36

Podcast vom 14.3.2006

Freedom of speech.

MP3, 7:25, 3,4 MB

36 Kommentare

  1. 01

    wenn Sie ungefilterte Verbaldiarrhoe auch unter Freedom of Speech führen
    möchten – dann bin ich wohl ein Ami-blogger :-)

    wenig denken und es schnell veröffentlichen.

    – that´sBloggin´regierung.

  2. 02

    Wie bildet man sich denn eine Meinung mit wenig Denken?

  3. 03
    Vanessa

    Ich glaube, dass Blogs in Deutschland nicht so verbreitet/erfolgreich/bekannt sind, liegt teilweise wirklich auch daran, dass viele Leute nicht viel Zeit im Internet verbringen. Natürlich kann ich da jetzt nur für meinen Freundes- und Bekanntenkreis sprechen (also alterstechnisch zwischen 19 und 30, ich bin ja auch erst 20), und da bin ich die Ausnahme, was die verbrachte Zeit im Internet angeht. Ich frühstücke schon vorm Computer, damit die Zeit sinnvoll genutzt ist (oder zumindest zwei Dinge gleichzeitig erledigt werden), aber viele sind vielleicht einmal pro Woche überhaupt im Internet, und dann auch nur, um Emails zu checken oder vielleicht mal irgendwas zu googeln (oder googlen?) oder ähnliches. Und der männliche Teil verbringt dann meistens noch Zeit damit, irgendwelche Online-Games zu spielen, Filme zu laden oder zu chatten, solche Dinge. Die Internet-Kultur ist dann vielleicht doch noch nicht so weit fortgeschritten.

    Ein anderer Aspekt der Sache ist wohl auch, dass zumindest bei Studenten es häufig keine „gesicherte“ Internet-Verbindung gibt, also sie entweder kein Internet haben (oder auch keinen Computer), oder das Internet nur sehr sporadisch funktioniert und sie in die Uni müssen, um überhaupt online gehen zu können. Da ist das dann bei mir mit dem DSL-Anschluss und der Flatrate in meiner Wohnung auch schon wieder was anderes.

    Zur Meinungsäußerungs- und Demonstrationsfrage… Hm, schwierig. Ich würde von mir mal behaupten, dass ich schon zu den meisten Dingen eine eigene Meinung habe und auch versuche, über das Wichtigste informiert zu sein, um mir eine solche Meinung bilden zu können, aber trotzdem bin ich, glaube ich, einfach nicht der Mensch, der auf Demonstrationen geht oder streikend durch die Uni marschiert. Ich kenne auch nur eine Hand voll Leute (meines Alters natürlich), die überhaupt mal auf ner Demo waren, und das waren dann die Anti-Kriegs-Demos.

    Vielleicht bin ich politisch zu wenig engagiert, kann ja sein, aber ich halte das für ein allgemeines Phänomen, zumindest in meiner Altersgruppe (oder zumindest unter den Leuten, die ich kenne). Keiner in irgendeiner Partei (wobei das ja nochmal wieder was ganz anderes ist) oder bei Greenpeace, PETA oder sonst einer Organisation, was ja auch eine Möglichkeit wäre, die eigene Meinung zu äußern, und zwar mit Leuten, die genauso denken wie man selbst.

    Dennoch gab es vor allem in der Schule (auf mehr Lebenserfahrung kann ich wohl noch nicht zurückblicken) genug Gelegenheiten, sein Meinung zu vertreten und sich darüber mit anderen in die Haare zu kriegen, vorzugsweise in den klassischen „Laberfächern“ Politik, Religion, Deutsch etc. Was teilweise auch zu heftigen Streits ausgeartet ist.

    Vielleicht denkt man einfach nur, dass nicht wirklich jemanden interessiert, ob man jetzt auf der Straße steht und sagt, dass man Bush doof findet oder ob man in nem Blog (oder Livejournal etc.) seine Meinung von sich gibt. Und wenn es niemanden interessiert, und es auch niemand liest, kann man sich eigentlich auch die Mühe sparen, das Ganze in die Tastatur zu hämmern.
    Ist vielleicht nicht die fruchtbarste Einstellung, aber mehr kann ich dazu momentan nicht sagen.

