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Geil: Berlin hat wieder Geld!

Es geht doch! Der wirtschaftliche Aufschwung ist da!

Mit der Einführung einer höchst intelligenten ökonomischen Wertschöpfungskette beweisen ein CDU-geführter Verein, eine Gebäudereinigungsfirma und der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) den Bürgern und Bürgerinnen dieses Landes: Man muss nur wollen! Und gehen mit gutem Beispiel voran, denn sie wollen.

Verständlich. Es geht um immerhin 500 Millionen Euro Umsatz jährlich. Bundesweit. Davon allein 50 Millionen in Berlin. So viel koste den Staat (c’est moi!) laut Karl Hennig, dem Vorsitzenden des Vereins nofitti e.V., die Beseitigung von Graffiti. Zumindest schätzt er das.

hennig
(Karl Hennig. Fotoquelle: RBB)

Offensichtlich ist Hennig gut im Schätzen, denn wie sonst wäre es zu erklären, dass diese Zahlen kommentarlos von fast allen berichtenden Medien übernommen werden? Gut, es gibt Ausnahmen wie ausgerechnet die Welt am Sonntag, die beim „Grundstückseigentümerverein“ nachgefragt hat, und die kommen auf etwas weniger als die Hälfte (200-250 Mio. in Deutschland, 20 Mio. in Berlin), aber nun wollen wir mal im Millionenbereich nicht kleinlich werden, bei solchen Summen hört doch sowieso keiner mehr richtig zu. Genauso wenig übrigens wie bei dem Wort „Grundstückseigentümerverein“. Wird schon irgendeiner sein, der Ahnung hat. Vielleicht ja der Grundstückseigentümerverein Berlin-Lichtenrade e.V., bei dem auch Klaus Wowereit Mitglied ist? Wir wissen es nicht, die WamS scheinbar auch nicht.

Hennig kämpft mit nofitti und seinen Mitstreitern wie ein Stier, und das seit 10 Jahren. Er möchte die Wirtschaft weiter vorantreiben, da muss doch mehr drin sein als die läppischen 50 Mios. Zum Beispiel für die Noack & Co GmbH, die in Berlin für „Sauberkeit und Sicherheit“ sorgt. Und eben auch für „Graffiti-Entfernung und -Prophylaxe“, auch wenn sie sich noch nicht sicher ist, wie man das denn nun schreibt. Mit einem F und zwei T? Mit zwei F und einem T? Egal, Noack macht’s ja eh weg!

noack

Die Noack & Co GmbH unterstützt nofitti ganz uneigennützig im Streben nach dem wirtschaftlichen Aufschwung. Das macht in mehrfacher Hinsicht Sinn, denn der chemische Zulieferer der Noack ist die Berliner Merkur-Chemie GmbH, eine – Überraschung! – Tochter der Unternehmensgruppe Noack & Co GmbH. Die Website der Merkur-Chemie ist zwar nie erreichbar, dafür hat aber ihr Forschungsleiter für das Gebiet „Entfernung von Graffiti“, Herr Dr. rer. nat. Kurt Bauer, eine Menge Arbeitsmaterial für die Noack entwickelt. Nebenbei ist Dr. Bauer noch im Vorstand von nofitti tätig und so schließt sich ein wundervoller Kreis.

Im 1. Quartal (2005) habe die Noack GmbH auf 40 Bahnhöfen bereits 23.000 Quadratmeter besprayte Fläche gereinigt, im gesamten Jahr 2004 seien es dagegen nur 46.000 Quadratmeter gewesen. Das weiß Egmont Kaschade, Geschäftsführer der Noack, in der Welt zu berichten. Es geht also aufwärts!

