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Der SpOn, der aus der Kälte kam

Als erstes Ergebnis meines „Man muss nicht alles sofort kommentieren, manchmal macht es Sinn, vorher ein paar Stunden nachzudenken“-Vorhabens:

Warum die samstägliche Diskussion zwischen Don Alphonso und Frank Patalong als Opener gleichzeitig ein Abspann sein könnte.

Ich mag (die „Kunstfigur“) Don Alphonso genau für das, wofür ihn viele nicht mögen, nämlich für die polarisierende Wirkung seiner Pamphlete. Denn es ist eine Form von Punk, wissentlich und sehr bewusst Themen überspitzt darzustellen, Meinungen und Fakten zu mischen und oberflächlich (!) betrachtet einen Scheiß darauf zu geben, was andere von dieser Vorgehensweise halten. Diese Vorgehensweise erzeugt Emotionen, funktioniert in allen Bereichen der Kultur und hat in einigen Lebensbereichen für manchmal nur geringfügige, aber dennoch wichtige soziale Veränderungen gesorgt.

Ich kann nicht sagen, dass ich Frank Patalong mag oder nicht, dazu verfolge ich seine Arbeit zu einseitig (nämlich hauptsächlich via Blogs), doch ich kann sehr wohl sagen, dass ich seine Reaktionen während des oben erwähnten Gesprächs schlicht langweilig und einstudiert, also unemotional und auch unehrlich empfand. Das stellt ihn für mich auf eine Ebene mit dem Gros aktueller Politiker, Medienstars und Unternehmensverantwortlichen. Und macht ihn leider zu einem Teil der vielen Probleme, denen sich unsere Gesellschaft stellen muss. Wer also der Meinung ist, dass sich Herr Patalong „besser geschlagen hat“, der vergisst, dass er nichts gesagt hat.

Klar ist, dass Herr Patalong gar nicht anders reagieren kann und darf, als er es getan hat, denn er vertritt in einem solchen Gespräch ein Unternehmen (und addiert man etwas Pathos, eine ganze Branche). Klar ist ebenso, dass Herr Alphonso, der sich selbst zu Recht als privilegierten Journalisten bezeichnet, sich selbst vertritt. Und niemanden sonst.

Und damit könnte alles gesagt sein, was zu diesem „Streit“ zu sagen wäre. Eine Online-Redaktion wie die von Spiegel-Online mit einem oder von mir aus auch allen Blogs zu vergleichen, ist im Grunde genauso blödsinnig wie der Vergleich eines Major-Labels mit einer Band, die ihre Songs kostenfrei über das Internet vertreibt. Ziele, Publikum, wirtschaftliche Voraussetzungen und Sachzwänge sind so unterschiedlich, wie sie nur sein könnten.

Doch ganz so leicht dürfen wir es uns nicht machen. Denn wir reden wir hier trotz aller Unterschiede nicht über Christina Aguilera und Fugazi, zwei Welten, die sich eher selten begegnen, sondern über Autoren und… Autoren. Und deren Welten begegnen sich ob der vorhandenen Technik recht häufig. From SpOn to Don in a click.

Dabei sind die Zahlen-Argumente von Frank Patalong völlig unerheblich. Es ist egal, wieviel tausend Leser (und Leserinnen!) SpOn mehr hat als Don, denn während Fans von Christina Aguilera in der Musik von Fugazi einfach nicht das finden, was sie suchen und eine „Abwanderung“ ihrer Fans zu Fugazi daher eher unwahrscheinlich ist, ist ein Wechsel der Leser (und Leserinnen!) von SpOn zu anderen Informationsmedien keine Frage des Fantums. Niemand bekennt sich so zu einer Informationsquelle wie er (oder sie!) es zu einer Band tun mag – ich kenne niemanden mit einem Spiegel-T-Shirt – der „Switch“ kann also schneller passieren, als den „klassischen“ Medien lieb ist.

