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Kinderzimmer aufräumen

Ich versuche, meinen Kindern beizubringen, ihr Zimmer nach dem Spielen selbst aufzuräumen. Das klappt nur mäßig (ok – es klappt gar nicht), aber die beiden sind ja auch erst ein paar Jahre alt.

Die Kinder, die am vergangenen Samstag den Heinrichplatz zu ihrem Spielplatz gemacht haben, sind älter. Haben’s aber immer noch nicht gelernt, sondern lassen andere aufräumen.

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Der Ausdruck „Kinderkram“ drängt sich natürlich nicht nur für steinwerfende Gymnasiasten auf (Originaltelefonat, mitgehört am Samstag Abend: „Mann, wir treffen uns am Mariannenplatz, nicht in Mariendorf, du Idiot, komm sofort her, hier geht’s gleich ab!“) oder für gelangweilte türkische Kids, die sich vor laufender Kamera als Sprayer bezeichnen und blöd gackernd und sich gegenseitig schubsend „den Bullen was heimzahlen wollen“, sondern ebenso für streckenweise plan- und ziellose Beamte, welche die Zufahrtsstraßen an der Kottbusser Brücke zur Belustigung der Passanten mit mäßig koordinierten Fahrzeugmanövern ständig auf- und wieder absperrten. „Ick hab‘ jesacht rechts lang fahren sollnse!“ tönte es aus dem Einsatzwagen in Richtung eines privaten PKW, da war dieser aber schon von anderen Einsatzwagen einkekesselt und konnte weder rechts noch links lang. Sehr lustig.

Ebenfalls an der Kottbusser Brücke beobachtet: Das mit knallgelben Westen ausgestattete Team der polizeilichen „Konfliktverhinderung“ (oder hieß es „Konfliktlösung“?), das mehrere Stunden lang dicht gedrängt unter seinesgleichen blieb. Gab vermutlich genug eigene Konflikte zu lösen.

Es ist keine Frage, dass die „Krawalle“ an jedem 1. Mai in Kreuzberg besonders den Kreuzbergern (sorry: den KreuzbergerInnen) auf den Wecker gehen und es sich bei denjenigen, die grundlos Steine schmeißen, inzwischen beinahe ausnahmslos um ortsfremde Menschen handelt, die eine Party der besonderen Art feiern wollen. Die örtlich und zeitlich vorhersehbaren Krawalle sind dumm und überflüssig und erreichen kein Ziel (vermutlich auch, weil sie gar keines haben).

Und dennoch kam bei mir wie jedes Jahr Verständnis für Aggression auf, und ich fühlte mich in einigen Momenten an Demos zu Zeiten der Hausbesetzungen erinnert (ja, ich bin alt). Der Grund dafür ist die Grundstimmung, die durch die Art und Weise der Polizeianwesenheit entsteht. Ich mag es nicht, *wie* und in welchem Ton Menschen nach ihrem Ausweis angesprochen oder auch nur angesehen werden, kann die gespielte Pseudo-Authorität, mit der die Beamten (sorry: BeamtInnen) auftreten, nicht leiden. Die Respektlosigkeit und Arroganz der Polizei macht sicher nicht nur mich wütend und ängstlich und somit aggressiv. Das armee-artige Auftreten, die Kampfuniformen, das Marschieren, die Durchsagen… ich will es nicht in meiner Nähe haben, mindestens genauso wenig wie bekloppte Jugendliche, die es lustig finden, in vermeindlicher Anonymität das Risiko einzugehen, jemanden unter Umständen schwer zu verletzen. Aus Spaß.

Und ich frage mich daher jedes Jahr: Wie würde der 1. Mai in Kreuzberg aussehen, wenn die Polizei nicht vor Ort wäre? Wenn man keinen einzigen Polizisten sehen würde? Und bitte auch keinen dieser ekelhaft im Jugend-Konsenz gekleideten Zivis mit Heavy Metal oder Marihuanablatt T-Shirt, die man am schnellsten daran erkennt, dass sie nüchtern sind?

