer Flasche Haute-Sauterne,
im Mund die Zigarette,
am Ecktisch sitzen ein paar Herrn,
die Brust geschmückt mit Band und Stern,
die Uhr an goldner Kette.Sie kümmert nicht der Damenflor,
das Flirten und Scharmieren.
Sie beugen ihre Glatzen vor
und flüstern in des Nachbars Ohr
von Aktien und Papieren.&quot;Hier noch ein Kognak extra fein!&quot;
Die Stewards huschen schweigend
mit Mokka, Schnaps, Biskuit und Wein.
Da tritt der Kapitän herein,
sich links und rechts verneigend.Man dankt dem Seemann frohgelaunt,
sieht ihn zum Ecktisch schreiten.
Ein dicker Herr steht auf. Man raunt.
Die andern sehn den Gast erstaunt
den Kapitän begleiten.Der, wie dem Hauptmann der Soldat,
hebt an, Bericht zu geben:
&quot;Gefahr droht, Herr Kommerzienrat.
Ich fürchte, schweres Wetter naht.
Es geht um Schiff und Leben!&quot; -&quot;Doch nicht die erste Klasse, wie?
Soll&#039;n wir vielleicht ersaufen?&quot; -
&quot;Das Schiff ist nach der Havarie
beim großen Sturm - ich warnte Sie -
zu früh vom Dock gelaufen.Zweitausend Menschen - und die Fracht;
wir haben schwer geladen.
Wenn man den Dampfer leichter macht,
wird er, so hoff ich, flottgebracht.
Sonst steh ich nicht für Schaden.&quot; -&quot;Was sagt die Mannschaft?&quot; - &quot;Oh, die faßt
forsch zu an allen Bänken;
schimpft auch auf den Kajütengast
und will, ich soll als erste Last
Ihr Gold ins Meer versenken.&quot; -&quot;Mein Gold?! Den Plan, verdammte Brut,
den mach ich euch zuschanden!
Bevor ein Ünzlein in die Flut
versinkt, fliegt alles Mannschaftsgut
erst über Bord! Verstanden?!&quot; -&quot;Sie spaßen!&quot; ruft der Kapitän.
&quot;Wir würden grenzenlosen,
furchtbaren Haß und Aufruhr sä&#039;n.
Ich will nach andrer Rettung spähn -
Hand weg von den Matrosen!Es sind an Bord zehn Kisten Horn
und tausend Cheviotballen,
dann noch, im großen Kühlraum vorn,
dreihundert Tonnen Weizenkorn.
Das mag als Ballast fallen!&quot;Der Dicke schnaubt: &quot;Sie können frei
als Kapitän ermessen.
Jedoch das ist an Land vorbei,
und ich bin Chef der Reederei -
wolln Sie das nicht vergessen!Mein ist das Horn und mein das Tuch,
mein das Getreidelager.
Geht von der Ladung was in Bruch,
versichert steht die Fracht zu Buch
bei meinem Freund und Schwager!&quot;Da kommt der Erste Offizier:
&quot;Das Löschen muß beginnen.
Am Steven dringt das Wasser schier
in Strömen ein. Bald sehen wir
es in die Kojen rinnen.&quot; -&quot;Gut. Über Bord-Befehl ist da! -
die Koffer und die Fetzen
der Mannschaft - samt Harmonika
und Priem. Es wird den Schaden ja
die Reederei ersetzen. -Das ist ein Tropfen auf ein Faß.
Doch muß man es versuchen.&quot;
Der Offizier begibt sich blaß
zu seinen Leuten: dies und das -
da hilft kein Drohn und Fluchen.Das Schiffsvolk disputiert und läuft.
&quot;Was? Unsre paar Klamotten!
Und hinten liegt das Gold gehäuft
in Urnen!&quot; - Und das Wasser säuft
sich glucksend durch die Schotten.&quot;Die Bande lebt in Saus und Braus!
Wir streiken!&quot; rufen Stimmen.
&quot;Pumpt euch allein das Wasser raus!
Von uns aus könnt mit Ratz und Maus
ihr an das Festland schwimmen!&quot;Man legt das Werkzeug aus der Hand.
Ein Teil nur bleibt beim Schöpfen.
Ganz langsam steigt der Wasserrand.
Die Streiker sind aus Rand und Band
und schrein mit heißen Köpfen.Der Kaufherr rennt zum Zwischendeck -:
&quot;Hört ihr den Lärm da oben?
Man meutert, und das Schiff ist leck!
Faßt ihr mit an zum guten Zweck -
dann ist die Not behoben.&quot; -&quot;Nothilfe! Vorwärts! Du und du!
Wir strafen die Gesellen!&quot;
Und viele Hände greifen zu.
Des Schiffsvolks Hab und Gut im Nu
verschwindet in den Wellen.Die Mannschaft starrt ihm nach. Parbleu!
Wut blitzt durch ihre Lider.
Der Kiel steigt etwas in die Höh.
Von Norden her pfeift eine Bö.
Das Wetter senkt sich wieder.Und die Matrosen gehn zurück
ans Werk. Die Herzen bluten.
Die Koffer tragen, jedes Stück,
ein wenig Liebe, etwas Glück
hinunter in die Fluten.Indes der Zweck ist nicht erreicht:
schon feuchten sich die Luken -
Matrosenhabe wiegt zu leicht.
