Mag der Fußballwahn eine Krankheit sein, selten ist er nicht mehr. Selten ist eher, dass er als solcher deklariert wird, Fußballverächter habens schwer dieser Tage. Die Jungle World hat im Dossier Texte von Michael Rudolf veröffentlicht, der vor kurzem 47 Jahre alt geworden wäre, hätte er sich nicht im Februar vergangenen Jahres das Leben genommen. Auch dabei: eine Generalabrechnung mit dem Fußball.
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Demokratische Angriffskriege
Krieg lohnt sich nicht, vor allem nicht für Demokratien. Moralisch nicht, aber auch nicht finanziell. Thomas Speckmann nimmt das Irak-Debakel zum Anlass und hat sich die Geschichte der Angriffskriege westlicher Demokratien seit 1945 genauer angesehen: Ist Angriff die beste Verteidigung? Ist sie nicht.
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Im Osten ist noch Licht
Zaza: Lass man wieder rausfahren.
Ich: Rausfahren.
Zaza: Genau, raus aus Berlin. Einfach mal weg.
Ich: Weg.
Zaza: Genau. Irgendwohin ins Umland.
Ich: Umland.
Zaza: Genau, du Echo.
Nasr Hamid Abu Zaid: “Mohammed und die Zeichen Gottes”
Nasr Hamid Abu Zaid, Literaturwissenschaftler und Theologe, befasst sich seit Jahren kritisch mit dem Koran: Seine Analysen haben ihm seine Ehe und den Posten eines Professors an der Universität Kairo gekostet. Inzwischen lebt er im Exil, in den Niederlanden.
Ex-DFB-Präsident Mayer-Vorfelder empört über Netz-gegen-Nazis
Mayer-Vorfelder ist not amused. Wegen Netz gegen Nazis. „Man kann doch nicht konservative Institutionen wie die Junge Freiheit und das Studienzentrum Weikersheim in einen Topf mit Neonazis werfen“, meint Mayer-Vorfelder gegenüber der Jungen Freiheit, und weiter: man sei wohl etwas voreilig gewesen beim DfB, als man „Netz gegen Nazis“ Unterstützung zugesichert habe. Was ist passiert?
EM: Gruppen-Glaskugel, frisch poliert
Da muss man gar kein großes Gewese machen, Fußballveranstaltungen sind in ihrem Ausgang immer determiniert. Fachleute wissen immer schon vorher, wie’s ausgeht, da ist das Endergebnis primär im Sinne Hans Krankls. Wir stellen uns der Herausforderung, schauen mal in die Glaskugel und sehen gütig über die Eiterblässchen oberhalb der Lippe hinweg weit fort in die Zukunft: So läuft, und sicher, die EM.
Far far away
Jacob Heilbrunn erzählt eine kleine Geschichte der amerikanischen Intellektuellen und ist dabei ganz Kulturpessimist. Von der aktuellen War on Terror-Debatte ausgehend, schaut er sich die Strategien Burumas, Hitchens, Judts und Bermans genauer an:
Rather than the hard and solitary work of writing and thinking and achieving an output that far overshadowed their public presence, today’s intellectuals often succumb to celebrity culture, shouting on FOX News and MSNBC rather than arguing their ideas in books or in the pages of magazines.
Obwohl ich dergleichen bei englischsprachigen Texten selten zu sagen geneigt bin: Lohnt sich.
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Mein rechter rechter Platz ist frei
Der Bloglandschaft fehlen die Ausläufer nach rechts. Bloß ganz weit drüben gibt es Inselchen à la Politically Incorrect und Konsorten. Die sieht man kaum: sie liegen jenseits der Nebel der Vernunft. Um Verbindung zu ihnen aufzunehmen, braucht man entweder Interkontinentalraketen oder ein Narrenschiff. Als Pazifist und Drogenverächter hat man’s da schwer.
