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Uno-Menschenrechtskommission kommt

Und zwar nach Deutschland.

Der Bildungserfolg eines Kindes ist in keinem anderen vergleichbaren Industriestaat so abhängig von der sozialen Herkunft wie in Deutschland. Das ergaben die vielzitierten PISA-Studien und lieferten damit Grund genug, die Uno-Menschenrechtskommission auf den Plan zu rufen.

Ab dem 13.2.2006 wird der UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz, sieben Tage lang durch Deutschland reisen um sich nach Prüfungen in Ländern wie Botswana, Kolumbien, Indonesien, Nord-Irland, China und den USA auch in Deutschland einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das Recht auf Bildung für alle Bevölkerungsschichten umgesetzt wird.

Und ob überhaupt.

[via]

12 Kommentare

  1. 01

    Als ich neulich einmal den Bruder eines Kumpels beraten sollte, der war jetzt 16 und hatte die Realschule bald hinter sich, und wollte irgendwas mit Internetz, Grafik und so machen. Da sollte ich den beraten und hab ihm gesagt, das sinnvollste sei, da er ja auch gut in der Schule war, das Abi zu machen, zumindest ein Fachabi, und dann Kommunikationsdesign studieren, wo man sich locker für dies und das und auch Webdesign spezialisieren kann. Er könne auch Mediengestalter lernen, da werden aber auch Abiturienten bevorzugt.

    Die Eltern haben beim Wort Studium dermaßen das Gesicht verzogen und der Bengel hat das scheinbar auch kategorisch für sich ausgeschlossen, sowas. Ein Studium. pfft.

    Die Frage ist vielleicht nicht nur, ob das Recht auf Bildung umgesetzt wird, sondern auch, ob es in Anspruch genommen wird.

  2. 02
    mrs.robinson

    Mich überkommt Panik…ich muss darüber nachdenken in welche schule ich meine Kinder nächstes Jahr gebe. Was ist sinnvoll damit aus den Kids etwas wird? Schwierige Entscheidung…

  3. 03

    rene,
    die diesbezüglichen Pisa-Ergebnisse sagen ja nicht, dass der Staat die Weiterbildung „sozial benachteiligter“ Kinder direkt verhindert.
    Natürlich spielen die Eltern eine massgebliche Rolle. Dennoch ist auch deren Entscheidung beeinflussbar und offensichtlich geben sich deutsche Lehrer keine allzu große Mühe, sich aktiv für das Weiterkommen ihrer Schützlinge einzusetzen.
    Vielleicht würden die Eltern deines Kumpels anders über die Zukunft ihres Sohnes denken, wenn sein Lehrer ihnen gesagt hätte, welch große Chancen er für ihren klugen Sohn sieht.
    Auch fehlendes Engagement der Lehrer gehört zur deutschen Bildungsmisere und ist in den Pisa-Studien nachzulesen.

  4. 04

    Da spielen ja auch noch so Sachen wie Ganztagsschule, Kinderbetreuung usw. mit rein. Mir persönlich ja viel zu komplex (und mein Wissen zu gering) um da richtig mitdiskutieren zu können, aber doch sehr erschreckend.

  5. 05

    Ich warte immernoch darauf, dass Deutschland 2.0 rauskommt. Bis dahin akzeptiere ich alles, wie es ist.

  6. 06

    Mist. Ich wollte BRD 2.0 schreiben. Hab ich aber leider nicht.

  7. 07

    Wenn die schon da sind, können sie sich auch gleich noch bei der Hamburger Ausländerbehörde umsehen … (und wenn ich nicht gerade so müde wäre würden mir sicher noch zehn weitere Orte einfallen) …