Der Kapitän sieht&#039;s, prüft, erbleicht.
Gefahrgespenster spuken.Er klagt&#039;s dem Reeder. - &quot;Ja&quot;, spricht der,
&quot;da heißt&#039;s Entschlüsse fassen!
Zweitausend Menschen lasten schwer.
Die Boote klar, und raus ins Meer!
Die Streiker sind entlassen!Was bleibt, wird praktisch eingeteilt
und schafft in Überstunden.
Sonst: Zwischendeckler angekeilt -
dann ist der Schaden ausgeheilt.
Die Lösung ist gefunden.&quot; -&quot;Wie, Herr Kommerzienrat? Nein, Nein!
Hier geht&#039;s um Menschenseelen!&quot; -
&quot;Ich will&#039;s. Fracht ist und Dampfer mein!&quot;
Da knickt der Mut des Seemanns ein -:
&quot;Sie haben zu befehlen.&quot;Rasch geht&#039;s an Bord von Mund zu Mund;
ein Murren folgt, ein Tosen.
Man trotzt. Der Wucherer! Der Hund!
Nothelfer aber mühn sich - und:
behüt euch Gott, Matrosen!Der Nord bläst lauter über See.
Im Saale blasen Flöten.
Da tanzt vergnügt die Hautevolee
- Graf X und die Baronin C -;
das weiß von keinen Nöten.Und wieder hebt sich leicht der Kiel.
Das Wasser scheint zu weichen.
Doch immer noch trägt viel zu viel
das Schiff. Der Pumpen schweres Spiel
vermag&#039;s nicht auszugleichen.Ach, auf die Hoffnung folgt der Sturz.
Das Leck klafft stündlich breiter,
und bei der Arbeit grollt&#039;s und murrt&#039;s:
&quot;Die Müh zu schwer, die Kost zu kurz -
wir können nicht mehr weiter!&quot;Des Meeres Fläche brodelt schon
wie Brei der Höllenküche,
und in des Sturms Trompetenton
mischt sich der Ausgesetzten Hohn,
ihr Schrei&#039;n und ihre Flüche.Der Kapitän, bedeckt mit Schweiß,
steht wieder vor dem Reeder:
&quot;Herr, geben Sie die Ladung preis!
Und wär&#039;s ein Bruchteil nur, so weiß
es Ihnen Dank ein jeder.Heb ich nicht schnell das Loch am Bug
bis übern Meeresspiegel,
dann ist&#039;s zu spät. - Herr, sei&#039;n Sie klug!&quot; -
&quot;Nein! Meiner Opfer sind&#039;s genug,
und darauf Brief und Siegel!Daß unsereins stets opfern soll!
Man mißbraucht unsre Güte; -
ist doch von Menschen übervoll
mit Sack und Pack - trotz hohem Zoll -
die Zwischendeckskajüte.Dort zugepackt mit Energie!
Ist&#039;s hart - auch ich hab Sorgen.
Das drückt aufs Schiff. Da räumen Sie.
Mein Gold und meine Ware - nie!
Berichten Sie mir morgen.&quot;Kommandos schallen übers Schiff.
Was gibt&#039;s? Wer kann es fassen?
Hier tönt ein Ruf und dort ein Pfiff.
Vom Zuring löst des Bootsmanns Griff
die Kutter und Pinassen.Derweilen rennt&#039;s im Zwischendeck
und drängt&#039;s in den Kabinen.
Der Frauen Haar ist wirr vor Schreck.
Manch Auge starrt auf einen Fleck
aus wutverzerrten Mienen.&quot;Uns schifft man aus wie tote Last.
Wir haben sie gerettet.
Das schwelgt in Wollust, hurt und praßt.
Zum Kampf, wer seine Mörder haßt!
So wurde nicht gewettet!&quot;Die Männer baun sich stieren Blicks
vor Weib und Kind als Schanze. -
Im Festsaal wippt mit Kuß und Knicks
Baronin C und Graf von X.
Musik spielt auf zum Tanze. -Der Kapitän, in jeder Hand
den Browning, ernst entschlossen,
tritt vor: &quot;Wer leistet Widerstand!
Ich bin hier Herr. Mein Wort zum Pfand:
Wer meutert, wird erschossen!&quot;Die Schiffsbesatzung ist zum Streit
im Halbkreis aufgezogen,
Pistolen, Äxte sind bereit.
Ein Weib schluchzt auf. Ein Säugling schreit.
Der Sturm zieht durch die Wogen.Da stürzen Männer vor: &quot;Du Schuft! -
Auf, mit vereintem Mute!&quot;
Getümmel. Schüsse, Rauch verpufft.
Ein Schwergetroffner ringt nach Luft.
Fünf wälzen sich im Blute.Noch einmal Lärm und Fußgestampf
und Knallen der Pistolen.
Vorbei - besiegt. Aus ist der Kampf.
Fern, schauerlich dringt durch den Dampf
vom Meer her heis&#039;res Johlen.Man führt sie, Weib und Kind voran,
zum Bootsdeck in die Kutter.
Dann senkt sie rasch der Davitskran
hinab zum grünen Ozean.
Die Kleinen wimmern: &quot;Mutter!&quot;Die Armut drückt nicht mehr. - Nun geigt
und hüpft die Lust der Prasser.
