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Toll

Wisst ihr…

Ich frage mich gerade, und das hat rein gar nichts mit diesem ursprünglich sehr kurzen Posting zu tun, wieso ich hier duze. Ich bin erwachsen, die Lesenden (clever, was?) sicher auch. „Sie“ ist doch so schön. Ich mag das tatsächlich.

Aber ich fürchte, beim Bloggen haben mir bestimmte Blog-Communities das „Sie“ unwissend und unabsichtlich versaut. Sind bestimmt alles jüngere Menschen, die sich „aus Spaß“ siezen. Aber will ich denen den ganzen Spaß überlassen? Es ist schließlich sowieso ungerecht, dass man die ganze Schönheit, Lebensfreude und Energie an die Jugend verschenkt, während man diese Eigenschaften im höheren Alter doch viel mehr gebrauchen kann. Also gut.

Wissen Sie…

Das kling wie Johannes B. Kerner. Also doch nicht.

Wisst ihr, was das Tollste am Bloggen ist?

Andere Blogs.

Die Trackbacks, die Verweise von anderen und auf andere Blogs, meist absichtlich und gut gemeint, manchmal in gar spam-artiger Anbiederung um Aufmerksamkeit buhlend und trotzdem okay, manchmal auch zufällig gefunden bei der Recherche nach einem ganz anderen Thema als dem, bei dem man letztendlich gelandet ist.

Ich will nicht vertuschen, dass es mir mit anderen Blogs oder generell anderen Websites genauso geht wie mit Menschen in einer Kneipe voll schlechter Musik oder mit Fernsehprogrammen. 95% davon interessieren mich nicht. Oder besser, um die wunderbaren Smiths und „Panic“ zu zitieren:

It says nothing to me about my life!

Aber die übrigen 5% sind doch immer wieder ein Lächeln , ein gedankliches Abdriften oder wenigstens eine gerunzelte Stirn wert. Oder ein „Komm‘ mal, guck mal!“ oder einen Link, der per E-Mail unkommentiert an einen Freund (oder eine Freundin!) verschickt wird. Oder natürlich einen Verweis von der eigene Site.

Jetzt habe ich das etwas sehr aufgebauscht, das wollte ich gar nicht.

Ich sitze hier nur gerade mit einem (ja, dem ersten) Bier, es ist sehr still in der Wohnung (nur die Tasten des PowerBooks klappern nett und verständnisvoll, wenn auch lange nicht so schön wie die meiner ganz alten Macintosh ADB-Tastatur) und ich freue mich. Vielleicht würde man viele der Menschen, die man gerne liest, bei einem Treffen gar nicht so spannend finden, wie man beim Lesen ihrer Texte gehofft hat (wobei meine wenigen Erfahrungen diese Vermutung nicht bestätigen, aber vielleicht hatte ich Glück), doch es reicht ja auch vorerst, sie zu lesen. Und so freue ich mich mal wieder über die vielen Texte und Fotos, die wildfremde Menschen im Netz veröffentlichen und die ich (zu 5% eben) richtig, richtig, richtig gut finde.

Ich brauche dass wirklich, dieses Gefühl, dass es noch andere Leute außer meiner Familie und den engen Freunden gibt, die man im weitesten Sinne für zurechnungsfähig halten kann. Denn der Fernseher, das Radio, die Plakate auf der Straße, die Meldungen in den Zeitungen geben sich täglich sehr viel Mühe, mir einzureden, dass es diese Leute nicht gibt.

Ja, ziemlich pathetischer Eintrag, aber ich bin manchmal so. Sonst geht’s mir gut, danke.

Als Abschluss natürlich ein Beispiel, das hoffentlich nicht an dem langen Intro zerbricht, stellt es euch also ohne Intro vor, als ganz kleinen Link von vielen, so war es nämlich hier getippt, bevor ich begann, mich über meine Freude zu wundern.

Sowas hier beeindruckt mich immer sehr (Kommentare bitte wegdenken), denn ich schaffe es sehr selten, so viel mit so wenig Worten zu sagen.

Wie man an diesem Eintrag deutlich merkt.

Zeit für Bier Nummer zwei.

14 Kommentare

  1. 01
    Peter the man whitout hair

    Sie sind heute aber fleißig!

    Jeder ist seines Glückes Schmied, aber nicht jeder Schmied hat Glück!

  2. 02
    Noyer

    Das mit den zurechnungsfähigen Leuten kenne ich.
    Mich trösten manchmal Höreranrufe bei bestimmten Sendungen im Radio. Unglaublich, was manche Leute wissen und womit sie sich beschäftigen. Und dann denke ich mir: Siehst Du, diese Leute gibt es doch _auch_!

  3. 03

    Das mit dem „Sie“ entsprang nicht bei twoday.net sondern dessen Mutter-Ameisenhaufen antville.org. Ich vermute es entstand durch den Drang diese abgeschlossene Gesellschaft zu unterstreichen. Viel Feingeist wird gerade auf antville.org mit Phrasen wie „.com is nur internetz“, „dooh!“, voellig falscher Punktierung relativiert. Und glauben „Sie“ mir, das Juengere Ameisen haben es manchmal ziemlich schwer gegen den alteingessenen Kluengel.

