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Lehsehnlehrnehn

Vermutlich braucht man für das Verstehen des Wortes im Titel in etwa so lange, wie ein Lese-Anfänger auch für relativ leichte Worte braucht.

Lesenlernen. Was für ein Schritt. Plötzlich werden aus den seit Jahren von Büchern bekannten Hieroglyphen Buchstaben, aus Buchstaben Worte, aus Worten Sätze und die Welt macht neuen Sinn. Überall Worte. Überall. Alles ist beschriftet, irgendwie, mit irgendeinem Wort. Die Straßen sind voller Worte, überall sind Plakate, die plötzlich nicht mehr nur etwas zeigen, sondern auch etwas sagen. Wenn man Glück hat.

Solche Schritte beobachten und begleiten zu dürfen ist (das ist eines dieser vielgehörten Klischees, die stimmen) ein wichtiger Teil des Spaßes, wenn man Kinder hat. Es fühlt sich gut an, etwas zu wissen, dieses Wissen teilen zu können, immer wieder auch an die eigenen Grenzen und in Erklärungsnotstand zu geraten und natürlich die Welt ebenfalls aus einer neuen Perspektive zu betrachten. See it again for the first time indeed. Und was einem dabei alles auffällt! Die Tatsache zum Beispiel, dass es ziemlich schwierig ist im Alltag, abseits von Büchern, für Beginner lesbare und verständliche Worte zu finden.

„Was heißt ‚Sahle‘?“ – „Das ist englisch, man spricht es ‚Sseyl‘ aus, das bedeutet ‚Ausverkauf‘, das musst du dir aber nicht merken.“ – „Schreibt man so ‚trinken‘?“ – „Nee, da steht ‚Drink‘. Das bedeutet ‚Getränk‘ auf Englisch“ – „Warum schreiben die es auf englisch?“ – „Das frage ich mich auch.“ – „Was heißt ‚Straffberrie‘?“

Mir war nicht bewusst, wie viele überflüssige Worte mich tagtäglich umgeben. Die meisten von ihnen beachte ich schon lange nicht mehr, sie sind im besten Fall dekorative Platzhalter, die beinahe panisch einen Raum auszufüllen scheinen, der ansonsten Leere, eine Struktur, eine Materialansicht bieten könnte. Jetzt, da es mir während meiner Lesenlernen-Begleitung bewusst wird, empfinde ich sie speziell im Fall von Werbung noch mehr denn je als visuelle Umweltverschmutzung. Wer hat eigentlich damals entschieden, dass jede freie Stelle im öffentlichen Raum mit Werbung zugekleistert werden darf?

collage

Erfundene Markennamen machen mir inzwischen ebenfalls das Leben schwer. Wie soll man „Famili“ erklären? „Nun, mein Sohn, das Unternehmen suchte nach einem Namen für sein Produkt, welcher noch nicht als Marke registriert war, keine Verwendung an anderer Stelle erfuhr und der dennoch die Unternehmenswerte, die für die Familie, das Miteinander und den täglichen häuslichen Einsatz ihrer Produkte steht reflektiert“? I don’t think so, äh, ich meine, ich glaube nicht.

Dies ist kein albernes Plädoyer für eine Minimierung der englischen Sprache in unserem Umfeld, keineswegs. Zumindest in unserem Kulturkreis und speziell für einen Vater, der Neigungen sowohl zur angelsächsischen Musik als auch zum Megatrend ‚Interweb‘ nicht von sich weisen mag, ist Englisch normal und wichtig, also dürfen auch die Kindern gerne früh diese nicht unwichtige Sprache kennenlernen. Wäre aber nett, wenn man die Worte wenigstens halbwegs sinnvoll einsetzen und dann auch noch richtig schreiben würde.

Gegen die Sprache der Werbung kommt man natürlich nicht an und so richtig vorwerfen kann man den Agenturen ihre Kreativität in der Neugenerierung von Worten auch nicht in Zeiten, in denen sich Unternehmen die Verwendung einer bestimmten Farbe oder eines Buchstabens schützen lassen dürfen. Auffällig ist jedoch, dass uns kaum noch werbefreie Worte umgeben. Entfernt man aus einem Raum, nehmen wir mal eine Küche, sämtliche zu aufdringlichen und informationsfreien Produktbilder verbleibt ein unwortbereinigter Raum. Ein paar Zeitschriften und Zeitungen, Kochbücher, Notizzettel, aufgehobene Flyer oder Hinweise, Briefe, Postkarten (sowie die brandneue Spreeblick-Tasse mit der für Kinder völlig sinnfreien Abkürzung ILBTR…).

