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Motor des Tages: Unzufriedenheit. Teil 2.

Bevor ich lostippe eine dringende Durchsage an mich selbst:

Nach diesem Artikel: Öfter lächeln! Mehrdeutiger sein!

Danke. Jetzt kann’s losgehen.

Als ich vergangenen Samstag die Meldung der geplanten „Du bist Deutschland“-Kampagne bei autofab (der Text dort wurde vom Autor inzwischen massiv geändert, der von supatyp nicht) gelesen habe, wurde mir spontan schlecht.

Denn ich will keine weiteren „Hey! Ihr müsst euer Leben selbst in die Hand nehmen! Glaubt an euch! Macht was aus eurem Leben! Kopf hoch!“-Slogans in meinem Leben, das übrigens in erster Linie daraus besteht, dass ich es selbst in die Hand nehme, an mich glaube und versuche, etwas daraus zu machen und den Kopf oben zu behalten. Vor allem dann nicht, wenn diese Kampagnen Selbstzweck zu sein scheinen (jaja, da muss man natürlich noch abwarten, ihr habt ja Recht, vielleicht kommen mit der Kampagne ganz tolle Aktivitäten und lang erwartete Umsetzungen, aber erstmal klingt „Du bist Deutschland“ nach Phrasendrescherei und auf diesen Klang habe ich reagiert, so geht das manchmal mit dem Bloggen).

Seitdem ich die Schule verlassen habe (eigentlich schon vorher), kümmere ich mich um meinen eigenen Kram und mit Ausnahme einiger Tage meiner Rundfunkzeit und den Jahren als Geschäftsführer der eigenen Firma (bei der ich mich also selbst um die Einnahmen kümmern musste) kenne ich Begriffe wie „Anstellung“, „Urlaubsgeld“, „Sicherheit“ oder gar „Weihnachtsgeld“ ebenso wenig wie „Arbeitslosenunterstützung“, zumindest nicht für meine Person. Und so, wie es aussieht, werde ich auch den Begriff „Rente“ nicht kennenlernen. Macht nichts, diesen Weg habe ich selbst gewählt, ich hätte ja auch zur Post gehen können oder mich von einer Agentur anstellen lassen können, statt mir Lieder auszudenken und sie zu spielen, Radio zu machen, Websites zu bauen oder Spreeblick-Artikel zu schreiben.

Ich habe „den Staat“ nicht einmal mit einem Studium „belastet“. Ich habe zumindest ein paar Jahre lang ein paar Arbeitsplätze geschaffen und werde das wieder tun. Ich bin sozusagen ein Vorzeige-Neudeutscher wie ihn sich jede Werbeagentur wünscht, und zwar seit über 23 Jahren. Ich habe noch nie gejammert (nicht auf „den Staat“), aber oft gemeckert. Das werde ich auch weiter tun, denn die traurige Tatsache, dass es Menschen in anderen Ländern weitaus schlechter geht als mir, ist kein Grund, nicht trotzdem nach immer weiteren Verbesserungen im eigenen Umfeld zu streben ohne dabei diese anderen Menschen aus den Augen zu verlieren. Und ich werde übrigens auch nicht das Land verlassen, wie in den Kommentaren teilweise angedeutet, weil mir Dinge nicht schmecken. Wie seid ihr denn drauf?

Ich bin selbst mein größter Kritiker, ich gehe mit mir selbst und mit den Dingen, die ich fabriziere ebenso „hart“ ins Gericht, wie ich es mit anderen Dingen manchmal tue. Normal.

Ich weiß, dass man selbst viel bewegen kann, speziell im ganz privaten Rahmen und ich bin oft genug auf die Nase gefallen um sehr genau zu wissen, wie man wieder auftsteht. Ich bin selbst großer Verfechter dieser inzwischen ekelhaft abgedroschenen „Man kann alles, was man will“-Mentalität.

Aber: Ich weiß, woher meine Fähigkeit und vor allem die Freiheit, diese Mentalität zu vertreten, kommt. Ein bisschen Zufall und Glück, ein bisschen Erziehung, ein bisschen Veranlagung und Vererbung, ein bisschen Mentoren-Einfluss (Helmut Lehnert, damals SFB), ein bisschen Punkrock-Sozialisierung („Do anything you wanna do“ – Eddie and the Hotrods, „Career Opportunities“ – The Clash, u.v.a.).

Und in den ganzen Jahren kein einziges Bisschen, nicht einmal ein winziges, klitzkleines Stückchen staatlicher Einfluss oder auch nur Unterstützung bezüglich dieser Lebens- und Arbeitseinstellung. Im Gegenteil. Hat mal jemand versucht, als Freiberufler oder Selbständiger oder unregelmäßig Angestellter eine Wohnung, einen Kredit, ein Konto zu bekommen? Siehste.

