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Ein Märchen (1 von 4)

Es war einmal vor langer Zeit ein Bauer, der war König.

Natürlich war er eigentlich nur König, aber er fand es schick, sich als Bauer anzuziehen und mit echten Bauern auf echten Bauernhöfen herumzuhängen und so zu tun, als wäre er einer von ihnen. Die Bauern waren natürlich nicht dumm, im Gegenteil, sie waren sogar schlau (aus dieser Zeit stammt nämlich auch der Begriff „bauernschlau“) und sie wussten, dass der Bauer, der sie alle paar Tage besuchte, in Wahrheit der König war.

Doch da er ein guter König war, der die Bauern abgesehen von seinen etwas anstrengenden Besuchen in Ruhe ließ und außerdem am Ende des Tages immer eine Lokalrunde zahlte, spielten sie das Spiel mit und taten so, als hielten sie ihn für einen echten Bauern und als würde es niemanden wundern, dass dieser Bauer immer mit einer prunkvollen Kutsche vorgefahren kam.

Was für die Geschichte im Grunde völlig ohne weiteren Belang ist, es soll nur zum Ausdruck bringen, dass der König ganz okay war, wenn auch etwas spleenig.

Eines Tages hatte der König genug davon so zu tun als wäre er ein Bauer und rief seine sieben Söhne Franz, Hans, Rüdiger und die vier anderen zu sich.

„Meine geliebten Söhne!“, begann der König, „Franz, Hans, Rüdiger und ihr anderen vier!“

Die sieben Söhne sahen sich der Reihe nach an, was bei sieben Söhnen eine Weile dauerte, da jeder jeden ansehen muss, in beide Richtungen, es reichte also nicht, wenn beispielsweise der eine den anderen ansah, sondern der andere musste auch den einen ansehen. Und einer der anderen vier musste mittendrin dann auch noch kichern, weil er die Situation irgendwie lustig, aber auch ein wenig peinlich fand, denn der König hatte noch nie so zu ihnen geredet, und als der eine von den anderen vier lachen musste, mussten die anderen auch lachen und dann trauten sie sich nicht mehr, sich anzusehen, weil sie dann noch mehr kichern mussten aber irgendwann war dann auch mal gut.

Der König, der auch ein kleines bisschen mitgelacht hatte, besonders, als er den mit den „Rittern der Kicherrunde“ gebracht hatte, die eigenen sind schließlich immer die besten, setzte erneut zu seiner Rede an:

„Ich habe euch heute zu mir gerufen, da ich sehr unzufrieden bin. Mein Leben macht wenig Sinn. Das Regieren lastet mich nicht aus und ist viel weniger Arbeit, als immer überall propagiert wird, das machen die nur damit das Volk nicht denkt, jeder könne König sein. Die Bauern sind nett, aber sie glauben, ich würde nicht merken, dass sie nur auf mein Geld scharf sind und das finde ich auch nicht so gut. Ich will mehr vom Leben. Und da ich König bin, will ich das Beste, das mir das Leben bieten kann.“

Mit diesen Worten lehnte sich der König vor, das Licht verdunkelte sich und dramatische, mysteriöse Musik setzte ein.

Franz, Hans, Rüdiger und die anderen vier Söhne sahen sich erschrocken um, denn weder war der Dimmer erfunden noch gab es im ganzen Schloss eine Stereo-Anlage. Der König fuhr fort.

Als er zurück war, beendete er seine Rede:

„Ich möchte daher, dass ihr ins Land zieht und den Sinn des Lebens für mich findet. Franz, Hans und Rüdiger reiten morgen vor Sonnenaufgang oder von mir aus auch kurz danach los, aber nicht zu spät, also auf alle Fälle vor dem Mittagessen, die anderen vier müssen nicht mit. Denn erstens wird das Märchen sonst zu lang, zweitens ist die Sieben so Klischee-belastet und viertens müsst ihr morgen zur Schule.“ Der König war nicht gut im Rechnen.

Mit diesen Worten und einer Geste, die alle sieben Söhne als ein königliches „Trollt euch!“ interpretierten, in Wahrheit aber nur der Vertreibung einer Fliege diente, stand der König von seinem bisher unerwähnten Thron auf, vernahm im Weggehen noch ein gemurmeltes, nörgelndes „als wäre die Drei weniger blöd“ von seinem Jüngsten und begab sich in seinen Turmspring-Saal. Den roten.

(Kommentare machen erst am Ende Sinn, bis einschließlich Montag gibt es täglich den nächsten Teil)

(Hier geht’s zum zweiten Teil)

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