Damit dieser Trend nicht stagniert, veranstaltete der nofitti e.V. mit der Noack GmbH und Klaus Wowereit als Schirmherr am 7. April 2005 mit unglaublicher Presseunterstützung eine Riesenparty für Sprayer, Tagger und wie sie sonst noch heißen. Diese folgten der Einladung prompt und legten sich im Vorfeld und während der Party kräftig ins Zeug, um die zukünftige finanzielle Versorgung der Veranstalter zu sichern. Und auch der BGS ließ sich nicht lumpen und schickte Hubschrauber vorbei. Eine Riesenparty. Für den Aufschwung.

Denn für diesen sorgen nofitti, Noack und Merkur-Chemie. Sie wissen, dass der Rubel nur weiter zu ihnen rollen kann, wenn die Sprayer weiter sprayen. Dafür brauchen diese Anlässe (wie die oben genannte Veranstaltung), Gründe (Provokationen), Motivation (viel Presse und Aufmerksamkeit) und genug gesäuberte Flächen.

Das alles verschafft ihnen nofitti mit Unterstützung der Politik und der konservativen Berliner Medienlandschaft, und so geht der Verein und seine Anhängsel in diesen wirtschaftlich schwachen Zeiten mit gutem Beispiel voran und kümmert sich.

Damit es ein umsatzstarkes Jahr 2005 wird.

Und damit keiner auf die Idee kommt, über Ursachen zu reden.

41 Kommentare

  1. 01

    Hier noch ein Tipp zur Umsatzsteigerung: Graffiti für Anfänger bei der VHS, sponsered by nofitti.

    Das ist genauso clever wie die Geldstrafen für Falschparker zu erhöhen und gleichzeitig dafür sorgen, dass immer weniger kostenlose Parkplätze zur Verfügung stehen.

    Man muss nur wissen wie man sich Arbeit (und somit Geld) verschafft.

  2. 02

    sprayen? „Ey, das ist ja so was von Neunziger!“
    >>> http://www.taz.de/pt/2005/02/17/a0300.nf/text

    ob wowibär den schirmherrnmacht ist mir ziemlich schnuppe.
    und wieviel presse das alles kriegt müsste auch nicht sein.
    aber dass der BGS da mit macht, finde ich am übelsten.:

    Rathenow (dpa/bb) – Mit Hilfe eines Polizeihubschraubers des Bundesgrenzschutzes sind vier Graffiti-Sprayer in Rathenow (Havelland) gestellt und festgenommen worden. Nach Angaben des Bundesgrenzschutzamtes Berlin vom Dienstag hatten die 14- bis 16- jährigen Täter bereits am Montag eine Schallschutzwand auf etwa zwölf Quadratmetern verunstaltet. Auf die Täter kommen nun zwei Verfahren zu: eines vor dem Jugendgericht wegen Sachbeschädigung, ein weiteres, in dem die zivilrechtlichen Ansprüche geprüft werden.(tgsp-ticker v 4.4.)

  3. 03
    Gene October

    Hey Graffiti Sprüher sind die ilegalen Einwanderer von gestern und die Terroristen von morgen. Da muss der BGS her und Otto Schilly ran.

  4. 04

    Sehr schöner Artikel, sehr schön. Sehr schön auch die Verlinkung auf Graffity hates Germany. Toll!

  5. 05
    Christian

    Ich bin zwar noch kein deutscher Papi, aber für ein sauberes Wohnumfeld habe ich auch was übrig. Graffiti ist eines der Dinge, die mich an Berlin so anwidern. Die zerkratzten S-Bahn-Scheiben sind ein anderes. Ich fühle mich einfach unwohl in so einem Umfeld, fühle mich „strafversetzt“ in eine Stadt, in der ein Teil der Bewohner nix besseres zu tun hat, als das Lebensumfeld zu zerstören, nur um seine Neurosen ausleben zu können.
    Wenns nach mir ginge, wären die Strafen deutlich härter und die Überwachung deutlich schärfer. Solange es dabei nicht zu derartigen Nebenwirkungen wie diesen hier kommt http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/0409/lokales/0114/index.html , solls mir Recht sein.