Selbst wenn Herr Patalong im Gespräch Wert darauf legt, dass SpOn nicht viel mit dem Print-Spiegel zu tun hat, ist völlig klar, dass sich die Zugriffe auf SpOn stark vom Image der Mutter nähren. Alle weiteren möglichen Pro-Argumente wie Geschwindigkeit, Masse und Qualität sind mit ein paar konzentrierten Treffen mit fellow bloggers und einigen in Nachrichtenagenturen investierten Euros schnell eingeholt. Und gekoppelt mit den Vorteilen, die die Blogger-Kultur hat, sogar zu toppen.

Es kann nicht darum gehen, ob Blogs oder SpOn „besser“ sind, das ist müßig und ob der oben genannten Argumente einfach Quatsch, sondern um die Frage, ob Blogs die bisherigen Mainstream-Medien beeinflussen und damit die Welt der Informationsmedien sogar verändern können.

Die klare Antwort lautet: Sie können nicht nur, sie müssen.

Genau wie die Musikindustrie hat scheinbar auch die Nachrichtenindustrie begonnen, sich ihr eigenes Grab zu schaufeln. Das soll nicht gehässig klingen, denn ich fänd es völlig okay, wenn SpOn tatsächlich das beste deutsche Online-Informationsmedium wäre. Ich habe kein persönliches Interesse daran, „klassische“ Medien zu bashen.

Ich habe aber ein persönliches Interesse daran, dass die wichtigen Medien in diesem Land (und dazu zähle ich den Spiegel nach wie vor) nicht stehenbleiben und den positiven Medienentwicklungen Tribut zollen. Ich habe ein persönliches Interesse daran, dass ich einem traditionellen Haus wie dem Spiegel ein Grundvertrauen entgegenbringen kann. Und ich habe ein persönliches Interesse daran, dass Reporter und Journalisten unabhängig von wirtschaftlichen und politischen Interessen für eine Form der Wahrheitsfindung und für jeweils als objektive oder subjektive Berichterstattung gekennzeichnete Artikel arbeiten können, denn das ist ihre Aufgabe, nicht das Rezitieren von PR-Meldungen oder das Abschreiben bei Dritten.

Und genau wie die Musikindustrie wehren sich die großen Verlagshäuser mit bornierter Stumpfheit weiterhin, die Vorteile der vernetzten Gesellschaft zu nutzen und damit diese Aufgabe zu fördern:

  • Externe Links in Texten sind Raritäten, denn dann würde ja der Leser (oder die Leserin!) die Seite und damit den Werbeträger verlassen. Die Chance, Lesern (und Leserinnen!) mit echten Hypertext-Dokumenten eine helfende Hand im Dickicht der Informationsflut zu reichen, wird ignoriert.
  • Informationen über Quellen sowie Autoren bleiben an der Oberfläche. Eine Transparenz, wie man sie in guten Blogs findet, gleicht in manchen publizierenden Köpfen offensichtlich einem „sich in die Karten schauen lassen“ und steht damit außer Frage.
  • Kommentarfunktionen werden nur vorsichtig getestet. Mir ist klar, dass ein Medium mit Kommentarfunktionen wie z.B. heise auch manchmal zeigt, wie sehr Kommentare nerven können, doch die Vorteile überwiegen.
  • Es gibt keine wirkliche Vernetzung jenseits der wirtschaftlich geprägten, schon gar nicht mit dem Publikum. Der Leser (und die Leserin!) gelten als zusätzliche Belastung, als Störfaktor, auf den selbstverständlich ein bisschen eingegangen werden muss, um ihn nicht zu verlieren, der aber weder als Regulativ noch als möglicherweise qualitätssteigernder Faktor ernst genommen wird.