  4. 04
    Flo

    So, jetzt hör mal zu!
    Zu jeder rechten Demo gibt’s auch ne Gegendemo. Hier in Berlin.Da gehn nicht nur Linksradikale hin, sondern auch Typen wie ich.
    Es gibt auch sog. „Studenten“, die über eingeschränkte finanzielle Mittel verfügen und gegen Studiengebühren protestieren (ist nicht Deine Welt, schon okay).
    Dieser Frankreichvergleich ist mir hier zu Einseitig.
    Dort wird ja nicht nur von einer Seite Druck gemacht, sondern von anderer Seite auch reagiert.
    Ich habe den Eindruck, dass in Deutschland auf politischer Ebene leidenschaftlich ignoriert wird.
    Absurdes Gegenbeispiel: „Wir sind deutsche Promis und wollen mehr deutsche Musik.“

    Schülerdemos…also…als damals meine Klassenkameraden aus heiseren Kehlen „Fuck Chirac“ johlten, hatte ich meine Zweifel, ob die sich wirklich mit dem Thema Atompolitik auseinandergesetzt hatten.

  5. 05
    Manuel

    Johnny, ein gutes, ein schwieriges Thema hast Du da angesprochen.

    Ein Thema, zu dem ich eigentlich viel sagen könnte.
    Aber, irgendwie habe ich gerade eine Schreibhemmung.

    Hilfreich? Nicht wirklich, ich weiss.
    Vielleicht klappt es später.

    P.S.: Die Franzosen sind schon irgendwie zu beneiden, die tun wenigstens was ;-) Dafür ist „der Deutsche“ halt Weltmeister im Jammern. Wenn´s denn schon nicht mit dem ©Fuß™ball® klappt *g*

  6. 06

    Zum Thema Frankreich: dort ist auch eine ganz andere Solidarität zu spüren — beispielsweise würde dort keiner meckern, wenn die Bahnmitarbeiter streiken und deshalb der Zug zu spät kommt — in Deutschland hingegen schon.

    Zum letzten Mal demonstrieren war ich vor kurzem, und zwar gegen Studiengebühren, davor war glaube ich das letzte Mal eine Demo gegen den (zweiten) Irakkrieg.

  7. 07

    Letzte mal auf ner demo… mhhh vor 1-2 Wochen glaub ich ;)In meiner Heimatstadt soll / wird eine Altenresidenz nebnen den einzigen Jugendzenttum gebaut, dass das nicht funktioniert ist schon klar… Auf jeden Fall machen wir uns stark dafür das der Süden dort bleibt wo er ist und nicht in ein PCB – Asbest – FCKW – UKW – LKW ;) verseuchtes geschlossenes Schwimmbad umgesiedelt wird.

    imsueden.org

  8. 08
    rafa

    es gibt in deutschland keine meinungsfreiheit. es gibt radikalenerlasse, berufsverbote und gerichtsverfahren mit denen man mundtot gemacht wird. auch foren und blogs werden in ihrer meinungsfreiheit beschraenkt.
    http://www.realizeme.de/pages/freespeech.html
    http://blog.pantoffelpunk.de/archives/238

    und wenn man mal was macht wofuer man nicht kriminalisiert werden kann geht die info unter und niemand bekommt etwas von deiner demo mit. auch werden demos von den verantwortlichen auf plaetze verlegt wo sie keine sau mitbekommt.

  9. 09
    Sibelius

    Es gibt nur einen Grund auf Demos zu gehen: Frauen abschleppen. Okay, auf Hartz 4 Demos nicht unbedingt, aber Studentenproteste oh la la ;)

  10. 10

    Ich habe den Eindruck, dass in Deutschland auf politischer Ebene leidenschaftlich ignoriert wird.

    Ich würde sogar noch weiter gehen: jedwede unangenehme öffentliche Äußerung wird kleingeredet und verunglimpft. In dem Kontext auch meine letzte Teilnahme: Demos gegen die Hartz-Reformen.

    Was kam als einzige Reaktion der Politik? Man könne solle doch nicht in diesem Kontext die historisch so wichtigen Montagsdemonstrationen „beschmieren“. Hallo??? Um ehrlich zu sein: als Reaktion darauf hätten mal einfach noch mehr Leute gehen sollen. Und noch lauter werden.

    Das scheint unser größeres Problem hierzulande zu sein: die meisten lassen sich mit sowas dann auch abspeisen. Bringt ja eh nix, also lassen wir’s wieder. Ich weiss nicht, inwieweit es in Frankreich mehr bringt, aber ich bewundere diese Eigenschaft, so schnell und konsequent auf die Barrikaden zu gehen. Und dort zu bleiben.

