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SpOn über Wahlblogs

Frank Patalong schreibt bei Spiegel Online über Wahlblogs, unter anderem auch über lautgeben.de, die mit uns unter einer Decke stecken. Und er stellt sich dabei enorm clever an.

Vorweg: Ich finde die angebliche Diskussion „Journalisten vs. Blogger“ albern und lächerlich. Ich kenne viele Journalisten persönlich, einige davon sind sehr gut (Notiz an mich selbst: T-Shirt-Idee „Mein Freund ist Journalist“). Ich lese auch sehr viele Journalisten, viele davon sind komplette Stümper (Notiz an mich selbst: Aufkleber-Idee „Wir bieten Schutz vor journalistischen Übergriffen“). Im Grunde verhält es sich bei Journalisten also genauso wie bei Ärzten und KFZ-Mechanikern. Nur, dass ich höchstens drei Ärzte (und die auch eher entfernt) kenne und im Moment keinen einzigen KFZ-Mechaniker wirklich gut.

Viele der für mich lesenswerteren Blogs (Notiz an mich selbst: Cartoon-Idee „Will write for food“) allerdings stammen von Journalisten oder Menschen aus aktuellem oder ehemaligem journalistischen Umfeld. Oder in den Fällen der eher literarisch orientierten oder „kryptischeren“ Blogs aus einem „Autoren-Umfeld“. Soll meinen: Es macht durchaus auch für ein Blog Sinn, das Schreiben als Handwerk betrachten zu können (aber es ist eben wunderbarer Weise nicht zwingend nötig), und welcher Begriff könnte die Autorin oder den Autor eines Blogs, also eines Online-Journals, besser beschreiben als „Journalist“ in seiner klassischen Bedeutung?

Ich habe eine romantische Vorstellung vom Journalismus. Ich stelle mir gerne Personen auf der andauernden Suche nach einer Form der Wahrheit vor. Personen, die sich als Vermittler, Berater, Aufklärer, Reporter (gibt es den Begriff „Berichter“?), Analytiker, Aufklärer zwischen den theatralischen Welten der Politik, Kunst, Kultur, Medien und… trau‘ ich mich? …“dem Volk“ verstehen. Call me pathetic.

Wie in jedem anderen produzierenden Gewerbe ist der gängige Begriff für „das Volk“ in den Chefetagen der etablierten Verlage jedoch „Konsument“ oder „Rezipient“. Man selbst, als Autor, als Redakteur, ist „Produzent“. Das klassische Medienmodell und dessen Erfolg basieren auf der strikten Trennung zwischen Sendern und Empfängern.

Nun sind wir aber alle „das Volk“, nach der Mainstreamisierung des Internet viel mehr als nach Maueröffnung. Macht uns das alle zu „Sendern“? Nö. Nach wie vor gibt es Menschen, die anständigen Berufen nachgehen, die keine Zeit zum „Senden“ haben, die zu faul dazu sind, die kein Interesse dafür oder Spaß daran haben oder die – muss man ja auch mal sagen – zu blöd dazu sind. Völlig okay, völlig fair. Die grundsätzliche Möglichkeit jedoch zum Senden, zum Produzieren, und das ist das relativ frisch: sie ist vorhanden.

Ebenso wie der Fotokopierer die damals bestehenden Mechanismen der gedruckten Information und Kommunikation revolutioniert hat (und das hat er – think about it), führt das Internet schon nach wenigen Jahren des Erreichens einer „kritischen Masse“ die Revolution fort. Ja, Revolution. Ich sehe die Kommentare „nehmt euch mal nicht so wichtig“ schon vor mir, aber darum geht es nicht: Ob es Spreeblick gibt oder nicht, ist völlig unerheblich, es geht allein um die Möglichkeiten, die vor uns liegen, nicht um ihre derzeitigen Beispiele. Sie, die Möglichkeiten, sind die Revolution. Sie zu nutzen, ist eine Aufgabe, Herausforderung und Chance.

Ende des Vorhergehenden.

Frank Patalong, der sicher ein netter Typ ist, was zum Beispiel Harry Rowohlt vermutlich eher nicht ist, da er z.B. nach Erfahrungsberichten aus erster Hand ziemlich plump, also schon fast (aber eben nur fast) wieder okay, Frauen angräbt, aber dafür absolut grandios schreibt, was Frank Patalong nicht tut, und die/der erste BloggerIn, die/der auch nur annähernd die Qualität von Herrn Rowohlt erreicht, denn Herr Rowohlt sollte Vorbild vieler Blogger sein, weil er nämlich selbst irgendwie einer ist und lange war bevor es den Begriff „Blogger“ gab, wird Königin oder König, ich übe immer weiter und komme über das „beim Schreiben Malt Trinken“ leider nicht hinaus, bleibe also weiter Hofnarr…

Frank Patalong also stellt sich clever an.

