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Vreitagsvers, der achtundvierzigste

das würde des menschen ist unantastbar

ich will ein bessrer mensch gern sein
was gäb ich, wenn ichs würde
moralisch, klug, sensibel, fein
doch da ist eine hürde

zwölf meter hoch ragt sie empor
ich springe doll und doller
doch ich bin, sieht mein schicksal vor
kein seiner, nur ein woller

trotz scheitern bleibt die zuversicht
der vorsatz ist ein hehrer
ich schwöre dir, ich ende nicht
als hättekönntewärer

Zuhause, auf Zwölf Zeilen zur Zeit, zockt Ingo Neumayer tagtäglich so lange mit der deutschen Sprache, bis sie ihm einen sinnigen Reim spendiert.
Vreitags gibt er auf Spreeblick einen aus.

4 Kommentare

  1. 01
  2. 02
    JanM

    Hui. Das ginge glatt als bisher unentdeckter Gernhardt-Vers durch!

  3. 03

    @#802144: hui. danke. das nehme ich als kompliment

  4. 04
    flubutjan

    In einem tschecheslowakischen Kinderfilm von 1984 heißt es: „Was ist ein vollkommener Mensch? Das ist ein Mensch, der zu keiner Gemeinheit fähig ist.“

    Bessere Menschen gibt es. Es ist kein Verdienst, ein beserer Mensch zu sein, aber vielfache Tatsache. Hierarchisierungen sind suboptimal, aber zwischen denen, die sich an den Freuden anderer Menschen erfreuen und denen, die dies an den Leiden anderer tun, besteht eine Differenz, die sich als Niveauunterschied bemerkbar macht. Die einzige Freude, die von der Freude der besseren Menschen an den Freuden anderer ausgenommen ist, ist eben diese disqualifizierende Freude der Sadisten.

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