Sie alle haben es nicht nötig um unsere Aufmerksamkeit und unsere Beachtung zu buhlen. Ihr Sinn und Zweck ergibt sich nicht allein aus ihrer Beschriftung, sondern in erster Linie aus ihrer Form und Haptik oder aus ihrem Inhalt, und damit meine ich nicht E217 oder Vitamin B. Und so zieht sich das durch unsere gesamte Umgebung, alle Räume, auch die öffentlichen. Überall brüllt man mich an. Überall werde ich von der Seite angequatscht und abgelenkt. Kein Wunder also, dass auch Jugend die Straße als Forum wählt und sich Gehör über Worte (Tags!) zu verschaffen sucht.

Ich bin daran gewöhnt, ich kann vieles ausklammern. Aber man ist schon ziemlich baff, wenn der Sohn am Frühstückstisch nach der fünften etwas frustrierenden Antwort auf sein wichtiges Nachhaken fragt:

„Papa? Unsere Sprache… ist das eigentlich die richtige?“

53 Kommentare

  1. 01

    hehe, die übersetzungsnöte kenne ich..

    na englisch heisst etwas, wenn es – kuhl – klingen soll. das ist wie mit den jungs, die geben eben oft ganz schön an und wollen auch immer cool sein.

    und sonst? warum etwas (od. jemand) heisst, wie es heisst? das kann ganz einfach sein, oder eine lange geschichte, und nicht immer ist sie interessant.

    soweit sind wir dann schon.

    aber das mit der rechtschreibung: die reform finde ich ja total ok und harmlos gegen die tatsache, dass wir den kids (!) ja gleich die englische auch noch beibringen müssen.

  2. 02
    Christian

    Ein sehr schöner Artikel, wie ich finde. Und gleichzeitig beängstigend, wie selbstverständlich sich alles in unseren Sprachgebrauch einschleicht, so dass man erst diesen Artikel lesen muss, um mal wieder darauf aufmerksam gemacht zu werden.

  3. 03
    leo stejskal

    APPLAUS,APPLAUS!
    Habe eine englischsprachige Ehefrau, die sich täglich vor Lachen kringelt und mir DINGLISH erklärt. Manchmal vergeht ihr auch das Lachen. Sie versucht sich in die Denke deutscher Werbetexter zu versetzten. Gelingt nicht : THEY ARE REALLY SILLY!!!!!!!!!!

  4. 04

    @HCL – es klingt aber nicht immer „kuhl“
    Ich finde, z.B. „gedownloaded“ oder „downgeloaded“ klingt abgrundtief dämlich, im Vergleich zu „heruntergeladen“.

    Das folgende Zitat kennen gewiss schon alle, aber wenn ich nur ein Kind damit vor der Verblödung bewahren kann, hat sich die Wiederholung gelohnt. :)

    „Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß daß man contemporary sein muß, das future-Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.“
    (Jil Sander in einem Interview mit dem Magazin der FAZ, 1996)

    Yeah, gal – ich fuckin‘ love it!

    Ich habe vielleicht etwas Schwarzmalendes. Mein Leben ist eine taking story. Ich habe verstanden, dass man abgefucked sein muss, den Ego-trip fahren muss, auch wenn die Pholkz dann mitunter combinen können, dass man im Grunde einen anner Waffel hat.
    Meine Idee war, ohne viel Understatement mit fragwürdigen methods recht ille Zocke zu machen und der Crowd really stranges Gebritzel in den Gehörgang zu flowen. Der mainstreamende Listener von heute kann damit freilich wenig anfangen, aber warum sollte ich Zahnspangenkidz believern?
    Man kann diesen noizigen artificial crap einigen Crackheads in die Rübe drehen, wenn man es dark und tight genug produced und promised es sei Art!
    Wer Popmusik hört, searcht nicht bei Acidmoon. Man muss Nerven haben für das Abgespacte, das Trademark meines Stils!“

    In diesem Sinne „Gut‘ Nacht, Marie!“

  5. 05

    naja, noch loaded mein kind noch nicht so viel down.
    aber wird schon noch com
    :D

  6. 06

    Ich denke, man könnte sich auch mit Geräuschen verständigen – unter guten Freunden. Die anderen muss ich nicht verstehen.

