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Wir sind Handelsblatt

Bis kurz vor Ende des Handelsblatt-Artikels zum DBD-Thema habe ich einfach nur geschmunzelt und mich natürlich über die Resonanz gefreut.

Und dann wird DBD-Mitinitiator Michael Trautmann von Kempertrautmann mit den folgenden Worten zitiert:

Mit dem negativen Feed-Back bei den Weblogs haben wir gerechnet. Die sind immer destruktiv.

Soviel Durchblick und Check muss man erstmal haben. Kritik + Persiflage + Blogs = Destruktion. Immer. Verstehe.

In Weblogs und anderen Bereichen des Internet (und natürlich nicht nur dort) äußern Menschen ihre Meinung, erläutern ihre Standpunkte, sinnieren über ihr Leben oder das anderer, reflektieren und reportieren Zeitgeschehen und Politik in Wort, Bild und Ton, schreiben Geschichten, Anekdoten, Essays. Sie kommunizieren, sie kreieren, sie plaudern, sie klatschen, sie meckern, sie (dare I say it?) „netzwerken“.

Manche stänkern auch mal ganz gerne, die meisten jedoch schätzen den Austausch mit anderen. Sehr sogar. So sehr, möchte ich behaupten, dass in Blogs ein kleines bisschen Hoffnung auf eine neue Streit- und Diskurs-Kultur in Deutschland aufkommt, die meiner Meinung nach sehr gesund ist. Das ist nicht immer pflegeleicht und bequem, aber es ist vor allem eines nicht: destruktiv.

Das DBD-Feedback derjenigen, die im Netz aktiv sind, die das Thema zu Hunderten diskutieren, die unzählige Texte formuliert haben, die innerhalb von drei Tagen 150 (nicht ausschließlich, aber doch zu einem für eine offene Aktion bemerkenswert hohen Anteil) ziemlich clevere Persiflagen auf ihre Kampagne erstellt haben als destruktiv zu bezeichnen, ist leider genau so, wie man die Reaktion der Kampagnen-Macher erwartet hat: arrogant.

Wie schade, dass sich Herr Trautmann nicht die Zeit genommen hat, die Kommentare in den Blogs wirklich zu lesen. Wie schade, dass er sich nicht die Mühe macht, die paar Pöbler rauszufiltern und die vielen spannenden Gedanken und Kritikpunkte ernst zu nehmen.

Und wie schade, dass er damit der von ihm mitinitiierten Kampagne genau jene Kompetenz und vor allem Glaubwürdigkeit, Offenheit, Gemeinsamkeit und Warmherzigkeit nimmt, die sie so gerne ausstrahlen würde.

Wenn das mal nicht ein Steilpass war.

76 Kommentare

  1. 01

    ;) Ich habe ihm schon ein Zeugnis verpasst! Leider ist nach dem Notendurchschnitt seine Versetzung gefährdet. Einen Träckbäck auf meinen Artikel spar ich mir mal, weil er schon auf Platz 179 im „alten“ Beitrag steht. Erstaunlicherweise oder besser: erfreulicherweise mischt unter meinen wenigen Kommentatoren ein lokaler Redakteur mit, was mich sehr gefreut hat. Und seine Äußerung deckt sich mit dem, was viele von uns über die Aktion denken und schreiben.

    Im übrigen frage ich mich, wie so schnell eine Evaluation bzw. Akzeptanzstudie bei den Sendern durchgeführt werden konnte. Wo hoch war denn die Zahl der Befragten?

    Traurig, sehr traurig – aber was soll’s. Geschadet hat letztendlich er sich nur selbst. Denn er hat damit per se alle Bewohner von Klein-Bloggersdorf in einen Topf geschmissen, ohne sich vorher zu vergewissern, wer nicht alles so bloggt.

    In diesem Sinne
    {Lichtwesen}

  2. 02

    Neulich im Bundestag. Die Opposition stimmt gegen den Plan der Regierung die Steuern zu erhöhen. Sowas von destruktiv aber auch. Würden die nicht an allem rumnörgel, dann müssten wir jetzt nicht an dieser blöden Pro Bono Aktion mitmachen.

  3. 03

    Nur destruktive Kommentare?

    Ich glaube der hat das nicht alles gelesen. Natürlich kann man über die Kampagne an sich getrennter Meinung sein.

    Aber da sind auch sehr objektive Sachen zu recht kritisiert worden, wie z.B. die technische Unzulänglichkeit der Kampagne.

    Aber Blogs sind ja nur destruktiv…

  4. 04
    Mario

    Man merkt doch immer wieder wie Weltfremd die Leute sind…

    Hartz-IV- und Geiz-ist-Geil-Stimmung? Vielleicht fällt ihnen ja mal Irgendwann ein das der Großteil des Privatvermögens nicht in der Arbeitnehmerschaft/geschweige Rentner o.bei den Arbeitslosen liegt – vieleicht sind sie geizig weil es einfach nicht mehr anders geht? Und selbst Leute die es sich nicht anmerken lassen, brechen zusammen wenn sie hinter ihrer Tür sind mit den Sorgen.
    Und die Vielzahl der „negativen“ Kommentare sehe ich eher als eine Art Ventil, weil die Leute gar keine Möglichkeit mehr sehen –
    seis, wenn sie es im Alltag klar heraussagen würden, noch mehr Probleme hätten,
    seis, weil sie merken das die politischen Vertreter mehr mit Medien beschäftigt sind als mit den Sorgen der Bürger,
    seis, [eigene gedanken hier einsetzen]usw…

  5. 05
    Pascal

    Nett auch, die Umfragen von Privatsendern (Privatsender. Mehr muss man eigentlich nicht sagen.) und Feedback aus Weblogs („hoch gebildete“ schreiben da, steht beim Spindoktor) zu vergleichen :)

    Jetzt mal was echt destruktives: Harald Schmidt ist sowieso „falsch“ würde ich sagen, deshalb hat es mich nicht so besonders gekränkt, dass er mitmacht. Ulli Wickert und Anne Will waren allerdings die einzigen erträglichen (Richtung „gut“) Leute im Fernsehen, das hat mich erschüttert (abgesehen davon, dass Heise in einer Liste mit Axel Springer mit dabei ist… von /denen/ hätte ich wirklich etwas anderes erwartet.)

    Synthesis: diese Kampagne wirft mich in eine schwere Depression. lol.

  6. 06
    Pascal

    Achso, und so der „Geiz ist Geil“-Stimmung entgegenwirken will es wohl auch nicht, immerhin ist es ja die gleiche Agentur die dahinter steckt…

  7. 07

    oha, jetzt trollen sich die Handelsblattleser sicher überall rum.

