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Hier ist das nächste deutsche Fernsehen mit der Internetschau

Neulich fragte mich jemand, welches meine liebsten Podcasts wären und ich kam in arge Bedrängnis. Denn ich höre keine Podcasts, zumindest nicht regelmäßig. Vielleicht ändert sich das, wenn ich mir wieder einen iPod zulegen sollte (und das tue ich erst, wenn ich damit vernünftig aufnehmen kann), doch zur Zeit beschränkt sich mein Podcast-Konsum auf „Stichproben“. Ich möchte hören, was ich verpasse, bin neugierig auf das, was andere machen, aber bisher hat mich niemand so sehr angefixt, dass ich täglich dabei bleiben müsste. Der Grund dafür liegt nicht unbedingt in fehlender Qualität, diese zu beurteilen mag ich mir gar nicht anmaßen, sondern darin, dass Podcasts und Videocasts mit dem gleichen Manko behaftet sind wie das Fernsehen: Ich weiß erst nach dem Konsum, ob es gut war oder ob ich gerade kostbare Zeit verschwendet habe. Blogs, also Texte, kann ich „scannen“, kann mich von ihrem Design an- oder fehlleiten lassen, bevor ich mich ihnen ausführlicher widme und den Feed abonniere. Auch das Überfliegen und Lesen dieser Feeds kostet mich dann weit weniger Zeit als das Hören von womöglich mehreren täglichen Podcasts. Faulheit also, vielleicht auch noch nicht das „richtige“ „neue“ Medienverhalten ob meiner dafür viel zu kurzen Arbeitswege – als Konsument bin ich jedenfalls noch nicht wirklich bei Podcasts angekommen.

All dies gilt ebenso für Videocasts, auch Vlogs genannt. Die Fazination ist ob der Bilder etwas größer, doch nach Verebben des Novitäts- oder Obskuritätsfaktors bleibt bei mir wenig hängen. Rocketboom wird immer besser, aber die meisten Themen kenne ich bereits aus Blogs und TikiBar ist toll und witzig gemacht, aber thematisch sind Cocktails, selbst wenn sie nur als Aufhänger für die Show herhalten, nicht meine Präferenz. Einzig Soccergirl, Incorporated übt eine immer neue Faszination aus, und das liegt nicht daran, dass die Dame sich in den Videoausgaben teilweise nackt zeigt, denn mein Geschmack isse nich. Es ist vielmehr die etwas gestört anmutende, wirre und dann doch auf eine eigene Art geniale Kiffer-Stimmung, die merkwürdigen und nicht mal schlechten Gesangseinlagen, das ungehemmte Selbstmarketing, das immer innerhalb einer Subkultur bleibt und nie daran denkt, sich beim Mainstream anzubiedern und der „White Trash“-Faktor, die mich fesseln.

Bei all diesen Überlegungen darf man einbeziehen, dass ich zu den Menschen gehöre, die sich eine zeitlich intensive Auseinandersetzung mit Podcasts und Vlogs leisten können. Geht man davon aus, dass ein Großteil der Internetgemeinde nur beschränkt Zeit für Online-Entertainment hat, nämlich möglicherweise genau die durchschnittliche halbe Stunde des täglichen Arbeitsweges, muss man sich bei aller Euphorie bezüglich der angeblichen Medienrevolution fragen dürfen:

Wenn nun tatsächlich hundertausende von Menschen anfangen, Radio und Fernsehen zu machen, wer wird sich das alles ansehen? Die Antwort lautet: Niemand.

Der „Jeder kann senden und alle schauen zu!“-Hype ist so alt wie die TCP/IP-Protokolle und selbst wenn sich die technischen Umstände verbessert haben sind unsere Tage nicht länger geworden. Auf den iPods dieser Welt werden daher, so befürchte ich, genau die landen, die schon in unseren Fernsehern und Radioempfängern sitzen. Die Bekannten. Die „Vertrauenswürdigen“. Die Großen, die Mächtigen, die Reichen, vor allem aber die, die nicht überraschen. Weder Podcasts noch Vlogs werden die Medienwelt oder ihre Inhalte verändern, wenn auch die derzeit vorhandenen unabhängigen, privat produzierten Shows aus der iTMS-Topliste rausfliegen, die jetzt schon von den üblichen Verdächtigen angeführt wird. ARD, NDR, GQ, SWR, RTL, Kalkofe. Und wenn die Privaten erst richtig begonnen haben ihre Archive in kleine Häppchen zu zerlegen, um sie zum siebzehnten Mal in willige und gierige Passivglotzer-Schlünde zu stopfen, wird kein Platz mehr für Alternativen bleiben. Internet killed the Videostar? Mitnichten. Stattdessen wird die Massenverdummungsdroge Nummer Eins, das Fernsehen, endlich mobil. Der feuchte Traum der Medienhäuser wird mit iPod und Handy endlich wahr, und gebaut, getestet und finanziert hat das alles der Konsument selbst. Perfekt.

