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Virtuelle Mäuse-Disko

Es kribbelt in meinen versammelten Gliedmaßen, wenn ich dieses Bild sehe.

vdisco

Ich kann es kaum erwarten, die V-Disco zu besuchen. Auf meinem Handy-Display ein Zentimeter große Avatare beim „Tanzen“ zu beobachten, gegen deren abgehackte Polygon-Zuckungen die Bewegungen der Augsburger-Puppenkiste-Marionetten wie die Artistik russsicher Leichtathletikerinnen wirken.

Es reicht mir nicht, von den „großen Chart-Hits“ aus jedem Radio, in jeder zweiten Kneipe und in jedem Supermarkt berieselt zu werden, nein, ich möchte mich ihnen unbedingt auch noch in der Mario-Brothers-Version aussetzen, die mir aus dem Drei-Millimeter-Lautsprecher meines Handys entgegenplärrt.

Ich will außerdem viel Geld dafür bezahlen, dass ich bei bestehender UMTS-Verbindung minutenlang vergeblich versuche, meinen eigenen Avatar meinem realen oder gewünschten Äußeren anzupassen, um dann endlich meinen virtuellen Freunden all jene wichtigen Gefühle mitzuteilen, die sich mit zwölf Tasten und einem Mikro-Bildschirm eben mitteilen lassen.

Und zwischendurch möchte ich auch noch unbedigt mit Produktinformationen beliefert werden, die mir den einzig richtigen Weg zur Glückseligkeit weisen.

Oh ja! All das will ich!

Denn ich bin die Zielgruppe aus dem Businessplan von Artificial Life. Und mich gibt es wirklich. Millionenfach auf der ganzen Welt.

29 Kommentare

  1. 01
  2. 02

    „Denn ich bin die Zielgruppe aus dem Businessplan von Artificial Life. Und mich gibt es wirklich. Millionenfach auf der ganzen Welt.“ Der Witz ist: das stimmt. Nur leben all diese Millionen in Asien. In weiten Teilen des fernen Ostens hätte dein Text nämlich Gültigkeit — ganz ohne Ironie.

  3. 03

    Ich glaube ja, die Beschränkung auf Asien hält nur noch eine Weile lang an. Alles eine Frage der „Zielgruppen-Penetration“ , bis es auch hier funktioniert. Aber erst sind natürlich die Amis dran.

    Schon erstaunlich. Immer schlechtere Entertainment-Qualität zu immer höheren Kosten.

  4. 04

    Was heißt hier nur in Asien hat das ganze Gültigkeit? Ich bin Asiat und kann dem ganzen Handy-Sc***ß immer noch nichts abgewinnen.
    Trauriger ist eigentlich das Johnny recht damit hat, dass die hiesige Zielgruppe sich für sowas sehr schnell begeistern kann (Jamba sei Dank), sowie sie sich schon für den ganzen Schnickschnack begeistern konnten, der ja in diesen Landen schon Fuß gefasst hat…

  5. 05
    Martin

    Das ist nun das Ergebnis des jahrelangen Suchens einer Existenzberechtigung für UMTS.
    Aber das Kopfschütteln hebe ich mir für später auf – denn es wird bestimmt noch schlimmeres kommen.

  6. 06

    XXX. Dann läuft’s auch mit UMTS.

  7. 07

    @ Hong-An
    Bist halt schon ein typisch deutscher Langweiler und Spießer geworden ;-)
    Willkommen im Club :-D

  8. 08

    Es konnte mir bisher noch niemand sagen, wozu jemand UMTS _wirklich_ _braucht_. Die Leute, die entsprechende UMTS-Dienste heutzutage in Anspruch nehmen, sind Versuchskanickel, die dafür auch noch richtig zur Kasse gebeten werden.
    Ich möchte keinem von denen zu nahe treten, aber in meinen Augen sind das Schwachköpfe – ähnlich denen, die sich ein neues Automodell bestellen, monatelange Wartezeiten in Kauf nehmen und dann kostenlose Testfahrer für die entsprechenden Hersteller sind. Und sie ‚durften‘ ihre Experimentalfahrzeuge selbst bezahlen.

  9. 09

    Jede Technologie braucht zu Beginn early adaptors, anders geht’s einfach nicht, da kann man noch so viel im Labor testen. Und die sind immer auch Versuchskaninchen, die leider kräftig zur Kasse gebeten werden. Fairer wären hier günstige Einstiegspreise in Testphasen, was inzwischen in einzelnen Fällen geprobt wird (Blackberry drei Monate kostenfrei testen, neue Dienste eine Weile kostenlos oder günstiger u.ä.).

