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Schweinereien

Als jemand, der im Blog- und anderen Kulturbereichen gute wie auch schlechte Erfahrungen mit Werbung oder werbenden Unternehmen und Agenturen gemacht hat, habe ich mir im Lauf der Zeit für mich selbst ein kleines Päckchen von Regeln zugelegt. Hierzu gehören u.a. folgende Sätze:

Finger weg von allem, in dem das Wort “viral” auftaucht
Sobald eine Agentur “was Virales” machen will, können Lügen und Schauspielerei ins Spiel kommen und das fühlt sich nicht nur eklig an, sondern kann auch ganz schnell nach hinten losgehen. “Viral” wird meistens außerdem nicht einmal gut honoriert, denn für viele Agenturen und deren Kunden bedeutet der Wunsch nach einer “viralen Kampagne” nichts anderes, als dass sie nichts oder relativ wenig dafür bezahlen wollen.

Finger weg von Werbung, die nicht als solche erkennbar ist
Die meisten Erwachsenen können mit Werbung ganz gut umgehen, aber niemand wird gerne verarscht.

Finger weg von Jung von Matt
Der Laden ist groß und mit Sicherheit arbeiten dort auch jede Menge netter und kreativer Menschen, aber ich fürchte, man kann bei der Zusammenarbeit mit einer Agentur, der scheinbar alles egal ist, solange die erhoffte Aufmerksamkeit erreicht wird, nur verlieren. Egal, wie gut man es meint. Sogar, wenn man sich wie Judith Holofernes gegen eine Koop wehrt, muss man vor dem hämischen Zynismus der Agentur oder der jeweiligen Kampagne kapitulieren, was sehr bitter ist.

Wer übrigens wirklich glaubt, dass Nilz ein schlechter Mensch ist, der irrt gewaltig. Und wer nicht versteht, worum es überhaupt geht, der kann die Geschichte auf Nilz’ Blog und u.a. auch hier und dort nachlesen.

Hinweis: Im Zusammenhang mit meiner Band startet in wenigen Wochen eine Serie von Online-Videos, die in Zusammenarbeit mit einem großen Baumarkt entstanden ist, was von Beginn an und absichtlich erkennbar sein wird. Nilz taucht in einem dieser Clips, die wir im Sommer gedreht haben, ebenfalls auf und daran wird sich auch nichts ändern.

19 Kommentare

  1. 01
  2. 02

    Ich kann mal wieder nur komplett zustimmen.

  3. 03

    Wenn Schlachthäuser Glasswände hätten, bräuchten wir keine “viralen” Kampagnen irgendwelcher Agenturen. Und wir hätten es auch nicht mehr ganz so leicht, uns mit fadenscheinigen Ausreden das Gewissen rein zu reden. Schwein gehabt ;-)

  4. 04

    Als jemand, der seit einigen Jahren im WWW User (Verbraucher) unterwegs ist. erlaube ich mir die
    folgende Aussage:
    Brüllwerbung ist weder innovativ noch förderlich.

    Die Verbraucher sind weitaus kritischer als von
    den sog. Kreativen angenommen.

    Erspare mir die Auflistung von Firmen, die ihre
    Produkte von -m.E – uninspirierten Werbepro-
    fis mittels It-Technologie die eigentliche Kund-
    schaft eher vergrault.
    Es gibt auch rühmliche Ausnahmen. Die sind so
    selten, dass sie sogar Prämiert werden.

  5. 05

    Habe beim Nilz einen Kommentar hinterlassen, wie es mir mit der Geschichte ging. Ich war einfach sprachlos. Ich kann mir auch kein Urteil bilden, da ich Nilz nicht persönlich kenne. Was ich beurteilen kann sind die Artikel in seinem Blog und deswegen war ich auch so unglaublich überrascht ob der Diskrepanz. Glaube schon, dass er im tiefsten Innern was Gutes wollte. Und hey, Fehler machen wir doch alle. Ich mache übrigens immer die dümmsten Fehler ;)

  6. 06

    Ich möchte noch hinzufügen, dass der Verdacht zwar naheliegend ist, niemand könne auch nur ansatzweise glauben, diese Kampagne sei eine gute Idee, und ich würde das hinterher normalerweise auch niemandem als Entschuldigung abnehmen, aber bei Nilz glaube ich das sofort. Nilz ist einer der wenigen mir bekannten Menschen, die einen (mir total unbegreiflichen, aber trotzdem echten) Grundoptimismus in sich haben, einen tiefen Glauben an das Gute im Menschen, eine beinah kindliche Naivität, einen ich nenn es mal Gefühlshumanismus, was manchmal ein wenig niedlich wirkt, manchmal beeindruckend erfrischend. Nilz hat derart wenig Zynismus in sich, dass er nicht in der Lage war, den zynischen Part in viralen Kampagnen zu erkennen. Auf dem Auge ist er blind. Drum tuts mir doppelt leid für ihn: dass die Kampagne ihr Ziel verfehlt, und dass er obendrein noch beschädigt rauskommt.