Mir ist klar, wie hypothetisch diese ‹berlegung ist, denn vermutlich wäre ein komplettes Fernbleiben der Staatsmacht juristisch unmöglich (bin kein Experte, was das angeht). Aber spannend ist die Vision allemal.

Würden die Einwohner Kreuzbergs gelassen, aber bestimmt gegen Steinwerfer vorgehen (ich benutze hier absichtlich nur die männliche Version, ich glaube, dass Krawalle solcher Art ein Macho-Problem sind)? Könnte sich der Abend am Heinrichplatz also auf zivile Art selbst regulieren? Oder würde ein entstehendes Chaos zu weitaus schlimmeren Folgen als leichten Verletzungen führen, würden die Konflikte zwischen Zivilisten zu „Mord und Totschlag“ führen? Können Menschen mit sich selbst umgehen und dabei nicht zu Tieren werden?

Schade, dass man das nicht ausprobieren kann.

Und um mal Kreuzberg zu verlassen: Zwar erkenne ich das Verhindern des Naziaufmarschs in Lichtenberg im Gegensatz zu den Unruhen in Kreuzberg (bzw. was daraus geworden ist) als grundsätzlich „richtiges“ Ziel an – zumindest hat es ein klares und politisch begründetes Ziel – und natürlich ist es gut, sich rechten Schwachköpfen entgegen zu stellen. Aber auch hier frage ich mich, ob man nicht den ausgetrampelten und damit vorhersehbaren (und somit global gesehen recht uneffektiven) Pfad des Bekannten verlassen kann.

Würde man einen Naziaufmarsch nicht viel besser vorführen, wenn man die hässlichen Gesichter durch die Straßen gehen lassen würde, damit wir sie alle sehen und erkennen können? Wenn sich jeder Passant (und die Weltöffentlichkeit) selbst davon überzeugen könnte, wie dumpf und gestrig eine solche Veranstaltung samt Unterstützern ist? Und könnte man die Alternative nicht in ein viel positiveres Licht stellen als durch das aus Bürgersicht (also selten im Detail betrachtete und damit klischeehafte) Stören durch Opposition im Sinne von Verhinderung, indem man einen NPD Aufmarsch mit viel Humor einfach nur begleiten würde? Wie würde dieser Aufmarsch in der internationalen Presse aussehen, wenn sich einige tausend Gegendemonstranten völlig albern mit Hitlerbärtchen und kurzen Röcken ausrüsten würden und zu extrem lauter Volksmusik wie die Bekloppten neben der eigentlichen Demo „marschieren“ würden? Denken wir doch mal in Richtung „Monty Python“ statt in Richtung „Wolfgang Niedeken“.

Da das Thema immer schnell zu überhitzten Kommentaren führt: Ich möchte Gefahren von rechts nicht herunterspielen und ich möchte niemanden dazu auffordern, die aktive Opposition gegen Nazis fallen zu lassen. Ich möchte nur anregen, ihr ein anderes Gesicht zu verleihen, um den Unterschied zwischen „rechts“ und „links“ zu einem viel klareren zu machen. Nämlich zu dem Unterschied zwischen „ernst, bedrohlich, männlich, fies und menschenverachtend“ und „witzig, kreativ, lustbetont und menschenliebend“.

Denn das wäre tatsächlich sehr undeutsch.

71 Kommentare

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    Johnny, genau denselben Einfall hatte ich auch…

    Aber fertig gedacht glaube ich wuerde es zu weitaus mehr Randalen kommen, frei nach dem Motto: Mal schauen wieviele Autos wir in Brand stecken muessen bis die Schlaegerbande kommt.

    Oder die Randalierenden wuerden sich andere Gebiete suchen wo sie mit Garantie auf Polizisten treffen. Beispiel: Gendarmenmarkt, Unter den Linden, Regierungsviertel.

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    jafar

    i live by the river!

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