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Podcast vom 8.2.2006

Etwas wirr formulierte Frage nach Sozialverhalten.

MP3, 6:38, 3 MB.

9 Kommentare

  1. 01

    Ja, ich denke schon, dass sich das verändert hat — allerdings bei mir nicht durch das ganze Webzweinullkram, sondern durch die pure Anwesenheit von Digitalkameras, denn in meinem Bekanntenkreis bloggt/flickrt/… keiner außer mir.

    Das ich mich zurückhaltender Verhalte, weil ich weiß, dass bald jeder von mir Fotos sehen kann, würde ich zwar nicht sagen — anders aber auf jeden Fall. Das kann durchaus mal das Rampensau-Ding sein, also durch die Kamere erst angestachelt werden. Oder genau das Gegenteil, wenn so viele Fotos gemacht werden, dass man gar keine Beleuchtung mehr braucht.

    Wenn ich in Berlin wohnen würde, wär das vielleicht was anderes, aber ich denke, auch dort wäre ich jemand, der nicht unbedingt im Blog jeden Tag / jedes Treffen etc. verarbeiten müsste. Oder auch wollte.

  2. 02

    Ich denke auch, dass es nicht direkt etwas mit dem Web zu tun hat. Ich tippe eher darauf, dass sich unsere Gesellschaft verändert.
    Alles wird irgendwie offener, durch die technischen Möglichkeiten, alles sofort ins Netz zu bringen, und so alles der Welt zugänglich zu machen. Da erst tritt das Web auf. Wie jetzt der Einzelne damit umgeht, ob es ihm nichts ausmacht, ist der Knackpunkt. Das Web ist mehr das Mittel zum Zweck.

  3. 03

    Ich denke nicht, dass sich mein Sozialverhalten geändert hat. Vielmehr erfährt es durch das Internet eine Bereicherung in Form von zusätzlichem Informationsaustausch und Unterhaltungsangeboten. Wir leben in „žmodernen“ Zeiten und insofern wäre es arg ignorant, sich dem Internet völlig zu verweigern, aus welchen Gründen auch immer. Im Übrigen denke ich, dass es eine Illusion wäre, zu denken, man würde durch Internetaktivitäten wesentlich mehr Privatsphäre aufgeben, als durch unseren täglichen Kontakt bspw. mit Versicherungen, Banken, Krankenkassen. Wenn man schon „1984“ verinnerlichen möchte, dann am ehesten im Hinblick auf diesen Fakt. Daneben beinhaltet doch jegliche produktive Kommunikation, auf welcher Ebene auch immer, dass man bereit ist, sich dem anderen gegenüber zu öffnen, dass man also nicht nur konsumiert.

  4. 04

    Diese Bittorrent-Geschichte habe ich auch gesehen (und habe das Gefühl es handelt sich dabei größtenteils um einen Kindergartenstreit).

    Ich gebe dir Recht: die Menschen sind sich über die Wichtigkeit des eigenen Datenschutzes vermutlich nicht bewusst. Zumindest beim Kaufverhalten werden sämtliche Bedenken über Bord geworfen, immerhin gibts bei Payback & Co nach zwanzig Jahren Punktesammelei einen Kaffebecher umsonst — gegen Erstattung der Versandkosten. Ähnlich dürfte es bei der Anonymität im Internet aussehen.

    Ich habe in den 10 Jahren, die ich Internet aktiv bin, stets darauf geachtet dass keinerlei Bilder von mir online erscheinen und bislang ist das auch nicht passiert *daumendrück*. Es sind zwar in gewissen Kreisen (Heise-OT-Forum z.B.) viele persönliche Details bekannt, d.h. mein echter Name, wo ich wohne, was ich mache usw., aber niemand weiß wie ich aussehe. Das gibt mir ein gewisses Gefühl von Anonymität.

  5. 05

    Nachtrag: ich vermeide es auch, Bilder von Freunden und Bekannten bei Flickr zu veröffentlichen. Ich habe da eine gewisse Hemmschwelle.

  6. 06

    Bei mir im Bekannten- und Freundeskreis ist es so, dass es nicht viel Blogger/Flickrer/Homepagebetreiber gibt. Aber schon seit den Anfängen der Partybilder im Netz (sei es mit Digitalkameras oder eingescannten APS Filmen) ist es so, dass bei uns die Bilder nicht öffentlich zugänglich sind und somit die Privatssphäre der abgelichteten Personen geschützt ist. Im Vorfeld wurde darüber nicht groß gesprochen – es hat sich einfach so ergeben. Selbstredend werden dann auch auf Nachfrage ganz peinliche Bilder auch noch entfernt.