Die Essenz seines Artikels ist: „Blogs haben noch nicht die Zugriffszahlen von SpOn, aber wer weiß, was noch so alles passiert.“

Das ist okay. Er hat Recht. Spreeblick erreicht durchschnittlich 4.000 „unique visits“ am Tag, was immer das bedeuten mag. SpOn erreicht monatlich 53 Millionen „unique visits“, was immer das bedeuten mag (wieviele davon gehen denn auf die „Netzwelt“?). Blogs erreichen, für diese Erkenntnis muss man weder Kernphysiker noch SpOn-Redakteur sein, noch keine „kritische Masse“. Aber dafür eine sehr, sehr kritische Masse, der zu großen Teilen die oben beschriebenen Möglichkeiten bereits ein Begriff sind (viele Blog-LeserInnen bloggen selbst) und für die es Alltag ist, Artikel bei Bedarf kommentieren zu können. Meistens ohne Registration. Und sorry für die Arroganz, aber wenn ein Artikel von solcher Epik wie der bei SpOn bei Spreeblick erscheint, dann gibt es nach einigen Stunden garantiert mehr als „7 Beiträge“ von LeserInnen dazu, und wenn da „7 Beiträge“ steht und es nur sechs inklusive der einleitenden Frage sind und wenn da eine Stunde später „9 Beiträge“ steht und immer noch nur sechs Beiträge vorhanden sind inklusive der einleitenden Frage und dem obligatorischen „Bitte klickt auf mich“-Belanglos-Eintrag vom „Parteibuch“ – dann frage ich mich, wo die 53 (Monat) durch 30 (Tage) durch von mir aus vier (sechs Stunden) durch etwa zehn (Rubriken) Millionen, also knappp 50.000 SpOn-Netzwelt-LeserInnen sind.

Frank Patalong weiß sehr genau, warum die Medien den Blogs derzeit noch mehr Aufmerksamkeit schenken, als es die LeserInnen selbst tun. Weil Journalisten nicht blöd sind und weil die „Rezipienten“ aus völlig verständlichen Gründen etwas länger brauchen, um mit neuen Medien warm zu werden. Und weil sie, die Journalisten, erkannt haben, dass es nicht um die Beispiele, sondern um die vor uns liegenden Möglichkeiten geht. Frank Patalong nutzt jedoch lieber die 53-Millionen-Möglichkeiten, schreibt im ersten Teil hauptsächlich über die niedrigen Zugriffszahlen von Blogs, langweilt 53 Millionen Menschen dann mit einem auch noch entsprechend langweilig aussehendem Passfoto eines Kommunikationswissenschaftlers (Neudeutsch für: „Schnell wegklicken!“), der irgendeine Umfrage gemacht hat, setzt ein paar „statistische“ Zahlen dazwischen, setzt „BILD“ ebenso wie „FOCUS“ im Gegensatz zu „HEISE ONLINE“ und „RTL“ in Anführungszeichen und erfüllt so die Verlags-Mission, das „merkwürdige Phänomen“ Blogs irgendwie klein zu schreiben. Liest spätestens ab hier eh keiner mehr.

Für die wenigen unter den 53 Millionen, die weiterlesen (dürften in etwa 4.000 sein – merkt ihr was?), schreibt sich Patalong Don Alphonso als Zeugen und Beweisbringer zurecht und schließt nach 53 Millionen Worten mit dem Satz „Auf die Wahlblogs im nächsten Wahlkampf darf man dann wohl wirklich gespannt sein“ ab. Einem Gedanken also, den man nach den vorhergehenden Zeilen nicht für möglich gehalten hätte.

Well done, in einem gewissen Sinne. Aber ich mag’s ja lieber blutig.

Es kommt nicht auf die Schwanzlänge an. Sondern darauf, wie man damit umgeht.

(Update: Felix ist auch zu lange wach)

43 Kommentare

  1. 01

    you are pathetic!

