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P(W)MS

Liebes Dr.-Sommer-Team!
Neben dem allmonatlichen PMS (Prämenstruelles Syndrom) leide ich nun schon seit geraumer Zeit an einer mir rätselhaften Erkrankung. Ich habe sie PWMS getauft.

Die Symptome sind Kurzatmigkeit in Supermärkten, nervöses Zucken beim Anschalten der Lieblingssoap, Brüsteschrumpfen beim Radiohören.
Obschon die Träger dieser neuen Krankheit Heterosexuelle männlichen Geschlechts sind, scheint das Leiden nur bei Frauen, Homosexuellen und PDS-Wählern aufzutreten. Wie kann das sein? Eine Krankheit, die den Wirt bei bester Gesundheit belässt, unter der seine Mitmenschen jedoch leiden? Wie Makaken, denen das HI-Virus nichts anhaben kann, gieren Männer nach immer neuen Fußballkontakten, stehen an den Ballbordellen Samstag für Samstag an, um bei jedem Schuss mit orgiastischem Geheul der kollektiven Ekstase näher zu kommen.

Die Pornomafia der diversen Fußballsender gibt den Süchtigen ihren Stoff in verschiedenen Dosen, mal die Extrapillenpackung für den Monsterrave, mal nur ein kleines Tütchen für zwischendurch, doch immer ist das Grün bildschirmfüllend präsent.
Immerzu und immer.
Aber wenn es nur das wäre, es würde ja reichen, den Fernseher auszuschalten und sich in das Leben zu stürzen.
Doch die Krankheitserreger lauern allerorten.
Wenn ich am Ende einer sehr langen Schlange an einer Kasse stehe und mich mit jedem Zentimeter mehr auf das Kaugummi- und Bonbonregal freue, um wenigstens das letzte Drittel der Anstehzeit mit wichtigem Abwägen verbringen zu können, ist es schon eine bittere Enttäuschung, wenn dort die Hälfte des Sortiments schwarz-rot-goldenen Socken weichen musste.
Einkaufshintergrunds-Tralala brennt in den Ohren, Würste im Glas, die den Charme von kleinen-bis-mittelgroßen unerigierten Penissen verströmen, schwarzrotgoldgrüngoleo2006superneu
bällesammelalbengrinsendemännerinkurzenhosen….

In so einem Moment hatte ich meine erste PWMS-Attacke.
Als mich kürzlich der Bankberater mit äußerst attraktiven Geschenkangeboten lockte, offenbarten sich diese als Fußball-und-WM-Trikot . Man wolle ja schließlich „offiziell bei der WM dabei sein können“.
Mir brach ein Nagel. Und meine Sekretion stoppte. Bis zum heutigen Tag.

