10

GOA 2009

Ein guter und netter Abend mit einem ganz persönlichen Highlight war das gestern beim Grimme Online Award 2009, zu dem ich als Laudator eingeladen war, um den Preis für die Kategorie “Spezial” zu überreichen. Raum für eigene Notizen bleibt dennoch, na klar.

Gut war der Abend deshalb, weil auf der Bühne mehrfach die Gelegenheit zur Erwähnung der Debatte um Frau von der Leyens Stoppschildgesetz und auch den aktuellen Medien-Entwicklungen in Iran wahrgenommen wurde — ein Muss bei einer Veranstaltung, die sich u.a. mit Online-Journalismus beschäftigt.

Und nett deshalb, weil ich alte Bekannte wiedergetroffen und neue Gesichter kennengelernt habe.

Der Grimme Online Award, für Techno-Hippies zwar verwirrend, dennoch sinnvoll GOA abgekürzt, bemüht sich seit 2000 um die Auszeichnung von hochwertigen deutschsprachigen Web-Angeboten. Während der Award anfangs eher im Schatten der großen TV-Schwester, dem Adolf-Grimme-Preis, um Anerkennung buhlen musste, kämpfte er 2007 mit technischen Pannen und organisatorischen Fehlern, die inzwischen ausgemerzt sein sollten.

2006 wurde Spreeblick mit einem Grimme-Online-Award ausgezeichnet, was uns mindestens einen Running Gag einbrachte: Der Satz “Und für sowas bekommt man nun also einen Grimme-Preis, ja?”, der nach der Preis-Verleihung gerne von Spreeblick-nicht-so-richtig-toll-Findern als Kommentar zu banaleren Spreeblick-Posts genutzt wurde, ist redaktionsintern immer noch sehr beliebt und kommt beim gegenseitigen, natürlich ü-ber-haupt-nicht ernst gemeinten Dissen unter großem Gelächter zum Einsatz.

In diesem Jahr jedoch durfte ich einen Preis, nämlich den Award in der Kategorie “Spezial” übergeben — an byte.fm, dessen Macher/innen die Auszeichnung meiner Meinung nach verdient haben und für die ich mich sehr gefreut habe. Alle weiteren Gewinner sind hier zu finden und von uns gibt es an alle herzliche Glückwünsche! Ich persönlich bin ja immer sehr froh, solche Entscheidungen nicht fällen zu müssen, denn im Dickicht der vielen großartigen Sites scheint es mir unmöglich, wenige herauszupicken und gesondert zu prämieren.

Letztendlich sollte man jedoch keinen Award zu ernst nehmen, das nimmt die mögliche Schwere. Auszeichnungen sind für die Empfänger eine Freude und eine Honorierung ihrer Arbeit, der Abend kann eine gelungene Party sein und am nächsten Tag geht’s dann wie gehabt weiter.

Der GOA war in diesem Jahr prima organisiert, ausnahmsweise wussten nicht einmal die Gewinner, dass sie ebensolche sein würden und die Stimmung war entspannt. Schwierig finde ich aber nach wie vor, die Balance zwischen “Echtheit” und “Glamour” beim Event selbst zu finden. Eine Zeremonie braucht ein gewisses Maß an Trara und darf dabei auch gerne etwas übertreiben, müsste dafür aber genau durchgeplant und bis ins Detail professionell inszeniert sein, um nicht peinlich zu werden. Eine solch penible Inszenierung könnte aber einem Online-Award auch schaden, wir wollen schließlich Glaubwürdigkeit und sind nicht in den USA, wo man es eher gewohnt ist, sich und andere bei ähnlichen Veranstaltungen mit Feuerwerk zu feiern.

Dass das Resultat dieser Gratwanderung dadurch an manchen Stellen nichts Halbes und nichts Ganzes ist, überrascht nicht und ist kein GOA-spezifisches Problem. Dass jedoch mehrfach am Abend darauf hingewiesen wird, wieviel toller und wertvoller doch ein “echtes” Gespräch im Gegensatz zu Twitter etc. wäre … das dürfen sich Redner/innen bei einem Online-Award gerne sparen. Das Netz braucht nicht mit spitzen Fingern angefasst zu werden, sondern soll und muss selbstverständlich sein. Gelingt es dem GOA in den nächsten Jahren noch mehr, diese Selbstverständlichkeit zu präsentieren, sollte ihm noch mehr Support von Online-Medien aller Art gewiss sein. Denn das eigentliche Ziel, Netz-Qualität ins Rampenlicht zu holen, um den ewigen Nörglern und Internet-bedrohlich-Findern etwas entgegenzusetzen, ist absolut kein falsches. Uwe Kammann formulierte in der Eröffnungsrede: “Das Internet ist nicht das Medium der Zukunft, es ist das Medium der Gegenwart” — und so sollte sich der GOA auch anfühlen.

Und mein ganz persönliches Highlight? Zwei Kölsch mit Ralph Caspers und seiner Gattin!

I live by the river!- Werbung in eigener Sache -
Es gibt das Spreeblick-eBook "I live by the river!" mit 15 Krachern der Unterhaltungsliteratur für lächerliche 99 Cent bei Amazon, Beam und als iBook in iTunes! Infos dazu gibt es auch hier.
- Ende der Werbung in eigener Sache -

10 Kommentare

  1. 01

    Öhm…. Ist das nicht eine Gratwanderung? :-)

  2. 02

    Oh das mit Ralph Caspers ist prima. Ist der in Echt auch so wie im TV?

  3. 03

    Habe ich ungefähr auch so gesehen. Die richtigen Gewinner machen noch lange keine gute Verleihung. Und über den Grad der Politisierung läßt sich streiten, vielleicht habe ich im ersten Schwang zuviel verlangt.

    Wir wollen mal fünfe Grate sein lassen…

  4. 04
    engola

    Gradwanderung? Auf Celsius oder Fahrenheit? (gnihihi, sorry, musste sein)

  5. 05

    @christof.lapd: Auweia. Ist geänderd. ;) Danke!

    @christof.lapd: Er ist in Echt nicht geschminkt. ;) Im Ernst: Ein äußerst angenehmer Mensch.

  6. 06

    GOA heißt ein französischer Publisher, deshalb find ich GOA mehr als verwirrend.
    http://goa.com/

    Ich muss leider, wie auch in den vergangenen Jahren schon, feststellen, daß oft irgendwelche Flashfriedhöfe hier Preise abgreifen, die ich freiwillig nicht ein zweites Mal besuche. Aber gut, die Geschmäcker sind verschieden.

    gruß

  7. 07

    @Frank Schenk: Carta, Jens Weinreich, Design-Tagebuch, Krimi-Couch “¦ alles eher klassische Blogsysteme ohne Flash. Und bei den anderen kommt Flash doch eher sinnvoll zum Einsatz (Audioplayer/ Animationen).

  8. 08

    Ich empfand deine Freude über die Anwesenheit Ralph Caspers und die der Byte.fm Leuten eindeutig als Highlights.
    Ansonsten habe ich Preisverleihungen jetzt endgültig als langweilig in meinem Kopf abgestempelt. Ist aber kein Vorwurf an den GOA, nur ne Feststellung

  9. 09

    @Patrick: Danke dir. :) Ja, anderthalb Stunden Spannung hinzubekommen ist nicht leicht… Jede Woche würde mich das auch nicht reizen.

  10. 10
    Lebedjew

    Das Problem mit der Selbstverständlichkeit ist halt, dass sie über keine Sprache verfügt. Was so ist, wie es ist, weil es so und nicht anders sein soll und will, mus sich eben nicht artikulieren.

Diesen Artikel kommentieren