  2. 02

    Ab-so-fucking-lutely! (Ich hatte gehofft, dass der von dir kommt)

  3. 03
    andreas

    bin schon gespannt auf den podcast vom 15.9.
    ;-)

  4. 04

    manchmal frag ich mich, wieso ich noch auf spon klicke…

    ich denke mal bei dem bericht von herrn patadings spielt auch eine gewisse angst eine rolle. was wäre denn, wenn man sich aufeinmal mit wirklichen kommentaren auf seine schreibe auseinandersetzen müsste?

  5. 05

    Ich habe bei den Interviews verstärkt den Eindruck, dass Journalisten geradezu fassungslos über unsere Leserzahlen sind. Eins wissen sie nämlich genau: 1.000 oder sogar 4.000 Leser sind verdammt viel, wenn du nicht „Spiegel online“, „stern“ oder „Kölner Stadtanzeiger“, von mir aus auch „Salzburger Nachrichten“ im Header stehen hast.

    Noch größeres Entsetzen löst allerdings aus, dass diese Leserzahlen deswegen zustande kommen, weil neben dem Content auch der Contentlieferant (Weblogautor) eine Rolle spielt. Und dass die Leute seltsamerweise nicht sagen: Puh, die haben ja keine Informationen von AP und dpa, deswegen nehme ich die nicht ernst oder lasse mich nicht von ihnen unterhalten.

    Für mich spricht genau diese Furcht aus dem Spon-Artikel: Weblogs liefern personalisierten Content, den wir als konventionelles Medium und als „normale“ Journalisten nicht bieten. Und vielleicht auch nicht bieten können. Konkret : Die Person des Autors bei Spon oder beim stern ist dem Leser ziemlich egal. Ist der eine im Urlaub oder der andere geschasst, füllt halt ein Dritter den Platz. So what?

    In Weblogs sieht es ziemlich anders aus.

    Insofern finde ich es geradezu rührend, dass Herr Patalong Egon Erwin Kisch bemüht. Solche Triebfedern fehlen den etablierten Medien nämlich heute. Sonst müssten sie sich ja auch wirklich keine Gedanken über Weblogs machen.

  6. 06

    Ich weiß gar nicht, was ihr wollt. Patalong hat doch Recht. Wahlblogs im Speziellen (und darum ging es in dem Artikel) sind eher belanglos und Blogs im Allgemeinen eher unbekannt. Also was soll’s?

    (Aber etwas Pathetik schadet sicherlich auch nicht!)

  7. 07

    Udo spricht mir das aus der seele, was ich eigentlich ausdrücken wollte. wenn ich mal nen anwalt brauche, werde ich nicht zögern dich/sie zu engagieren ;) *schleim*

  8. 08
    Claudia

    Interessant, dass Spiegel Online zwei Sieten braucht, um Blogs wie Lautgeben als unwichtig, unwirksam und unnötig (vielelicht auch nicht?) darzustellen. Zwei Seiten Aufmerksamkeit für nichts – Hallo? Anscheinend ist die Bedrohung doch grösser als man gerne hätte – sonst hätte man diese Entwicklung auch ruhig übergehen können…

  9. 09

    @King Fisher: zwei relativierte Zustimmungen.

    Wahlblogs sind relativ unbekannt, Blogs an sich relativ auch. Mag sein.

    Der durchschnittliche Boulevardmagazinleser™ wird hiervon sicherlich herzlich wenig berührt. Der durchschnittliche Netzleser hingegen auf Dauer schon. Selbst die abgebrühtesten SpOn-Leser, die ich kenne, haben mittlerweile etwas von der Welt ausserhalb des Patalongschen Universums mitbekommen.

    Und hier kommt der (meines Erachtens) große Fehler: statt das Medium zu nutzen, hauen sie drauf, weil sie zumindest unterbewusst merken, dass ihnen ihre Exklsivität flöten geht. (Schwenzellänge).

    Würde auf einmal einer von uns Bloggern auf die Idee kommen, ein Wirtschaftsmodell – ach, gab’s ja bestimmt auch schon…

  10. 10

    Danke. Ich hatte gehofft, daß Du das schreiben würdest.

  11. 11

    das ist doch reiner futterneid.
    im übrigen finde ich den querverweis von patalong auf egon erwin kisch witzig. kisch war ein kommunist reinsten wassers und das merkt man auch in seinen reportagen, die strotzen nur so vor subjektivität – da hinkt der vergleich volle gallosche.

    allerdings finde ich es gut, dass herr patalong einen wikipedialink setzt, statt den text einfach zu klauen. der mann beherrscht sein handwerk!