  8. 08
    BrainBomb

    Auffällig ist aber schon in dem Artikel, dass die Kritik in den Weblogs so stark thematisiert wird. Wenn schon „Spott im Internet“ drüber steht über dem Artikel, kann man davon ausgehen, dass sich der Author einen grinst beim Schreiben! Und wenn dann der TrautSichWasMann so defensiv einseitig reagiert („Weblogs sind immer destruktiv“), zeigt das, dass dem der Arsch auf Grundeis geht. Schätze, dass die Verantwortlichen gerade eine Menge Krisensitzungen abhalten.

  9. 09

    Brainbomb: Das denke ich auch. Auf jeden Fall sind die Google-Ergebnisse so bestimmt nicht gewollt.

    Und auch der Satz

    Aber auch Arbeitslose könnten ihren Beitrag leisten, wehrt er sich.

    klingt ganz schön hinterhältig.

  10. 10

    Irgendwie kann ich den Kerl nicht verstehen: Da hat er einige Leute in Deutschland, die das tun, was sie für richtig halten, ihre Meinung sagen und ihr Ding tun. Der Typ, den die Anzeigen uns entgegenschreien. Der Typ, der was verändern kann.
    Und dann kommt dazu ein „Destruktiv“-Kommentar. Ui, will er jetzt doch die Leute, die alles schlucken, was man ihnen ins Gesicht schmiert? Will er keine Diskussion, keine Kreativität, keine Bewegung? Nein. Warum auch?
    Wenigstens ich bin glücklich und irgendwie auch stolz mit der Blogosphere hier. Flickr zeigt, dass sich ein kleines (virtuelles) Dorf gegen die Medienklatsche wehrt. Danke.
    Und weil das viel zu gestelztes Geschnatter meinerseits war, muss ich mich abreagieren: Texte für neue Plakate schreiben. Will denn jemand die Grafik dazu basteln? Einfach melden… aber ich bin so eine Grafik-Null. Danke. Für alles.

    Sid

  11. 11

    Immerhin wird aber das Feeedback aus den Weblogs erwartet, sonst würde er ja nicht darauf eingehen. Also der Austausch als solcher und der Verbreitung dieser doch recht kostspieligen Kampagne tut die ganze Diskussion keinen Abbruch. Ich frage mich eher, wieso die so viel Geld investiert haben, wo sie doch auf der anderen Seite die Propagandawirkung des Mediums Internet kennen und ein kleinerer Start auch interessant gewesen wäre (wo wir doch jetzt in Zeiten von Schwärmen leben – sic!).
    Anyways, was ich jedoch noch nicht verstehe: was ist überhaupt das Ziel dieser Kampagne? Nur bessere Stimmung im Lande verbreiten?

  12. 12
    Alpha-Hasi

    „Mit dem negativen Feed-Back … haben wir gerechnet.“

    Ich habe mich schon gefragt, ob Absicht in den massiven Fehlern der Kampagne steckt?

    1) das Logo ist dem Logo der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona verblüffend ähnlich („Du bist geklaut“)

    2) das Logo sieht aus wie ein Hundehaufen

    3) der Claim („Du bist Deutschland“) lässt sich schnell erweitern („Du bist Deutschland scheißegal“)

    4) die positiven Bilder mit den einfachen Texten („Du bist …“) lassen sich schnell und schmerzlos in negative Bilder ummünzen („Du bist Göbbels“, „Du bist Heckler&Koch“)

    5) inhaltlich: als Hauptmotiv macht sich Einstein für eine Deutschlandkampagne denkbar schlecht, da er mehrfach gesagt hat, wie wenig er von Deutschland hält

    6) naiv: im Haupt-Video gibt es eine Szene, in der das Holokaust-Mahnmal als hübscher sinnentleerter Hintergrund genutzt wird (machen Gayromeo-Berliner(-Touristen) auch gern, die bebildern damit aber nicht Deutschland)

    Zumindest die ersten vier Punkte sind massive Fehler, von denen ich kaum annehmen kann, dass sie zufällig passierten. Ist der Widerstand gewollt und geplant? Die Kampagne ist von mehreren der großten Marketing-Agenturen Deutschlands geplant und umgesetzt worden, die machen eigentlich keinen Pixel zufällig… Aber zu welchem Zweck? Zeigen, wie „destruktiv“ die bösen Deutschen sind?

  13. 13
    alter ego

    Das Handelsblatt gehört der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die an der Kampagne beteiligt ist. Wer will da noch kritische Betrachtungen der Kampagne gutheißen? Anders sieht es bei der Heise Medien Gruppe aus, die ebenfalls an der Initiative beteiligt ist, wobei bei Telepolis kritische Artikel über die Kampagne wie am Fließband veröffentlicht werden.

  14. 14
    Mario

    YinYang ;)
    Man berechnet immer beide Seiten ein – das Problem dürfte sein, man hatte wohl gehofft das sich im Internet auch Leute stark dafür ausprechen (von sich aus, wie mit den Bildern), was aber ganz und garnich eingetreten ist.

  15. 15
    albiedo

    Ihr merkt ja gar nicht, wie ihr instrumentalisiert werdet!
    Habt ihr es denn immer noch nicht verstanden? Yahoo versucht im Kampf gegen den übermächtigen Google-Gnom sein neues Produkt Flickr zu launchen. Kennt aber bisher kaum jemand in Deutschland. Da muss man doch was machen können, oder? Da ruft der COO doch mal seinen alten Studienfreund bei VeriSign an. Idee? Aber sicher!
    Etwas später: Leider verzögert sich die Einführung des ABRs (Anti-Blogger-Ringtone), der alle Schreiberlinge durch hypnotische Melodien zum Schauen von Klingelton-Fernsehwerbung zwingt, durch dauernde Zwischenrufe von einem SPONti der Gruner+Jahr AG & Co KG. Der findet nämlich nicht alle Blogger doof, er selber ist nämlich zum Beispiel ganz prima. Dessen Schwager kennt aber noch vom Buffet des letzten Bundespresseballs so ein paar PR- Wahrheitsverdreher. Mensch, da muss man doch mal an einem Strang ziehen und eine „Wer-nicht-dabei-ist-bleibt-auch-bei-der-Vergabe-der-Werbetöpfe-Olympia- Stuttgart2020-draussen-Kampagne“ starten. Den Testimonials schicken wir einen Präsentkorb, stecken ihnen nach dem Dreh ein paar Coupons für die „Welt-Kompakt“ zu und versprechen ihnen vollständige Amnesie bei Steuerhinterziehung. Für diejenigen, die nicht mitmachen wollen, entwickeln wir kleine BSC („Barbara-Salesch-Campaignings“). Ist doch nicht schön, wenn man seinen Fernsehvertrag durch so eine schmuddelige Sexgeschichte in der Öffentlichkeit verliert. Den wenigen Rechtschaffenen haben sie erzählt, es ginge bei dem Dreh um den Schuldenerlass der Ärmsten. Nicht der ärmsten Länder, sondern der am ärmstren drannen Agenturen. Das hat man denen aber so nicht gesagt…

    Noch später: Die Falle ist gestellt, DBD auf allen Kanälen! Und die Blogger tappen rein! Ein paar Mutige in erster Front, ein kleiner Aufruf und schon ist Flickr unter dem Keyword DBD der Toptreffer, noch weit vor dem Projekt selber. Die Nutzerzahlen steigen drastisch. Mission terminated.