    Der EuGH hat übrigens entschieden, dass Farben grundsätzlich nicht schützensfähig sind. Lex Telekom in Deutschland zeigt, dass Deutschland nie ein Rechtsstaat war.

  7. 07

    Sehr guter Artikel, aber was bitte ist ein Kokos-Cluster?

  8. 08

    wunderbar.
    Ich erinnere mich noch gut an den ersten Besuch im Wildpark, als unser Größter gerade zu lesen begann. Das war genauso schön wie anstrengend.
    Hübsch ist jetzt, wenn mein Dreijähriger mir seine Bücher vorliest, so richtig mit Finger auf der Zeile und so.

  9. 09

    Johnny ist nun wirklich „back“ … schön :-)
    Danke für den Artikel!

  10. 10

    KleinesF:

    Dabei kann nicht davon ausgegangen werden, dass eine Farbe als solche ein Zeichen ist. Gewöhnlich ist eine Farbe eine bloße Eigenschaft von Gegenständen. Sie kann allerdings ein Zeichen sein. Dies hängt davon ab, in welchem Zusammenhang die Farbe verwendet wird. Jedenfalls kann eine Farbe als solche in Bezug auf eine Ware oder eine Dienstleistung ein Zeichen sein.

    (Quelle: EuGH-Urteil)

    Was Du meinst, ist vermutlich das hier, was aber nur besagt, dass die Almdudler-Flasche nicht schützenswert ist. Es gibt jedoch Firmen, die ihre Farbe auch vor der EU bestehend schützen lassen haben, z.B. Aral bei den Mineralölkonzernen, die Telekom im Kommunikationsbereich oder z.B. die KWS bei der Saatzucht. Alles völlig OK, wie ich finde — denn in Ihren Bereichen hat sich die Farbe klar mit der Marke vermischt -> Blaue Tanke, Aral, orangenes Saatgut, KWS.

    Allerdings: Wenn die Telekom gegen Nahrungsketten vorgeht, dann hat sie da was falsch vertanden – es geht immer nur um den Bereich.

    Back to the article: Fürwahr, fürwahr. Fachliche Begriffe nicht einzudeutschen ist imho völlig OK, englische Begriffe falsch zu gebrauchen hingegen nicht. Aber das schriebst Du ja schon ;-)

  11. 11

    Mein Sohn meinte, als er gerade lesen gelernt hatte:
    Das ist doof, jetzt muss ich alles lesen und kann es nicht verhindern. Kann man eingetlich auf einen Text gucken, ohne ihn zu lesen?

  12. 12

    Zustimmung – toller Artikel! Und die Fazit-Frage deines Sohnes ist ja schon arg philosophisch.

    Erinnert mich ein wenig an ein Problem im Deutschunterricht (Mittelstufe, nicht Grundschule), wo jemand über das vermeintlich englische Wort „soundso“ stolperte. An regulären Unterricht war in der Stunde nicht mehr zu denken, aber die Diskussion anschliessend war sehr fruchtbar.

  13. 13
    the_stephan

    kulturelle überproduktion halt.
    Ich habe eine gegenstrategie entwickelt, für die meine freudin mich regelmässig ernsthaft besorgt beäugt, ausgelöst von einem tigel reinigungszeugs, der mir jeden morgen in augenhöhe neben dem badezimmerspiegel ins hirn brüllte, sein inhalt sei SOFT EYE LID MAKE UP REMOVER GEL. Es war notwehr, ich habs einfach abgezogen. Denn das schöne ist ja, wie ich seither immer wieder feststelle, dass man von fast allen badezimmerartikeln die etiketten einfach runterpeelen kann, auch ohne sie zuvor eine stunde in wasser eingeweicht zu haben (auch die mühe mache ich mir regelmässig, etwa für ein bestimmtes deodorant, ich habe fast schon die marke vergessen…) der lohn: man kann zumindest die zeit bis zum frühstück ohne marketingdreck – input verbringen.
    Und auch gegen die mauen funktionalitätsargumente meiner freundin „du duschst schon wieder mit shampoo“ habe ich ein antidot gefunden: mit der spitze der nagelschere ritze ich das etikett um das noch herrlich unbesudelte wort „shampoo“ herum ein und ziehe nur das geblöke drumherum ab, dauert 15 sekunden, das isset mir wert.
    und jetzt noch ein kleines schmankerl für high-end-ruhehabenwoller:
    Der Power-Knopf an meinem verstärker ist seit 15 jahren ist der große ganz links, also habe ich mit schwarem edding die beschriftung ihrem hintergrund angepasst. das lässt sich auf einen ganzen haushalt übertragen, und scho is a ruh.