  12. 12
    Stephan

    Ist mir heute früh viel zu meta! Wenn da nicht der klatschbasige Absatz über meinen Abgott Harry Rowohlt wäre.

    Nach „Harry der Erbe“ nun ein neues Etikett: „Harry der Baggerführer“. Falls wahr, wär’s schade, weil Ulla aka Frau Rowohlt doch so eine Nette ist (weiß ich aber nur aus zweiter Hand).

    Seit ich weiß, daß Harry neben Puh, „Der Wind in den Weiden“, Robert Crumb und Gilbert Sheldon auch „Die Grüne Wolke“ übersetzt hat, hat er bei mir carte blanche. Darum: Verfatzt Euch, Ihr Kleingeister!

    Außerdem ist Helge Schneider sowieso viel schlimmer! Sagt meine Lieblingstante, und die muß es ja wissen … der nimmt sogar richtige Drogen … neeneenee.

  13. 13
    Peter the man without hair

    What the f… is SpOn?

  14. 14

    Stephan: Ich verehre Harry Rowohlts Texte. Die erstens auch gerne mal klatschbasig sind und zweitens keinerlei Verteidigung nötig haben.

  15. 15

    Unabhängig von der Bewertung des Spiegel-Artikels ist mir aufgefallen, dass die Zugriffszahlen auf die oberen 50% der bei Blogcounter aufgeführten Blogs wohl mit dem Artikel gestiegen ist.

    Warum? Spiegel verlinkt in diesem Artikel richtig viele Blogs, den Blogcounter und zeigt auch noch ein Bild vom Schwanzvergleich – und erwähnt nicht nur deren Namen (wie es bei Verlagen sonst gern gemacht wird).

    Für lautgeben (Link oben rechts auf dieser Seite) zum Beispiel nach einem Anstieg der in der letzten Zeit sowieso auftrat, noch mal ein gewisses Extra rausgesprungen (wenn ich mich nicht irre).

    Deshalb verstehe ich eine Richtung in den Meinungen nicht: SpOn möchte Blogger abwehren.

    Ich glaube eher, dass die damit Zugang zu den Bloggern verschaffen – vor allem Menschen, die vorher nichts damit zu tun hatten.

    Das gleiche trifft für die Artikel der anderen Verlage zu, die in letzter Zeit vermehrt – und Spreeblick kann sich da besonders freuen – über Blogs berichten (z.B. die FTD).

    Ich verstehe diese Artikel wie diesen als eine Meinungsäußerung zu Blogs – in welche Richtung auch immer – aber vor allem als ein bekanntmachen von diesen (weil man die Bedeutung der Blogs erkannt hat?).

  16. 16
    Stephan

    Johnny: Erstens war „klatschbasig“ durchaus als Kompliment gemeint und zweitens hast Du vollkommen recht. Besonders mit dem keine-Verteidigung-nötig-haben. Obwohl uns Harry sich gerne und oft über vermeintlich widerfahrenes Unrecht und sein überhaupt schweres Schicksal als Verlegererbe beklagt. Insofern handelt es sich bei meinem Kommerntar bloß um ein bißchen sublime Projektion.

  17. 17
  18. 18
    Don Corleone

    zumindest findet sich bei Spiegel Online nicht so viel (pseudo)intellektuelle Überheblichkeit wie hier in einigen Kommentaren

  19. 19

    Johnny, ich habe leider kein weniger langweiliges Passfoto gehabt, verbitte mir aber den „Wegklick-Reflex“! ;-)

    Im Ernst (und jetzt weniger an Dich sondern so in den Raum gesprochen): Die Entwicklungen von Weblogs und von Social Software im Allgemeinen sind unglaublich spannend, Du machst es ja in diesem Beitrag und mit all Deinen Aktivitäten selber am besten deutlich. Ich halte aber den Beissreflex der Blogosphäre für übertrieben, der gegenüber klassischen Journalisten (hier F. Patalong) oder akademischen Beobachtern regelmässig auftritt.

    Ich empfinde den Spon-Artikel (jenseits meiner zitierten Kommentare) als ausgewogen und realistisch: Wir (ich spreche jetzt mal als Blogger) haben alle gehofft, dass sich durch die Wahl viele gute neue Politblogs etablieren, aber von Ausnahmen abgesehen (lautgeben, die heute-blogtour, und noch einige andere) sind viele Angebote nicht sonderlich fesselnd. Was soll man denn anders schreiben als zu sagen: Blogs bieten Chancen, aber wir sind in Deutschland noch am Anfang einer Entwicklung, die möglicherweise in den nächsten Jahren dorthin führt, wo die USA jetzt schon sind?