Und sieh, der Schiffsrumpf hebt sich, steigt,
und wo am Bug das Leck sich zeigt,
fließt endlich ab das Wasser.Der Reeder lacht: &quot;Das Glück war hold.
Der Alpdruck ist verschwunden.
Die Drohnen drückten - nicht mein Gold.
Drum lange Arbeit, wenig Sold.
Dann wird das Schiff gesunden.&quot;Nun hämmert&#039;s, hastet&#039;s, werkelt, rennt
und pflastert Loch und Schaden,
bis Schläfe, Herz und Auge brennt.
Sturmwolken ziehn am Firmament
vorbei in gelben Schwaden.Das Meer bäumt brüllend sich empor,
schlägt hoch aufs Deck die Wellen.
Doch durch der Wetter schrillen Chor
klingt grell der Rachefluch hervor
der Armen und Rebellen.Und die Besatzung plagt sich, schwitzt -
kein Schlaf und Hungerzahlung.
Der Sturm posaunt. Der Himmel blitzt.
Die Schotten geben nach, es spritzt
die Flut durch die Verschalung.Mann und Maschine seufzt und keucht.
Schon stöhnt&#039;s: &quot;Wir können nimmer.&quot;
Beim Heizraum, finster, dumpf und feucht,
im Kerker wird der Schlaf verscheucht
dem Kuli wie dem Trimmer ...So treibt das Schiff auf trunkner See,
umtobt von Sturm und Hasse.
Graf X führt die Baronin C
- die fürchten nichts - im Neglige
zur Koje I. Klasse --Der Dampfer &quot;Deutschland&quot; ist in Not.
Wird ihn die Flut vernichten?
Sprengt ihn sein morscher Kessel tot?
Stürmt ihn die Wut des Volks im Boot? -
Die Zeitung wird&#039;s berichten---------------Sorry, normalerweise schrieb Mühsam ja kürzere Gedichte.</description> <content:encoded><![CDATA[<p>Erich Mühsam<br
/> Seenot</p><p>Der Kapitän, der Steuermann,<br
/> vom Deck die Offiziere<br
/> schaun sorgenvoll den Himmel an.<br
/> Ein rascher Blick fällt dann und wann<br
/> auch auf die Passagiere.</p><p>Das räkelt faul den Bauch an Bord,<br
/> schlemmt in der Luxusmesse,<br
/> das lacht und prahlt und flucht: Potz Mord!<br
/> und karessiert, Bankier wie Lord,<br
/> die blonde Stewardesse.</p><p>Das führt Devisen mit und bar,<br
/> gab Gold in erznen Urnen<br
/> den sich&#8217;ren Kojen in Verwahr-<br
/> und droht dem Dampfer Sturmgefahr,<br
/> dann mag die Mannschaft turnen.</p><p>Die Mannschaft turnt. In Rauch und Dreck<br
/> schleppt sie und keucht und schuftet<br
/> und riecht bei zähem Schiffsgebäck,<br
/> wie Bratenbrüh und Rahmgeschleck<br
/> aus der Kajüte duftet.</p><p>Die See geht hoch, scharf geht der Wind,<br
/> hart poltert die Maschine.<br
/> Die Hände regen sich geschwind<br
/> um Kessel, Reling und Gewind,<br
/> um Großtopp und Turbine.</p><p>Da tritt ein Bootsmann vor und spricht<br
/> gepreßt durch bleiche Lippen:<br
/> &#8220;Kap&#8217;tän, die Schotten schließen nicht.<br
/> Wenn achtern die Verschalung bricht,<br
/> ist&#8217;s aus; dann hilft kein Schippen.&#8221;</p><p>&#8220;Ach, Unsinn.&#8221; Doch der Seemann knackt<br
/> nervös mit seinen Fingern.<br
/> Er hört des Motors falschen Takt,<br
/> er fühlt, wenn Flut die Planken packt,<br
/> den ganzen Kasten schlingern.</p><p>Schon lange klagt der Maschinist;<br
/> der Kessel will nicht heizen.<br
/> Das Schiff verzögert seine Frist,<br
/> und im Proviantraum nagt und frißt<br
/> die Feuchtigkeit am Weizen.</p><p>Der Steuermann zeigt ohne Wort<br
/> nach dem Gewölk im Norden.<br
/> Das letzte Himmelsblau glitt fort.<br
/> Wo eben Lichter spielten, dort<br
/> ist graue Nacht geworden.</p><p>Die grünen Wogen trommeln dumpf<br
/> und drohend ihre Weisen.<br
/> Im Zwischendeck, im Dampferrumpf<br
/> drängt sich&#8217;s, mit Augen bang und stumpf.<br
/> Hier ist die Not auf Reisen.</p><p>Mittschiffs jedoch im Aufbausaal,<br
/> da sprühn des Reichtums Wunder,<br
/> Musik jauchzt toll zum Bacchanal,<br
/> Juwelen blitzen ohne Zahl<br
/> bei Austern und Burgunder.</p><p>Vor einer Flasche Haute-Sauterne,<br
/> im Mund die Zigarette,<br
/> am Ecktisch sitzen ein paar Herrn,<br
/> die Brust geschmückt mit Band und Stern,<br
/> die Uhr an goldner Kette.</p><p>Sie kümmert nicht der Damenflor,<br
/> das Flirten und Scharmieren.<br
/> Sie beugen ihre Glatzen vor<br
/> und flüstern in des Nachbars Ohr<br