  14. 14

    ja, herrlich, diese entwicklung bei den kleinen zu beobachten. ich fand letzte woche einen zettel im wohnzimmer: „liba vainasmann“ – ich bin total stolz :-)

  15. 15

    Tja es sind die kleinen Dinge, die wir übersehen und die Kinder einem dann (in meinem Fall später mal) wieder nahe legen. Ich finde es gut, dass die Entwicklung von Kindern die Möglichkeit bietet, selbst Dinge mit anderen Augen zu sehen, sich manchen Dingen bewusster zu machen. Das ist ein Aspekt des Elternseins auf den ich mich freue, wenn es in ein paar Jahren dann mal so weit sein sollte (momentan ist rein aus finanzieller Sicht und wegen fehlender „Grundfestigkeit“ – bin ja selbst erst seit kurzem aus den Kinderschuhen – garnicht dran zu denken)

    Gruß
    Patrick

  16. 16
    martin

    hihi,
    das ist jetzt ein wenig *Off-Topic* (da isses wieder!), aber da geht wohl jemand öfter mal bei Plus einkaufen… :)

  17. 17
    Wolfgang K.

    Sehr schöner Artikel, ich darf ähnliches derzeit bei meiner Nichte erleben.

    Übrigens sind sowohl „Beginner“ als auch „Sinn machen“ ziemlich fieses Denglisch. Es hat gefälligst „Anfänger“ und „Sinn ergeben“ zu heißen!

    Hach, Klugscheißen ist großartig ;-)

  18. 18

    Recht hast Du, Alex. Johnny wieder in alter Form.
    Super Artikel. Vor allem gefiel mir der Erklärungsansatz der Tags, den man mal ein paar Leute, die dass ausschließlich als Umweltverschmutzung im urbanen Raum wahrnehmen, unter die Nase reiben sollte.
    Wenn die Wirtschaft die Wände vollkleistern darf, warum darf ich dass dann eigentlich nicht?

  19. 19

    Das, René, DAS (sic!) ist für mich das einzige Argument, dass ich ‚pro Graffiti‘ gelten lasse. Denn das ist nämlich wahr und das dachte ich mir nämlich genau am Samstag, als ich mit meinem Kleinen durch die Stadt spazieren ging und mich fragte, was ich schlimmer finde: Graffiti oder Werbung.

  20. 20
    TriIIian

    Mein Ältester hat mir schon des öfteren gesagt, er finde es blöd, dass man, sobald man lesen kann, nicht mehr „nicht lesen“ kann. Den Kindern fällt es viel, viel schwerer, all die überflüssigen Werbe- und Sonstwastexte in unserer Umwelt auszublenden.

    Daran, wie unsere Kinder auf den ganzen Textmüll in unserer Umwelt reagieren, kann man sehen, wie krass die Mittel der Werbeindustrie inzwischen geworden sind. Um einen Erwachsenen noch zu erreichen, muss man offenbar schon weit über die „natürliche“ Schmerzgrenze gehen.

    Das Ganze hängt natürlich sehr mit unseren Sehgewohnheiten zusammen. Ich erinnere mich, dass ich vor ca. 15 Jahren bei einer Frankreichreise die vergleichsweise vielen Werbeplakate, die dort die Landstraßen säumten, äußerst aufdringlich fand. Inzwischen sieht es hier in Berlin mindestens genauso aus, eher noch schlimmer.

    „Famili“ steht bei uns auch auf dem Tisch — bzw. es verbaut ob seiner absurden Größe die Sicht auf meine Kinder. Zum Glück ist die Packung heute leer geworden.

    @nicorola: Kokos-Cluster können eigentlich nur irgendeine Sorte Frühstücksflocken, bzw. „Cerealien“ (das ist auch so ein Unwort aus dem angelsächsischen Wortraum), sein. Wie das schmeckt, möchten wir alle sicher gar nicht wissen ;-)

    @kleinesF: „Nahrungsketten“ ist gut ;-)

  21. 21

    na, ich lasse die kaligraphische ausgefuchstheit so mancher tags auch noch durchgehen. aber das sehen eben nur tagger so.