    Zur Wissenschaft: Inzwischen gibt es zum Glück einige Kommunikationswissenschaftler (und andere), die sich mit dem Thema auseinandersetzen und versuchen, die Entwicklungen zu verstehen und in andere Zusammenhänge einzuordnen (z.B. inwieweit die Chancen und Hoffnungen, die Du beschreibst, bei älteren Innovationen auch immer schon mal da waren und sich doch nicht so verwirklicht haben). Immer mehr haben sogar eigene Weblogs – ich kann jetzt nur für mich selber sprechen, aber durch mein Blog kann ich a) Ideen oder Texte in einer „vor-Publikationsphase“ zur Diskussion stellen und habe b) einen Einblick in die Blogosphäre, der mir hilft, neue Entwicklungen zu erkennen und zu verstehen. Dass unsere akademische Perspektive und Sprache oft anders ist als die in den Blogs, ist nicht wirklich zu ändern, aber ich denke, dass es dadurch ja auch zu ganz interessanten Brückenschlägen kommt.
    Genau deswegen freu mich auch auf Eure Veranstaltung im Dezember, weil ich mir sicher bin, dass dort deutlich werden kann, aus welchen unterschiedlichen Perspektiven man die „Revolution“, von der Johnny spricht, betrachten kann.

  20. 20

    weniger kryptik und butter bei die fische herr corleone! wenn man schon mit dem herz eines löwen ausgestattet ist, sollte man doch auch direkt kritik üben können oder?

  21. 21

    Nachdem ich – durchaus regelmäßiger SpOn-Nutzer – den Artikel gestern [?] las, erwartete ich nichts anderes, als daß dieser von der bloggenden Welt auseinandergenommen werden würde. Ich hatte recht, bin jedoch froh darüber, daß es für SpOn und Herrn Patalong derart glimpflich ausging.

    Ich fand den Artikel weder gut noch schlecht, weder aussagekräftig noch bedeutungslos.
    Die wesentlichen Inhalte bieten nichts Neues, wenn man mal von den präzisen Zahlen abieht. Doch für die blogfremde Masse gibt er immerhin die Information [wenn auch auf zwei Seiten gestreckt und reichlich spät], daß es so etwas wie Weblogs, genauer: Wahlblogs, gibt.

    Das kann man sowohl positiv als auch negativ bewerten, erinnere ich mich doch deutlich daran, daß ich in ferner Vergangenheit, als ich mich noch nicht zu den Bloggern zählte, es haßte, daß SpOn wieder und wieder auf dieser Blog-Sache rumritt und sie – in meinen Augen – unnötigerweise emporhob.
    Dabei mißfiel mir vor allem der ständige Vergleich von Anzahl und Qualität deutscher Weblogs mit dem amerikanischen Vorbild [?], der auch in diesem Artikel nicht fehlen durfte.

    Irgendwann jedoch wandelte sichmeine Abneigung in Neugierde. „Echte“ Informationen mußte ich mir anderswo besorgen, doch kann ich sagen, daß SpOn mich auf den Weg zum Bloggen führte.

    Das Verhältnis SpOn/Blogwelt ist in meinen Augen befremdlich, denn zum einen erwähnen sie – im Vergleich zu andern Online-Magazinen relativ häufig – die Existenz und angebliche Bedeutung von Weblogs, stoßen jeden halbwegs interessierten Leser immer wieder mit der Nase drauf, andererseits erklären sie mit jedem Artikel auch, daß deutsche Weblogs längst nicht die Bedeutung erhielten, die ihnen zustehe, daß sie also eigentlich nahezu wertlos und nichtig sind.

    Vielleicht ist diese Zwiespältigkeit gerechtfertigt, gibt es doch neben wenigen guten auch zahlreiche weniger gute Weblogs, die bei SpOn selbstverständlich keinerlei Erwähnung finden.
    Für SpOn sind aber Weblogs stets mit dem Attribut „gut aber unbedeutend“ bestückt.