Kabadu und Kabadada
„Mach doch auch mal was lustiges“, meinte Johnny, „nicht immer hier Politik und Kunst und so. Ich mach jetzt Feierabend.“ Ja, ne, was lustiges. Gut. Vielleicht mal an der Zeit, auf Kabadu und Kabadada hinzuweisen. Das sind Kabarettportale. Kabarett ist ja eher schwierig. Vor allem, seit aufmerksamkeitsgestörte und testosteronspritzende Mitdreißiger, deren Tourette-Syndrom als unheilbar gilt, ersatzweise von ihren Psychologen auf Bühnen mit Kameras davor geschickt werden.
Martenstein über Blogger
Martenstein muss ja eigentlich nicht verlinkt werden, kennt jeder, liest wahrscheinlich auch jeder, und wers nicht liest, ist ein schlechter Mensch und sollte sich schämen. Aber da er doch über Blogger schreibt, seis diesmal erwähnt:
Den Blogger erkennt man unter anderem daran, dass er ungefragt zu allem sofort eine Meinung hat. Den Satz „Darüber müsste ich erst einmal nachdenken“ hat der Blogger nicht in seinen Drafts.
Und das ist erst der Anfang. Naja, fast.
Zensur! (basisdemokratisch)
Au ja, Wunschzettel: Ahne sammelt Wörter, die er nicht mehr in der Zeitung lesen will. Johnny hatte schonmal vorgelegt, ich hätte da noch ein paar andere: Konjunkturbedingt. Exklusiv. Auf den Fußballseiten: Drama. Krimi. Lothar Matthäus. Im Panorama-Teil: Moral. Unbestätigten Quellen zu Folge. Und, ganz wichtig, nie nirgendwo mehr: Paris Hilton.
Ihr so?
Der Fall Ermyas M.
Als der Afrodeutsche Ermyas M. 2006 in Potsdam von Nazis beinah totgeprügelt wurde, beschäftigten sich die Zeitungen wochenlang mit dem Fall: innerhalb weniger Tage wurde über No-Go-Areas gesprochen, über National befreite Zonen und über den gesellschaftlichen Umgang mit rassistischer Gewalt. Im Laufe der Polizeiermittlungen kippte das Bild, bis die simple Opfer-Täter-Aufteilung nicht mehr zu halten war. Und als im Juni 2007 das Gerichtsurteil gesprochen wurde, wußten viele Kommentatoren schon nicht mehr, was genau an diesem Fall schlimm und menschenverachtend war.
Der Verein Opferperspektive hat vor einem Monat eine Analyse veröffentlicht, die sich der medialen, politischen und juristischen Aufarbeitung widmet: Der Fall Ermyas M. Chronik einer Debatte. 52 Seiten, die sich lohnen.
Another Tibet
Tibet ist das THC unter den politischen Überzeugungen: Tibet wird angeschnitten, aufgedröselt, angezündet, rumgereicht, und alle sind selig und einverstanden. Ebenso wie man, um eine Saalschlacht hervorzurufen, auf jeder Podiumsdiskussion schlicht „Israel“ in die Menge brüllen muss, reicht es, einmal laut „Tibet“ zu sagen, und alle sind einer Meinung.
Interview: Andi Abbas, Sehitlik-Moschee Berlin
Ist ja schon ein bisschen her, mein Gang nach Canossa zur Moschee. Damals schon wollte ich gerne mal mit den Leuten sprechen, die da involviert sind: das hat sich jetzt eine Weile hinprokrastiniert. Letzte Woche traf ich Andi Abbas, der in der Gemeinde aktiv ist und kostenlose Führungen veranstaltet. Er konnte mir einerseits viel über die Moschee am Columbia-Damm erzählen, andererseits aber auch darüber, inwiefern der Islam und Moderne in Übereinstimmung stehen. Interview nach dem Klick.