  6. 06
    the_stephan

    @christian:
    strafversetzt in ein unsauberes wohnumfeld, poor you!
    stehe auch weder auf graffiti noch auf zerkratzte ubahnscheiben, aber die sind mir ein deutlich kleineres übel als die oben erwähnten, üblen gestalten, die hier für sicherheit und sauberkeit sorgen – schau bitte selbst:
    http://www.noackuco.de/sicherheit/sicherheit.html
    http://www.noackuco.de/firma/firma.html

  7. 07
    Christian

    *schauder*
    Na dann lieber doch paar bunte Wände… die hier erwecken auf mich auch nur den Eindruck, gewisse Antipathien auf diesem Wege zu kompensieren. Damit sind sie denen hier http://www.graffiti-hates-germany.tk ja plötzlich gleichgestellt…

  8. 08

    <laconic>
    es fragt ja auch keiner, ob uns vielleicht die ganzen werbeflächen anwidern.
    der unterschied: da fliessen gelder. deswegen.
    </laconic>

  9. 09
    the_stephan

    @christian:
    spitzenlink! und eine zumindest kurzzeitig erheiternde vorstellung, dass die sprühdeppen mal die dosen zuhause und die hosen runterlassen, um ihre eigene parole zu realisieren („wir scheissen auf eure sauberen wände“)…
    in wahrheit aber auch eine sicher ungewollt präzise beschreibung dieses voll subversiven schaffens: graffiti = scheisse auf wände machen

  10. 10
    Gene October

    @christian
    Geh sterben, oder nach Zehlendorf oder zurück nach Tübingen. Und fahr einfach Taxi. Einer der beiden Diedrichsen Brüder, ich weiss gerade nicht welcher, hat mal über Techno sinngemäss gesagt, die ältere Generation sagt, das ist nur noch Krach – also muss eine neue Jugendkultur sein! Das kann man für Graffiti so übersetzen. Das dir ein Teil der neuen Kultur nicht gefällt – ein Ding, sich aber strafversetzt fühlen, nach Berlin, einer der wenigen Plätze Deutschlands der es in Sachen Kultur mit der Welt aufnehmen kann, ist gelinde gesagt BLÖDE! Wer zu alt für 2005 ist geht wieder zurück in die Provinz. Ich bin 1978 nicht Punk geworden um heute ähnlich dumme Sprüche zu machen wie die Spiesser (Nazis) von gestern (wir erinnern uns „Wenn es Adolf noch geben würde, dann würdet ihr heute nicht so rumlaufen) – auch wenn ich längst zum „Establishment“ gehöre – Christian Du regst mich auf!

  11. 11
    Gene October

    Pooooohhhhh könnt ich mich aufregen.

  12. 12
    Christian

    Ich glaube, das ist genau das, was mich an Berlin so wundert: Leute, die Zerstörung und Dreck als neue (Jugend)kultur betrachten. Das geht in mein therapiertes Hirn einfach nicht rein. Manchmal überkam mich in den vergangenen 10 Monaten, die ich nun beruflich bedingt hier sein muß, das komische Gefühl, in Berlin landen letztlich alljene, die andernorts an gängigen Regeln menschlichen Zusammenlebens gescheitert sind…
    Und falls das genau die Kultur sein soll, von der Du meinst, Berlin könne es da mit der Welt aufnehmen, dann bin ich wirklich nicht von dieser Welt. Aber das sind Barrieren, die sich sowieso nicht niederdiskutieren lassen. Und was das mit Nazis zu tun hat, verstehe ich irgendwie auch nicht, aber egal. Bloß: warum so gereizt? Das ist doch nicht nötig, so Deine Ansicht denn wirklich Berliner Standard sein sollte…

  13. 13
    billi

    christian scheint mir zu der gattung „žmensch“ zu gehören, die sich im prenzlauerberg ein appartment kaufen sich über zu laute nachbarn aufregen und letztendlich für die flut an ökomärkten verantwortlich ist! ein phänomen das mir sowieso völlig unbegreiflich bleibt: wieso in die einzige grossstadt der BRD ziehen und dann aber ökomärkte, sprich ländlichen gestank (oder auch einfach hippiedreck), haben wollen??? genauso verhält es sich mit dem grafitti.
    versteh ich nicht!