Und so wie ich das da oben alles weiß, weiß ich auch, dass man diese beschriebene Lebenseinstellung nicht per Werbekampagne vermittelt bekommt, sondern sie nur dadurch fördern kann, indem man die Voraussetzungen dafür verbessert. Mehr Eigenverantwortung von allen? Na klar ist das nötig, bitte sehr gerne! Und schön mit eigenem Beispiel voran gehen, ja? Danke. Ich weiß, dass das dauert und ich vertraue sogar noch darauf, dass es passieren wird.

Sowohl bei Nico als auch bei Anke Gröner gibt es interessante Antworten auf meinen Artikel nebst Kommentaren zu lesen, in denen teilweise Parallelen zu amerikanischen Kampagnen gezogen werden und bessere Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland verlangt wird, woraus beide den Schluss ziehen, dass die „Du bist Deutschland“-Kampagne vielleicht doch gut sein kann. Argumentativ jedoch machen beide meiner Meinung nach einen kleinen Fehler, denn sie beziehen sich auf Kampagnen und Beispiele, in denen Politik, Ziele, Inhalte und Gesichter/Personen beworben wurden, um diese zu erklären und „die Stimmung“ zu verbessern. Es gibt Visionen, die ich nur nicht richtig verstehe? Prima, dann bewerbt sie bitte gerne, zeigt sie mir, bringt sie mir näher! So clever wie möglich! Meine Sorge ist eben, dass es diese Visionen nicht gibt und daher riecht der Claim „Du bist Deutschland“ für mich etwas anders.

Er riecht nach Verantwortung abschieben, etwas, dass Regierungen ja oft „dem Volk“ vorwerfen möchten. Es gibt aber nunmal auch Regierungsverantwortungen. Die Vermittlung zwischen Wirtschaft und Arbeitnehmern gehört ebenso dazu wie die Kommunikation von Regierungszielen. Neben ihrer Umsetzung. Und ich hab es etwas satt, dass ich mir dauernd anhören muss, wofür ich alles verantwortlich bin (ich weiß das, siehe oben) wenn es offenbar keine Institution zu geben scheint, die auf politische Verantwortlichkeiten mit ebenso großen Kampagnen verweist. Es wird im sozialen und im Bildungsbereich en masse gekürzt, ohne Aussicht auf Ausgleich, ein Besuch bei der Bundesagentur für Arbeit ist eine Tortur für alle (alle!) Beteiligten, die einzige Änderung in diesem Bereich ist, dass niemand mehr durchblickt.

Entschuldigt bitte diesen etwas unstrukturierten Artikel, das Thema ist etwas sehr emotional geworden für mich, denn ich bin mit dem Artikel, um den es hier geht und mit einigen Reaktionen darauf nicht richtig glücklich. Es ist mir ganz offensichtlich nicht gelungen, genug Sarkasmus oder nur ein wenig Witz im Original-Posting durchblicken zu lassen, ich habe mich von der ersten Emotion leiten lassen, die man, wenn man mich nicht kennt, auch ziemlich dumm umgesetzt verstehen kann. Ich habe etwas Gelächter erwartet, ein paar grinsende Verlinkungen, einige mehr eigene Artikel, die sich mit dem Thema beschäftigen, aber sicher nicht die Masse an „Richtig so! Hau drauf!“.

Ich weiß noch nicht genau, was ich für mich daraus machen soll, ich kann mich aber nicht so einfach nur darüber freuen. Vielleicht bin ich aber auch gar nicht so falsch verstanden, wie ich gerade glaube. Ich will nur nicht wie ein Kneipen-Vorschreier wirken.

Viel cooler, das fällt mir aber jetzt erst ein, wäre vielleicht die „Johnny ist Deutschland“-Kampagne gewesen. Oder sowas. Wäre witziger gekommen, hätte vielleicht mehr Spaß gemacht. Naja. Nächstes Mal.

Ich bin großer Freund von Reformen, ich halte sie für dringend notwendig. Kann auch sein, dass es erstmal unangenehm wird, is‘ okay. Ich will keine CDU-Regierung, danke, hatte ich bereits, war große Scheiße. Ich mag Rot-Grün nach wie vor und trotzdem. Ich lebe sehr gerne in Deutschland, ich finde, es geht den meisten Menschen hier noch recht gut.

Aber ich sehe im täglichen Alltag nicht, wie die derzeit umgesetzten Reformen als positiv verstanden werden sollen. Und daher ärgern mich Werbesätze wie „Du bist Deutschland“ sehr.