Was glauben „wir“ denn, wer wir sind? Technik hat noch nie Inhalte gemacht, es waren immer Menschen. Und von denen gibt es einige, die sich sehr gut auskennen mit dem Senden von Tönen und bewegten Bildern. Es sind Profis, die nicht nur über endlose Inhalts-Archive verfügen sondern sich auch noch wunderbar mit Worten wie „Zielgruppe“, „Marketing“ und „Drittverwertung“ auskennen. Und diese Profis werden uns Amateuren zeigen, wo der Hammer hängt.

In den letzten Tagen kamen viele begeisterte Mails, ich möge doch bitte mal unbedingt Ehrensenf verlinken, ein wohl großartiges deutsches Vlog. Die Show ist gut gemacht, keine Frage. Sollte sie auch sein, denn die Macher sind als ehemalige Formatentwickler für Endemol, RTL und SAT1 Vollprofis, wissen also, was sie tun. Aber großartig?

Ehrensenf ist wie Rocketboom ohne Biss mit einer Prise GIGA: Eine gute Moderatorin stellt Websites vor und moderiert diese mit mehr oder weniger witzigen Texten an und ab. Bitte nicht falsch verstehen, das soll keinesfalls Bashing sein, sondern eine inhaltliche und kulturelle Auseinandersetzung. Ich finde das völlig cool, was das Ehrensenf-Team dort auf die Beine stellt und freue mich über einen Videocast, der anständigen Ton und gutes Bild liefert. Aber ich persönlich brauche das nicht. Es ist mir zahm, zu bieder, zu belanglos, zu harmlos. Zu unecht. Das darf es natürlich sein, ist ja nur mein Geschmack. Und das soll es vermutlich auch sein, denn Ehrensenf hat verstanden, dass es um Zuschauer in großen Mengen geht, im Internet wie im echten Leben. Und diese Zuschauer sind genau die, die auch vor dem Fernseher hängen, provokantes oder alternatives oder zu „geekiges“ Material hat dort also nichts zu suchen. Stattdessen gibt es leidlich obskure Websites und witzige Flash-Games zu sehen. Ehrensenf ist Internet zum Zugucken. Das haben auch die Netzpiloten und andere New-Economy-Wahnsinnige vor vielen Jahren schon erfolglos versucht, nur: diesmal wird es funktionieren. Der iPod will Futter.

Einen RSS-Feed gibt es übrigens nicht, denn Ehrensenf braucht die Zuschauer auf der Site, wo die Werbung stattfindet. Was ebenfalls okay ist, denn der Mainstream, an den sich Ehrensenf zweifelsohne richtet, will gar nicht wissen, was RSS ist. Dass ich persönlich die Entscheidung ob des iTMS dennoch für falsch halte, ist egal, dann dauert’s halt ein bisschen länger mit dem Erfolg.

Ehrensenf wird sicher noch besser und populärer werden und vor allem nicht allein bleiben, es ist nur eines der ersten „Profi“-Vlogs, die deutschsprachiges Licht erblicken. Die Frage, die sich mir jedoch stellt, ist: Was soll ich damit? Es hat Gründe, warum ich so gut wie nie fernsehe und ich habe trotz der wie üblich absichtlich etwas polemisierenden Worte bisher große Hoffnung, dass Podcasts und Vlogs doch auch mit inhaltlichen Alternativen erfolgreich sein können.

Zur Zeit sind wir noch an einem Punkt, an dem es für große Begeisterung reicht, wenn jemand stotterfrei zusammenhängende Sätze sprechen und man ihn oder sie dabei gut verstehen und sehen kann. Auf Dauer wünsche ich mir jedoch Vlogs, die spannende Geschichten abseits des Üblichen zeigen, eben die Geschichten, für die in den Mainstream-Medien kein Platz ist. Geschichten, die mich zum Lachen, Weinen und Nachdenken bringen, die mich provozieren, inspirieren und animieren. Und nicht ein weiteres Mal zum passiven Zuschauer machen, der sich berieseln lässt.

Anmerkung: Ich weiß, dass ich selbst ebenfalls als Medien-„Profi“ gelte und es geht nicht um Profis oder Amateure, denn das stellt keine inhaltliche Wertung dar. Es geht um die Frage, ob ich ein neues Medium nur zum Kopieren der alten nutze oder nicht und natürlich darum, was jeder selbst vom Internet als Medium erwartet.

