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Ach, Soundcloud.

soundcloud

Bitte das UPDATE am Ende des Artikels beachten!

Meine Band hat einen Soundcloud-Account, denn im Internet stand, dass man das heutzutage so macht. Da alle Veröffentlichungsrechte seit letztem Jahr bei der Band bzw. bei dem von ihr dafür gegründeten Label liegen (ich berichtete), gab es in unserer Soundcloud-Schublade auch die Original-Version eines alten Songs zu hören. Das mit den Rechten ist wichtig, denn schließlich stimmt man den AGB von Soundcloud zu, die besagen, dass man keine Songs veröffentlicht, die man nicht veröffentlichen darf, und wenn man es doch tut, dann bekommt man Pickel und muss ohne Abendbrot ins Bett.

Nun bekam ich von Soundcloud die Nachricht, dass man den Song gesperrt habe, weil der Rechteinhaber seine Rechte an der Aufnahme angemeldet habe. Da ich den Rechteinhaber jeden Morgen im Spiegel sehe, habe ich nachgehakt: Er hat nichts angemeldet.

Okay. Kein Beinbruch. Da ist etwas schief gelaufen, kann passieren, Soundcloud muss halt auch aufpassen bei diesem ganzen Rechtewirrwarr. Alles gut, klicke ich halt den Link in der Nachricht, um den Disput zu disputen (Anmerkung: Als Soundcloud-Nutzer akzeptiert man in den AGB auch, dass man fließend Englisch spricht):

We’ve been notified that one of your uploads, “Grab It!” may contain copyright content and we’ve disabled it. If you believe you do have permission to use this content, or that a mistake has been made, please go to http://soundcloud.com/settings/disputes.

Das Erstaunliche ist nun, dass man als den Disput disputierender Rechteinhaber fürs Absenden der Dispusition einen neuen Vertrag unterschreiben muss, in dem man u.a. der Datenweitergabe an denjenigen zustimmt, der überhaupt mit diesem Disputieren angefangen hat, andererseits aber an keiner Stelle erfährt, wer zum Henker derjenige ist, welcher.

Zudem spricht man Soundcloud von jeglicher Verantwortung für irgend etwas frei, zum Beispiel von der Haftung für mögliche Schäden, die man durch einen fälschlicherweise gesperrte Datei erlitten hat, und stellt dem Dienst außerdem für die folgenden Entscheidungen einen Freifahrschein aus. Ob Soundcloud den Song wieder online stellt, steht völlig in den Sternen.

Während also weiter Unmengen von Mashups und Remixen von Songs, an denen Dritte bestimmte Rechte haben, auf Soundcloud zu finden sind – was Soundcloud auch u.a. so erfolgreich gemacht hat –, muss man als Rechteinhaber von gesperrten Songs irgendwelchen offenbar nach US-Recht formulierten Kram unterzeichnen und dann auf sein Glück hoffen.

Das ist mir alles zu blöde und ich werde das nicht unterschreiben. Falls jemand fragt.

UPDATE Keine Stunde nach der Veröffentlichung dieses Artikels erreichte mich eine neue Mail von Soundcloud:

Hi Plan B (Berlin),

thank you for providing feedback in regards of the upload:
Grab It!
This notification is to inform you that your upload has been released to your account.

Thanks,
The SoundCloud team

Dabei habe ich gar kein Feedback abgeschickt … vielleicht hat aber jemand bei Soundcloud diese Zeilen gelesen und den Song wieder freigeschaltet, was einerseits sehr nett und aufmerksam ist und mich natürlich freut, andererseits aber einige Fragen zur technischen Seite des ganzen Systems aufwirft. Denn ich wollte ja den offiziellen Weg einhalten, der offenbar den ein oder anderen Nachbesserungsbedarf hat.

Mein Tipp für Leute, denen es mit ihren Songs ähnlich erging wie mir, ist daher: Schreibt vielleicht erst einmal eine nette Mail an den Soundcloud-Support, bevor ihr das Disputisierungssystem nutzt. Oder einen leicht säuerlichen Blog-Post (das mit der Mail geht aber schneller, schätze ich …).