/> von Aktien und Papieren.</p><p>&#8220;Hier noch ein Kognak extra fein!&#8221;<br
/> Die Stewards huschen schweigend<br
/> mit Mokka, Schnaps, Biskuit und Wein.<br
/> Da tritt der Kapitän herein,<br
/> sich links und rechts verneigend.</p><p>Man dankt dem Seemann frohgelaunt,<br
/> sieht ihn zum Ecktisch schreiten.<br
/> Ein dicker Herr steht auf. Man raunt.<br
/> Die andern sehn den Gast erstaunt<br
/> den Kapitän begleiten.</p><p>Der, wie dem Hauptmann der Soldat,<br
/> hebt an, Bericht zu geben:<br
/> &#8220;Gefahr droht, Herr Kommerzienrat.<br
/> Ich fürchte, schweres Wetter naht.<br
/> Es geht um Schiff und Leben!&#8221; -</p><p>&#8220;Doch nicht die erste Klasse, wie?<br
/> Soll&#8217;n wir vielleicht ersaufen?&#8221; -<br
/> &#8220;Das Schiff ist nach der Havarie<br
/> beim großen Sturm &#8211; ich warnte Sie -<br
/> zu früh vom Dock gelaufen.</p><p>Zweitausend Menschen &#8211; und die Fracht;<br
/> wir haben schwer geladen.<br
/> Wenn man den Dampfer leichter macht,<br
/> wird er, so hoff ich, flottgebracht.<br
/> Sonst steh ich nicht für Schaden.&#8221; -</p><p>&#8220;Was sagt die Mannschaft?&#8221; &#8211; &#8220;Oh, die faßt<br
/> forsch zu an allen Bänken;<br
/> schimpft auch auf den Kajütengast<br
/> und will, ich soll als erste Last<br
/> Ihr Gold ins Meer versenken.&#8221; -</p><p>&#8220;Mein Gold?! Den Plan, verdammte Brut,<br
/> den mach ich euch zuschanden!<br
/> Bevor ein Ünzlein in die Flut<br
/> versinkt, fliegt alles Mannschaftsgut<br
/> erst über Bord! Verstanden?!&#8221; -</p><p>&#8220;Sie spaßen!&#8221; ruft der Kapitän.<br
/> &#8220;Wir würden grenzenlosen,<br
/> furchtbaren Haß und Aufruhr sä&#8217;n.<br
/> Ich will nach andrer Rettung spähn -<br
/> Hand weg von den Matrosen!</p><p>Es sind an Bord zehn Kisten Horn<br
/> und tausend Cheviotballen,<br
/> dann noch, im großen Kühlraum vorn,<br
/> dreihundert Tonnen Weizenkorn.<br
/> Das mag als Ballast fallen!&#8221;</p><p>Der Dicke schnaubt: &#8220;Sie können frei<br
/> als Kapitän ermessen.<br
/> Jedoch das ist an Land vorbei,<br
/> und ich bin Chef der Reederei -<br
/> wolln Sie das nicht vergessen!</p><p>Mein ist das Horn und mein das Tuch,<br
/> mein das Getreidelager.<br
/> Geht von der Ladung was in Bruch,<br
/> versichert steht die Fracht zu Buch<br
/> bei meinem Freund und Schwager!&#8221;</p><p>Da kommt der Erste Offizier:<br
/> &#8220;Das Löschen muß beginnen.<br
/> Am Steven dringt das Wasser schier<br
/> in Strömen ein. Bald sehen wir<br
/> es in die Kojen rinnen.&#8221; -</p><p>&#8220;Gut. Über Bord-Befehl ist da! -<br
/> die Koffer und die Fetzen<br
/> der Mannschaft &#8211; samt Harmonika<br
/> und Priem. Es wird den Schaden ja<br
/> die Reederei ersetzen. -</p><p>Das ist ein Tropfen auf ein Faß.<br
/> Doch muß man es versuchen.&#8221;<br
/> Der Offizier begibt sich blaß<br
/> zu seinen Leuten: dies und das -<br
/> da hilft kein Drohn und Fluchen.</p><p>Das Schiffsvolk disputiert und läuft.<br
/> &#8220;Was? Unsre paar Klamotten!<br
/> Und hinten liegt das Gold gehäuft<br
/> in Urnen!&#8221; &#8211; Und das Wasser säuft<br
/> sich glucksend durch die Schotten.</p><p>&#8220;Die Bande lebt in Saus und Braus!<br
/> Wir streiken!&#8221; rufen Stimmen.<br
/> &#8220;Pumpt euch allein das Wasser raus!<br
/> Von uns aus könnt mit Ratz und Maus<br
/> ihr an das Festland schwimmen!&#8221;</p><p>Man legt das Werkzeug aus der Hand.<br
/> Ein Teil nur bleibt beim Schöpfen.<br
/> Ganz langsam steigt der Wasserrand.<br
/> Die Streiker sind aus Rand und Band<br
/> und schrein mit heißen Köpfen.</p><p>Der Kaufherr rennt zum Zwischendeck -:<br
/> &#8220;Hört ihr den Lärm da oben?<br
/> Man meutert, und das Schiff ist leck!<br
/> Faßt ihr mit an zum guten Zweck -<br
/> dann ist die Not behoben.&#8221; -</p><p>&#8220;Nothilfe! Vorwärts! Du und du!<br
/> Wir strafen die Gesellen!&#8221;<br
/> Und viele Hände greifen zu.<br
/> Des Schiffsvolks Hab und Gut im Nu<br
/> verschwindet in den Wellen.</p><p>Die Mannschaft starrt ihm nach. Parbleu!<br