  14. 14

    Fahrt mal den Ton runter, Jungs. Es ist kein Grund, jemanden sterben zu schicken oder als Nazi zu bezeichnen, weil er eine andere Meinung hat.

    Und man kann sich über diese anderen Meinungen auch anders aufregen, als plötzlich die Bezeichnung Mensch für den Verfasser in Anführungszeichen zu setzen.

    Das ist hier nicht indymedia.

    Danke.

  15. 15
    Christian

    Nee, sorry, ich kann auch Deinen Gedankengängen nicht folgen. Ökomärkte hätten für einen Teil der Bevölkerung ja noch nen Sinn, aber zerkratzte Scheiben und Schmierereien? Wo ist der reale Wert?
    Zum Kaufen von Appartments hätte ich nicht die Kohle – und auch keine Lust. Schon gar nicht in P-Berg. Aber wieso ist es falsch, wenn es am Wohnort ruhig zugeht? Und wieso sollte ich damit der Typ Bioladenkäufer sein (der ich nicht bin)?
    Eine Antwort kann ich Dir geben, nämlich die nach dem Warum. Weil man sich heute nicht aussuchen kann, wohin einen der Job verschlägt.
    Immerhin kann ich hier bei euch endlich was lernen über Berlin. Vielleicht verstehe ich irgendwann die Stadt noch mal. Bislang ist mir der Kult um den Dreck allerdings noch rätselhaft. Sieht es hinter den Wohnungstüren etwa genauso aus? Bei meinen Kollegen tuts das allerdings nicht.
    Bin btw auch aus ner Stadt mit ungefähr 100000 Einwohnern, da geht es zwar sehr lebendig, durchaus auch subkulturell, aber irgendwie angenehmer zu.
    Das hier ist aber zufällig bekannt?
    http://www.patrouille.de/download/Ruhleben.mp3

  16. 16
    Gene October

    @Johnny
    Ich habe niemanden als Nazi bezeichnet und nichts liegt mir ferner als jemanden als solchen zu bezeichnen den ich gar nicht kenne.
    @Christian
    Nichts ist falsch an einem ruhigen Wohnort, aber der sollte nicht Berlin heissen, sondern eben Tübingen, Reutlingen, Tutlingen oder sonst eine Lingen Stadt. Punk hat im übrigen auch zerstört, Radau gemacht und Anwohner verunsichert – genau wie Rock´n Roll, Beat Musik, Techno und jede andere „vernünftige“ Jugendbewegung. Aber mal eine gerade selbst erlebte Geschichte aus dem P´berg, ich betreibe dort seit ca. Jahr einen Laden, das ganze macht Spass und jetzt war ein wenig Geld da um etwas zu renovieren, nicht für Handwerker, aber für Lampen, Farbe und Bier für die Kumpels. Also sollten die Osterfeiertage genutzt werden um ein wenig Schwung in die Bude zu bringen, allerdings wurden wir bereits am Karfreitag von der Polizei (die von den Anwohnern gerufen wurde) belehrt das an Feiertagen die Lärmordnung greift und wir nichts tun dürfen von dem sich die Nachbarn belästigt fühlen – wohlgemerkt fühlen – den als die Polizei kamm waren wir am streichen. Am Samstag war um 20:15 Schluss – nachdem die Polizei da war, Ostersonntag und Ostermontag war die Polizei immer so ca. 20 Minuten nach dem ersten Einsatz des Hammers am Ort und bat uns bestimmt die Arbeiten einzustellen. Jetzt könnt ihr zu recht sagen dieser Querulant hat sich mit allen Nachbarn angelegt – selber schuld der Typ. Aber wie kommt es das eine Bar die in der selben Strasse eröffnet hat innerhalb von nur einer Woche 60 Anzeigen wegen Lärmbelästigung bekommen hat? (Wir reden von einer belebt Strasse). Und das die Betreiber der Bar, seitdem sie sich an alle Lärmschutzmassnahmen halten trotzdem jeden Tag Ärger mit Anwohnern bekommen weil in der Bar laut Stühle bzw. Bierkisten bewegt werden? Graffiti, Lärm, Smog und Parkplatznot gehört zu einer Grossstadt, sich darüber zu beschweren ist kleinkariert, gerade wenn man – wie in Berlin jede Möglichkeit hat der Sache aus dem Weg zu gehen. Ich geh ja auch nicht zu Motörhead und beschwer mich hinterher das es so laut war bzw. zeige dann den Veranstalter wegen Körperverletzung an.