  11. 11
    gailleton

    guten morgen,

    nach einem jahr frankreich als(erasmus)student zwei punkte zu den streikenenden(studenten):

    grundsätzlich erscheinen mir die studenten einfach mehr links eingestellt und weniger mainstream karierre-orientiert als das hier wahrscheinlich die mehrheit der studierenden ist.
    damit einher geht, dass es sich bewährt hat, durch schnellen „druck der strasse“ die regierung/verantwortlichen zu zugeständnissen zu zwingen. (egal ob es gegen eine einheitliche abiturregelung, schützung der französischen agrarprodukte oder anderes geht) das gilt auch für bahnmitarbeiter etc. die im gegensatz zu deutschland in mehreren gewerkschaften organisiert sind und deshalb mit weniger mitgliedern einen streik organisieren können, dessen auswirkungen zu spüren sind.

    aus meiner deutschen sicht fällt aber auf dass zum bsp viele streiks immer beim schönsten wetter stattgefunden haben (damit mehr leute zur „manifestation“kommen oder dieser arbeits/schulfreie tag anderweits besser zu nutzen zu können? ;-)

    ausserdem ist „das auf die strasse gehen“ ein teil der folklore/tradition seit 1789, die der mündige citoyen, egal ob rentner, bandarbeiter oder student als bürgerpflicht versteht.

    grundsätzlich fällt aber auf, das zum bsp. bei der entführung von französischen journalisten im irak eine viel breitere solidarität quer durch alle bevölkerungsschichten ging, von der in deutschland im bezug auf die zwei entführten ingenieure ausser in leibzig wenig zu sehen ist.

    insofern dürfen wir uns da bestimmt mal eine scheibe abschneiden.

  12. 12
    rafa

    hier in deutschland haben alle nur ein ziel: spaeter den grossen reibach zu machen, und da sind politische flecken auf der kariereleiter nur hinderlich. warum sollte man das system, dem man nacheifert, angreifen und sozialer machen, wenn man die selben asozialen absichten hat wie das system: kohle machen auf kosten anderer und der umwelt, und das um jeden preis? jeder will einen sonnenplatz im system, auf die idee das system lebenswerter zu machen kommt ja keiner. gibt auch keine utopien mehr in deutschland, alles wird sofort diffamiert und in einen kontext gestellt der fuer die meisten untragbar ist.

  13. 13
    karl

    dass in deutschland nur die rechten und die linken demonstrieren… ist zwar einerseits sicher tendenziell richtig, wird aber andererseits von den medien auch noch einmal extremer dargestellt, als es wirklich ist. dadurch wird logischerweise ein solidaritaetsgefuehl unter der ’normalen‘ bevoelkerung verhindert (wer sympatisiert denn schon gerne mit den ‚radikalen‘?). ohne solidaritaet von breiteren bevoelkerungsschichten sind die demos jedoch nutzlos.
    meine letzte demo? gegen studiengebuehren, vor einem 3/4 jahr.
    ich glaube, das spreeblick-blog leistet gute arbeit in punkto „schaffen einer kritischeren oeffentlichkeit, die irgendwo zwischen extrem und mitte angesiedelt ist“.
    gut so!

  14. 14

    Huch… Gedankenübertragung? Heute morgen gegen 09:45 Uhr lausche ich an der Bushaltestelle einem Radio-Bericht über die Proteste in Frankreich und denke mir, hmm, was die dort vorhaben ist im Prinzip fast das gleiche wie es die große Koalition bezüglich der Lockerung des Kündigungsschutzes plant (Verlängerung der Probezeit auf 2 Jahre per Arbeitsvertrag möglich – nicht nur für Berufsanfänger!). Das führt sicher auch zu einer wie in Frankreich befürchteten Hire-and-Fire-Mentalität und ich habe mich gefragt, warum hier kein Hahn danach kräht.

    <wirre gedanken>Allgemein ist es wohl so, dass eben kaum jemand da ist, der die Massen mobilisieren könnte. Die Presse? Wohl kaum? Die Gewerkschaften? Selten. Die Opposition: betreibt lieber Klientel-Politik.