43 Kommentare

  1. 01

    versteh mich bitte nicht falsch, aber wenn du schon im artikel, von anfang an ständig „žversteht mich nicht falsch“ (na gut nur einmal) sagst und in deinen texten extrem darauf bedacht bist niemandem auf die füsse zu treten, dann wirkt ein spruch wie „ž[Ehrensenf] ist mir zahm, zu bieder, zu belanglos, zu harmlos. Zu unecht.“ doch irgendwie „” äh „” paradox oder gar absurd. zumindest inkosequent oder gar inkonsistent.

    johnny, irre ich, oder hattest du mal mehr biss? das da oben leist sich wie ein beitrag für den wettbewerb „ždifferenziertester blogeintrag 2006“.

  2. 02

    Und hab‘ ich gewonnen? ;)

  3. 03

    Exakt das beobachte ich auch, recht gut getroffen. Man muß sich nur mal die iTunes-Charts angucken. Selbst Rocketboom ist inzwischen auf den hinteren Plätzen. Und tolle, gutproduzierte Shows wie The Word Nerds oder Wanhoff erst recht. Ganz zu schweigen von deutschen Podcasts (wieso bietet iTunes eigentlich nicht eine Eingrenzung auf .de an?).

    Traurig, traurig. NDR ist ja noch ganz lustig, aber der Rest ist – wie schon von Johnny beschrieben – meist genau der Grund, warum ich auch keinen Fernseher habe.

    Die Revolution fällt also aus. Gehen Sie bitte weiter, hier gibt es nichts zu sehen/zu hören. Alles wie vorher.

  4. 04

    Ich frage mich auch, wie das mit den Charts geht. Ami-Vlogs sind drin, Ami-Podcasts aber nicht. Auch hier würde ich mir mehr Transparenz von Apple wünschen. :)

  5. 05
    mindphlux

    Ehrensenf hat durchaus RSS… laut Quelltext seit dem 10.01.06 :)

  6. 06

    Ein wichtiges Argument ist sicherlich Zeit und Geld. Wenn ich mal beispielsweise unser Top 5 angucke, haben wir noch halbwegs Glück: (fast) jeden Tag nen Eintrag, weil wir genug Leute haben und sich texte noch relativ schnell schreiben lassen.

    Wenn es dann aber an Podcasts geht, braucht man erstmal besseres Equipment (wenns sich nicht total scheiße anhören soll), und dann mal das geschätzte dreifache an Zeit, um das gleiche zu sagen.

    Und bei Video potenzieren sich die Probleme nochmal — teures Equipment, enorme Bearbeitungszeiten. Das kann man sich selbst als Student kaum leisten. ;-)

    Dazu kommt noch die ganze Gema-Geschichte: Wir haben hier schon ein paar Videos, die man durchaus auch in irgendner Form als Videocast anbieten kann. Nur sind die mit Musik unterlegt, weil viel dran herumgeschnitten wurde etc. Und wegen nen paar Klicks verkneif ich mir das dann schon und verteil die DVD im Freundeskreis.

    Das alles zeigt sich auch durchaus in den drei Gruppen: In Blogs sind insgesamt schon die „führend“, die aus der Nichtmediengruppe* kommen. Bei den Podcasts gehts wohl noch, aber im Videobereich sieht es eben düster aus. Und das den „Kreativen“ von dort nichts einfällt, ist bekannt und führt hier und dort zu fernsehfreien Zonen.

    *: Bildblog klammer ich mal aus und leute wie Mario oder Dich zähle ich nicht dazu, weil ihr nicht für nen Medienhaus blogt. Zumindest halb. ;-)

  7. 07

    Es gibt zwei Gründe warum ich keine Podcasts höre: 1. ich habe nicht die Zeit und 2. sind sind nicht leicht zugänglich (im Sinne von überfliegen).

    Blogs und insbesondere RSS sind fantastisch, um in kurzer Zeit einen umfassenden Überblick über ein Themengebiet zu bekommen. Man muss die Webseiten nicht direkt besuchen; man kann den Content durch überfliegen leicht in „für mich wichtig“ und „für mich unwichtig“ unterteilen.

    Das kann ich mit Podcasts nicht. Daher nutze ich sie auch nicht. Auch Johnnys nicht, obwohl ich ein Fan aus alten Soundgardenzeiten bin.