  17. 17
    the_stephan

    @christian
    möglicherweise hast Du recht, aber das ist für mich nicht der punkt, nur ein lästiger seitenaspekt des entscheidenden vorteils dieser stadt: in berlin landen letzendlich alljene, die auf die andernorts gängigen regeln menschlichen zusammenlebens keinen bock haben, weil man in dem fall sonstwo kaum landen kann. Was wieder nicht bedeutet, daß ich graffiti super finde. Super finde ich die freiräume, die anderen menschen das graffitispruehen ermoeglichen und mir das meine, und wenn das nur bedeutet, dass ich nicht sozialversicherungsfachangestellter mit sofortheirat und vorortreihenhaus in münster-hiltrup werden MUSS.

  18. 18

    Gene, danke fürs trotzdem Weitermachen. :)

    Berlin ist die spießigste Großstadt, die ich kenne. Liegt vermutlich an der geteilten Historie: Westberlin war ein Dorf mit Großstadt-Infrastruktur, ich schätze, das war im Osten ähnlich im Vergleich zu den Kleinstädten.

  19. 19
    Gene October

    @Johnny
    Wieso auch nich. Aber wenn West Berlin ein Dorf & Ost Berlin ein Kaff ist/war? Was ist dann bitte Dessau, Hannover, Halle, Paderborn, Cottbus, Reutlingen, Weimar, Tübingen, Wismar, Sindelfingen, Magdeburg oder gar Stuttgart. Du warst doch schon in der ein oder anderen Stadt, was hat dich denn in Berlin gehalten? Der Muff oder der Job? Und welche Großstadt soll man bitte nehmen London? New York? Helsinki? Bangkok? Berlin ist nicht die schlechteste Wahl, wenn jeder der hier hin zieht nicht seine Heimat im Kiez nachbilden wollte….. Daher ist Berlin oft nur die schlechte Version von Hamburg oder Istanbul ;-)….. Bin übrigens auch zugezogen…..

  20. 20

    Gene, ich stimme dir ja inhaltlich in dem Punkt zu, mein Spießigkeits-Begriff bezog sich auf Menschen, die sich über Kaffeelärm mitten in einer Stadt wie Berlin aufregen.

    Ich lebe in einer Großstadt mit allen Vorzügen und Problemen. Und ich tue das meistens sehr gerne. Kann gut sein, dass ich irgendwann mal raus will, aber das dauert noch. Bis dahin setze ich mich lieber damit auseinander.

    Ich sehe aber dennoch einen Unterschied zwischen dem Sound der Großstadt und der kompletten Ignoranz gegenüber der Zerstörung meines/unseres Lebensraums. Ich sehe mir z.B. äußerst ungern an, wie kaputte Waschmaschinen in den Kanal geworfen werden (mehrfach gesehen).

    Das Graffiti-Thema gehört aber nur bedingt dazu, finde ich, denn hierbei geht es um öffentliche Räume und die Frage, wer sie mit welcher Macht besetzt. Das machen wir gerne mal ausführlich in einem anderen Thread, denn das ist sehr spannend.