    Epilog:
    Die Frustrierten verlieren sich alle beim Basteln und Austauschen von Bildern und buchen im Gesamtpaket von Flickr ein Jahresabo an Klingeltönen mit. Ein hübscher Ton ist dabei, hier der klingt doch gut! Wie heisst der? SPit ON? Den nehm ich für mein Handy! Oh, es klingelt gerade. Zeitschriftenabo? Welcher Verlag? Unterschreiben? Schreiben?? Ahhhhhhhhhhhhhh!!!

    Endet da.

    PS: Sämtliche Ähnlichkeiten sind rein zufällig, und nein, ich bin nicht wegen Paranoia in Behandlung.

  16. 16
    BrainBomb

    @Alpha-Hasi
    Ich glaube nicht, dass da Absicht hinter steckt. Da Teile der Kampagne „gespendete Leistungen“ sind, haben viele wahrscheinlich die Lehrlinge eingesetzt. Manche der Fehler sehen sehr nach Unerfahrenheit aus. Aber das ist häufig so mit diesen vernetzten Projekten. Vor allem wenn es nicht richtig bezahlt wird. Keiner hat so richtig Lust. Im Grunde tut man es nur, weil man von den großen Medienhäusern abhängig ist. Deshalb kritisiert am Ende auch keiner. Und für die großen Medienhäuser – die politisch von so einer Aktion profitieren wollen – ist es eine billige Sache, weil jeder der Beteiligen mit gesalbten Phrasen (Bürgersinn) gezwungen wird, die Arbeitskraft seiner Mitarbeiter zu spenden. Im Grunde kann sich keiner entziehen, auch wenn er nicht überzeugt ist. Soll er es ruhig wagen. Beim nächsten richtigen Auftrag zieht er dann den Kürzeren. Das braucht ihm gar nicht direkt gesagt werden.

  17. 17
    Alpha-Hasi

    … noch nicht ;o)

  18. 18
    Alpha-Hasi

    das „… noch nicht ;o)“ war @albiedo

  19. 19

    Nun bin ich durch diese Aktion auch noch geslashdotet worden … ;)

  20. 20

    @albiedo:
    bemerkenswert finde ich aber schon, dass die flickr-group im googleranking auf eins steht, während sie bei yahoo überhaupt nicht auftaucht!

  21. 21

    hasi: sehr spannender gedanke, aber ganz ehrlich fürchte ich, dass man mit *solch* strategischer denke die agenturen und unternehmen etwas überschätzt. man darf nicht vergessen, dass die kampagne millionen im tv trifft, die im netz vielleicht ein paar tausende. das netz ist noch kein faktor für massenkampagnen. trotzdem. spannend.

    dass das netz nicht wirklich gekonnt eingeplant war, sieht man weiterhin u.a. an der leider nicht barrierefreien site. aber: die resonanz auf die offizielle aktion ist auf der offiziellen site enorm- geht man davon aus, dass die kommentare und bilder alle echt sind. natürlich ist es etwas leichter, allgemeinweisheiten und eine eigenes foto zu posten, aber im sinne der „großen“ medien geht das konzept auf.

    alter ego: ich würde nicht *zu* paranoid werden. :) selbst verlage, die an der kampagne beteiligt sind, haben frei denkende autoren und legen wert auf meinungs- und pressefreiheit. der artikel ist prima, finde ich und stellt sich keinesfalls gegen kritische stimmen, ganz im gegenteil, das letzte wort richtet sich doch eher sehr süffisant „gegen“ die offizielle kampagne.

  22. 22

    Brain Bomb, danke, so befürchte ich das auch. Ich hatte wirklich eine Kampagne erwartet, die sich gewaschen hat und die sich auch Klartext zutraut.

    Nachdem ich schon vor Monaten bei der ersten Ankündigung rumgemeckert habe, hatte ich damit gerechnet, dass ich das sicher teilweise revidieren muss, wenn es soweit ist, denn viele große Agenturen können natürlich auch richtig gute Kampagnen auf die Beine stellen.

    War dann aber nicht so.

    albiedo: meine güte! ;)

    tatsächlich ist auf flickr nur deshalb die plattform geworden, weil das einbauen einer bilder-upload-möglichkeit mit kommentarfunktion zu lange gedauert hätte. es musste schnell gehen, also eben flickr. einen pro-account braucht niemand dafür.

    ich bin nicht unglücklich über die wahl, denn ich weiß nicht, ob der spreeblick server das überlebt hätte. und: ich finde flickr ist sehr gut gemacht. dass auch jemand damit geld verdienen will (und das tut), stört mich nicht, warum auch? na klar gibt es immer was zu mosern, aber flickr ist, finde ich, im großen und ganzen schon klasse und sehr gut gemacht. und ja auch immer noch beta… :) ob der verkauf an yahoo klug war, wird sich noch zeigen…

  23. 23
    albiedo

    @alle: Reine Satire, keine Zusammenhänge. Alles frei erfunden. Ehrlich.

    @tanja: Hmm. Da muss ich wohl mal meine Informanden überprüfen… ;-)

    @Johnny: Du hast völlig recht, ich wollte die journalistische Kompetenz gar nicht in Frage stellen. Gebe zu, dass der Schnipsel aus dem Artikel mich ein wenig auf dem falschen Fuss erwischte. Der eigentliche Handelsblatt-Artikel ist völlig okay. Nur dass das Logo eine „dreifach gewundene schwarz-rot-goldene Schlange“ sei muss ich noch mal näher betrachten…
    Es sollte auch gar keine Kritik an Flickr sein, ich habs ausprobiert und finde es bis auf ein paar Kleinigkeiten wirklich klasse.