77 Kommentare

  1. 01
    Lunaday

    ach ja schon ganz vergessen ….“ tiptoe through the tulips!“ ;-)

  2. 02
    LadyC

    Ich glaube eher, wenn ich das hier so lese, dass leider keiner von euch dumpfbacken Kritikern jemals richtig über das Thema nachgedacht hat.
    Es geht darum, dass gerade solche faulen Säcke mal ihren Arsch hochbekommen und nicht immer nur über die nölen die es zu etwas gebracht haben, sondern ihre Energie dazu verwenden selber etwas vernünftiges zu Stande zu bringen.
    Naja… wenn der IQ noch nicht einmal dazu reicht den Sinn des ganzen zu verstehen… dann kann Deutschland auch getrost auf EUCH verzichten!

  3. 03
    Kaufen! Kaufen!! Kaufen!!!

    überhaupt nicht ladylike, LadyC! – eher schon etwas braun gefärbt, ihr ton.

    meinense das ernst?

  4. 04
  5. 05
    Oli

    Schade! Dabei hab‘ ich mich gefreut neben Papst auch noch Deutschland zu sein.

  6. 06

    so reden halten mit es muss ein ruck durch deutschland gehen fand ich ja mal ganz abwechslungsreich nach der ganzen wir sitzens aus kampagne von helmut und der unsere renten sind sicher (im hintern der industrie verstaut) kampagne von norbert.
    Aber bei leider hat sich, da Herzog nun mal nur Bundespräsi war und nur aufrufen nicht tun konnte dieser eindruck von „nur gelaber nix dahinter“ manifestiert.
    Das ganze ist auch nicht besser dadurch geworden, dass die CDU in den folgenden Jahren höchst erfolgreich im Reformen blockieren und Giftpillen (ala Praxisgebühr) unterschieben war.
    Mehr Gerede, genausowenig Taten. Und was angepackt wurde, konnte nur auf neoliberalem Glatteis von Herrn Hartz ausgetantzt werden. Der Mensch hatte leider auch nur dem Namen nach festen Halt.
    Und jetzt kommt so eine Du bist der Staat Kampagne daher mit so einem sehr Persönlichen Slogan, der je nach Betrachtungswinkel durchaus als Beleidigend aufgefasst werden kann.
    Mehr Gelaber, aber diesmal bevormundend, besserwissend, im Gleichschritt mit unserem jetzigen Bundespräsidenten.
    Dazu die ungenierte Zurschaustellung von Machtspielen und Machtmenschen in unserer Hauptstadt die einem als normal sozialisierten Menschen durchaus ekelerregend vorkommen.
    Da hat Dein Kommentar durchaus den Finger in eine Wunde gelegt – und es hat wehgetan. Ich denk mal deshalb auch diese … hmmm… emotionalen Reaktionen.

  7. 07

    Wow,
    die Summe an Kommentaren ist beeindruckend und vielschichtig. Das einzige was ich vermisse ist die Erkenntnis, das die Kampange sicherlich nicht für „uns“ gemacht wurde. Ja, diese Kampange ist Propaganda. Exakt. „Propaganda muß so sein, das sie der dümmste versteht“…wir wissen, wer das gesagt hat.
    Der Versuch, eine Kampange zu starten, die einer verunsicherten Bevölkerung Mut machen soll, kann generell als „Blödsinn“ bewertet werden. Ich habe allerdings in meiner Familie (ich hab sie mir nicht ausgesucht) erlebt, das die Kampagne „Ich bin Ausländer“ in den Köpfen meiner Verwandtschaft zumindest bewirkt hat, dass vor dem einen oder anderen Satz mal kurz nachgedacht wurde. Es funktioniert. Im Guten wie im Bösen (Bild und co.).
    Das die, sagen wir mal, kritische Intelligenz natürlich in ein Klagelied über so eine Kampange verfällt ist logisch und auch nicht schlimm. Denn wir wissen es ja besser, nicht wahr. Wir, die ultragescheiten und kritischen, urbanen Weltenbürger:) Ich habe im letzten Training mit meinen Sportskameraden (Maurer, Wergzeugmacher, Hartz IV Empfänger) erstaunt registriert, das sie sich damit auseinandersetzen.
    Das Eigenverantwortlichkeit viel früher gefördert werden sollte, um solch eine Kampange obsolet zu machen, ist sicherlich der Wunsch. Doch in unserem Land, das ich sehr mag, ist Eigenverantwortlichkeit nicht gefördert worden. Ich fragte mich neulich wie es eigentlich dazu gekommen ist, das Arbeitslose davon ausgehen, das sich ein Amt nicht nur um Ihre Finanzen kümmert (was ok. ist), sondern auch noch darum, das Sie einen neuen Job bekommen. “ Ich hör‘ nie was vom Arbeitsamt“ und ähnliche Aussagen machen klar, das diese Menschen davon ausgehen, das die Job-Verantwortung in den Händen des Staates liegt. Da ist, bei aller Liebe für Unterstützung, einiges aus dem Ruder gelaufen in den letzten 20 Jahren.
    Also, bei aller Kritik ist es wichtig, in der Lage zu sein, nicht alles auf sich zu beziehen und mal über den Tellerrand zu schauen. Kampagnen sind für Menschen gedacht, die nicht zwingend die Fähigkeit haben zu reflektieren, sondern nur eine einfache Nachricht: „Du bist Deutschland“ versuchen auf ihr Leben zu adaptieren. Sonst wäre es keine Kampagne. Und das kann im Einzelfall ein ganz klein wenig bewirken. Nämlich über sich selbst und seine Situation einmal, völlig unüblich, nachzudenken.