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13 Kommentare

  1. 01

    Kafka macht Musik.

  2. 02

    #kannstedirnichtausdenken

  3. 03

    Schon mal Bandcamp angeschaut? Nutzen ja schon ‘ne ganze Menge Bands und ich als Nutzer find’s super, dass ich mir alles komplett anhören kann bevor ich’s kaufe.

  4. 04

    @Dirk: Yup, Bandcamp hatte ich mir auch angesehen, zwischen den dreihundertsiebenundzwanzig Portalen für Bands aber wieder aus den Augen verloren … ich guck’s mir noch mal an!

  5. 05

    Wir hatten einen ähnlich Fall: ein von unserem Label Beauftragter Distributor für die digitalen Kanäle wie iTunes hatte die Songs (automatisch?) bei Soundcloud sperren lassen. Vielleicht ist bei Euch etwas ähnliches geschehen.

  6. 06

    Hatte meine Band letztens auch. Eigenmaterial, nicht mal GEMA-Mitglied, alle Rechte bei uns. Bezahlaccount bei Soundcloud. Fast das komplette Album, das schon seit 2 Jahren da drin rumfliegt gesperrt. Einen Tag später (nach “Disput”) wieder freigeschaltet. Und wir haben ebensolche Stories in letzter Zeit von vielen gehört. Wenn die ihre zahlenden(!) Kunden behalten wollen sollten die dringend an ihrem Algorithmus arbeiten. Zumindest mal bei den Pro-Accounts.

  7. 07

    @Henning: Irgend so ein Wirrwarr wird es gewesen sein, ganz sicher. Das zeigt aber auch nur wieder, dass es dringend einfachere Regelungen braucht in diesen Dingen.

    Jetzt frag’ mich aber bitte nicht, welche …

  8. 08

    @Johnny Haeusler: mache ich bestimmt nicht ;)

  9. 09

    @ Johnny: “Schreibt vielleicht erst einmal eine nette Mail an den Soundcloud-Support, …”
    Genau das ist es. Die SC Kommunikation funzt eigentlich recht gut. Vielleicht solltest du über diesen Weg mal nachhaken, wie es konkret zu dieser “Aufmerksamkeit” für euren Titel “Grab It!” kam. Ich denke auch, dass es in die Richtung geht, wie Henning weiter oben andeutet. Wenn du einen weiteren Verkaufskanal aufmachen willst, dann ist Bandcamp optimal. Soundcloud ist u. a. eher gedacht als Tool für Musiker, die z. B. über die Kontinente hinweg miteinander arbeiten wollen http://soundcloud.com/nothinbutdablues/cry-on-you-aka-otis-rush-style oder gern auch nur als Spiegel für die Aufmerksamkeit, die ein bestimmter Song bei den ZuhörerInnen erzielt hat.

  10. 10

    blog funktioniert besser als höflicher brief. der hat bei mir nichts bewirkt. ich hab das auch nicht unterschrieben.
    die wollen neue verträge haben, daher bieten sie auch ein neues pro update an.
    soweit ich weiss müssen aber sowieso alle ab 1.5. stillschweigend oder nicht akzeotieren.

  11. 11
    Ralf

    Kommt bei Soundcloud inzwischen fast täglich vor. Siehe auch hier.

  12. 12

    Hmm, so viel ungeprüftes, vorauseilendes Gehorsam wie hier in den Kommentaren berichtet wird, lässt vermuten, dass so echte Urheberrechtsverletzungen für Soundcloud mittlerweile ganz schön teuer sind. Sonst würden die doch nicht so schnell alles erstmal abdrehen, oder?

  13. 13
    Muehsam

    Man kann als deutsche Firma seine deutschen Kunden zwingen Englisch zu reden? Cool, kann man sich das patentieren lassen und an Versicherungen verkaufen?

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