    Ein letztes Wort:
    In den Medien im allgemeinen tauchen hin und wieder Weblogs auf. Mir gefällt das durchaus, setzt dadurch doch allmählich das menschliche Begreifen ein [Ich muß meinen Verwandten und Freudnen trotzdem immer wieder erklären, was ein Weblog ist.]. Andererseits beschränkt man sich dort zumeist auf politsche Weblogs oder Katastrophenblogs. Die Masse, die aber über nichts Besonderes schreibt, bleibt unerwähnt, so daß das Medium Weblog auch hier als „wertvoll, aber gering an Zahl“ bezeichnet wird – was meines Erachtens nach keineswegs korrekt ist.

  22. 22

    Der Spreeblickblog wurde in den letzten Monaten von zig Medien in den Bloggerhimmel gelobt.Der Erfolg ist Johnny heute scheinbar zu Kopf gestiegen !? Oder er hatte nur nen schlechte Nacht …
    Frank Patalong ist grandios und weiß wovon er schreibt -> einfach mal die Artikel lesen ;-)
    Scheinbar hat Johnny zuviel in die Zeilen des Artikels interpretiert und sich angegriffen gefühlt von den Medien die Ihn einst in den Bloggerhimmel gehoben haben. Meiner Meinung nach ist er ein ganzes Stück zu weit gegangen – Zudem mich langweilen die T-Shirt und Aufkleberideen, was interessiert es mich das Harry Rowohlt mal Frauen angegraben hat !? Johnny beweist sich und uns dass er selbst mit der 4000 Schwanzlänge nicht klar kommt. Um es mal mit seinen eigenen Worten aus „Erfolgreich bloggen – so geht’s“ zusagen: „Spinnt er jetzt komplett?

  23. 23
    Florian

    Ich habe den Artikel in SpOn anders gelesen als so manch(e) andere(r) hier, nämlich als anerkennend und den Bloggern wohlgesonnen, und eben nicht mit dem Tenor „Ihr seit so unbedeutend“. Das Gegenteil schien mir der Autor ausdrücken zu wollen.

    Mag ich vielleicht deswegen zu dieser Schlussfolgerung gelangen, weil ich kein Blogger bin und dies der ersten Kommentar ist, den ich in einem Blog hinterlasse?

    Meine These: Die, die sich hier so aufregen, sehen sich in ihrem Selbstverständnis gekränkt und reagieren im Wesentlichen selbstreferenziel.

    Fühlt sich hier jemand ertappt? ;=)

  24. 24

    Jan, meine Fotos sind ja auch nicht spannender… aber es hat schon eine gewisse Komik, dass der nicht ganz zu Unrecht immer als „trocken“ empfundene, theoretisch unterlegte Teil des Artikels mit einem schwarzweiß-Foto repräsentiert wird. Ich finde schon, dass du – völlig unabhängig von der Qualität deiner Studien – im Artikel als eine Art „Showstopper“ eingesetzt wirst, aber vielleicht sehe ich da inzwischen viel zu genau hin und übertreibe.

    Den „Wegklick-Reflex“, das muss ich ob deiner verständlichen (Ver-) Bitte hinzufügen, habe ich unabhängig von Personen inzwischen immer, wenn Kommunikationswissenschaft ins Spiel kommt. Na klar ist diese Ebene der Auseinandersetzung mit dem Thema auch wichtig, aber ich halte sie von mir fern, denn sie hilft mir nicht bei dem, was ich hier mache. Aber immer dran denken: Ich mag viele Bands, die nur drei Akkorde können. :)

    Ehrlich gesagt habe ich mich auch schon wieder geärgert, dass ich gestern abend wieder mal in die Falle getappst bin und meine Klappe nicht halten konnte. Ich betrachte solche Artikel eben noch einmal anders als du. Ich finde nämlich, dass man sehr wohl sehr anders an das Thema herangehen kann und sollte, denn wenn es so einfach wäre wie von dir beschrieben, bräuchte man einen solch langen Artikel nicht, der auch in der Tradition von Herrn Patalongs vergangenen Äußerungen zu Blogs gesehen werden muss.

    Und alle, bitte den Artikel oben nicht falsch verstehen: Mir ist es völlig wurscht, ob jemand Blogs toll findet oder nicht, ob er sie „irrelevant“ oder „wichtig“ findet, ich mag nur die Form der Berichterstattung nicht. Ich mache das hier allein aus eigenem Antrieb und als Fortsetzung meiner bisherigen Tätigkeiten: Musik, Radio, Blog. Macht für mich Sinn. Geld verdienen kann ich leichter und schneller mit anderen Dingen, soviel steht fest. Für mich ist das hier genauso „wichtig“ oder „unwichtig“ wie die Platten oder Bücher, die ich liebe. Und wenn das ein paar anderen Leuten auch so geht, freue ich mich darüber sehr. Und wundere mich halt manchmal darüber, dass es einigen etablierten Medien offenbar sehr wichtig zu sein scheint, darauf hinzuweisen, wie unwichtig das hier alles ist.