    UMTS kann genauso viel Sinn machen wie DSL, und sei es nur als schneller Internet-Zugang unterwegs, in der Bahn usw. Damit erreicht man aber keine kritische Masse, also müssen Pseudo-Inhalte her wie TV auf dem Handy.

    Das Problem sind doch die ganzen Interessenskonflikte innerhalb der einzelnen Sparten der Unternehmen. Eine UMTS-Flatrate würde für einige Leute DSL überflüssig machen, ein Blackberry oder ein Hiptop muss in Sachen Konnektivität verkrüppelt werden (kein Bluetooth), damit keiner auf die Idee kommt, das Ding mit seinem Laptop zu nutzen, usw. – und das nervt auf Konsumentenseite.

    Würde ich das bekommen, was ich will (nämlich einen Orts- und Geräte-unabhängigen, drahtlosen Breitband-Zugang mit Flatrate), bräuchte ich keinen mobilen Datentarif und keine zwei DSL-Anschlüsse (zu Hause und im Büro). Ich wäre in den Augen der Unternehmen ein schlechterer Kunde, denn ich würde weniger Geld ausgeben.

  10. 10

    Ein Kunde von uns ist auch UMTS-„Versuchshase“, aber ganz OHNE Kosten.

  11. 11

    @Uwe: um zu einem Thema Deines Blogs einen Kommentar abgeben zu können, muss ich mich vorher bei Mircoschrott registrieren lassen. Ist das etwa Dein Ernst? Nee, danke – das schreckt einfach ab…

  12. 12

    Mal angefragt: Da die meisten derartiger Einträge auf Spreeblick und anderen Blogs auf köstlicher Ironie geköchelt sind – welchem Zweck dient die Sache an sich? Der gewöhnliche Deutsche, für den aufklärende Worte und Botschaften wichtig wären, versteht keine Ironie (unter anderem etwas, das man bei Axel Springer lernt …). Ist das Bloggen in dieser Form also nur ein gegenseitiges Eierschaukeln innerhalb eines kleinen (intellektuellen) Kreises? Wenn dem so wäre, dann hätten diese Blogs keine Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, und der eigentliche Wunsch nach Veränderung hinfällig.

    Nicht falsch verstehen, ich mag’s auch ironisch, sarkastisch, wie auch immer … und doch wollte ich das mal eingeworfen haben. ;-)

  13. 13

    Na das reicht doch. Wenn du es magst. Und ich. Und ein paar tausend andere. Grund genug.

  14. 14
    dk

    Die Marios sind ein gutes Stichwort.

    http://www.supermariosleeping.com/

    Anspruchsvolle (Wahrhol’sche) Unterhaltung.
    Kosten: annähernd null.

    Einziger Kritikpunkt: die Schmetterlinge machen etwas „hibbelig“.

  15. 15

    Sorry, Alix, ich weiß… Ich mache auch keine Kommentare auf Blogs auf denen ich mich registrieren muß.

    Leider geht das bei den MSN Spaces nur so :-( Ein Grund doch selbst ein Blog aufzusetzen.

  16. 16
    flansch

    > XXX. Dann läuft“™s auch mit UMTS.

    Interessant in diesem Zusammenhang das award-winning Superprodukt von Artificial life , http://www.v-girl.com/ , insbesondere faq no. 1 ;)

  17. 17

    Ich denke, ein wirklich großes Problem von UMTS (abgesehen davon, dass es DSL etwas überflüssig machen könnte) ist die Tatsache, dass es vor allem Sinn fürs Business macht. Aber von Business-Kunden kann man UMTS nicht bezahlen. Und so werden Horden von Mitarbeitern, Trend-Scouts und Schnick-Schnack-Erfindern durch die Republik und die Welt gejagt, um möglichst etwas Tolles, Neues und Bandbreitenfressendes zu finden, das man teuer verkaufen kann.

