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DBDDHKP

Ich wollte mich wirklich nicht mehr zum DBD-Blödsinn äußern, wirklich nicht. Ganz, ganz ehrlich nicht.

Denn nach den endlosen Diskussionen hier und anderswo hatte ich irgendwann, viel zu spät, beschlossen, dass meine Herangehensweise an die Kampagne eine völlig falsche gewesen war, dass ich mich komplett geirrt haben musste.

Hinter dem ganzen Krampf stand und steht wohl nicht wie von mir zunächst vermutet und mit Aufregung und Empörung gekontert eine Horde raffinierter und gewitzter, aber auch etwas kalter Kommunikationsprofis, die Hand in Hand mit Medien- und Wirtschaftsriesen einen „neoliberalen“ Schachzug enormer Tragweite geplant und umgesetzt hatten. Nein. Ganz anders: Hinter der DBD-Kampagne standen und stehen, ich bin mir dessen inzwischen recht sicher, Menschen, die das alles wirklich genau so meinen. Die tatsächlich glauben, mit der Kampagne etwas Großes und Gutes zun tun. Die die Welt, naja, wenigstens Deutschland, bewegen, mitreißen, motivieren, positiv verändern wollen. Mit einer Werbekampagne, die sie als Geschenk an das ganze Land verstehen. Die sich gut dabei fühlen, sich dafür gegenseitig auf die Schultern klopfen. Die entsetzt über die Kritik waren, sich in ihrer gesamten Güte missverstanden und zu Unrecht attackiert fühlten.

Und die im Großen und Ganzen eher schlichte Naturen mit einem für meinen Geschmack viel zu eindimensional gestaltetem Welt- und Gesellschaftsbild sein müssen.

Mit diesem für mich gezogenem Fazit zog ich einen geistigen Schlussstrich unter die Kiste, letztendlich drehten sich die Diskussionen im Kreis und sorgten nur für mehr DBD-Promo (denn any promotion is good promotion, you know?) und das wollte ich nicht.

Tja.

Und nun? Nun kommt Jens und veröffentlicht Auszüge einer Rundmail von Jean-Remy von Matt, die belegen: Ich habe wohl Recht mit meiner oben beschriebenen Vermutung. Und das darf man dann ja ruhig nochmal erwähnen. Und sich auch fragen, ob man nicht langsam einen Begriff für sowas hier finden sollte. Jambern? Wie in: „Und dann hat da einer in meinen Kommentaren rumgejambert“ oder „Unsere PR hat jetzt eine eigene Jamber-Abteilung“?

[via Don Alphonso]

Anmerkung: Ich bin kein Freund davon, E-Mails zu veröffentlichen, es gilt das Briefgeheimnis. Nach Recherche handelt es sich bei dem Text jedoch um Auszüge eines regelmäßigen Rundbriefes, der dazu nicht ausschließlich firmenintern war.

55 Kommentare

  1. 01

    ja… Zu der Überzeugung bin ich auch gekommen. Es wird eigentlich immer ernüchternder.

  2. 02

    Verdammt. Wieder keine Conspiracy.

  3. 03

    Jambern finde ich klasse! „žJung von Matt jambert in Jens‘ Blog“ = geiler Satz!

  4. 04
  5. 05

    Und es passt zu Jamba genauso wie zu Jung von Matt. Die können sich das prima teilen…

  6. 06

    Morast, danke für die Erinnerung! Da ich nämlich ganz lang versäumt habe, mal wieder die Spackonauten zu lesen.

  7. 07

    Ich habe schon lange die Befürchtung, dass diese ganzen „Bewegungen“, sei es in der Wirtschaft, sei es politische Tendenzen, bis hin zu Kriegen, egal, dass diese ganzen Dinge nichts mit „Planung“ oder auch nur einem Gedanken, der einer Reflexion oder einem Ziel, das über reine Triebbefriedigung (nach Anerkennung, Lob, gemocht werden, z.B., oder aus situativer Wut, Angst) hinausgeht zu tun haben sondern mit grenzenloser Naivität, Weltfremdheit und Dilletantismus in Denken und Handeln.