    Wie die ganzen Reaktionen auf die offizielle Seite und auch bei den kritischen Stimmen zeigen, fehlt es nicht an der Energie. Viele Hände, die Vieles schaffen. Ideen umsetzen. Vielleicht fehlt jemand, der es versteht diese Energie auch sinnvoll einzusetzen. Ich finde absolut, dass wir in den letzten Jahren genug gejammert haben. Und das stets auf einem hohen Niveau. Hab ich in der Kampagne eigentlich Hinweise auf das WIE bekommen? In den Diskussionen mit Kollegen während der vergangenen Tage war nicht klar, was diese Kampagne eigentlich bewirken soll. Viele waren „erschlagen“ von der Präsenz. Es gab einige kritische Stimmen, die Scientology dahinter vermuteten. (Muss an der Weichspüler-Musik gelegen haben. Und da sage noch einer, ich sei paranoid….). Die Bundesregierung? Wieder ein neues Produkt? (Ich erinnere hier an die Aktion „žRedefreiheit“, was sich als Handy-Flatrate enttarnte.)

    Und jetzt? Seinem Ärger Luft machen wie wir? Wir alle kennen die Missstände, die uns so aufregen. Schuldige lassen sich schnell finden, da nehme ich mich gar nicht aus. Aber was kann ich besser machen? Wenn ich Deutschland bin, und will, dass es mit diesem Land wieder bergauf geht (sind wir denn wirklich so weit unten??!!), muss ich die Missstände beseitigen. Reicht es aus, dem Motz-Verkäufer zur Spende noch ein Brötchen zuzustecken, weil er den Apfel nicht mehr kauen kann? Auf die Nachbarskinder aufzupassen, weil sich die Familie keinen Babysitter leisten kann? Im Herbst das Laub in den Parks einzusammeln, damit die Minimiermotten nicht die Kastanien bis aufs Letzte verschlingen? Seinen Urlaub damit zu verbringen ehrenamtlich mit den Kids aus dem Sportverein, der Kirchengemeinde, dem Jugendzentrum auf einen Zeltplatz zu fahren? Geld zu sammeln für Hilfsorganisationen, von Tsunamihilfe bis Weisser Ring? Ich hab einfach keine Ahnung, was ich, ich selber, noch tun kann. Überstunden schrubben aus Angst seinen Job zu verlieren und dennoch gekündigt zu werden ist schon eine echte Ironie. Aber ich habs noch gut und will daher gar nicht jammern.

    In meinem Flickr- Beitrag habe ich eigentlich das Gleiche ausgesagt wie die DBD Kampagne. Du musst bei Dir selber anfangen und das ändern, was Dich stört. Über Arbeitslosigkeit zu jammern, aber selbst die Handwerker schwarz zu beschäftigen, ist vielleicht verbreitet, aber keine Lösung.
    Wenn jemand eine Idee hat, was wir, also Du, ich, die Spreeblicker, die Blogger, die Flickr und der ganze Rest, besser machen können- lasst es mich wissen. Ich bin auch eine Hand.
    Ich mache mit.

    (Ich weiss, dass meine postings zu lang sind…Sorry!)

  24. 24

    Ich möchte jetzt nicht darüber sprechen, was hier von uns Klein-Bloggersdorfbewohnern unternommen werden kann, um die Arbeitslosenzahlen zu senken. Das ist sicherlich nicht unsere Aufgabe.

    Allerdings finde ich ein Phänomen recht interessant. Albiedo brachte mich auf den Gedanken, und zwar mit dem Posting von heute, 20:57 Uhr.

    Nein, ich glaube kaum, dass jemand von uns in die Falle gegangen ist, sonder es ist eher andersherum passiert. Im Nachgang zu den Bundestagswahlen und den diversen parteilichen Weblogs sprachen sich die Presse und sog. Profis einhellig darüber aus, wie belanglos doch die Bloggerwelt gewesen wäre. Hier nun ist aber der Knackpunkt. Wären wir wirklich so „belanglos“ wie behauptet, dann hätte sich ein Herr Dingsda nicht mit dem Wort „destruktiv“ über uns geäußert. Man nimmt uns wahr, man registriert unsere Meinungen und man versucht, uns alle wegzudrücken.

    Die Webblogwelt hat mal wieder gezeigt, wie gut sie untereinander funktioniert und wie sie vernetzt ist. Nicht nur, dass jede/r kreuz und quer in diversen Blogs seine Meinung dazu abgiebt, ne.. auf einmal zeigt sich auch, dass sich dahinter ganz kreative Köpfe verbergen, die in mir-nix-dir-nix mindestens genauso gute Plakate auf die Beine stellen können, die mindestens gleichwertig wenn nicht sogar besser und ideenreicher sind.

    Es hat nichts mit „Praktikanten“ zu tun, die mit der Aufgabe betraut waren, sondern ganz einfach damit, dass „wir“ eine Gefahr für manche sein könnten. Zumindestens scheinen sie uns zu fürchten.

    Nicht jede/r von uns versteht sich auf das journalistische Schreiben, aber auch nicht jeder versteht sich in der grafischen Umsetzung von Ideen. Und nun tun sich da doch prompt einige „Unbekannte“ zusammen und bauen eine Gegenwehr auf. Dann kommt noch hinzu, dass aufeinmal helle gedanklich-kreative Köpfe mit der Kampagne auseinander setzen, und dies nicht allzu sanft!

    Sowas muss schon weh tun, besonders, wenn man es gewohnt ist, eindimensional zu denken!

    Ach ja, zu der Auflistung der „Fehler“: Die Musik ist aus dem Film „Forest Gump“. Erinnert Ihr Euch noch an die Feder, die leise durch die Luft segelt und dann vor ihm landet? Achtet da auf die Musike! Also: „Fehler“ Nr. 5

    So, nun höre ich lieber auf zu schreiben, sonst wird es auch ein ellenlanger Text.

    In diesem Sinne
    {Lichtwesen}

    P.S.: Wer Rechtschreibefehler findet, darf sie gerne behalten. ;)

  25. 25

    der HB-Artikel (nein, ich rede nicht von fluppen) ist auch recht komisch geschrieben. seit wann ist spreeblick ein portal? hab ich was verpaßt. wo muss ich geld einwerfen? :D

    abgesehen davon haben sie johnny mal wieder falsch geschrieben. mich würde das nerven, wenn bezahlte menschen (nein, ich schreibe nicht journalisten) meinen name falsch schreiben und ein einfacher blick ins impressum hätte gereicht…traurig.