    Fehlende Leidenschaft („bringt ja eh nix“), Angst vor Polizeiübergriffen oder anderen Repressalien, es gibt sicher noch mehr Gründe, warum so wenig demonstriert wird.</wirre gedanken>

  15. 15
    fred

    Als ich in Paris während der Demos gegen LePen einigen Demonstranten erzählt habe, wie gut mir die französische Protestkultur gefällt, und wie ich Demonstrationen , Streiks etc in Deutschland vermisse, meinte einer zu mir: Das habt ihr gar nicht nötig. Er sagt, dass die französischen Gewerkschaften im Vergleich zu den deutschen sehr viel weniger Macht haben und schlechter organisiert sind, weswegen hier viele Dinge in den Institutionen geregelt werden (z.B. durch Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht), die in Frankreich erst einmal auf die Strasse getragen werden müssen. Außerdem funktioniert in Deutschland die Presselandschaft besser (in Frankreich gehören direkt oder indirekt 2/3 der Zeitungen zu Lagardère oder Dassault: das sind Rüstungskonzerne. Lagardère wollte sich letztens übrigens in Le Monde einkaufen, jaja). Ich kann das leider nicht nachprüfen, aber vielleicht weiß wer anderes mehr dazu?
    Ich weiß aber auch, dass die SNCF sich sehr unbeliebt macht die letzte Zeit in Frankreich, weil sie ständig irgendwelche Solidaritätsstreiks veranstaltet. In Paris sagt man schon, dass Jahr habe nicht 12 Monate, sondern 14 Wochen SNCF-Streik.
    Und ich bin auch mal gespannt, wie sich in den nächsten Jahren die französische Protestkultur ohne die Unterstützung aus intellektuellen Kreisen entwickelt. Die littérature engagée ist tot, Bourdieu ist tot, Foucault ist tot. Aber Bernard-Henry Lévy lebt noch. The times they are changing.

  16. 16

    Die SZ meint heute, Frankreich neige zur Revolution, da Reformen nicht möglich wären…

  17. 17
    Sibelius

    Ich nutze Systeme lieber aus anstatt sie zu verändern. Schneller, effektiver und ich mach mir meine Finger nicht dreckig.

  18. 18

    ..ah ja. Klar. Sicher doch, Sibelius.

    Wie war das nochmal ? Im Inet erzeugt man im wahrsten Sinne des Wortes seinen eigenen ‚Avatar‘.
    Frankreich ist ziviler Ungehorsam Europas.
    Deutschland ist das Land der verbitterten Bücklinge, still, beugsam, beugfreudig, das Land, in dem man lieber still sein sollte.
    Wieso ?
    Weiß keiner.
    Vielleicht liegt es an der emotionalen Landschaft Deutschlands, ein Ödland seit dem 2. WK, leer und tot.
    Und wenn irgendwo eine Pflanze in der Form eines Fragezeichens wächst, wird sie von einem Wa(h)l zerdrückt.

  19. 19

    Der Unwillen zu demonstrieren rührt glaube ich auch aus einer generellen Einstellung, das Meinung etwas privates sei, die zu äußern oft als unhöflich wahrgenommen wird.
    In vielen kann man doch schon wunderbar beobachten, das sich „Diskussionen“ oft darin erschöpfen, daß die Leute sagen was sie toll oder doof finden. Eine Argumentation findet oftmals nicht statt. Die eigene Meinung kommt bei vielen eben sehr unreflektiert aus dem Bauch, wird irgendwie übernommen und kann demzufolge auch nicht wirklich argumentativ belegt werden. Auf dieser Basis lässt sich natürlich kein Diskurs führen, weil Diskussionen nach einer Weile mit „Da hat wohl jeder seine Meinung“ abgebrochen werden. Wer für seine Meinung Argumente ins Feld führt, wird oftmals als Störenfried empfunden, der keine Ruhe gibt – auf nicht emotionalisierter Ebene für etwas zu streiten, haben viele glaube ich einfach nicht gelernt. Außerdem fürchten sich viele vor Auseinandersetzungen, weil sie dadurch ihre Meinung vielleicht aufgeben oder ändern würden, was die meisten als Angriff auf ihr Selbstwertgefühl sehen. Das die Meinung anderer, auch wenn diese dafür argumentieren nie den Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt sondern Diskussionsgrundlage ist, ist meiner Erfahrung nach den Menschen sehr schwer zu vermitteln.
    Wie oft wird es auch gegenüber „wichtigen Persönlichkeiten“ als unangemessern empfunden, wenn jemand tatsächlich unbequeme Fragen stellt.
    Wenn man aber schon das Äußern einer Meinung als tendenziell unhöflich empfindet, wo soll dann eine Diskussionskultur entstehen?