    Und das erschreckt mich. Ich will wieder an Verschwörungen glauben können. Ich will wieder glauben, dass hinter dem Zeug, was die Großkopferten tun, Überlegung und Nachdenken steckt. Glauben, dass die „böse“ sind. Und nicht nur einfach oberflächlich, ungebildet und dämlich.

    Aber ich habe die falsche Pille geschluckt.

  8. 08

    Auch wenn kein großer Plan dahinter steckt: immerhin zeigt sich sehr deutlich, dass es sich doch immerhin eine vollkommen unbedachte Doppelmoral abgehobener, weltfremder Zu-Gut-Verdiener handelt.

    So ganz falsch war der Ansatz also nicht, Johnny. Wir waren nur so gutgläubig, denen tatsächlich zu unterstellen, dass sie es besser wüssten…

  9. 09
    Richard

    Ja, so kann man das wohl sehen. Aber nicht nur Webinhalte verbreiten sich virusartig, auch so manches böse Gedankengut. Dabei muss man nicht mal selbst ein Neoliberaler sein, sondern einfach nur glauben, dass deren Rezepte der Wirtschaft wirklich helfen.

  10. 10

    Auch wenn die Rechtfertigung dafür, warum dieser „Brief“ denn nun plötzlich nicht mehr dem Briefgeheimnis untersteht, sehr merkwürdig ist, kann ich über von Matts Äußerungen nicht unbedingt lachen. Er ist halt beleidigt und hat an diese Kampagne wohl tatsächlich gelaubt. Das sollte man ihm nicht zum Vorwurf machen, egal wie bescheuert DBD auch war bzw. ist.

  11. 11

    och menno, und ich dachte, meine trackback-funktion funktioniert endlich mal. na dann hier ein manueller trackback:
    http://www.martinpyka.de/2006/01/19/du-bist-deutschland-bashing/

    „…Und? Geschockt? Die Wellen schlagen natürlich mal wieder hoch in der Blogosphäre, schliesslich wurde ja jeder einzelne persönlich beleidigt. Und die Kampagne ist ja sowieso Mist! Was ich mich in diesem Zusammenhang immer Frage, ist: wieso kann man bei einer Motivationskampagne, bei der ja die Inhalte per se nichts schlechtes vermitteln, eigentlich immer so pauschal DAGEGEN sein. Hätten wir nicht alle etwas gewonnen, wenn diejenigen, die sich nicht für die „Du bist Deutschland“-Kampagne begeistern können, einfach nicht darauf reagieren und durch dieses passive Verhalten die Kampagne in angemessener Weise abwärten!? Hätte nämlich den Vorteil, dass die andere Gruppierung sich zumindest ungestört motivieren lassen kann von diesen Werbespot und das ganze Budget zumindest nicht komplett unnütz gewesen wäre…“

  12. 12

    der gute herr m. dem geht´s doch längst nicht mehr um sein gewerbe. der gute herr m. will macht. also hat er mal eben einen ex-kanzler-sprecher zum neuen job verholfen. und macht jetzt gut wetter bei den wichtigen altvorderen.

    waren noch zeiten mit dem käfer in hh, wa? naja. es wird doch nichts von ihm bleiben, an das man sich erinnert. obwohl er das sooo gerne hätte.

  13. 13

    Welches Briefgeheimnis überhaupt? Ein juristisches existiert für Email schlicht nicht. Über ein moralisches wäre im Kontext zu diskutieren. Und das können wir wohl auch abkürzen, da es sich um einen Newsletter handelt und nicht um einen Liebesbrief an Sebastian Turner.

  14. 14
    bussibaer

    die „rundmail“ von herrn matt funktioniert doch.
    ein echter werbeprofi eben.
    viele blogs machen die dbd-kampagne wieder interessant.
    so erzieht man seine schafe.