  8. 08
    Radiowaves

    Tja, auf welche Schule man heute seine Kinder schicken soll, weiß ich auch nicht. Ich bin zu neu in Berlin, zu fremd hier und die Problematik stellt sich mir leider (noch) nicht. Ich weiß nicht, wie es an Berliner Schulen zugeht, aber wenn der Unterschied zu „anderswo“ ähnlich ist wie der, den ich glaube, beispielsweise zwischen der Berliner U- oder S-Bahn und den öffentlichen Verkehrsmitteln meiner Wahlheimat Jena zu erkennen, dann hätte ich wohl doch einen Tip. Einen, der so brutal klingt, daß ich damit vorsichtig sein muß: zieht weg! Zieht dahin, wo Kinder in einer halbwegs intakten Umwelt aufwachsen können. Die Straßen von Berlin gehören für mich auch nach fast 2 Jahren hier nach wie vor nicht in diese Kategorie. Zu oft bin ich einfach nur geschockt – über „Spielplätze“, über den täglichen Streß, über das soziale Milieu vieler Elternhäuser, das ich täglich vorgeführt bekomme.
    Die beiden Jungs meines besten Freundes in Jena gehen auch in den Kindergarten. Der profiliert sich gerade als „Kneipp-Kindergarten“, mit Sauna, viel Bewegung im Grünen, gesundem Essen, an dessen Zubereitung die Kinder Anteil nehmen können. Und hinter der elterlichen Wohnung beginnt der Wald – viel Platz für unbekümmerte Abenteuer. Auch was später einmal auf sie in der Schule zukommen wird, läßt mich ganz ruhig bleiben.
    Doch halt – so einfach ist das auch nicht. Die 4-jährige Tochter meines liebsten Lieblingskollegen hier in Berlin macht auf mich auch einen völlig intakten, lebendigen, neugierigen und gesunden Eindruck. Und das, obwohl sie nichts anderes kennt als Mietskasernen in Moabit. Nein, das ist es nicht. Meine Abneigung gegen die Berliner Wirklichkeit hat wohl doch nichts oder nur unter bestimmten Umständen etwas mit den Entwicklungschancen von Kindern zu tun. Schaue ich auf meinen liebsten Lieblingskollegen, wird vieles klarer: ein vor positiver Energie nur so strahlender, lebendiger und zutiefst spiritueller Mensch. In diesem Umfeld bestehen schonmal die besten Chancen für die Kinder. An seiner Tochter spürt man das ebenso wie an ihrem fast gleichaltigen besten Freund – auch mit dem ist es eine Freude umzugehen.
    Und die beiden Enkel meiner Berliner Verwandten – hochintelligent, kommunikativ, aufgeschlossen. Einer hat wohl so ganz nebenbei 2 Jahrgänge in der Schule übersprungen. Nein, an der Stadt liegts nicht, das muß ich zugeben. Obwohl ich wohl doch mit Kindern lieber wieder nach Jena zurückgehen würde – das werde ich auch ohne Kinder hoffentlich machen können.
    Und so bleibt als Fazit dann doch nur eins: sorgt dafür, daß eure Kinder schon in der kleinsten sozialen Gemeinschaft – der Familie, in der sie aufwachsen – ein Klima der wahren, bedingungslosen Liebe, der Ermunterung, der Wahrheit und der Spiritualität erleben können. Sie werden dann das aus sich machen, was sie wirklich sind – und damit wird es gut werden, weil es authentisch ist. Und zur Schule: schaut vorher genau hin, fragt andere Eltern, und zwar solche, bei denen ihr selbst im Umgang ein gutes Gefühl habt, versucht, mit den Lehrern vorher ins Gespräch zu kommen. Und scheut euch nicht, bei Problemen als erwachsene Stimme eurer Kinder aufzutreten.

    Noch was? Ach ja: meine ehemalige Schule http://de.wikipedia.org/wiki/Carl-Zeiss-Gymnasium sucht verzweifelt Nachwuchs. Offenbar mögen es die anderen Thüringer Gymnasien nicht, wenn ihnen die besten Leute weggeschnappt werden. Aber bis zum Gymnasium ists ja noch ein ganzes Stück für Kinder, die gerade erst eingeschult werden… ;-)

  9. 09

    An der stadt liegt es nicht. Aber sie hat sicher größere Probleme zu bewältigen als kleinere Orte. Das war aber auch schon immer so, wenngleich die Probleme sicher zunehmen.

  10. 10
    Pascal

    hm, wirklich. gute ausbildung scheint in „gewissen kreisen“ uncool zu sein (an, äh, unserem gymnasium z.b… 75% wissen in der 11. noch nicht, was sie „später mal“ machen möchten, 50% wollen aber ganz sicher nicht studieren (davon 50% wollen lieber saufen. grunz. und chicks.) und interessanterweise sind die realschüler von nebenan wesentlich realistischer, strengen sich größtenteils an, das beste herauszuholen usw. vielleicht liegt es daran, dass denen nicht täglich erzählt wird, dass sie die elite seien (besonders von deutschlehrerinnen: ach, die realschul-proleten, bewerbungsschreiben… ihr geht mal auf die uni!)

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