  8. 08

    Ich hab das an anderen Stellen schon mal gesagt: Content rules, oder Inhalt zählt. Gute kreative Inhalte werden ihre Hörer und Seher finden. Wer ganz groß raus will, muss sicherlich professioneller werden. Aber es wird genügend Konsumenten auch im kleinen Rahmen geben. Wer heute 200 Abrufer hat, erreicht mehr Leute als bisher in seinem Leben. Das ist doch tolle Kommunikation.

    Ich hoffe mal, dass wir noch Zeit und Raum haben, vor allem den kreativen Part weiter auszuspielen. Mir kommen oft „Es knistert“-Beschwerden zu schnell – wichtig ist, dass da was entwickelt wird, das Medienkompetenz über eigene Erfahrungen geschaffen wird.

    Der Satz „Wenn nun tatsächlich hundertausende von Menschen anfangen, Radio und Fernsehen zu machen, wer wird sich das alles ansehen? Die Antwort lautet: Niemand“ aus einer Bloggertastatur ist lustig: als ob es da den Blogs anders ginge. Ich arbeite bei einer kleinen Tageszeitung mit 100.000 verkaufter (!) Auflage täglich im regionalen Raum – man zeige mir einen Blogger der das schafft in Deutschland. Und dennoch sind die privaten und unabhängigen Blogs/Podcasts/vlogs wichtig: Sie sind Kommunikation, Spielplatz und auch diejenigen, die das Medium weiterbringen. Denn ohne ein Jahr Podcasting-Entwicklung der privaten würde kein Radiosender heute was machen.

  9. 09
    joe

    Johnnys Artikel enthält einen richtigen Punkt, der in seiner letzten Konsequenz aber auf die immer richtige und immer schmerzhafte Weisheit herausläuft: die Masse bestimmt die Nachfrage, die Nachfrage das Angebot. Die Masse ist dumm und will nicht gefordert, sondern gesättigt werden. Daher ist das Angebot von Ehrensenf massenkompatibel.

    Daß sich bei Weblogs bislang kreative, streitbare, intelligente Angebote oben halten, liegt daran, daß die Masse noch lange nicht im Internet angekommen ist. Der einzige Vorteil gegenüber konventionellen Medien besteht im Internet darin, daß intelligente Angebote und Massenberieselung nebeneineinander stattfinden können. Im Fernsehen hingegen verdrängt das Doofe das Schlaue — da ist kein Platz für alle. Wenn die Masse im Netz ankommt, werden Angebote wie Ehrensenf überborden. (Auch ich fand Deinen Artikel zu zahm… Etwas mehr Punk, Johnny, Du hast doch recht!)

  10. 10

    johnny, ob du gewonnen hast oder nicht erfahren wir am 31.12.2006. hihi. im übrigen hast du natürlich recht.

  11. 11
    asoli

    Dass die „Großen“ in bälde mit voller Wucht in die Blogosphäre einschlagen werden, verwundert nicht weiter – denn der Kuchen entwickelt sich langsam zur Torte – und jeder will natürlich ein g-r-o-ß-e-s Stück.
    So richtig schlimm find ichs aber nicht, denn Profis generieren in der Regel dann doch die interessanteren Inhalte – zumindest auf Dauer! Da gibts nix dran zu rütteln.
    Außerdem – und das ist das spannende am Internet – wird die Nische nicht vom Hauptstrom geschluckt.
    Wenn jemand Spaß dran hat, einzigst für seinen Wellensittich zu bloggen dann ist das doch in Ordnung. Bei Inhalten kommts doch nicht nur darauf an wie oft dieser gelesen wird – also locker bleiben.
    Das Internet hat uns doch schon vor den Bloggo-Zeiten reichlich Unterhaltung geboten und wirds auch in Zukunft tun.

  12. 12

    ix, du hast ja auch recht.

    Arschloch.

    Hah. Die alte Form kommt zurück.

  13. 13

    Hmmm…

    Ich hab länger überlegt, ob ich meinen (Ehren?)Senf dazu geben soll.
    Ich muss gestehen, dass ich PodCasts ganz lustig finde, aber selbst keine (mehr) höre. Wie einige schon geschrieben haben, finden sie einfach keine Zeit. Zu dieser Gruppe muss ich mich wohl auch zählen, bzw. ich will mir nicht die Zeit nehmen.
    Jetzt kommt natürlich der Einwand, dass ja auch ich angefangen habe zu podcasten. Stimmt. Aber ich finde einfach nur keine Zeit mehr meiner schriftstellerischen Ader zu frönen und will zumindest auf diesem Wege eine (vielleicht auch mehrere) Geschichten erzählen, die mir im Kopf schwirren. Ob sich eine Hörerschaft dafür findet? Keine Ahnung. Aber zumindest habe ich es irgendwie dokumentiert und muss mir nicht die Frage stellen, ob meine Ideen nicht doch gut angekommen wären.