  15. 15

    Ich möchte hier sicherlich keine Lanze für die DBD-Kampagne brechen, aber inzwischen üben die meisten Leute schon keine Kritik mehr. Das ist weit mehr als Kritik, Polemik ist noch sehr nett ausgedrückt. Hier tun ja einige so, als hätten sie an der Wut von Matt überhaupt keine Schuld, aber so einfach sollte man es sich doch nicht machen…

    Nicht falsch verstehen: Ich habe mich über die ganzen DBD-Fake-Plakate sehr amüsieren können. Aber das war keine „Kritik“ mehr, zumindest keine konstruktive…

  16. 16

    Profis am Werk

    wenn ein Hobbyheimwerker ein Bild schief andübbelt ist das komisch, beim Profi tragisch
    wenn der PR-Beauftragte des Gartenzwergvereins beleidigte Briefe schreibt…
    aber wenn der Kommunikationsprofi so losschreibt … :-)

  17. 17

    Khesrau: Die kritisierte Rundmail wurde zwei Wochen nach Beginn der Kampagne geschrieben. Also irgendwann Anfang Oktober 2005. Dein „inzwischen“ hängt daher ein wenig ,)

    Zu den Klowänden: Irgendwelches Geschmiere wird von Matt nicht interessieren, hier geht es recht konkret gegen die Kampagnen von Johnny und Co, die Öffentlichkeit bekamen.

  18. 18

    ich darf mal kurz berichtigen: der spruch heißt „any publicity is good publicity“ – http://en.wikipedia.org/wiki/Public_relations

    ich habs ja, zugegeben etwas hintervotzig, aber gleich gesagt!

  19. 19

    na gut, geschlagene hunde bellen wohl. es sei ihm zugestanden. immerhin wird immer von soundsoviel millionen kosten gesprochen, die das ding gekostet hat. dabei HÄTTE es nur soviel gekostet, wenn alle beteiligten geld genommen hätten. oder hab ich da jetzt was falsch verstanden ??

  20. 20

    kosmar, völlig richtig verstanden: Die Millionen sind Promo-Zahlen für die Pressemitteilungen, keine wirklich geflossenen Gelder.

  21. 21
    martin_

    für mich war das eh offensichtlich und der verschwörungstheoretische
    aspekt eher ziemlich lächerliche selbstbeschäftigung ewiger antis
    erfreulich wie sich gedanken über ihre gedanken machen Hr. H.
    aber mit „jambern“ wollen sie ja wohl nur wieder als erfinder
    resp. ursprung einer zeitgenössischen wortschöpfung erwähnung
    in der wikipedia erschleichen ;)

  22. 22
  23. 23

    Nicht nur das eindimensionale Weltbild, wie Du es so schön formuliert hast, ist erschreckend. Auch die mangelnde „Medienkompetenz“ macht Angst.

  24. 24

    „hintervotzig“ mit v ist ein genialer freudsch’er Verschreiber

  25. 25

    Der matte Jean ist echt traurig, weil wir seine Erweckungskampagne nicht loben. Sei ein Baum! Sei ein Schmetterling! Oder wenigstens ein Rechtsanwalt, der im Namen matter Jungs Kritiker zum Zweck der Einschüchterung abmahnt.

    Bravo! Wo kämen wir dahin, was wäre das für ein Land, wenn sich jeder ungefragt (!) äußern dürfte? Jean-Remy: Du bist mein Clown Leitbild, mein Stern und goldener Götze!

    Darf ich dir nach diesem Bekenntnis bei JvM als Praktikant dienen, und sei es, um einmal dein Klo sehen? Ich will ohne Tempolimit deine Hand sein. Denn du hast bewiesen, wie man mit Furzen Taifune auslösen kann. Ach, bitte!!

    P.S. Behandle Bürger & Blogger doch einfach wie gute Freunde!

  26. 26

    na klar, und am besten man schreibt niergendwo seine Meinung. Ich hab die Schnauze um die Sch**ße voll, es ist genauso beckackt wie darüber ständig zu texten und es wieder aufzunehemen und nochmal durch die Mangel zu drehen. Wie blöd muß man eigentlich sein um Sch**ße ständig in die Hand zu nehemen, also Sorry. Ich spühl jetzt runter, weil mir reichts mit dem Sh*t. So, jut ist, ich kümmer mich wieder um meine T-Shirts.

