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Bildblick

Eigentlich nicht unser Job, aber das muss sein.

BILD im „Gespräch“ mit „Deutschlands klügstem Kopf“, Prof. Arnulf Baring.

Die Vorgänge an der Rütli-Schule zeigen, daß die außerordentlich freundliche Aufnahme- und Zuzugspraxis ein Fehler war.

Und so weiter. Populistische Hetze und Rassismus pur, nachzulesen natürlich in der größten Zeitung Deutschlands. Wer für dieses Hetzblatt oder seinen Verlag arbeitet, wer diese tägliche Ansammlung von ekelhaften, widerwärtigen, Hass und Neid und Sexismus und Gewalt schürenden Pamphleten gegen jede Menschenwürde durch Kauf oder sonstwie unterstützt, der macht sich mitschuldig an einer sich rückwärts entwickelnden Gesellschaft, der ist mitverantwortlich für genau jene Probleme, für die die versammelte Rechte in diesem Land nun gerne und wiederholt und – endlich wieder! – mit viel Rückenwind „die Ausländer“ heranziehen möchte.

Und ja, das gilt auch für diejenigen, die schick literarisch daherkommen. Wer nicht „Nein“ sagt, sagt „Ja“.

66 Kommentare

  1. 01

    Acid, nee, solche Links sind schon im kommentierten Zusammenhang okay, schließlich ist es nicht falsch, sich mal umzusehen. Allerdings ist es leicht, rechtsextreme Sites aus jedem Land zu finden. Das war nicht, was Andrej meinte. Er redete von nicht komplett verstrahlten Leuten.

    Um mal ein wenig Feuer aus der Diskussion zu nehmen: Wir brauchen nicht darüber reden, wie wichtig die Sprache für den Integrationsprozess ist. An Kinderläden gibt es übrigens längst Sprachtests, die prüfen, ob Kinder vor der Einschulung noch zusätzliche Hilfe brauchen. Unter denen, die sie brauchen, befinden sich immer mehr deutschsprachige Kindern ohne Migrationshintergrund. Sprache ist ein Schlüssel, na klar.

    Acid, zu deinen Auswanderungsgedanken könnte ich einen endlosen Text schreiben. Sieh dir doch einfach mal die Historie der Einwandererfamilien an, beginnend bei den Gastarbeitern in den 60ern. Sieh dir an, mit welchem Elan diese Leute hierher gekommen sind, mit welcher Freude sie aufgenommen wurden, was ihnen versprochen wurde. Und dann sieh dir an, wie die Realität verlaufen ist, wieviel Ablehnung, Hass und Gewalt und wie wenig Hilfe und politische Unterstützung vielen dieser Familien in den letzten Jahrzehnten entgegengebracht wurde. Und dann stell dir vor, du würdest mit besten Intentionen in ein anderes Land gehen und hättest es trotz aller Mühen nach mehreren Generationen immer noch nicht geschafft, als „Inländer“ in diesem Land zu gelten. Ich wäre gespannt, wie du damit umgehst.

    Es geht nicht darum, Straftäter zu schützen, es geht nicht darum, Sprachkurse zu verhindern oder solchen Blödsinn. Es geht darum, den Menschen klar zu machen, dass die bestehenden Probleme gemeinsam mit den Immigranten und auch (nicht ausschließlich, sondern auch!) in ihrem Sinne angepackt und gelöst werden müssen. Denn sie sind Teil dieses Landes und sie werden es bleiben, alle westlichen Länder werden immer mehr aus gemischten Kulturen bestehen, da könnt ihr euch drehen und winden wie ihr wollt. Die gesellschaftliche Zukunft, Quatsch, Gegenwart, ist eine kulturell und auch religiös gemischte. Get over it, deal with it.

    Und genau da setzen die Probleme ein, denn diese Tatsache wird seit Jahrzehnten unter den Teppich gekehrt, totgeschwiegen und missachtet. Wir haben soziale Probleme, die politischen Hintergrund haben. Die Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsschichten aus einer Gesellschaft betrifft eben immer die Armen, Arbeitslosen, Ungebildeten und damit natürlich auch zu einem sehr großen Teil Migrantenfamilien. Aber eben nicht ausschließlich. Wer glaubt, die Probleme würden sich einzig an den Migranten aufhängen, tappt fröhlich pfeifend in genau jene Falle, die derzeit überall aufgestellt wird. Und ja, damit stellt man sich in eine Ecke, denn egal ob ihr es hören mögt oder nicht: Genau die gleiche Falle wurde schon einmal aufgestellt.

    Denkt ihr denn ernsthaft, wir hätten die vorhandenen Probleme nicht, wenn hier nur „echte“ (was immer das auch sein mag) Deutsche leben würden? Glaubt ihr, dann wäre alles prima? Glaubt ihr weiterhin im Ernst, man könnte die Probleme lösen, indem man Menschen dorthin schickt, wo ihre Urgroßeltern mal gelebt haben?