  26. 26

    @ albiedo
    Vielleicht solltest du sir als erstes mal n Blog anlegen. Da kannste dich dann auslassen so viel du willst ;)

  27. 27

    Zu den Fehlern: Dass in dem Manisfest gleich 2 mal Schumacher und zwar als einziger namentlich genannt wird, ist schon der Hammer, wenn man bedeckt dass er als mutimillionen Euro schwerer Steuerflüchtling nicht gerade ein tolles Vorbild ist.

  28. 28

    „Doch einmal haben wir schon gemeinsam eine Mauer niedergerissen.“

    Jau!
    Seitdem warten sie drüben auf blühende Landschaften und hüben sehen sie den Blümlein beim verwelken zu.
    Ich nehme an, auch viele der blogfreien (nur)TV-Konsumenten fühlen sich recht verarscht bei diesen Dialogen.

    „Unsere Zeit schmeckt nicht nach Zuckerwatte!“

    Genau! Den Gürtel enger schnallen.
    Niemand soll hungern ohne zu frieren!
    Ist eben blöd, wenn bei der Zielgruppe das letzte Loch im Gürtel längst erreicht ist.
    Ach, was soll’s – Zuckerwatte ist ohnehin nicht gut für Zähne und Zahnersatz wird teuer.

    Deutschlandbahn als Europa-Ersatz.
    Ich frag mich, an wen die Kampagne eigentlich gerichtet ist!?
    Who’s the zielgroup?

    Die oben Erwähnten, denen das Geschwafel wie ein Hohn vorkommen muss?
    Die, denen es noch gut geht, dürften damit beschäftigt sein, dafür zu sorgen, dass das so bleibt.
    Und die, die ihre Schäfchen langfristig im Trockenen haben, werden sich entweder langweilen oder kaputtlachen.

    Also – was wollen uns die Künstler damit sagen?

    Ich schätze, das alles ist eine Art Zerreißprobe.
    „Wie weit können wir gehen, bis auch der letzte Honk gemerkt hat, dass er nach Strich und Faden verarscht wird?“

    Die Wahl war ja auch ’ne Farce. Zur Urne marschiert ist das Wahlvieh dennoch.
    Gewählt haben wir im Grunde nix, aber das war den meisten vorher klar, nehm ich an.

    Was mich viel mehr interessieren würde: wie hätten die Leute (Blogger, TVler, ect.) auf den Spot reagiert, würde Queen Angie schon Reichsapple und Zepter halten?
    Mir wäre er dann noch gruseliger erschienen. Ich hätte dann leiser oder gar nicht gelacht.
    Man sieht mal wieder => Schlimmer geht immer!

  29. 29
    Andi

    Wir hätten halt alle beglückt aufseufzen sollen ob der tollen Kampagne, der grund-positiven Message und überhaupt. Haben wir nun mal nicht. Das ist schon ganz schön gemein und destruktiv von uns.

  30. 30

    Acid, wenn dein Beitrag nicht destruktiv ist, was bezeichnest du dann als destruktiv? Eine solche Einstellung beobachte auch ich häufig in der deutschen Blogosphäre, allerdings in nur in einem Teil derselbigen und würde deshalb nicht so weit gehn wie Trautmann. Sachkritik wird dabei häufig durch überzogene/merkbefreite Polemik ersetzt. „Sowieso alles scheiße“ klingt dann deutlich heraus (wie bei dir).
    Die Punkte von Alpha-hasi gefallen mir da schon besser als Kritik, die ersten 4 Punkte sind allerdings etwas schwach: Logos in dem Stil (3 Formen welche einen Menschen darstellen) werden häufig verwendet und die Ähnlichkeit mit einem Haufen Scheiße, welche manche zu erkennen glauben, ist wohl eher freudscher Natur. Aus so ziemlich allen kurzen, einprägsamen, markanten Sprüchen lässt sich weiter auch einfach etwas anderes machen, welches dann möglicherweise sogar konträr zum ursprünglichen steht. Beim 5. Punkt bin ich auch anderer Meinung – ich bin mir sicher, dass Einstein begeistert vom heutigen Deutschland wäre und den USA entsetzt den Rücken kehren würde.
    Ich fand’s lustig, wie Schmidt sich gestern auch zur Kampagne bekannt hat und wohl einige Fans damit entsetzte.

  31. 31
    Corny

    Flickr = Yahoo = Journalist an Diktatur ausliefern.

  32. 32

    Naja. Man kann sich das Leben auch zu leicht machen. Warum die Yahoo-Story keine größeren Wellen geschlagen hat, ist mir auch noch ein Rätsel (kann man ja noch machen), aber die Formel reicht nicht.

  33. 33

    Aber eine Frage habe ich doch:
    Der Handelsblatt-Artikel ist doch imho ok, nur die Ansicht des zitierten Trautmann ist doch daneben. Oder sehe ich das falsch? „Wir sind Handelsblatt“ klingt so nach Kritik gegenüber dem Blatt?!

    Gruß,
    Alexander

  34. 34

    Alexander, nee, dann ist der Titel schlecht gewählt. Ich wollte damit sagen, dass „wir“ (alle, die an der flickr-Group teilnehmen) im Handelsblatt sind.

    Der Artikel ist klasse und ganz eindeitig auf der Seite der Kritik. Das sollte aber unmissverständlich sein, wenn man ihn liest (was es m.M.n. ist).

  35. 35

    @johnny – Doch doch, dann sind wir d’accord. So hatte ich es auch verstanden, war nur ob des Titels irritiert. Alles klar!

  36. 36

    Wo kann man denn das positive Feedback zur DBD-Bewegung der Sender nachlesen? :)

    Sehr destruktiv, wirklich!

  37. 37

    @McW … auf deren Website. Alles aber doch ein wenig zu sehr gefiltert…

  38. 38

    „Sachkritik wird dabei häufig durch überzogene/merkbefreite Polemik ersetzt.“

    Weil’s ein ziemlich langer Text ist, hier der nur ein paar Quotes und am Ende ein Link.

    => 10,2 Prozent aller Kinder in Deutschland, also rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, leben unterhalb der Armutsgrenze

    => Ein VW-Mitarbeiter am Montageband der ein Gehalt von 2691,94 Euro Brutto bezieht, zahlt Monat für Monat 262,46 Euro in die Rentenkasse und 87,49 Euro in die Arbeitslosenversicherung ein. Die gleiche Summe zahlt auch noch der Arbeitgeber. Insgesamt bezahlt der VW-Mitarbeiter also 524,92 monatlich in die Rentenkasse und 174,98 in die Arbeitslosenversicherung.
    Fast 5 Millionen Beamte zahlen nicht einen Cent und haben monatlich mindestens 349,95 Euro mehr in ihrer Gehaltstüte und brauchen keine zusätzliche Altersvorsorge wie der VW-Mitarbeiter.
    Ein durchschnittlicher Beamter erhält nach ca. 35 Arbeitsjahren eine Pension von 2.620,00 Euro monatlich, obwohl er nie einen Cent bezahlt hat. Ein Bauarbeiter der Lebenslang über 45 Jahre schwer arbeiten musste, bekommt nicht einmal 800 Euro Rente obwohl er regelmäßig eingezahlt hat.