  7. 07

    Also wenn es geniale Videos wie die Hornbach-werbungen werden, dann bin ich gespannt drauf wie ein flitzebogen !!

  8. 08
    nikita

    @06 fred

    Zitat:

    Klitzekleine Zwischenfrage

    Von nilzenburger am 17. August 2007 um 22:52 Uhr
    Kategorien: darkroom – 11 Kommentare

    Bitte bitte sagt mir, das es sich hierbei um einen Fake handelt und ich mich gerade zum Deppen bei irgendeinem Viralkack mache, ja? Denn ich kann, will und darf nicht glauben, das es so etwas wirklich gibt. Dann müsste ich ja sofort aus der Kirche austreten!

    Update: Ach du scheisse…das gibt es ja sogar als Blog!

    Zitat Ende

    2007 war er aber zumindest noch in der Lage, Viralkack-Fakes zu erahnen; und dass man sich bei solchen Aktionen auch zum Deppen machen kann, wenn man zu naiv und gutgläubig an so etwas heran geht.

    Ich staune ja immer wieder über Leute, die ihre Naivität trotz solcher Ahnungen über mehrere Jahre intensiver Internetbewohnung erhalten haben.
    Ich will jetzt nicht direkt empfehlen, dass Nilz vielleicht sein abgesagtes Gespräch mit “Demenz-Doc” Spitzer nachholen sollte, aber zu denken gibt mir das schon ;o)
    Vielleicht tut’s auch schon ein Augenarzt!? – Die von dir vermutete Blindheit ist im günstigsten Fall nur eine starke Kurzsichtigkeit!?

  9. 09
    Rubrum

    Viral ?? Virale Infektion oder wat ? Was ist gemeint ?

  10. 10
    Mister T

    Wie? In echt wurde gar kein Schwein umgebracht sondern nur Menschen? Ich will sofort mein Mitleid zurück!

  11. 11

    Es gab ein Viral mit Schweinen und Krebs und Solarium?

    Ich hab echt nix mitbekommen – erst jetzt im Nachgang – Reichweite ist irgendwie anders. Schock/Empörung-Viral scheint sich abgenutzt zu haben, früher bekam man so etwas – bei gleichbleibenden Medienkonsum – noch mit.

  12. 12

    In der Zeit vor dem Internet haben Firmen nackte Tatsachen in den Medien geschaffen um Aufmerksamkeit zu erreichen. Hat zwar der Marke meistens nichts genutzt, aber man hat sich darüber unterhalten. Da hieß es zwar noch nicht virales Marketing, aber kommt auf gleiche raus. So manche Begrifflichkeit hat sich schon abgenutzt.

  13. 13
    Numbercruncher

    @Rubrum:
    Das macht doch wirklich jedes kleine Handwerkerle ;-)
    Siehe https://www.youtube.com/watch?v=uF2djJcPO2A

    und https://de.wikipedia.org/wiki/Virales_Marketing

  14. 14
    Kavallerie FortYunak

    Peanuts-Backup: chmod a+r

    http://central-banktunnel.eu/druglist/

  15. 15

    Ich unterschreibe diesen Artikel in allen Punkten! Wir setzen komplett auf Sponsoren und verzichten komplett auf Werbung, um uns diesen Ärger zu ersparen, auch wenn die Kasse vielleicht nicht so laut klingelt! :-)

  16. 16
    Dörte

    Besonderes ekelhaft, wenn sich Werbeagenturen so ein zwei gemeinnützige Kunden halten (Noah, WWF, etc.), nicht um etwas Gutes zu tun, sondern um damit “Kreativ”-Preise zu gewinnen.

    Denn: Jede noch so beschissene Idee kriegt eine gewisse Schwere, wenn irgendwas mit Urwald oder Krebs oder beidem dahinter steht.

    Ihr seid echt armselig, Freunde.

  17. 17

    #14

    ‘Index of druglist’

    Komme mir bitte entgegen,
    um deine Intention zu be-
    kunden.
    Will nicht blöd sterben müssen.

    @PiPi

  18. 18

    Je häufiger virale Mittel eingesetzt werden, desto größer wird die Immunität dagegen. Ist halt richtiges Leben wie mit Schnupfen und Co.

    Wen Firmen sich blöde Spässchen von hippen Agenturen verkaufen lassen, die dann meinen, weil ‘wie lustig’ alle auf das Filmchen klicken, sind sie m.E selber schuld. Es zählen immer noch die inneren Werte eines Produkts (und Apple-Ausnahmen bestätigen die Regel). Taugt das Produkt nix, kann die Werbeagentur noch so tolle Ideen haben. Man kann die Kunden ja nicht zur Kasse prügeln.

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