/> Wut blitzt durch ihre Lider.<br
/> Der Kiel steigt etwas in die Höh.<br
/> Von Norden her pfeift eine Bö.<br
/> Das Wetter senkt sich wieder.</p><p>Und die Matrosen gehn zurück<br
/> ans Werk. Die Herzen bluten.<br
/> Die Koffer tragen, jedes Stück,<br
/> ein wenig Liebe, etwas Glück<br
/> hinunter in die Fluten.</p><p>Indes der Zweck ist nicht erreicht:<br
/> schon feuchten sich die Luken -<br
/> Matrosenhabe wiegt zu leicht.<br
/> Der Kapitän sieht&#8217;s, prüft, erbleicht.<br
/> Gefahrgespenster spuken.</p><p>Er klagt&#8217;s dem Reeder. &#8211; &#8220;Ja&#8221;, spricht der,<br
/> &#8220;da heißt&#8217;s Entschlüsse fassen!<br
/> Zweitausend Menschen lasten schwer.<br
/> Die Boote klar, und raus ins Meer!<br
/> Die Streiker sind entlassen!</p><p>Was bleibt, wird praktisch eingeteilt<br
/> und schafft in Überstunden.<br
/> Sonst: Zwischendeckler angekeilt -<br
/> dann ist der Schaden ausgeheilt.<br
/> Die Lösung ist gefunden.&#8221; -</p><p>&#8220;Wie, Herr Kommerzienrat? Nein, Nein!<br
/> Hier geht&#8217;s um Menschenseelen!&#8221; -<br
/> &#8220;Ich will&#8217;s. Fracht ist und Dampfer mein!&#8221;<br
/> Da knickt der Mut des Seemanns ein -:<br
/> &#8220;Sie haben zu befehlen.&#8221;</p><p>Rasch geht&#8217;s an Bord von Mund zu Mund;<br
/> ein Murren folgt, ein Tosen.<br
/> Man trotzt. Der Wucherer! Der Hund!<br
/> Nothelfer aber mühn sich &#8211; und:<br
/> behüt euch Gott, Matrosen!</p><p>Der Nord bläst lauter über See.<br
/> Im Saale blasen Flöten.<br
/> Da tanzt vergnügt die Hautevolee<br
/> - Graf X und die Baronin C -;<br
/> das weiß von keinen Nöten.</p><p>Und wieder hebt sich leicht der Kiel.<br
/> Das Wasser scheint zu weichen.<br
/> Doch immer noch trägt viel zu viel<br
/> das Schiff. Der Pumpen schweres Spiel<br
/> vermag&#8217;s nicht auszugleichen.</p><p>Ach, auf die Hoffnung folgt der Sturz.<br
/> Das Leck klafft stündlich breiter,<br
/> und bei der Arbeit grollt&#8217;s und murrt&#8217;s:<br
/> &#8220;Die Müh zu schwer, die Kost zu kurz -<br
/> wir können nicht mehr weiter!&#8221;</p><p>Des Meeres Fläche brodelt schon<br
/> wie Brei der Höllenküche,<br
/> und in des Sturms Trompetenton<br
/> mischt sich der Ausgesetzten Hohn,<br
/> ihr Schrei&#8217;n und ihre Flüche.</p><p>Der Kapitän, bedeckt mit Schweiß,<br
/> steht wieder vor dem Reeder:<br
/> &#8220;Herr, geben Sie die Ladung preis!<br
/> Und wär&#8217;s ein Bruchteil nur, so weiß<br
/> es Ihnen Dank ein jeder.</p><p>Heb ich nicht schnell das Loch am Bug<br
/> bis übern Meeresspiegel,<br
/> dann ist&#8217;s zu spät. &#8211; Herr, sei&#8217;n Sie klug!&#8221; -<br
/> &#8220;Nein! Meiner Opfer sind&#8217;s genug,<br
/> und darauf Brief und Siegel!</p><p>Daß unsereins stets opfern soll!<br
/> Man mißbraucht unsre Güte; -<br
/> ist doch von Menschen übervoll<br
/> mit Sack und Pack &#8211; trotz hohem Zoll -<br
/> die Zwischendeckskajüte.</p><p>Dort zugepackt mit Energie!<br
/> Ist&#8217;s hart &#8211; auch ich hab Sorgen.<br
/> Das drückt aufs Schiff. Da räumen Sie.<br
/> Mein Gold und meine Ware &#8211; nie!<br
/> Berichten Sie mir morgen.&#8221;</p><p>Kommandos schallen übers Schiff.<br
/> Was gibt&#8217;s? Wer kann es fassen?<br
/> Hier tönt ein Ruf und dort ein Pfiff.<br
/> Vom Zuring löst des Bootsmanns Griff<br
/> die Kutter und Pinassen.</p><p>Derweilen rennt&#8217;s im Zwischendeck<br
/> und drängt&#8217;s in den Kabinen.<br
/> Der Frauen Haar ist wirr vor Schreck.<br
/> Manch Auge starrt auf einen Fleck<br
/> aus wutverzerrten Mienen.</p><p>&#8220;Uns schifft man aus wie tote Last.<br
/> Wir haben sie gerettet.<br
/> Das schwelgt in Wollust, hurt und praßt.<br
/> Zum Kampf, wer seine Mörder haßt!<br
/> So wurde nicht gewettet!&#8221;</p><p>Die Männer baun sich stieren Blicks<br
/> vor Weib und Kind als Schanze. -<br
/> Im Festsaal wippt mit Kuß und Knicks<br
/> Baronin C und Graf von X.<br
/> Musik spielt auf zum Tanze. -</p><p>Der Kapitän, in jeder Hand<br
/> den Browning, ernst entschlossen,<br
/> tritt vor: &#8220;Wer leistet Widerstand!<br