  8. 08
    Borstel

    Vielleicht sollte es uns auch einfach nur mal zum nachdenken anregen,
    ob wir nicht doch etwas zuwenig tun.
    Es soll sich ja auch nur der die Jacke anziehen die ihn passt.
    Wenn so eine Kampange dabei hilft ist das für mich OK .
    Propaganda?? Was ist den eigentlich keine Propaganda von all den was wir tagtäglich von unseren Medien hören??

  9. 09
    sid

    „žDu bist Deutschland“ — na, was für ein Glück, das endlich zu erfahren. Nur leider muss ich dieses großartige Privileg u.a. mit Horst Mahler, Rainer Zitelmann, Franz Schönhuber, Martin Hohmann, Vera Lengsfeld und Josef Kardinal Meißner teilen. Darum tue ich nach reiflicher Überlegung das m.E. einzig Vernünftige:

    Ich scheiße darauf!!!!!!!!

  10. 10
    beryll

    Hejhej.

    Mich würde mal interessieren, wie es kommt, dass intellektuell ähnlich begabte Menschen so unterschiedlich auf diese Kampagne reagieren?
    Ich halte mich für ein individuum, ich hab schon viel verloren, aber eben nicht mich. Ich habe ein ziehmlich anstrengendes Leben und finanziere mein Studium mit spaßigen Idioten-Jobs, damit ich später mal Seelen flicken kann, und ich finde die Kampagne sehr gut! Sicher bleibt sie an der Oberfläche! Sicher spircht sie nicht jeden einzeln an. Aber sie paschalisiert auch nicht so negativ, wie es viele behaupten.
    Sie ermutigt!
    Sie stärkt!
    Was ist daran schlimm?
    Klar hätten sie auch Gesichter nehmen können, die mir persönlich irgendwie mehr bedeuten als Schumi und Xavier, aber es kratzt mich nicht.

    Und wo wird in der Kampagne die Regierung aus ihrer Verantwortung genommen?

    Kann es sein, dass es Menschen gibt, die zwischen den Zeilen Dinge finden, auf die sie fixiert sind?
    Bleibt mal auf dem Teppich!

    beryll

  11. 11
    maha

    Ich muß mich meinem Vorredner (beryll) anschließen.
    Wieso seid ihr alle so negativ? eine solche stimmung wie
    sie manche hier verbreiten will dises Kampagne vertreiben
    und ich finde das ist ein gutes Ziel.

    Was spricht denn dagegen STOLZ auf sein Land zu sein?

    Und wegen den teilweise spaßigen Interpretationen:
    Könnt ihr nicht einmal etwas so nehmen, wie es ist?
    Eure Interpretationen erinnern mich an den
    Deutschunterricht … ich bin sicher die damaligen Dichter
    würden sich bei heutigen interpretationen im Grabe umdrehen…

    Gutreden macht vielleicht nichts besser aber alles schlecht reden
    tut dies auch nicht und ist eher kontraproduktiv!

    Seid positiv, seid deutschland. Ich bin Deutschland! Du kannst das auch!

  12. 12
    moca

    hi,
    ich finde die kampagne nur doof. ich finde diesen dubistdeutschlandslogan anmassend und übergriffig.ich bin nicht deutschland, ich will nicht deutschland sein. das ist mir zu eng. ich bin lieber mensch, bürgerin einer welt.
    saluti
    moca

  13. 13
    Gurke

    Der Staat ist für das Volk und nicht das Volk für den Staat!
    Ich finde die Politik in Deutschland ziemlich unschön.
    Es wird mit vollen Händen Geld ausgegeben was nicht da ist und überall fleißig gekürzt.Nur bei den „klügsten Männern der Welt (denn Angela Merkel ist auch ein Mann :-)) nicht.
    Ich finde beide Artikel gut.