    Back to topic:
    Natürlich werden die für die Massen produzierten PodCasts und Vlogs in Zukunft einen höheren Stellenwert haben, denn sie berieseln diejenigen, die nur passiv etwas aufnehmen wollen. Es ist schließlich auch zu anstrengend sich mit komplexeren Themen auseinanderzusetzen. Aber im Gegensatz zur Musik- oder auch Filmindustrie bietet das Internet den Independants eine bessere, weil wesentlich kostengünstigere Plattform, die weltweit erreichbar ist. Und das ohne auf gewisse Vertriebswege angewiesen zu sein.
    Ich will mich nicht prophetisch betätigen, aber ich denke, dass die unabhängigen PodCasts und Vlogs weiterhin ihre Hörer- und Zuschauerschaft erreichen werden. Nur wohl nicht in dem Maße, wie sich die Macher das vielleicht wünschen.

  14. 14

    Johnny, ich kann deinen Pessimismus nicht teilen. Klar, wenn man in die iTunes-Charts guckt, entdeckt man viel Massenware – aber teilweise eben auch gute Massenware. Und dagegen ist ja auch gar nichts einzuwenden. Aber wenn du die Charts allein als Messlatte fuer die Zukunft des Mediums nimmst, dann fehlt da doch ein ganz langer Rattenschwanz. Womit wir bei Thema Long Tail waeren …

    Dass Leute keine Zeit haben, Indie-Vlog-Beitraege anzugucken, mag ich auch nicht glauben. Ich Copy & Paste zitier dazu mal aus der aktuellen ARD/ZDF-Studie Massenkommunikation: „Im Schnitt hört jeder Erwachsene ab 14 Jahren täglich 3 Stunden und 41 Minuten Radio und sieht 3 Stunden und 40 Minuten fern.“ Um sich einen Happen davon abzuschneiden, muessen Vlogger dann alerdings auf den Fernsehschirm, und nicht auf den iPod. Und ja, in den USA gibt’s das schon. Wenn ich es endlich mal schaffen wuerde, einen kompatiblen Wlan-Adapter fuer unseren Tivo zu kaufen, koennte ich damit schon heute Rocketboom empfangen.

  15. 15

    Der in den Kommentaren genannte Punk fehlt in der deutschen Podcast Szene ohnehin. Das früher mal als Indie Radio betitelte Podcasting ist schon in den frühen Anfängen zu einem großen Teil im Geiste „Hobbykommerzialisiert“ und „verbeamtet“. Und das haben die Podcaster völlig alleine und freiwillig genau so eingerichtet. Die „großen“ der Szene schreien laut sie wären DIE Alternative zum Radio, und sind in Wahrheit noch viel langweiliger als dieses. So zumindest sehe ich das in einem früheren Artikel über die Podcasting Szene: Die Podcast Kleingärtner

  16. 16

    Ich denke es ist ganz einfach:
    Wer gucken will, der guckt.
    Wer hören will, der hört.
    Wer lesen will, der liest.

    Ich bevorzuge letzteres. Meine Gedanken, Vorstellungskraft und Phantasie kann ich beim Lesen am besten entfalten.

  17. 17

    Ich bin ja sehr froh über einen „Think positive“-Tenor. Aber Janko: 3 Stunden Radio und 3 Stunden TV? Und wieviel bekommen die Leute davon mit, wenn sie noch nebenbei arbeiten? Solche Zahlen und Statistiken generell halte ich für Quatsch. Lasse mich aber trotzdem von deinem Optimismus gerne anstecken. :)

  18. 18

    Oha.
    Man hat dir gerade mangelnden Biss unterstellt, eine Sache, die bei mir nur durch einen Zustand zu erklären wäre: teilweise Resignation.

    Johnny, ich bin mir nicht sicher, ob ich dir uneingeschränkt beipflichten kann, was die ‚Zukunft‘ von Blogs, Podcasts und Vlogs im Speziellen angeht (vor allem, weil ich dir damit deine Rosette polieren würde, was wir beide eher für unnötig halten würden), jedoch muss ich einigen Menschen die Luft aus den Segeln nehmen, die immer annehmen, daß die „Masse“, die „anderen Menschen“ oder „die Leute halt“ von Haus aus dumm sind und sich mit allem füttern lassen, was ihnen vorgesetzt wird; es könnte nämlich durchaus sein, daß das Angebot die Nachfrage reguliert, daß „indie“- Vlogs einfach durch die schiere Menge an.. scheiße.. Wort entfallen.
    Ach ja: durch die schiere Menge an großen Medienhäusern, die ihre Marketingabteilung und etliche Design- und Layoutprofis, wie auch geistlose Rezensenten und ‚Anchormen‘ in die Schlacht werfen können, schlicht verdrängt werden (wie ein Riesenkuhfladen, der in eine Wanne mit einzelnen Goldflocken fällt).

