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Coming soon: Die gute Woche

Mist, verdammter. Seit über zwei Stunden schreibe ich darüber, wieso ich mich über Felix‘ Live8-Artikel ärgere. Wenn man jemanden kritisieren will, den man grundsätzlich mag, geht das nicht so einfach mal eben klatsch-klatsch, da muss schon Butter bei die Fische und das dauert.

Wenn man dann auch noch recht weit ausholen muss, da Felix grundsätzlich keine Konzerte und keinen Krach und keinen Schweiß mag (daher also scheinbar, völlig wertfrei, eher wenig Popkultur-Sozialisation genossen hat, was widerum eine über graue Haare und angebliche Gutmenschen hinausgehende Argumentation rund ums Thema behindert), wird es auch nicht leichter.

Ich hab aber gerade keine Lust mehr und sage daher nur, dass es zu leicht ist, Live8 zu bashen. Man braucht nicht einmal verständliche Argumentation dafür, man muss es einfach nur tun. Muss man?

Dadurch angeregt, aber nicht mehr explizit zu Felix‘ Artikel: Ich glaube, mich kotzt gerade dieses allgemeine Dauerbashing in vielen Blogs an. Alles und jeder scheint blöd zu sein, aber nur wenige können auch ausdrücken, warum genau (oder gar Alternativen andenken). Alle sind schlauer als der Rest, aber nur wenige zeigen’s auch. Und alle haben unheimlich viel Ironie, aber die meisten nutzen sie nur als offene Hintertür.

Ich will echte Argumente und Standpunkte lesen, ich möchte spannende Diskussionen, aus denen ich neue Sichtweisen mitnehmen kann oder die ich mit gefestigtem eigenen Standpunkt verlassen oder weiterführen kann.

Mag jetzt komisch klingen von jemandem, der auch gerne mal lospöbelt. Point taken.

Die nächste Woche wird daher „Die gute Woche“ bei Spreeblick. Ich werde ausnahmslos über Dinge schreiben, die ich klasse finde, für die es sich lohnt, die Augen oder Ohren oder das Hirn zu öffnen. Mal sehen, ob das eine Posting-Frequenz von einem Artikel alle zwei Tage mit sich bringt, ob sich die Leserschaft komplett verabschiedet oder ob sie sich verdoppelt.

Oder ob es überhaupt jemandem auffällt.

Jetzt muss ich aber erstmal ein paar Sätze zu diesem Kommentar loswerden, wenn’s sonst keiner macht.

17 Kommentare

  1. 01
    Micha

    Darauf bin ich gespannt, auf die Diskussionen in der „guten Woche“ auch. ;-)

  2. 02

    Live-8 Bashing. Wie wäre es mit dem aktuellen Broder?

  3. 03

    Wieso Dauerbashing in Blogs? Wenn selbst SpOn das macht, kanns doch nicht verkehrt sein:

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,363168,00.html

    *durchdieIronieHintertür(tm)flücht*

  4. 04
    stefanx

    >> Mal sehen, ob das eine Posting-Frequenz von einem Artikel alle zwei Tage mit sich bringt

    verdammt. meinen blöden witz schon im keim erstickt.

  5. 05
    daniel.

    Find ich gut. Wobei deine Texte sich sowieso durch heiteren Ernst wohltuend von der Masse abheben. Unironisches Bashing mit echter Wut im Bauch wäre insofern auch ok.

    daniel.

  6. 06

    @markus und toba
    schoss mir auch sofort durch den kopf.
    mit etwas mehr zeit tät ich auch gern etwas längeres dazu texten.
    er regte sich ja auf, wer alles nutzniesser ist,
    dabei ist er es selbst ja auch. ganz peinlich.
    kann man eigentlich nicht so stehen lassen.

  7. 07

    Diesmal fand ich ix gar nicht so schlimm… :-?
    Er fand es doch ok, mochte nur das Event als solches nicht.
    Vielleicht lag es am Thema, Johnny?

    Das mit dem Dauerbashing finde ich aber generell ein Thema. Das geht einem schon so langsam auf den Keks. heise-troll-Virus sozusagen. Allein über’s Preisbloggen (Glückwunsch zur Nominierung, Johnny!) fallen die Blogs ja fast her, vor allem die ‚Übergangenen‘. Nur der ix nicht, der wollte vorher schon nie dabei sein – so schließt sich der Kreis. :-)

  8. 08

    selektive wahrnehmung. man übersieht doch gerne die guten dinge im leben udn findet die doofen immer berichtenswert. da sind blogs wohl keine ausnahmen..

  9. 09

    dauerbashing gibt es nicht nur in blogs.

    ganz deutschland befindet sich ja sozusagen in einer unablaessigen bashing-schleife.

    versucht da mal eine „gute woche“. landesweit.

    …dann klappt’s auch mit der zukunft.

  10. 10

    Das ist mir nun fast schon ein wenig peinlich – zumal ich ja bekanntlich (ok, die meisten werden es nicht wissen, geschenkt.) so überhaupt nicht zum Broder-Fanclub gehöre – aber es fällt mir diesmal wirklich schwer, bei Broders SpOn-Artikel nicht zustimmend zu nicken. Nicht bei allen Einlassungen, aber doch bei erstaunlich vielen.

    Spielen wir Johnnys-Spiel doch einfach mal andersrum: Was bringt Live8 wirklich? Ok, wir schwitzen vielleicht ein wenig gemeinsam, sozialisieren uns, sozusagen – und sei es nur am Fernseher, wenn wir die Übertragung auf Phoenix (Hee, die ARD hat’s bezahlt, wollte ja niemand anders .. ) schauen – und fühlen uns nachher – ja, wie eigentlich? Besser?

    Wenn wir uns schon besser fühlen: Reicht es, sich einfach nur besser zu fühlen? Bekommt vielleicht auch irgendwer von den Leuten den Arsch hoch? Oder gar von den G8? Sorry, ich bin da einfach verdammt skeptisch. Aber ich lasse mich echt gerne positiv überraschen.

    Hat eigentlich schon jemand den FAZ-Artikel hier verlinkt?

  11. 11

    ist es nicht so, dass ab einem gewissen punkt sich viele freund-/bekanntschaften teilen in diejenigen, die ‚machen‘ und darum wissen wie schwierig das alles ist, *wirklich* etwas tragfähiges, akzeptables, dauerhaft interessantes auf die beine zu stellen, dass viele andere damit auch ganz lange strecken über land gehen können;

    und diejenigen, deren machen (neben niemals erwähnten, meist ihnen eher peinlichen, da grundlegend entfremdeten geldverdientätigkeiten) weiterhin überwiegend im vergleichsweise folgenlosen kommentieren, bewerten, bespötteln und ablästern über diese ersteren besteht? weil sie meinen, es lohne sich eh nicht, man könne eh nur scheitern, verlieren, wenn man sich machenderweise exponieren tät‘?

    muss keine them-or-us-situation sein; kann es aber werden wenn letztere sich allzusehr darüber freuen, ersteren dabei zuzusehen, wie sie trotz zwischen ihre beine geworfenen knüppel limbo-artig weiterbreaken…

  12. 12

    „Die gute Woche“ klingt verdächtich nach der traditionellen Bildzeitungsausgabe am 24.12.: „Heute nur gute Nachrichten“…

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