  20. 20

    @Manuel: Die Weltmeister im Jammern sind und bleiben die Russen. Ich weiss. Traurig dass Deutschland schon wieder nicht Nummero Uno ist aber damit muss man auch leben können ;o)

  21. 21

    Wieso blogs in Dland nicht so populär sind wie zB in F?
    => Weil hierzulande generell lieber konsumiert als produziert wird, und der Meinungsaustausch imho eher auf Ebenen wie zB Fußballbesserwisserei projeziert wird, weil man damit im Ausland als Deutschland mit seiner schwieirigen Vergangenheit (*hüstel*) nicht negativ anecken kann.
    So erscheint es mir zumindest oft…

  22. 22
    alex

    wichtiges thema, mehr davon.
    letzte demo? nicht lange her. hartz4, studiengebühren, yorck59, antifa. fast jede woche gibt’s ne möglichkeit für demos, reclaim the streets aktionen, kollektivem schwarzfahren oder anderem zivilen ungehorsam. einfach nur machen.

    mehr de.indymedia.org lesen! für mehr soziale und politische emanzipation!

    „in deutschland kann es keine revolution geben, weil man dazu den rasen betreten müsste.“ es ist doch so, dass d-land im vergleich zu anderen europäischen ländern nie für eine demokratie auf die strasse gegangen ist und eine revolution erlebt hat. d-land bekam die demokratie immer von oben auferlegt und haben es historisch auch danach manchmal für besser gefunden, lieber doch nicht mitzureden und einen führer zu haben.
    peinlich, aber es liegt an uns. jeden tag.

    „geh mal wieder auf die strasse, geh mal wieder demonstrieren.“

    nächste termine (berlin):
    17.03. 19:00 boxhagener platz: http://www.kp-berlin.de/
    18.03. 15:00 boxi: http://friedrichshain.blogger.de/stories/394723/
    am samstag gilt es, einen npd-aufmarsch am westkreuz zu verhindern. antifa-treffpunkt 9:30 warschauer str.

  23. 23

    Eine Meinung zu äußern wird in Deutschland immer wieder negativ wahrgenommen. Ich gehöre zu denen die ohne Rücksicht auf verluste (tut manchaml echt weh) ihre Mienung äußern und ein Grundsätzliches Problem in Deutschland scheint der zunehmende Verfall der Medien zu sein, der verhindert dass sich Menschen differenzierter informieren. Wenn die Leute eh keine Ahnung haben worum es geht, wieso sollten die denn dann Versuchen was daran zu ändern?

    das zum thema: was ganz anderes. Kann mir wer gute creative commons musik empfehlen? auch gecko3.com hab ich was jazziges gefunden. Wo kann ich nach sowas suchen? Bin nich so bewandert was Musik angeht, besonders in dieser freien Lizenz. :)

  24. 24

    Zur Frage wann ich denn auf der letzten Demonstration war:
    Das ist auch Jahre her 8ich war wohl um die 16 – damals ging es um Verschärfungen im Asylgesetz. Also, da wo Dland vor der rechten gewalt kapituliert hatte und schön das gemacht was die jungs wollten. Wir hatten damals Kappen mit der Aufschrift „Fliegende Steine“ dabei. Es war einfach nur ein Bandname.
    Nunja danach war nichts mehr. Warum nichts mehr ? Tja Interesse an Politik ist zwar vorhanden aber die Faulheit ist da wohl mein manko, von wegen Scheiss-Kifferei usw. (ist aber zwar abgestellt – die faulheit ist allerdings noch vorhanden)
    zum blogging:
    nunja.. es gibt halt eine Menge unnützer Blogs. Ich hab auch lange, auch aus besagter Faulheit mit mir gehadert einen Blog anzufangen aber seit gestern hab ich mich überwunden. Ein Grund für das Zögern war auch: „Liest das überhaupt jemand oder schreibe ich nur für mich selbst?“
    jetzt bin ich zu dem schluß gekommen: „Ja, ich schreibe nur für mich selbst, was interessierts mich ob das jemand liest – zumindest mache ich einmal am Tage oder zumindest alle paar Tage was produktives“. Aus selbstzweifeln genährt heisst der BLog deshalb nun auch im Untertitel „Antriebslos aber unmotiviert“.
    tja das wars…
    Link zum Blog:
    http://platteslandundnixzutun.twoday.net/

  25. 25

    Nuja — die Relevanz politischer Blogs hat vielleicht nicht unbedingt was mit der Freude zur Meinungsäußerung zu tun, sondern z.B. auch damit, was sie inhaltlich bieten.

    Die Diskrepanz zwischen vergleichsweise hochwertiger Qualitätspresse (ja, schlagt mich, ich meine aber nicht den Spiegel) und halbprofessionellen Blogs ist aus meiner Sicht immer noch ziemlich groß. Das hat auch mit Arbeitsaufwand zu tun — viele Blogs waren anläßlich der Wahl ziemlich politisch und da kommt jetzt nichts mehr. Gut gemachte Politikberichterstattung erfordert ein Dranbleiben auch an den Themen, die momentan nicht die Schlagzeilen beherrschen.

