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Beobachter beobachten

Am letzten Mittwoch bat ich aus Zeitmangel um einen Spreeblick-Reporter und siehe da: Daniel vom Stralau-Blog hatte Zeit und Lust ein wenig ins „Issues-Management“ und „Häppchen-Futtering“ einzusteigen. Hier ist sein Bericht, für den ich mir sehr herzlich bedanke!

Vorigen Donnerstag veranstalteten die DPRG und der Marketing-Club Berlin einen Abend zum Thema „Weblogs & Co. — Meinungsmonitoring als integraler Bestandteil des Issues Management“. Um die Buzzwords gleich aufzulösen: „Meinungsmonitoring“ bezieht sich auf die Beobachtung von Entwicklungen im Internet und anderen Medien, die Unternehmen schaden oder nützen können; beim „Issues Management“ werden dann die Konsequenzen daraus gezogen.

Der Schwerpunkt des Abends lag auf der Meinungsbeobachtung; auf Issues Management wurde in beiden Vorträgen nur insofern eingegangen, als die Reaktion von Jamba auf den Spreeblick-Artikel als Beispiel für schlechte PR dargestellt wurde.

Der Einführungsvortrag von Klaus Eck war recht spritzig — ich mag es sehr, wenn Leute gut reden können, allerdings war für meinen Geschmack etwas zuviel „žBlog-Hype“ drin und die Einführung zu „Was sind Blogs“ viel zu schnell. Für Leute, die Blogs kennen nichts neues, alle anderen werden wenig begriffen haben. Der Fall Jamba wurde als deutsches Beispiel für die Relevanz von Blogs für Unternehmen ausführlich behandelt, davon schienen auch alle schonmal gehört zu haben. Ansonsten wurden an handlichen Beispielen verschiedene Arten von Unternehmensblogs erläutert.

Maren Heltsche von Ausschnitt-Medienbeobachtung wollte in ihrem Vortrag ihr Tool zum Meinungsmonitoring im „vormedialen Raum“ vorstellen. Mich hätte eine echte Tool-Vorstellung, bei der auch ein paar Hintergründe zur verwendeten Technik gegeben werden, sehr interessiert. Leider war der Vortrag nach meinem Geschmack zu sehr auf Lösungsverkauf getrimmt: zunächst wurde eine Drohkulisse aus Hass-Seiten (ich kannte diesen Ausdruck bisher nur im Zusammenhang mit Nazi-Seiten, sie meinte aber offenbar Seiten, die sich kritisch mit bestimmten Unternehmen auseinandersetzen), Newsgroups und Blogs (die natürlich nicht journalistischen Standards genügen) aufgebaut, um dann die Lösung von Ausschnitt ins Spiel zu bringen.

Mittels empirischer Inhaltsanalyse (einem sozialwissenschaftlichen Verfahren, bei dem verschiedene statistische Methoden — Frequenz-, Valenz-, Bewertungs- und Kontingenzanalyse — auf Texte angewendet werden), werden Entwicklungen im „vormedialen Raum“ (damit sind hier nicht-klassische Medien wie Blogs, Foren und Newsgroups gemeint) erfasst und ausgewertet. Kunden sollen dann sofort alarmiert werden, wenn sich etwas aufbauscht.

Es wäre sehr interessant gewesen, mehr über die Arbeitsweise des Tools zu erfahren. Vor allem wurde nicht ganz klar, wieviel dieser Auswertung automatisch läuft und wieviel redaktionell gemacht wird; nach welchen Kriterien die Informationsquellen ausgewählt werden und welche Merkmale als relevant betrachtet werden. So blieb die Funktionsweise ein wenig im Dunkeln. Auch Nachfragen nach dem Preis wurden ausweichend beantwortet. Ich vermute, dass je nach Größe des Kunden individuelle Preise vereinbart werden.

Die folgende Fragerunde ging in die von den Referenten eingeschlagene Richtung: welche Relevanz haben Blogs, in welche Richtung entwickelt sich das Blogdings, wie kann man angemessen reagieren.

Insgesamt war es weniger informativ als ich dachte, dafür aber recht entspannt, besonders beim anschließenden sehr guten Buffet bei dem der Haltungsturner unsere kleine Tischrunde nachhaltig zu unterhalten wusste.

Ganz wohlgefühlt habe ich mich aber nicht an diesem Abend, da ich sowohl die Angst vor den als auch den Hype um die Blogs nur teilweise nachvollziehen kann. Die Macht, die von Blogs ausgeht, macht sich, und das war auch Tenor der Diskussion, vor allem an zwei Punkten fest: Geschwindigkeit und Google-Pagerank. Während die Schnelligkeit dem Medium tatsächlich inhärent ist, wird sich die Sache mit dem Pagerank wahrscheinlich irgendwann geben, wenn Google ihren Algorithmus der veränderten Realität anpasst.

Daniel

3 Kommentare

  1. 01

    Nachtrag: Es war übrinx schon lustig, zu sehen wie Frau Heltsche immer vom Newsweb sprach, aber offensichtlich das Usenet meinte, also einklich keine Ahnung hatte.

    Die Screenshots von den Haßseiten wirkten wie total übertrieben Fakes, ich war erstaunt, als ich diese Seiten dann tatsächlich im Netz finden konnte (es können natürlich immer noch Fakes sein).

    Wer über die unterschiedlichen Datumsangaben stutzt: Johnny hat recht — ich habs nicht so mit Kalendern.

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