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Vreitagsvers, der neunundvierzigste


eine eigene ampel

sie sieht mich schon von weitem kommen
sie zögert kurz, dann wird sie rot
die bremsen quietschen unbenommen
ich habe zeit. ich schlag sie tot

die straße ist mein wartezimmer
wann wird sie grün? ich wär bereit
doch nichts. sie ignoriert mich immer
vernichtet sinnlos lebenszeit

geduld ist eine schöne tugend
für auftragskiller, renter, hacker
mein motto: vorwärts wie die jugend?
wird ausgebremst vom rotlichtmacker

ich könnt acht jahre älter sein
mit restlos abgehakten plänen
die ampel will das nicht, sagt nein
die wut spritzt nun schon in fontänen

drum ist jetzt schluss mit dem gehampel
zu lange litt ich stumm und still
ich bau mir eine eigne ampel
dann kann ich fahren, wann ich will

Zuhause, auf Zwölf Zeilen zur Zeit, zockt Ingo Neumayer tagtäglich so lange mit der deutschen Sprache, bis sie ihm einen sinnigen Reim spendiert.
Vreitags gibt er auf Spreeblick einen aus.

1 Kommentar

  1. 01

    Als gefühlter Rentner (alter Sack) ist die verbleibende Zeit zu kurz, um anderen den Vortritt einzuräumen. Bitte öfter mal den ÖPNV benutzen.

    Danke Ingo

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