Dabei ist es so einfach, wenn auch mit zusätzlicher Arbeit verbunden:

  • Wenn ich einen Fehler in einem Text habe, sei er inhaltlicher Natur oder nur ein Vertipper, korrigiert mich meist schon der erste Kommentar und ich vergebe mir nichts dabei, darauf zu reagieren, im Gegenteil. Die Art und Weise, wie ein Autor mit Kritik oder Verbesserungen umgeht, ist ein Teil seiner vorhandenen oder eben nicht vorhandenen Qualität. Niemand erwartet, dass Journalisten oder Blogger perfekt sind, aber jeder Leser (und jede Leserin!) erwartet mit Recht Ehrlichkeit und Transparenz.
  • Indem ich auf meine Quellen verweise, indem ich mit einzelnen Links tiefergehende Informationsquellen offeriere, gebe ich Lesern (und Leserinnen!) Werkzeuge an die Hand, die sowohl meine Glaubwürdigkeit als auch meine Qualität steigern.
  • Indem ich mein Publikum ernst nehme und aufmerksam zuhöre, vertiefe ich mein eigenes Wissen und verbessere damit ebenso meine Qualität. Was wieder das Publikum freut.

Wäre dieser Text eine Powerpoint-Präsentation (und er wäre es niemals, denn ich benutze Keynote), würden jetzt die Worte „Win-Win-Situation!“ in drei verschiedenen Fonts in fünf Farben auf dem Monitor vor euch aufblinken.

Nun bin ich nicht klüger als die versammelte SpOn-Chefredaktion. Das, was ich hier tippe, wissen die schon lange. Hoffe ich. Doch statt zu reagieren, statt sich zu öffnen, statt mit mit väterlichem Großmut Gespräche mit jungen, vernetzten Söhnen (und Töchtern!) zu suchen und tatsächlich zuzuhören, hofft man scheinbar genau wie viele andere Branchen darauf, dass alles so bleiben wird, wie es ist.

Dabei ist es schon viel besser.

26 Kommentare

  1. 01
    Bow

    schöner, wahrer text… mal wieder ein beleg dafür wie gern ich dich lese ;)

  2. 02
    bussibaer

    das phänomen das du hier beschreibst ist fast in allen bereichen zu finden.
    genauer: das etablierte hatte schon immer angst vor neuem.
    weil: da müsste man seine eigene position überdenken, fehler zugeben, für neuerungen offen sein (was arbeit bedeutet).
    doch so schlimm wie derzeit war es noch nie.
    die gleichen leute die uns die digitalen medien inbrünstig als zukunft verkauft haben, versuche nun alles mögliche, die von ihnen offerierten möglichkeiten einzuschränken.
    den beelzebub mit dem teufel austreiben.
    smells like stagnation, weltweit.
    stagnation hiess schon immer untergang.
    das wussten schon die römer.
    im alltag spiegelt sich das z.b. wieder in solchen worthülsen wie „arbeitsplatzerhaltung“.
    man möchte etwas erhalten was so offentsichtlich nicht mehr funktioniert.
    anstatt umzudenken wird blockiert.
    das es auch anders geht zeigt uns z.b. der open source gedanke.
    viele helfen vielen.
    ein miteinander statt gegeneinander.
    vergesst die eifersüchteleien.
    persönlich: ich liebe musik. z.zt bin ich in china und kann deswegen nicht die musik kaufen die ich haben möchte. also download.
    es gibt soviel legale downloadmöglichkeiten.
    mittlerweile finde ich im netz eher etwas neues, aufregendes.
    letzendlich: für mich ist diese diskussion über legal und illegal völlig egal (erinnert mich an eine spontispruch).
    die aktiven leute im netz brauchen die industrie nicht mehr.
    die brauchen uns.
    wir aber nicht die.
    weil die das wissen oder fühlen (wenn sie dazu noch imstande sind) haben sie angst.
    wie ein wildes tier ohne fluchtmöglichkeit werden sie agressiv.
    ich geniesse das mittlerweile und lache nur noch über die verzweifelten versuche uns einschränken zu wollen.

