19

Gerade noch tragbar

sx64

Das ist der Commodore Sx-64.

Als ich 19 Jahre alt war (also 1983) arbeitete ich in einem kleinen Computerspiel-Laden in Tempelhof. Ich hatte den Laden allein für mich, denn der Chef saß nebenan in seiner HiFi-Bude voll Echtholz und verkaufte hochwertige Referenz-Boxen. Er hatte den kleinen Nachbarsladen nach Freiwerden ebenfalls angemietet, es anfänglich mit einer Videothek versucht und dann auf Anraten eines Bekannten den Versuch mit Videospielen gestartet.

Wir verkauften anfänglich nur die Konsolen der Zeit. Das großartige Atari 2600 System, kurz mal ein paar Spectrums, dann die „neuen Generationen“, Intellivison von Mattel und Colecovision. Und dann den absoluten Hammer, das Vectrex mit vektorbasiertem Bildschirm. Wenn ihr mal eines mit Spiel-Cartridges günstig erwischt: Sofort kaufen. Wirklich groß, noch heute.

Dann nahmen wir die ersten „Heimcomputer“ ins Programm. Mein Herz schlug für den Atari 400 (später Atari 800, noch später der legendäre, als erster Heimcomputer mit MIDI-Schnittstelle ausgerüstete und daher für Musiker unentbehrliche Atari ST mit Maus!), doch der Commodore64 lief um Längen besser. Noch heute erinnert mich dieses persönliche Schicksal an Apple/Microsoft. Atari war sexier, cooler und besser, Commodore wurde gekauft. Egal.

Bevor ich anfange über Datasetten und stunden- und seitenlang aus Zeitschriften abgetippte Basic-Programme zu schreiben, die auch nach mehrtägigem Lektorat nie funktionierten (in der nächsten Ausgabe der betreffenden Zeitschrift fand man einen Monat später gern Sätze wie: „Im Listing von ‚PinballMania‘ in der letzten Ausgabe hat sich ein Druckfehler eingeschlichen, es muss in Zeile 53442566 nicht ‚go to line 5211627‘ heißen, sondern ‚repeat'“):

Eines Tages erreichte uns die Kiste da oben. Der erste tragbare Computer, den ich sah. Leider ein Commodore. Aber was war die Kiste heiß. Mit Henkel. Der gleichzeitig Stütze war. Die Tastatur als Deckel, wie genial!

Der Monitordurchmesser betrug ganze fünf Zoll, bot aber immerhin 320×200 Pixel! Das Gerät war unerreichbar, der Preis hat in Deutschland, glaube ich, bei etwa 3.000 DM gelegen.

Der Raum über dem großen Schlitz (das Diskettenlaufwerk!) ist übrigens tatsächlich eine Ablage. Für die Disketten, die man mit sich herumschleppen musste. Nicht, dass die besonders ins Gewicht gefallen wären. Der Rechner war mit etwa 10 Kilo Problem genug.

Ich habe die Kiste nie besessen. Und leider auch das nicht, was mich dann nach erster Sichtung für immer endgültig von allen anderen Computermarken weggerissen hat, den MacPortable.

Ein anderes, Nicht-Mac-Objekt meiner Begierde dieser Zeit jedoch konnte ich mir leisten: Den Atari Portfolio, ein wegweisender Handheld aus dem Jahr 1989 mit einer nach wie vor ungeschlagenen Tastatur dieser Größe.

Den Job habe ich übrigens nicht lange durchgehalten. Ich war wegen der Musik oft zu spät und mit meinem Gehalt von 1.600,- DM brutto (1.200,- netto) für fulltime Ladenmachen unzufrieden. Der Chef auch, aber mit mir. Außerdem waren nie, aber wirklich nie Frauen in dem Laden und das Neonlicht hat mich auch genervt.

Immerhin habe ich aber in dem Laden die ersten Hacker kennengelernt, die mir gezeigt haben, wie man die ganzen teuren US-Spiele auf Disketten kopiert.

Die habe ich dann nebenbei vertickt, aber das war illegal und hat die Softwareindustrie ruiniert.

(Achja: Ich habe das alles nur getippt, weil ich gerade The birth of the notebook gelesen habe, netter Artikel)

19 Kommentare

  1. 01

    ach Du warst es der die Softwareindustrie ruiniert hatte.. ich fragte mich schon immer wer das wohl war..