    Wie Johnny schon erwähnte, Menschen richten sich nach Bekanntem, Gewohntem und Gewöhntem.
    Und da wir schon durch etliche Werbekampagnen von X für Y sensibilisiert.. nein, weichgeklopft worden sind, assoziieren wir Qualität mit Bekanntheitsgrad.
    Und auch andersherum.

    Fazit: je größer die Zielgruppe, desto liebloser und desto mehr 0815 wird jeglicher Inhalt.

  19. 19
    bussibaer

    der genuss von podcast ist für mich keiner.
    runterladen dauert, ist kein spontanes vergnügen.
    streamen ist ner…..vig weil….ni…cht immer so …f..l.üssig.
    des öfteren schiesst mir beim hören von podcast folgendes durch die birne:
    der krampfhafte versuch seine 15 minuten fame zu haben.
    trotzdem halte ich podcasts oder vlog für eine gute entwicklung.
    das internet bzw. der datentransfer muss eben schneller werden.
    dann kann ich schneller den „mist“ wegklicken.
    beim radio oder dem tv wechsle ich den sender wenn es mir nicht gefällt.
    das sollte im internet auch möglich sein.

  20. 20

    „die leute“ werden auch in 100 jahren noch rtl gucken, und genauso gabs auch vor 100 jahren schon leute, die nicht nur an den massenmedien geklebt haben, sondern stattdessen.. wasweisich, fanzines gelesen und gemacht haben und sowas.

    dass es jetzt zum massenphänomen wird, selbstproduzierte wohnzimmermedien zu konsumieren, hat doch auch niemand erwartet, oder? wär das überhaupt wünschenswert?

  21. 21
    Jürgen

    Zum Thema Aufnehmen mit dem iPod: http://engadget.com/2006/01/13/micromemo-adds-16-bit-recording-to-ipod/

    Ich finde VBlogs/Podcasts blöd, weil ich mich da der Geschwindigkeit des Vortragenden anpassen muss. Soviel Zeit will ich dafür aber nicht aufbringen.

  22. 22

    @Jürgen (Jürgen): Das geht in die richtige Richtung. Aber das Teil kann immerhin 44,1 kHz 16-bit Stereo, also CD-Qualität. Da hätte ich gern einen anständigen Line-In-Adapter. Schade, daß ein Feature so brach liegt.

  23. 23

    Juchuuu,

    ich kucke jetzt immer Ehrensenf! Is nich so dockmatisch =;o) muss mein Gehirn endlich wieder erweichen, höhöhö …

    HD

  24. 24
    Alex Topaz

    Hi Johnny,

    ich glaube die Entwicklung im Bereich Massenmedien wie Vlogs Blogs und Podcasts hängt von zwei wichtigen Faktoren ab.

    1.Technologie

    Bedienung und Bandbreite:
    Heute besteht noch nicht die möglichkeit sich vlogs und podcasts in real time anzu sehen bzw hören. Die ausschnitte reichen meistens nicht. Ein gutes analoges scrollen wird auch dann erst möglich wenn die geräte mit touchscreen oder einer neuen technologie versehen werden. Real time wifi bzw UMTS geräte im auto im büro und auf der strasse werden da einen unteschied machen.

    Filter:
    Die wichtigste entwicklung die hier noch gänzlich fehlt wäre ein lernfähiger filter der unseren Geschmack nach und nach erörtert. So etwas wie pandora für podcasts. Wäre das podcast hören so aufwandfrei wie radio hören würden wir wahrscheinlich alle den switch schon seit langem öfter gemacht haben.

    2. Talent und fachkenntnisse

    Celluoid gab est schon jahre befor die ersten guten filme entstanden sind und es bedarf einer starken industrie und vermarktungsmechanismen befor wahrhaftes talent an neue technologien herangezogen und entwickelt werden kann.

    diese Entwicklungen werden wahrscheinlich erst durch die industrie realisiert werden können. Erst dann können wir den blair witch (auch ein von technologie ermöglichter durchbruch anhand von billigen produktionsmöglichkeiten im video workflow) podcast erwarten der vom nichts entsteht. Zuerst müssen bestimmte standards noch entwickelt und erreicht werden.