    Marcus Nenner: Na dann darf man ja nur froh sein, dass niemanden interessiert wofür du sonst noch so bist.

  2. 02

    zum thema „deutsch lernen“: es natürlich einfach es einzufordern…

    in der realität macht man es denen, die es lernen wollen allerdings denkbar schwer. bitte achtetet mal darauf, wie deutsch-muttersprachler plötzlich nur noch „gebrochen deutsch“ sprechen, wenn sie mit menschen reden, bei denen sie _denken_, dass sie nicht fliessend deutsch sprechen.

  3. 03

    Um „echte Deutsche“ geht’s nicht, Johnny. Ich bin selbst ein „Mischmasch“ (und von daher fühle ich mich in anderen westlich geprägten Ländern auch nicht fremder, als hier in .de). Ich nehme an, dass wir das Problem beim religiösen Hintergrund suchen können.
    Der Islam scheint mit den vielgepriesenen westlichen Werten einfach nicht kompatibel zu sein.

  4. 04

    @Johnny: vollste Zustimmung. Wir müssen reell existierende Probleme lösen, nicht ideologische Debatten um angebliche politische Projekte welchen Lagers auch immer führen.

    Gerade zum Thema der gleichen Falle fand ich die Überlegungen von Joerg sehr gut – er hatte den Link nur in den SpOn-Kommentare gesetzt, ich finde, hier passt er aber auch ganz gut.

  5. 05

    Acid, tatsächlich sind die Werte des Islam nicht weit weg von denen des Christentums. Aber lass mich die Frage anders stellen: Wären wir die Sorgen los, wenn keine Muslims in Deutschland leben würden?

  6. 06

    Wir müssen reell existierende Probleme lösen
    Hat denn schon jemand ’ne Idee?
    Bis jetzt habe ich von beiden Seiten nur Geschwätz gelesen.

    Und warum müssen wir die lösen?
    Wir haben weder die Mittel, noch haben wir was zu melden in dieser so genannten Demokratie.
    Wir könnten nur dämlich dastehen und dumm aus der Wäsche kucken.
    Vermutlich wird deswegen über alles ellenlang debattiert, was anderes bleibt uns ja nicht.

  7. 07

    Wären wir die Sorgen los, wenn keine Muslims in Deutschland leben würden?
    Nu ja, wir hätten eine Sorge weniger.
    Ganz dufte fänd ich allerdings, wenn die Christen auch verschwinden würden. Die sind mir ähnlich suspekt, besonders die Katholen.
    Das ist doch der Punkt: all der Streit, Kriege, Völkermorde – es steckt immer Religion dahinter.
    Allein die Tatsache, dass mensch die Religion als Krücke noch braucht, zeigt, dass ein Upgrade dringend nötig wäre.

    „Mein Gott ist größer als deiner!!“
    Dafür darf ich von meinem putzige Zeichnungen machen!!“
    „Aber meiner hat den besseren Steuerbrater!!“
    „Och menno!“

    Kindergarten massive! An Erbärmlichkeit schwer zu überbieten.
    Und wir reden hier über Erwachsene..

  8. 08
    Vermutlich wird deswegen über alles ellenlang debattiert, was anderes bleibt uns ja nicht.

    Entschuldige bitte, wir sind seit Jahren in Kinderladen und Schule engagiert und mischen uns ein, wo immer es geht, ich schreibe mir die Finger wund und hier steht eine kostenfreie Plattform zur Verfügung. Die Kanzlerin kann sicher etwas mehr erreichen, aber das alles als Geschwätz abzutun, ist Blödsinn. Schließlich bewegt sich ja was, jahrgangsübergreifendes Lernen, immer mehr Montessori-Zweige, die Diskussion um die Abschaffung der Hauptschule… nicht gerade Errungenschaften der Politik, sondern von Lehrern und Eltern.

    Und: Wir müssen das lösen, weil wir Teil der Gesellschaft sind. Es sind unsere Kindern und wir haben sie zu dem gemacht, was sie sind.

  9. 09

    Die Kanzlerin kann sicher etwas mehr erreichen
    Die Kanzlerin, bzw. die Politik generell, ist von der Realität so weit einfernt, wie Neptun von der Sonne. Daher die recht ungünstigen Rahmenbedingungen.
    All diese Probleme – Gewalt an Schule, Sprachschwierigkeiten, ect. sind ja nun wirklich nix Neues. Allerdings verschärfen sie sich immer mehr. Das lässt darauf schließen, dass wir (aka „Gesellschaft“) irgendwas völlig falsch machen und/oder gegen Windmühlen kämpfen.

    Wir hams vergeigt. Ich glaube nicht, dass auch nur die geringste Chance besteht, all die Fehler der letzten Jahrzehnte auch nur ansatzweise auszubügeln.