    So. Reicht jetzt auch wieder. Oder? :)

  25. 25

    hilf mir bitte kurz auf die sprünge: was meinst Du mit „showstopper“?
    ich brauch die diskussion hier auch nicht weiter vertiefen, würd mich aber freuen, über solche fragen bei Eurer Veranstaltung im Dezember zu sprechen!

  26. 26

    Jan, ich meine damit „den Leser mit Zahlen und Theorie überhäufen, bis er keine Lust mehr hat, weiterzulesen“. ;)

    re:re:publica: Sehr gerne!

  27. 27

    Yoh, man without hair. Dann noch mal bitte die 1.766.666,66 pro Tag durch die Anzahl der Mitarbeiter teilen, die dort für die Contentproduktion nötig sind. Schliesslich sind die meisten Blog Ein-Personen-Shows. Wenn schon Benchmarking, Kennziffern und den ganzen Schnickschnack, dann auch richtig lügen :-)

  28. 28

    Oops, jetzt ist er weg, der man without hair… Wo isser den hin? War da was?

  29. 29
    Peter the man without hair

    Man entsprach meinem Wunsch nach Liquidierung! Aber natürlich habe ich ja auch gar keine Ahnung wieviel Leute bei SpOn beschäftigt sind demzufolge hatte mein mathematisches Beispiel natürlich auch keinerlei Relevanz! Davon abgesehen lese ich hier natürlich auch mehrmals täglich. Mein Aufruf an alle die die 4.000 „unique visits“ verursachen: Einfach 440,66 x öfter unique visitieren.

    Was ist ein „unique visit“? Die Relationen kommen mir irgenwie nicht ganz real vor! Aber natürlich bin ich nicht frei von Fählern! :)

  30. 30
    Stalinallee Nordseite

    Ich freue mich mal wieder zu einer Minderheit zu gehören…

    und ja ich war dann zum ersten Male bei SPON, völlig überbewertet, genau wie die Printausgabe.

  31. 31

    der patalong-artikel ist deutsche überheblichkeit. haste nicht journalistisch studiert, kannste und sollste auch nix schreiben. bloss keine (erfolgreichen) quereinsteiger, bitte. und schon gar keine, die irgendwann den etablierten reichweitenstarken das wasser abgraben könnten.

    technorati zeigt, dass a-blogs (natürlich in den usOFa) teilweise häufiger verlinkt sind als berühmte „mainstream media“. was das in der konsequenz bedeutet, weiss man ja.

  32. 32

    Naja, das ist wohl typisch Spiegel: ein Verriß in der Zeitung war lange Jahre lang mehr wert als ein Lob in jeder anderen Publikation. Insofern ist es nur konsequent, das sie bei dem weblog-Thema auch eher von der negativen Seite anfangen. Zudem ja das Label „bedeutungslos“ mit einem eingeklammerten „noch“ abgeschwächt war. Insofern ist das wohl schon das beste, was man als Beschriebener vom Spiegel erwarten darf: zumindestens war das früher, als ich noch ein Abo hatte bei den Filmkritiken immer so. Und bei den Büchern. Warum also nicht auch bei den weblogs?

    Was mir allerdings bei der Netzwelt immer auffällt: haben die nur den einen Redakteur? Jedesmal, wenn ich da einen Artikel lese, dann ist das ein Patalong´sches Werk. *meinjanur*

  33. 33

    Die Printmedien machen sich ins Hemd, seit es das Internet gibt. Zuerst, weil damit der Content beliebig oft reproduzierbar wurde und sie einfach keine Idee hatten, wie sie ihre Anzeigenumsätze in das neue Medium übertragen (oder dort sichern) konnten. Jetzt zuckt’s weil sie feststellen, daß es eine bedeutende Anzahl von Menschen gibt, die Ihre Meinungen und Informationen kostenlos zur Verfügung stellen und die Qualität der angebotenen Inhalte sich hinter denen bestimmter Zeitungen nicht verstecken braucht.