  3. 03

    *beifallklatsch*

  4. 04

    Ich muss mir jetzt wohl einen Iro schneiden und ein Johnny-Tattoo auf den Unterarm tätowieren lassen…

  5. 05
  6. 06

    die situation im tattoo-studio kann ich mir wunderbar vorstellen:
    „halt, nein! haeusler, nicht rotten!“

    (weia, war das jetzt ’n insider?)

  7. 07

    nun, gesagt hat er wirklich nichts, daran besteht kein Zweifel. Für mich wirkte er in dem Gespräch einfach souveräner, das ist alles. Weswegen er oder SpOn bei mir allerdings nicht notwendigerweise Pluspunkte gesammelt haben. Ein konstruktiver Dialog sieht einfach anders aus.

    Aber vielleicht bin ich auch einfach von dem ganzen Blogs vs. traditionelle Medien gelangweilt. Die Dinge nehmen halt einfach ihren Lauf, beides wird sich im Laufe der Zeit einen bestimmten Platz sichern und sich ganz automatisch weiter gegenseitig beeinflussen, da ändert auch beidseitige Disserei nix dran.

  8. 08

    Wie wärs denn, wenn man SpOn einfach mal etwas kitzelt? Man zieht eine „Parallelseite“ hoch. Eine Seite, die nicht aussieht wie spon und nicht die Inhalte von SpOn hat. Aber es gibt zu jedem Artikel auf SpOn eine Seite mit Kommentarfunktion. Insider hätten somit im ersten Schritt die Möglichkeit jeden Artikel beliebig zu kommentieren und die Kommentare anderer zu lesen. Über ein Bookmarklet könnte man jedem Benutzer die Möglichkeit geben schnell vom Artikel zu den Kommentaren zu springen. Im zweiten Schritt könnte man dann eine Firefox Extension schreiben, die die Kommentare direkt in SpOn einbettet – natürlich so, dass die Copyrights von SpOn nicht angetastet werden. Falls das ein Erfolg wird kann man Geld sammeln und damit Anzeigen auf SpOn für die Kommentarfunktion schalten.

  9. 09

    In fact, ich habe danach mit ein paar leuten vion Wikipedia geredet, da schwirrte die Idee vom Wipiegel mal kurz durch den Raum…

  10. 10

    toller Artikel; schön, dass du etwas vom ‚wir gegen sie‘ abstrahiert hast.

    @max: so eine extension gibts schon, am MIT Media Lab gibts gerade ein Projekt, wo das mit der NY Times angetestet wird:
    http://web.media.mit.edu/~golder/projects/webbedfootnotes/

  11. 11

    @frank: eher, „Nein, nicht Hausler… ‚Haeusler’… verdammt!“

  12. 12

    …Und wer noch einmal in meiner Gegenwart behauptet, das _Fernsehen_ sei ein selbstreferentielles Medium, dem haue ich die gesamte Blogosphäre um die Ohren.

  13. 13

    „Niemand bekennt sich so zu einer Informationsquelle wie er (oder sie!) es zu einer Band tun mag – ich kenne niemanden mit einem Spiegel-T-Shirt – der „Switch“ kann also schneller passieren, als den „klassischen“ Medien lieb ist.“

    Aber Spreeblick-T-Shirts gibts doch noch, oder!?

    Gut, Spreeblick.com ist keine reine Informationsquelle wie der SpOn. Eigentlich etwas ganz anderes. Aber im Bezug auf die Blogsphäre, wäre der Vergleich Spreeblick vs. SpOn schon angebracht.
    Ich denke beim SpOn fehlen einfach ein paar Idole. Hätte der SpOn diese, könnte er auch dem Personenkult entsprechend bedienen.