  22. 22

    Das ist überhaupt kein Argument pro Graffiti. Bzw. ein ziemlich kindisches („žder macht das doch aber auch“).

    Unabhängig davon stört die Werbung allerdings erheblich mehr, weil sie so aufdringlich und totalitär ist.

  23. 23

    Ahem. Kann ich ja nicht wissen, daß sich noch zwei andere dazwischendrängeln. Ich bezog mich in Kommentar 22 auf Kommentar 19 von Zielpublikum. (Threading jetzt!)

  24. 24

    Trillian: Ja. Das Ausblenden von allgegenwärtigen Plakaten hatte ich in der DDR ganz gut gelernt, um dann nach der Wende alles neu lernen zu müssen. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, all diese Plakate lesen zu müssen.

  25. 25

    @stralau: doch, das ist ein argument pro graf, im sinne von reclaim the streets. warum ist öffentlicher raum nur von zahlenden gästen beschriftbar und eben nicht von den menschen, die sich darum bewegen? da kann ich eben nur zu gut verstehen, bzw habe das früher zu genüge getan, dass jugendliche den stinkefinger recken und zum edding greifen und dann IHREN NAMEN auf die scheiß U-Bahn taggen. Das ist für mich sehr punk und gut und wichtig. auf jeden fall.

  26. 26
    TriIIian

    stralau (nr. 24), damals zu Mauerzeiten hing im „Westteil“ des S-Bhf Friedrichstraße immer ein Audi-Plakat „Vorsprung durch Technik“. Den Spruch habe ich immer wahrgenommen und der DDR zugeordnet, das Audi-Logo ist mir erst nach sehr vielen Malen aufgefallen. Und ich war fast täglich auf diesem Bahnsteig! Soviel zum Wahrnehmen und Ausblenden.

  27. 27

    Klar kann man sagen, wenn der das macht, will ich das auch. Sinnvoller ist es aber, was dagegen zu tun, daß der das macht. Sehr schön in diesem Zusammenhang sind die sehr kreativen Aktionen zur Verschönerung von Werbeplakaten, die in Friedrichshain eine Zeit lang en vogue waren.

    Von einer Kriminalisierung der Sprayer halte ich im übrigen nichts, sehe aber aber nicht, woher man ein Grundrecht auf Beschriftung ableiten könnte. Ich bin eher für ein Verbot, das auch Werbung mit einschließt.

    Trillian: Sehr Hypsch. Vorsprung durch Technik, das hätte gepaßt.

  28. 28

    Einbecker, Zeichen mag ja gerade noch angehen, aber in Deutschland ist die Farbe als „Marke“ eingetragen. Da frag ich mal, wie kann eine Farbe, die ja von sich aus nicht einmal Konturen hat, eine Marke sein?

  29. 29
    m

    „Übrigens sind sowohl „Beginner“ als auch „Sinn machen“ ziemlich fieses Denglisch. Es hat gefälligst „Anfänger“ und „Sinn ergeben“ zu heißen!“

    ebenfalls ziemlich daneben:
    „vorprogrammiert“
    „nachprüfen“

  30. 30
    Richard

    Es ist ja nicht nur das alltägliche ‚Denglisch‘, auch die Kommunikationsformen des Internets (‚lol‘ usw.) dringen ja immer mehr in unser Bewusstsein vor. Da verstehen Außenstehende, die zufällig ein durchaus seröses Gespräch über Warcraft3 oder die neuesten Technikspielereien manchmal kaum noch, wovon man eigentlich redet. Und man selbst ist so sehr an das Vermischen der deutschen und englischen Sprache, dass es einem viel natürlicher vorkommt als das Benutzen der formal korrekten Begrifflichkeiten.

    Solche Vermischungen gibt es aber nicht erst seit gestern – das Englische ist ja selbst zu einem nicht geringen Teil deutscher Herkunft – und das ist nur ein Beispiel von vielen.

    In einer immer komplexer werdenden Welt ist es eigentlich vorprogrammiert, dass sich derlei Entwicklungen zunehmend beschleunigen. Das kann positiv sein, für diejenigen, die schritthalten können, negativ vor allem für die, die das, aus welchen Gründen auch immer, nicht schaffen.