/> Ich bin hier Herr. Mein Wort zum Pfand:<br
/> Wer meutert, wird erschossen!&#8221;</p><p>Die Schiffsbesatzung ist zum Streit<br
/> im Halbkreis aufgezogen,<br
/> Pistolen, Äxte sind bereit.<br
/> Ein Weib schluchzt auf. Ein Säugling schreit.<br
/> Der Sturm zieht durch die Wogen.</p><p>Da stürzen Männer vor: &#8220;Du Schuft! -<br
/> Auf, mit vereintem Mute!&#8221;<br
/> Getümmel. Schüsse, Rauch verpufft.<br
/> Ein Schwergetroffner ringt nach Luft.<br
/> Fünf wälzen sich im Blute.</p><p>Noch einmal Lärm und Fußgestampf<br
/> und Knallen der Pistolen.<br
/> Vorbei &#8211; besiegt. Aus ist der Kampf.<br
/> Fern, schauerlich dringt durch den Dampf<br
/> vom Meer her heis&#8217;res Johlen.</p><p>Man führt sie, Weib und Kind voran,<br
/> zum Bootsdeck in die Kutter.<br
/> Dann senkt sie rasch der Davitskran<br
/> hinab zum grünen Ozean.<br
/> Die Kleinen wimmern: &#8220;Mutter!&#8221;</p><p>Die Armut drückt nicht mehr. &#8211; Nun geigt<br
/> und hüpft die Lust der Prasser.<br
/> Und sieh, der Schiffsrumpf hebt sich, steigt,<br
/> und wo am Bug das Leck sich zeigt,<br
/> fließt endlich ab das Wasser.</p><p>Der Reeder lacht: &#8220;Das Glück war hold.<br
/> Der Alpdruck ist verschwunden.<br
/> Die Drohnen drückten &#8211; nicht mein Gold.<br
/> Drum lange Arbeit, wenig Sold.<br
/> Dann wird das Schiff gesunden.&#8221;</p><p>Nun hämmert&#8217;s, hastet&#8217;s, werkelt, rennt<br
/> und pflastert Loch und Schaden,<br
/> bis Schläfe, Herz und Auge brennt.<br
/> Sturmwolken ziehn am Firmament<br
/> vorbei in gelben Schwaden.</p><p>Das Meer bäumt brüllend sich empor,<br
/> schlägt hoch aufs Deck die Wellen.<br
/> Doch durch der Wetter schrillen Chor<br
/> klingt grell der Rachefluch hervor<br
/> der Armen und Rebellen.</p><p>Und die Besatzung plagt sich, schwitzt -<br
/> kein Schlaf und Hungerzahlung.<br
/> Der Sturm posaunt. Der Himmel blitzt.<br
/> Die Schotten geben nach, es spritzt<br
/> die Flut durch die Verschalung.</p><p>Mann und Maschine seufzt und keucht.<br
/> Schon stöhnt&#8217;s: &#8220;Wir können nimmer.&#8221;<br
/> Beim Heizraum, finster, dumpf und feucht,<br
/> im Kerker wird der Schlaf verscheucht<br
/> dem Kuli wie dem Trimmer &#8230;</p><p>So treibt das Schiff auf trunkner See,<br
/> umtobt von Sturm und Hasse.<br
/> Graf X führt die Baronin C<br
/> - die fürchten nichts &#8211; im Neglige<br
/> zur Koje I. Klasse &#8211;</p><p>Der Dampfer &#8220;Deutschland&#8221; ist in Not.<br
/> Wird ihn die Flut vernichten?<br
/> Sprengt ihn sein morscher Kessel tot?<br
/> Stürmt ihn die Wut des Volks im Boot? -<br
/> Die Zeitung wird&#8217;s berichten</p><p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p><p>Sorry, normalerweise schrieb Mühsam ja kürzere Gedichte.</p> ]]></content:encoded> </item> <item><title>By: Badratgeber</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/comment-page-1/#comment-717555</link> <dc:creator>Badratgeber</dc:creator> <pubDate>Tue, 26 May 2009 15:56:13 +0000</pubDate> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=18620#comment-717555</guid> <description>Hmmm warum bekomm ich nix vom &quot;großen Ungewetter&quot; hier mit? versteh das nicht immer werd ich vom spaß verschohnt, dabei wollt ich doch unbedingt die leute auf dem boden sehen... schade eigentlich.</description> <content:encoded><![CDATA[<p>Hmmm warum bekomm ich nix vom &#8220;großen Ungewetter&#8221; hier mit? versteh das nicht immer werd ich vom spaß verschohnt, dabei wollt ich doch unbedingt die leute auf dem boden sehen&#8230; schade eigentlich.</p> ]]></content:encoded> </item> <item><title>By: christoph kratistos</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/comment-page-1/#comment-717552</link> <dc:creator>christoph kratistos</dc:creator> <pubDate>Tue, 26 May 2009 14:54:12 +0000</pubDate> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=18620#comment-717552</guid> <description>Wenn man nachts so spät bei Nacht und Wind reitet, ist das doch eigentlich auch Sturmgedicht, oder?