    Vielleicht will der SpOn ja gar keine Interaktivität mit seinen Lesern und unterlässt deswegen die Kommentarfunktion. Ansonsten wäre es ja auch durchaus denkbar, dass der SpOn einen „Gast-Bereich“ einrichtet, in dem dann Nicht-SpOn-Journalisten veröffentlichen können.
    Das aber würde dann wieder den (sich selbst verliehenen) Qualitätsanspruch des SpOns stark untergraben. Ich denke nicht das sich da irgendwann noch mal etwas ändern wird. Die Dinge sind so wie sie sind. Und die Streitgespräche, so wie sie jetzt grade aktuell sind, könnten noch Jahrelang so weiter gehen.

    Anm.: SpOn kann in meinem Kommentar gerne wahlweise auch durch andere, gleich strukturierte, Online-Publikationen ersetzt werden.

  14. 14
    lowpass

    Einige kritische Anmerkungen:

    >Externe Links in Texten sind Raritäten, denn dann würde ja der Leser >(oder die Leserin!) die Seite und damit den Werbeträger verlassen.

    Kurzer Check auf sueddeutsche.de: bei 90% aller dortigen Artikel
    aus Politik, Kultur und Sport würden mir Links keinen echten Mehrwehrt bieten. Auf Alibi-Links („www.spd.de“, „www.dfb.de“, …) kann ich verzichten.

    >Informationen über Quellen sowie Autoren bleiben an der Oberfläche. >Eine Transparenz, wie man sie in guten Blogs findet, gleicht in manchen >publizierenden Köpfen offensichtlich einem „sich in die Karten schauen >lassen“ und steht damit außer Frage.

    Wie sollen Quellen-Informationen aussehen? Seitenlange Fußnoten (bei aufwendig recherchierten Seite-3-Reportagen – sofern es überhaupt noch aufwendig recherchierte Reportagen gibt :) oder
    kurze Hinweise auf DPA/AP/… (die ohnehin meistens vorhanden sind)?

    >Kommentarfunktionen werden nur vorsichtig getestet. Mir ist klar, dass >ein Medium mit Kommentarfunktionen wie z.B. heise auch manchmal >zeigt, wie sehr Kommentare nerven können, doch die Vorteile >überwiegen.

    Schwierige Frage. Die Kommentare hier und in diversen anderen
    Blogs sind nur deshalb interessant, weil nur wenige Leute Kommentare
    schreiben und die wenigen Kommentare in der Regel inhaltlich
    hochwertig sind. Anders Heise. Um da aus der Masse interessante
    Beiträge und Autoren herauszufiltern, muß man die Heise-Kommentare
    schon über nntp mit entsprechender Software (mit Scoring etc.) lesen…
    Ich vermute, daß ab einer bestimmten Nutzerzahl das Rauschen in
    den Kommentaren einfach zu hoch wird. Wie der langsame Niedergang
    des Usenets seit 1994 gezeigt hat.

    Nebenbei: längere Diskussionen in Blogs finde ich schnell extrem
    unübersichtlich. Die üblichen Kommentarfunktionen sind leider nur
    auf Kommentare, nicht auf Diskussionen zwischen vielen Teilnehmern
    ausgelegt. Heise geht da mit dem nntp-Gateway den richtigen Weg.
    Siehe auch
    http://blog.koehntopp.de/archives/173_URLs_sind_keine_IDs.html
    und
    http://blog.koehntopp.de/archives/167-Wir-sind-so-geil,-….html

    Zum Thema:
    Ich erwarte von „der Presse“ nicht unbedingt ein Eingehen auf neue
    Medienentwicklungen. Ich erwarte fundierte, sauber recherchierte
    Berichterstattung (ob und inwieweit ich diese zur Zeit bekomme, ist
    eine andere Frage). Da kann die Zeitung auch vermeintlich altmodisch
    layoutet sein, wie etwa die NZZ.

    >Ich habe ein persönliches Interesse daran, dass ich einem traditionellen >Haus wie dem Spiegel ein Grundvertrauen entgegenbringen kann. Und >ich habe ein persönliches Interesse daran, dass Reporter und >Journalisten unabhängig von wirtschaftlichen und politischen Interessen >für eine Form der Wahrheitsfindung und für jeweils als objektive oder >subjektive Berichterstattung gekennzeichnete Artikel arbeiten können, >denn das ist ihre Aufgabe, nicht das Rezitieren von PR-Meldungen oder >das Abschreiben bei Dritten

    Eben.