    => 30 Milliarden Euro an Steuergeldern werden schätzungsweise Jahr für Jahr verschwendet, d.h. Bund, Länder und Gemeinden könnten mühelos zweistellige Milliardenbeträge einsparen, wenn weniger sorglos, weniger großzügig und dafür aber effizienter mit dem Geld der Steuerzahler umgegangen würde.
    Kein Beamter haftet für eine fehlerhafte Entscheidung. Nur deshalb werden Jahr für Jahr viele Milliarden Euro schlichtweg in den Sand gesetzt.

    => 42 Euro Taschengeld im Monat hat ein Rentner/Rentnerin in einem Alters-oder Pflegeheim, die die Heimkosten nicht allein bezahlen können!

    => Ein Beamter der sich über 40 Jahre schon an der Allgemeinheit bereichert hat, muss sein Vermögen nicht aufbrauchen und kann seine Durchschnittspension in Höhe von ca. 2.620,00 Euro Monat für Monat einstecken.

    Es folgt eine lange Liste mit Bezügen div. Manager und Politiker.

    http://www.augensound.de/img2578.htm
    Die Zahlen hat einer der Augensoud-User zusammengetragen.

    Man kann gar nicht polemisch und zynisch genug sein.

  39. 39

    dumm gelaufen – nun ist die Page hinfort.

  40. 40

    dass die etablierten und gleichzeitigen sponsoren dieser „dubide“ -veranstaltung blogger nicht so gerne mögen, ist ja bekannt. da ist ein (noch) kleines bloggespenst unterwegs, das ihre macht und onine-reichweite streitig macht.

    die DBD-sponsoren sollten sich freuen, dass es deutsche gibt, die sich auf diese weise intensiv mit dem thema auseinandersetzen. da hat eine kampagn endlich mal wirkung gezeigt. das wollen kampagnen doch – oder? oder wollten die sich alle wieder nur selbstbefruchten? wahrscheinlich.

    ich bin froh, dass ich im netz jede menge leute finde, die solche aktionen genauso kritisch sehen wie ich. das erleichtert mir mein kleines herz und mein durchhalten in diesem (deutsch)land ein wenig.

    eine frage zur technik: warum kann ich als mac os 9-nutzer nur jeden zweiten kommentar in voller länge lesen?

  41. 41

    choc, das mit OS 9 kann ich dir leider nicht beantworten, habe keines mehr am Laufen… Jemand anderes vielleicht?

  42. 42
    paul

    Muss ich doch meinen (zugegebenermassen mir selbst manchmal unheimlichen) Schmidt-Schutzreflex laufen lassen: Wie (kurz) er in dem Spot was sagt, mit einem vielleicht doch süffisanten Lächeln; wie er das diese Woche in seiner Show anspielt und persifliert — wenn man Schmidt-geneigt ist, kann sich auch hier wieder fragen: was ist cleverer: schlichte Opposition, oder das Verwickeltsein in Betrieb und Zustände noch einmal ironisch aufnehmen.
    Man sieht’s ja auch in der Diskussion hier: selbst kritisches Adbustering spielt ja insoweit ‚positiv‘ mit, als es Aufmerksamkeit verstärkt. Ganz kar, nicht, das Schlimmste für die Kampagne wäre er ein unbemerktes Durchsacken.
    Das kann aber auch die ‚kritische Öffentlichkeit‘ nicht erzwingen und muss also mit dem Double-bind von Kritik und dadurch frei Haus gelieferter Aufmerksamkeit umgehen.

    Könnte man nun sagen: Schmidt macht auf eine Art mit, aber er entzieht der Kampagne, als Teilnehmer, auch wieder ein Stück Glaubwürdigkeit.
    Anders der „nette“ Herr Jauch: das Bubigesicht ist da ehrlicher M. Prudhomme, mit reinem Gewissen dabei.

    Gut gefiel mir gestern die Attitude der Blood Hound Gang bei Stefan Raab: mit den Gesichtern, Stimmen, Schwänzen, da wird so’n Scheiss wie diese Kampagne noch richtig weggeräumt. Gitarren gegen Forrest Gump-Geklimper!

  43. 43
    tom

    @alpha-hasi: mir ist die ganze sache auch suspekt. so viele fehler auf einem (achtung wortspiel:) haufen sind schon sehr auffällig. mich erinnert die sache an hinterlistige lehrer, die ihre schüler zu achtsamkeit und kritik auffordern und bewusst provozieren wollen. aber sowas traue ich den angeblich republikbesten werbeagenturen in der primetime nicht zu. also: was steckt dahinter? ich ahne nix gutes. vor allem die qualität der website deutet drauf hin.

  44. 44

    Acid, hast du auch mal selbst recherchiert, was ein Beamter verdient? Dazu habe ich auch schonmal geschrieben: http://www.m-pax.de/archives/64
    Als Beamter muss man erst einige Jahre im gehobenen Dienst (41 Stundenwoche in BW) sein um in die Gehaltsrichtung deines Bandarbeiters zu kommen. Ich weiß nicht woher du die Zahl für die Pension des „durchschnittlichen“ Beamten hast – diese Zahl ist aber nicht besonders aussagekräftig, solange keine weitere Beschreibung vorhanden ist. Willst du den durchschnittlichen Beamten (vom einfachen zum höheren Dienst plus leitende Positionen etc.) mit dem durchschnittlichen Bandarbeiter oder Bauarbeiter vergleichen? Da wäre wohl eher ein Vergleich mit dem durchschnittlichen Verdiener(Arbeiter, Angestellter, Manager, …) in der Wirtschaft angebracht. Du holst dir die Zahlen so raus, wie sie deine frustrierte Meinung stützen – das grenzt an glatter Lüge.
    Nimm Positionen die du wirklich vergleichen kannst und du wirst dich fragen, warum es überhaupt Menschen gibt, welche in den Staatsdienst wollen (vor allem ohne Uniabschluss, ohne welchen man ja nichteinmal in den höheren Dienst kommt).
    Selbstverständlich ist die jetzige Beamtensituation nicht befriedigend und es gibt zum Beispiel noch viel zu viele Beamte, welche keine sein müssten (Lehrer zum Beispiel), aber deine Stammtischstänkerei mit ein paar aufgeschnappten Zahlen ohne Aussagekraft ist einfach dumm.
    Übrigends lebe ich auch unter der Armutsgrenze und mir geht es verdammt gut!