    Vor 14 jahren hatten wir ein ähnliches Gespräch live auf deinem sender, das war zu einer zeit in der das Netz noch überwiegend nur für email genutzt worden ist. Auch damals bestand die befürchtung dass Dummheit und Kommerz das netz überwältigen würde. Trotz der tatsache das dummheit, kommerz und, was ich noch besser finde, der Rüstungswahn natürlich die stärksten faktoren in der Entwicklung des Internets waren kann mann heute sagen das es doch einen massgeblichen vortschritt an der intellektuellen erweiterung von milliarden von menschen herbeiführt und in der Zukunft noch viel mehr helfen wird. Viel mehr als TV das telefon oder BTX.

    Geniales Talent ist aber immer eine seltene sache, wird aber öfter gefunden wenn gleichstellende technologien wie das internet ihr die möglichkeit geben sich zu entfalten. Es wandert dann letztendlich aber dann immer wieder in die hände der machthaber wie bereits seit der zeit michelangelos.

    Der wunsch nach dem qualitätsprung den Du erwartest ist vorzeitig. Bevor es exellente vlogs oder vcasts geben wird muss erst die dummheit der masse gefüttert werden und die mägen der industrie erst dann werden „profis“ sich wieder von der masse trennen um ihr verborgenes und ausgereiftes genie an die hungrigen hirne die auch untzer deiner Leserschaft zu finden sind frei zu lassen.

    Was Du erwartest ist kunst. vergesse nicht das es erst 200000 jahre höhlenmalerei gab.

    lg aus Hamburg

    Alex

  25. 25

    Mag sein, dass ich etwas mehr Kunst oder Innovation erwarte und sicher ist, dass es albern ist, diese von den „Großen“ zu erwarten. Die auf der anderen Seite sicher wichtig für das Vorantreiben des Vertriebswegs sind, erst Apple hat Podcasts schließlich bekannter gemacht.

    Und Zeit braucht alles, auch richtig. Was mich aber überrascht: ich hatte erwartet, dass ein Sturm der Entrüstung kommt und viele Beispiele für tolle Podcasts und Vlogs. Tim widerspricht vehement und per Mail kam dieser nette Tipp (schicke Idee, das), aber das war’s bisher. Es scheint also noch nicht viel Bemerkenswertes zu geben?

  26. 26

    Wenn ich mal ein wenig anti sein darf: Ich hätte einen öffentlich-rechtlichen Podcast zu empfehlen. Thadeusz stellt alle seine Sendungen (naja, vielleicht macht er das nicht selbst) als Podcast ins Netz.

    Die Sendung ist m.E. einer der (wenigen) Gründe, warum man ein Fernsehgerät haben sollte. Aber wenn man keines hat, sollte man sich wenigstens die Podcasts gönnen. Sarah Kuttner beispielsweise, grandiose Sendung.

    Insofern: Vielleicht nicht nur schlimm, dass die ‚Großen‘ das Podcasting für sich entdecken.

    Randbemerkung: In New York hat die NYPD den Podcast zum Verbreiten von Informationen und Sicherheitshinweisen entdeckt. Auch nicht so dumm.

  27. 27

    Technischer Nachtrag: Das ’small‘-Tag funktioniert in der Vorschau aber nicht im erstellten Kommentar. Beschiss. ;)

  28. 28

    thadeusz? war das nicht der vogel, der den element-of-crime-nöler zum `besten dichter deutschlands´verklappt und geklärt hat? nein? oh. sorry. zurück in die kulisse.

  29. 29

    Moin,

    Schade. Hätte gern auch was über den ersten vodcs (videopodcast) in deutschland überhaupt gelesen. Über iSightseeing.

    Grüsse,
    Simon

  30. 30
    Philipp

    Hi Johnny,

    schönen Dank für den interessanten Artikel. Und du hast in der Tat recht mit deiner Meinung. Ich habe in den letzten Tage einige Vlogs angecheckt aber leider nur selten was interessantes gefunden. Rocketboom ist für mich immer noch das beste (obwohl auch nicht konstant gute Qualität). Steve Garfield ist auch noch ok (interesant ist seine Vlog Soup – ein Rundblick über die Vlog-Szene), aber hat auch viel Unnützes gepostet. Und genau hier sehe ich das Problem: das Medium ist noch so neu, dass die Leute – mit Verlaub – „jeden Scheiß“ posten…. wirklich Informatives findet man nur selten…

    Und wo wir schon dabei sind… vielleicht solltest du dir auch mal selbst an die eigene Nase fassen. Denn deinen Podcast finde ich z.B. so unendlich langweilig…dass ich nach ca. 15 angehörten Folgen den RSS-Feed bei iTunes nie wieder aktualisiert habe… das war mir alles zu improvisiert, zu inhaltslos, zu hingerotzt als dass ich dafür die paar Minuten am Tag wirklich opfern wollte..

    trotzdem die besten Grüße
    Philipp

    PS. current.tv hat manch schönen Beitrag – aber wiederrum viel, viel Mist.