    Vor diesem Hintergrund hat mich dieser Artikel (heißt das bei einem blog überhaupt ‚Artikel‘ und nicht vielmehr ‚Eintrag‘, und wir ‚blog‘ nicht inzwischen, deutsch korrekt, groß geschrieben, und darf ich diese Kommata überhaupt noch setzen?…) auch sehr angeregt, auch wenn ich in absehbarer Zeit nicht vorhabe Vater zu werden.

    Gerade Kinder sind dieser Reizüberflutung ja mehr oder weniger ungeschützt ausgeliefert, vor allem, wenn sie aus dem Elternhaus keine ‚Anleitung‘ mitbekommen wie damit umzugehen sei. Ich erinnere mich selbst noch wage, dass diese Zeit, in der ich anfing lesen zu lernen, sehr anstrengend gewesen ist, weil man immer und überall aus irgendeinem seltsamen Drang heraus alles las, was einem vor die Linse kam.

    Und wer jetzt meint ‚tl;dr‘, der kann sich ja die Reklame in der Zeitung anschauen. (Scherz, Scherz ^_- )

    Noch zwei Worte zum Thema Graffiti:

    Die Gesellschaft, in der Tat, das sind wir. Das sind damit auch sämtliche Politiker, Anwälte, Halsabschneider, Unternehmer usw. Und jeder Einzelne von uns hat ein Recht auf Eigentum. Was das jetzt genau ist, darüber lässt sich in Zeiten des Internets und der Softwarepatente natürlich streiten, bei Häusern, Zügen etc. sieht die Sache jedoch recht eindeutig aus.

    Wer sich nun das ‚Sprayen‘ als Ausdrucksform gewäht hat, hat somit natürlich ein Problem, weil er sie selten ungehindert oder egal zur Geltung bringen kann. Das ist schade für denjenigen, aber wie heißt es doch so schön?: Die Freiheit des einen hört da auf, wo die Freiheit des anderen beginnt.

  31. 31

    Sprache unterliegt ständigem Wandel, obwohl ich die ganzen ROTFLMAOs dieser Welt auch nicht wirklich mag, sind sie halt auch die Abgrenzung eines Kulturkreises – das soll ja auch kein anderer verstehen!

  32. 32

    „Sprache unterliegt ständigem Wandel, obwohl ich die ganzen ROTFLMAOs dieser Welt auch nicht wirklich mag, sind sie halt auch die Abgrenzung eines Kulturkreises – das soll ja auch kein anderer verstehen!“

    Dem ständigen Wandel kann ich voll und ganz zustimmen und das find ich auch gut. Dieser natürliche Prozess ist einfach notwendig, damit wir Dinge, Umstände, wie auch immer, die sich in unser Leben einschleichen auch so vermitteln können, dass wir nicht mißverstanden werden. Dazu bedarf es manchmal der Erfindung neuer Wörter, dem Einführen neuer sprachlicher „Sitten“. Das es nicht immer nur um den Zweck geht Sachen verständlicher zu machen, die neu sind, ist klar. Aber das ist eben die Sache mit der Persönlichkeit, Gesellschaft, Kultur – ändert sich daran etwas muss sich natürlich auch die Sprache anpassen.

    Gegen die Verwendungen von Abkürzungen wie ROTFLMAO *im Internet* habe ich nichts. Erleichtern sie eben die Kommunikation, im Sinne von Zeitersparnis, etwas verständlich zu machen ohne sich großer Worte zu bedienen, sofern der andere mit den (mittlerweile sehr üblichen) Abkürzungen was anfangen kann. Wo ich allerdings nur den Kopf schütteln kann ist, wenn Leute diese Abkürzungen aufs reale Leben übertragen, weil hier verschiedene Aussprachen, Dialekte, Sprachfehler etc. so schon erschweren andere Menschen zu verstehen und ich im realen Leben vom Verständnis dieser Begrifflichkeiten zudem nicht ausgehen kann.

  33. 33

    ich wurde gerade auf dem weg nach hause von einer bekannten gefragt, ob ich noch was für das neue i/o magazin machen könnte. ich habe mit jugendlichem leichtsinn ja gesagt. und wollte gerade auf die seite schauen. jetzt benutze ich diesen link hier. nur um mal diesen zufall festzuhalten.

