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DGW: Mach’s gut, Hans!

Es gibt eigentlich nur zwei wichtige Ereignisse, bei denen man unbedingt pünktlich sein sollte. Geburten und Beerdigungen. Die eigenen bekommt man meist noch irgendwie hin, für die anderer Menschen muss man sich schon etwas ins Zeug legen.

Als wir heute morgen 10 Minuten zu spät endlich die Grabstelle von Hans gefunden hatten, war die eigentliche Beisetzung bereits vorbei. Ohne Geld für eine „echte“ Beisetzung gibt’s keine Rede und auch sonst kein Drumrum. Urne runter, fertig. Das geht flott, auch wenn es die Anwesenden etwas unsicher im vormittäglichen Regen stehen lässt. Kein Beerdigungsprofi dabei, der einem etwas Anleitung hätte geben können.

Das machte aber eigentlich nichts, denn immerhin etwa zwanzig Menschen aus dem Kiez waren gekommen, um Hans ein letztes Lebewohl zu sagen, mehr also als bei manchen anderen Beerdigungen. Viel gab es uns als Nachzüglern nicht über die Beisetzung zu berichten. Ein paar schöne, selbst gepflückte Blumen und ein Kranz mit den Worten „Hans, mach’s gut!“ schmücken die Stelle, an der Hans‘ Asche nun weilt. Irgendwie konnte es das aber nicht gewesen sein, also beschloss die gesamte Runde noch den Besuch eines nahen Cafés, jedoch nicht ohne zuvor noch ein lautes, gemeinsames „1, 2, 3, 4: Schagalla!“ in den grauen Tag zu rufen, der einzig passende Abschiedgruß, der alle ein bisschen zum Kichern brachte und so einen guten Abschluss der doch etwas deprimierenden Situation bildete.

Ein Grabstein mitsamt „echtem“ Grab macht wenig Sinn, haben die Nachbarn und Freunde in kleiner Runde beschlossen. Wer pflegt das Grab, wer sammelt die nicht unerhebliche Summe für Anschaffungs- und Pflegekosten ein und vor allem: wer wird wirklich zum Friedhof gehen, um Hans dort „zu besuchen“?

Nein, die Gedanken an Hans bleiben da, wo sie hingehören: im Kiez. Eine kleine Tafel wird entworfen und an der Fassade seines Wohnhauses angebracht, eine tägliche Erinnerung mit so viel mehr Wert als eine weitere Steinplatte inmitten der vielen anderen. Ich bin sicher, dass Hans das auch besser findet.

4 Kommentare

  1. 01

    Sehr liebevoll, dein Abschiedsbeitrag.

    riemer

  2. 02

    Schagalla, Hans!

  3. 03

    Hach. Das Schagalla zum Abschied erinnert mich gerade etwas an das Kirschkernspucken in Gernot Grickschs „Die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande“.

  4. 04
    Martin_

    super, ich hofftewußte daß spreeblick dorthin geht.
    schackalacka

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