  31. 31

    Manche finden die Podcasts auf Spreeblick gut, andere sagen was anderes. Willkommen in dem Sud der Meinungen.

    Zur Ehrenrettung etwaiger (für dich inhaltloser) Podcasts: manche mögen die Stücke von Brahms, andere mögen Punk, die meisten mögen die Charts.
    Alle Podcasts werden gehört, von irgendwem.

    Es ist so wie im Fetischbereich: den einen macht es glücklich, wenn eine Frau auf eine Glasscheibe kackt, die er sich, liegend, übers Gesicht hält (sog. Platejob), massenkompatibel wird das wohl fürs Erste nicht.

    Wobei ich es für sehr wahrscheinlich halte, daß du annimst, daß die Podcasts von.. [irgendein bekanntes Verlagshaus] ungleich informativer für dich sind, als das, was Privatmenschen so produzieren; ist durchaus legitim, an vielen Stellen auch richtig, jedoch wollen einige Podcasts einfach nicht den Anspruch der Seriosität und der „Stock im Arsch, hier sind die Nachrichten, die man auch woanders hören/sehen könnte“- Berichterstattung für sich erheben.
    Sie (Podcasts) sind im Grunde der CB-Funk des Internets.

  32. 32

    „Sie (Podcasts) sind im Grunde der CB-Funk des Internets.“ – Das ist es aber, was mich sorgt. Soweit ich das vor vielen Jahren mal beurteilen konnte, gab es kaum etwas spießigeres und verbeamteteres (!) als CB-Funk.

  33. 33

    Ich verstehe es einfach nicht: Da gibt es etwas Neues, das man ausprobieren, verbessern, weiterentwickeln kann, und statt genau dies zu tun, wird rumgemäkelt. Schaut euch Wiggli-TV an oder Daily-Planet-TV, hört die Couchpotatoes oder das Literaturcafe, lest den Spreeblick oder Boingboing – es gibt genug gute Beispiele.

    Meine Güte, gut dass das Rad schon erfunden wurde – bildlich gesprochen hätten wir bei den ersten eiernden Prototypen wohl schon gesagt, das wird nichts.

    Johnny: Das CB-Beispiel sollte wohl im technischen Sinn verstanden werden – gleichwohl hat CB weltweit durchaus auch einen politischen Charakter.

    Philipp: Eine nennenswerte Zahl von Vcasts gibt es seit knapp drei Monaten – und schon gibst Du auf?

  34. 34
    Philipp

    Ach herjee. Ich will doch gar nichs schlecht machen. Ganz im Gegenteil. Eigentlich verstehe ich meinen Beitrag nur als Unterstützung der These von Johnny – es gibt einen riesen-Hype, hinter dem aber (bis jetzt) wenig steckt.

    Grundsätzlich denke ich, dass beim bloggen allgemein nur was Anständiges rauskommen kann, wenn man das (halbwegs-)professionell betreibt. Es zeichnet sich ja schon ab, dass nur „große“ Blogs wie BoingBoing oder eben Spreeblick langfristig interessant bleiben. Das Meer von privaten Blogs wird in Zukunft auch nur den Zweck erfüllen seinen Freunden zu erzählen was man macht. Und das ist eine alles andere als schlechte Entwicklung. Nur ist dies wirklich der große „We the Media“-Hype oder doch nur der Ersatz einer Regional-Zeitung (im Sinne von: Ich lese was mein nähester Kreis macht und sie was ich mache)?

  35. 35

    Johnny, das ist wiedermal eine Einschätzung, die ich voll teilen kann.
    Sobald die Pionierarbeit geleistet ist und damit Geld verdient werden kann, werden Leute mit Geld das auch versuchen; mit entsprechenden Vorteilen auf ihrer Seite.
    Ob das, was dann dabei rauskommt, allein durch das Medium toll ist? Wohl kaum. Ich hab wohl was verpasst (oder auch nicht), da ich Ehrensenf überhaupt nicht kannte. Aber wohl auch gut so, das ist teilweise richtig anstrengend anzusehen und so professionell (und mainstreamtauglich), dass es schon regelrecht bider wirkt. Ehrensenf könnte genauso in die Freitag-Nacht-News eingebaut werden. Mich gruselt es.

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