  27. 27
    Muss Sein

    Die Reaktion von vM läßt auf einen „schweren Wirkungstreffer“ schließen. Die Reaktion auf seine Kampagne scheint ihn hart und unvorbereitet erwischt haben, da wo es weh tut. Jetzt jammert er drüber.

    Handwerklich ein Katastrophe. Als Kommunikationsprofi hat er versagt. Sowohl, da er nicht mit Kritik gerechnet zu haben scheint (ohne Deckung erwischt worden), als auch, wie er auf diese reagiert (und sich dabei über die eigenen Firmenregeln hinweg setzt). Als Mensch hat er auch versagt. Sein Demokratieverständnis und sein Menschenbild sind erschreckend. Und warum muß sich Deutschland von einem Schweizer sagen lassen, wie es in seinen Augen zu sein hat? Wir sind eben nicht seine Handpüppchen.

    Danke Herr vM, daß sie gezeigt haben, daß man Leute wie sie noch treffen kann. Daß man ihre Hülle aus Selbstgefälligkeit, Geld und Arroganz durchdringen kann, bis man auf den miesen kleinen Pisser dahinter trifft.

  28. 28

    Wirkungstreffer passt. ;-) Das Jahr fängt gut an.
    SpOner Blumencron hat ja auch schon ob der Blogs gewinselt.

  29. 29
    Superlupo

    Auch wenn ichs gestern schon mal postete, aber an falscher Stelle:

    Per http://wirres.net/article/articleview/3426/1/6/ findet sich ein hochinteressantes Interview, das gewisse Rückschlüsse über die Herkunft des DbD-Logos zulässt

    „žAuf der Toilette habe ich immer die besten Ideen. Ich habe mir zwar vorgenommen, dies nicht mehr zu erzählen, weil es mir ein Lebensmittelkunde nie verzieh, als ich öffentlich sagte, die Idee für seine Werbung hatte ich auf dem WC.“ (Jean-Remy von Matt)

  30. 30

    Auch bekommen?

    »Offener Brief von Jean-Remy von Matt«

    Heute erreichte mich eine E-Mail von Jean-Remy von Matt, so stand es jedenfalls im Absender. Ein Kommentar von Jean-Remy von Matt zur Klowand-Diskussion und betitelt mit »Liebe Blogger«.

    http://www.endl.de/newsletter/weblog/2006/kw04.htm#0338

    Gruß
    Alexander

  31. 31
    Felix Deutsch

    die Hand in Hand mit Medien- und Wirtschaftsriesen einen „žneoliberalen“ Schachzug enormer Tragweite geplant und umgesetzt hatten
    […]
    die im Großen und Ganzen eher schlichte Naturen mit einem für meinen Geschmack viel zu eindimensional gestaltetem Welt- und Gesellschaftsbild sein müssen.

    Passt doch. Du hattest vorher und nachher die korrekte Einschätzung.

    Hannah Arendt hat da mal in einem Buch drüber geschrieben.

  32. 32

    Betr.: Unser aller Jean-Remy von Matt, oder „Remy-Demy vom Mattsch inne Birne“.

    Ich finde dem Mann wird entschieden zu viel der Ehre angetan, wenn man sich mit seinen Ergüssen ernsthaft auseinandersetzt.
    Wie kann man jemanden ernst nehmen, der verantwortlich ist für diese neoliberale, menschenverachtende DbD-Kampagne und anschließend dreist und verlogen genug ist zu behaupten er sei noch immer ergriffen wenn er sich diese Spots ansieht?
    Die einzige Ebene auf der man sich mit ihm auseinandersetzen könnte ist seine eigene, eben diese:
    Jean Remy von Matt (Remy-Demy vom Mattsch inne Birne) Brief an die Mutter

    Nachzulesen auf http://Fettisch.de – voll Fettisch!

  33. 33

    Und zum Nachlesen:
    Absolut deppensichere Anleitung zur Kommunikation mit Klowänden
    http://deppensicher.blogspot.com/
    eliZZZa

  34. 34

    Wie isses eigentlich,
    da musses doch noch eine
    Erweiterung geben (haben) für dbd….?
    –in Grufftizeiten–

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