    Mir kommt da diese Szene aus „Titanic“ in den Sinn – die vier Musiker, die an Deck bis zur letzten Minute einfach weiterspielten. Genauso handhabe ich das auch.
    Ich kann mir diesen Fatalismus als Single (ohne Kinderwünsche/Pläne) allerdings leisten. Ich möchte nicht mit dir tauschen.

  10. 10
    Thomas

    Jeden Morgen beim Brötchenkaufen habe ich Lust, den Mistblatt-Stapel umzuwerfen. Aber mir ist schon klar, dass das nichts bringt. Hat denn jemand eine gute Idee, was man machen kann, um wenigstens etwas von der Wut ueber diese Idioten rauszulassen?

  11. 11

    Wir haben weder die Mittel, noch haben wir was zu melden in dieser so genannten Demokratie.

    Auch wenn ich den zweiten Teilsatz mitunter ebenfalls empfinde – den ersten kann ich nicht unkommentiert lassen. „Mittel“ kann nämlich tatsächlich auch gesellschaftliches Engagement sein.

    Dazu gehört z.B. ehrenamtliche Mitarbeit im Jugendbereich. Die größten Mittel, die man dafür braucht, sind Zeit. Und der Wille, wenn z.B. Gelder gekürzt werden, zu vernetzen, zu protestieren, Spenden zu sammeln. Und selbst, wenn’s gar nicht meine Kinder sind, sind sie auch meine Gesellschaft (und vor allem deren Zukunft).

    Aber man muss auch immer wieder debattieren, was denn noch für reelle Probleme bestehen. Vorher kann man sie ja auch gar nicht lösen.

  12. 12

    Servus,
    puh, hab mir das eben alles mal schon durchgelesen und kann jedem auf seine Weise verstehen und wenn man alles zusammenpackt und kombiniert auch zustimmen.
    Es gibt da keine einfache Lösung für, ja noch nicht mal einen einfachen Ansatzpunkt, wie alleine diese Diskussion hier schon zeigt…es sind nicht nur die Juden, die Muslime, die Christen, die Immigranten, die Deutschen – es sind wir alle zusammen die wir hier leben; und nicht nur hier in Deutschland leben, sondern auch in Frankreich, England, Türkei, Trinidad, Japan, Amerika, etc. Wir können zu jeder Tages- und Nachtzeit Nachrichten aus aller Welt empfangen; wir „wissen“ wie andere Leben, Denken, Handeln – das alles beinflusst uns, unsere Generation, die Immigranten, die „Dauerbewohner“, einfach alle beinflussen jeden (Globalisierung) und nun zu sagen „du bist Schuld, weil das dein Land ist“ oder „du bist schuld, weil du immigriert bist“ oder „du bist schuld, weil du ausländer sagst und nicht immigrant“ ist doch viel zu einfach und stupide.
    Oha, ob da einer kapiert was ich aussagen wollte?

    Noch eins zum Schluss: Meiner Meinung nach fehlt etwas RESPEKT in unserer Zeit! Ich war Jahrelang ehrenamtlich im Jugendbereich unseres Fussballvereins tätig, und ich hatte von Jahr zu Jahr das Gefühl die Jugend tanzt einem immer mehr auf der Nase rum; egal ob „UR-Deutscher“ oder „Eben-Angekommender“.

  13. 13
    qwerty

    Ganz im Ernst? Jemand, der hinreichend viel Zeit, Mut und Courage hat, könnte Anzeige wegen Volksverhetzung stellen. Nicht mit der Intention, mit einer solchen Anzeige erfolg zu haben, sondern, um eine Diskussion anzustoßen, und um vielleicht 30 Sekunden in den Sehrspätnachrichten zu bekommen.

    § 130 StGb Volksverhetzung
    (1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,
    1. zum Haß gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt oder zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordert oder
    2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, daß er Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,
    wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

    Warum trauen sich höchstens die zeitlich gekürzten politischen Magazine der öffentlich-rechtlichen, überhaupt über dieses Käseblatt und dessen kriminelle Machenschaften zu berichten? Dass jeder Mensch, der eine Bild-Zeitung kauft, weitergibt, oder auch nur in der S-Bahn nicht weg wirft, wenn sie niemandem gehört (habe ich mir angewöhnt), so einen Müll unterstützt.

    Wie wäre es mit einem „Bild“-Verbot an Schulen? ;)

    Und wo gibt es Buttons, Anstecker und T-Shirts, die die „Bild“ parodieren und -um es in den Worten von §130 StGb zu sagen- „verächtlich machen“?

    Mag ja sein, dass ich das nur nicht mitbekommen habe, aber mir fehlte irgendwie alleine dieses „XY hat die Darstellungen der Bild-Zeitung scharf kritisiert“.

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