  21. 21

    Geht´s hier um Graffiti oder um Leute, die kaum mehr als drei Buchstaben beherrschen und diese wahlweise auf Wände schmieren oder in Scheiben kratzen?

  22. 22
    HugoStrange

    tut mir ja leid vielleicht eine illusion zerstören zu müssen, aber das „geschmiere“ stammt oft von den gleichen, die auch für die schönen, grossen bilder verantwortlich sind. das hat schon immer zusammen gehört.

  23. 23

    Im Artikel ging’s um die zwiespältigen Strategien einiger miteinander verflochtenen Unternehmen, die dafür Senats- und Presseunterstützung bekommen.

    In den Kommentaren geht’s um Graffiti jeder Art.

  24. 24

    Ich wohne in einer, an Berlin gemessenen, ländlichen Umgebung mit knapp 150.000 Einwohnern in der nächsten Stadt, das Dorf, in dem ich meine Bleibe gefunden habe, hat ca. 25tausend Insassen. Nun ist aber festzustellen,daß Größe überhaupt nix mit Qualität zu tun hat (das bestätigt jede erfahrene Frau). Berlin ist, soweit ich es kennen gelernt habe, eine ganz normale Großstadt wie Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg etc., nur das sie eben mal wieder Hauptstadt ist. Schaut euch mal in anderen Großstädten um: da gibt es ‚feine‘ Randbezirke und ‚unfeine‘ Randbezirke, die Innenstädte mit den Geschäften gleichen sich in etwa. In Osnabrück gibt es einen Randbezirk namens ‚Westerberg‘ – da wohnen die Gutbetuchten, und es gibt viele Randbezirke, da wohnt die Unter- bzw. Unterunterschicht. Und da sieht es eben etwas anders auch als am ‚Westerberg‘. Und Sprayer gibt es überall – obwohl ich mir schon manchmal Gedanken darüber gemacht habe, wie die ihr Hobby finanzieren (können). Gelegentlich gibt es ‚Kunstwerke‘, meistens jedoch beschränken sich die Sprühdosenschwenker, ihre Tags zu hinterlassen. Von der ‚Ehre‘, Tags anderer Sprayer nicht ‚platt zu machen‘, scheinen die Youngsters allerdings nicht mehr allzu viel zu halten. Und dann wirds Geschmiere.
    Ich weiß allerdings eines: wenn ich einen Sprayer dabei erwischen würde, wenn er meine Hauswand ver(un)ziert, dann gibt es erstmal was an die Backen (dafür, dass er sich hat erwischen lassen) und dann wird die Polizei gerufen und Anzeige erstattet – es sei denn, der Farbkünstler erklärt sich bereit, die nicht von mir bestellte ‚Verschönerung‘ rückstandslos zu entfernen. Und zwar nicht erst übermorgen oder am kommenden Wochenende, sondern umgehend, spätestens am nächsten Tag.
    Ich habe das mal so kennen gelernt: an fremdem Eigentum hat mensch sich grundsätzlich ohne Erlaubnis des Eigentümers nicht zu vergreifen. Ein Sprayer hätte sicherlich auch was dagegen, wenn ich ihm die Hosen ausziehe und in den nächsten Gully stecke – und damit er nicht als Nackedei durch die Gegend laufen muss, ihm seine Arschbacken und Genitalien mit Farbe besprühe.

  25. 25

    Ich glaube, ich muss mal meine Meinung dazu in einem Extra-Artikel aufschreiben. Das ist ja der Hammer, welche Emotionen und auch Aggressionen das Thema birgt.

