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Icke im Radio

Wie bereits angekündigt gab es heute von 14h bis 20h FRITZ live aus dem ColumbiaFritz, rund um’s Thema Musik in Zukunft, Musik im Netz usw. und Yours Truly (ich nämlich) war als Gesprächsgast eingeladen.

Immer wieder muss man FRITZ, selbst wenn man wie ich nicht mehr wirklich zur Zielgruppe gehört, eine sehr angenehme Leidenschaft zusprechen. Wie viele Radiosender mag es schließlich in Deutschland (auf der Welt?) geben, die einen Nachmittag lang HörerInnen kostenfrei zu live übertragenen Diskussionsrunden einladen, das ganze hübsch ausgeschmückt mit tatsächlichen Live Performances einiger junger Künstler? Nicht viele.

Große Teile der Diskussion habe ich nur im Radio verfolgt und fand es schade, dass jemand wie Gerd Gebhardt sträflicher Weise nicht auf den Antrag der IFPI, den Vergütungssatz für die Lizenzierung von Tonträgern von bisher 9,009 auf 5,6 Prozent zu senken, angesprochen wurde. Schließlich trifft dieser Plan nicht nur die Musikverlage, sondern mit Ihnen auch die Künstler. Denn dieses Vorhaben ist ein weiteres Meisterwerk in Sachen Versagen der Industrie, die sich mit der Ware Musik beschäftigt und entspricht der Denkweise eben dieser Industrie der letzten Jahre: Bloß nicht die eigenen Strukturen überprüfen, erstmal sehen, ob wir’s nicht an anderen Stellen nehmen können. Naja, die Tage von Leuten wie Gebhardt sind eh gezählt und beinahe fängt die alte Riege ja an, einem Leid zu tun. Beinahe.

Es gibt längere Artikel zu diesem Thema, die man sich leicht googlen kann, aber es darf ruhig wiederholt werden: Wer in den fetten 80er und 90er Jahren, in denen man durch den Siegeszug der CD jedes Stück Musik wiederholt verkaufen konnte, nichts für die schlechten Tage zurückgelegt hat, sondern stattdessen sein Geld für überteuerte Hotels, Selbstbeweihräucherungsveranstaltungen (ich weiß, wovon ich rede, ich war lange selbst dabei und ich kann Euch sagen…) und Puffs ausgegeben hat, der darf sich jetzt nicht wundern. Sie wurden mehrfach gewarnt, sie haben nie zugehört.

Denn das eigentlich Schlimme am Internet und an der Digitalisierung der Welt sind für die Major Plattenfirmen dieser Welt keineswegs die Verluste durch illegale Downloads oder Kopien, sondern ganz einfach der Kontrollverlust hinsichtlich der Verbreitung von Musik. Selten wurde soviel Musik gehört wie heute, selten waren Konzerte so gut besucht, selten wurde soviel Merchandising gekauft. Die Ware Musik boomt. Nur eben der CD-Verkauf nicht mehr, zumindest nicht in dem großen Rahmen, wie das mal der Fall war. Macht nix. Das Nächste bitte.

Das hätte ich heute nachmittag auch gerne im ColumbiaFritz gesagt. War aber keine Zeit dafür.

Das auf dem zweiten Bild bin nicht ich, das ist Max von FRITZ.

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