Hier gewitterts übrigens gerade.</description> <content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man nachts so spät bei Nacht und Wind reitet, ist das doch eigentlich auch Sturmgedicht, oder?<br
/> Hier gewitterts übrigens gerade.</p> ]]></content:encoded> </item> <item><title>By: ratzepansen</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/comment-page-1/#comment-717551</link> <dc:creator>ratzepansen</dc:creator> <pubDate>Tue, 26 May 2009 14:43:51 +0000</pubDate> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=18620#comment-717551</guid> <description>hat zwar überhaupt nichts mit dem thema zu tun, zechprellerlyrik ist aber auch schön - und mit bassstimme vorgetragen gleich doppelt:Der Ganove/Knapp bei Kasse
Setzt sich an den/Kneipentisch
Trinkt gemütlich/Seinen CachaÃ§a
Prellt die Zeche/Und haut abUnd der Kellner/Hat den Schaden
Nichts zu lachen/Der Gast ist weg
Also greift er/Unauffällig
In die Kasse/Seines ChefsUnd der Wirt/Der ist verwundert
Wie miserabel/Sein Umsatz ist
Zückt den Bleistift/Addiert die Miesen
Zieht den Schaden/Dem Grossisten abchico buarque</description> <content:encoded><![CDATA[<p>hat zwar überhaupt nichts mit dem thema zu tun, zechprellerlyrik ist aber auch schön &#8211; und mit bassstimme vorgetragen gleich doppelt:</p><p>Der Ganove/Knapp bei Kasse<br
/> Setzt sich an den/Kneipentisch<br
/> Trinkt gemütlich/Seinen CachaÃ§a<br
/> Prellt die Zeche/Und haut ab</p><p>Und der Kellner/Hat den Schaden<br
/> Nichts zu lachen/Der Gast ist weg<br
/> Also greift er/Unauffällig<br
/> In die Kasse/Seines Chefs</p><p>Und der Wirt/Der ist verwundert<br
/> Wie miserabel/Sein Umsatz ist<br
/> Zückt den Bleistift/Addiert die Miesen<br
/> Zieht den Schaden/Dem Grossisten ab</p><p>chico buarque</p> ]]></content:encoded> </item> <item><title>By: Caro</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/comment-page-1/#comment-717550</link> <dc:creator>Caro</dc:creator> <pubDate>Tue, 26 May 2009 14:30:02 +0000</pubDate> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=18620#comment-717550</guid> <description>Ohne Heine geht ja mal gar nichts :-)Heinrich Heine - SturmEs wütet der Sturm,
Und er peitscht die Wellen,
Und die Welln, wutschäumend und bäumend,
Türmen sich auf, und es wogen lebendig
Die weißen Wasserberge,
Und das Schifflein erklimmt sie,
Hastig mühsam,
Und plötzlich stürzt es hinab
In schwarze, weitgähnende Flutabgründe -
(...)Das Kind steuert noch was von Borchert bei - falls auch Gewitter zählt:
http://www.youtube.com/watch?v=BwSRxpyOv7AUnd gerade im &quot;Hausbuch deutscher Gedichte&quot; gefunden:Richard Dehmel - Lied an meinen Sohn
Der Sturm behorcht mein Vaterhaus,
mein Herz klopft in die Nacht hinaus,
laut; so erwachtÂ´ ich vom Gebraus
des Forstes schon als Kind.
Mein junger Sohn, hör zu, hör zu:
in deine ferne WiegenruhÂ´
stöhn meine Worte dir im Traum
der Wind.