  18. 18

    @Thomas R:
    „Ist das Bloggen in dieser Form also nur ein gegenseitiges Eierschaukeln innerhalb eines kleinen (intellektuellen) Kreises?…“
    Ist ne gute Frage, wie aber willst Du das mit dem Eierschaukeln bei einer Bloggerin machen? Das dürfte schwer fallen, trotz … naja, darüber lass ich mich lieber nicht aus :-)

  19. 19

    Me|ta|pher, die; -, -n (Sprachw. Wort mit übertragener Bedeutung, bildliche Wendung, z.B. »Haupt der Familie«)
    (C) Duden

    Das schaukeln wir schon …

  20. 20

    Zum ganzen nervigen HandyKlingelBuntiPiepsieFlippieSchnickSchnack fällt mir grad noch der Bo Flower aus Hamburg ein. Der hat ein nettes Liedchen darüber geschrieben, Titel „Tötet Twxxty“. Kann man auf seiner HP (www.pimpmypet.de) anschauen. Stilmittel der HandyKlingelBimmelWerbung übernommen und dann auf Naht gedreht. Sehr schön gemacht.

  21. 21

    A, Katzenwiesel, auch das ist Werbung für die Ficker selbst. Am besten totschweigen, DAS würde helfen.

  22. 22
    the_stephan

    @thomas, alix:
    bloggen ist etwas anderes als bei springer arbeiten, thank goofness.
    unter anderem gibt es das deshalb, und wird unter anderem deshalb so viel & gern gelesen: weil sich da die autoren nicht von Axel Caesar oder sonstwem derart oft erzaehlen lassen muessen, was andere verstehen und was nicht (und was man deshalb schreiben muss), dass man’s sogar in blogkommentaren raustrompeten muss. „Der gewoehnliche deutsche, für den aufklaerende worte (…) wichtig waeren“ bleibt unter anderem dessen gewoehnlich & aufklaerungsbedürftig, weil seine aufmerksamkapazitaeten so massiv mit axel caesars scheiss verkleistert werden.

  23. 23

    @the_stephan: Ich suche bei sowas die Schuld bei den Lesern, nicht bei Großverlagen. Im Fall der Fälle hebe ich sogar meine Lanze für den Springer-Verlag, da die BILD-Gruppe in der Lage ist, journalistische Inhalte den Menschen zugänglich und verständlich aufzubereiten, dass diese sie auch verstehen und gerne lesen.

    Unter moralischen Aspekten gesehen – manchmal bin ich auch (Doppel-)Moralist – müsste ich aber dort in Hamburg alles in Schutt und Asche legen.

    Irgendwie leide ich ja doch manchmal an extremer Ambivalenz. ;-)

    :T:

  24. 24
    Micha

    Habt ihr euch mal den Geschäftsbericht dieser Firma angesehen? (Wohl eher nicht, manchmal wundere ich mich auch mit was ich so meinen Feierabend verbringe. Na, egal, jedenfalls:) Das sieht so aus als ob die Jungs und Mädels schon seit mehreren Jahren künstlich beatmet werden. Scheint also auch in Asien nicht so der ganz grosse Renner zu sein.

  25. 25

    … „Der Witz ist: das stimmt. Nur leben all diese Millionen in Asien. In weiten Teilen des fernen Ostens hätte dein Text nämlich Gültigkeit — ganz ohne Ironie.oder so …““

    Die Saat ist doch längst aufgegangen, nicht nur in Asien sind die Kids bereits völlig degeneriert. … Check mal die Kids in „RADEVORDEMWALD“, Einbeck oder Offenburg ab. Die sind mit Dschamba oder eben dem Tanzlehrer Detlef Deeeee + Preluders usw. uufjewachsen, kennen doch auch the Clash überhaupt nicht. Die haben doch alle Schiss vor Kreuzberg (wegen der Krawalle!!!) und besinnen sich lieber auf Ihr Handy und die neuesten Hits – Tja z.B. vor dem Aquariumhotel – Da sind die Schlangen nicht im Wild at Heart oder wo man sonst so hingeht …

    Wann macht eigentlich die Terrorgruppe mal Handygegenkultur? Oder gibt’s das schon …

    schon mitbekommen: in den USA gibt es jetzt die neuesten Geschäftsberichte börsennotierter Unternehmen über podcasting RSS Feeds – liest Du noch oder läßt Du schon lesen?

  26. 26

    „Damals war alles besser!“?

  27. 27

    While campaigning (http://www.xboxgamecheats.bravehost.com), both camps have accused each other of being terrible politicians (http://www.catch-a-cheating-wife.com). This will only lead people to distrust politicians (http://www.divingisland.hu), one of the downsides of the nation’s democratic achievements (pewterandglass.net).

  28. 28

    While the American Medical Association doesn’t have a specific policy on such services (http://www.gift-baskets-4u.com), there are some concerns for the patient (http://www.best-in-storage-furniture.com), said AMA president Dr (musicman.wiredpirates.com). Edward Hill (http://www.signup.co.il).

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