  14. 14

    Deutsche Politiker und das Streben nach Reformen

    Hallo, der nachfolgende Videoclip könnte auch so interpretiert werden: Zeigt dieser nicht in eindrucksvoller Weise das ignorante Verhalten deutscher Politiker, wenn es um die Durchsetzung notwendiger Reformen (Steuern, Gesundheit, Arbeitsmarkt) in unserem Land geht? Hier könnt ihr den Clip sehen: http://heuteblog.de/2006/05/09/
    Gruss Strelon

  15. 15

    Leider habe ich beide Beiträge erst jetzt lesen können – und bin auch nur durch Zufall über Telepolis hier gelandet. Was mich persönlich übrigens noch am meisten an der Werbekampagne angekotzt hat, das war schlichtweg, dass mir irgendwelche moderaten B-Promis von Problemen erzählen wollen, die sie selbst nicht haben. Ebenso diese wirklich dummdreist reisserischen Phrasen, dass man ja der Schmetterling sei, welcher den Baum entwurzele – und auf der anderen Seite ist man plötzlich der Baum, der entwurzelt wird. Ja, was denn nun?

    Alles in allem mag vielleicht sogar ein guter Gedanke hinter der Kampagne gesteckt haben – und das sage ich trotz meiner üblichen Erfahrungs-Paranoia, dass hinter jeder „kostenlosen“ Aktion auch immer ein Selbstzweck steckt. Nichtsdestotrotz kann man sagen, dass in diesem Falle Millionen von Euro einfach nur in eine Farce, eine Luftblase, geflossen sind. Nicht einmal für ein Strohfeuer hat es gereicht. Und die Ursache dafür liegt eben darin, dass – wie Du bereits gesagt hast – diejenigen, die von „da oben“ zu uns normal Sterblichen sprechen, keine Ahnung mehr davon haben, welche Sprache das Volk überhaupt spricht. Schon seit Jahren beschleicht mich das Gefühl, dass, je weiter frisches und vielleicht noch „pro Reforma“ leidenschaftlich kochendes Blut die politische Karriereleiter erklimmt, es in den höheren Gefilden unweigerlich erkaltet. Der politische Break-Even ist erreicht, wenn Staatssanierung mit unmerklich erhöhten Diäten, merklich erhöhten Steuern und neuen Abgaben, sowie hin und wieder einem kleinen Schüsschen an imageförderndem, blindem Aktionismus die Waagschale der Justizia gegenüber der Schale der ursprünglichen Überzeugungen und Ideen nach unten presst. Der Satz war viel zu lang, aber hoffentlich einigermaßen verständlich.

    Im Grunde genommen könnte ich jetzt stundenlang eine Abhandlung darüber halten, was man lieber hätte mit den 30 Millionen machen sollen. Wie unglaublich wirtschaftlich fördernd es doch für alle in diesem unserem Lande ist, auf PCs GEZ-Gebühr per Staatsvertrag zu erheben. Wie überaus sinnvoll und durchdacht auch, Überlegungen anzustellen, auf SMS und eMails Steuern zu erheben – und das mit „Kommunikationsförderung innerhalb der EU“ erklären zu wollen. Wie sicher wir Bürger uns fühlen, wenn im Rahmen der angeblichen Terrorismushatz sämtliche Datenverbindungen protokolliert, gespeichert und bei Bedarf auch per wirtschaftlichem Interesse von Film- & Musikindustrie ausgewertet werden dürfen. Wie behaglich, wenn man weiss, an jeder Straßenecke, an jedem öffentlichen Platz, möglichst überall befinden sich Kameras, um uns alle vor Unbill zu schützen.

    Wie schön es doch ist, dass man es so gut mit uns meint.

  16. 16

    Ich glaube das größte Problem der Deutschen ist einfach: Sie wissen nicht was Deutschland ist.

    Ich bin Papst,
    ich bin Weltmeister
    bin ich deshalb Deutschland?

    Als Föderalistischer Staat sollte Deutschland am besten erst einmal aus Berlinern, Brandenburgern, Sachsen, usw. bestehen.
    Danach kann man ja mal gucken, ob man sich überhaupt erstmal mit dem Rest von Deutschland identifizieren kann.

    Ich persönlich hab jetzt schon Schiss nach Bayern zu gehen. Das einzig tröstliche daran: Die Franken wolln ja auch nich Bayern sein.

  17. 17

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