Dabei habe ich gar nichts gegen Fußball. Ich finde sogar, dass so ein Fußballspiel im Fernsehen Gemütlichkeit verbreitet. Aus Sicht des Hobbyneurologen aktiviert es bei Frauen dieselben Hirnareale wie ein Testbild. Je nach Wetterlage wird auch mal der Mandelkern, die Region für Empathie, berührt – wir haben dann Mitleid, wenn die Armen bei Regen und Schnee spielen müssen. Abgesehen davon, dass 90 Minuten laufen ja sowieso schon eine Tortur sein müssen.
Na gut, wenn ich dann wirklich mal ein komplettes Spiel mitverfolge, lässt mich der Punktestand natürlich auch nicht vollkommen kalt. (Wobei ich mich auch hier in einer verzwickten Lage befinde: Wie soll ich um Himmels Willen entscheiden, ob ich für Hertha oder Hürth-Kalscheuren, äh, Greuther Fürth sein soll? Und es ist nicht so als sei diese Entscheidung bei internationalen Spielen leichter: Ganz früher war es mal out für das eigene Land zu sein, bald darauf wurde dann jedoch jede Deutsche, die sich für Italien freute, als auf-extravagant-machende Tussi belächelt, aber wie sieht das momentan aus? Ich hab nämlich die vage Vermutung, dass wir uns mal wieder auf der Kippe zum “Ich-bin-für-das-Land-in-dem-ich-meine-erste-große-Ferienliebe-kennengelernt-hab“
-Gutfinden-Dürfen befinden.) Wenn ich dann nach ca. 80 Minuten entschieden habe, wem ich die Daumen drücke und es zu einem phänomenalen 5:1 für mein Team kommt, kann es sogar sein, dass zarte Freude mein Blut durchströmt, vergleichbar mit dem Gefühl, bei 9Live ein Wort zusammengebastelt zu haben, nicht gar so intensiv vielleicht.
Eher so wie damals, als ich „Familienduell“ nach der Schule im Fernsehen schaute und eine Familie K* gewann (Ich heiße Carlotta K*).
Meistens bleibt das Ganze jedoch eine fremde Welt, nicht fremde Welt im Sinne von dunkel, lockend und exotisch; fremde Welt im Sinne von: Weißrussland.
Wenn ich zum Beispiel Hertha höre, denke ich an meine Freundin S*. Nicht etwa, weil diese ein riesiger Fußballfan sei, sondern weil ihr Ewig-Schwarm seit Jahren den Codenamen Zimbo trägt (eigentlich müsste ich S* mal fragen, ob dieser Name etwas mit einer eventuell vorhandenen unmäßigen Vorhaut zu tun hat). Dass Beckenbauer irgendwas mit Fußball zu tun hat, wusste ich schon immer. So wie Lukaschenko irgendetwas mit Weißrussland zu tun hat. Mittlerweile weiß ich sogar, dass er wohl mal selbst Fußballer war. Mittlerweile heißt: Nach den ersten paar Wochen der aktuellen Umerziehung, verglichen mit der Maos Kulturrevolution ein gelangweilt hingeklatschtes Sommerfest der Pfarrgemeinde Kell war.
Dr. Sommer, ich bin verzweifelt, gestern habe ich mich auf den Fuß meines Freundes übergeben, der Anblick seiner nackten Waden verursacht Weinkrämpfe.

ANTWORT DR. SOMMER:
Sie könnten verreisen.
Wie wäre es mit Weißrussland?

7 Kommentare

  1. 01

    brüsteschrumpfen, das ist mal was. sehr schön auf den punkt gebracht.

  2. 02

    du bist schwul, was schreibst du nur? ich finde dieser beitrag ist nichts als lauwarme luft an einem beschissenem frühlingstag wie momentan in berlin. sorry aber lass dir was besseres einfallen und nein, ich bin nicht PDS Wähler und keine Frau! (wie kann man die beiden in einen Topf stecken?!)

  3. 03

    endlich wird hier mal so richtig gebashed.

  4. 04

    @ rn7000
    erstaunliches phänomen, dass du es schaffst, schriftzeichen in deinen rechner einzugeben, das müsste man mal näher untersuchen. nächster schritt wäre, die schriftzeichen in einen sinnvollen zusammenhang zu bringen. schau dir nochmal den namen der autorin an, vielleicht blinkt dann ein lichtlein in der düsternis deines schädels.

  5. 05

    Also, Leute, ihr habt Probleme…!
    Wie meine Oma mal gesagt hat: “Hauptsache, es gibt keinen Krieg…”

  6. 06

    HAHAHAAAA!
    Habt ihr euch die URL von rn7000 angeschaut?
    Unsere alten Freunde, die ihren Angestellten Praktikanten offensichtlich noch immer nicht beigebogen haben, dass sie in der Mittagspause nicht dauernd den kaum mehr zu versaubeutelnden Ruf ihres ArbeitPraktikumsgebers versaubeuteln sollen!

  7. 07

    @ tanja
    hatte ich gesehen, aber da muss es sich doch um einen humorversuch von rn7000 handeln, sowas kann es doch gar nicht geben?!
    wollte gegenüber dem lottchenbeschimpfer nicht zugeben, dass ich das witzig fand;)

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