    Frankreich hingegen: gerade heute mit Freude gelesen, daß Daniel Glazman (Entwickler des HTML-Editors nVu, ehemals bei Netscape) demnächst in seinem Blog den Innenminister interviewen wird. Warum geht sowas nicht hier?

    Meine letzte Demo: Gegen Softwarepatente vorm Justizministerium.

  26. 26

    Noch’n Link: Andrew Hammel über deutsche vs. amerikanische Blogs.

  27. 27
    Tom

    Die geringe Akzeptanz von Weblogs und Podcasts würde ich (immer noch) auf die deutsche Vergangenheit zurückführen. Man hat aus der Geschichte gelernt, dass einem die eigene Meinung (auch die von vor ein paar Jahren) ins Genick springen kann – Google vergisst ja nix. Es wäre interessant, ob es ein Ost-/Westgefälle unter den Bloggern und Blogglesern gibt, denn die in der Ex-DDR aufgewachsene Generation dürfte ein noch kritischeres/traumatisiertes Verhältnis zu öffentlicher Meinungsäußerung und Angriffen auf die Privatsphäre haben. Da die Speicherung von Daten bei der Nutzung des Internets nur für die wenigsten Benutzer transparent ist (v.a. bei Web 2.0-Anwendungen), wäre ein gesundes Maß an Mißtrauen sicher nicht unbegründet.

  28. 28
    Menschenfreund

    Ich war im letzten Sommersemester ständig am protestieren und Proteste organisieren – Studiengebühren, verfasste Studierendenschaft. … . Mein Fazit: ich habe sauviel Zeit investiert, und gehört wurden wir höchstens mal in der lokalen Presse. Reaktion der Politik – Wissenschaftsminister Frankenberg (BaWü) war zu Besuch und hat alles schön geredet. Mehr auch nicht. Die 2-wöchige Besetzung des Rektorats in Freiburg fand keine größere Tageszeitung interessant. Eine Demo mit 5000 Leuten – schnell verpufft. Blockieren einer Bundesstraße – viel Verständniß, viel Ärger, wenig Wirkung.
    Mein Fazit – Politische Themen auf die Straße zu tragen, öffentlichen Protest zu üben, wirft keine Früchte. Abgesehen davon ist es mühsam engagierte Mitstreiter zu finden – Desinteresse, Streß, mangelnde Erfolgsaussichten, gibt wohl ver. Gründe dafür.

  29. 29

    Schön, Johnny! Mal wieder was politisches!
    Also einiges wurde ja schon gesagt. Die Franzosen sind einfach stärker auf Zack! Jedenfalls ist es ganz sicher keine Lapalie wenn der Kündigungsschutz für Jugendliche gelockert wird. Alles kleine Schritte hin zum völlig entfesselten Kapitalismus.
    Hierzulande scheinen Schröders Slogans zur Hartz-Reform von „Gürtel enger schnallen!“ bis „Diese Politik ist alternativlos!“ (wie „demokratisch“ ist ein solcher Ausspruch?) gefruchtet zu haben. Die Leute scheinen das wirklich zu glauben und schlucken alles, damit es nicht „noch schlimmer kommt“. Jeder muss dafür halt sein Opfer bringen (siehe: Du bist Deutschland!). Dass alle Kürzungen der letzten Jahre immer noch keine neuen Jobs gebracht haben, sondern weniger und dass es obendrein bei den bestehenden Jobs immer weniger sozialversicherungspflichtige gibt (Minijobs!) spricht doch Bände. Gleichzeitig stiegen die Unternhmensgewinne unter Rot-Grün (!) auf Rekordniveau (siehe etwa hier: http://www.wams.de/data/2004/11/07/357055.html).
    Die Leute werden sich noch umgucken! Viele kleine Schritte ergeben irgendwann eben doch den einen Großen!
    Wann ich das letzte mal auf eine Demo war?
    Im Sommer letztes Jahr bei einer Demonstration gegen einen Neonaziaufmarsch in Berlins Mitte. Übrigens: Wie ekelhaft scheinheilig ist es denn eigentlich wenn Politiker sich bei so einer Gelegenheit (verhinderung eines Naziaufmaschs vorm repräsentativen Brandenburger Tor) zu großen Reden und Appellen aufschwingen während sie den alljährlichen Aufmarsch zum 1. Mai im (unrepräsentativen) Hohenschönhausen kaum eines Wortes würdigen und es den „linken Chaoten“ überlassen sich dagegen zu stellen?! Ich rechne mich selbst nicht zu linksradikalen-Szene Berlins und versuche trotzdem jedes Jahr vorort zu sein um wenigstens Präsenz zu zeigen. Wenn ich dann aber am nächsten Tag in der Zeitung lesen muss „Extremisten beider Seiten“ wären nicht dazu gekommen sich zu prügeln, fühle ich mich mit den dumpfen Vertretern der anderen Seite gleichgesetzt und verarscht. Dass sind dann die gleichen Medien die sonst gerne zu Zivilcourage aufrufen!
    So! Das musste mal gesagt werden!