Simbabwe: Wahltag
Ende Januar antwortete der simbabwische Journalist und Exilant Itai Mushekwe auf die Frage, was er von den Wahlen in Simbabwe erwarte, dass sie wohl manipuliert würden, „wenn internationale Wahlbeobachter daran gehindert werden, sie zu kontrollieren.“ Gut einen Monat nach der Wahl liegt seit Monatsanfang das Ergebnis vor: Oppositionschef Morgan Tsvangirai kommt nach Angaben der Wahlkommission 47,9 % der Stimmen, Mugabe auf 43,2 %. Zeit für eine Nachbereitung.
Post aus Myanmar
Ein alter Bekannter Johnnys bat uns um die Veröffentlichung der folgenden Mail, die ihn aus Myanmar erreichte. Ich habe sie leicht redigiert, gekürzt und ein paar Links gesetzt: Text nach dem Klick.
La haine de la haine
Neues aus den Pariser Vorstädten, der Beton gewordenen Gewaltfantasie, Gotham City ohne Batman, Heimstatt marodierender Jugendbanden, Hort der Gewalt und der Anarchie und stille Reminiszenz an das Magdeburg des 30jährigen Krieges (oder so). In einem Musikclip zeigt die Gruppe Justice eine Jugendgang, die prügelnd, stehlend und grapschend durch Paris zieht. Parce qu’ils ont la rage. Und so sieht das aus:
Abfahrt
So. Das wars. Meine zur Gewohnheit gewordene, tägliche Bloglektüre endet an dieser Stelle. Read on, my dear…
Sexually Incorrect
Sehr wichtig: den Gegner im Auge behalten. Natürlich, für den Fall, sollte er Fehler machen. Oder aber seine geheimsten Recherchemethoden offenbaren. Read on, my dear…
Der Zug ist abgefahren
Neuseeland kauft sein Bahnsystem zurück. Für 336 Millionen Euro. Dabei ist es erst vor 15 Jahren verkauft worden. Für 202 Millionen Euro. An private Investoren. War im Endeffekt keine so gute Idee gewesen. Was lernen wir daraus? Lieber nichts.
Tubuk
Diversifizierung, Sparte, Independent, undsoweiter undsoweiter - klingt nach Bullshit-Bingo für Leute mit Ringelpullovern. Fehlt noch Longtail, hiermit seis nachgetragen. Wie krieg ich jetzt den Bogen zu Tubuk? Genau: gar nicht. Jedenfalls ist Tubuk eine Plattform für Independent-Verlage, bedient hiermit eine Sparte und wirkt auf eine Diversifizierung des Buchmarktes hin. Die Verlage sind in der Mehrzahl tatsächlich toll, und weil Tubuk vom Geschäftsmodell her wie eine Buchhandlung funktioniert, kommt bei beiden mehr Geld an. Was gut ist. Ist ja bald Tag der Bücherverbrennung, also Gelegenheit genug, Bücher zu verschenken. Oder zum Muttertag.
Sahel: Want some desert?
Was das nördliche Afrika anbelangt, sind die noch Anfang der Neunziger vorherrschenden humanitären Diskurse abgelöst worden zugunsten sicherheitspolitischer Erwägungen: Während autokratische Regimes wie etwa Algerien fester eingebunden werden in die internationale „Allianz gegen den Terror“, könnte ein Stück weiter südlich eine Alternative zur bisher praktizierten repressiven Bekämpfung aufgezeigt werden: Nach dem Militärputsch gegen den pro-westlichen Autokraten Ould Taya öffnet sich Mauretanien politisch und findet (hoffentlich) den Weg in die Demokratie.
Netz gegen Nazis: Interview mit Moritz Müller-Wirth
Am Montag startete Netz gegen Nazis, eine Plattform der Zeit gegen, na, Nazis eben. Interview mit Moritz Müller-Wirth nach dem Dingens.
Fallada
Sie sah verkniffen aus wie ein zerdrückter Kronkorken. Wie sie da saß auf dem WG-Sofa, schwieg sie. Sie hielt nicht einfach nur den Mund: ihr ganzer Körper schwieg, und selbst ihr Blick hatte sich zusammengeklappt. Prock hatte den festen Eindruck, sie wünsche sich, in die Polster hinein zu sinken und schattenhafte Rückstände zu hinterlassen. Wie eine Leiche, die erst nach zwei oder drei Tagen entdeckt wird, und deren Wasser sich noch Jahre später in den Polstern abzeichnet.