  45. 45

    Nachtrag: liege doch knapp über der Armutsgrenze – deshalb klappt das wohl mit dem ganzen Luxus ;-)

  46. 46
    Tilman

    Wie wäre es mit einer eigenen Kampagne? Einer ernst gemeinten Kampagne für ein besseres Deutschland? Eine, die die Dinge beim Namen nennt (s.o.) und trotzdem nicht aus der Ich-bin-immer-dagegen-Ecke kommt. Eine eben nicht so unprofessionelle Kampagne im Netz?

    Sie sollte Mut machen, Menschen in schwierigen Lebenslagen respektieren und konkreter zum Mitmachen auffordern.

    Das wäre doch wirkliche (konstruktive) Kritik an der DBD-Sache.

    Arbeitstitel: Deutschland für alle.

  47. 47

    Ist es nicht interessant, wie Blogs/Blogger plötzlich nicht nur in selbstreferentielllen Zusammenhängen von Berufsbloggern, ahm – Journalisten – ernstgenommen werden, wenn sie sich mühevoll in die etablierten Interpretationsschemata pressen, sich „Kreativ-Leiter“ nennen und einen institutionellen Rahmen vorweisen können (Verlag)?

    Was sagt uns das über Deutschland? Genau.

  48. 48

    Tilman, ich denke seit Tagen darüber nach. Kampagne per Wiki gemeinsam entwickeln, dann Finanziers in der Wirtschaft suchen. Und die Ergebnisse transparent dokumentieren.

    Aber: Es gibt ja diese andere Kampagne schon. Nicht auf Hochglanz, aber hier im Netz, wo es kaum etwas kostet, Plakate aufzuhängen.

    Tobias: Die Offline-Medien nehmen Blogs, und bei weitem nicht nur Spreeblick, auch ohne Verlagsumfeld wahr. Und zu Zeiten des Jamba-Artikel, der viel größeren Wirbel (naja, beinahe genausoviel inzwischen) verursacht hat, stand hinter meinem Namen auch noch nicht „Kreative Leitung“. So much for that.

  49. 49
    Tilman

    Wo finde ich denn die „andere“ Kampagne?
    Ach und noch was: Man sollte es nicht nur machen – nein – man muss es machen. Das ist man sich als mündiger Bürger irgendwo schuldig.

  50. 50

    Johnny,

    >Tobias: Die Offline-Medien nehmen Blogs, und bei weitem nicht nur
    >Spreeblick, auch ohne Verlagsumfeld wahr. Und zu Zeiten des
    >Jamba-Artikel, der viel größeren Wirbel (naja, beinahe genausoviel
    >inzwischen) verursacht hat, stand hinter meinem Namen auch noch
    >nicht „Kreative Leitung“. So much for that.

    Ja – und (noch) nein. Ich wollte lediglich darauf hinweisen, daß Journalisten ein Zuordnungsproblem mit Bloggern haben und Anknüpfungspunkten suchen, die ihnen vertraut erscheinen – also Blog als Genre/Form, nicht als ökonomische/gesellschaftliche Entwicklung. Das gilt insbesondere für Deutschland, auch wenn die Entwicklung hier noch nicht so weit ist, wie in anderen Ländern und auch ich selbst immer mal wieder überrascht darüber bin, welche Reaktion aus den Offline-Medien/Redaktionen kommen, bzw. wer (in diesem Fall mein Gruppen-Blog) liest.

    Ich würde das aber a) nicht überschätzen (selbst die Telepolis ist ja auf den flickr-pool offensichtlich erst über die Titanic Homepage aufmerksam geworden!), und b) habe ich ja auch von „ernst nehmen“ und nicht nur von „wahrnehmen“ gesprochen. In diesem Spannungsfeld wird sich sicher noch eine Menge tun.

    In diesem Zusammenhang vielleicht auch ein Hinweis auf einen Artikel von Fritz J. Raddatz in der aktuellen Printausgabe der Cicero “ Warum die Alten an der Macht bleiben.“

  51. 51

    Ich habe eine Kampagne im Kopf! Und dies ist wirklich ernst gemeint.

    Das Rohkonzept steht, nun muss ich noch zwei bis drei für mich relevante Leute überreden, mitzumachen. Dann werde ich es in Klein-Klein anfangen, um dann groß durchzustarten! Mal sehen, ob es eine Akzeptanz findet: das werde ich an meinen eventuellen Kooperationspartnern feststellen.

  52. 52

    Tobias, der Link war verkorkst. Stand nur ein „a“-Tag drin.

  53. 53

    Oops, sorry, neuer Versuch -> Link zu meinem obigen Kommentar -> http://www.fistfulofeuros.net

  54. 54

    m-pax: Stammtischstänkerei… nö – können wir uns auf Beißreflex einigen?
    Mag sein, dass der Forenkollege die Zahlen nicht „1:1“ verglichen hat. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Kampagne vielen wie der blanke Hohn erscheinen muss. Argumente dafür kannst du in zahlreichen Blog und auf den Bilder der flickr-Aktion lesen. Es wäre unsinnig, das alles hier zu wiederholen.
    Die 30mrd. verschleuderte Steuern kann man gewiss via Google nachrecherchieren (bzw. die Behauptung widerlegen).

    Zurück zum Monster-Event.
    Mittlerweile läuft die Page recht flüssig und man kann sich die Statements „Deutschlands“ anschauen. Hübsche kleine Karteikarten auf denen ein jeder einen 3-Zeiler verewigen darf (mehr Text wird mit „…“ abgeschnitten, ich hab nichts zum weiterscrollen gefunden).