  30. 30

    Seine Meinung kann man doch auf unendlich viele verschiedene Weisen äußern:
    Man kann auf die Straße gehen und dort laut seine Meinung kundtun oder auch ganz leise mit Kerzen protestieren. Das ist doch aber nicht die einzige Form des Protests. Protestieren kann man auch schriftlich. Entweder im Internet, indem man schon fertige Protestschreiben ausfüllt und via Mail abschickt oder man greift mal selbst zum Stift (oder zur Tastatur) und verfasst seinen Protest. Meinungen kann man auch durch Spenden unterstützen, wenn man ein Projekt gut findet und weiß, wie schwer manches auf Grund leerer Kassen auf die Beine zu stellen ist. Oder einfach bestimmte Waren im Supermarkt nicht kauft, weil man deren Herstellung moralisch verwerflich findet. Indem man kleine Händler unterstützt und nicht in den riesigen Discountern kauft.

    Wenn man Protest also nicht nur mit „Ich-geh-auf-die-Straße“ definiert, dann protestiert doch jeder von uns auf die ein oder andere Weise häufiger, als die Medien es vermuten lassen. Nämlich fast jeden Tag. Nur eben still und nicht immer in der Gruppe. Es ist aber Protest!

  31. 31

    Hallo Jonny, da ich gerne immer mal wieder in Deinem Blog lese oder Deine Podcast höre, will ich hier auch mal rein schreiben.

    Massenevents wie der Christopher Street Day oder die Love Parade haben regen Zulauf und werden gern in den Medien gezeigt. Demos gegen Sozialabbau oder gegen Studiengebühren oder gegen die Beschneidung von Arbeitnehmer Rechten sind einfach nicht sexy genug.
    Langweilige latsch Demos, die nichts bewirken und noch nicht mal Spaß machen hohlen eben auch nur wenige hinterm Ofen hervor. Oftmals noch nicht einmal diejenigen, die direkt Betroffen sind.

    Um Demos Nachhaltigkeit zu verleihen müsste Solidarität vielleicht auch Spaß machen und nicht nur ein notwendiges Übel oder eine Pflicht zu sein. Viele von uns sind heute viel zu ich bezogen um Solidarität aufregend, lustig und wichtig zu finden.

    Die Franzosen haben soweit ich weiß, sehr früh gelernt ihre Demos auch per Email zu organisieren und somit grundsätzlich auch ein entspannteres, weil alltäglicheres, Verhältnis zum Netz und dessen Möglichkeiten. Was sicher ohne den Druck die Straße nutzen zu müssen, weil sie ansonsten schnell ganz alt aussehen würden auch so nicht denkbar wäre.

    Aufgefallen ist mir bei den Beiträgen hier, dass gesagt wird die französische Presse sei unfreier als die deutsche. Dann stellt sich doch die Frage, ob, denn in Frankreich über die Demos öffentlich berichtet wird oder ist die deutsche Presse einfach besser, wenn es um die Berichte französischer Demos geht und im eigenen Land macht sie die Augen zu?

    Für aktive Demonstranten ist es sicher frustrierend, wenn sie merken, das die Medien sie übersehen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass, wenn die Blogger Szene in Deutschland so wächst wie in den letzten 3 — 4 Jahren, auch die Wahrnehmung von Widerstand z.B. gegen Sozialabbau verstärkt in die Öffentlichkeit getragen werden könnte.

