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Die Hansen Band

hansen

Berliner konnten das noch nie. Charmant sein. Auf der Bühne. Hamburger oder Norddeutsche generell konnten das immer besser. Rocko Schamoni und Studio Braun und Bagage. Fischmob und Nachfolgende. Fettes Brot. Fünf Sterne. Und die alle.

Und eben auch die Banden rund ums Grand Hotel van Cleef. Selbst wenn es sich bei „Die Hansen Band“ um ein Konstrukt handelt, entstanden für den Film Keine Lieder über Liebe nach dem Buch von Heike Makatsch.

Angefangen hat es gestern Abend aber nicht mit Die Hansen Band, sondern mit jeweils zwei Solo-Songs von Tomtes Thees Uhlmann, der auch bloggt, Kettcars Marcus Wiebusch und Felix Gebhard alias Home Of The Lame, die eben auch drei Fünftel von Die Hansen Band sind.

Und da ging das schon los mit dem nordischen Charme (Schweden zählen wir mal jetzt dazu und sind auch sonst nicht so geoknauserig). Mit dieser von mir sehr bewunderten Mischung: Sich selbst nicht zu ernst nehmen, das was man macht aber sehr wohl. Kommunikation mit den Anwesenden, Anekdoten, kurze Geschichten, ein Lächeln über sich selbst und fürs Publikum, danach berechtigter Weltschmerz mit (nicht im) Akkord und wer darüber kichert ist hier falsch, das ist nicht der Quatsch Comedy Club, das ist das Grand Hotel van Cleef und in einem Grand Hotel benimmt man sich.

Thees Uhlmann ist auf dem Weg zum gelassenen Entertainer von Weltformat, hätten wir eine verdammte ernstzunehmende Wochenmusikpresse wäre er regelmäßig auf den Covern zu finden. Ein kleines bisschen Glamour (im Sinne von Morrissey oder so) vermisst man freilich, Ringelpullis gehen auf einer Bühne irgendwie nicht und kurz nachdem Tanja meine Meinung mit „außer bei Coldplay!“ erwidert hat, lästert Herr Uhlmann auf der Bühne geschmackvoll über eben diese. Und womit? Mit Recht!

Marcus Wiebusch erinnert mich in Sachen Bühnenpräsenz an eine Mischung aus Bob Mould und Billy Bragg (das sind gleich zwei Komplimente auf einmal!) und ich bin mir nicht zu fein, ihm nach dem Konzert meine Bewunderung seiner Kunst ins Gesicht zu beichten, wofür ich sehr weit nach oben reden muss. Der Mann ist ein Bär. Drei Sekunden, die zu den uneffektivsten meines Lebens gehören dürften, denn noch bevor ich auf Herrn Wiebuschs nette, nicht arrogante Rückfrage „Wer bist du denn?“ antworten kann, ist er auch schon wieder weg, natürlich nicht ohne Entschuldigung. Eine der spannendsten Stimmen der deutschen Poplandschaft hat mich gefragt, wer ich bin. Wäre ich weiblich und 19 Jahre alt, steckte ich jetzt wahrscheinlich in einer Existenzkrise. So aber rätsel ich bis zum nächsten zufälligen Treffen, was ich wohl geantwortet hätte.

Und dann ist da ja auch noch Jürgen Vogel als Sänger von Die Hansen Band. Das passt, ja. Sehr. Der Mann ist endlos sympathisch und unaufdringlich und man ist so froh über einen Star, der einem nicht peinlich sein muss. Warum gibt’s nicht mehr davon? Alles Mimosen, that’s vermutlich why.

Interessant auch, wie wirklich unbeholfen ein Schauspieler auf einer Bühne sein kann. Das ist kein Kokketieren, nein, Schaurocken ist einfach nochmal etwas anderes als Schauspielen und es ist schön, dass Jürgen Vogel eben nicht „den Sänger spielt“ sondern sich Mühe gibt, sich wie ein kleines Kind freut, voller Bewunderung und Respekt und Spaß zu den „echten“ Musikern schaut und erst gegen Ende des Gigs (10 Songs plus zwei davon nochmal als Zugabe, herausragend: „Was macht eigentlich Baby Melancholie?“) lockerer wird, sich traut.

Falls das nach Dilettantismus klingt: Falsch gelesen. Es interessiert auch nicht, ob Jürgen Vogel „singen kann“. Er kann die Song-Texte überzeugend vortragen, das war schon immer viel wichtiger. Und so geht er zurecht mit den Worten „Das hat soooo’n Spaß gemacht!“ von der Bühne, man glaubt es ihm, denn uns ging’s auch so.