    Somit hat sich auf Grund der digitalen Medien nicht viel verändert. Die Veränderungen liegen eher daran, dass wir alle älter werden und sich damit das Sozialverhalten automatisch verändert.

    Die Knipser von den Partybilder-Portalen hier in Frankfurt fragen vor einem Bild immer brav nach, ob man fotografiert werden will. Anschließend bekommt man im Display auch noch das Ergebnis gezeigt und kann das Bild löschen lassen.

    Daher behaupte ich mal, dass man immer noch ziemlich gut steuern kann, wie viel von einem selbst im Internet verfügbar ist.

  7. 07

    Es ist trotzdem erstaunlich, was man mittels Teleauskunft, Denic, Technorati, Flickr, Google und Konsorten für ein relativ scharfes Profil von vielen Leuten zeichnen kann. Ob das immer so gesteuert ist, weiss ich nicht.
    Zu der Frage, was weiss der Staat über uns bzw. weiss er, das er es weiss: Ich glaube, ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass er in den meisten Fällen faktisch sehr viel weiss. Dieses Wissen bzw. der Datenwust ist aber auf so eine Vielzahl von Stellen verteilt, die noch dazu in aller Regel nix miteinander zu tun haben, dass eine Kanalisierung praktisch sehr schwer ist. Ich denke da nur an das Beispiel Rasterfahndung nach den Terroranschlägen 2001. Vielfach ist der Austausch schon allein an inkompatiblen Datenformaten gescheitert. Geheimdienst und die Informationsgewinnung auf teilweise illegalen Wegen lasse ich mal aussen vor. Aber das war auch nicht die Frage.

  8. 08

    Für mich ist das wirklich Erschreckende in Orwells Roman nicht die Überwachung, die sowieso nur 10-15 Prozent der Bevölkerung trifft, sondern vor allem das Fehlen jeglicher Überwachung der breiten Masse. Die Wohnviertel der Proles werden nicht oder kaum überwacht, da das System sich völlig sicher ist, vor den Proles völlig sicher zu sein. Die werden mit Billigstp*rnos, Billigstn*tten und vor allem künstlich erzeugten Mangel sowie inszenierten Massenhysterien so befriedigt, dass deren Überwachung schlicht nicht mehr notwendig ist. Deswegen sehe ich das Ganze (noch) eher gelassen.

    Viel näher an 1984 sind da der inszenierte 5-Minuten-Hass mit Flaggenverbrennen, die stilisierten Großen Brüder und Todfeinde, die ständige Revision der Historie durch (unbeabsichtigt) dumme TV-Dokus und Franz-Josef Wagner, die Anti-Aufklärung oder die Sprachreinigung durch immer mehr Euphemismen.

    Ääähm, um auf deine Frage zu kommen: Nö. Hat sich nix verändert im Sozialverhalten.

  9. 09

    Also ich blogge unter Pseudonym, hat sich irgendwie so ergeben, weil ich in n‘ paar Foren mit dem Nick unterwegs und auch recht aktiv bin. Wer wann wo was über mich weiß, dessen bin ich mir nicht ganz (ich glaube so ganz ganz geht das auch nicht), aber ich denke durchaus weitesgehend bewußt.
    Was sich geändert hat ist, dass ich ab und an auch mal mit meinem Nickname in Real angesprochen werde, das finde ich ab und an ganz lustig unds stört mich auch nicht sonderlich.
    Gut find ich zB so Foren über Hobbys, bei denen ich heute noch überlege wie sich so manche früher informativ ausgetauscht haben. Das ist glaub ich der Punkt der sich am Sozialverhalten geändert hat, dass man bei seltenen Interessen und Hobbys trotzdem noch Leute findet, die „genauso bekloppt“ sind ;)

    Was Partybilder angeht, da gehör weder ich noch mein Umfeld zu den großen Fotografen, und wenn geht’s auch eher human ab, was da veröffentlicht wird, da es ’ne private Seite und kein Partybildportal ist.
    Und du hast Recht, man sollte sich durchaus ein wenig bewußt sein, welche Informationen über einen im netz herumschwirren, aber man kanns auch übertreiben (dann ist man eben paranoid ;)).

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