    Computerspielladen in Tempelhof? dieses Teil zwischen Alt-Tempelhof und S-Tempelhof (ist der einzige Spieleladen den ich in Tempelhof kenne)?

  2. 02
    andI

    Schöner Rückblick, auch wenn ich leider das meiste, was da so vor 1989 lag nur vom Hören-Sagen kenne. Von Vectrex hab ich z.B. noch nie was gehört…
    1990 hatte ich dann meinen ST. Ziemlich lange übrigens. War mein erster BTX-Terminal mit 1200 Baud-Modem. Echt witzig – so im Nachhinein.
    Der steht jetzt auf dem Dachboden, etwas eingestaubt wahrscheinlich, aber ich geb ihn auf keinen Fall her…;-)

  3. 03

    Ok, 1983 war ich nicht 19, dafür aber 1985 9 :).
    Ich habe nach ständiger Heulerei (weiss gar nicht mehr genau warum — kann sogar der Film Wargames gewesen sein) einen Computer bekommen – den glorreichen CPC 464 (mit Grünmonitor!) – allerdings hatten alle Klassen“kameraden“ etc. den C64.

    Tscha, die haben alle nur gezockt und Spiele getauscht, ich habe programmieren gelernt. (War ja kein anderer Amstrad/Schneider-Besitzer da zum Spiele tauschen).

    Und was haben die jetzt davon? Ein ausgeglichenes Sozialleben? Ha! Ich bin ein sozialisationsunfähiger Geek geworden! Denen hab ichs aber gezeigt…

    (Diese Situation wurde später durch die weihnachtliche Inbesitznahme eines Amiga 500 etwas verbessert, allerdings nicht sehr viel, da ich zu diesem Zeitpunkt schon mehr an Fraktalen, Algorithmen etc. als an Spielen interessiert war.)

    Ich danke euch dafür, eure Zeit verschwendet haben zu dürfen!

  4. 04
    fabuian

    Ich find’s immer wieder schön von „den alten Zeiten“ zu hören, wenn man selbst nur noch den Amiga5000+ mitbekommen.
    Der Eintrag errinert mich sehr an Erzählungen meines Vaters :D.

  5. 05

    Those were the times… 1983 war ich gute 4 Monate lang noch in Mamis Bauch, den Rest der Zeit in Windeln ;) Trotzdem habe ich – allerdings etwa Anfang der 90er – den C64 noch persönlich kennen und lieben gelernt ;)

    Aber kam der Atari Portfolio nicht auch in „Terminator 2“ vor? Ich meine, mit dem Ding hat John Connor die Geldautomaten geknackt ;)

  6. 06

    Erinnert mich an meinen alten Atari 800XL, meinen ersten Computer, auf dem ich dann (mangels Besitz von Spielen) BASIC gelernt habe. Leider kann er inzwischen nur noch „Memory Error“ anzeigen, schade, ich hätte zu gern man gesehen, wie der an einem Farbfernseher aussieht…

  7. 07
    neolith

    Nana, den Atari 520ST mit dem 64er zu vergleichen ist aber unfair. Das Gerät der glichen Generation bei Commodore war der A500. Und der hatte sowohl den besseren Sound als auch mehr Power unter der Haube, was man spätestens beim Parallaxscrolling gemerkt hat.

    Aber alles in allem ein sehr schöner Eintrag, ich schwelge doch so gerne in Erinnerungen. :)

  8. 08
    Matthias

    Bissi OT:

    und? wie ist der Urlaub so? :-))

    Du hättest uns gefehlt!

  9. 09

    Hab ja auch erst vor Kurzem im Internet ein C64-„Programm“ von mir entdeckt *g*. War schon ne schöne Zeit mit dem Brotkasten. Hab ihn sogar für meine Textverarbeitungs-Hausaufgaben verwendet, wo die anderen schon ihre 486er und die ersten Pentium rumstehen hatten.

    Und die Spiele … das war damals noch was *g*. The Last Ninja, Summer Games, Winter Games, California Games, Bubble Bobble, Turrican, Commando, ACE 2, The Train, Vermeer, Fugger, Hanse … ich könnt da glaub ich noch ein paar Absätze mit schönen Spielen füllen ;).