    Anyway – hier ein paar Shots meiner Best ofs (natürlich hab ich nur die rausgegriffen, die meiner Stammtischstänkerei entgegen kommen):

    http://people.freenet.de/alliedcryptic/_werb1.jpg
    (das hab ich in _dem_ Alter auch gesagt! Fake?)

    http://people.freenet.de/alliedcryptic/_werb2.jpg
    (offenbar lassen sie auch kritische Stimmen zu – 1 Bonuspunkt)

    http://people.freenet.de/alliedcryptic/_werb3.jpg
    (100% ACK! – wie man bei Heise so schön sagt)

    http://people.freenet.de/alliedcryptic/_werb4.jpg
    (wohin?)

    http://people.freenet.de/alliedcryptic/_werb5.jpg
    (*schmunzel*)

    http://people.freenet.de/alliedcryptic/_werb6.jpg

    Vielleicht kommt ja jemand auf die Idee, diese Karteikärtchen zu parodieren…

  55. 55

    viel interessanter finde ich in dem zusammenhang sogar, dass harald schmidt gestern abend im ersten selbst eine „dubistdeutschland“-parodie gebracht hat, verblüffend ähnlich mit den ideen aus dem flickr-pool.

    zuerst einige kampa-motive („du bist michael schumacher“, „du bist albrecht dürer“, „du bist porsche“) als einleitung, jeweils mit reißerischen kommentaren versehen.

    dann ein foto eines großen mercedes-sterns vor strahlend blauem himmel und dem schriftzug: „du bist gefeuert“. leider ohne angabe der quelle bzw, inspiration, lieber harald. da haben sich seine autoren vermutlich von der spreeblick-aktion inspirieren lassen…

    und einen screenshot genau dieses bildes gibt es hier

  56. 56

    naja im fernsehn sidn halt quoten das maß aller dinge. und für ne gut parodie auf sich selbst darf er sich nich zu schade sein. erlaubt ist was quote bringt. und oft genug gilt doch auch „bad news are good news“ wenns ums aufmerksamkeit geht.

  57. 57

    das mag stimmen. den vorwurf des plagiats des plagiats müsste er sich trotzdem gefallen lassen. wäre ihm aber wohl egal. denn wie du richtigerweise sagst: die quote gibt ihm recht..

  58. 58

    und falls der vorwurf quote bringt wäree ihm das wohl auch recht. also alles in butter für denn alten herrn des witzes…

  59. 59

    Bißreflex ist gut – merk ich mir ;-)
    Es gibt immer wieder welche, die sich ebsonders benachteiligt fühlen und dann eine Motivationskampagne als blanken Hohn empfinden.
    Blanker Hohn war es wohl für die ganzen DDR-Opfer, dass die SED mit großer Stärke in den Deutschen Bundestag gewählt wurde. Sicherlich zum Großteil von Menschen, welche diese Kampagne als blanken Hohn empfinden und immernoch darauf warten, dass das Geld vom Himmel regnet wie zu guten alten Sozialistenzeiten.
    Wurde erst gestern (mitten in Stuttgart!!!) von einem Ostdeutschen Staatsgeldempfänger (seit 10 Jahren) angesprochen, der fürchterlich über diesen pösen Staat gezettert hat (und aus ganz Deutschland ne neue DDR machen wollte), was ich dazu meine. Er sagte, er habe ein Recht auf das Geld vom Staat – und hat doch höchstens 5 Jahre in die Kassen eingezahlt. Meine Antwort war:“Ich finde es lustig, dass Sie groß Geld vom Staat kassieren und dann auch noch derart über ihn schimpfen.“ Mag sein, dass die Mentalität hier unten etwas anders ist, aber von dem Umstehenden gab es großen Zuspruch.

  60. 60

    Nachtrag: Auf der DbD-Seite ist zu lesen:
    „25 Medienunternehmen stellen ein Mediavolumen im Wert von mehr als 30 Millionen Euro unentgeltlich zur Verfügung“

  61. 61

    Vielerorts (man kann es auch hier im ein oder anderen Kommentar nachvollziehen) erzielt die Kampagne Wirkung: Nachdenken, nicht unhinterfragt übernehmen, reflektieren und ggf. kritisieren, eine andere Meinung haben und argumentieren: das alles ist „Gejammer“ und „Genörgel“ – und wird vom Tisch und aus den Köpfen gewischt.

    Schöne neue Welt.

    Heia Popeia.

    Armes Deutschland.

    Andererseits: dass die Kampagnenbetreiber das so auffällig dilletantisch machen beruhigt mich fast wieder, denn nichts wäre schlimmer gewesen als eine wohldurchdachte Propagandashow ohne technische Schwächen. So aber fällts dem „normalen“ Menschen da draußen auf. Und zwar wirklich jedem, mit dem ich mich darüber bislang unterhalten habe (und nicht in Werbung oder Medien arbeitet) – und DAS macht mir wieder Hoffnung: „Deutschland“ lässt sich auf Dauer nicht verarschen. Vor allem nicht von Leuten, die sie für so blöde halten, dass sie sich nichtmal richtig anstrengen beim Versuch….

  62. 62

    Ich fühle mich nicht besonders benachteiligt. Deswegen kann ich auf den ganzen Motivationsnonsens – verpackt in Neo-Patriotismus light – auch verzichten.
    Diese 180°-Kehrtwende wirkt ziemlich aufgesetzt. Bis vor kurzem schrieben sie alle noch „Nichts geht mehr“ und nun ist wieder alles drin, wenn alle mitmachen?
    OK – dann sollten sie der Zielgruppe nicht einfach sagen, „Mach mal, du kannst das!“ – sondern dem – offenbar vollends planlosen Bürger – erklären, was zum Teufel er tun soll.

    Man könnte tolle Workshops veranstalten:
    „Wie schneid ich mir einen Job aus den Rippen“
    „Siemens schließt 11 Werke – wir bauen 12 neue“
    „Fahrrad fahren statt trampen – so kommen Sie sicher zum 1€-Job“
    „Daimler geht nach China – wir kommen mit“

    Hach ja – es gäbe so viel zu tun. Leider wird von den Falschen erwartet, damit anzufangen.

  63. 63

    Wer mich destruktiv schimpft, wird auch nicht mehr verlinkt und muss zusehen wo er beim Pageranging bleibt! Das ist ein Aufruf zum Link-Boykott!

  64. 64
  65. 65

    Von wegen Suchmaschinen – man sollte halt auch was in die Header seiner Webseiten reinschreiben, gelle. Flash ist so schlecht indizierbar.

    Ansonsten – flickr ist in Deutschland nicht bekannt, das wird sich durch uns paar Nörgler auch nicht ändern – ohne deutsches Benutzerinterface wird sich in DE nichts durchsetzen. Eine Verschwörungstheorie erscheint mir absurd. Abgesehen davon halte ich flickr für ein relativ ehrliches Angebot, rein kommerziell. Entsprechenden Plattenplatz selber kaufen ist bei intensiver Nutzung teurer.

    Und warum sind die Blogger alle Nörgler? Weil sie einfach zu viel Zeit haben (in der Summe), Dinge auseinanderzunehmen. Wenn zweihundert Leute jeweils zehn Minuten spenden, um eine Sache zu verifizieren, na dann sind das: 2000 Minuten, aka ~31 Stunden. Da kann man schwer gegenanstinken (das kann man übrigens auch gar nicht bezahlen).

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