  15. 15
    lowpass

    Sorry, mir hats eben die Zitate verhauen. Alle Absätze, die mit „>“ beginnen, sind aus dem Ursprungs-Artikel zitiert…

    das zeigt entweder/und/oder:
    1. daß die Blog-Kommentarfunktionen für Diskussionen ungeeignet sind
    2. daß ich zu blöd bin, mit Kommentar-Formularen umzugehen.

    Sorry :)

  16. 16

    lowpass, das mit den zitaten in comments ist wegen des limitierten html etwas nervig, nicht deine schuld. ich versuch’s mal anders:

    „90% aller dortigen Artikel […] würden mit Links keinen echten Mehrwehrt bieten“

    mir geht es sehr oft beim lesen eines artikels so, dass ich mir blöd vorkomme, weil scheinbar alle außer mir wissen, wer person xyz ist, wo die stadt abc liegt oder auf welches ereignis vor 10 jahren sich der artikel bezieht. ich glaube sehr wohl, dass man mit weiteren links artikel aufwerten könnte. nicht jeden, na klar, aber sehr viele.

    „Wie sollen Quellen-Informationen aussehen?“

    ähnlich wie in blogs. dpa usw. sind nicht die einzigen quellen der redaktionen. immer häufiger sind es auch blogs und die wikipedia. :)

    das mit den kommentaren ist wirklich ein zweischneidiges schwert. irgendwann setzt (selbst bei einer kleinen site wie dieser hier) ein „comment-wahn“ ein, alles muss kommentiert werden oder die comments sind plötzlich plauderforum. bei spreeblick ist das okay, weil noch recht übersichtlich, auf spon kann das schnell heise-artig ausarten. die von dir genannten ansä#tze kenne ich noch nicht, klingt aber spannend.

    re: medienentwicklungen… ich meine auch nicht, dass man auf jeden zug aufspringen muss. aber wenn funktionen vorhanden sind, die qualitätssteigernd sein können, sollten sie genutzt werden. die crux ist doch, dass sich einige große verlage bemühen, vorteile der vernetzung zu nutzen, ohne dabei ihr „hoheitsgewässer“ zu verlassen.

    ich habe ziemlich oft für große unternehmen gearbeitet und fand und finde es immer wieder unglaublich, in welchen abgeschlossenen welten die herren leben möchten. „wir wollen eine großartige website, aber ohne links zu anderen seiten“. „können sie das so machen, dass man von unserer seite nicht weg kommt?“ – das klingt nur wie satire, ist aber wahr.

  17. 17

    Johnny, zwei kurze Anmerkungen:

    „mir geht es sehr oft beim lesen eines artikels so, dass ich mir blöd vorkomme (…)“ – Das stimmt sicherlich und geht bestimmt fast allen so, aber auf was sollten die Artikel dann verlinken? Auf eigens geschriebene Erläuterungs-/Hintergrund-Artikel? Das wäre vom Mehraufwand wohl zu unpraktikabel. Auf Wikipedia-Artikel oder gar andere News-Seiten, auf denen mehr zu den Personen/Ereignissen/Orten steht? Das ließe sich von jedem Interessierten problemlos ergoogeln und würde in letzter Konsequenz wohl höchstens dazu führen, dass man das (aus der Sicht des jeweiligen Redakteurs) brauchbarste Google-Ergebnis als Link vorgesetzt bekäme. Und auf Alibi-Links jeglicher Art kann ich nun wirklich verzichten, wie lowpass so treffend bemerkte.