  26. 26

    Johnny, Deinen Artikel habe ich schon verstanden (wg. Finanzverflechtungen, evtl. Interessenkollisionen etc.). Ich habe auf die Kommentare reagiert, in denen ein Für und Wider von „Kunstwerken“ teilweise ziemlich heftig diskutiert wird.
    Interessenkonflikte in der von Dir angesprochenen Art gibt es überall, leider werden sie meistens unter den Tisch gekehrt. Bei uns z.B. wird der ‚Piesberg‘ geschlossen, einst der größte Steinbruch Europas, dann zur offiziellen Müllkippe degradiert und wird in einigen Jahren (nach dem Willen der Stadtväter) in voller Blütenpracht anlässlich der BUGA erstrahlen. Zwischenzeitlich sollte eine Müllverarbeitungsanlage gebaut werden, aber … das ist ein Thema, das ich mal in sorgfältig recherchierter Form in mein Blog stellen werde. Ich glaube, das wird ein langes Ding.

  27. 27

    @johnny:
    Das ist ja der Hammer, …
    genau das dachte ich schon als ich die meldung von den kids aus rathenow las
    und gleichzeitig das http://www.rhythmoftheline.com/ -festival war
    und ich daraufhin etwas goggelte, und erstens auf Hennig/Noack stiess und auf
    so was: http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/29.03.2005/1726240.pnn
    aber eben auch graffiti-hates..
    finde das echt schräg, auch im privaten umkreis, auf dem spielplatz, etc gibt es die konsequentesten meinungsunterschiede. mir machen sich das beide seiten zu einfach.
    es gibt stücke, die ich schön, schick oder cool finde – wände, die mich einfach nicht interessieren und wo mir der zustand herzlich egal ist, und es gibt aber auch ansichten, die ich zum kotzen finde. das allerdings können auch plakatwände sein.
    und schon sind wir dabei:

    …geht es um öffentliche Räume und die Frage, wer sie mit welcher Macht besetzt.
    Axel Thiel sagt dir was?
    http://people.freenet.de/graffitiforschung.de/spar1.htm (mit mswort gebastelt. sieht mit ie wahrscheinlich nicht so schlimm aus?)

    anyway. ich kapier nicht, warum sehr viele menschen zu diesem thema total vernagelt sind. ich kapier nicht, wieso man ernsthaft glaubt, strafverschärfung würde irgendetwas ändern, wieso andere der meinung sind, graffiti wäre per se (schützenswerte!) kunst. wieso öffentliche (UNSERE) gelder für sondertruppen und BGS-einsätze rausgehauen werden, wofür es wahrlich sinnvollere einsatzmöglichkeiten gäbe. und warum keiner kapiert, dass wände nicht IMMER nur einfarbig: weiss, hellgrau, ocker oder popelgrün sein müssen: es gibt in kreuzberg immer mehr (knöterich-) begrünte wände in den letzten jahren. ICH finde das eine höchst willkommene entwicklung. oder hat mal jmd ein foto von dem haus in der berliner str in schöneberg? das mit dem riesen-mohnfeld? ICH mag das mehr als uni. gleichzeitig finde ich zB gekratzte ubahnscheiben auch echt scheisse. aber sich darüber aufregen? das gibts auch wirklich andere themen.

    wusstet ihr beispielsweise, was ich von leuten halte, die sich komplizierte tarife ausdenken und sowas dann als ..

    ( ahem. gute nacht ;)

    @ gene
    du bist das nicht wirklich? der von chelsea? der im basement in der bassett rd gewohnt hat, als ich… das is n nick, oder?

  28. 28

    schande, eine halbe stunde an nem kommentar getippt, abgeschickt, und weg war er..?

    schade, weil das tippe ich nicht noch mal, daher nur nochmal die verwendeten links:
    http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/29.03.2005/1726240.pnn
    (thema pro/contra)

    http://people.freenet.de/graffitiforschung.de/spar1.htm
    http://www.berlin.de/polizei/dir4/ermgruppegraffiti.html
    (öffentliche mittel)

    http://www.rhythmoftheline.com/
    (kultur)

  29. 29

    johnny, kannst du nicht ansagen, wenn du einen thread dichtmachst?

  30. 30

    und wieso gehts jetzt wieder?