    Natürlich sind Blogs subjektiv, natürlich sind sie nicht immer „journalistisch sauber recherchiert“ – aber welche Zeitung bezahlt heute noch ihre Mitarbeiter so gut, daß die die Zeit haben, sauber journalistisch zu arbeiten? Mir fallen die Zeit, die FAZ und die Süddeutsche ein, dazu als Magazin Brandeins. Aus dem Kanon, den ich mal arrogant die „Deutsche intellektuelle Medienlandschaft“ nennen würde, sucht man sich dann das aus, was einem gefällt. Die Zeit ist mir zu dick und Susanne Gaschke kann ich mal, aber nicht immer lesen (obwohl sie schon immer recht hatte!), die FAZ vergraust mir das Vergnügen mit ihrem in nicht nur altdeutscher Schrift gehaltenen Kommentaren und so war und bin ich wieder Abonennt der SZ. Die ist mir manchmal zu katholisch, aber damit kann ich gut leben.

    Mit den Blogs verhält es sich ähnlich – Du liest das, was Dir gefällt. Wenn jemand konsequent Blödsinn verzapft, an dem man sich intellektuell nicht reiben kann oder will, wird man nicht mehr vorbeischauen – ein Beispiel wurde oben genannt. In den RSS-Feed schaffen es dann eben die, aus denen man Nutzen zieht und die Spaß machen.

    Und während ich den Spiegel Online eigentlich nie anschaue (übrigens gefallen mir die Printausgaben auch seit einiger Zeit nicht mehr), schaue ich fast jeden Tag bei den Blogs in meiner Blogroll vorbei.

  34. 34

    Es ist doch so: Blogger sind für die Journaille immer nur dann interessant, wenn Sie gerade inmitten eines Hurrkians oder mobloggend in einem verrauchten U.Bahn-Schacht sitzen. Aber wehe sie kommen auf die Idee nach der Katastrophe weiter zu schreiben.

    Ansonsten gibt es doch – insbesondere bei der Mehrheit der krisengeplagten Online-Redakteuren – eine wahre Besitzstandsverteidigungshaltung und verachtende Einstellung gegenüber den Bloggern. Das ganze müsam in irgendwelchen kacklangweiligen Jounalistenschulen-Seminaren erlernte pseudo-objektive Geschreibsel steht einer rotzfrechen Schreibweise entgegen, die auf Konventionen ihren Darm entleert. Das macht den Jungs (und Mädels) anscheinend mehr Angst, als sie zugeben wollen. Und der 53mio-Hinweis ist in dem Zusammenhang einfach nur lächerlich.

    BTW: Was zum Henker ist ein Kommunikationswissenschaftler?

  35. 35

    r0ssi: Gucksu Wikipedia:

    Kommunikationswissenschaft (auch Publizistikwissenschaft oder Medienwissenschaft, früher auch Zeitungswissenschaft genannt) ist ein Zweig der Sozialwissenschaft bzw. Soziologie, der sich vorwiegend mit der Massenkommunikation befasst, d. h. mit der einseitigen Kommunikation Weniger an Viele über Massenmedien wie Presse, Hörfunk, Fernsehen oder Internet.

    Wobei mir „Zweig der Soziologie“ arg grenzwertig erscheint ,)

  36. 36

    Kommunikationswissenschaft ist traditionell tatsächlich stark auf Massenmedien fixiert worden, die neuen Medien haben da aber auch einiges verändert, weil inzwischen auch interpersonale Kommunikation übers Netz oder über Mobiltelefone untersucht werden.
    Ich steh zwar im SpON-Artikel als Kommunikationswissenschaftler drin, bin aber Soziologe und sehe mich selber am ehesten als kommunikationssoziologisch orientierter Internetforscher.. :)

  37. 37

    Soziologe sagt mir dann schon eher was. Ich hatte ja auch im Studium das eine oder andere Kommunikationsseminar, fand das alles aber immer recht banal und selbsterklärend (nix für ungut). Naja, spätestens seit Postman ist das Fach wohl etabliert.

  38. 38
    T.nt

    OAH, immer dieses Geheule und rumgezicke, wenn einer der „Großen“ über die „Kleinen“ schreibt. Und die Kleinen springen dem Großen am Bein hoch wie ein um Aufmerksamkeit bettelnder Hund: Schau, ich bin wichtig, ich habe ganz viele tolle Kommentare, ich mach das alles ganz alleine, manno,

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