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Heller Wahnsinn

Was haben Brian Eno, Peter Gabriel und die Black Eyed Peas gemeinsam?

Bei allen dreien hält sich die unausrottbare urbane Legende, sie seien früher mal besser gewesen. Es wird dann irgendetwas von einem Lamm auf dem Broadway, Roxy Music oder bevor die blonde Schnalle dabei war gebrummelt. Alles Quatsch, da diskutiert man den Wert von Scheiße anhand des Frischegrads. Aber das meine ich nicht.

Sie sollten an der WM- Eröffnungsgala teilnehmen.

Seitdem ich zum ersten Mal diese Namen im Zusammenhang mit unserer WM gelesen habe, bin ich häufig nachts aufgewacht, habe mit tränenerstickter Stimme KRAFTWERKRAMMSTEINSVENVÄTHWESTBAM geschrien, habe mir Haare ausgerissen, SIDOBUSHIDOBEGINNERFREUNDESKREIS gejault, gottergeben MEINETWEGENSOGARGRÖNEMEYERUNDNAIDOO geschluchzt.
Es sollte eine Weltauswahl der Künstler werden, als hätten “Maradona, Pelé und Cruyff in einer Mannschaft gespielt”, so in etwa der Meister hinter den Meistern, der ewige Eventmanager des größtmöglichen Nichts, André Heller.

Pelé und Beckenbauer haben übrigens mal in einer Mannschaft gespielt, bei Cosmos New York, in der sogenannten Operettenliga.

Es war, als wollte man der Welt ein für allemal beweisen, dass der letzte Deutsche, der für kulturelle Begeisterung gesorgt hat, Adolf Hitler gewesen ist.

Natürlich war geplant, sich mit der deutschen Vergangenheit “kritisch auseinandersetzen”, die Japaner haben ihre WM- Eröffnung ja schließlich auch genutzt, um sich bei den Koreanern zu entschuldigen, ebenso, wie bisher alle in den USA stattfindenden Olympischen Spiele entweder unter dem Motto sorry redskins American natives oder wish we had left you in Africa standen.

Man hatte sich fest vorgenommen, der ganzen Welt zu beweisen, dass wir die tollsten Bereuer sind, deren oberste Priorität es ist, unsere unique selling position, den Holocaust, mal schnell vor einem Fußballspiel duchzudeklinieren. Es sollte Weltmusik geschaffen werden, dermaßen dekontextualisiert, dass sich garantiert niemand mehr mit ihr würde identifizieren können.

Fahrstuhlmusik für ganz große Fahrstühle.

Man hätte die Doppel-CD noch jahrelang in Zahnarztpraxen zur Berieselung verängstigter Patienten eingesetzt, aber Gott, der abends gern mal eine Pickelhaube aufsetzt, hat in seiner unendlichen Weisheit die MAFIA FIFA darauf aufmerksam gemacht, dass man doch behaupten könne, man wolle auf dem Rasen noch Fußball spielen.

Noch mal Schwein gehabt. Die WM ist schon gewonnen.

Heller Wahnsinn.

1 Kommentar

  1. 01
    martin_

    find ich klasse den text :)

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