    „dpa usw. sind nicht die einzigen quellen der redaktionen. immer häufiger sind es auch blogs und die wikipedia.“ – Dass Blogs tatsächliche Quellen der Redaktionen sind, halte ich ehrlich gesagt für ein Gerücht. Zur Zeit ist es mit ziemlicher Sicherheit eher umgekehrt. Außer bei Berichten über das Internet, dessen zunehmender Bestandteil mittlerweile – oh Wunder! – Blogs nun mal sind. Und natürlich Berichten mit Fun- oder sonstwelchen Links, aber das gehört ja auch zu Punkt eins. Ansonsten würde mir praktisch kein Wirtschafts-, Kultur- oder politischer Bericht einfallen, der Blogs als tatsächliche ernstzunehmende Quelle heranzieht. Diese Drecksarbeit erledigen nach wie vor entweder die Nachrichtenagenturen oder die eigenen Korrespondenten. Was anderes ist natürlich die überbordende Selbstwahrnehmung der Blogger, die manchmal vielleicht etwas wirklichkeitsverzerrend sein kann (damit bist jetzt ausdrücklich nicht Du gemeint). Insofern sei an dieser Stelle noch einmal auf die Blogosphäre als selbstreferentielles Medium verwiesen ;)

  18. 18

    (Notiz für die nächsten Kommentare: Zwecks besserer Lesbarkeit mehr Absätze einfügen.)

  19. 19

    SpOn hat mal davon abgesehen ja „sogar“ ein Forum. Meist ists aber auch da schon recht unergiebig. Eine Kommentierungsmöglichkeit erwarte ich da auch erstmal weniger, dafür ists einfach doch ein anderes Medium mit anderer Ausrichtung.
    Aber den Punkt „mehr Hintergrundlinks“ fände ich auch prima, gerade das INet bietet da mehr Möglichkeiten und es wäre DIE Möglichkeit, seitens einer Onlineredaktion gegenüber der in diesen Mitteln beschränkten Papierformen zu punkten und echten „Mehrwert“ zu liefern, weil es möglich is, seine Artikel durch Kontext, der frei zur Verfügung steht und für den man keinen großen Aufwand betreiben muss (denn ausgehend von einer seriösen Vorrecherche ist der ja eh da und liegt als „Abfallprodukt“ daneben und muss nur recyclet werden), aufzuwerten.
    Aber da steht wohl noch ein wenig Lernwillen davor, aus dem „Bedrohlich-Unkalkulierbaren“, das die Leute da erstmal wahrnehmen, eine „Gelegenheit und Potential“ zu machen. Etwas Phantasie und raus aus verkrustetem Denken täte da Not.

  20. 20

    @spacebar: Verlinkungen sind die Grundfunktion von Hypertext-Dokumenten. Na klar kann man jedes Thema selbst ergooglen, aber komfortabler ist der direkte Link und vielleicht hat ja ein guter Redakteur sogar bessere Links als Google? Und schließlich würde das bedeuten, dass wir alle nicht mehr verlinken, googlet doch selber! :)

    Blogs sind sicher keine Quelle, wenn es darum geht, die Einwohnerzahl von Potsdam zu recherchieren. Sie sind aber mit zunehmendem Maße Inspirations- und Themenquelle. Ohne, das sich damit „den Blogs“ größere Relevanz zusprechen will, als sie derzeit haben, bin ich sehr sicher, dass wir in naher Zukunft wirkliche Veränderungen sehen werden, was Publizieren im Internet angeht. Wirklich.

    Als es mit dem Web losging, redeten uns schrieben viele über die mögliche demokratisierende Wirkung des Mediums. Erst mit Blogs halte ich diese für eine Realität.

    Erinnert euch mal an den gesellschaftlichen Effekt, den Fotokopierer hatten. Haben Flugblätter und Fanzines die Welt des Publizierens verändert? Ja. Haben sie. Massiv sogar. Sie haben, ähnlich wie das Internet im Allgemeinen und Blogs im Speziellen das Hoheitsrecht der Verlage angegriffen. Während der Fotokopierer nur die Produktion ermöglichte, bietet das Web zusätzlich den Vertrieb.