    In meine letzte Demo bin ich ganz zufällig hinein geschlittert. Es war eine Bambule Demo http://www.flickr.com/photos/99044251@N00/ in Hamburg. Lustigerweise war mir das ein Jahr zuvor schon einmal passiert. Ich bin beide Male mitgelaufen, weil ich das Polizeiaufgebot im Verhältnis zu den Demonstranten beängstigend hoch fand und sehen wollte wie sich die Polizei verhält. Das war z.B. eine Demo, die ich für mich als inspirierend empfunden habe, weil die Demonstranten erfrischend kreativ und authentisch waren. Die starken Abgrenzungswünsche gegen alles was irgendwie anderes ist als man selbst, als das eigene Sicherheitsbedürfnis oder die eigene Lebensweise empfinde ich zunehmend als sozial faschistoid. Und wenn man sich mal genauer umsieht in dieser Gesellschaft, dann trifft man an jeder Ecke diese grauenhafte Doppelmoral in der Zivilcourage gepredigt aber den realen, alltäglichen Einsatz schuldig bleibt. Das Problem ist, das diese Mischung auf Angst und Hysterie diese Gesellschaft eben auch zu strukturieren vermag. Das ist ein Dilemma und vielleicht wirklich ein Skandal aus dem wir nicht so leicht heraus kommen werden.

  32. 32

    Meine Webadresse wird falsch angezeigt.

  33. 33

    So ist´s richtig :-))

  34. 34

    Ich habe jetzt aus Zeitgründen nicht alle Kommentare gelesen, die hier schon abgegeben wurden. Daher wiederhole ich vielleicht jemanden oder ähnliches.

    Ich muss aber sagen, dass ich ungern demonstriere. Nicht, weil ich politische Meinungsäußerung nicht mag. Im Gegenteil. Bei Demonstrationen habe ich nur oft das Gefühl, von Leuten / Organisationen eingespannt und instrumentalisiert zu werden, deren Linie ich überhaupt nicht teile und mit denen ich auch nichts zu tun haben will. Vielleicht stimmt man dann im Einzelfall in einem Einzelpunkt überein. Trotzdem dreht sich mir dann der Magen um, wenn z.B. eine Partei im Anschluss verkündet, „ihre“ Demonstration wäre ein voller Erfolg gewesen.
    Ich vertrete meine Meinung lieber lautstark in Situationen, in denen vielleicht auch nicht jeder damit rechnet und somit eher geschockt oder zum Denken angeregt wird und gehe den Einzelnen direkt an, der z.B. fremdenfeindliche Ansichten vertritt und isoliere ihn, treibe ihn in die Enge. Ich brauche keine anonyme Masse, um das Beziehen einer Stellung zu wagen.

    Gleichzeitig gebe ich aber realistischerweise zu, dass bei viele politischen Aktivitäten gilt: die Masse macht’s. Sonst verhallt die eigene einzelne Stimme ungehört.

  35. 35

    Bin wohl etwas spät „” aber egal. Meine Letzte Demo war vor zwei Jahren, Chur (wohne in der Schweiz), gegen das WEF. Aber da versteht die Polizei/Regierung/Werauchimmer überhaupt keinen Spass: Die Demo war friedlich, aber beim Heimkehren wurde ein ganzer Zug angehalten, alle Insassen zusammengetrieben und alle einzeln auseinandergenommen. In der Presse dann das übliche „Linksextreme haben das verdient“, wobei von den 1000 Kontrollierten „nur“ gerade ein Fünftel Linksextreme waren… Und seltsamerweise wurden in Folge alle aufgenommenen Personalien von der Polizei Graubünden an den Staat weitergegeben, etwa ein Viertel davon Touristen wohlgemerkt, und die Klage gegen die Polizei von 35 Personen wurde abgelehnt. Wer’s interessiert: http://www.woz.ch
    Was ich eigentlich sagen wollte: Seit da war ich an keiner Demo mehr, shame on me. Leider hat die Polizei genau das erreicht, was sie wollte. Für mich ist klar, dass diese Aktion ein Abschreckungsmanöver war, um möglichst viele Anti-Globalisierungsbewegungs-Symphatisanten davon abzuhalten, mit den „Radikalen“ zu demonstrieren. In der Schweiz ist wohl demonstrieren auch etwas „Abwegiges“, noch mehr als in Deutschland. wir haben dafür eine ganz tolle direkte Demokratie und können über Wichtiges (und auch weniger Wichtiges) abstimmen…

  36. 36

    zum Thema Free Speech:

    Maulkorb für Blogs und Foren
    Gemeinsam gegen den Abmahnwahn: Zur Zeit macht eine Abmahnwelle gegen Forenbetreiber die freie Meinungsäusserung im Internet immer schwieriger. Um die Netzkultur aufrecht zu erhalten müssen wir zusammen eine negative Feststellungsklage erstreiten.

    http://www.eselkult.tk/blog/?p=270

Diesen Artikel kommentieren