  4. 04

    Also wenn schon „Sie“, dann bitte groß geschrieben … auch in der neuen Rechtschreibung ist das noch so. Nur das „du“ darf/soll/muß man klein schreiben … was dann irgendwie aber auch wieder unpersönlicher wirkt, oder?

    Un zurechnungsfähig? Bin ich schon lange nicht mehr … arbeite immerhin in einer Anstalt … ok, ist eine öffentlich-rechtliche, aber Anstalt bleibt Anstalt ;).

  5. 05

    Ich als ehemaliger twoday.net User kann das nicht bestätigen, aber vielleicht war ich auch nur zu kurz da (ein oder zwei wochen). Man kann nur hoffen, dass diese Kinder von myblog.de, twoday.net und co. schnell groß werden und ähnliche konsequenzen ziehen wie ich. __Sie__ werden es sicher tun….irgendwann.

  6. 06
    Der Rechen

    Eine eigentümliche Art und Weise hast du die Dinge des Lebens zu beleuchten, ganz ehrlich. Aber immer (na schön, meist) einen aufmerksamen Blick wert.

  7. 07

    Das mit dem „Du“ versus „Sie“ erspar ich mir dank englisch-sprachigem Blog. Da muss ich auch nicht zwischen alter und neuer Rechtschreibung wählen. Schon eher zwischen British-English und US-English, aber das ist eigentlich seit Schulzeiten eine klare Entscheidung gegen British-English (pardon me?).

    Übrigens, mit der 5%-Theorie… bei mir sind Blogs eher bereits die 5% des Gesamtwebs, und zwar eher die guten, soll heißen: wer heute bloggt, ist mit 95% Wahrscheinlichkeit zurechnungsfähig! (OK, das war jetzt ein optimistische Schätzung…)

  8. 08

    Das „Du“ is schön schöner. Finde ich übrigens im Allgemeinen. Die Schweden haben vor ca. 40 Jahren das Sie quasi abgeschafft. Es existiert zwar noch aber selbst Regierungsbeamte werder dort ge-du-zt.
    Wäre denn das ganze Leben nicht alles etwas persönlicher und verbundener, wenn wir alle Du-zen würden? Besser noch: Die Frage ob man den (oder die) Gegenüber nun Du-zen oder Sie-zen sollte würde ersparrt bleiben. Das wär‘ mal was..

  9. 09

    Martin, ich muss echt dringend einen Crash-Kurs machen in Sachen neuer Rechtschreibung. Nachdem ich anfangs ganz fit war, wird das jetzt Kraut und Rüben bei mir. Sie bleibt in der Anrede groß, nur das du ist jetzt klein. Stimmt. Ändere ich, denn es sieht auch besser aus.

  10. 10
    gelberindianer

    Ja toll – ich dachte schon, nur ich verstehe gruendlich miss, was wichtig iss…?
    johnny bleib wie du bist – mir ging’s auch gleich besser, weil’s du wieder mal geschafft hast ganz kurz, bei nur einem Bier, etwas herrlich in die Laenge zu ziehen, ohne zu langweilen – zumindest mich!

    Prost bei Bier Nummer zwei!

  11. 11

    Was im Zusammenhang „Du vs. Sie“ interessant ist (und um auf Alex‘ Geschichte mit dem abgeschafften „Sie“ einzugehen): im Englischen gibt es das „Du“ praktisch gar nicht mehr, dort wird immer nur gesiezt. Denn das „You“ hieß im Mittlealter eben „Sie“, das „Du“ war als „Thou“ bekannt. Meines Wissens gibt’s in den offiziellen Wörterbüchern das „Thou“ immer noch, aber es wird halt nicht benutzt – der Brite siezt also selbst seine Schwester oder seinen Bruder ;)

    Aber es ist natürlich von Fall zu Fall so ’ne Sache, was man besser nimmt: „Du“ oder „Sie“. In den Printmedien hat sich das „Sie“ ja manifestiert, im konventionellen Radio wird nur geduzt, im Fernsehen gibt’s ’ne Mischform (je nach Sendung). Und online – tja, da hat sich das „Du“ eben durchgesetzt. Das mag wohl mit dem Usenet zusammenhängen, in dem viele Traditionen deutschen Onlineverhaltens eingeführt wurden, die sich bis heute gehalten haben (Stichwort Netiquette ^^). Auch wenn viele diesen Zusammenhang leugnen wollen („Blogs != Usenet“) und im Grunde auch damit Recht haben – den Ursprung hat das durchschnittsdeutsche Onlineverhalten inklusive des konsequenten Einsatzes des „Du“ nun einmal im deutschsprachigen Usenet – wäre dort von Anfang an gesiezt worden, würde in Onlineforen, Chats oder Blogs wohl auch das „Sie“ am Häufigsten anzutreffen.

    Jetzt ist der Kommentar glatt länger geworden, als ich vorhatte…

  12. 12

    Wenn’s gut ist, darf’s auch lang sein. :)

  13. 13

    wissen sie, es gibt gar keine blog-communities. nur blogs.

  14. 14

    Frau Karla, stimme grundsätzlich zu. Habe aber von twoday Nutzern schon Geschichten gehört, die anderes vermuten lassen. ;)

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