An der Alten Försterei
„Dit is dit Wohnzimmer“, sagt Anneliese und grinst. „Weeste, dit is hier so zusammenjewachsen, aber dit stimmt ja nich. Eher so zusammenjefriemelt.“ Es fänden sich wohl noch ein paar mehr Adjektive für das Stadion an der Alten Försterei, Heimspielstätte des 1. FC Union Berlin. Ein bisschen provisorisch sieht es hier aus, auf der Stehtribüne am Zuckertor haben sich große Wasserpfützen gebildet. Unten, am Zaun, stehen Kinder bei ihren Eltern, weiter hinten auf der windschiefen Tribüne stehen die Ultras, mit ein paar Fahnen. Ostclub, denke ich, Ultras, denke ich, Gewalt, Hooliganismus und Rechtsradikale.
Sensation: Alles gut! (fast)
Seltsam fühlt sich das doch an, wenn ein Spiegel-Artikel in Argumentation und Beweisführung so sehr an einen etwas älteren Blogartikel erinnert. War wohl Bloggerparanoia, man ist ja vorsichtig inzwischen. Denn der SpOn-Artikel ergänzt den Artikel bei Medienlese nur, mit neu aufbereitetem Material und anderen Zitaten, stilistisch bedächtiger und, ja, ein klein bißchen langweiliger. Auf den zweiten Blick also ist das ein hervorragendes Beispiel, wie Blogs und Journalismus parallel zueinander funktionieren können. Könnten. Können.
Undiplomatisch
Man müsste viel häufiger auf den Monde diplomatique hinweisen, und nicht nur dann, wenn Hicham Ben Abdallah El Alaoui über die Machterhaltungs-Taktiken der autoritären arabischen Regimes schreibt:
In anderen Teilen der Welt ist die Demokratie zweifellos deshalb in die Krise geraten, weil sie nicht hielt, was sie versprach. Im Nahen Osten hat sie schon an Glaubwürdigkeit verloren, bevor sie eingeführt wurde. Schon der Begriff ist verrufen: In der Öffentlichkeit der arabischen Länder steht „Demokratie“ für die verlogenen Parolen autoritärer Regime, für das neokonservative Programm militärischer Präventivschläge und für die Interventionen des Auslands im Allgemeinen.
Lesen!
Generation Generation
Was ich nicht schon alles gewesen bin. Unpolitisch. Manipuliert. Praktikant. Pleite. Doof. Misstrauisch und faul und zufrieden am End. Und jetzt: Müde, klein, langweilig. Und verunsichert wahrscheinlich auch noch.
Kreuzberger Kiezoper
Gemeinsam mit Jugendlichen aus Kreuzberg wurde ein Musikclip entwickelt: Wie erleben die Jugendlichen Ihren Kiez? Welche täglichen Wege gehen sie? An welchen Orten halten sie sich gern auf und warum? Um welche Ecken im Kiez machen sie lieber einen Bogen? Wenn sie Fremdenführer wären: Wie möchten sie anderen, die Kreuzberg nicht kennen, ihren Kiez - wie sie ihn sehen - zeigen?
(Der Rechtschreibfehler ist wohl der strit credibiliti geschuldet.) Erste, einzige und hinterher befeierte Aufführung ist am Samstag um 15:30 im fsk-Kino am Oranienplatz.
Netzaktivismus - Interview Simon Columbus
Ich fremdel ein wenig mit dem Netzaktivismus; ich fürchte, ich bin da altmodisch. Der „Free Burma“-Kampagne stand ich abwartend bis ablehnend gegenüber: umso spannender war es für mich zu beobachten, wie Simon Columbus quasi im Fahrtwind der Aktion sich in mehr und mehr Projekte verstrickt hat. Zeit für einen kleinen Rückblick.

