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Videogame-Forschung

Was keiner Pro-Familien-Werbekampagne bisher gelang schaffte die 1. Internationale Computerspiel-Konferenz in Köln, „Clash Of Realities“ betitelt, mit Leichtigkeit: Sie ermutigte Akademiker, Kinder zu bekommen.

Nicht direkt, natürlich. Doch es fiel auf, dass einige der Vortragenden ihre Erfahrungen, Studien und Ergebnisse auf persönliche Beobachtungen des eigenen Nachwuchses stützten – schließlich ging es um Videogames, die im Allgemeinen Kindern und Jugendlichen zugeordnet werden (ein Trugschluss übrigens, wie wir als Zuhörer später erfahren sollten).

Muss man sich überhaupt auf akademischem Niveau mit elektronischen Spielen auseinandersetzen? Ja, muss man. Kein anderes neuzeitliches Unterhaltungsmedium, vom Internet mal abgesehen, beeinflusst die kommenden Generationen so sehr wie Comutergames und so hat es nicht überrascht, als Dr. Wolfgang Bergmann in seiner Eröffnungsrede die These vertrat, dass heutige Kinder durch Videogames auf die Arbeitswelt ihrer Zukunft vorbereitet würden. Schließlich seien immer mehr Handelsplätze rein virtueller Art – den Aktienmarkt erwähnte Dr. Bergmann als aktuelles Beispiel.

Und so lagen zwischen dieser Eröffnung und dem spannenden Abschluss von Dr. Karin Wenz, die nicht nur von ihren Erfahrungen als Gilden-Leiterin diverser Online-Rollenspiele berichtete sondern durch einige Game-Videos auch den nicht selbst spielenden Zuhörer/-innen einen Eindruck dieser fremden Welten verschaffen konnte, einige spannende und anregende Stunden. Viel Futter für’s Hirn, garantiert auch für die Veranstalter aus Wissenschaft und Wirtschaft, die bereits über ein zweites Mal nachdenken.

Hinweis/Disclaimer: Gemeinsam mit dem geschätzten Blogger-Kollegen Mo von d-frag habe ich für den Mitveranstalter EA per Podcasts von der Konferenz berichtet. Erwähnungen auf Spreeblick waren nicht Teil der Vereinbarung mit EA, da die Podcasts jedoch einige O-Töne der Referenten beinhalten und meiner Meinung nach eine gute Zusammenfassung der drei Tage bieten, empfehle ich sie euch hiermit gerne.

Weitere Berichte u.a. bei heise und Zeitspuk.

11 Kommentare

  1. 01

    Bin zwar selbst kein allzu großer Zocker, habe aber eure Podcasts mit Interesse verfolgt und hatte den Eindruck, dass hier endlich mal abseits der Pseudo-Diskusion um „Verbote“ zum Schutz der Jugend auf hohem Niveau diskutiert wurde.

  2. 02

    Danke :) – Genauer gibt’s die Berichte unter: http://www.zeitspuk.de/plugin/tag/clash+of+realities
    (so für den Fall, dass sie von der Startseite verschwinden)

  3. 03

    Wie kann ich die Podcasts von der EA-Seite runterladen?
    *verwirrt bin*

  4. 04

    Ja. Man muss sich auf akademischem Niveau mit Computerspielen beschäftigen. Machen wir ja mit allen anderen Formen der Unterhaltung auch. Ja. Computerspiele haben das Potential auch zu Kunst zu werden oder tun es schon. Und ja. Computerspiele prägen immer mehr Menschen immer nachhaltigter. Aber man muss auch vorsichtig sein. Jedes neue Medium wird mit Utopien und Dystopien empfangen, immer. Und am Ende wird es sehr normal, alltäglich, gleichsam unbedeutend und nur in Ausnahmefällen über sich hinauswachsen.

  5. 05

    Oh. Und Ja. Die Podcasts sind schön. Schön, Mo auch mal zu hören und nicht nur zu lesen.

  6. 06

    Seltsam wie sich zwei sehr unterschiedliche Beiträge auf dem Niveau von Gesellschaft überschneiden können..

  7. 07
    gregor

    Abo-Link? Podcatcher? Kann ich nix mit anfangen, zu kompliziert.