  34. 34
    Jürgen

    „Florena Body Care Pflege Milk“, die „Pflegemilk für trockene Haut“. Steht da echt drauf. Wo bitte ist der Mehrwert, der durch die Verwendung Englischer Worte/Wortbestandteile(!!!) entsteht? Bei solchen Kreationen wird mir immer übel und ich wünsche dem Hersteller größtmöglichen Misserfolg.

  35. 35
    moses

    in wien gabs ein projekt „delete – entschriftung des öffentlichen raums“
    die hp des projekts ist down,aber hier ist ein zeitungsartikel (mit foto) darüber:

    http://derstandard.at/?url=/?id=2067917

  36. 36

    delete? guckst du hier:
    http://www.steinbrener-dempf.com/
    (vorsicht flash alarm)

  37. 37

    @HCL & moses
    Das ist ein richtig gutes Projekt!! Danke für den Tipp!

  38. 38

    in einer welt in der namen als urls frei sein müssen und normale worte und soger einzelne buchstaben markenrechtlich geschützt sind. was soll man da erwarten? schick beobachtet. i live by the deutschland

  39. 39

    WTF is a Kokos Cluster? Ich kenn nur Supercluster…

  40. 40

    hi diese nachricht ist für johnny haeusler und wenn die jetzt hier nicht richtig ankommt leite man/frau sie bitte weiter sofern man weiß wohingenau, es ist immer wieder nett deinen namen irgendwo im web zu finden und meist auch noch mit guten worten verbunden….aber warum keine musik mehr…ich meine selbst machen… nicht elektronisch sondern mit gitarren (die sind so billig auf ebay zur Zeit)..ich probier das doch auch grad wieder und einer der besseren berliner songwriter (das warst du glaub mir..) sollte das auch können……..the future is unwritten….this is the only truth so far and will ever be……gruß Lutz
    p.s. was ist/wird sein die richtige sprache… sind wir nicht längst bei neusprech (s. 1984) angekommen…..sorry für diesen hinweis…….

  41. 41

    hi once again lutz (lou..got it !!!!!!) – if we annouce a concert and a lot of people cue in the morning to get their tickets and there`s no further tickets available this constitutes the sell out (free quotation from the opening scene of „the essential clash (voice by m. jones)“….so what is words compared to sound……who cares for the deaf….if music could talk………give me a radio clash now……..get a guitar and I count to four…this is a language that may be understood in a future unwritten…who cares for advertising if it is not for the best thing that ever happened….this does not mean tv soaps….this does not mean drugs…this means music and it can talk…..for shure………

  42. 42

    eine gefühlte sekunde

  43. 43

    Die Frage ist klasse!

  44. 44

    Wenn aus Buchstaben Worte werden.
    Das ist bei uns der nächste Schritt – auf den ich mich dank dieses Eintrags jetzt noch etwas mehr freue. Und vielleicht bin ich jetzt auch etwas besser darauf vorbereitet. Es ist doch immer wieder ebenso lesens- wie hörenswert bei Herrn Haeusler. Von der Überschrift bis hin zum Großteil der Kommentare. Kompliment und Gruß aus Frankfurt.
    Peter

  45. 45
    leralle

    Offensichtlich finde nur ich es amüsant, dass jemand der seinen „weiter lesen“-Link mit „Read on, my dear“ bezeichnet, sich über die Verwendung des Wortes „Drink“ im öffentlichen Raum echauffiert…

  46. 46

    wo issn mein jingle bells audiokommentar geblieben… SCHNUFF… habe ich vor 3 oder 4 Tagen eingesungen… find ich nicht wieder!!!!

    SEHR GROSSER SPASSSSS DAS HIER :-))))))))))))))))))

  47. 47

    leralle, du hast nicht verstanden, worum es geht. Lies es nochmal, speziell den Teil, indem es um die englische Sprache geht. Und „echauffieren“ sollte man vielleicht auch vor Verwendung nochmal nachschlagen.

  48. 48

    Gestern beim Plus an der Kasse vor mir, zwei aufgeregt Hausfrauen in der Unterhaltung: „Jaja, immer dieses Gerede über Handys und so.“ Ha, dachte ich. Die sind schlau und regen sich über Pseudoanglizismen auf. Aber stimmte nicht, denn sie waren noch schlauer: „Aber nur weils im englischem Mobile Phone heißt, müssen wirs noch lange nicht Mobiltelefon nennen.“

    Guten Abend.

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