Wenn ich jemals wieder Musik machen sollte, muss die so gut sein, dass das Grand Hotel sie unbedingt veröffentlichen will. Der Mensch braucht Ziele.

(Nullzeitgenerator – Grüße! – war auch da)

18 Kommentare

  1. 01

    hätten wir eine verdammte ernstzunehmende Wochenmusikpresse wäre er regelmäßig auf den Covern zu finden.

    also über mangelnde presse muss man sich bei GHVC bands ja nun wirklich nicht beschweren. und wochenmusikmagazine wie den NME braucht doch auch kein mensch, oder? schon gar nicht, wenn immer die gleichen 5 (langweiligen) bands auf dem cover sind.

  2. 02
    tanja

    Ja, ein regulierender, inspirierender Sommerabend war das wohl, zu dessen krönendem Abschuss wir uns jammend in der Küche wiederfanden.
    Johnnys Gitarre hatte noch vier Seiten, meine immerhin fünf, was zu ganz großen Klangkonstrukten führte, an die wir uns bedauerlicherweise heute morgen nicht mehr erinnern konnten.
    Wir bitten das Grand Hotel um etwas Geduld…

  3. 03

    Ach, so’n NME wie früher fänd ich schon schick. Mit Hypes und allem drum und dran.

  4. 04
    Gero

    unterhaltsamer als das meiste in der deutschen Musikpresse ist NME auf jeden Fall. Und genau dieser (der Unterhaltungsaspekt) wird beim sich immer so unglaublich ernst nehmenden deutschen Musikjournalismus sehr gerne vergessen. Von der allgemeinen Trantütigkeit beim entdecken neuer Sachen (oder von mir aus beim kreieren von Hypes) mal gar nicht zu sprechen.

  5. 05

    Natürlich können Berliner charmant sein. Auch auf der Bühne. Zum Beispiel… dieser… öh… äh…oder diese… (Mist, aber auch wenn mir gerade keine(r) einfällt, stimmt es trotzdem.)

  6. 06

    Na doch hoffentlich die von den Ohrbooten! :)

  7. 07

    Na, was was ist denn bitte mit Herrn Fil Tägert? Und wie heißen diese anderen Typen noch? irgendwas mit „Ä“. Die sind doch eigentlich auch ganz unterhaltsam…

    Ganz schlimm! Die schockierende Wahrheit über Die Hansen Band

  8. 08

    Herr Olli Schulz ist nun auch nach Berlin gezogen. Die hiesige Damenwelt goutiert also den gepflegteren Humor und lässt ihn sich aus Hamburg importieren.
    Vielleicht gibts ja doch ein Defizit am rustikalen Berliner Charme?

    (Abgesehen von Fil natürlich!)

  9. 09

    Übrigens wohnen drei von fünf Hansens in Berlin… Nummer vier überlegt noch.

  10. 10

    Fil. Ihr habt Recht. Fil ist charmant. Ohne Zweifel.

  11. 11

    Ich dachte die schreiben sich Hanson…..

    MMMBop

    …ok, ich geh‘ schon

  12. 12

    Hanson Brothers! Auch irgendwie eine gute Band! Und, Fil, einfach nur „charmant“! Hallo?
    „Ok ? I think you can do better than that!“ (Dr. frank-N-Furter)

  13. 13
    Y.

    *malkurzklugscheiß* Tomte-Thees hat aba 3 Songs (Du bist den ganzen Weg gerannt/New York/Schönheit der Chance) gespielt. Muss halt immer den Chef raushängen lassen, der Thees…

  14. 14

    Ja, Hansen…

    Habe den Film auf dem Festival des deutschen Films gesehen, hat mir gut gefallen.
    Vor allem eben die Musik…

    Scheint, ich habe (im Süden sitzend) mal wieder was Gutes verpasst…

  15. 15

    der sueden bekommt doch heut abend seine dosis hansen. freu mich schon auf sauna im muenchner ampere.

  16. 16

    taeglich erscheint die musikpresse, nennt sich mopo.

  17. 17

    ich war in DD zum Konzert und es war das beste Konzert des Jahres … meine Meinung :-)
    wäre schön, wenn die Hansen Band in Zukunft vielleicht nicht ganz vom Erdboden verschwinden würde. Macht weiter so

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