(...)</description> <content:encoded><![CDATA[<p>Ohne Heine geht ja mal gar nichts :-)</p><p>Heinrich Heine &#8211; Sturm</p><p>Es wütet der Sturm,<br
/> Und er peitscht die Wellen,<br
/> Und die Welln, wutschäumend und bäumend,<br
/> Türmen sich auf, und es wogen lebendig<br
/> Die weißen Wasserberge,<br
/> Und das Schifflein erklimmt sie,<br
/> Hastig mühsam,<br
/> Und plötzlich stürzt es hinab<br
/> In schwarze, weitgähnende Flutabgründe -<br
/> (&#8230;)</p><p>Das Kind steuert noch was von Borchert bei &#8211; falls auch Gewitter zählt:<br
/> <a
href="http://www.youtube.com/watch?v=BwSRxpyOv7A" rel="nofollow">http://www.youtube.com/watch?v=BwSRxpyOv7A</a></p><p>Und gerade im &#8220;Hausbuch deutscher Gedichte&#8221; gefunden:</p><p>Richard Dehmel &#8211; Lied an meinen Sohn<br
/> Der Sturm behorcht mein Vaterhaus,<br
/> mein Herz klopft in die Nacht hinaus,<br
/> laut; so erwachtÂ´ ich vom Gebraus<br
/> des Forstes schon als Kind.<br
/> Mein junger Sohn, hör zu, hör zu:<br
/> in deine ferne WiegenruhÂ´<br
/> stöhn meine Worte dir im Traum<br
/> der Wind.<br
/> (&#8230;)</p> ]]></content:encoded> </item> <item><title>By: Lene</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/comment-page-1/#comment-717549</link> <dc:creator>Lene</dc:creator> <pubDate>Tue, 26 May 2009 14:14:35 +0000</pubDate> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=18620#comment-717549</guid> <description>Nachrichtensprecherinnen in Kurzarbeit - muss ja nicht sein. Ich hätte nen Job für die Urlauberinnen: Teilnahme am Guinness Weltrekord im Schnellküssen, am 5.6.09, um 19:00 Uhr vor dem Q-Dorf (Ecke Joachimsthaler Str./ Ku-Damm). *girns*.Ach so, der Event steigt natürlich in der Landeshauptstadt.</description> <content:encoded><![CDATA[<p>Nachrichtensprecherinnen in Kurzarbeit &#8211; muss ja nicht sein. Ich hätte nen Job für die Urlauberinnen: Teilnahme am Guinness Weltrekord im Schnellküssen, am 5.6.09, um 19:00 Uhr vor dem Q-Dorf (Ecke Joachimsthaler Str./ Ku-Damm). *girns*.</p><p>Ach so, der Event steigt natürlich in der Landeshauptstadt.</p> ]]></content:encoded> </item> <item><title>By: nasobem</title><link>http://www.spreeblick.com/2009/05/26/sturmwarnung-in-reimen/comment-page-1/#comment-717548</link> <dc:creator>nasobem</dc:creator> <pubDate>Tue, 26 May 2009 13:46:26 +0000</pubDate> <guid
isPermaLink="false">http://www.spreeblick.com/?p=18620#comment-717548</guid> <description>Schon eher mein Stil:Joachim Ringelnatz - Gewitter
Oben in den Wolken krachte der Donner.
Am Ufer des Indischen Ozeans balzte ein Kind.
Würde der Mond noch monder, die Sonne noch sonner,
So würden die Menschen vielleicht noch drehlicher, als sie schon sind.
Tausend Menschen lachten und weinten;
Sechs von dem Tausend wußten, warum;
Zwei von den sechsen aber meinten
Von sich selber, sie seien eigentlich dumm.
Breite Straße filmte mir vorbei,
Links und rechts mit Lichtern und Reflexen
Fechtend und mit Worten und Geschrei.
Helle Nacht ergoß sich brausend.
Und ich grüßte ehrfurchtsvoll die zwei,
Und ich beugte staunend mich den sechsen,
Kniete, echt und bettelnd, vor dem Tausend.
Vor dem Grand Hotel zu den Drei Mohren
Kreiste jämmerlich ein Hund und schiß.
Nebenbei, von irgendwem verloren,
Lag ein künstliches Gebiß.
Doch ich räusperte und spie,
Und ich rotzte,
Bis ich einer weichen Phantasie
Würdig trotzte.
Und zur gleichen Zeit mag ein Kommis
(Elegante Kleidung &quot;” sauber &quot;” Schaf)
Auf dem Teppich heiß gestammelt haben,
Einer, der vom lieben Gott was wollte,
Was das Hauptbuch und den nächsten Tag betraf;
Dachten andere an Schützengraben.
Denn der Donner grollte.</description> <content:encoded><![CDATA[<p>Schon eher mein Stil:</p><p>Joachim Ringelnatz &#8211; Gewitter<br
/> Oben in den Wolken krachte der Donner.<br
/> Am Ufer des Indischen Ozeans balzte ein Kind.<br
/> Würde der Mond noch monder, die Sonne noch sonner,<br
/> So würden die Menschen vielleicht noch drehlicher, als sie schon sind.<br
/> Tausend Menschen lachten und weinten;<br
/> Sechs von dem Tausend wußten, warum;<br
/> Zwei von den sechsen aber meinten<br
/> Von sich selber, sie seien eigentlich dumm.<br
/> Breite Straße filmte mir vorbei,<br
/> Links und rechts mit Lichtern und Reflexen<br
/> Fechtend und mit Worten und Geschrei.<br
/> Helle Nacht ergoß sich brausend.<br
/> Und ich grüßte ehrfurchtsvoll die zwei,<br
/> Und ich beugte staunend mich den sechsen,<br
/> Kniete, echt und bettelnd, vor dem Tausend.<br
/> Vor dem Grand Hotel zu den Drei Mohren<br
/> Kreiste jämmerlich ein Hund und schiß.<br
/> Nebenbei, von irgendwem verloren,<br
/> Lag ein künstliches Gebiß.<br
/> Doch ich räusperte und spie,<br
/> Und ich rotzte,<br
/> Bis ich einer weichen Phantasie<br
/> Würdig trotzte.<br
/> Und zur gleichen Zeit mag ein Kommis<br
/> (Elegante Kleidung &#8220;” sauber &#8220;” Schaf)<br
/> Auf dem Teppich heiß gestammelt haben,<br
/> Einer, der vom lieben Gott was wollte,<br
/> Was das Hauptbuch und den nächsten Tag betraf;<br
/> Dachten andere an Schützengraben.<br
/> Denn der Donner grollte.</p> ]]></content:encoded> </item> </channel> </rss>
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