  8. 08
    kasos

    Man kann auch sagen, dass dort viel zu wenig kritisch über die negativen Auswirkungen diskutiert wurde (war auch da) und der einzige Referent, der nicht aus dem Elfenbeinturm der Geisteswissenschaftler einen kritischen Blick auf die Geschichte geworfen hat Prof. Mathiak, konnte sich leider rhetorisich nicht so verständlich machen wie das nötig gewesen wäre, mit seiner Botschaft, dass Egoshooter nachweislich Aggressionen fördern, zumindest biologisch. Was auch immer das für Konsequenzen für die einzelnen Spieler haben wird.

  9. 09
    Matze

    Ich finde zwar Games technisch oft wunderbar (grafisch, musikalisch und vermehrt auch von der Geschichte) aber dennoch bin ich gegen sie:
    -Sie sprechen raffiniert das menschliche Belohnungssystem an (wer zockt weiß, wie schwer es sein kann, aufzuhören)
    -Sie haben definitv das Potential zur Sucht
    -gerade bei Jugendlichen ermöglichen sie die Flucht vor der Realität, Freunde finden und sich mit denen zu unterhalten, etwas zu machen

    Ich persönlich habe auch noch den Vergleich zur DDR (ich will sie nicht zurück, keine Angst): Da gab es keine (kaum) Computer und die Leute waren mehr draußen, haben gebolzt etc. (oder halt Vorträge von Krenzsoldaten gehört)

    Ich war in Singapur auf einer Game-Konferenz (und dort zocken Familienväter im Internet, ist also relativ normal) und habe dort mit Gamemanagern gesprochen, jeder meinte: Games sind Teil der Medienkultur und nicht schädlich (in Maßen).

    Der Gamemarkt ist in Deutschland größer als der DVD-Markt – ich bin sehr sehr mißtrauisch gegenüber dem Genre, weil ein größter werdende Industrie dahinter steckt und die will vor allem Geld, erst danach geht es ihr ums Image.

    Ich weiß, es gibt viele, die zocken ab und zu aber die Zahl der Zocker hat absolut zugenommen (und wird bestärkt durch Geldverdienende Vorbilder wie Team3d), die Lehrer klagen über die mangelnde Fähigkeit von Schülern zuzuhören, die Aufmerksamkeit sinkt.

    Ich merke das auch bei meinen Schülern, die nicht zocken, Sport machen sind wesentlich konzentrierter (meist die Mädchen)

    Schuld: Zu viel Games und TV. (Mit Betonung auf ZUVIEL)

    Die Game-Industrie sagt ja immer wieder, daß Kids sich in Game ausprobieren und virtuelle Welten erforschen können.
    Warum erforschen sie nicht die Welt um sich herum?

    Viele Kinder wissen nicht mehr, was Kohlrabi, was Radischen, was Sellerie ist … was wird das für eine Welt?
    Ein paar Gebildete, die in Biosupermärkten einkaufen und der Rest?
    Hartz IV-Burger in der Hand, Games auf’m Handy und sonst nix in der Birne? (ok, das war polemisch)

    Gab es da irgendetwas auf der Konferenz? (Außer diese: Wir-machen-keine-Killerspiele-Verteidigung)

    Wie bekommt man also Kids mehr zu Lesen, Bewegen? Man kann es ja nicht befehlen. (Und das ist ja auch gut so.)

    Vielleicht ist ja der ein oder andere Spreeblicker selsbst Elternteil: Wie macht ihr das?

    Zum Abschluß nochmal, ich finde viele Games atemberaumbend, grafisch, inhaltlich und musikalisch aber gerade daher auch gefährlich.

  10. 10
    Fabian

    Bloggen macht auch süchtig.

  11. 11
    Matze

    @fabian

    Im Prinzip kann alles süchtig machen (ich zum Beispiel bin süchtig nach DiHydrolMonnooxid und Dioxid (Wasser und Sauerstoff))

    Scherz beiseite:

    Mir ging es um die Frage, wie man Kids zum Lesen bekommt (damit sie z.B. bloggen, lernen diefferenziert zu denken, keine Meinungsrudelei zu betreiben (was Johnny ja kritisiert))

    Viele Grüße

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