  31. 31
    Buddy Jenkins

    Stimmt schon, Berlin sollte sich ein Beispiel an ländlichere Regionen nehmen. Vieleicht mal anstatt Noffiti Absolut ins Boot holen! So vonwegen pro abgesagter Sprühaktion eine Flasche. Kommt bestimmt günstiger für den Senat, matriell betrachtet. Etwas teurer wäre die Aktion „Switch 2 drive“. Wer mit sprühen aufhört bekommt einen Führerschein, der nur in den neuen Bundesländern gilt und ausschließlich außerhalb von Ortschaften. Den extra schnellen Wagen Baujahr ’89 gibt es gratis dazu.
    Glaubt mir, die Stadt wäre sauberer.

  32. 32
    Gene October

    @johnny
    ich fand deinen artikel übrigens interessanter als das jamba! ding.

    und generell, Graffiti ist doch eine Frage der eigenen Ästehtik, tut niemanden weh warum also so auf die burschen eindreschen. wenn alles was in deutschland ästehtisch nicht so gelungen ist von eigenes davon eingerichteten firmen wieder beseitigt würde – die hätten zu tun. aber was passiert – nix. aber steuergelder für graffit beseitigung erschleichen, wenn die wenigstens gute fernseh- und radioprogrammen machen würde, kultur nicht nur in opernhäusern unterstützen würden etc. etc. es wäre eine bessere welt. …….und waschmaschinen in kanäle schmeisse ist asi, das aber auch nix mit ästehtik sondern mit umweltverschmutzung zu tun. und jetzt halte ich mich hier raus

  33. 33

    @gene
    du bist aber nicht DER gene?
    der in den 80ern im basement in der bassett rd gewohnt hat?
    dem ich im suff die bettdecke abgefackelt habe?
    das ist n nick, oder?
    ansonsten wär dein deutsch echt besser geworden =;-D

    @all
    heute schon BZ-titelblatt gesehen? (linken tu ich den dreck nicht)

  34. 34

    Es kann doch nicht angehen, daß Kinder und Jugendliche sich anmaßen unsere westdeustchen Immobilien in Berlin zu verunstalten.
    Auch eine Bürgerwehr mit weitgehenden Vollmachten wäre eine Lösung und könnte ebenso wie der neue Ordnungsdienst der die Parks endlich sicher macht vor Fahrradfahrern und sonstigem Gesindel neue Arbeitsplätze schaffen.

    Auf jeden Fall sollte der Schutz des Eigentums als Notwehr akzeptiert werden!
    Wer seine Umgebung gestalten will, soll sie gefälligst kaufen!

    Ach so, noch was, es kann nicht mehr toleriert werden, daß Kinder draußen schreien. Das ist eine unerhörte Lärmbelästigung. Diese Kinder sollten vorsorglich in Schutzhaft genommen werden, auch damit ihre Stimmbänder geschont werden.

  35. 35

    das müsste aber „Grundstückseigentümerverein Berlin-Lichtenrade eV“ heissen, oder? Oder wo genau liegt Richtenrade ;)

  36. 36

    Korrigiert! Danke.

  37. 37

    Yo, mitmachen und „Nofitti“ nett verlinken mit http://nofitti.blogspot.com/

    Danke!

  38. 38

    Hey Johnny,

    Vielleicht interessiert dich das ja: http://www.rotl.de
    Bist ja schließlich auch Kreuzberger.

    Gruß

  39. 39

    Wenn ich leute wie ‚christian‘ lese, kommt mir echt das kotzen. Schonmal mit nachdenken versucht?? Was ist an Graffiti bitte Dreckig bzw. Zerstörung. Es ist allerhöchstens eine Veränderung des Erscheinungsbildes, meisst aber eine Aufwertung desselben ;). Mannmannmann. Wem Berlin nicht gefällt kann auch wonaders hingehen! Berlin hat genug Touris und Zugereiste!!! Es reicht. Berlin gehört uns!

  40. 40
    der junge

    berlin rockt!

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