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Surfin‘ Mom

Also, das mit dem Internet ist ja wirklich irre!

Sagte meine Mama vorhin zu mir. In meinen Ohren klang das ein bisschen wie „Du scheinst dich ja die ganze Zeit doch mit was Anständigem beschäftigt zu haben!“ und ich war über diesen Satz sehr froh.

Denn es ist nicht so, dass ich sie dazu gedrängt hätte, nee, nee. Sonst stünde da ja auch kein PC, sondern ein Mac, logisch.

Nein, ihr Mann hat sich vor ca. einem halben Jahr einen alten Rechner von einem Freund hingestellt und die beiden (meine Mama und er) haben sich langsam eingearbeitet, sie hat sogar aus eigenem Antrieb einen Internet-Kurs besucht. Und mit ihrer Lehrerin immer Spreeblick gelesen, und ich fand es klasse, dass Mama doch immer irgendwie stolz auf ihre Söhne ist.

Wenn das jetzt irgend jemand nicht erwähnenswert findet, dann wartet mal ab, ob ihr im Alter von 60 Jahren noch anfangen werdet, euch für die „SonyApple Netstation X-Box“ zu interessieren.

Ich garantiert nicht, das kann ich euch wohl versprechen, ich werde mit Freude zu einer älteren Generation gehören, die technischen Fortschritt strikt ablehnt, da ich keinerlei Verbesserung meiner eigenen Lebensqualität erkennen kann.

Ich werde pöbelnd und eingehüllt in eine Heizdecke neben meiner Frau im Schaukelstuhl sitzen und auf die Kinder schimpfen, die gegen meinen Willen eine Jambalehre begonnen haben, mein old-school Blog (ohne Ton, ohne Video) mit dem letzten je produzierten PowerBook (6 Jahre alt, noch mit echter Batterie) volltippen, hunderttausende T-Shirts mit den Aufdrucken „Rüstig“ und „Too old to care“ verticken und darauf warten, dass ich endlich 85 bin. Denn dann werde ich Heroin ausprobieren, kann ja nicht mehr viel Schlimmes passieren.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: Meine Mama hat ihr erstes Internet-Schlüsselerlebnis gehabt, daher das Zitat. Eines, wie wir es auch alle mehr oder weniger ähnlich kennen und das uns vielleicht die Augen geöffnet hat:

Sie hat in einem Chatraum einen unglaublich attraktiven

Ihr Mann hat einen alten Schulfreund ausfindig gemacht, der heute im kanadischen Wald als sehr gefragter Gitarrenbauer lebt und arbeitet, und seitdem gehen die Mails mit Berichten und Fotos hin und her. Über gegenseitige Besuche wird bereits nachgedacht.

Und das ist doch auch nach wie vor irre.

Mein erstes „Aha!“-Erlebnis im Netz schreibe ich auch mal auf, irgendwann.

Zeit für Bier Nummer drei. Das könnte hier noch ein Experiment werden.

9 Kommentare

  1. 01
    David

    heute macht es wieder richtig Spass hier zu lesen, genehmige mir jetzt auch ein Bierchen und schau dazu Harald! Bis spättäter.

  2. 02

    Wenn die Qualität der Einträge so bleibt, bitte nicht mit dem Saufen aufhören. *schleim*

  3. 03
    Sebastian

    ….“Mama ist stolz!“…

  4. 04

    Kann man dafür abgemahnt werden? Für steigende Qualität bei steigendem Alkoholkonsum?

    Leider keine Chance, das dritte wird das letzte sein. Ist keins mehr da.

  5. 05

    johnny: Ganz schäbig. Als nächstes packst du einen PayPal-Button nebendran und schreibst „für mehr Bier“ drunter, man sieht’s doch kommen.

  6. 06
  7. 07
    stefanx

    super. genau so stelle ich mir mein alter auch vor.
    und obigen satz höre ich von meinen eltern vielleicht auch nochmal. 2030 oder so.

  8. 08

    hör ich auch öfters, gefolgt von irgend einer frage, die den satz ad absurdum führt wie: „kann des dann jeder lesen?“

  9. 09

    @johnny:
    Das wäre fatal.
    Sorgt aber für neuerliche Resonanz.

    Alles Gute

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