    Blahblah und so weiter. Ich stimme einigen von euch absolut zu, dass (m)ein Blog absolut nicht zum Blog-Blog verkommen darf und soll. Doch ab und an finde ich das Thema sehr spannend und gebe meinen Senf dazu. Denn ich tue das hier nicht nur, weil ich nichts anderes zu tun habe. Ich mache Spreeblick als ganz bewussten Versuch einer publizistischen Alternative und ich denke und rede viel darüber, wo die Reise hingehen kann und soll.

    Wie ich schon geschrieben habe: Ein Blog mit einem Nachrichtenmagazin zu vergleichen, ist Quatsch. Viele, viele, viele Blogs zusammen jedoch mal als mögliche Alternative zu Nachrichtenmagazinen zu betrachten, macht durchaus Spaß. Noch sind wir da nicht, doch je mehr „Profis“ auch bloggen, desto schneller könnte es dorthin gehen.

    In den USA bloggen viele Journalisten, weil ihre Texte von Verlagshäusern einfach nicht mehr genommen werden. Zensur, politischer Einfluss, wirtschaftliche Interessen und die Konzentration des Marktes auf wenige große Anbieter (wie überall) sorgen dafür, dass journalistische Vielfalt und damit Meinungen verschwinden.

    Ich habe, wie ihr sicher auch, die News einiger große Häuser im Ticker. Fast ausnahmslos schreiben sie alle über die gleichen Themen, häufig mit ähnlichem Wortlaut. Erst, wenn man kleinere Medien anzapft, sich etwas weiter umsieht, stellt man fest, dass auch noch ganz andere Dinge auf der Welt passieren (nicht, dass ich die abdecken würde oder könnte…).

    Laber… wie auch immer. Es geht nicht nur um Blogs, die sich gegenseitig auf die Schulter klopfen oder anmeckern und sicher ist die Diskussion zwischendrin auch mal nervig und blöd, das bringen Diskussionen mit sich. Aber wie man hier sehen kann, ist sie nicht unwichtig.

  21. 21
    joe

    vielleicht nehmt Ihr blogger Euch einfach zu wichtig. die masse beachtet Euch doch gar nicht. die masse kennt Euch nicht. da ist es noch weit hin bis zu einem „switch“ der leserschaft – und das ist gut so. denn im gegensatz zu den spon-schreibern können viele von Euch noch nicht mal das/dass unterscheiden. schon mal überlegt: vielleicht tragen blogs zur verblödung ihrer leserschaft bei. hier liest jeder, was er lesen will. denkt nur an die apple/ipod/firewire-geschichte. die blogs, meistens sogar auf macs entstanden, hatten alle die gleiche meinung – die meinung der leser. wo bleibt da die unabhängige recherche? ein gleichbleibend hohes niveau gibt’s bei blogs eben nicht, anders als bei guten zeitungen und online-publikationen. selbst wenn sich spon mal boulevardisiert gibt, von den zumeist schlecht geschriebenen und noch schlechter recherchierten blogtexten hebt sich spon qualitativ deutlich ab. ist eben ein unterschied: ob man wordpress 1.5 installieren kann oder ob man schreiben kann. ausnahmen wie (vielleicht) spreeblick oder (auch nur vielleicht) alphonso können nicht das ganze genre „blog“ vor der auswuchernden niveaulosigkeit retten.

  22. 22

    joe schrob: denn im gegensatz zu den spon-schreibern können viele von Euch noch nicht mal das/dass unterscheiden.

    Hallo Erde an Mond. Ich darf doch herzlich lachen, oder?
    Ob SPoN, taz, heise oder ae., als Fehlerquelle taugen sie alle.
    Eigentor nennt man dass. Waehrend bei heise hier spez. tp noch ein Danke kommt, wird bei SPoN klassisch ignoriert.

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