  10. 10

    Ich hab bestimmt zwei komplette Jahre vor dem ATARI 2600 gesessen, hatte fast alle Spiele und war sogar Hannovermeister in CENTIPEDE. In SPACE INVADERS und PACMAN natürlich ebenfalls unschlagbar. Danach hab ich dann aber beschlossen nie wieder so viel Zeit vor der Glotze zu verschwenden. Musste nämlich mehr kicken und knutschen als daddeln, ha! Hab dann immer die C64 Neirds in der Schule belächelt. Heute spiele ich aber fast jeden Tag das Computer Legends Kartenspiel von Defcom. Gibt’s noch in limitierter Restauflage bei http://www.winkekatze.de

    Hallo Johnny =;o)

  11. 11

    Dass man in so jungen Jahren schon in Erinnerungen schwelgt… Darf man ruhig, man hat ja trotzdem noch was vor sich, hoffentlich.

    Für mich war es jedenfalls auch eine aufregende Zeit, als im elterlichen Haushalt ein Philips P 2000 C (auch so eine im Prinzip transportierbare Kiste) Einzug hielt, da war ich so etwa 6. Wirklich ‚ernst‘ wurde es aber doch erst, als ein paar Jahre später der erste DOS-kompatible Rechner angeschafft wurde, der war nebenbei auch bestens geeignet, den in der Schule gerade beginnenden Englisch-Unterricht mit Larry Laffer zu vertiefen.

  12. 12

    hallo holger. :) ist das schon spam? ;)

  13. 13

    1988 hat die Handwerkskammer Köln für ihre Mitglieder Computerkurse angeboten. Textverarbeitung, Datenbank, Tabellenkalkulation. Die auf die räuberisch eingetriebenen Mitgliedsbeiträge fluchenden Mitglieder der Kammer haben den Computerraum betreten, gezuckt noch mal geflucht (die wollen uns wohl vera…en?!?) und etwa die Hälfte hat auf dem Absatz kehrt gemacht. Je zwei Teilnehmer sollten sich einen Computer teilen. Einen Commodore 64!

    Es ging dann mit WordStar 3.4 auf einem PC XT, 8088 (8! Bit) und DOS 2.11 weiter im Hinterzimmer vom Elektroladen meines Vaters weiter. 1990 habe ich den Mac kennengelernt und war für alle Zeit von MS-Intel geheilt.

  14. 14

    ist ein vektorbasierter bildschirm wirklich das, woran ich denke (ich denke an vektorgrafiken)… *btw* Apple hatte schon damals das schonste design!

  15. 15

    icewind, technisch habe ich das sicher falsch ausgedrückt, aber: ja, der screen hat tatsächlich vektoren und keine pixel dargestellt. immer linien zwischen zwei punkten. grün auf schwarz.

  16. 16

    Also _ich_ fand ja den SID des C64 immer wichtiger als die vermeintlich bessere Grafik beim Atari 800, aber die Parallele C64->WIndows, Atari->Mac scheint mir jetzt irgendwie augenfällig, obwohl ich natürlich das „besser vs. wird gekauft“ für unzulässig halte. Ich hatte übrigens auch mal einen CPC464, aber nur zwei Monate. Das war wirklich eine Sackgasse. Und das Defcom-Quartett habe ich auch (Hallo Johnny!) – von dem es übrigens, wie man hört, unter http://www.stay-sexy.de/index.htm?lets_play.htm noch einige gibt…

  17. 17

    Hach, da werden Erinnerungen war. C644ever

  18. 18
    Lord of Karma

    JaJa. . Commodore…ich hab damals auf den SV328 von Spectravideo gesetzt – war der Vorgänger der MSX-Modelle. Jeder hatte den C64 und ich den wirklich besseren SV und später nen Sony MSX. Fast keine Spiele und Software – aber um Längen besser in Basic zu programmieren. War auch ein DM-Grab – wie so vieles bisher was mit Computern zu tun hatte…..
    Übrigens würde mir ein Apple auch gefallen, aber für das bisschen was ich heute noch am Rechner mache, tuts wohl auch ein Windows-PC.
    Nach der Pleite mit den MSXen und später mit meinem geliebten Amiga, hatte ich mir nämlich geschworen nur noch mit dem Mainstream zu schwimmen….
    Naja – vielleicht kommt ja noch mal einer…wenn die Kinder aus dem Haus sind und meine PCs nicht mehr zum zocken brauchen….

  19. 19
    fabse

    Oh man manchmal vermisse ich auch meinen atari! ich letztens so ein angebot gesehen, da konnte man um die 100 Nintendo spiele von früher runterladen und auf dem Rechner spielen. Wenn ich daran denke wie teuer damals die Spiele waren und heute zahlt man dafür ein appel und ein ei!!

Diesen Artikel kommentieren