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What the… ?

Ende Juli soll im holländischen Boxtel die Hacker-Konferenz WHAT THE HACK stattfinden. Allerdings nicht, wenn es nach dem Willen des zuständigen Bürgermeisters geht.

Für den Chaos Computer Club als Mitveranstalter ist Tim Pritlove derzeit vor Ort und konnte mir per IM einige Details erläutern.

Spreeblick: Die Vorbereitungen zur WHAT THE HACK scheinen nicht ganz reibungsfrei zu laufen. Was gibt’s für Probleme, Tim?

Tim Pritlove: Der Bürgermeister von Boxtel – der für die Location zuständigen Gemeinde – versteht die Veranstaltung nicht und will die nötige Genehmigung für die Veranstaltung nicht ausstellen. Er spricht davon, die Hacker-Konferenz würde eine „Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ darstellen. Das ist natürlich absurd.

Spreeblick: Welche konkreten Gefahren befürchtet der Mann denn?

Tim Pritlove: Das ist wirklich unklar. In den Niederlanden ist in den letzten Jahren eine zunehmende Paranoia entstanden, die sich im Kielwasser von 9/11 auch zunehmend den digitalen Freiheiten entgegenstellt. Gesetze, die man einst nur den Amerikanern oder Deutschen zugetraut hätte, sind hier jetzt Realität geworden. Die Überwachung der Telekommunikation ist auf dem Vormarsch und die Meinungsfreiheit entsprechend auf dem Rückzug. Und natürlich kommt auch das Feindbild „Hacker“ an erster Stelle.

Spreeblick: Es ist doch nicht die erste Veranstaltung im Stil von WHAT THE HACK? Gab es jemals vorher Probleme?

Tim Pritlove: Nein, nie. Und nicht nur das. Die holländischen Open-Air-Hacker Events – HEU, HIP, HAL – waren allesamt Meilensteine der digitalen Revolution. Und nicht zuletzt ist die Gemeinde Boxtel – also die des jetzt sich querstellenden Bürgermeisters – richtungsweisender Teilnehmer der „Digitalen Stadt“-Initiative, die einst auf der HEU ihren Anfang nahm.

Spreeblick: Was werdet ihr als Mitveranstalter tun, wenn es bei der nicht erteilten Genehmigung bleibt? Gibt es alternative Veranstaltungsorte?

Tim Pritlove: Es gibt keine Alternative und die Veranstaltung wird stattfinden. Die Verweigerung der Genehmigung ist nicht haltbar und das wird auch der Bürgermeister bald einsehen müssen. Es gibt keine rechtliche Grundlage für sein Handeln und so ganz nebenbei verweigert er der Wirtschaft seiner 10.000-Seelen-Gemeinde einen einmaligen Umsatz, der durch die über 4.000 Teilnehmer sicherlich zusammenkommen wird. Sein vorauseilender Gehorsam ist ist im Prinzip nichts anderes als Selbstmord.

Spreeblick: Danke, Tim!

Links zum Thema:

Statement des CCC
Dokumentation der Kommunikation

3 Kommentare

  1. 01

    Die paranoia wirkt.
    Welcome to the cold war revisited.

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